Golden Boy: die Startreihenfolge für 2015

Das ging ja fix: knapp eine Woche nach dem offiziellen Einsendeschluss für die Beiträge für Wien legte der ORF heute bereits die handgeklöppelte Startreihenfolge in den beiden Qualifikationsrunden vor. Dabei fällt auf, dass der gastgebende Sender am Dienstag und Donnerstag unterschiedliche Strategien fährt: verteilte man im ersten Semi die etwas schnelleren Titel relativ gleichmäßig zwischen den Langweilerballaden, so dass dem Publikum keine Gelegenheit zum dauerhaften Wegdämmern gegeben wird, so gab man im zweiten Semi aus schierer Materialnot auf. Ab Position zwei ballen sich dort sieben Balladen am Stück – die Einnahme von Aufputschmitteln ist hier dringend anzuraten! Immerhin bildete man kleine thematische Schwerpunkte mit einer serbisch-deutschen Kitschschlagerkombo (für Montenegro und San Marino) auf den Startplätzen 3 und 4, gefolgt vom maltesisch-norwegischen Düsternisdoppel auf den Positionen 5 und 6.

Schnell – langsam – schnell: ein ausgewogenes erstes Semi

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Montenegro 2015: bye bye, Refrain, bye bye

Er war der allererste, der als Teilnehmer für Wien benannt wurde, und der allerletzte, der seinen Song ablieferte: die Akklamation von Nenad ‘Knez’ Knežević als Montenegros Repräsentant erfolgte bereits Ende Oktober 2014, seinen Beitrag ‘Adio’ stellte er erst nach allen anderen 39 Konkurrenten am heutigen Tage vor. Wer nun glaubt, Knez’ Komponist, der allseits bekannte Željko Joksimović (RS 2004, 2012), dem wir die divaeske Verspätung wohl verdanken, habe die lange Zeit genutzt, einen (wie ursprünglich angekündigt) uptemporären Pop-Knüller zu schreiben, sieht sich enttäuscht: ‘Adio’, so der Titel des Machwerks, entpuppt sich als balladesker, süßlicher Balkanschlager der allerkitschigsten Sorte. Die Geigen schluchzen, das Akkordeon mäandert und Željko, der eigentlich die Backgroundstimme singen soll, ist so prominent nach vorne gemischt, dass man von Knez (der auf dem Pressefoto ausschaut wie ein zu stark gebotoxter, schwuler Magier im Rentenalter) gar nichts mehr hört. Das wäre alles verzeihlich, hätte der serbische Ralph Siegel die neben dem für das lyrische Aroma unverzichtbaren “Ruzmarin” wichtigste Zutat nicht vergessen: den Refrain!


Siegfried ohne Roy: der Knez aus Montenegro

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Armenien spielt mit dem Schatten

Welche Hintergrundgespräche wohl dieser Meldung vorausgingen? “Um das Konzept einer Hymne des Friedens, der Liebe und der Einigkeit zu stärken,” so das fast schon ironische Zitat in der offiziellen Mitteilung der EBU, ändere das armenische Fernsehen “auf eigenen Wunsch” den Titel seines Beitrags von ‘Don’t deny’ zu ‘Face the Shadow’. Damit solle jeglichem Verdacht eines politischen Inhalts begegnet werden, weswegen die EBU-Lenkungsgruppe das Ansinnen freudig begrüße. Der Song beschäftigt sich bekanntermaßen mit dem Völkermord von 1915, der eine Massenauswanderung von Armeniern in alle Welt zufolge hatte, weswegen sich die Genealogy (Ahnenforschung) benannte Gruppe auch aus sechs Exilhajastanern zusammensetzt. Der englische, im Refrain hauptsächlich aus der unmissverständlichen Forderung ‘Don’t deny’ (‘Leugne nicht’) bestehende Liedtext bleibt indes unverändert. Nun ist die Aufforderung, sich dem Schatten (der dunklen Vergangenheit) zu stellen, nicht viel unpolitischer als der nachdrücklich vorgetragene Wunsch, (den Genozid) nicht weiter zu leugnen. Als reine Spekulation muss aber gelten, dass es sich beim nun gefundenen Titel um einen Kompromiss zwischen den mutmaßlich beschwerdeführenden Aserbaidschanern, der von politischen Verstrickungen unbehelligt bleiben wollenden EBU und den sendungsbewussten Armeniern handeln könnte. Ich vermute, das wird nicht die letzte Mitteilung zum Thema gewesen sein…


Die Spiele sind eröffnet!

