Türkvizyon 2015: ja, wo laufen sie denn?

Zeitgleich mit der Eurovisionssaison 2016 startet auch der Vorlauf zur dritten Ausgabe der Türkvizyon, des osmanischen Gegenentwurfs zum Eurovision Song Contest (sorry, lieber Leser/innen, Ihr werdet auch dieses Jahr nicht verschont!). Und, wie sich das für diese herrlich skurrile Veranstaltung so gehört, herrscht bereits beim Saisonstart völlige Verwirrung. Wurde der Musikwettbewerb eurasischer Staaten und Regionen mit Turkvolk-Anteilen, ins Leben gerufen durch die Kulturorganisation Turksoy und den türkischen Spartensender TMB TV, doch ursprünglich als Veranstaltungsreihe der Kulturhauptstädte der „Türkischen Welt“ konzipiert und residierte bei den ersten beiden Ausgaben 2013 und 2014 denn auch folgerichtig in der jeweiligen aktuellen Kulturmetropole Eskişehir (Türkei) bzw. Kasan (Tatarstan, Russland). In diesem Jahr nun darf sich das 125.000-Einwohner-Städtchen Mary (Turkmenistan) mit jenem Titel schmücken, wo die Türkvizyon dann auch zunächst stattfinden sollte.

Der Siegertitel der Türkvizyon 2014, ‚Izin körem‘ (‚Ich sehe Deine Spur‘) von Zhanar Dugalowa (KZ)

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Neues Jahr, neues Glück: das ESC-Jahr 2016 beginnt

Ob sie es aber so ins Finale schaffen? Ich zweifle.Heute ist der 1. September 2015, für Eurovisionsfans beginnt damit offiziell das neue Jahr. Denn ab heute dürfen mögliche Beiträge zum 61. Eurovision Song Contest, der am 10. (erstes Semi), 12. (zweites Semi) und 14. Mai 2016 (Finale) im Stockholmer Globen stattfinden wird, veröffentlicht werden. Måns Zelmerlöw ist daher ab diesem Moment der letztjährige Gewinner (obwohl, das ist falsch: Il Volo sind die letztjährigen Gewinner). Der diesjährige Contest, bereits der zweite in diesem Jahrtausend, der im Schnellen Brüter der schwedischen Hauptstadt stattfindet (und schon der fünfte sechste, den die Schweden insgesamt ausrichten dürfen), steuert auf einen möglichen neuen Teilnehmerrekord zu, wenn man den ersten Pressemeldungen Glauben schenken darf. Nicht nur, dass Tschechien trotz des enttäuschenden Ausscheidens im Semi in Wien dabei bleiben will (hurra!) und Griechenland trotz akuter Finanzmisere bereits eine Vorentscheidung angekündigt hat (hurra!). Auch die kriegsgeschüttelte Ukraine versucht laut NDR, einen Beitrag für Stockholm auf die Beine zu stellen (hurra!). Und zu guter Letzt scheint die Rückkehr der seit 2013 abtrünnigen Türkei in den Schoss der Grand-Prix-Familie mittlerweile ziemlich sicher zu sein. Herzlich willkommen zurück, wir haben Euch schrecklich vermisst! Wenn jetzt auch noch Bosnien und Bulgarien wieder mitmachen, bin ich richtig, richtig glücklich!

2000 für die Türkei im Globen am Start: die fabelhafte Pinar Ayhan

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A Touch too much: das Finale 2015

Okay, ich geb’s zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen („Dreieinhalb“, wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanimationen, viel zu viele Balladen (der unheilvolle Einfluss der Jurys), zu viel Pomp, zu viel Schwermut (als ständig wiederkehrende Themen dominierten Krieg, innere Dämonen und dunkle Geheimnisse), zu viel clevere Choreografie, zu viel Politik, zu viel beschworene heile Welt und Gemeinschaftsgefühl. Jedes davon für sich genommen großartig, gut gemacht, unterhaltsam und erfreulich, und doch blieb in der Summe eine so merkwürdige wie unbestimmte Mischung aus Übersättigung und leichter Enttäuschung. Vielleicht durch nichts so gut illustriert wie durch den offiziellen Siegertitel.

