The Ant is really near: Ukraine setzt 2015 aus

Nun hat es ein Eurovisionsschwergewicht getroffen: während allem Anschein nach Serbien und möglicherweise auch Kroatien 2015 zum Grand Prix zurückkehren wollen, sagte das ukrainische Fernsehen NTU heute die Teilnahme am Contest in Wien ab, wie esctoday berichtet. Wie escKAZ ergänzt, nennt der in seiner Eurovisionsbilanz bislang äußerst erfolgreiche Sender finanzielle Gründe: “Die Teilnahme am Eurovision Song Contest ist eine Frage des Prestiges. Wir möchten nichts Schlechtes abliefern. Um es gut zu machen, fehlt uns aber einfach das Geld,” so der NTU-Chef Zurab Alasaniya. Zudem stehe derzeit die Umwandlung des Staatsfernsehens in eine formell unabhängige Anstalt öffentlichen Rechts an. 2016 wolle man aber wieder dabei sein. Nun hat man in dem Land derzeit sicherlich ganz andere Sorgen als die Grand-Prix-Teilnahme, dennoch ist die Absage gerade im Hinblick auf die führende Position der Ukraine im Fach des von mir sehr geliebten, spektakulär inszenierten Uptempo-Beitrags bitterlich schade!


Talk to the Hat: Tina Karol zeigt uns ihre großen… Lungen

Aus traurigem Anlass: welches sind Deine bisherigen ukrainischen Lieblingsbeiträge (max. 5)?

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USFÖ-Perlen: die erste Ernte

Vor einer Woche öffneten die Pforten zur Videoplattform von Unser Song für Österreich – oder, wie bösartige Menschen sagen würden, die Pforten zum Hades. Das Interesse scheint im Vergleich zum Vorjahr noch etwas verhalten: gerade mal 68 musikalische Bewerbungen hoffnungsfroher Nachwuchskräfte gingen bislang ein. Allerdings sind noch 22 Wochen Zeit: erst am 9. Januar 2015 endet die Frist. Könnte also noch was zusammenkommen! Das eine oder andere ist aber schon jetzt dabei für die Freunde des Trashs. So zum Beispiel ‘I love to live’ von Ute Schönherr (klasse Künstlerinnenname!), die mit dem Clip zu ihrem Discofoxschlager auf den Pfaden unserer Schweizer Nachbarn wandelt. Bei deren seit 2011 laufendem Internet-Vor-Vorentscheid (der wohl das Vorbild für die deutsche Wildcard-Runde gab) gehören sie nämlich gewissermaßen zur Grundausstattung und treten gleich rudelweise an: Hobby-Sängerinnen mittleren Alters in spätsommerlich blühender Blumenwiese (oder vor ähnlicher Naturkulisse). So auch unsere Ute, die zu einer musikalischen Melange aus zwei Teilen Modern Talking und sieben Teilen Flippers auf ihrem Elektrorollstuhl durch das Rapsfeld saust und dabei ein bisschen aussieht (und dank Autotune auch ein wenig klingt) wie Po von den Teletubbies, wofür man sie natürlich sofort ins Herz schließt.

Gemein: am Schluß schlägt die Natur zurück!

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ESC-Slogan 2015: Über die Brücke gehn

2015 SloganDer ORF geht unter die Architekten: wie der Wiener Sender vor wenigen Minuten in einer Presseaussendung erklärte, wolle er beim Jubiläumsjahrgang in der österreichischen Hauptstadt “Brücken bauen”: unter Hunderten von Vorschlägen für den offiziellen Claim des 2015er Wettbewerbs habe man sich für “Building Bridges” entschieden. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz fand dazu recht salbungsvolle Worte: “Wenn sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal jährt, reichen die europäischen Länder einander die Hand – in Österreich, jenem Land, das seit jeher eine zentrale Rolle als Brücke zwischen Ost und West übernommen hat.” Dann hoffen wir mal sehr, dass sich Europa trotz täglicher medialer Mobilmachung nicht in einen neuen Weltkrieg um die Ukraine hineinziehen lässt und dem Alpenvolk sein Dasein als edelmütiges Verkehrsbauwerk durchkreuzt! Vorsorglich beschwört Wrabetz denn auch die magischen Worte der heiligen Wurst: “Wir verstehen diesen Claim auch als eine konsequente Weiterführung jenes Gedankens, den Conchita Wurst beim Song Contest 2014 formuliert und auch gelebt hat: wie wichtig Offenheit, Toleranz über alle Grenzen hinweg für ein gemeinsames Miteinander sind. Mit dem Song Contest in Wien wollen wir mit Musik Brücken bauen über Ländergrenzen, Kulturen und Sprachen hinweg. Vor dem Hintergrund der verbindenden Kraft dieses großartigen gemeinsamen europäischen Events laden wir alle ein, Brücken zu bauen und einander die Hände zu reichen.” Herr Meinunger, sind Sie das?