Tommy Krångh: ich gebärde, also bin ich

Zeit für ein neues Internetphänomen: nach dem Epic Sax Guy (dem Saxophonisten der moldawischen Band Sunstroke Project, der 2010 Berühmtheit dafür erlangte, mit seinem Gerät eine sehr liebevolle Beziehung zu führen) schenkt uns der Eurovision Song Contest heuer etwas noch Besseres: in Form von Tommy Krångh, seines Zeichens Gebärdendolmetscher beim schwedischen Sender SVT. Das skandinavische Fernsehen lässt nämlich – im Gegensatz zu den deutschen Kollegen um die Relevanz des Wettbewerbs wissend – auch das Melodifestivalen für schwerhörige und taube Menschen simultan übersetzen. Hierbei legte sich Krångh dermaßen ins Zeug, dass er die eigentlichen Auftritte der Stars rundheraus überflügelte. Das gilt schon für den Siegertitel ‘Heroes’, im besonderen Maße aber für seine Interpretation von Magnus Carlssons klassischem, mittelfeldplatzierten Grand-Prix-Schlager ‘Möt mig i gamla stan’, den Krång erst durch sein liebevoll campes Gebärden unsterblich machte. Weil er den Titel so offensichtlich liebt und sich deutlich mehr reinhängt als der Sänger selbst. Es ist ein unfassliches Vergnügen, ihm zuzuschauen und ich hoffe, wir sehen den Mann bald auf einer Eurovisionsbühne! Vielleicht noch in Wien?

Auf jeden Fall weiß ich jetzt schon, wen ich Wien im Euroclub diese Darbietung nachtanzen sehe!

Mazedonien 2015: Mein Freund der Baum ist tot

Angedroht war es seit seinem Sieg beim mazedonischen Vorentscheid irgendwann damals in der Kreidezeit, vor wenigen Tagen bestätigte Daniel Kajmakoski es nochmals per Pressemitteilung, und seit heute liegt der audiovisuelle Beweis vor: ‘Lisja Esenski’, der Beitrag des Balkanlandes, geht in Wien (wo der Sänger lebt) als ‘Autumn Leaves’ an den Start. Und wie schon befürchtet, ist dadurch alles nur noch schlimmer geworden. Erwies sich der Song in der Landessprache schon nicht als unbedingter Knüller, so verfügte er doch zumindest über einen gewissen Charme, so dass man sich den Titel mit etwas gutem Willen durchaus schönhören konnte. Nun änderte Daniel nicht nur die Sprache, sondern schraubte ebenso am Arrangement herum, hier leider ebenfalls genau in die falsche Richtung: der Song ist jetzt (noch) weniger poppig, weniger hymnisch, unrunder und holpriger. Und am Ende blutet er winselnd aus wie ein überfahrenes Kätzchen auf der Landstraße, anstatt sich zu einem letzten Notenfeuerwerk aufzuschwingen, wie noch in der Ursprungsversion. So leid es mir tut, gerade weil ich das Lied langsam wirklich mochte: aber diese Fassung ist ein einziger Griff ins Klo. Schade!


Immerhin: ein sehr, sehr schönes Zeichentrickvideo gibt’s nun!

Und? Fällt das Herbstlaub auf englisch schöner als auf mazedonisch?

