Favoritenflucht in Moldawien: Elle sind raus

Hurra, ein Skandal! Seit jeher, so viel zur Vorgeschichte, begleiten fragwürdige Juryentscheidungen und Korruptionsvorwürfe die moldawische Eurovisionsvorentscheidung – freilich, ohne dass sich bis dato ein Beweis für etwaige Mauscheleien antreten ließ. Lange Zeit sah es so aus, als bekäme der Sender TRM 2016 gar keine Vorauswahl zustande: nach dem Sieg des in seiner Heimat stets erfolglosen Ukrainers Eduard Romanyuta bei der Melodie pentru Europa 2015 – ebenfalls begleitet von unbelegten Behauptungen, dieser sei gekauft – drohten die heimischen Konkurrenten mit Boykott. Erst kurz vor Einsendeschluss trudelten doch noch genügend Bewerbungen ein. Unterdessen jedoch gingen zwei der vom Sender ausgewählten Vorentscheidungsteilnehmer wieder von der Fahne: nach dem Rückzug der weißrussischen Vertreter von 2012, Litesound, am 2. Februar 2016, gab heute auch das moldawische Girl-Trio Elle gegenüber Wiwibloggs bekannt, den Bettel hinzuschmeißen. Was von deutlich größerem Belang ist als im Falle der lustlosen Belarussen, handelte es sich bei Elles Beitrag ‚Tare‘ schließlich um einen der Siegesfavoriten. Die Damen benannten gegenüber Wiwibloggs „schmutzige Geschäfte“ als Grund für ihren Rückzug, ohne sich jedoch konkreter zu äußern.

Sie mögen nicht mehr: Elle sind raus (MD)

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Semifinal-Supersamstag 2016: I love to hate you!

Nun liegt er hinter uns, der ausschließlich aus diversen Vorrunden (ganze sechs an der Zahl!) bestehende Supersamstag, an dem sich in ganz Skandinavien und weiten Teilen des ehemaligen Ostblocks etliche Sänger/innen battelten, ohne dass eine finale Entscheidung für Stockholm fiel. Und natürlich endete er fast überall mit maßlosen Enttäuschungen. Fangen wir gleich mit der schlimmsten davon an, damit wir sie aus dem Weg bekommen: Island! Zwölf Kandidat/innen gibt es im Söngvakeppni insgesamt, sechs davon traten gestern an, darunter die Einzige mit einem hörenswerten Beitrag und meinem aktuellen Lieblingsohrwurm aller Zeiten und Sonnensysteme: Sigga Eyrún mit ‚Kreisí‘. Der klingt, wie er heißt, also großartigst, besteht partiell aus dem Super-Mario-Soundtrack, partiell aus der Strophe von Erasures Dramapop-Meisterwerk ‚I love to hate you‘ sowie einer fantastischen Bühnenshow mit einer sympathisch-fülligen Sängerin, begleitet von einer Dragqueen und einer auf irre geschminkten, videospielsüchtigen Frau, die sich mit Tischtennis aus alten C-64-Tagen vergnügt. Und alleine für den Choreografieeinfall, die Mittellinie des Spiels von einem regenbogenfarbenen Pacman auffressen zu lassen, gebührte ihr der Sieg beim Eurovision Song Contest in Stockholm. Doch dazu wird es nicht kommen: die völlig geschmacksinkompetenten isländischen Televoter/innen ließen sie noch nicht mal ins Finale ziehen! Ich bin so sauer, dass ich es nicht anders in Worte fassen kann als: diese Insel soll bitte im Meer ertrinken. Sofort!

Ab Sekunde 28: singen Sie da mal „I like to read murder mystery / I like to know the killer isn’t me“ drüber. Und, passt, oder? (IL)

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Common Linnets als Stargast bei ULFS

Einen weiteren Grund, sich auf den deutschen Vorentscheid Unser Lied für Stockholm am 25. Februar 2016 zu freuen (neben der reichhaltigen Bandbreite bei der musikalischen Auswahl und der fabelhaften Gastgeberin Babsi Schöneberger), lieferte der NDR heute: als Stargäste sind die Common Linnets (NL 2014) annonciert. Die präsentieren in der Auszählungspause, während die Zuschauer/innen per Telefon, SMS oder Voting-App abstimmen dürfen (mehr Infos zu den zehn Acts unter den Links in der untenstehenden Tabelle) gemeinsam mit der deutschen Country-Band The Boss Hoss ihren aktuellen Hit ‚Jolene‘, eine bestens gelungene Coverversion einer meiner allerliebsten Superkitsch-Breitwand-Drama-Balladen aller Zeiten und Galaxien, auch wenn diese natürlich nicht ganz an das Original der unvergleichlichen Dolly Parton heranreichen kann. Aber das kann niemand! Dennoch freue ich mich sehr auf diese Songperle, diesen zu Herzen gehenden Country-Schlager, dem übrigens einst die nicht minder fabelhafte Marianne Rosenberg (DVE 1975) mit meinem Lieblingstitel aus ihrem reichhaltigen Repertoire, nämlich ‚Marleen‘, eine nicht minder zu Herzen gehende, inhaltsgleiche deutsche Hommage setzte. So schön!

Dieser Text: ein Kirschblütenfest für Kitschelsen wie mich

Unser Lied für Stockholm

Deutsche Vorentscheidung 2016. Donnerstag, 25.02.2016, ab 20:15 Uhr aus Köln. 10 Teilnehmer, Moderation: Barbara Schöneberger
#InterpretSongTelevoteCharts
AvantasiaMystery of a Blood red Rose
Alex DiehlNur ein Lied33
Ella EndlichAdrenalin
GregorianMasters of Chant
JocoFull Moon
KeomaProtected
Jamie Lee KriewitzGhost11
LuxuslärmSo lange Liebe in mir wohnt
Laura PinskiUnder the Sun we are One
Woods of BirnamLift me up (from the Underground)

Und Spanien sagt so: yeah!

Knapp zwei Stunden Sendezeit für sechs Wettbewerbssongs, gestreckt mit zahllosen Schnelldurchläufen, Stargästen, Medleys und gleich zwei Jurys: das spanische Fernsehen weiß, wie es das Meiste aus einer Show herausholt! Das Ticket nach Stockholm erlöste bei der am heutigen Montagabend (!) stattgefundenen Objetivo Eurovisión die 34jährige Bárbara Reyzábal, die unter ihrem Künstlernamen Barei antrat. TVE stellte sie auf seiner Internetseite als den „vielleicht am wenigsten bekannten Name dieser Auswahl“ vor, obschon es ihr mit ihrem Wettbewerbsbeitrag ‚Say yay!‘ gelang, nach dessen Veröffentlichung kurzzeitig die iTunes-Charts des Landes anzuführen. Eine Popularität, die sich auch im dreigeteilten Abstimmungsverfahren niederschlug: Barei erhielt die Spitzenwertungen der Televoter (40% Gewicht) und der im Studio anwesenden Promi-Juroren Edurne (ES 2015), Carlos Marin und Loreen (SE 2012) (30% Gewicht). Eine daneben abstimmende internationale Jury (30%) setzte sie auf Rang 2. Insgesamt keine schlechte Wahl, denn der mit einem englischen, von allzu schwerem inhaltlichen Tiefgang befreiten Mitsingtext aufwartende Uptemposong steuert ein gehöriges Maß an Fröhlichkeit bei zum diesjährigen Line-up. Und das kann ja nicht verkehrt sein.

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Perlen der Vorentscheidungen: Hey you, the Rocksteady Crew

Von einer schweren Halsentzündung war er heimgesucht bei seinem Live-Auftritt in der gestrigen zweiten Vorrunde der ungarischen Vorentscheidung A Dal: der diesjährige Favorit András Kállay Saunders, der schon 2014 dem Land der Magyaren mit dem düster-druckvollen ‚Running‘ seine zweitbeste Platzierung beim Eurovision Song Contest bescherte. Nun versucht er es erneut, diesmal begleitet von der Kállay Saunders Band, und trotz der deutlich hörbaren, krankheitsbedingten stimmlichen Schwächen ihres Frontmannes gewann selbige gestern aus dem Stand. Zu Recht: das rockige ‚Who we are‘ (mit passender Dubstep-Einlage) überzeugt durch melodiöse Eingängigkeit und Biss, wenngleich es nicht ganz die finstere Tiefe seines vorgehenden Meisterwerks erreicht. András ist im zerrissenen Muskelshirt und in enger Lederhose zudem eine Augenweide, selbst die mit Neon-Plaka-Farbe auf seine nackte Haut aufgemalten Textzitate aus dem Song, die dem Auftritt einen Hauch von Beat Street (1984) verliehen, können das optische Vergnügen nicht trüben.

