Türkvizyon 2014: Huch, Rumänien!

Überraschung! Gehörte Rumänien bis vorgestern noch, gemeinsam mit den russischen Republiken Altai und Kemerowo, dem Kosovo und Weißrussland, zu den fünf Ländern, die der Türkvizyon nach der Premierenausgabe von Eskişehir den Rücken kehrten, so vermeldete die offizielle Contest-Seite gestern, dass das Karpatenland in Kasan durch das Duo Cengiz Erhan (dem Repräsentanten von 2013) und Gafar Alev Sibel vertreten werde. Die Rückkehr Rumäniens scheint auch für die Organisatoren überraschend zu kommen, denn noch heute Mittag fehlte die Flagge des Balkanstaates in der dortigen Übersicht der Teilnehmerländer. Der Iran tauschte unterdessen seinen ursprünglich angemeldeten Sänger Mesud Banş ohne Angaben von Gründen gegen die siebenköpfige Gruppe Barış (Frieden) aus. Ihre Teilnehmerinnen bekannt gaben auch die Türkei, für die die in Belgien lebende Funda Kılıç an den Start geht, sowie Nordzypern. Hier ging die Sängerin İpek Amber am vergangenen Sonntag als Siegerin aus der örtlichen Vorentscheidung hervor, die sich trotz einer Teilnehmerzahl von nur vier Kombattanten – allesamt mit sehr ähnlichen, hochgradig zähen Ethno-Riemen – über quälende zweieinhalb Stunden hinzog, dafür aber mit unglaublich sexy Juroren entschädigte. İpeks Lied heißt ‘Sessiz Gidiş’, was sich je nach konsultierter Quelle mit “Stiller Abschied” bzw. “Stille Nacht” übersetzt. Wobei das von Frau Amber selbst auf Youtube eingestellte Präsentationsvideo für die zweite Auslegung spricht.


Weihnachtlich glänzet der Wald / freut Euch, Türkvizyon ist bald!

Frische, eisgekühlte Wurst: Conchita bei Wetten dass

Am 8. November kommt die vorletzte Ausgabe des ZDF-Unterhaltungsdinosauriers Wetten, dass? aus Graz. Diesmal gibt es sogar einen Grund, einzuschalten: die aktuelle Grand-Prix-Königin Conchita Wurst stellt nämlich in der Show ihre mit Spannung erwartete, neue Single ‘Heroes’ vor. Die werde kein bisschen wie ‘Rise like a Phoenix’ klingen und auch ohne großes Orchester auskommen, wie die Wurst der Nachrichtenagentur APA sagte: “Ich war selbst überrascht ob der Tatsache, dass ich so cool klingen kann”. An ihrem Album bastelt sie weiterhin in aller Ruhe, dies soll erst 2015 erscheinen, um einen künstlerisch enttäuschenden Schnellschuss zu vermeiden. Wirbel gab es zwischenzeitlich um ihren Auftritt vor dem Europaparlament, wo sie Anfang des Monats auf Einladung mehrerer Fraktionen ein Mini-Konzert gab und in einer anschließenden Pressekonferenz mehr Engagement für gleiche Rechte einforderte. Dies behagte nicht jedem: so protestierte unter anderem die deutsche AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch, in der Vergangenheit schon öfters durch homophobe Äußerungen aufgefallen, gegen den “bestenfalls überflüssigen” Auftritt der bärtigen Dragqueen. Conchitas Replik: “Sie müssen mich nicht mögen, aber sie müssen respektieren, dass ich hier bin”.

