Spanien 2015: Edurne macht das Jodeldiplom

Die iberische Interpretin Edurne García Almagro und ihr Songtitel ‘Amanecer’, geschrieben vom Schwedenteam G:son und Bostrom, stehen schon länger fest, der Beitrag war aber bislang noch nirgends zu hören. Heute warf das spanische Fernsehen RTVE der hungrigen Eurovisionsmeute erstmals einen Happen hin: das Lyric-Video des im Vorfeld euphorisch als “Qualitäts-Pop” und “völlig anders als alles Bisherige” annoncierten Songs nämlich. Was soll man sagen: anders als klassische Grand-Prix-Kost ist ‘Amencer’ tatsächlich. Und zwar in der Hinsicht, dass der kraftvollen Ballade eine maßgebliche Zutat vollständig fehlt: ein Refrain nämlich! Nach einem etwas verhaltenen, beinahe sphärischen Songauftakt steigert sich ‘Amancer’ in den Strophen zwar rasch zu einem druckvollen Pop-Drama, von Edurne mit Hingabe intoniert. Doch an der entscheidenden Stelle, wo zumindest ich eine packende Hook erwarte, verfällt Frau García Almagro lediglich ins Jodeln und kaschiert den ausbleibenden Höhepunkt notdürftig mit ein paar “Ie- e – e – eyo”s. Die sind zwar mitsingfreundlich, retten das Ganze aber nicht vor der offensichtlichen Ideenlosigkeit und Irrelevanz. Den verzweifelten Versuch einer Fusion von ‘Euphoria’ (SE 2012) mit ‘Quédate conmigo’ (ES 2012) dürften wir somit als gescheitert betrachten.

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Vierter Supersamstag: der geile Katastrophentag (FI, HU, MD 2015)

Neben Slowenien entschieden am heutigen vierten Supersamstag noch drei weitere Länder über ihre Beiträge. Im Gegensatz zu den sich selbst als Mitteleuropäer verstehenden Balkanbewohnern gingen in Finnland, Ungarn und Moldawien den heutigen Entscheidungen jeweils zahlreiche Vorrunden voraus. Wie in Slowenien siegten auch hier die im Vorfeld als Favoriten getippten Acts, allerdings handelt es sich bei allen drei Neuzugängen für Wien um recht umstrittene Siegertitel. Und ich finde sie alle drei geil! Das gilt natürlich im besondere Maße für Finnland, das mit der Wahl der aus vier ruppig aussehenden Kerlen mit Lernbehinderung bestehenden Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät erneut seinen Sinn für unübertreffliche Coolness und Risikobereitschaft unter Beweis stellte. Das ging bekanntlich 2006 mit Lordi schon mal gut, und auch, wenn Punk sicherlich noch weniger mehrheitsfähig ist als Hardrock und ich zugegebenermaßen sehr froh bin, dass das krachige ‘Aina mun pitää’ bereits nach gut 90 Sekunden endet, so verdienen PKN alleine schon für ihre Andersartigkeit Respekt. Zumal sie die auf televisionäre Perfektion sekundenbruchteilsgenau durchgetaktete Show vermutlich gehörig zum Stolpern bringen – darauf freu ich mich schon tierisch!

Stellen den neuen Rekord fürs kürzeste Lied: PKN (FI)

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Slowenien 2015: Amy Winehouse statt Oberkrainer

Eine echte Richtungswahl fand vor wenigen Minuten in Ljubljana statt: im Superfinale der EMA standen sich ein klassischer Turbo-Polka-Titel und ein druckvoller Indie-Pop-Song gegenüber: beide in ihrer Art brillant und sich beim Contest aus dem diesjährigen Meer der drögen Mittelmäßigkeit deutlich heraushebend. Das Publikum entschied sich für das modernere Angebot: ins nahe Wien fahren Maraaya, bestehend aus dem (niedlichen) Produzenten Raay, der bereits für das letztjährige ‘Spet’ mit verantwortlich zeichnete, und der Sängerin Marjetka Vovk. Sie verfügt über eine außergewöhnliche, leicht kratzige und ein wenig an die verstorbene Amy Winehouse erinnernde Stimme, die dem schmissigen Neo-Soul-Song (Eigeneinschätzung des Duos) ‘Here for you’ das Besondere verleiht. So gar nicht zu diesem sehr guten Beitrag passt indes das altertümliche weiße Spitzenkleid, in dem Marjekta bei der EMA im stetigen Windmaschinensturm performte und das weder mit dem modernen Song noch mit den fetten Kopfhörern harmonierte, die sie anstelle der bislang üblichen In-Ohr-Monitorhörer trug (und die auch bei der moldawischen Band DoReDos zum Einsatz kamen). Weg muss auch die irritierende, Luftvioline spielende Tänzerin. Ansonsten aber: hervorragende Wahl!