Muss über seine Reibeisenstimme selbst lachen: András Kállay Saunders (HU) (zur Zeit leider nur auf der schlecht gemachten Senderseite verfügbar)

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Terry Wogan ist tot

Die britische Kommentatorenlegende Terry Wogan starb heute im Alter von 77 Jahren an Krebs. Der gebürtige Ire war in den Siebzigern in loser Folge, seit 1980 durchgängig bis 2008 jedes Jahr als Eurovisionskommentator für die BBC im Einsatz und erlangte durch seine äußerst unterhaltsamen und sarkastischen, teils auch chauvinistischen Sprüche weit über die Grenzen der Insel hinaus Bekanntheit. Er war eine umstrittene, gleichermaßen geliebte wie gehasste Figur – und das sind bekanntlich stets die Besten. Durch seine Art zu moderieren trug er wesentlich mit dazu bei, dass die meisten Briten (von denen viele nur wegen seiner Kommentare überhaupt einschalteten) den Wettbewerb bis heute als skurrile Kuriositätenschau begreifen, eine willkommene Gelegenheit, „über Ausländer zu spötteln,“ wie Wogan selbst einmal sagte. Dass diese im vergangenen Jahrhundert, also zu Wogans Glanzzeiten, völlig zutreffende Einschätzung seit der Jahrtausendwende einer zunächst schleichenden, später zusehends stärker spürbaren Professionalisierung der Beiträge Platz machen musste, kam beim Großmeister der spitzen Zunge indes nicht mehr so richtig an. Dabei war es ausgerechnet der von Wogan selbst als Gastgeber moderierte Eurovision Song Contest von 1998 aus Birmingham, der den Gezeitenwechsel einläutete. Dessen ungeachtet bleiben Wogans Schlagfertigkeit und sein herrlich bösartiger Humor unerreicht und unvergessen. Der schottische Eurovisionsblogger Ewan Spence (ESC insight) setzte ihm mit der von ihm gespielten Handpuppe Terry Vision ein Denkmal. Mit Terry Wogan verliert die Eurovision eine seiner prägenden Figuren.

Wogan in einem Interview von 1997, nach dem letzten britischen Sieg

ESC 2016 ohne Dosenapplaus

„Keine Zensur“ wolle man beim 61. Eurovision Song Contest in Stockholm vornehmen, sagte SVT-Chefin Hanna Stjärne gestern dem Aftonbladet. Damit bezog sie sich auf den gefakten Applaus vom Band, mit dem der österreichische Sender ORF bei der Liveübertragung aus Wien die in der Halle deutlich hörbaren Buhrufe des Publikums für die russische Sängerin Polina Gagarina übertönte. Einen solcherart empörenden Eingriff soll es 2016 nicht geben, die Schweden legten Wert auf „eine authentische Show“, so Frau Stjärne. Auch der aus Norwegen stammende EBU-Verantwortliche Jan Ola Sand unterstützt das: der Dosenapplaus sei nicht auf Wunsch aus Genf erfolgt, stellte er in der Zeitung klar. Allerdings scheint es ohnehin unwahrscheinlich, dass der aktuelle russische Vertreter Sergey Lazarev ähnlichen Fan-Anfeindungen ausgesetzt sein wird wie seine Vorgängerin: auch, wenn sein Beitrag noch nicht feststeht, können wir aufgrund seiner musikalischen Vorgeschichte eher mit etwas Uptemporärem rechnen als mit einer verlogenen, zynischen Friedenskitschballade. Und – ja, die meisten Fans sind so oberflächlich – ganz hübsch schaut er auch aus. Richtig laute Mißfallensbekundungen brachen sich in Wien auch erst Bahn, als ein Sieg Polinas greifbar schien und damit das Szenario drohte, dass der nächste Contest in Europas offiziell schwulenfeindlichstem Land stattfinden würde. Und auch, wenn die Gagarina dafür persönlich nichts konnte und ihr Ausbuhen natürlich als verabscheuungswürdig gebrandmarkt werden muss: das Zensieren dieser Unmutsäußerungen durch den ORF war um ein Vielfaches empörender.

Werden die Fans sich auch ihm gegenüber respektlos verhalten? Dafür fast schon mal ein Sorry, Sergey!

