Shut up: der schö­ne Chin­giz kommt nach Han­no­ver

Der unbe­streit­bar schöns­te Teil­neh­mer (nicht nur) des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­tests in Tel Aviv schmückt in knapp zwei Wochen bei der Unescon, der ESC-Con­ven­ti­on in Deutsch­lands heim­li­cher Grand-Prix-Haupt­stadt Han­no­ver, mit sei­ner Prä­senz die Büh­ne. Mit die­ser bei dem ein oder ande­ren Fan jeg­li­chen Geschlechts sicher­lich für hor­mo­nel­le Auf­wal­lung sor­gen­den Ankün­di­gung kom­plet­tier­te der Unescon-Aus­rich­ter Irving Wol­ther heu­te das Line-up des Live-Kon­zer­tes am Sams­tag, dem 29. Juni 2019, bei dem als beson­de­rer Clou ein bun­ter Strauß ehe­ma­li­ger und aktu­el­ler ESC-Stars zur musi­ka­li­schen Beglei­tung durch ein ech­tes Orches­ter (!) auf­tritt. Hut ab: um den moder­nen und in Tel Aviv acht­plat­zier­ten Pop-Song ‘Truth’ ohne Robo­t­er­be­glei­tung und Halb­play­back zu sin­gen und sich auf hand­ge­spiel­te Instru­men­te ein­zu­las­sen, gehö­ren Cojo­nes. Und Chin­giz hat sie! Kar­ten für das Event im Kul­tur­zen­trum Pavil­li­on unweit des Han­no­ve­ra­ner Haupt­bahn­hofs sind ab 65 € plus VVK erhält­lich. Wer dem schö­nen Aser­bai­dscha­ner noch etwas näher kom­men möch­te, für den sei das (etwas teu­re­re) VIP-Paket mit Meet & Greet emp­foh­len. Aber viel­leicht sehen wir Chin­giz ja auch noch mal bei der anschlie­ßen­den ESC-Dis­co mit DJ Ohr­meis­ter, eben­falls im Pavil­li­on, bei der auch die fabel­haf­te Kaia Tamm vom est­ni­schen Vor­scheid (‘Wo sind die Kat­zen’) einen Gast­gig hat. Wei­te­re Infos zum Line-up und dem umfang­rei­chen Rah­men­pro­gramm gibt es hier. Und nach die­ser Mel­dung gibt es nur noch eins: Mädels, rafft die Röcke!

Schafft es der Ase­ri auch ohne Halb­play­back? Chin­giz kann!

Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Obschon sich ange­sichts der Bericht­erstat­tung um das weiß­rus­si­sche Jury-Gate und die Unfä­hig­keit der EBU, ein­fachs­te Kon­troll­me­cha­nis­men gegen die mensch­li­che Feh­ler­an­fäl­lig­keit in ihren Punk­teer­mitt­lungs­pro­zess ein­zu­bau­en, bis­lang noch gar kei­ne rich­ti­ge Post Euro­vi­si­on Depres­si­on ein­stel­len woll­te, ver­öf­fent­lich­ten ges­tern gleich zwei der in Tel Aviv teil­neh­men­den dies­jäh­ri­gen Acts neue Songs, wohl auch um musi­ka­lisch erst gar kei­ne Ent­zugs­er­schei­nun­gen auf­tre­ten zu las­sen. Inter­es­san­ter­wei­se ver­bin­det bei­de Lie­der eine Art wohl­tu­en­der trot­zi­ger quee­rer Stolz. Der offen schwu­le fran­zö­si­sche Ver­tre­ter Bil­al Hassa­ni zeigt in ‘Jaloux’ (‘Eifer­süch­tig’) sei­nen Hatern den meta­pho­ri­schen Mit­tel­fin­ger: er zitiert in den Stro­phen aus den zahl­rei­chen hass­erfüll­ten Kom­men­ta­ren, die sei­ne bis­he­ri­ge Kar­rie­re inklu­si­ve der Grand-Prix-Teil­nah­me beglei­te­ten und in denen ihm unter ande­rem der Tod gewünscht wird, und setzt ihnen im Refrain ent­ge­gen, dass ihre auf purem Neid hin­sicht­lich sei­nes Erfolgs basie­ren­den, ver­let­zen­den Wor­te ihm nichts anha­ben kön­nen. “Ich wer­de mei­nen Kopf nie­mals beu­gen,” singt der jun­ge, para­dies­vo­gel­haf­te You­tube-Star. Das ist genau die rich­ti­ge Ein­stel­lung! Und es kann nie­mals zu vie­le sol­cher Ermu­ti­gungs­lie­der geben.

Die Leu­te mögen dich nicht, weil du gut bist, son­dern weil du eine Perü­cke trägst und schwul bist”. Dass alle drei Adjek­ti­ve auf Bil­al zutref­fen, stell­te er in Tel Aviv unter Beweis.

wei­ter­le­senDas quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Mani­pu­lie­ren

Pein­lich: der EBU unter­lief beim Zusam­men­rech­nen der Jury-Ergeb­nis­se im Fina­le des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­test ein der­ar­tig frap­pie­ren­der Feh­ler, dass die Wer­tung heu­te kor­ri­giert wer­den muss­te. In einem State­ment bestä­tig­te die EBU, was ein nerdi­ger Grand-Prix-Fan bereits am Sonn­tag ent­deckt hat­te: bei der Ermitt­lung des “aggre­gier­ten” weiß­rus­si­schen Jury-Ersatz­er­geb­nis­ses erhiel­ten ver­se­hent­lich nicht die bes­ten Zehn Punk­te, son­dern die Schlech­tes­ten. Dies ändert zwar nichts am Gesamt­sieg des nied­li­chen Nie­der­län­ders Dun­can Lau­rence, bedeu­tet aber unter ande­rem, dass nicht, wie in der Live-Show ver­kün­det, der schnuck­li­ge Schwe­de John Lundvik Jury­sie­ger wur­de, son­dern die taf­fe Tama­ra Todevs­ka aus Nord­ma­ze­do­ni­en mit ihrer fan­tas­ti­schen Fema­le-Empower­ment-Hym­ne ‘Proud’. Die drö­gen deut­schen Sis­ters hin­ge­gen, denen die ihnen fälsch­li­cher­wei­se zuge­schanz­ten acht bela­rus­si­schen Jury­punk­te ver­lo­ren gehen, rut­schen im Gesamt­ergeb­nis vom dritt- auf den vor­letz­ten Platz. Als noch unan­ge­neh­mer erweist sich die Kor­rek­tur für das Gast­ge­ber­land Isra­el, das im Jury­vo­ting statt mit Dou­ze Points nun mit völ­lig lee­ren Hän­den dasteht.

Kann stolz sein: die maze­do­ni­sche Frau­en­recht­le­rin Tama­ra ist die Jury­sie­ge­rin beim ESC 2019.

wei­ter­le­senDas Bela­­rus-Gate: zu dumm zum Mani­pu­lie­ren

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Ein wei­te­rer Euro­vi­si­ons­jahr­gang liegt hin­ter uns. Einer, bei dem, so der klu­ge Kom­men­tar der ORF-Beob­ach­ter Sophia Fel­ber­mair und Chris­ti­an Kör­ber, die “nach­denk­li­chen Män­ner, die doch Gefüh­le zei­gen” die Medail­len­plät­ze beleg­ten und so den gesell­schaft­li­chen Gegen­ent­wurf bil­de­ten zum Modell der toxi­schen Männ­lich­keit, wie es sich der­zeit lei­der vor allem in der Poli­tik mani­fes­tiert. Zeit, die Gescheh­nis­se abzu­schlie­ßen mit der tra­di­tio­nel­len Betrach­tung des Split-Voting-Ergeb­nis­ses in den bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den. Und die führt uns zunächst ein­mal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heu­er eine unfrei­wil­li­ge Neu­auf­la­ge der deutsch-öster­rei­chi­schen Dop­pel­null im Jah­re 1 n.C. (nach Con­chi­ta) statt. Denn nicht nur die ger­ma­ni­schen Cas­ting-Sis­ters kas­sier­ten im Publi­kums­vo­ting die gefürch­te­ten (und ange­sichts der gebo­te­nen drei Minu­ten töd­li­cher Lan­ge­wei­le völ­lig berech­tig­ten) Nul Points, son­dern auch der lila Pæn­da-Bär aus der Stei­er­mark im zwei­ten Semi­fi­na­le. “Der Mut, mit einer völ­lig unkom­pa­ti­blen Num­mer nach Tel Aviv zu fah­ren, wur­de nicht belohnt. ‘Limits’ erwies sich als zu sper­ri­ger Song, der erst nach mehr­ma­li­gen Hören sei­ne Wir­kung ent­fal­ten kann. So viel Zeit hat man beim Song Con­test nicht,” schluss­fol­ger­ten die bei­den Mit­ar­bei­ter des Wie­ner Sen­ders.

Gib mir noch Zeit / ein klei­nes biss­chen nur / etwas mehr Zeit”: die Zuschauer/innen woll­ten Blüm­chens Rat nicht fol­gen.

wei­ter­le­senDas Semi-Split­­vo­­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

wei­ter­le­senFina­le 2019: ESC is a losing Game

2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madon­na wird am Sams­tag im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 auf­tre­ten. Die seit Mona­ten als Gerücht gestreu­te, in den letz­ten Tagen mit einem ent­we­der unnö­ti­gen oder gefak­ten Dra­ma um nicht unter­schrie­be­ne Ver­trä­ge gehyp­te und ges­tern bestä­tig­te Nach­richt, dass die EBU der ame­ri­ka­ni­schen Groß­mutter des Pop, die hier­für sogar noch eine von einem israe­li­schen Indus­tri­el­len finan­zier­te Mil­lio­nen­ga­ge ein­streicht, in der zuschau­er­stärks­ten TV-Show der Welt kos­ten­los die Mög­lich­keit zur Bewer­bung ihres neu­es­ten Albums ein­räumt, nahm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend gefühlt ein Vier­tel der Sen­de­zeit, min­des­tens jedoch der Mode­ra­ti­on ein und degra­dier­te die acht­zehn im Kampf um den Final­ein­zug ange­tre­te­nen Acts zur blo­ßen Staf­fa­ge. Ver­traut die EBU der Strahl­kraft ihrer eige­nen Vor­zei­ge­sen­dung mitt­ler­wei­le so wenig, dass sie glaubt, die­ses erbärm­li­che Spiel mit­ma­chen zu müs­sen? Gut, der musi­ka­li­sche Anspruch des zwei­ten Semi­fi­na­les, in dem sich zwar alle nicht fix fürs Fina­le gesetz­ten Buch­ma­cher-Favo­ri­ten tum­mel­ten, das aber größ­ten­teils durch glatt­po­lier­te, main­strea­m­i­ge Lan­ge­wei­le glänz­te, ließ einen ein Stück weit nach­voll­zie­hen, war­um man sich sei­tens des Sen­ders KAN so auf das Drum­her­um kapri­zier­te.

Die dür­fen das: der Pau­se­nact Shal­va mit einem wun­der­bar herz­er­wär­men­den Kitsch­stück.

wei­ter­le­sen2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Heu­te Abend: das zwei­te Semi 2019

Unschö­ne Nach­rich­ten aus Tel Aviv: bei den Auf­bau­ar­bei­ten für den Euro­vi­si­on Song Con­test im Expo Con­gress Cen­ter kam es am ver­gan­ge­nen Mon­tag nach einer Mel­dung der Times of Isra­el zu einem töd­li­chen Unfall, bei dem der 66jährige Lie­fer­fah­rer Ful­di Schwarz beim Aus­la­den von Mate­ri­al von einem unge­si­cher­ten Beleuch­tungs­turm getrof­fen wur­de, der auf ihn stürz­te. Schwarz erlag in der Nacht zum Diens­tag im Kran­ken­haus sei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen. Dafür kam heu­te das nerv­tö­ten­de Dra­ma um den Pau­sen­pro­gramm-Auf­tritt von Madon­na zum Ende: wie Euro­voix berich­tet, wur­den die not­wen­di­gen Ver­trä­ge end­lich unter­schrie­ben, die Queen of Pop kann am Sams­tag­abend ihre zwei Songs prä­sen­tie­ren. Heu­te Abend aber erwar­ten uns im zwei­ten Semi ein hei­mi­scher Zau­ber­künst­ler und die aus Men­schen mit Han­di­caps bestehen­de Band Hal­va, die kurz vor dem Fina­le des israe­li­schen Vor­ent­scheids aus­stieg, als ihnen klar wur­de, dass sie im Fal­le eines Sie­ges auch am Schab­bat für den ESC-Auf­tritt pro­ben müss­ten. Ach ja, und 18 Acts aus 18 Natio­nen tre­ten eben­falls gegen­ein­an­der an, dar­un­ter gleich vier der Favo­ri­ten auf den Gesamt­sieg. Den­noch fällt die heu­ti­ge Show vom Trash­fak­tor und dem Unter­hal­tungs­wert gegen­über Diens­tag deut­lich ab. Ein­zig das nor­we­gi­sche Trio Kei­i­no, mit dem Mar­tin Schmidtner ges­tern für queer.de ein lesens­wer­tes Inter­view führ­te, ver­süßt uns den Abend mit cle­ve­rem Grand-Prix-Schla­ger, sonst über­wie­gend die glat­te Mit­tel­mä­ßig­keit.

Ab 21 Uhr: der Live­stream aus Tel Aviv.

wei­ter­le­senHeu­te Abend: das zwei­te Semi 2019

1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zwei­fach erfuhr die fabel­haf­te Dana Inter­na­tio­nal, die 1998 beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Bir­ming­ham den mit wei­tem Abstand bedeut­sams­ten Sieg in der über sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Grand Prix errang, die ihr gebüh­ren­de Ehrung im gest­ri­gen ers­ten Semi­fi­na­le 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Inter­val Act auf­trat. Der für sei­ne 40 Len­ze erstaun­lich jung aus­se­hen­de Assi Azar, einer der über­flüs­si­ger­wei­se erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benann­te die offen­sicht­lich in den sel­ben Jung­brun­nen gefal­le­ne LGBTQI*-Ikone in sei­ner Anmo­de­ra­ti­on als sein per­sön­li­ches Idol. War es doch ihr sei­ner­zei­ti­ger Sieg, der dem damals Zwan­zig­jäh­ri­gen aus dem Ver­steck half und ihm die Kraft zum Com­ing Out gab. Zehn Jah­re spä­ter lis­te­te das US-ame­ri­ka­ni­sche Maga­zin OUT den Show­mas­ter, Fil­me­ma­cher und Akti­vis­ten als einen der “100 welt­weit ein­fluss­reichs­ten Schwu­len”. Doch auch für die tol­le letzt­jäh­ri­ge Euro­vi­si­ons­ge­win­ne­rin Net­ta Bar­zi­lai, wel­che den Rei­gen mit einem Remix von ‘Toy’ eröff­ne­te, war Dana laut Ein­spie­ler der Aus­gangs­punkt für ihre trotz aller Wid­rig­kei­ten als nicht den gän­gi­gen Schön­heits­idea­len ent­spre­chen­de Frau ver­folg­te Gesangs­kar­rie­re. Die ‘Diva’ selbst demons­trier­te mit einer Bear­bei­tung von ‘Just the Way you are’, dass sich selbst Bru­no-Mars-Songs ohne all zu gro­ßen Wür­ge­reiz anhö­ren las­sen, wenn eine Künst­le­rin ihres For­mats sie über­nimmt.

Quee­re Vor­bil­der sind so immens wich­tig. Ob vor zwan­zig Jah­ren, heu­te oder in der Zukunft. Dan­ke für alles, Dana Inter­na­tio­nal. Du bist und bleibst für immer eine Inspi­ra­ti­on.

wei­ter­le­sen1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Heu­te abend: das ers­te Semi 2019

Ste­hen die Geträn­ke und Knab­be­rei­en schon bereit? In knapp zwei Stun­den geht in Tel Aviv das ers­te Semi­fi­na­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 über die Büh­ne. Mit 17 teil­neh­men­den Län­dern ist es gegen­über der zwei­ten Run­de am Don­ners­tag das etwas leich­ter zu über­ste­hen­de – und mit bizar­ren Klang­col­la­gen, dys­to­pi­schem Indus­tri­al-Getö­se, frei­schwe­ben­den Pope­ra-Diven, tür­kisch­stäm­mi­gen Dis­co-Rasplern und krei­schen­den Stoi­ke­rin­nen frag­los das mit dem höhe­ren Unter­hal­tungs­wert. Das Rah­men­pro­gramm bestrei­ten die bei­den israe­li­schen Vor­bild­frau­en Net­ta Bar­zi­lai und Dana Inter­na­tio­nal, deren Auf­trit­te im Gegen­satz zu dem mei­ner drit­ten gro­ßen Pop-Hel­din sicher sind: wie Jan Ola Sand bei einer Pres­se­kon­fe­renz am heu­ti­gen Nach­mit­tag bekräf­tig­te, hat Madon­na, die seit Mona­ten in den Medi­en als Inter­val Act für das Fina­le gehan­delt wird, noch immer kei­ne Ver­ein­ba­rung mit der EBU unter­schrie­ben: “Wir sind noch in Ver­hand­lun­gen, aber ohne gegen­ge­zeich­ne­ten Ver­trag wird es nicht pas­sie­ren”. Unmut herrscht auch dar­über, dass der Live­stream in diver­sen ame­ri­ka­ni­schen Län­dern geblockt ist. Ursa­che hier­für sind mal wie­der die ver­ma­le­dei­ten Copy­right-Scher­gen: da You­tube in die­sen Staa­ten nichts an die ört­li­chen Rech­te­ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten abdrückt, geben die betei­lig­ten Plat­ten­fir­men die Aus­strah­lung dort nicht frei.

In Deutsch­land zu sehen: der Live­stream des ers­ten Semis. Im TV läuft die Show auf dem Spar­ten­sen­der One.

wei­ter­le­senHeu­te abend: das ers­te Semi 2019

Rank & File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sig­ra

Ein die Fans glei­cher­ma­ßen in Lie­ben­de wie Has­sen­de spal­ten­der Mar­mi­te-Song eröff­ne­te vor knapp sechs Wochen die­se Arti­kel­se­rie, und ein eben­sol­cher beschließt sie heu­te.

Platz 1: Island – Hata­ri: Hat­rið mun sig­ra (Der Hass wird sie­gen)

Als hät­ten die Jungs von Lai­bach, Ramm­stein, Depe­che Mode und Bron­ski Beat einen gemein­sa­men Bas­tard gezeugt, so klin­gen Hata­ri. Bra­chia­ler Indus­tri­al-Lärm mit einer schmerz­haft ver­zerrt dahin­ge­rotz­ten Stro­phe, auf­ge­fan­gen von einem wat­te­wei­chen Syn­thie-Pop-Refrain und engels­glei­chem Kas­tra­ten­ge­sang, und das alles auch noch auf islän­disch: Hata­ri ver­stö­ren nicht nur musi­ka­lisch. Das sich als sati­risch und anti­ka­pi­ta­lis­tisch ver­ste­hen­de Art-Kol­lek­tiv, das auf spie­le­ri­sche Wei­se in Bonda­ge-Gear auf­tritt, ver­packt dar­in eine bit­te­re, dys­to­pi­sche Bot­schaft. Näm­lich die vom bal­di­gen Zusam­men­bre­chens Euro­pas, vom Ende des zügel­lo­sen Bac­chanals, das uns so lan­ge not­dürf­tig zusam­men­schweiß­te, wie es (auf Kos­ten wei­ter Tei­le der rest­li­chen Welt) jedes Jahr mehr zu ver­tei­len gab. Vom Obsie­gen des Has­ses. Und im Ange­sicht des Bre­xits, des euro­pa­wei­ten Wie­der­erstar­kens der Natio­nal­kon­ser­va­ti­ven, des bewusst taten­lo­sen Zuse­hens, wie im Mit­tel­meer von Krieg und Armut ver­folg­te Mit­men­schen ertrin­ken und dem Schwei­gen dar­über sowie von immer faschis­toi­de­ren Poli­zei­er­mäch­ti­gungs- und Inter­net­zen­sur­ge­set­zen muss man fürch­ten, dass sie lei­der Recht haben und es sich viel­leicht sogar eher um eine akku­ra­te Beschrei­bung der Gegen­wart han­delt als eine düs­te­re Zukunfts­fan­ta­sie.

Gleich die Eröff­nungs­se­quenz des Musik­vi­de­os zitiert Depe­che Mode.

wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sig­ra