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Australien 2015: in it to win it

Ach, wie wohltuend, mit Australien ein Newcomerland am Start zu haben, das mit einer herrlich lässigen Mischung aus Unverkrampfheit und Respekt an die Sache geht. Bei der (ebenfalls wohltuend selbstironisch-fröhlichen) Pressekonferenz zur Vorstellung des Kandidaten, Guy Sebastian, vor knapp zwei Wochen drohte der Sänger noch an, für Wien eine Ballade aus seinem aktuellen Album auswählen zu wollen. Nun hörten sich die Aussies aber zwischenzeitlich offenbar das Konkurrentenfeld an und stellten fest, dass die Quote für lahmes Zeugs in diesem Jahr bereits um ein Vielfaches übererfüllt ist. Also setzte sich Guy noch mal auf den Hosenboden und komponierte innerhalb von nur 72 Stunden einen funkelnagelneuen RnB-Uptemposong. Und der ist ihm ausgesprochen gut gelungen! Sicher erfindet ‘Tonight again’ das Genre nicht neu, zeichnet sich aber durch sofortige Eingängigkeit und eine leichte, funkige Verspieltheit aus, ohne dabei das Ziel aus dem Auge zu verlieren. Das dürfte in Wien sicherlich ganz weit oben mitspielen!


Guy (AU) gibt uns die männliche Lena: zielstrebig, aber locker

Der Lumpensammler nach Wien (NO, AZ, RU, SM 2015)

Eigentlich sollte heute Vormittag noch ein ausführlicher Bericht zum Melodi Grand Prix folgen, das ich am Samstag nicht mehr schaffte und Sonntag früh nachzuholen gedachte. Doch dann machte mir die Technik einen Strich durch die Rechnung – nie wieder PCs oder Laptops von Acer! Und zwischenzeitlich stapeln sich hier die noch in letzter Minute vor dem Einsendeschluss ausgewählten oder upgedateten Beiträge für Wien. Daher jetzt im Schnelldurchlauf alles Wichtige vom Wochenende. Die Norweger entschieden sich am Samstag sehenden Auges für noch eine Ballade – und sie trafen damit eine gute Wahl. ‘Monster like me’ von Mørland und Debrah Scarlett klingt nicht nur vom Namen her wie die Titelmelodie einer Teenager-Vampir-Drama-Serie, auch musikalisch und textlich überzeugt das düstere und dramatische Stück durch Tiefgang und Hingabe. Selbst das interpretierende Duo sieht passend blutarm aus. Meine neue Lieblingsballade des aktuellen Jahrgangs!


Nick Cave und Kylie grüßen mit einer Wildrose freundlich aus Tralien: Mørland & Debrah (NO)

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Schweden 2015: We are the People with Sand

Es war das antizipierte Ergebnis, vielleicht sogar noch deutlicher als erwartet: der sehr selbstverliebte, aber auch sehr hübsch anzuschauende Måns Zelmerlöw gewann heute Abend die wichtigste Vorentscheidung der Saison, das schwedische Melodifestivalen, mit dem Musterbeispiel eines perfekten Popsongs: ‘Heroes’ bietet einen sanften, leicht countryesken Einstieg; einen süffigen, sofort eingängigen Refrain; absolute Mitsingbarkeit; ein gefälliges Thema, sogar mit ganz leisen, dunklen Untertönen für den Anspruch; uptemporäre Tanzbarkeit (das dürfte im Euroclub mindestens einmal die Stunde laufen) und eine grandiose Show. Eine so eindrückliche Show übrigens, dass sie noch für Debatten sorgen dürfte, ob die Zuschauer für Måns oder die zum Verlieben niedlichen Zeichentrick-Heinzelmännchen anriefen, mit denen er perfekt interagierte. Unwillkürlich fühlt man sich an Mika Newton (UA 2011) erinnert, die Sängerin mit der Sandmalerin, die in Düsseldorf bei den Proben Anke Engelke zu der Parodie ‘We are the People with Sand and we draw the Sand’ hinriss. Doch das ist Quatsch, in mehrfacher Hinsicht.

Måns zum Rumsauen, die Heinzelmännchen zum Saubermachen: perfekt!