 Beschritt die Brücke bereits 1986: Ingrid Peters

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Bestätigt: Türkvizyon 2014 mit deutscher Beteiligung

Wie eurofire gestern unter Bezugnahme auf die offizielle Website der Türkvizyon 2014 vermeldete, feiert Deutschland bei der zweiten Ausgabe des osmanischen Gegenentwurfs zum Eurovision Song Contest am 19. und 21. November in der tatarischen Hauptstadt Kasan Premiere. Der Kölner Spartensender Dügün TV, ansonsten schwerpunktmäßig auf das Filmen und Senden türkischer Hochzeiten spezialisiert, zeichnet für den deutschen Beitrag zur Türkvizyon verantwortlich und bestätigte gegenüber aufrechtgehn.de: “Das erste Mal wird die türkische Bevölkerung in Deutschland” – je nach Zählweise immerhin 1,5 bis 3 Millionen Menschen – “an diesem Wettbewerb teilnehmen. Die Vorauswahl wurde schon organisiert”. Bislang sind 20 Regionen oder Länder mit osmanischen Bevölkerungsanteilen für den Wettbewerb gemeldet, darunter interessanterweise, wie bereits im Vorjahr, sowohl die Ukraine als auch die Krim. Weitere Einzelheiten zum deutschen Beitrag sind noch nicht bekannt. Die Premiere im Dezember 2013 gewann Aserbaidschan, dennoch findet die zweite Ausgabe in der autonomen russischen Republik Tatarstan statt, da die Austragung der Show an den jährlich wechselnden Titel der Kulturhauptstadt der osmanischen Völker gebunden ist.

Die moralischen Sieger 2013: die kasachische Boygroup Rin’Go

It all looks great: Bosnien ist in Wien dabei!

Freude, schöner Götterfunken! Wie esctoday heute vermeldet, hat sich das bosnische Fernsehen BHRT bei der EBU vorläufig 1) Nach dem offiziellen Anmeldeschluss am 15. September 2014 steht es allen potentiellen Partizipanten vier Wochen offen, ihre Anmeldung straffrei zurückzuziehen. 2014 nahm der Sender genau diese Klausel auch in Anspruch, von daher heißt es: Daumen drücken! für die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2015 angemeldet. Damit kehrt die exjugoslawische Nation nach einer zweijährigen Grand-Prix-Pause wieder zum Wettbewerb zurück, von mir heißen Herzens begrüßt! Um so mehr, da die Rückkehr angesichts der  verheerenden Sturmflut vom Sommer 2014, die dort 20 Todesopfer forderte und nach Meldung von Wiwibloggs Schäden in Höhe von 15% des bosnischen Bruttoinlandsproduktes anrichtete, im Hinblick auf die finanziell desolate Lage des Landes und des Senders besonders überrascht, und da angesichts der Teilnahme Bosniens an der 2013 erstmals durchgeführten Türkvizyon eine kulturelle Abwendung des Vielvölkerstaates von Europa zu befürchten stand. Doch es gibt noch mehr Balkan-Power in Wien: Montenegro, das in den letzten Jahren jeweils hervorragende, wenngleich wenig gewürdigte Eurovisionsbeiträge beisteuerte, bestätigte zeitgleich seine erneute Teilnahme. In beiden Fällen dürfte wohl mit einer internen Nominierung des Vertreters zu rechnen sein. Um Lena Meyer-Landrut zu zitieren: “Ich freu mich so, so hart!”