Cindy Berger mit Halsentzündung: irgendwie gehen hier Optik und Akustik nicht zusammen

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Irland 2015: When Words are not enough

Selbstaufgabe. Mit nur einen Wort lässt sich das Trauerspiel der irischen Eurovisionsvorentscheidung zusammenfassen, die gestern Abend (mal wieder) im Rahmen der RTÉ-Talkshow Late Late Show über die Bühne ging. Zwei Stunden lang zeigte man Clips der sieben irischen Grand-Prix-Gewinner/innen, präsentierte Medleys und Karaoke mit den bekanntesten Contestmelodien der grünen und ihrer britischen Nachbarinsel, natürlich keine davon frischer als von 1996, und erneut saß die unvermeidliche Linda Martin (IE 1984, 1992) im Kommentatorenpanel. Wohl im Angesicht des Sieges von Conchita Wurst ergänzte RTÉ die Kritikerrunde um eine zweite Dragqueen, Miss Panti Bliss, die laut Wikipedia Berühmtheit erlangte, weil sie 2014 im Fernsehen einige homophobe irische Journalisten und religiöse Institutionen als eben das bezeichnete, woraufhin diese klagten und von RTÉ mit insgesamt 85.000 € abgefunden wurden, was eine öffentliche Debatte um freie Meinungsäußerung und Homophobie auslöste. Aber auch Joe McCaul (IE 2005), Niamh Kavanagh (IE 1993, 2010) und Muriel Day (IE 1969) waren in der Sendung präsent. Zwischen all diesem Schwelgen in der glorreichen Vergangenheit stellte man irgendwie notgedrungen die fünf Titel vor, die für Wien zur Wahl standen – darunter nicht ein wirklich überzeugender.

Erst 16 und schon dreistellige Liebhaberzahlen: Molly spielt mit Nummern

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Perlen der Vorentscheidungen: Opa, Pasha!

In erschreckender Weise führt uns die griechische Eurovisionsvorentscheidung die verheerenden Folgen der Austeritätspolitik vor: noch nicht mal mehr Autos können sich die Hellenen leisten, so dass in Athener Parkhäusern nun ganze Etagen leerstehen. Dies nutzte der vom Staatssender NERIT mit der Eurovisionsauswahl beauftragte private Musikkanal MAD und drehte die Clips zu den fünf diese Woche der Öffentlichkeit präsentierten Vorentscheidungsbeiträge in einer schäbigen, klaustrophobieauslösenden Parketage. Andererseits könnte man sich das für den kommenden Mittwoch terminierte Finale auch ganz sparen, gibt es doch ohnehin nur einen einzigen denkbaren Siegertitel: ‘Jazz & Sirtaki’ von Thomaï Apergi! Der Song liefert exakt das ab, was sein Titel verspricht, und obwohl ich Tempowechsel in einem Lied sonst hasse, ist die vom plötzlichen Herbeispringen hünenhafter Tänzer visuell avisierte Verdoppelung der Taktzahl in der letzten Minute hier die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Liebe Hellenen, Vorschlag: ihr wählt diesen Song zu Eurem Beitrag und wir jagen dafür Merkel aus dem Lande. Seid Ihr dabei?