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Das Motto 2016: Eurovisionsbukkake!

esc2016logoIst es eine IKEA-Lampe? Ist es ein Virus? Nein, es ist eine Pusteblume! Bei der heute Vormittag in Stockholm durchgeführten Semifinal-Auslosung präsentierte das schwedische Fernsehen SVT auch gleich das Logo für den 61. Eurovision Song Contest. Das dazugehörige Motto lautet „Come together“, wobei es sich nicht um eine alte Zigarettenreklame handelt und auch nicht um die Aufforderung an die vorwiegend männlichen Grand-Prix-Fans zur gemeinsamen Eurovisionsbukkake. Vielmehr soll es, wie die Senderchefin bei der Veranstaltung salbungsvoll sagte, gerade in Zeiten, da die Idee Europas auf der Kippe steht und überall wieder Schlagbäume und Zäune wachsen, an die einigende Funktion des Gesangswettbewerbs erinnern, bei dem Menschen vom gesamten Kontinent (und darüber hinaus) zusammenkommen, um friedlich und fröhlich miteinander zu feiern. Auch die widerstandsfähige Pusteblume, der es mühelos gelingt, auch noch durch den kleinsten Mauerspalt zu wachsen und ihren Samen mit dem Wind weit zu verstreuen, sei bewusst als Symbol für die grenzüberschreitende Kraft der Musik gewählt. Hoffen wir, dass es hilft.

Offen und transparent: die Semifinal-Auslosung 2016

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Perlen der Vorentscheidungen: eins, zwei, Freddie kommt vorbei

Neben dem maltesischen Finale fanden dieses Wochenende auch die ersten bzw. die dritten Vorrunden für die nationalen Vorentscheidungen Litauens und Ungarns statt. Im Baltenstaat lautete das Motto offensichtlich „skandinavischer Samstag“, denn alle Songs stammten – den Komponistennamen nach zu urteilen – aus schwedischer oder dänischer, jedenfalls aber nicht aus litauischer Feder. Einzige Ausnahme: ‚You bet‘ von Aistė Pilvelytė. Den Titel schrieb die Interpretin und vielfache litauische Vorentscheidungsteilnehmerin nämlich selbst. Das macht ihn aber auch nicht besser: es ist ein zäher Propfen pseudodramatischen Balladenschleims, den sie mit der gesanglichen Feinfühligkeit einer Dampfwalze zerknödelt. Natürlich – fast schon unnötig, es angesichts des bekanntermaßen völlig abseitigen Geschmacks der Litauer/innen zu erwähnen – gewann sie damit das gestrige Semifinale. Man fragt sich wirklich manchmal, was in der musikalischen Früherziehung in diesem Lande so fundamental schief gelaufen sein muss.

Wollen wir wetten, dass Sie diesen Schlonz keine drei Minuten aushalten? (LT)

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Heiligenverehrung in Malta: Ira Losco gewinnt

Ihr Sieg stand im Grunde bereits fest, seit sie sich huldvoll herabließ, am Maltasong teilzunehmen: Ira Losco, die aus unerfindlichen Gründen Zweitplatzierte beim Eurovision Song Contest 2002 und seither auf dem Mittelmeereiland offenbar so etwas wie eine Nationalheilige. Und die selbe unfassliche Überschätzung, die ihr bereits vor 14 Jahren vonseiten der Fans entgegenschlug, wurde ihr auch diesmal zuteil. Mit gleich zwei Titeln durfte sie ins gestrige maltesische Semi einziehen, einer davon schaffte es ins heutige Finale. Ob Ira beabsichtigte, mit ‚Chameleon (Invincible)‘ ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen? Egal: dem gigantischen Jubel von den Zuschauerrängen nach zu urteilen, hätte sie wohl auch ‚Alle meine Entchen‘ singen können und wäre trotzdem gewählt worden. Was zwar nichts heißt, da das Ergebnis des Televotings, das sie klar gewann, in Malta nur zu einem Sechstel zählt. Aber auch die Juroren trauten sich aufgrund des kollektiven Jubels nicht, der sich angesichts der ihr zuteil werdenden Heiligenverehrung schon mal passend als Madonnenfigur kleidenden Ira den Sieg zu verwehren – zu sehr fürchteten sie wohl den Zorn des Mobs in der Halle.

Nur mit viel Klosterfrau Melissengeist zu ertragen: Ira Losco

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Lukaschenko, hilf ihm fliegen! (BY 2016)

Das kommt dabei heraus, wenn man ein jahrzehntelang an die Diktatur gewöhntes Volk urplötzlich in die Demokratie entlässt. Nachdem bei der weißrussischen Vorentscheidung seit Menschengedenken fischige Jury-Entscheidungen und nachträgliche Eingriffe ins Ergebnis an der Tagesordnung waren, legte man in diesem Jahr die Entscheidung über den belarussischen Eurovisionsbeitrag alleine in die Hände der Televoter. Die zeigten sich erwartungsgemäß der Aufgabe nicht gewachsen und wählten einen langhaarigen, supernasigen Mike-Krüger-Imitatoren namens Alexander Ivanov zu ihrem Vertreter. Ivan, wie er sich für die Eurovision nennt, krächzt ein hirnstarreödes Poprockliedchen mit dem Titel ‚Help you fly‘. Das einzige, was Ivan (ver-)fliegen lässt, ist allerdings meine Geduld: der Impuls, den Aus-Knopf beziehungsweise die Skip-Taste zu drücken, kommt hier schon nach drei Sekunden. Der etwas linkisch auf der Bühne herumtapernde blonde Schlacks lag während der dreißigminütigen Abstimmungsphase, deren Zwischenergebnisse der Sender öfters einblendete, übrigens lange Zeit auf Rang 2 und überholte erst auf der Zielgeraden.

Wie der uneheliche Sohn von Otto und Mike Krüger: Ivan (BY)

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Belgien: gib As keine Chance

Das ist auch mal ein interessantes Konzept: nehme fünf junge Sänger/innen für eine öffentliche Vorentscheidung, lasse sie an zwei verschiedenen Abenden mit denselben Songs auftreten, führe beim Finale ein kompliziertes, dreiteiliges Abstimmungsverfahren mit internationalen Jurys, SMS-Voting und Superfinale durch – und sorge dafür, dass dennoch die von vorneherein vom Sender favorisierte Kandidatin gewinnt. So geschehen gerade in Belgien, wo Laura Tesoro beim Eurosong das Ticket nach Stockholm lösen konnte – für die Qualifikationsrunde, denn dass sie es mit ihrer hauptsächlich auf dem prägenden Riff von Queens Klassiker ‚Another One bites the Dust‘ aufbauenden Popnummer ‚What’s the Pressure‘ bis zum Grand Final am Samstag schafft, halte ich für ausgeschlossen. Zwar überzeugt die junge Künstlerin mit mädchenhaft-kyliesker Ausstrahlung und fünf locker synchron tanzenden Backings mit fantastischen Afros. Und auch der Songauftakt ihres Beitrags klingt zunächst viel versprechend, wenn auch, wie bereits beschrieben, arg bekannt – um allerdings nach 30 Sekunden in ausgelutschte 70s-Revival-Ware nach dem Vorbild der KMGs (BE 2007) umzuschlagen.

Extrapunkte gibt’s für die fantastische Schulter-Action: Laura Teroso

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UK: Backe, backe Kuchen

Nach einem Internetleak durch die nordirische Zeitung Belfast Telegraph bestätigte die BBC heute Abend die darin enthaltenen Neuigkeiten zum britischen Vorentscheid 2016. Der findet am 26. Februar 2016 statt (und damit nur einen Tag nach dem deutschen Format Unser Lied für Stockholm), umfasst sechs Acts und trägt den Titel Eurovision: You decide. Was darauf hindeutet, dass alleine das Publikum die Entscheidungshoheit über den Beitrag besitzt. Um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern, soll jedoch ein Expertengremium seine Meinung zu den Auftritten zum Besten geben, um so die zuschauenden Briten sanft in die richtige Richtung zu lenken. Dies versucht man auch mit der Wahl des Kanals: der Vorentscheid läuft auf dem digitalen Spartensender BBC 4. Was, auf deutsche Verhältnisse umgemünzt, in etwa mit 3sat vergleichbar wäre: ein eher auf das anspruchsvolle Publikum zielender Kultur- und Wissenschaftssender, der vor allem Dokumentationen im Programm hat. Mit einem neuerlichen britischen Beitrag in der Preisklasse von Scooch (UK 2007) ist also nicht zu rechnen – schade! Mel Giedroyc, eine der Gastgeberinnen der in Großbritannien extrem erfolgreichen Backshow The Great British Bake Off mit zuletzt mehr als 10 Millionen Zuschauer/innen (in Deutschland als Das große Backen auf Sat.1 eher ein Randthema) moderiert. Über die Teilnehmer/innen für den erstmals seit Jahren wieder ausgetragenen öffentlichen Vorentscheid, die derzeit durch eine OGAE-Jury, den britischen Komponistenverband und den Musikproduzenten Hugh Goldsmith handverlesen werden, ist noch nichts bekannt.

Katie Price belegte 2005 den zweiten Platz im britischen Vorentscheid hinter Javine. Aber auch nur, weil die einen Nippel zeigte.

Perlen der Vorentscheidungen: weine nicht, schneller Ivan

Tief in die Abgründe des schlechten Geschmacks durften wir gestern Abend in der zweiten Runde des litauischen Vorentscheidungsmarathons schauen. Erneut buhlten acht (von der Jury bereits beurteilte) Acts um die Gunst der Zuschauer/innen, einer schlimmer als der andere. Dennoch schafften es die Anrufer/innen mit traumwandlerischer Sicherheit, das furchtbarste Angebot des Abends herauszupicken und mit großem Abstand zum Vorrundensieger zu befördern: ‚United‘, ein vor abgestandenen Klischees nur so triefender Eurovisionsriemen, wie nicht einmal Ralph Siegel ihn sich zu schreiben getrauen würde, dargeboten von der zur Eurovizija-Grundausstattung gehörenden Rūta Ščiogolevaitė, übrigens auch die Jury-Favoritin (soviel zur These von den Juroren als notwendige Geschmackskorrektoren für das unmündige Publikum). Rūta erhielt doppelt so viel Stimmen wie das zweitplatzierte Pärchen Ištvanas Kvikas und Ellada. Ein besonders erschütternder Fall, zeigte das Präsentationsvideo den bulligen Ištvanas doch als vielversprechenden Turbofolk-Interpreten. Das, was er dann im LRT-Studio sang, konnte davon aber nicht weiter entfernt sein: eine abgeschmackte Streicherballade mit schmerzbringend rudimentär-englischem Text, durch den er sich im wohl unvorteilhaftesten Frack der Modegeschichte und an der Seite einer schlecht blondierten, matronenhaften Olga mit der Feinfühligkeit einer Abrissbirne durchpflügte.

Hätten sie das mal lieber die Backings alleine singen lassen, die konnten das deutlich besser: der schnelle Ivan und die griechische Matrone

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Perlen der Vorentscheidungen: Champagner für die Disco-Cowboys

Vor wenigen Tagen veröffentlichte das finnische Fernsehen YLE auf einen Schlag alle 18 Beiträge für die drei Vorrunden der Uuden Musiikin Kilpailu (UMK), inklusive dazugehöriger, in einem eigenen Youtube-Kanal bereit gestellter, professionell produzierter Musikvideos (und ja, ich schäme mich dafür, dass der ungleich finanzstärkere öffentlich-rechtliche Sender meines Landes nicht mal das hinbekommt). Einziger mir bekannter Name im Line-Up ist Tapio Huuska alias Cristal Snow, der 2008 schon mal am finnischen Vorentscheid teilnahm. Er hat mit ‚Love is blind‘ eine klassische Liebesballade mit cleveren Textzeilen wie „You look like Jesus / but you taste like Sin“ im Gepäck, für die ich wirklich gerne entflammen würde. Zumal sie eine schwule Liebesgeschichte erzählt, was das dazugehörige Video auch ansprechend illustriert. Aber leider wirkt die Nummer, bis auf die wirklich gelungene, herausragende Rückung, doch ein bisschen lauwarm; ihr heterosexuelles Kitsch-Pendant ‚Good enough‘ von Annica Milán und Kimmo Blom kommt sowohl musikalisch als auch mit seinem düster-romantischen Bonnie-und-Clyde-Video deutlich eindrucksvoller daher. Und liegt auch in den ersten Wettquoten (!) höher.

Im Garten der Liebe: Cristal Snow (FI)

Auch Juliane Werdings ‚Geh nicht in die Stadt (heut‘ Nacht)‘ würde sich ideal als Soundtrack zu diesem Clip eignen: Annica & Kimmo (FI)

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