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Israel 2015: der Retter des Abendlandes

Noch nachzureichen gilt es den bereits am Donnerstag veröffentlichten israelischen Beitrag für Wien. Die Verspätung liegt auch daran, dass es mir (bis heute) nicht gelungen ist, angemessene Worte der Dankbarkeit und der Lobpreisung zu finden, die auch nur annähernd das Maß meiner glückseligen Freude über den Song ‘Golden Boy’ zum Ausdruck bringen könnten, mit dem der unerschrockene und heldenhafte Nadav Guedj das Unerhörte wagt. Das, was seit der Rückkehr der Jurys zum Song Contest strengstens verboten ist und was in diesem Jahr (bis auf die Briten, denen eh schon alles egal zu sein scheint) keiner auch nur ansatzweise riskiert: er verbreitet ungebremste Fröhlichkeit! Und schenkt uns mit der Textzeile “Before I leave / let me show you Tel Aviv” gar einen neuen Camp-Klassiker der Eric-Saade-Poesie-Schule. Fraglos stehen also die Grauen Herren (und Damen) der Jurys schon mit frisch angespitzten Wertungsbleistiften bereit, um sie ihm im Mai virtuell in den Hals zu rammen. Da Israel beim Publikumsvoting außer Russland – das im anderen Semi antritt – zudem über keine Punkteallianzpartner verfügt, steht das zuletzt 2010 erreichte Finale für das Nahostland aber wohl ohnehin nicht mehr auf Liste der realistischen Ziele.


Desperado, oh er ist ein Desperado: Golden Boy Nadav

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Österreich 2015: They’re beautiful

Österreich bleibt dem Bart treu: drei extrem gut aussehende junge Herren, allesamt mit schmückender Gesichtsbehaarung ausgestattet, treten in Wien die Nachfolge von Conchita Wurst (als Repräsentantin Austrias) an. Zu meinem großen Bedauern tun das The Makemakes, so der Name der heute Abend siegreichen Band, mit einer pianolastigen, in enervierend hoher Stimmlage intonierten Rockballade, die mich an mein absolutes musikalisches Top-Hassobjekt erinnert, das winselige britische Weichei James Blunt nämlich. Obschon, ein bisschen klingt ‘I am yours’ auch nach Coldplay, einer Kapelle, die ich kein Jota weniger verabscheue. Was diese beiden Acts allerdings vereint, ist ihr durchschlagender kommerzieller Erfolg, und auch für die sehr selbstbewusst auftretenden Machmacher und ihren hochgradig professionell dargebotenen Beitrag sollte ein Top-Ten-Ergebnis auf heimischem Grund (und ein potentieller Eurohit) im Rahmen des Möglichen liegen.

Nein, es ist der holländische Amish-Mann vom Vorjahr! The Makemakes

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Armenien 2015: die Liederleugnung

‘Don’t deny’‘Leugne nicht’, so heißt der armenische Beitrag für Wien, wie wir bereits schon seit einiger Zeit wissen. Im Englischen lässt sich “to deny” auch mit “verweigern” übersetzen, und wenn hier jemand etwas verweigert, dann die Armenier: uns einen richtigen Song nämlich! Das ganze Projekt dient bekanntlich der Thematisierung des von den Osmanen verübten und bis heute von der Türkei verleugneten Völkermords an den Armeniern vor exakt einhundert Jahren. Dass die Türken (und natürlich ihre Brüder, die Aserbaidschaner) sich nach wie vor weigern, die damaligen Vorfälle als Genozid anzuerkennen, bringt die Kaukasier zur Weißglut. Und so wollen sie die Eurovisionsbühne zur Aufklärung nutzen – und ordnen diesem drängenden Bedürfnis gar den Wunsch nach einem Eurovisionssieg unter.

Papa don’t pray: ein Contestlied wie eine Kundgebung

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Remix-Schlacht: die Kriegerinnen rüsten auf

Noch fehlen eine ganze Reihe von Songs für den diesjährigen Eurovision Song Contest in Wien, da reichen die ersten Länder schon ihre Remixe ein. Am interessantesten hierbei natürlich der Krieg der Kriegerinnen: legte Maltas ‘Warrior’ Amber Bodin mit einer orchestral bombastisch aufgemotzten Überarbeitung ihres leider nach wie vor völlig melodiefreien Kriegsgesangs vor, so konnte das ihre Kontrahentin Nina Sublatti aus Georgien natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Sie präsentierte nur kurze Zeit später einen ebenfalls deutlich hörbar aufgepumpten Remix und verwies ihre Gegenspielerin damit erneut deutlich in die Schranken.