Unbreakable: die Wurst in Brüssel

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Schweizer Käse: Operation am offenen Ohr

In gut einer Woche schließen sich bereits wieder die Pforten des Hades schweizerischen Internet-Vor-Vorentscheids, jener geheimen Schatzhöhle für die Jäger des verlorenen Trashs wie mich. Höchste Zeit also, zu sichten, was die musikalisch Mühseligen und Beladenen aus aller Welt, denen sonst niemand zuhören möchte, diesmal beim SRF abwarfen. Zu den unzähligen Wiederkehrern, die es Jahr um Jahr versuchen, zählt natürlich auch heuer der in Fankreisen schon legendäre Männerchor Steili Krässa. Die widmen sich in ‘The Beat of the Meat’ hauptsächlich der Verballhornung internationaler Musikgrößen (eins der lustigeren Beispiele: “Barbecue Streisand”) und preisen den Fleischgenuss, was ich als Vegetarier natürlich rundheraus ablehnen muss. Zumal, wenn man, wie hier, im Präsentationsvideo zwei so putzige Schweinchen gezeigt bekommt, die man sofort ins Herz schließt. Wer danach noch ein Schnitzel essen kann, ist ein Barbar! Ebenfalls ein alter Bekannter: John Hänni, dessen Sohn sich mittlerweile von ihm losgesagt zu haben scheint, so dass er nun traurig und alleine durch die Weltgeschichte fahren muss: ‘Travelling on my own’. Allerdings scheint der Reiseetat nur noch für die Tram zu reichen – Glück gehabt!


Roger Cicero (DE 2007) hat angerufen und will seinen Hut zurück: John Hänni

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USFÖ-Perlen: Peter Pan träumt von Helmut Berger

Und schon wieder sind zwei Wochen vergangen seit der letzten Werkschau der Bewerbungsvideos für die deutsche Wildcard-Runde. Zeit also, die Geschmacksnerven zu imprägnieren und auf Tauchstation zu gehen im Brainpool-Hoffnungsträger-Friedhof. Wobei, so schlimm ist es diesmal gar nicht geworden, tatsächlich scheinen langsam sogar ein paar brauchbare Nummern einzutrudeln. Anfangen möchte ich jedoch mit einem alten Bekannten, Tomas Tulpe, der letztes Mal bereits mit ‘Issat Tach, issat Nacht’ wunderbar skurrilen Hauptstadt-Techno beisteuerte. Diesmal hat er sich die in Hommage an die Eurovisionssiegerin von 1967 benannte Sandy Beach und den Türsteher-Popstar Rummelsnuff zur Verstärkung geholt und präsentiert uns eine whacke Ode an ‘Tarzan – eine Traume’.

Warnung: hohe Bleichfleischquote!

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Common Linnets: die Goldkehlchen

Zwar handelt es sich bei Common Linnets eigentlich um Finken, genauer gesagt um Hänflinge – die Bezeichnung Goldkehlchen steht dem Country-Duo um die niederländische Sängerin Ilse de Lange dennoch zu: wie esctoday berichtet, erhielten die Zweitplatzierten des Eurovision Song Contest 2014 für ihren Wettbewerbstitel ‘Calm after the Storm’ in Deutschland eine goldene Schallplatte für 200.000 verkaufte Singles. Sowie eine weitere Goldene für 100.000 Einheiten des dazugehörigen Albums ‘The Common Linnets’. Das für ein Grand-Prix-Beitrag erstaunlich ruhige ‘Calm after the Storm’ chartete in etlichen europäischen Ländern sehr gut (# 36 in Schweden, # 9 in Großbritannien, # 5 in Spanien, # 3 in Deutschland und der Schweiz, # 2 in Österreich und Dänemark sowie # 1 in den Niederlanden und Belgien) und hält sich stellenweise bis heute in den Hitlisten. Kommerziell überrundeten die Linnets damit die Grand-Prix-Gewinnerin Conchita Wurst deutlich. Trotz des Ausstiegs von Waylon (Willem Bijkerk), der sich künstlerisch nicht ausreichend repräsentiert fühlte, macht Ilse mit neuer Besetzung weiter.

