Kopenhagen: Verkehrschaos zum Song Contest?

“Wir freuen uns, die Besucher in einer der nachhaltigsten Städte weltweit begrüßen zu können,” zitiert eurovision.de Frank Jensen, den Oberbürgermeister der “Umwelthauptstadt 2014″, Kopenhagen, wo im Mai der Eurovision Song Contest stattfindet. Und zwar bekanntlich auf Refshaleøen, einer bislang hauptsächlich industriell genutzten Insel im Hafenbereich der dänischen Hauptstadt, schräg gegenüber der Kleinen Meerjungfrau. Was die Öko-Metropole vor logistische Herausforderungen hinsichtlich des reibungslosen Transports der rund zehntausend Besucher zu den B&W Hallerne, den unter Hochdruck umgebauten ehemaligen Fabrikationshallen einer Werft, in welchen der europäische Gesangswettbewerb ausgetragen wird, stellt. So lässt selbst die offizielle Tourismusseite der Stadt, visitcopenhagen.com, unterschwellig durchblicken, dass mit einem Verkehrschaos zu rechnen ist und legt den anreisenden Fans dringend ans Herz: “Kommen Sie früh! Am besten einige Stunden vor Beginn der Show”. Ewig dumm vor der Halle herumstehen muss dennoch niemand: zur Fanbelustigung (und zum Abschöpfen eventuell noch vorhandener Bargeldbestände) soll vor den B&W Hallerne eine eigene kleine Festmeile mit Eurovisionsmusik und Bierständen entstehen.


So schnell und unterhaltsam wie hier wird’s wohl nicht gehen

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USFD in den Charts: it is right

Drei Wochen nach dem deutschen Eurovisionsvorentscheid Unser Song für Dänemark in Köln bestätigt sich der Erfolg von Elaiza auch in den deutschen Verkaufscharts. Nach einem Einstieg auf Rang 41 für ‘Is it right?’ in Folge ihres Siegs beim vorgeschalteten Nachwuchswettbewerb und einem überzeugenden vierten Platz in der Auswertungswoche nach USFD halten sich die die Mädels um Frontfrau Ela weiter tapfer in den Top Ten, während ihre Mitbewerber die Charts bereits wieder verlassen mussten. Mit Ausnahme des Grafen natürlich: Unheilig belegen mit ‘Als wär’s das erste Mal’ derzeit Rang 43 (Vorwoche: #25, davor #10), für den Superfinal-Titel ‘Wir sind alle wie Eins’ reicht es nur noch für Rang 82 (Vorwoche: #29). Für MarieMarie, die mit ‘Cotton Candy Hurricane’ in der Nach-USFD-Woche noch Platz 39 erzielen konnte, ist aktuell keine Platzierung mehr unter den ersten 100 zu verzeichnen.


Es ist richtig, sagen die Deutschen: Elaiza halten sich in den Top Ten

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ESC 2014: Semi-Startreihenfolge steht fest

Sehr zügig: bereits wenige Tage nach Ende der Einreichungsfrist für die 37 Länderbeiträge gab die EBU heute die Startreihenfolge in den beiden Qualifikationsrunden am 6. und 8. Mai bekannt. Wie bereits 2012 wurden die Songs vom ausführenden Sender von Hand platziert, um “alle Beiträge glänzen zu lassen”, wie es in EBU-Prosa heißt. Fast alle: Aarzemniekis ‘Cake to bake’, einer meiner Lieblingslieder, leider jedoch in fast allen Fan-Umfragen regelmäßig weit hinten landend, dürfte zwischen den beiden hochprofessionellen Nummern aus Armenien und Estland noch kirchentagsmäßiger wirken als so schon und seinen handgemachten Charme kaum entfalten können. Es erstaunt außerdem, dass die neun Balladen des sechzehnteiligen ersten Semis nicht gleichmäßig zwischen die Uptempostücke verteilt wurden, sondern sich auf den Positionen sechs bis acht ein Dreierfeld ballt. Ein Versuch, den mittig in diesem Feld platzierten russischen Beitrag in einem kleinen Balladensee zu ertränken? Interessant übrigens auch, dass ausgerechnet Aserbaidschan als Trennmauer zwischen Russland und der Ukraine herhalten muss, während die EBU deren Erzfeind Armenien soweit wie möglich vom Land des Feuers entfernt als Eröffnungstitel setzte. Andererseits lassen sich die Russland umgebenden Songtitel nun als Kommentare zur Krimkrise lesen: ‘Undo’‘No Prejudice’‘One Night’s Anger’ sowie ‘Start a Fire’ und ‘Tick Tock’