Kann man noch prätentiöser singen als Amber (MT)?

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Russland 2015: für Frieden und Freiheit

Verschiedene Eurovisionsseiten vermeldeten es schon vor Tagen, heute kam die offizielle Bestätigung: die 27jährige Polina Gagarina (meines Wissens nicht verwandt mit dem Weltraumhelden) vertritt Russland in Wien. Selbstredend stammt sie aus einer Castingshow, ihr Beitrag sei von einem internationalen Team (laut esckaz: Gabriel Alares, Joakim Björnberg, Leonid Gutkin, Vladimir Matetskiy sowie Katrina Noorbergen, die auch am deutschen Wildcard-Siegersong ‘Jump the Gun’ beteiligt war) zusammengestoppelt, Verzeihung, -geschrieben und heißt ‘A Million Voices’. Der Songtitel lässt schon nicht Gutes erahnen, genau so wenig wie die kurzen Ausschnitte, die in einem ersten Präsentationsvideo zu erhaschen sind. Wie bei einer solch siegelesken Liedüberschrift zu erwarten, ist unter anderem von “Freedom” die Rede (Ups: beim nochmaligen Anhören stellt sich heraus, dass es “in Dreams” heißen soll. Diese Aussprache aber auch immer!), und ich wette einen Moskovskaya darauf, dass uns im weiteren Songverlauf noch die Worte “Love”, “Peace” oder “Hand in Hand” begegnen werden. Als eine der drei “beeindruckendsten Fakten” über die Sänger verbreitet eurovision.tv, dass die Sängerin nach einer Schwangerschaft 30 Kilo abgenommen habe und vor Live-Auftritten immer ein spezielles Parfüm auflege. Wenn’s Glück bringt…

Hoffnung ist Abwesenheit von Wissen (CZ, BE 2015)

Zwei bereits längere Zeit feststehende Beiträge zum Eurovision Song Contest 2015 erblickten gestern erstmals das Licht der Öffentlichkeit. Beginnen wir mit Tschechien, denn hier waren meine Erwartungen am höchsten. Hatte der Sender ČT doch die auch hierzulande als Gastsängerin von Oomph! und anderen Bands bekannte Marta Jandová und den Rocksänger Václav “Noid” Bárta nominiert, dessen bisheriges Portfolio auf einen düsteren, atmosphärischen Kracher hoffen ließ. Wie das bei hohen Erwartungen immer ist: sie müssen zwangsläufig enttäuscht werden. Nun ist ‘Hope never dies’ kein schlechter Song: Noids sexy tiefe Stimme und Martas engagierter Gesang ergänzen sich perfekt, dramatische Geigen und eine ordentliche Percussion heben die Rockballade ein wenig aus dem Meer der getragenen Langeweile dieses Jahrgangs heraus. Fraglos dürfte der Beitrag für das beste tschechische Eurovisionsergebnis sorgen.


Der Schöne und das Biest (CZ)

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Nun ist Polen doch verloren

Es scheint, dass der sechzigste Eurovision Song Contest in Wien den Inklusionsbambi gewinnen könnte. Nicht nur treten bekanntermaßen finnische Punks mit Down-Syndrom bzw. Autismus (und famosem Spaltpotenzial) und eine britische Vertreterin mit Mukoviszidose an; nun entsendet das polnische Fernsehen eine partiell gelähmte Sängerin. Monika Kuszyńska, die am Montag Abend annoncierte Repräsentantin des Landes, war bis zum Jahre 2006 noch die Frontstimme der Band Varius Manx, mit der sie sich 2003 bereits (erfolglos) um das Eurovisionsticket bewarb. In besagtem Schicksalsjahr war die Band in einen schweren Autounfall verwickelt, seither sitzt Monika im Rollstuhl. Prominente polnische Künstlerkollegen veranstalteten seinerzeit ein Charity-Konzert für sie und ihren lebensgefährlich verletzten Bandkollegen  Robert Janson, um die Kosten der Reha zu finanzieren.

Klingt leider nur vom Songtitel her wie U2: Monika Kuszyńska

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