Dezentes Dornenvögel-Gefühl: die Bluthänflinge

 

Türkvizyon 2014: Fahrettin Güneş für Deutschland

Reyhan Şahin (alias Lady Bitch Ray), wie von einem meiner Leser gefordert, ist es nun doch nicht ganz geworden. Stattdessen wird Fahrettin Güneş die schwarz-rot-goldene Fahne vertreten bei der Türkvizyon am 19. und 21. November in Kasan, Tatarstan. Der 48jährige wurde in der Türkei geboren und verdiente sich dort, wenn ich meiner Google-Übersetzung trauen kann, als Hochzeitssänger erste Sporen, lebt und arbeitet aber schon länger in Deutschland. Der Kölner Privatsender Türkshow zeichnet für unseren Vertreter beim osmanischen Eurovisions-Gegenentwurf verantwortlich, eine Pressemitteilung mit ergänzenden Informationen und Näherem zu seinem Beitrag – ausgesucht von einer neunköpfigen Jury – ist für die nächsten Tage angekündigt. Bis dahin als erster Vorgeschmack schon mal einer seiner bei Youtube auffindbaren Songs, die eine schöne Mischung aus traditionelleren orientalischen Klängen und tanzbaren Beats versprechen.

Mandolinen und Mondenschein: Fahrettin Güneş

Türkvizyon 2014

Song Contest des türkischen Kulturraumes. 19. und 21.11.2014 in Kasan, Tatarstan (Autonome russische Republik).
Land / Republik
Teil von
Interpret / VE
Song / Datum VE
AserbaidschanAZElvin Ordubadlit.b.a.
BalkarienRUEldar ZhanikaevBarama
BaschkortostanRUTeilnahme bestätigt
BosnienBAMensur SalkićŠutim
ChakassienRUDmitriy Saf’yanov + Sayana Sobirovat.b.a.
DeutschlandDEFahrettin Güneşt.b.a.
GagausienMDMariya TopalAaladım
GeorgienGEAysel Məmmədova + Ayla Şiriyevat.b.a.
IranIRBarışt.b.a.
KasachstanKZTeilnahme bestätigt26.10.14
KirgisienKGTeilnahme bestätigt26.10.14
KrimUATeilnahme bestätigt
MazedonienMKKaan Mazhart.b.a.
NordzypernCYİpek AmberSessiz gidiş
RumänienROCengiz Erhan + Gafar Alev Sibelt.b.a.
RusslandRUKazan WorldSon kөtəm
Sacha (Jakutien)RUVladlena Ivanovat.b.a.
TatarstanRUAydar Suleymanovt.b.a.
TuwaRUTeilnahme bestätigt
TürkeiTRFunda Kılıçt.b.a.
TürkmeneliIQAhmet Tuzlut.b.a.
UkraineUATeilnahme bestätigt
UsbekistanUZTeilnahme bestätigt

Türkvizyon 2014: das ist die deutsche Jury

“Als Initiative zur Verbreitung künstlerischer und kultureller Aktivitäten zur Stärkung der Einheit der türkischen Menschen gegründet, ist die Türkvizyon mittlerweile zu einem Symbol des Friedens, der Brüderlichkeit und der Freundschaft unter den Türken geworden”: so salbungsvoll feiert die ausrichtende Kulturorganisation Türksoy auf ihrer Internetseite den im November zum zweiten Mal stattfindenden Event ab. Wollen wir es mal hoffen, denn neben Russland und Deutschland nimmt, wie Eurovoix meldet, in Kasan auch erstmalig der Iran an dem osmanischen Gegenentwurf zum Eurovision Song Contest teil – und trifft dort auf den ehemaligen Kriegsgegner Irak, genauer: den von Turkmenen besiedelten Teil um Kirkuk. Mesud Banş vertritt die islamische Republik. Wer in Kasan die deutsche Fahne hochhält, erfahren wir erst nächste Woche – dafür wissen wir mittlerweile, wer den bereits feststehenden, aber noch geheimgehaltenen Künstler aussuchte.

Gehört mit zur neunköpfigen deutschen Jury: Yüksel Özkasap, die “Nachtigall von Köln”

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ESC 2015: sans Shampioni, aber mit San Siegelino

39 Teilnehmerländer, so lautet der aktuelle Stand für den 60. Eurovision Song Contest im Mai 2015 in der Wiener Stadthalle. Traurigerweise zog Bulgarien die vorläufige Zusage zur Teilnahme in Österreich wieder zurück, da es dem Sender nicht gelungen sei, die notwendigen finanziellen Mittel zusammenzukratzen. Erfolgreicher scheint da das sanmarinesische Fernsehen gewesen zu sein: der inneritalienische Kleinststaat, der sich zuletzt drei Mal hintereinander von Ralph Siegel aushalten kompositorisch betreuen und durch dessen Schützling Valentina Monetta vertreten ließ, sagte heute für Wien zu. Der Sender San Marinos steht im Ruf, die Grand-Prix-Sause durch Drittmittel zu refinanzieren und hierfür bei interessierten Songschreibern oder Interpreten ein Handgeld einzuwerben. Insofern ist es spannend, ob Ralph Siegel dort erneut antritt. Und falls ja, mit wem: La Monetta befolgt bekanntlich die alte ZDF-Hitparaden-Regel: drei Mal dabei, bitte nicht wiederwählen! Sicher ist nur, dass uns Kriemhild Maria Jahn erspart bleibt: von seiner dritten Frau trennte sich Siegel laut Spiegel Anfang August.


San Marino 2015 wieder mit Siegel? Maybe!

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Streit um isländische Frauenquote

Im Mai erst spielte Tom Neuwirth als bärtige Drag Queen Conchita Wurst auf wunderbarste Weise mit den Geschlechterrollenklischees und gewann damit den Eurovision Song Contest. Klassischer Geschlechterkampf scheint dagegen im (doch eigentlich als gesellschaftlich fortschrittlich geltenden) Land der Elfen und Trolle zu herrschen. So beschloss des isländische Fernsehen RÚV für seinen Grand-Prix-Vorentscheid Söngvakeppni 2015 zwar zunächst die Einführung einer Frauenquote: 50% der für die Vorauswahl zu berücksichtigenden Komponist/innen und Textdichter/innen sollten weiblich sein. Nach Protesten der sich bedroht fühlenden Männer zog der Sender aber den Schwanz ein und kassierte die Regel wieder. Zu den Beschwerdeführern zählte Friðrik Ómar Hjörleifsson, der 2008 gemeinsam mit Regína Ósk Óskarsdóttir als Euroband die Insel vertrat. Er bezeichnete die Frauenquote in einem interessanten Gedankenoxymoron als “erniedrigend für Frauen”: “Ich versteh’s nicht. Vermutlich wollen Sie die Frauen zur Teilnahme ermutigen. Ich denke aber nicht, dass das ermutigend ist! Bei einem Wettbewerb wie diesem sollte die Qualität des Liedes darüber entscheiden, ob der Song weiterkommt, nicht das Geschlecht,” so der Sänger.

Lebt sein Leben ohne Quoten: Friðrik Ómar (IS 2008)

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Türkvizyon 2014: das doppelte Tatarstan

Herrlich: erneut gibt es Bizarres aus der Welt der Türkvizyon zu berichten. Wie Eurovoix unter Bezugnahme auf die offizielle Wettbewerbsseite meldet, soll bei der diesjährigen zweiten Ausgabe des Gegen-Grand-Prixs der türkischen Welt neben Deutschland auch Russland Premiere feiern. Oder, genauer gesagt, die Russische Förderation, von deren zahlreichen mehr oder minder autonomen Republiken diejenigen mit Turkvolk-Anteilen alle bereits einzeln antreten, so wie beispielsweise Tuwa, Jakutien oder die gastgebende Uralgebirgsrepublik Tatarstan, Wikipedia zufolge der eigenständigste russische Landesteil, in dessen Hauptstadt Kasan der Wettbewerb am 19. und 21. November 2014 über die Bühne geht. Und während das Gastgeberland durch einen in Moskau lebenden und arbeitenden Sänger vertreten wird, repräsentieren die Zweitplatzierten des tatarischen Vorentscheids nun absurderweise die Russische Föderation. Name der Band: Kazan World.

Zwei zum Preis von einem: Kazan World vertritt Russland

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Cliff Richard: die nützliche Living Doll

Groß sind die Verdienste des britischen Popstars Cliff Richard (73): über 250 Millionen verkaufter Alben weltweit, Top-Ten-Hits in sechs aufeinanderfolgenden Jahrzehnten von den Fünfzigern bis ins Millenium, zweifache Teilnahme am Eurovision Song Contest mit dem drittplatzierten ‘Power to all our Friends’ (1973) und dem legendären, 1968 von der deutschen Jury ultraknapp verhinderten Beinah-Siegersong ‘Congratulations’. 1995 schlug ihn Queen Elizabeth II. gar zum Ritter. Nun kann Sir Cliff sich rühmen, persönlich für die Sicherheit der britischen Rentnerin Jill Stolworthy zu sorgen: wie das Boulevardblatt Daily Star berichtet (und esctoday kolportiert), begibt sich die 68jährige Großmutter aus Suffolk, ein großer Fan des Sängers, nur mit einer lebensgroßen Cliff-Richard-Puppe auf dem Beifahrersitz in die Gefahren des Straßenverkehrs. Sie fühle sich so sicherer, wenn sie alleine fahre, erläutert ihr Mann, der die Kriminellenscheuche bastelte, dem Blatt: “So sieht es aus, als habe sie einen männlichen Beifahrer”. Auch als Einbrecherschutz für ihr Eigenheim fand die, wie die Zeitung anmerkt, “merkwürdige” Puppe bereits Verwendung, wo sie nach Aussage des Rentnerpaares bislang aber nur einen Freund der Familie erschreckte. Ein Hoch auf Sir Cliff Richard, stets im Einsatz, um die Welt zu einem sichereren, freundlicheren Ort zu machen!


Ob Cliff beim Rentnerpärchen auch in den Schrank kommt?

Malta: Das Imperium schlägt zurück

Nach dem fulminanten Sieg einer singenden Nonne in der italienischen Ausgabe der Castingshow The Voice in diesem Sommer lag es wohl auf der Hand, etwas Ähnliches auch zum Eurovision Song Contest einzureichen. Und welches Land böte sich hierfür mehr an als das streng katholische Malta, auf dem bekanntlich 365 Kirchen auf knapp 425.000 Einwohner kommen, mithin ein Gotteshaus für jeden Tag des Jahres? Das dachte sich auch der notorische maltesische Grand-Prix-Seriensongschreiber Philiph Vella und überredete sechs ortsansässige Betschwestern – wie das Vorbild Cristina Scuccia natürlich Ursulinen – seinen Beitrag ‘Love and let go’ zu interpretieren. Darin besingen sie das herzergreifende Schicksal eines an der Kirchentüre hinterlegten Findelkindes, welches sie, wie es ihre Aufgabe ist, großziehen und dann in die Welt entlassen: ‘Love and let go’ eben. In die gestern Abend bekannt gegebene Auswahl der zwanzig Semifinalisten des Malta Song for Europe schafften sie es erwartungsgemäß, und obgleich – oder womöglich weil – sie deutlich unflotter und unbeholfener daherkommen als ihre vergleichsweise glamouröse italienische Kollegin, dürfte alles andere als ein Sieg des Sister Acts beim Vorentscheid eine Überraschung sein. Zumal der authentisch naive Ausdruck in Frontschwester Michaelas Pfannkuchengesicht es verunmöglicht, ihnen den kalt berechnenden Zynismus des Songtextes vorzuhalten.


Schwester Schwester, für mich bist Du die Sahnetorte: Ekklesia

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USFÖ-Perlen: die Invasion der Discoschlager