Mussten zur Türkvizyon ausweichen: Emir & the Frozen Camels (BA)

Angesichts der guten Nachricht: welches sind Deine bosnischen Lieblingsbeiträge? (max. 5)

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Fußnote(n)

1.
 Nach dem offiziellen Anmeldeschluss am 15. September 2014 steht es allen potentiellen Partizipanten vier Wochen offen, ihre Anmeldung straffrei zurückzuziehen. 2014 nahm der Sender genau diese Klausel auch in Anspruch, von daher heißt es: Daumen drücken!

Nun auch offiziell: Deutscher Vorentscheid 2015 am 5. März

Pünktlich zum Saisonstart am 1. September sickerte es durch, und nur eine Woche später bestätigte der NDR heute morgen, was Leser dieses Blogs bereits wissen: der deutsche Vorentscheid Unser Song für Österreich findet am Donnerstag, dem 5. März 2015, in der Arena in Hannover statt. Wie schon 2014 wird ein Nachwuchswettbewerb vorgeschaltet, für den sich interessierte Künstler/innen und Bands ab sofort per Youtube-Video (Eigenkomposition oder Cover) auf der gleichnamigen Internettplattform selbst vorschlagen können. Da dürfen wir uns sicher wieder auf eine reiche Auswahl an Schrägem und Fantastischem freuen, allerdings nur während der Bewerbungsphase: um zu den zehn Acts zu gehören, die eine aus Brainpool- und NDR-Juroren besetzte interne Jury für das Clubkonzert am Donnerstag, dem 19. Februar 2015 im Club Große Freiheit 36 in Hamburg herauspicken soll, empfiehlt es sich nach den letztjährigen Erfahrungen nämlich, möglichst seichte Mainstreammucke zu machen. Der oder die Sieger/innen des auf N3 übertragenen und auf eurovision.de gestreamten Clubkonzerts erhält/erhalten eine Wildcard für Hannover und, falls er/sie über keinen eigenen Titel verfügt, eine Komposition aus Brainpool-Beständen. Im Vorentscheid geht es dann gegen sieben von der Musikindustrie beigesteuerte, “national bekannte” (NDR) Konkurrenten. Wer tatsächlich bereit ist, sich der weitestgehend aussichtslosen Schlacht gegen den Nachwuchs zu stellen, sollen wir im Januar erfahren. Die Entscheidung, wer von Hamburg nach Hannover und von dort nach Wien fährt, fällt alleine das Publikum. Die famose Barbara Schöneberger moderiert erneut beide Veranstaltungen. Nun denn: lasset die Spiele beginnen!

Beim Barte des Barbaren: kredenzt uns Barbara musikalischen Rhabarberkuchen?

Nachwuchswettbewerb plus etablierte Stars - stimmt das NDR-Konzept?

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Amtlich: auch 2015 ist die Türkei nicht dabei

Als “Eilmeldung” verkündete das türkische Fernsehen TRT es heute auf seiner Homepage, und zwar in gewohnt brutal knapper Weise: “Nach Angaben von TRT-Generaldirektor Ibrahim Sahin wird TRT am Eurovision Song Contest 2015 nicht teilnehmen,” so der Sender. 2012, im Bruderland Aserbaidschan, das zeitgleich heute sein Mitwirken am Jubliäumswettbewerb zu Wien bestätigte, gab der sympathisch verpeilt wirkende Can Bonomo die vorläufige Abschiedsvorstellung der Bosporusnation mit dem aus heutiger Sicht beinahe schon als Flehen zu verstehenden ‘Love me back’. Zurückgeliebt fühlen sich die Osmanen vom Alten Europa augenscheinlich nicht, nicht nur wegen der unterbliebenen EU-Aufnahme. Erbost zeigt man sich in Istanbul – nicht zu Unrecht – über die Bevorzugung der Big-Five-Nationen beim Grand Prix: der Schock über die Nichtqualifikation der lendenlahmen Altherrenrocker Yüksek Sadakat in Düsseldorf scheint nach wie vor tief zu sitzen. So bleibt weiter nur der eigene Ableger Türkvizyon. Überraschend kommt die offizielle Absage nach dem erneuten Wahlsieg Erdogans und der damit einhergehenden Verschärfung der Tendenzen zur kulturellen Abwendung von Europa nicht, zumal die Pressestelle des Senders eine entsprechende Anfrage von Eurovision Ireland vor wenigen Tagen bereits abschlägig beschied. Bedauerlich bleibt sie dennoch.