Profitiert sie vom Depri-Dreier davor? (PT)

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Conchita Wurst: auch live ein Phönix

Nicht, dass ich jemals daran gezweifelt hätte: bei ihrem ersten Liveauftritt mit dem österreichischen Eurovisionsbeitrag ‘Rise like a Phoenix’ im Rahmen der TV-Show Dancing Stars bewies Conchita Wurst gestern, dass sie den Bond-Song auch live stemmen kann. Und dass für diesen Titel eine gimmickfreie, zurückgenommene Präsentation, bei der die Sängerin alleine im Abendkleid auf der Bühne steht und lediglich durch Licht und Trockeneisnebel sparsame Effekte gesetzt werden, am besten geeignet ist – verfügt die bärtige Dame doch über genügend Ausstrahlung, Persönlichkeit und Stimme, um alleine zu glänzen! Exzellent, liebe Conchita – und danke, ORF, für die mutige und Zeichen setzende Wahl!


Fabelhaft: Conchita live

Elaiza: schwacher Start in den Charts

Korrektur: beim Verfassen des nachfolgenden Artikels ging ich irrtümlicherweise davon aus, dass die am gestrigen Freitag offiziell veröffentlichten deutschen Singlecharts im Zeitraum vom 10. bis 16. März 2013 erhoben worden seien. Tatsächlich berücksichtigen diese aber die Verkäufe und Downloads vom 7. bis zum 13. März, wie ich nach Hinweis durch meine Leser (danke!) mittlerweile selbst nachgelesen habe. Die Schlussfolgerungen in meinem Artikel sind damit hinfällig, eine wirkliche Aussage über den Verkaufserfolg der Vorentscheidungstitel lässt sich erst anhand der nächsten Freitag zur offiziellen Veröffentlichung anstehenden Charts treffen. Ich bitte um Entschuldigung.

Beim deutschen Vorentscheid am 13. März in Köln konnten die absoluten Newcomerinnen Elaiza das kommerzielle Schwergewicht Unheilig noch David-gegen-Goliath-märchengleich abmeiern und sich überraschend das Ticket nach Kopenhagen “schießen”, wie Barbara Schöneberger es ausdrücken würde. In den heute veröffentlichten offiziellen Verkaufscharts, also im realen Popleben, bleiben die alten Herrschaftverhältnisse jedoch unangetastet: dort konnte sich der Graf mit dem besseren seiner beiden Vorentscheidungstitel, ‘Als wär’s das erste Mal’, neu in den Top Ten platzieren, während es Elaiza mit dem amtlichen deutschen Eurovisionsbeitrag ‘Is it right?’ lediglich auf einen mittelprächtigen 41. Rang schafften. Da war in den vergangenen Jahren mehr drin: Cascada (DE 2013) belegte in der Spitze den sechsten Chartplatz, Roman Lob (DE 2012) errang Bronze, und von den Spitzenplätzen für Lena Meyer-Landrut (DE 2010 und 2011) will ich erst gar nicht anfangen. Mal schauen, ob die sympathischen drei Mädels da in den nächsten Wochen noch nachlegen können – oder ob ihr Sieg beim Vorentscheid nicht doch ein Triumph der märchenhafteren Geschichte über die Musik gewesen ist.


Nicht der Sieger der Herzen, aber der des Geldbeutels: Unheilig

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Russland 2014: das war ja überfällig!