Selbst das teure Kleid musste sich Thomaï Apergi offenbar vom Munde absparen! (GR)

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Elhaida Dani pullt eine Elitsa

Eigentlich gehört der unverhoffte Songtausch ja zu den weißrussischen oder ukrainischen Spezialitäten. Nun übt sich auch Albanien in dieser Kunst: wie die Gewinnerin des 53. Festivali i Kenges und diesjährige skipetarische Eurovisionsvertreterin Elhaida Dani gestern auf ihrer Facebook-Seite verkündete, steht ihr Siegertitel ‘Diell’ nicht mehr für Wien zur Verfügung. Nach ihren Angaben habe Aldo Shllaku, der Komponist des Liedes, sein Einverständnis für die Verwendung als Wettbewerbsbeitrag zurückgezogen. Ob dies im Zusammenhang mit der geplanten Transferierung in Englische und / oder der notwendigen Kürzung auf die regelkonformen drei Minuten steht, ist nicht bekannt. Denkbar scheint auch, dass Dani und / oder RTSH kalte Füße bekamen, zumal man überraschend schnell Ersatz fand: der neue Titel heißt ‘I’m alive’ und stammt aus der Feder des kosovarischen Produzentenduos Zzap & Chris (Arber Elshani und Chriss Lekaj), die für den dritten Platz beim letzten FiK verantwortlich zeichneten. Orientierte man sich womöglich am bulgarischen Beispiel? 2013 “mussten” Elitsa Todovora und Stoyan Yankoulov den vom Publikum ausgewählten Beitrag ‘Kismet’ wegen der angeblich fehlenden Zustimmung des Komponisten stornieren und ihn durch den von ihnen (und der bulgarischen Jury) favorisierten Song ‘Samo Shampioni’ ersetzen…

Geht ‘I’m alive’ auch in diese Richtung? Lindita Hamili mit einem Song von Zzap & Chris (AL)

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Lettland 2015: Taken by a Beaver

Was ist denn da nur auf einmal mit dem Baltikum passiert? Legten gestern Abend bereits Estland und Litauen mit zwei Siegeskandidaten für Wien vor, so komplettierte Lettland vor wenigen Minuten das Trio der Fabelhaftigkeit mit einem rundweg fantastischen Beitrag, bestehend aus vier Teilen Rihanna, zwei Teilen Björk und einem Teil ‘Taken by a Stranger’ (Lena Meyer-Landrut, DE 2011): dunkel, dräuend, kraftvoll und treibend – passend zum Songtext über die Liebe, der mit unkitschigen Worten wie “Verlangen” und “nackt” spielt und doch vor allem die entfesselnde Kraft der Himmelsmacht besingt. Und das ganze von der sensationell performenden und hinreißend anzuschauenden Aminata Savadogo und ihren Backings so perfekt dargeboten, dass selbst ihre haarscharf zwischen anstrengend und großartig changierende, hohe Stimme in letztere Kategorie fiel. Damit ist der dritte Knaller dieses Jahrgangs gefunden – und das alles an einem Wochenende! Endlich können wir uns auf Wien freuen!

Eine Erscheinung: Elektro-RnB-Fee Aminata (LV)

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Baltikum, wir kommen! (Estland und Litauen 2015)

Merkt Euch meine Worte: der Eurovision Song Contest wird 2016 im Baltikum stattfinden. Punktum. Nachdem die bisherige Vorentscheidungssaison so ziemlich eine Enttäuschung nach der anderen hervorbrachte, legten heute Abend direkt hintereinander die beiden Baltenstaaten Litauen und Estland Punktlandungen hin und wählten die ersten beiden Knaller des aktuellen Jahrgangs und heißesten (oder richtiger: einzigen) Anwärter auf die Eurovisionskrone 2015. Sollte unter den noch offenen Vorentscheidungen kein absoluter Überflieger mehr dabei sein (und für Deutschland können wir das beispielsweise definitiv ausschließen), so haben wir den Siegersong dieses Jahrgangs heute Abend gehört. Die Frage ist nur noch: Tallin oder Vilnius?

It’s in his Kiss (that’s where it is): Monika & Vaidas (LT)

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Österreich 2015: NDR, schau hierher!

Was haben wir da 2011 für eine Chance vergeben, als wir Lena Meyer-Landrut einfach nochmal schickten, anstatt die Siegesvibes und das daraus entstehende Interesse zu so einer Vorentscheidung zu nutzen, wie sie die Österreicher diesmal hinlegen! 16 Acts konnte der ORF für die schon längst aufgezeichnete und gestern Abend versendete erste Folge von Wer singt für Österreich? casten. 16 Acts, wie sie in ihrer musikalischen Bandbreite – von volkstümlichem Crossover über Elektro, Swing, Folk, Singer-Songwriter-Pop und Chanson bis zu Dancehall und etlichem mehr – vor allem aber in ihrer Professionalität Anlass zum Staunen gaben. Insbesondere, wenn man ans deutsche USFÖ-Clubkonzert vom Donnerstag denkt. Da bleibt einem nur, neidvoll ins Nachbarland zu schauen und dem NDR dringend anzuraten, für die Organisation des Vorentscheids 2016 unbedingt ein paar österreichische Consultants einzukaufen! Denn ganz offensichtlich hat man sich beim ORF deutlich mehr Gedanken gemacht, wie man einen glanzvollen Nachfolger zum Siegerlied hinlegt, als bei uns seinerzeit. Jedenfalls schaffte es der Sender, sehr coole Acts und überzeugende Songs zusammenzubekommen.