Mehr als zwei Wochen liegt meine erste Werkschau der bislang hochgeladenen Bewerbungsvideos für die Wildcardrunde von Unser Song für Österreich schon zurück. Viel Nennenswertes tat sich in der Zwischenzeit nicht: offensichtlich verschreckte die letztjährige Jury-Auswahl all diejenigen nachhaltig, die nicht in das Staubmaus-Geschmacksschema des NDR-Gremiums passen und sich so ohnehin keine Chance ausrechnen können. Mit einer entscheidenden Ausnahme: den Discofox-Geronten. Die wittern, vom extraordinären kommerziellen Erfolg Helene Fischers beflügelt, offenbar gerade Morgenluft und bewerben sich in Garnisonsstärke um das Ticket nach Wien. Letztes Mal stellte ich bereits die fabelhafte Ute Schönherr vor, diesmal erhöhe ich um die Party Apps: zwei Gesichtsgünther, bei deren Anblick man spontan ein wenig Verständnis für die Selbstverliebtheit des Wendlers entwickelt: gegen die beiden Partywracks mit ihren peinlichen Seidenkrawatten wirkt der Dschungelcamp-Weichling tatsächlich beinahe seriös und, ahem: attraktiv. Um so unglaublicher die Pfläumcheninduzierte Verzückung, in welche das dynamische Duo beim Vollplayback-Auftritt mit dem vertonten Flachwitz ‘Akku alle’ sein schon etwas lebenserfahreneres Publikum zu versetzen vermag. Vielleicht ist einem aber auch einfach nur alles egal, wenn man schon in Ludwigshafen wohnen muss.

Großvater, warum hast Du so große Augen? Die Party Apps

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Türkvizyon: Einmal sehen wir uns wieder

Unbemerkt von weiten Teilen der Weltöffentlichkeit (und dem Blogbetreiber) wählten in den letzten Tagen einige Länder ihren Beitrag für die am 19. und 21. November 2014 anstehende zweite Ausgabe des osmanischen Gegenentwurfs zum Eurovision Song Contest, der Türkvizyon, aus. Und wie sein großes Vorbild ist auch die eurasische Variante vor Wiederkehrern nicht gefeit: erneut darf Eldar Zhanikaev das rund 120.000 Menschen starke Bergvolk der Balkaren vertreten, das sich auf die beiden russischen Teilrepubliken Karbadino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien 1)Noch immer warte ich auf einen Besuch in beliebiger humanitärer Mission durch die ehemalige deutsche Justizministerin: über die tagesschau-Meldung “Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bereist Karbadino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien” würde ich mich sehr, sehr freuen! verteilt. Bei seiner Premiere schied der etwas nervös wirkende Eldar bereits im Semifinale aus. Sein diesjähriger Beitrag ‘Barama’ klingt, jedenfalls dem zwanzigsekündigen Ausschnitt nach zu urteilen, der im Bericht über seinen Vorentscheidungssieg zu hören ist (und erst recht in der Studiofassung), schon mal deutlich poppiger als sein letztjähriger, zäher Ethnobrocken ‘Adamdı bizni adıbız’. Schafft er es also diesmal? Und falls nicht, bekommt er dann – wie sein Vorbild Valentina Monetta – noch eine dritte Chance?

Glamourös geht’s zu beim balkarischen Vorentscheid (Songausschnitt ab Minute 3:00)

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Fußnote(n)   [ + ]

1. Noch immer warte ich auf einen Besuch in beliebiger humanitärer Mission durch die ehemalige deutsche Justizministerin: über die tagesschau-Meldung “Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bereist Karbadino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien” würde ich mich sehr, sehr freuen!

Auch 2015: keine kroatische Morgenröte

“Neka mi ne svane / Nek’ me nema, nek’ me ne bude (Möge die Morgensonne niemals aufgehen / Möge ich verschwinden, möge ich aufhören, zu existieren)” – so schmerzvoll schön und seherisch besang es die fabelhafte Danijela Martinović 1998 in Kroatiens bestem Eurovisionsbeitrag. Daran scheint sich das Land halten zu wollen: wie esctoday soeben unter Berufung auf den kroatischen Sender HRT berichtet, kehren die Hrvatskaner auch 2015 nicht zurück zum Grand Prix, nach dem sie letztes Jahr bereits aus finanziellen Gründen aussetzten. Oder wohl auch aufgrund der enttäuschenden Bilanz: in den Neunzigern noch mit Top-Ten-Platzierungen verwöhnt, schaffte es der Mittelmeeranrainerstaat seit 2010 nicht mehr ins Finale. Und scheint es jetzt erst gar nicht mehr erst versuchen zu wollen. Schade!

Unvergessen: Danijelas wunderschöne Weltschmerzballade

Aus traurigem Anlass: welches sind Deine bisherigen kroatischen Lieblingsbeiträge (max. 5)?

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