 Da waren die Türkei und Europa noch Freunde

USFÖ: Hangover in Hannover?

Pünktlich zum offiziellen Saisonstart (ab dem 1. September des Vorjahres dürfen nach den EBU-Regularien potentielle Eurovisionsbeiträge veröffentlicht werden, daher beginnt zu diesem Stichtag das Grand-Prix-Jahr 2015) sickern die ersten, allerdings noch unbestätigten Gerüchte zum deutschen Vorentscheid für Wien durch. Wie unter anderem der Prinz-Blog vermeldet, hatte ein Brainpool-Praktikant wohl zu Testzwecken ganz kurz die offizielle Website für Unser Song für Österreich online gestellt: Zeit genug für die stets wissbegierigen Eurovisionsspione, um die relevanten Daten zu erhaschen. Danach findet, falls es sich um keinen Hoax handelt, die deutsche Vorentscheidung am Donnerstag, dem 5. März 2015, in der TUI-Arena auf dem ehemaligen Expo-Gelände in Hannover statt, wo die Veranstaltung bereits 2013 gastierte und was die Frage aufwirft, woher nur diese merkwürdige Verbundenheit des NDR zu dieser speihässlichen, unwirtlichen Location in der wohl langweiligsten aller deutschen Städte kommen mag?


Eine der Perlen aus dem Nachwuchswettbewerb 2014: Tomas Tulpe

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Keine Balkan Girls beim ESC 2015?

Betrübliche Nachrichten kommen dieser Tage aus dem erweiterten Mittelmeerraum, was die Bestückung des 60. Eurovision Song Contests im Mai 2015 in Wien betrifft: die Teilnahme Rumäniens könnte massiven Sparzwängen zum Opfer fallen, welche die Existenz des Staatssenders TVR bedrohen, wie Wiwibloggs berichtet. Demnach sei die finanzielle Lage der Rundfunkanstalt trotz bereits erfolgter Massenentlassungen so desaströs, dass TVR nach Aussage des Senderchefs Stelian Tanase gegenüber der rumänischen Presseagentur Mediafax im kommenden Frühling für wenigstens einen Monat schließen müsse. Zwar wolle man, wie die Programmdirektorin Irina Radu nachschob, alles Menschenmögliche versuchen, um eine Teilnahme des Landes am Eurovision Song Contest dennoch zu ermöglichen, weil man auf der europäischen Bühne weiterhin Präsenz zeigen möchte und der Wettbewerb im Land sehr hohe Einschaltquoten erziele. Ob das aber angesichts der angespannten Lage möglich sein wird, bleibt abzuwarten. TVR wäre damit nach dem griechischen Staatssender ERT und der isrealischen IBA bereits das dritte EBU-Mitglied, das aus politischen und / oder finanziellen Gründen dicht macht: eine beunruhigende Entwicklung.


Liegt ein Fluch (Dida Drăgan bei der ESC-Vorauswahl 1993) über Rumänien?

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Conchita Wurst bekommt ihr eigenes Buch

conchita backstage coverNur wenige Monate nach dem fulminanten Triumph von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen widmet sich ein eigenes Buch der schillernden Grand-Prix-Diva. Dass es sich hierbei keinesfalls um einen Schnellschuss handelt, der schnell noch den Hype mitnehmen möchte, dafür bürgen die Namen der beiden Autoren des am 16. September erscheinenden und bereits jetzt vorbestellbaren Werkes. Dr. Irving Benoît Wolther, Autor des essentiellen Sachbuchs “Kampf der Kulturen – Der Eurovision Song Contest als Mittel national-kultureller Repräsentation” (2006), Gründervater des OGAE Germany und Zulieferer hochinformativer, luftblasenfreier Beiträge auf eurovision.de, sowie der österreichische Song-Contest-Berater, Fantasyautor (Empfehlung für Genre-Fans: die spirituell und kulturell reiche Asta-Trilogie) und Wissenschaftler Mario R. Lackner zeichnen in ihrem Gemeinschaftstitel den spannenden Weg Tom Neuwirths zu seiner Bühnenfigur Conchita Wurst nach und gewähren einen faszinierenden Einblick hinter die Kulissen. Dabei präsentieren sie einige der Wegbegleiter der Wurst, die an der Miterschaffung des Phänomens ihren Anteil hatten, und halten die mannigfaltigen Auswirkungen ihres Eurovisionssieges auf Gesellschaft und Politik fest (auch meine Wenigkeit kommt hierzu mit einem kurzen Statement zu Worte). Conchita selbst plant übrigens nach einem Interview mit News.at daneben eine eigene Buchveröffentlichung: “nicht das literarische Hochwerk, aber vielleicht für Menschen, die gerne Bilder anschauen,” so das Multitalent in gewohnt entwaffnender Ehrlichkeit, denn sie “mache mit 25 Jahren keine Autobiografie – das wäre lächerlich”. So oder so: der Leseherbst kann kommen!

Irving Wolther, Mario Lackner: Conchita Wurst backstage, Verlag edition innsalz, Taschenbuch, 150 Seiten, ISBN 978-3902981257, Preis 19,80 €.

Wien 2015: Sonntagsöffnung dank ESC?

Wie der ORF stolz verkündet, besichtigte Jan Ola Sand, Grand-Prix-Chef der EBU, gestern die Wiener Stadthalle, in welcher der Eurovision Song Contest 2015 stattfinden wird, und zeigte sich zufrieden: So weit ich das jetzt sehe, sind die Halle und die Lage perfekt,“ zitiert der Sender den norwegischen Oberaufseher. Insbesondere die zentrale Innenstadtlage und gute Erreichbarkeit der Stadthalle habe es Sand angetan, weil man sich so die Shuttlebusse sparen könne. Er sei “sehr froh, dass wir in Wien sind – eine europäische Metropole als Eurovisionsstadt”, und verknüpfte die Anziehungskraft der Weltmusikmetropole mit der Hoffnung auf wieder ansteigende Teilnehmerzahlen, zumal bereits einige Länder ihre Rückkehr angekündigt hätten. In Wien überlegt man derweil, während der Eurovisionswoche die Läden auch sonntags offen zu lassen. Man könne es sich nicht leisten, die internationalen Gäste vor verschlossenen Türen stehen zu lassen, findet die oppositionelle ÖVP. Aber auch die Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) betonte am Mittwoch, dies gehöre zur professionellen Vorbereitung eines derartigen Großereignisses. Voraussetzung sei allerdings, dass sich „die Sozialpartner der Idee anschließen”, so Brauner. Da bissen die Stadtoberen bei den deutschen Gewerkschaften mit ihrer geradezu religiösen Ablehnung der Sonntagsöffnung auf Granit – in Wien habe man sich aber bereits 2008 anlässlich der Fußball-WM auf eine Ausnahme einigen können.


Bislang galt der Sonntag den Österreichern als Tag des Twistens, nicht des Shoppings

Conchita Wurst: “Nur ein Statement reicht nicht”

Der ORF nahm die Bekanntgabe der Entscheidung für Wien als Austragungsort des 60. Eurovision Song Contests gestern zum Anlass, Conchita Wurst zum Interview in die Nachrichtensendung Zeit im Bild 2, quasi den österreichischen Tagesthemen, einzuladen. Dort sprach die aktuelle Eurovisionssiegerin in gewohnt charmant-eloquenter Weise über den gesellschaftlichen Einfluss ihres Sieges, ihre Zukunftspläne und den kommenden Contest. Ihren Triumph von Kopenhagen bezeichnete sie als europäisches Statement für Toleranz, sagte aber auch: “Nur ein Statement reicht nicht, um eine ganze Gesellschaft zu ändern,” vielmehr sei es wichtig, eine solche Haltung auch im Alltag zu leben. Doch auch, wenn viele im Schutze der Anonymität des Internets abgegebene, “ungefragte Meinungen” eine andere Sprache sprächen, attestierte sie ihrem Heimatland, auf einem guten Weg zu sein und sich weiterzuentwickeln. Dennoch bleibe noch viel zu tun: “Es geht am Ende des Tages auch nicht um Toleranz, sondern um Akzeptanz und Respekt. Das hat jeder verdient und deswegen finde ich es auch nicht schwer, danach zu leben.” Danke, Conchita!


Charmante Botschafterin für Respekt: die fabelhafte Frau Wurst

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ESC 2015: Graz ist vergrätzt

Seine Empörung darüber, dass sich “nicht Graz mit der technisch besten Halle oder Innsbruck mit dem wohl besten finanziellen Angebot durchgesetzt hat,” gab der Bürgermeister von Graz, Siegfried Nagl (ÖVP) heute gegenüber der Nachrichtenagentur APA zu Protokoll, wie die Kleine Zeitung berichtet“Diese Konzentration auf Wien, wenn es um internationale Veranstaltungen geht, hat zwar leider bereits Tradition und kommt daher wenig überraschend, verärgert aber dennoch immer wieder aufs Neue,” sekundierte seine Vertreterin Martina Schröck (SPÖ). Die Grazer ÖVP verlange nun Einblick in die Vergabeunterlagen, um den Verdacht einer politischen Kungelei zwischen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und dem Wiener Oberbürgermeister Michael Häupl (beide SPÖ) beim Plazet des Senders zur Durchführung des Eurovision Song Contest 2015 in der Wiener Stadthalle zu entkräften (oder zu belegen). “Wenn man sagt, Wien war eine strategische Entscheidung, hätte man sich die ganze Ausschreibung ersparen können,” so der steirische Tourismuslandesrat Hermann Schützenhöfer (ÖVP) laut APA. Man erwarte nun, mit in das Umfeldprogramm einbezogen zu werden oder vom ORF Ersatzveranstaltungen zu erhalten, um die Ausschreibungskosten und den entgangenen Tourismusgewinn zu kompensieren.


Mein Tipp: abregen und tanzen gehen. Findet auch USFD-Vorvorentscheidliebling Asa Randundband mit ihrem aktuellen Sommerhit ‘Disco der Verdammten’

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ESC 2015: Aus Wien muss er sein!

Endlich! Nach zweitägigen, intensiven Beratungen hat sich der ORF nach einer Meldung des Kuriers für die Wiener Stadthalle als Austragungsort des 60. Eurovision Song Contest am 23. Mai 2015 entschieden. Die EBU bestätigte die Wahl bereits. “Wien ist die Stadt der Musik und der Künste im Herzen Europas,” zitiert eurovision.tv den Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz. Nicht ganz so glücklich dürfte der Finanzchef des Senders, Richard Grasl, sein, der nach Informationen des Kuriers Graz oder das auch in einer senderinternen Vergleichsmatrix vorne liegende Innsbruck bevorzugt habe, da diese beiden Städte, anders als das nun siegreiche Wien, eine Übernahme ungeplanter Mehrkosten zugesagt hätten – nach dem Finanzdebakel von Kopenhagen ein gewichtiges Argument. Letzten Endes hätten jedoch die besseren technischen Möglichkeiten den Ausschlag für die Wiener Stadthalle gegeben. Und ich bin sicher, Sie werden in das europaweit kollektive, erleicherte Aufatmen einstimmen, das hunderttausende Eurovisionsfans gerade seufzen. Hurra!


Wien, die Welt-Musik-Hauptstadt, wie man schon 1959 wusste 

ESC 2014 hinterlässt Finanzloch in Wonderful Copenhagen

Wie die dpa heute berichtet, rollte im Nachgang zum Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen ein Kopf: wegen massiver Budgetüberschreitungen musste der Projektverantwortliche für den Wettbewerb bei der Tourismus-Marketinggesellschaft Wonderful Copenhagen, welche die B&W Hallerne bereitstellte, seinen Hut nehmen. Für dem Umbau der ehemaligen Werfthallen hatte man ursprünglich mit 4,6 Millionen Euro kalkuliert – viel zu wenig, wie sich im Nachhinein herausstellte. War im Mai 2014 noch von 3 Millionen Mehrkosten die Rede, so summierten sich die Ausgaben für das städtische Unternehmen am Ende auf über 15 Millionen. „Erst wenige Wochen vor der Show haben wir gemerkt, in welche Richtung das läuft“, sagte Lars Jørgensen, der Chef von Wonderful Copenhagen. Nun schießen laut dpa-Meldung die Kommune, die Region und die Tourismusgesellschaft noch jeweils mehrere Millionen nach, wobei immer noch ein Finanzloch von 7,8 Millionen klaffe.


Malen das Budget rot: die Dänen

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