Seit Tagen starrt die Welt gebannt auf Russland. Denn das Land ist überfällig – nein, nicht nur auf der Krim, sondern, viel schlimmer, was die Präsentation ihres Beitrags zum Eurovision Song Contest 2014 angeht! Am Montag war offizieller Abgabetermin bei der EBU, und heute erst machten die Tolmachevy-Zwillinge ihren Song der Öffentlichkeit zugänglich, womit wir das komplette Line-up für Kopenhagen endlich kennen. Dabei wollte Mütterchen Russland ihren Beitrag ursprünglich bereits Silvester vergangenen Jahres in einer Vorentscheidung bestimmen – die verschob man dann aber zunächst vage “auf März”, um vor wenigen Tagen erst die Siegerinnen der Kindereurovision von 2006 als Vertreterinnen des Landes zu präsentieren. Ihr Lied heißt, wie schon so viele beim Grand Prix vor ihm, ‘Shine’, und wurde (wie ebenfalls schon so viele beim Grand Prix vor ihm) verfasst von Phillip Kirkorow (RU 1995) und Dimitris Kontopolous, der auch schon ‘Hold me’ (AZ 2013) schrieb. Der Text stammt unter anderem vom maltesischen Bernd Meinunger, Gerard James Borg. Und das hört man auch.


‘Living on the Edge, closer to the Crime’ – fehlt da nicht noch ein “a”?

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ESC 2014: Deutschland ist das neue Schweden

In den zurückliegenden Jahren konnte sich beim Eurovision Song Contest Schweden als Pop-Export-Nation etablieren, deren Songschreiber zunehmend regelmäßig auch andere Länder mit ihren Kompositionen belieferten. Zwar ist dieser Trend ungebrochen – nicht zuletzt das weiterhin siegeshungrige Aserbaidschan verlässt sich erneut auf ein Lied aus bewährt skandinavischer Feder. Doch auch Deutschland ist in diesem Jahr, wenn man so will, mit mehr als nur dem Heimatbeitrag in Kopenhagen vertreten. Gleich sechs der 39 37 Einsendungen des diesjährigen Wettbewerbs verfügen in irgendeiner Form auch über germanische Wurzeln. Neben Elaiza und dem selbst geschriebenen ‘Is it right?’ gilt dies beispielsweise, wenn auch in der denkbar schwächsten Form, für die georgische Jazz-Combo The Shin, die sich 1998 in Stuttgart gründete, wo die drei Musiker schwerpunktmäßig leben und arbeiten. Ein wenig stärker wird der Bezug beim griechischen Rapper RiskyKidd, dessen Vater Deutscher ist (allerdings wuchs Risky in London auf und lebt seit vier Jahren in Athen). Doch es kommt noch mehr!


Griechenland: germanisch unterwandert

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Gerührt, nicht geschüttelt: Conchita Wurst gibt uns das Bond-Girl (AT 2014)

Das lange Warten hat sich gelohnt: heute früh präsentierte die österreichische Vertreterin Conchita Wurst ihren Song für Dänemark, ‘Rise like a Phoenix’. Eine klassische James-Bond-Ballade von der ersten bis zur letzten Sekunde, verschwenderisch orchestriert und dramatisch aufgebaut, mit viel Raum für große, shirleyeske 1 Noten, die unsere Conchita auch ansprechend meistert. Selbstredend handelt der Text von Transformation und Wiedergeburt und beschreibt die Interpretin als mythische Sagengestalt, die sich über die Engstirnigkeit und Transphobie, die der Kunstfigur Wurst seit ihrer Nominierung durch den ORF im September letzten Jahres in vielen Internetforen traurigerweise entgegenschlug, erhebt. Und natürlich tritt Conchita im dazugehörigen Video wieder mit ihrem Markenzeichen, dem angemalten Vollbart auf.


“Ich steige auf wie ein Phoenix, doch Du bist meine Flamme”: Conchita zeigt es ihren Hatern

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Notes:

  1. Bassey, nicht Clamp.

Erstes Delegationentreffen in Kopenhagen: die Uhr tickt

Heute fand das erste Delegationentreffen in Kopenhagen statt – zeitgleich die Deadline für die finalen Remixe der Beiträge für den Eurovision Song Contest 2014. Zumindest auf dem Papier, denn noch immer fehlen die Songs aus Russland (wo wir immerhin schon mal den Titel kennen, den die Tomalchevy-Zwillinge singen werden, nämlich – wie originell! – ‘Shine’) und Österreich, wo man Conchita Wurst schon vorab den Preis für die beste Diva zuerkennen muss: bereits Anfang September 2013 als erste Grand-Prix-Teilnehmerin des Jahrgangs überhaupt annonciert – und dann als Letzte, noch nach dem offiziellen Abgabeschluss, den Song präsentiert. Respekt! Morgen Vormittag sollen beide noch fehlenden Titel veröffentlicht werden. Die Ukraine indes überarbeitete auf den letzten Metern noch einmal ihren Song ‘Tick Tock’, und zwar – auch das kennen wir von dem zurzeit im Mittelpunkt des Weltinteresses stehenden Land nicht anders – vollständig: quasi eine Totaloperation.


Lyrisch deutlich weniger peinlich: ‘Tick Tock’ im Kopenhagen-Remix

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Belgien schickt das Muttersöhnchen!

Wer es schon süß fand, wie die Elaiza-Frontfrau Ela nach ihrem Sieg im deutschen Unser Song für Dänemark ins Mikrofon quietschte, sie wolle jetzt “die Mama!” anrufen, der wird beim Contest in Kopenhagen einen Zuckerschock erleiden – alle anderen Zuschauer vielleicht nur einen Schock. Aber was für einen! Denn in Belgien ist soeben das von vielen Befürchtete, fast allen aber Erwartete eingetreten: Axel Hirsoux gewann mit seiner Ode an die ‘Mother’ den dortigen Eurosong – und das mit einem Erdrutschsieg! Guildohorneske sechzig Prozent der eingegangenen Anrufe konnte der Tenor mit der Ich-bin-zwei-Pavarottis-Figur auf sich vereinen, womit seine zeitgleiche Top-Position im Juryvoting schon gar nicht mehr ins Gewicht fiel. Damit zeigte sich einmal mehr, dass es sich bei einem Wettbewerb lohnen kann, zu spalten. Denn die meisten Menschen dürften beim Anblick des weinerlichen Mittdreißigers, der ernsthaft auf der Bühne seine Anbetung für die – in der Halle anwesende – Frau Mama erklärt, zum Eimer greifen, um sich in hohem Bogen zu übergeben. Doch augenscheinlich gab es genügend Mütter (und Muttersöhnchen wie mich), welche diese Nummer ganz genuin zu Tränen rührte.


Rührt zu Tränen oder zum Kübeln – aber er rührt: Axel Hirsoux (BE)

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Aserbaidschan 2014: Kaltes Feuer

Vor wenigen Minuten veröffentliche eurovision.tv den lange erwarteten aserbaidschanischen Beitrag zum diesjährigen Eurovision Song Contest. ‘Start a Fire’, das im Titel mit dem offiziellen touristischen Werbeslogan der Erdöldiktatur am Kaspischen Meer, “The Land of Fire”, spielt, kommt als dunkle, melancholische Klavierballade daher, von Dilara Kazimova mit großer Stimme interpretiert. Leider jedoch auch in unglaublich miserablem Englisch: “noone sees the Bear called”, “beat the Bear”, “Norwegian Whales”, “digging out the burning Boobs” – was will uns die Frau nur sagen? Zudem verzichtet der Song, wie immer aus schwedischer Feder (der Komponist Stefan Örn saß auch in der Jury, die Dilara Kazimova auswählte), auf einen ernst zu nehmenden Refrain. Lässt mich trotz der wunderschönen Instrumentierung mit Klavier und klagender Ethno-Flöte vollständig kalt – wird aber mit großer Sicherheit den starken männlichen Balladen aus Norwegen und Armenien, gegen das es auch noch im selben Semi antritt (wenn das mal keinen Krieg gibt!) Stimmen wegnehmen. Weswegen ich den Titel noch weniger leiden kann. Um es mit Safura (AZ 2010) zu sagen: Grrrrrrrr!


Trauriges Klagen vor nächtlichem Hintergrund: Die Lara

Wie stehen die Chancen für Aserbaidschan 2014?

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Wie ärgerlich: Albanien versaut sich den Song

Seit wenigen Minuten ist die von Anfang an fest eingeplante englischsprachige Fassung des albanischen Beitrags ