Malta 2015: Krieg liegt in der Luft

Mit übereinstimmenden Höchstwertungen aus dem Televoting (das absurderweise mal wieder nur zu einem Sechstel zählte) und aller fünf Juroren gewann gestern Abend die Sängerin Amber Bondin, 2012 noch als Chorsängerin für Kurt Calleja (‘This is the Night’) im Eurovisionseinsatz, die maltesische Vorentscheidung. Und die erklärt uns den Krieg: “ich bin eine Kriegerin, ich muss erobern,” teilt sie uns in ihrem Beitrag ‘Warriors’ mit, der auch musikalisch als Angriff auf die Geschmacksnerven gelten muss: sie schreit mit schmerzhaft disharmonischer, metallener Stimme falsch zu einem Stakkato aus Tönen, aus dem es mir jedenfalls nicht gelingt, so etwas wie eine Melodie herauszuhören. Von einem annehmbaren Refrain gar nicht erst zu reden. Dazu steht die optisch ein wenig an eine füllige Juliane Werding erinnernde Amber böse blickend im Sturm der Windmaschine und schneidet bedeutungsvolle Grimassen: sie scheint es irgendwie ernst zu meinen. Mir wird um Europa bange.

Bringt die großen Waffen mit: Amber Bondin (MT)

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Kasachstan gewinnt die Türkvizyon 2014

Mit einem Überraschungssieg für das zwischen dem Kaspischen Meer und China gelegene Kasachstan, das neuntgrößte Land der Erde, ging heute Abend das Finale der zweiten Türkvizyon, des osmanischen Gegenentwurfs zum Eurovision Song Contest, zu Ende. Überraschend vor allem deswegen, weil Zhanar Dugalova im Semifinale am Mittwoch, in dem exakt die selben 25 Juroren abstimmten wie heute, noch auf dem dritten Rang landete. Doch anscheinend war den ausrichtenden Tataren ein Heimsieg des vorgestern noch haushoch oben liegenden Aydar Suleyman, der heute auch noch vom letzten Startplatz aus ins Rennen durfte, zu offensichtlich, und so einigte man sich auf die während der Trophäenübergabe ob des unerwarteten Glücks auf sehr niedliche Weise fassungslose Zhanar. Und zu Recht!

Machte viel Wind: Türkvizyonssiegerin Zhanar aus Kachastan

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Is it right? Ergebniskorrektur bei der Türkvizyon

Nach dem es im gestrigen Semifinale der Türkvizyon 2014 zu Unregelmäßigkeiten bei der Jurywertung kam, korrigierte der verantwortliche Sender nach Mitteilung von Eurovoix heute das offizielle Ergebnis, mit dem Nebeneffekt, dass nun 15 anstelle der ursprünglich geplanten zwölf Länder ins morgige Finale (ab 17 Uhr auf Maidan TV, Livestream hier) einziehen. Turkmenistan, dass sich vorschriftswidrig selbst fünf Punkte gab, sowie Bosnien, dem bei der Addition der einzelnen Juryvotes versehentlich drei Punkte zu viel gutgeschrieben wurde, und die nach der Richtigstellung des Ergebnisses beide nicht mehr zu den Top 12 zählen, dürfen dennoch im Finale starten. Als Nachrücker profitieren die punktgleich mit Bosnien liegenden Länder Bulgarien und Sacha (Jakutien) sowie Aserbaidschan, das zwar nur auf Rang 14 kam, aber nach dem neuen Punktestand zwei Zähler mehr vorweisen kann als die ungeschickten Turkmenen.

Super: die Schamanin aus Sacha ist nun auch im Türkvizyons-Finale

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Türkvizyon 2014: Tatarische Pferde rennen ins Finale

Vor gut zwei Stunden ging in der tatarischen Hauptstadt Kasan das Semifinale der Türkvizyon 2014 zu Ende. Mit einem eindeutigen1)Der veranstaltende Sender Meidan TV gab sämtliche Punktewertungen bekannt. Sieger: dem Heimbeitrag! Und das zu Recht: Gaydar, Verzeihung: Aydar Suleymanov überzeugte mit einem mitreißenden Ethnostampfer über ‘Reitende Pferde’, was nicht nur vom Titel her an ‘Dschinghis Khan’ (DE 1979) erinnert. Von der Kinderliedhaftigkeit des Siegel-Songs weit entfernt, wusste der druckvolle Beitrag Tatarstans auch durch eine beeindruckende Show mit vielen Tänzern und einem riesigen Fesselballon zu überzeugen, auf den man Aydar per Flaschenzug hob. Ob er nach dieser Einlage allerdings noch sieben Kinder zeugen kann in einer Nacht, wage ich zu bezweifeln: sein Kostüm-Harness schien mir doch schmerzhaft eng zu sitzen. Wir hingegen versauten unsere Türkvizyons-Premiere: Fahrettin Güneş musste von Startplatz 2 aus ins Rennen, bekanntlich der Todesslot. Und so hatte er mit einigen Tonproblemen zu kämpfen, allerdings wirkte die – vom deutschen Sender Türkshow groß angekündigte – Tanzchoreografie ziemlich kläglich. Deutschland scheidet somit aus.

Noch fit im Schritt? Aydar (Tatarstan)

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Fußnote(n)   [ + ]

1. Der veranstaltende Sender Meidan TV gab sämtliche Punktewertungen bekannt.

Tschechei in Wien dabei!

Damit war nun wirklich nicht zu rechnen: wie die EBU vor wenigen Minuten verkündete, kehrt Tschechien 2015 zum Eurovision Song Contest zurück. Das erfolgloseste Land der Grand-Prix-Geschichte nahm bislang drei Mal (2007, 2008 und 2009) am europäischen Gesangskräftemessen teil und belegte davon zwei Mal den letzten Platz im Semifinale, beim bislang letzten Auftritt mit Gypsy.cz sogar mit Nil Points. Am besten schnitt noch Tereza Kerndlová (2008) ab: mit ganzen neun Punkten landete sie auf dem vorletzten Platz im Semi. Damit übertrifft sie Tschechiens inoffiziellen ersten Vertreter Karel Gott, Schlagerfreunden bekannt durch Evergreens wie ‘Biene Maja’, ‘Fang das Licht’ oder der Zusammenarbeit mit Bushido bei ‘Für immer jung’, der 1968 für das aktuelle Ausrichterland Österreich antrat – und mit ‘Tausend Fenster’ ebenfalls auf dem zweitletzten Platz landete,  aber nur zwei Zähler errang. Was das tschechische Fernsehen ritt, es noch mal zu versuchen, bleibt ihr Geheimnis. Jedenfalls wolle man den Beitrag intern auswählen und hoffe, “Europa einen qualitativ spitzenmäßigen Song” anbieten zu können. Wir sind gespannt! Mit der Rückkehr des Č in ČSSR wächst die vorläufige Teilnehmerzahl in Wien wieder auf 39.

Das Land der Superhelden: Tschechien kehrt zurück

Türkvizyon 2014: Tuwa wieder dabei

Noch knapp drei Stunden, dann beginnt in der tatarischen Metropole Kasan, der türkischen Kulturhauptstadt 2014, das Semifinale der diesjährigen Türkvizyon. Nach Zählung von heute früh mit 25 Teilnehmerländern: die Delegation der südsibirischen, zu Russland gehörenden Republik Tuwa, die bei der Startplatzauslosung am Montag nicht präsent war, ist gestern spät in der Nacht doch noch in Kasan eingetroffen. Sie erhielt nun den letzten Startplatz. Nicht geschafft hat es nach allem Anschein hingegen Ïpek Amber, die Vertreterin Nordzyperns: da Russland den türkisch besetzten Teil der Mittelmeerinsel nicht als Staat anerkennt (wie alle Länder außer der Türkei), durfte sie nicht nach Tatarstan einreisen. Der deutsche Repräsentant Fahrettin Güneş  geht von Startplatz 2 aus ins Rennen um einen der zwölf Finalplätze für Freitag. Anders als ursprünglich verkündet, gibt es nun doch kein Televoting – angeblich aus technischen Gründen, da viele der Teilrepubliken und Regionen über kein eigenständiges Telefonnetz verfügen. Um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht’s los, zu sehen ist die Live-Übertragung des Senders TMB (Livestream) eventuell auch über den deutschen Satellitensender Türkshow und auf TRT Avaz (ohne Garantie). Eine Liste der potentiellen Livestreams gibt es bei eurovoix.


Dumm gelaufen: Ïpek (Nordzypern) scheiterte an der Passkontrolle

Goodbye, zbogom Ljubavi: Bosnien ist draußen

Soeben bewahrheiteten sich die schlimmsten Befürchtungen: Bosnien, das Land, das uns seit seiner Erstteilnahme am Grand Prix im Jahre 1993 immer wieder wunderschöne Lieder schenkte, nimmt auch 2015 nicht am Eurovision Song Contest teil. Selbst innerhalb der von EBU eigens für den krisengeschüttelten Balkanstaat verlängerten Zuschlagsfrist gelang es dem bosnischen Sender BHRT nicht, die Finanzierung auf die Beine zu stellen: sowohl Hari Mata Hari (BA 2006) als auch Regina (BA 2009) lehnten es Presseberichten zufolge ab, die Kosten ihrer Teilnahme vollständig selbst zu übernehmen. Angesichts knapper Kassen, gebührenzahlungsunwilliger Zuschauer im serbischen Teil des Doppelstaates und massiver Budgetkürzungen könne der öffentliche Sender die Ausgaben jedoch nicht stemmen. Somit bleibt Bosnien das dritte Jahr in Folge dem Wettbewerb abhold. Die Anzahl der Partizipanten in Wien reduziert sich damit auf 38 – vorausgesetzt, die beiden mitten in einem Umbau der Staatssender steckenden Länder Israel und Griechenland treten an.

Bleibt als kleiner Trost nur der bosnische Türkvizyonsbeitrag 2014

Angesichts der traurigen Nachricht: welches sind Deine bosnischen Lieblingsbeiträge? (max. 5)

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Türkvizyon 2014: zurück zu 24

Noch zwei Tage bis zum Halbfinale der zweiten Türkvizyon im tatarischen Kasan, und das Durcheinander könnte nicht größer sein. Wie eurovoix berichtet, gaben die Veranstalter soeben die (ausgeloste) Startreihenfolge für das Semifinale am Mittwoch bekannt, in dem sämtliche teilnehmenden Länder gegeneinander antreten. Und dies scheinen nach der aktuellen Auflistung nur noch 24 zu sein: Tuwa und Nordzypern fehlen. In letzterem Falle scheint dies politische Hintergründe zu haben: Russland erkennt (wie alle Staaten außer der Türkei) den türkisch besetzten Teil der Mittelmeerinsel nicht als eigenständigen Staat an, so dass Ïpek Amber, die ausgewählte Repräsentantin, mit ihrem von den nordzyprischen Behörden ausgestellten Pass nicht nach Tatarstan, wo der Contest stattfindet, einreisen könne. Nach Angaben der Sängerin arbeite man hart an einer Lösung, angesichts der Kürze der Zeit muss es aber als unwahrscheinlich gelten, dass die Vertreterin der Kuzey Kıbrıs Türk Cumhuriyeti in Kasan an den Start gehen kann. Weswegen Tuwa nicht mehr auf der Liste steht, ist bis dato nicht bekannt.

Und natürlich darf auch hier das Disneyland von Skopje nicht fehlen (MK)

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No Coke: Dr. Albanien ist tot

Heute morgen starb unter noch ungeklärten Ursachen der mehrfache Festival i Këngës-Teilnehmer und Komponist des albanischen Eurovisionsbeitrags von 2006, ‘Zjarr e Ftohtë’, dargeboten seinerzeit von Luiz Ejlli und den lustigen Kondomhütchenmännern. Wie die Balkan News Agency berichtet, wurde der 39jährige Rapper Florand Kondo alias Dr. Flori bereits leblos in der Notaufnahme des Mutter-Theresa-Krankenhauses in Tirana eingeliefert. Vermutliche Todesursache sei eine Drogen-Überdosis. Sängerin Juliana Pasha (AL 2010) zeigte sich schockiert: “Die Drogen haben ein weiteres Leben genommen, diesmal das eines albanischen Künstlers. Worte können den Schmerz nicht richtig fassen, den Schmerz über diesen unerwarteten Verlust. Möge Gott mit Deiner Seele sein, Flori.” Dr. Flori nahm zuletzt 2013 an der albanischen Eurovisionsvorentscheidung teil und erreichten den neunten Platz.

Die Augen zum Himmel: ahnte Dr. Flori da schon was?

Die bosnische Saga geht weiter: Regina nach Wien?

An diesem Wochenende läuft die von der EBU verlängerte Bedenkfrist für den bosnischen Sender BHRT aus. Ob wir das Balkanland in Wien wiedersehen, scheint aber ungewisser denn je: wie die Fanseite escbubble unter Bezugnahme auf das bosnische Nachrichtenportal Dnevni Avaz berichtet, seien die Verhandlungen zwischen dem chronisch klammen Staatssender und Hari Mata Hari (BA 2006) geplatzt, weil man die finanzielle Last offenbar vollständig auf den Künstler abwälzen wollte. Stattdessen sei nun die Band Regina (BA 2009, ‘Bistra Voda’) angefragt worden. Die sei nach eigener Darstellung bereit, allerdings ebenfalls nicht zu diesen Bedingungen: “Support für das Projekt ist das Eine, aber für alles zu bezahlen, ist völlig absurd,” zitiert die Seite das Regina-Mitglied Aleksandar Čović. Anders als Hari Mata Hari habe BHRT die Band angeblich nicht um Geld angehauen, dennoch seien die finanziellen Aspekte noch nicht geklärt. Mal schauen, ob es noch zu einer Einigung in letzter Minute kommt – oder gar einer weiteren Fristverlängerung durch die EBU. Fest steht immerhin, dass Regina-Frontmann Davor Ebner heißer aussieht als jemals zuvor. Daher: Daumen drücken!


Gerne noch mal was von diesem Kaliber: Regina beim ESC 2009

Wen möchtest Du lieber für Bosnien sehen?

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Türkvizyon 2014 ohne albanisches Feuer?

Nur noch eine Woche bis zum Finale der Türkvizyon 2014 im tatarischen Kasan, und erneut regiert das völlige Chaos. Hieß es ursprünglich einmal, alle Teilnehmer sollten bis zum 30. September feststehen, so tauchte gestern wie aus dem Nichts die am kaspischen Meer gelegene Erdöldiktatur Turkmenistan auf der offiziellen Länderliste des osmanischen Gegen-Grand-Prixs auf. Heute reichte man sogar die Repräsentantin des nach seiner Abspaltung von der Sowjetunion vor allem durch einen bizarren Personenkult um den 2006 verstorbenen, selbsternannten “Türkmenbaşy” (den ehemaligen KP-Vorsitzenden und anschließenden Diktator Saparmyrat Nyýazow) bekannt gewordenen Staates nach: Züleyha Kakayeva heißt sie und verhüllt sich auf dem Pressefoto der Türkvizyonsseite unter einem farbenfrohen Kopftuch. Trotz des Neuzugangs ist unklar, wie viele Länder nun in Kasan an den Start gehen, denn es herrscht Konfusion um die Teilnahme Albaniens.


Zu unzüchtig für die Türkvizyon? Die Albanerin Xhoi und ihr Beitrag ‘Feuer und Luft’

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Mazedonien 2015: die Ersten werden die Letzten sein

Mitte November, und bereits jetzt steht der erste Song für Österreich fest. Und erfüllt sämtliche ausgelutschten Eurovisionsklischees: der durchaus nett anzuschauende Daniel Kajmakoski, seines Zeichens Sieger der Castingshow X Factor Adria, präsentiert eine dröge und höhepunktslos vor sich hin plätschernde Eurovisionsballade namens ‘Esenski lisja’ (‘Herbstlaub’) aus der Feder des schwedischen Komponisten und Produzenten Joacim Persson. Kajmakoski setzte sich im Televoting mit deutlichem Vorsprung gegen Tamara Todevska (MK 2008, Schwester der diesjährigen Repräsentantin Tijana Dapčević) durch, die mit ihrer ziemlich zähen, aber hingebungsvoll gesungenen Ballade ‘Brod što tone’ zum Liebling der internationalen Jurys avancierte, beim Publikum aber nur Dritte wurde. Die Juroren hingegen setzten Daniel auf Rang zwei, so dass es zu einem klaren Gesamtsieg reichte. Der dürfte sich mit der sehr durchschnittlichen Nummer in Wien vermutlich nicht wiederholen. Allerdings befand sich unter den 20 heute Abend gegeneinander antretenden Songs nicht ein wirklich bemerkenswerter, auch wenn sie ohne Ausnahme in Muttersprache und zu Orchesterbegleitung performt wurden. Daniels musikalischer Wintergruß bleibt jedoch voraussichtlich nicht in mazedonisch: Gerüchten zufolge stehe bereits fest, dass der Castingbube in Wien die englischsprachige Originalfassung zu Gehör bringen werde. Und die dürfte dann nochmals deutlich uninteressanter klingen. Höhepunkt des über dreistündigen Skopjefestes war übrigens der Gastauftritt Kaliopis (MK 2012) – kann das mazedonische Fernsehen die nicht einfach jedes Jahr schicken?

Ich mag die Schuhe: Daniel Kajmakoski (MK)

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Niederlande 2015: Trijntje bestätigt Teilnahme

Am Samstag war es noch ein Gerücht, heute Morgen bestätigte der Sender AvroTros ganz offiziell, dass Trijntje Oosterhuis die Niederlande in Wien mit einem von Anouk (NL 2013) geschriebenen Song vertreten wird. Damit setzt das Land seinen in den letzten Jahren erfolgreich eingeschlagenen Weg fort, im Lande etablierte Künstler/innen intern zu nominieren. Trijntje (Traintje ausgesprochen und von Grand-Prix-Fans darob bereits liebevoll “kleiner Zug” genannt) beschreibt den bereits ausgewählten, aber noch nicht vorgestellten Wettbewerbsbeitrag als “unglaublich frisch” und als einen Song, den man “weder von Anouk noch von mir erwarten würde”. Klingt, als wolle es die im Laufe ihrer bereits über zwanzigjährigen Musikkarriere vor allem mit Soft-Jazz-Standards und Balladen bekannt gewordene Sängerin zur Abwechslung mal mit etwas Uptemporärem versuchen, was ich nur gutheißen kann.

Das holländische Züglein (Repertoirebeispiel)

Conchita Wurst: neue Single ‘Heroes’

“We could be Heroes tonight” singt Grand-Prix-Siegerin Conchita Wurst im Refrain ihrer heute veröffentlichten, brandneuen Single. Und stellte dies heute Abend auch gleich unter Beweis, in dem sie sich zu Wetten, dass? nach Graz wagte, um eben diese dort live vorzustellen und sich anschließend in der größten Sitzgruppe des deutschen Fernsehens von dem unfasslich peinlichen Markus Lanz vollsülzen zu lassen, der sich nicht entblödete, ihr ins Gesicht zu sagen, dass ihre Anwesenheit “unser aller Toleranz herausfordert”. Wo es doch der selbsterklärte Hetero Lanz war, der sämtliche männlichen Gäste der Show platt anschwulte und auch sonst für einen Fremdschämmoment nach dem anderen sorgte. Wenn jemand unser aller Toleranz herausfordert, dann Lanz! Doch zurück zu Conchita: die orientierte sich für die Songpräsentation von ‘Heroes’, mit dem sie erneut ihre musikalische Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt, an Sanna Nielsens (SE 2014) Lichtkegelchoreografie und zeigte sich nach anfänglichen Wacklern stimmlich und performatorisch top. Die Single ist ab sofort auf den Downloadportalen erhältlich. Weiterhin erhältlich ist auch das Hintergrundbuch Conchita Wurst – backstage, über das Eurovisionen-Blogger Martin Schmidtner auf Queer.de zum heutigen Anlass eine umfassende und lesenswerte Rezension schrieb. Genug Wurstvorrat für den Winter also!

Schön, dass sie am Schluss dann doch mal lacht: Conchita

Trijntje Oosterhuis für die Niederlande 2015?

Wie unter anderem escxtra unter Bezugnahme auf die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtet, soll die 41jährige Jazz- und Popsängerin Trijntje Oosterhuis (Aussprache: Traintje Osterhaus) das Tulpenland beim Eurovision Song Contest 2015 in Wien mit einem von Anouk (NL 2013) geschriebenen Song vertreten. Oosterhuis, derzeit gemeinsam mit Ilse de Lange (NL 2014) als Coach bei The Voice of Holland aktiv, ist eine der erfolgreichsten Sängerinnen des Kifferstaates und seit den Neunzigern im Geschäft. Bekanntheit erlangte sie mit der Teilnahme an einem Nachwuchswettbewerb, gemeinsam mit ihrem Bruder Tjeerd, dem heutigen Ehemann von Edsilia Rombley (NL 1998 und 2007), deren Wettbewerbsbeitrag ‘On Top of the World’ er schrieb. Seit 2001 arbeitet Trijntje solo, mit dem Burt-Bacharach-Songbook’ erreichte sie Platinstatus. Zuletzt veröffentlichte sie 2012 das von Anouk produzierte und in weiten Teilen komponierte Nummer-Eins-Album ‘Wrecks we adore’. Anouk ist auch diejenige, die in einer TV-Sendung das – vom Sender AvroTros noch nicht bestätigte – Gerücht streute, dass Oosterhuis, die in der Vergangenheit alle diesbezüglichen Anfragen stets weit von sich wies, die intern gewählte Vertreterin für Wien sei.

Trijntjes letzte, von Anouk geschriebene Hitsingle ‘Knocked out’ (2012)