Wieso trug das Zeichentrickmännchen eine Hitlerfrisur? War das der besungene „Dämon“ in Monzis Seele? (SE)

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ECG-Fantreffen mit drei ESC-Schwergewichten

Das jährliche Veranstaltungshighlight für alle Grand-Prix-Fans – das Fantreffen des Eurovision Club Germany (ECG) am 14. November 2015 in Köln – wartet mit einem sensationellen Line-Up auf: zum fünfzehnjährigen Bestehen hat der Fanclub tief in die Schatulle gegriffen und präsentiert gleich drei Eurovisions-Schwergewichte: aus dem aktuellen Jahrgang wird Fan-Liebling Bojana Stamenov (‚Beauty never lies‘) das Gloria zum Kochen bringen. Für erhöhten Blutdruck bei den Fans sorgt sicherlich auch Baby-Bärchen Roman Lob, der uns 2012 das bisher letzte deutsche Ergebnis innerhalb der Top Ten bescherte, und dessen Teilnahme (als Ersatz für den ursprünglich geplanten John Karagiannis [CY 2015]) der ECG heute bekannt gab. Der Hauptaugenmerk gebührt indes selbstredend dem größten deutschen Grand-Prix-Star überhaupt, ihrer königlichen ESC-Hoheit Katja Ebstein, die dem Land 1970 den ersten Medaillenrang ersang und uns mit ‚Wunder gibt es immer wieder‘ und ‚Diese Welt‘ (1971) zwei der musikalisch wie textlich erlesensten Eurovisionsperlen aller Zeiten schenkte.

Dieses Lied hat die Katja uns geschenkt

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ESC 2016: Toben im Globen

Das ging schnell: wie der schwedische Sender SVT heute Morgen bekannt gab, wird der 61. Eurovision Song Contest am 14. Mai 2016 (Semis am 10. und 12. Mai) in der Globen Arena in der Hauptstadt Stockholm stattfinden. Der zeitweise auch für das Melodifestivalen genutzte, rund 15.000 Besucher/innen fassende Komplex mit dem Aussehen eines Atomkraftwerks bzw. eines gigantischen Golfballs kommt damit bereits zum zweiten Mal als Veranstaltungsort des Song Contests zum Zuge: schon der erste Grand Prix des aktuellen Jahrtausends fand dort statt. Die angrenzenden Hallen Hovet und Annex dienen als Pressezentrum bzw. als Bereich für die Delegationen. Eurovision.tv zitiert den Produzenten der Show, Martin Österdahl, zudem mit den Worten: „Die Krönung ist, dass wir den Eurovision Song Contest zum Grand Final noch stärker machen können, indem wir die Tele2 Arena in die Veranstaltung mit einbeziehen,“ was vermuten lässt, dass man plant, das Event in das direkt neben dem Globen liegende Fußballstadion live zu übertragen, wo weitere 40.000 Fans zuschauen können. Die Tele2-Arena war anfänglich selbst als Veranstaltungsort im Gespräch, schied aber aus, weil sie nicht für die komplette sechswöchige Aufbau- und Probenphase zur Verfügung steht. Tickets sollen nicht vor Jahresende in den Vorverkauf gehen.

Wird das Kussmund-Logo ebenfalls zurückkehren? Die Sieger des ESC 2000 beim Auftritt im Stockholmer Globen

Montenegro auf der Suche nach Gerechtigkeit

„Berücksichtigt die Stimmen unserer Juroren für das Finale oder wir sehen uns gezwungen, anderweitig nach Gerechtigkeit zu suchen“ – so herrlich melodramatisch formuliert es Sabrija Vulic, der montenegrinische Delegationsleiter, in einer von Wiwibloggs publik gemachten Mail an den obersten Eurovisionsschiedrichter Jan Ola Sand. Grund der Entrüstung: die Annullierung des Jury-Ergebnisses des für seine Korruptionsanfälligkeit bekannten, winzigen Balkanlandes durch die EBU am Finalabend von Wien. Für die offizielle Ergebnisermittlung des Jubliäumsjahrgangs waren bekanntlich die Voten der Jurys aus Mazedonien und Montenegro nicht mitgezählt worden, ohne dass man die Gründe im Einzelnen nannte. Wie der NDR Ende Juni rapportierte, sei beiden Ländern beim Treffen des EBU-Lenkungsausschusses darüber hinaus eine Geldbuße auferlegt worden, was nahe legt, dass es zu Regelwidrigkeiten gekommen sein muss. Der montenegrinische Sender RTCG setzt sich aber weiterhin gegen den Ausschluss seines Juryvotings zur Wehr.

Sagt das Land dem ESC nun „Adio“?

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„Mein Lied an einen Stein“: unser Gewinnspielsieger

Eine wirklich wunderschön trashige Hommage an einige der besten deutschen Eurovisionsbeiträge hat der Münsteraner Uwe Krüger da gemeinsam mit seinen Freunden auf die Beine gestellt – und damit an dem von meinem kongenialen Co-Autoren Mario Lackner initiierten Video-Wettbewerb teilgenommen. Mit der hoffnungsvollen Schlusszeile „Bald schon wird Deutschland wieder siegen“ hat es dieses Jahr in Wien zwar noch nicht ganz geklappt (hüstel), aber dafür siegte Uwe Krüger bei uns und darf sich nun auf ein Exemplar von Friede, Freude, Quotenbringer – #60JahreSongcontest freuen. Und wir uns über ein fabelhaftes Video. Vielen Dank! Das Buch ist weiterhin direkt beim Verlag oder über jede Buchhandlung bestellbar – wer es unbedingt über den bösen Internetriesen beziehen möchte, kann die dort angegebene, künstlich lange Lieferzeit umgehen, indem er dort auf „alle / andere Angebote“ geht und den Versender bkaiser26 (das ist der Verlag) auswählt: das Buch geht dann am selben Tag noch raus und der Kauf ist über amazon abgesichert. Oh, und da es tatsächlich Anfragen bezüglich einer persönlichen Widmung gab (ich fühle mich geehrt!): sowohl Mario Lackner wie meine Wenigkeit werden beim Fanclubtreffen des EC Germany am 14. November 2015 im Kölner Gloria anwesend sein. Wohin die Anreise alleine schon wegen des Stargastes lohnt: die deutsche Grand-Prix-Legende Katja Ebstein (im Siegervideo ebenfalls geehrt) gibt dort ein einstündiges Galakonzert. Ein absolutes Must-see!

Friede, Freude, Quotenbringer: das Buch zum Blog

In knapp zwei Wochen, am 19. Juni 2015, ist es soweit: dann erscheint das Buch „Friede, Freude, Quotenbringer: #60JahreSongcontest“ von Mario Lackner und mir. Wir starten ins sechzigste Jahr des größten Musikfestivals der Welt. Anlass genug, die Highlights und die dunklen Stunden aller 51 Teilnehmernationen Revue passieren zu lassen.  Eine Zeit(geist)reise von Wien 2015 bis zum Start 1956 in Lugano, mit über 70 Interviews und Gesprächen mit leidenschaftlichen Fans, den siegreichen Komponisten / Textern von ‚Euphoria‘ und ‚Rise Like A Phoenix‘, Song-Contest-Legenden wie Brotherhood of Man, Ralph Siegel, Karel Gott, Nicole, Stefanie Werger und Österreichs Siegerin für die Niederlande, Getty Kaspers, sowie zahlreichen Sieger/innen und weiteren Teilnehmenden aus ganz Europa. Außerdem: Ein Beitrag von Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz, Analysen von Wissenschaftlern, Journalisten und Song-Contest-Kenner/innen, ein Nachruf auf den großen Udo Jürgens, sowie Backstage-Berichte mit TV-Verantwortlichen und Produzent/innen der Show, die mehr als ein paar Stunden Live-Entertainment ist: eines der größten Friedensprojekte der Gegenwart. Wie Ihr seht, bietet „Friede, Freude, Quotenbringer“ also auch für all Jene genug Stoff, die sämtliche Texte auf diesem Blog bereits auswendig kennen. Das Buch kann ab sofort vorbestellt werden (hier ebenfalls, und zur Not auch hier). Alle, denen die 22 € hierfür zuviel sind, seien auf das lustige Gewinnspiel hingewiesen: macht ein Video von Euch mit einer unterhaltsamen ESC-Performance, stellt es hoch und verlinkt es auf unserer Facebook-Seite. Das lustigste Video (natürlich ohne Rechtsweg gnadenlos subjektiv von uns entschieden!) gewinnt ein Exemplar von „Friede, Freude, Quotenbringer – #60JahreSongcontest“. Viel Spaß und viel Glück!

 

Bäppi la Belle oder Xavas: wer rettet Deutschland?

Es ist so erwartbar wie unvermeidlich: immer, wenn Deutschland beim Eurovision Song Contest mal wieder besonders schlecht abgeschnitten hat, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen und bieten sich als Retter an: die Abgehalfterten, die Hoffnungslosen, die Träumer. Wir erinnern uns an solche Größen wie Gotthilf Fischer (2004), José Ferreiras (2007) oder Alex Christensen, der 2009 sogar durfte, weil der NDR sonst absolut keinen Plan hatte. Die legendären Null Punkte von Wien riefen nun gleich zwei Schlagerpärchen auf den Plan, die gar nicht so viel voneinander trennt, wie es auf den ersten Blick scheint. Da sind zum Einen die beiden Rapper Kool Savas und Xavier Naidoo, die gemeinsam als Xavas mit ‚Schau nicht mehr zurück‘ 2012 den Bundesvision Song Contest gewannen. Kool Savas brachte sich vor wenigen Tagen via Twitter ins Gespräch, im Interview mit der Welt ergänzte er dann: „Die können mich und Xavier Naidoo dafür in den Vorentscheid schicken. Ich glaube, wir könnten etwas von Deutschland repräsentieren, was sehr positiv ist.“ 2013 traute sich der von Moses Pelham Entdeckte noch nicht, da musste seine Begleitband Die Söhne Mannheims ohne ihn zum Vorentscheid – und scheiterte gegen Cascada.

„Ich schau nicht mehr zurück / aber wenn ich zurück schau / seh ich nur mein Glück“ – ja, was denn nun?

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Guy Sebastian: „Er kniff meine Nippel“

Wie die australische Tageszeitung Daily Telegraph heute berichtet, musste der australische Vertreter Guy Sebastian beim seinem Eurovisionsabenteuer in Wien eine bizarre Erfahrung machen: er sei, wie er gegenüber einer Radiostation verriet, in der Sauna seines Hotels von einem „gruseligen alten Mann“ sexuell belästigt worden. Der verheiratete Sänger, Vater zweier Kinder, habe sich nach seinem täglichen Workout im Dampfbad entspannen wollen, als der Mann ihn ansprach, ihm Komplimente für seinen Körper machte, seine Tattoos anfasste – und ihm dann an die Titten ging. Der geschockte Popstar meldete den Vorfall an der Rezeption – was einem australischen Radiosender, der davon Wind bekam, die Gelegenheit gab, Guy unter dem Vorwand, die Rechtsabteilung des Hotels zu vertreten, anzurufen und sich die sexuelle Belästigung in allen Details schildern (und über den Sender gehen) zu lassen. „Er hat wirklich meine Nippel gekniffen. Es tat echt weh,“ erzählte der erste Eurovisionsrepräsentant aus Down Under. Wie er ebenfalls sagte, habe sich sein Belästiger als aus Dubai kommend vorgestellt – es dürfte sich also, so er nicht log, um keinen Grand-Prix-Fan gehandelt haben (und nur fürs Protokoll: ich war es nicht!). Mal schauen, ob die Australier nun überhaupt noch weiter mitmachen wollen beim europäischen Sodom und Gomorrha…

Heut Nacht noch mal: das wird der Guy so schnell wohl nicht wollen

Bosniens Sender bald pleite, Måns schwul?

Für die baldige Rückkehr des von mir schmerzlich vermissten Bosnien-Herzegowina zum Eurovision Song Contest sieht es finster aus: einer Pressemeldung der EBU von letzter Woche zufolge stehe der Staatssender BHRT „kurz vor dem Kollaps“. Die bosnische Regierung habe es seit Jahren versäumt, ein adäquates und funktionierendes Gebühreneinzugsmodell zu verabschieden. In dem politisch zwischen Bosniaken und Serben geteilten Land bestehen mit RTFBiH (Bosnien) und RTRS (Republika Srpska) zwei weitere auf das jeweilige Bundesland ausgerichtete  Sender, die sich laut EBU „als Rivalen verhalten“, anstatt mit der übergeordneten, für die gesamte Nation zuständigen Station zusammenzuarbeiten. Das politisch gewollte finanzielle Ausbluten von BHRT, das bereits zur Folge hatte, dass das Land seit 2013 aus Kostengründen nicht mehr am Eurovision Song Contest teilnimmt, verhindere nun auch die fristgerechte Umstellung des Sendeformats von analog auf digital. „Die Verantwortlichen sind dringend aufgefordert, die öffentlichen Medien zu respektieren und zu unterstützen, anstatt ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit weiter zu unterhöhlen,“ so die EBU-Direktorin Ingrid Deltenre.

Keine Liebe unter den Ethnien: in Bosnien verhindert Politik die ESC-Rückkehr

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[UPD] Sony Music zahlte für Australiens Teilnahme

Wie eurovoix heute unter Bezugnahme auf die Zeitung The Australian rapportiert, habe Sony Music1)In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, Sony Deutschland habe die Kosten übernommen, dies beruhte auf einer Übernahme von eurovoix. Australischen Quellen zufolge zahlte aber Sony Australien die Rechnung für Guy. die Teilnahmegebühr des australischen Senders SBS für das Debüt von Down Under beim Jubiläumscontest in Wien übernommen und auch sämtliche Kosten für Guy Sebastian und seine Delegation bestritten, wie der Direktor des Senders, Michael Ebeid, bei einer Anhörung im Senat aussagte. Der Guy ist bei Sony unter Vertrag, der international agierende Medienkonzern versucht schon länger, den im Heimatland bereits im zwölften Jahr kontinuierlich erfolgreichen Castingshowsieger auch in anderen Märkten zu etablieren und konnte unter anderem in den USA und auch in Deutschland bereits Plattenverkäufe realisieren. Der respektable fünfte Platz scheint unterdessen SBS bestärkt zu haben: man betreibe „aktive Lobbyarbeit“ für eine weitere Teilnahme Australiens beim Eurovision Song Contest, sagte Ebeid vor dem Senat. Ursprünglich sollte es sich laut EBU um ein  einmaliges Gastspiel zum Sechzigsten des Wettbewerbs handeln, in den letzten Tagen ließ allerdings bereits Eurovisions-Supervisor Jan Ola Sand durchblicken, für eine dauerhafte Partizipation der Aussies durchaus offen zu sein. Ich sage nur zwei Worte: sehr gerne!

Der darf gerne wiederkommen: Aussie-Sweetie Guy Sebastian

Sollte Australien dauerhaft am ESC teilnehmen dürfen?

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1. In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, Sony Deutschland habe die Kosten übernommen, dies beruhte auf einer Übernahme von eurovoix. Australischen Quellen zufolge zahlte aber Sony Australien die Rechnung für Guy.

Das Jury-Gate: Il Volo sind die wahren Sieger 2015!

Seit der Wiedereinführung der Jurys, im besonderen Maße aber seit ihrer stärkeren Gewichtung gegenüber dem Televoting seit 2013, stand es zu befürchten, und nun trat es ein: erstmalig seit 1997 gewannen beim Eurovision Song Contest 2015 nicht die Lieblinge des Publikums – nämlich die italienischen jungen Tenöre Il Volo mit ihrem Popera-Schlager ‚Grande Amore‘ – sondern der Juryfavorit, in diesem Falle der Schwede Måns Zelmerlöw mit ‚Heroes‘. Was erstaunt, weil ich gerade nach dem überraschenden Ergebnis von 2011, als das nach ewiger ESC-Pause von der EBU mit Engelszungen zur Rückkehr überredete Italien, mit einem furchtbaren Bar-Jazz-Geklimper beim Publikum auf Rang 11 landend, von den Jurys auf den Silbermedaillenplatz hochgejazzt wurde, fest davon ausging, dass es ausdrückliche Pflichtaufgabe dieser Institution sei, neben dem Bestrafen von auswanderungsstarken Ländern wie z.B. Polen oder Armenien (als Ausgleich zum Diasporavoting) auch die nach wie vor wackeligen römischen Raggazzi bei der Stange zu halten. So kann man sich täuschen!

Schleimten Europas Schwuppen und Weibsvolk erfolgreich voll: ESC-Publikumssieger Il Volo (IT)

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Jury-Schmu in Mazedonien und Montenegro

Wie die EBU in der Nacht bei der Vorstellung der detaillierten Abstimmungsergebnisse bekannt gab, wurden die Juryabstimmungen der beiden exjugoslawischen Länder Mazedonien und Montenegro auf Empfehlung der externen Überwachungsfirma PwC von der Ermittlung des Gesamtergebnisses ausgeschlossen. In beiden Ländern flossen die Televoting-Ergebnisse zu 100% ein. Details wurden zunächst nicht genannt. Die Vorfälle sollen beim nächsten Treffen der Lenkungsgruppe im Juni diesen Jahres „besprochen werden“. In San Marino hingegen wurden nach Ansage der Punktesprecherin Valentina Monetta nur die Juryergebnisse gezählt – dies hat in dem kleinen Land, das aufgrund der geringen Einwohnerzahl und Zugehörigkeit zum italienischen Telefonnetz kein eigenständiges Televoting hinbekommt, bereits Tradition.  Schon in der Vergangenheit kam es zum Ausschluss von Jury-Wertungen aufgrund von Auffälligkeiten – das ist meines Erachten systembedingt: wer Jurys sät, wird nun mal Korruption ernten!

Sagt „Adio“ zu den Jurys! (ME)

Scheitern in Würde – We are the Zeros of our Time!

Was für ein Abend! Diese Woche, wenn mir die kurze Einleitung gestattet sei, besuchte ich in Wien noch die kurzweilige und sehr schön gemachte Ausstellung The Nul Pointers des Cartoonisten Tex Rubinowitz im Leopold Museum (zu sehen übrigens noch bis 8. Juni 2015, Tipp für alle, die dort noch ein paar Tage weilen), stellte dabei fest, dass das letzte Null-Punkte-Ergebnis beim Contest schon zwölf Jahre zuliegt liegt: 2003 in Riga, Jemini mit ‚Cry Baby‘ für Großbritannien, und dachte „wird eigentlich mal wieder Zeit“. Dass es gleich eine Doppelnull wird, und dann auch noch fürs Gastgeberland Österreich und für uns, damit hatte ich nun aber wirklich nicht gerechnet! Lustig finde ich’s trotzdem, gerade weil so die (hier in Wien persönlich auf das herzlichste erlebte) deutsch-österreichische Freundschaft eine so wunderbare Erneuerung im gemeinsamen Scheitern mit Würde findet. Um über Konsequenzen für das Vorentscheidungskonzept des NDR, das möglicherweise nicht mehr adäquate Punktevergabeverfahren oder die zu hohe Zahl der Finalisten zu diskutieren, ist es heute Abend zu früh. Zwei Dinge scheinen mir aber noch wichtig, zu sagen. Zu einen: danke, Ann Sophie! An Dir lag es nicht, Du hast uns sehr würdig vertreten, eine großartige Show abgeliefert und sehr gut gesungen. ‚Black Smoke‘ ist auch kein schlechter Song, halt nur leider eher fürs Formatradio geeignet, als für den größten TV-Wettbewerb der Welt konzipiert, wo glatte Durchhörbarkeit eben kein Erfolgsrezept darstellt. Du kannst hoch erhobenen Hauptes in die Heimat zurückkehren – und Dich schon mal drauf freuen, Aufnahme in die Ruhmeshalle (und hoffentlich bald in die nächste Auflage von Tim Moores Enzyklopädie Null Punkte – ein bisschen Scheitern beim Song Contest) zu finden.

Sie befindet sich in guter Gesellschaft: Ann Sophie (DE)

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