Leider geil, leider draußen: die Mizgebonez. Können wir die noch für USFÖ haben?

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Ann Sophie errülpst sich die Wildcard

Als “Rampensau” bezeichnete sie sich selbst, und tatsächlich erwies sie sich als die einzige professionell performende Künstlerin an diesem Abend der durch die Bank schief jaulenden Nachwuchstalente (dass Gastgeberin Barbara Schöneberger die Sendung mit 50 Shades of Grey-Anspielungen eröffnete, hatte schon seinen Grund!): die 24jährige Hamburgerin Ann Sophie gewann vor wenigen Minuten beim Clubkonzert des NDR in der Großen Freiheit 36 die Wildcard für die deutsche Vorentscheidung am 5. März in Hannover. ‘Jump the Gun’, in einem aufmerksamkeitsstark roten, rückenfreien Hosenanzug dargeboten, beginnt mit einem herzhaften Rülpser vom Band und liefert zwei Minuten lang druckvollen Pop. Im letzten Drittel des Songs ist der Dampf dann leider draußen, dennoch handelte es sich um den einzigen ernst zu nehmenden Wettbewerbsbeitrag des Abends und gewann verdient.

Mag scheinbar Wasser mit Kohlensäure: Ann Sophie

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Israel 2015: das dicke Kind von Haifa

Nadav Guedj ist der Vertreter Israels in Wien. Der wohlgenährt aussehende Sechzehnjährige setzte sich gestern Abend im Finale der hierzulande spektakulär gefloppten Castingshow Rising Star gegen drei Konkurrenten durch. Er hat noch keinen Song: in dem auf einem Privatsender, mit welchem das staatliche Fernsehen IBA für die Eurovisionsteilnahme kooperiert, ausgestrahlten Format kamen nur Coverversionen zum Einsatz. Nadav überzeugte das Publikum durch die Adaption von Beyoncés ‘Crazy in Love’ sowie der John-Legend-Ballade ‘All of me’, die er für meine Begriffe allerdings eher massakrierte als interpretierte und bei der nur die Stellen erträglich waren, an denen ihn sein achtköpfiger Begleitchor unterstützte. Bleibt abzuwarten, ob die IBA nun auf die Schnelle ein geeignetes Lied (kleiner Tipp: wir brauchen dringend – wirklich äußerst dringend – Uptemponummern!) für ihn findet, mit dem er sein Talent als, wie es die Kollegen vom Prinz-Blog so schön beschrieben, “RnB-Partygockel” ausspielen kann. Wobei für mich aufgrund seiner Körpermasse und der Art, wie er sich bewegt, der Vergleich mit einem Truthahn näher läge als der mit einem Gockel. Jedenfalls: Maseltov!

Ja so sing’s die lustigen Holzhackerbuam: Nadav

Sergio (ES 1975) ist tot

Gestern verstarb in Madrid im Alter von 66 Jahren der baskische Sänger Sergio Blanco Rivas. 1975 vertrat er gemeinsam mit Estíbaliz Uranga Amézaga, die er in diesem Jahr heiratete, als Duo Sergio & Estíbaliz mit dem watteweichen Fahrstuhlpopsong ‘Tú volverás’ Spanien beim Eurovision Song Contest. Estíbaliz gehört zu den Uranga-Schwestern, welche die Gruppe Mocedades (ES 1973) gründeten, der Sergio und Estíbaliz bis 1972 selbst angehörten. Nur ein Jahr vor der Eurovisionsteilnahme von Mocedades mit dem Welthit ‘Eres tu’ stiegen sie aus, um als Duo zu arbeiten. Zwei Jahre später trug der Staatssender TVE ihnen die Repräsentationspflicht an. Sie schlugen sich mit dem zehnten Rang ganz wacker. Sergio & Estíbeliz veröffentlichten zahlreiche Alben in ihrem Heimatland.


Warum Estíbeliz schon das Nachthemd trug, ist unbekannt

Serbien schickt die Rettungs-Bojana

Ich bin 2 Chiaras, A Single Ton of Fun, An even rounder Girl: Serbien schickt mit Bojana Stamenov in diesem Jahr eine Sängerin mit unübersehbarer Leibesfülle zum Eurovision Song Contest. Und damit auch jeder die enormen Formen der ihre stimmlichen Fähigkeiten leicht überschätzenden Diva wahrnimmt, steht sie zum Songauftakt im Halbdunkel der Bühne, wo LED-Lichtspielereien in voller Breite auf die Leinwand projiziert werden, die ihr rotes Zeltkleid umspannt. Bedient sich die Präsentation schamlos bei Sabina Babayeva (AZ 2012), so greift ihr Beitrag ‘Ceo Svet je moj’ (‘Die Welt gehört mir’ – reiht sich nahtlos in das diesjährige ‘Kriegerinnen’-Thema ein) Valentina Monettas ‘Crisalide’ (SM 2013) auf: der Song beginnt als verhaltene Balkanballade, dreht im letzten Drittel aber noch mal auf und wird zur kraftvoll-kreischig intonierten Discohymne. Damit konnte Bojana sowohl die Jury als auch die Televoter überzeugen, die sie jeweils mit der Höchstwertung belohnten.

Eine echte Heulboje: Bojana Stamenov

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Zweiter Supersamstag 2015: zwischen gestern und morgen

Ein geschäftiger Samstag mal wieder: neben den beiden eher enttäuschenden Entscheidungen in Island und Italien fanden gestern Abend noch fünf Semifinalrunden, verteilt über ganz Europa statt. Das unter Fans am meisten beachtete natürlich in Malmö: in der zweiten Vorrunde des schwedischen Melodifestivalen trafen bekannte Namen wie Linus Svenning, Marie Bergman (SE 1994) und Magnus Carlsson aufeinander. Das Ex-Alcazar-Mitglied qualifizierte sich mit seinem klassischen Schwedenschlager ‘Möt mig i gamla stan’ denn auch direkt fürs MF-Finale, wie auch eine Mariette Hansson, von der am ehesten der merkwürdig deplaziert aussehende Dreadlock-Dutt in Erinnerung bleibt. Frau Bergman schaffte es nicht weiter, für den bis zum Halsansatz tätowierten Linus ging es mit dem von Fredrik Kempe mitkomponierten ‘Forever starts today’ in die Andra Chansen. Und so sehr ich mich ja freue, den knuffigen Fleshtunnelträger zu sehen: von ihm würde ich mir etwas Authentischeres wünschen als diesen nett plinkernden Standardpopsong mit der Standardschwedenchoreo.


Süß ist er ja, aber das ist das falsche Genre: Linus Svenning (SE)

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Italien 2015: die drei jungen Tumore

Der Alptraum ist wahr geworden: beim Samstagnacht bzw. Sonntagmorgen nach lediglich viereinhalb Stunden überraschend doch noch zu Ende gegangenen San Remo Festival setzte sich mit Il Volo ein Trio von Knödeltenören durch, die mit reziprok zu ihrem Aussehen stehenden Stimmen gesegnet sind – die zwei ganz Hübschen singen so mittelmäßig, der menschliche Spitzmäuserich mit der Brille trägt den Poperaschlager ‘Grande Amore’ ziemlich alleine. Kurz bestand noch Hoffnung, die drei jungen Tumore könnten – dieses Recht hatte die RAI vorab allen San-Remo-Finalisten eingeräumt – die Ehre der Landesverteidung ablehnen. Aber nein: sie wollen nach Wien. Nun gehört ihr Song unter den mir bislang über den Weg gelaufenen Popera-Titeln noch zum Erträglichsten – kein Wunder, schließlich sind die Italiener für ihre Opern berühmt. Dennoch bleibt es natürlich Gejaule in Popsoße, ein musikalisches Genre, das ich ungefähr so liebe wie Fußpilz.

Der Brillenschlumpf fängt (nicht) an: Il Volo

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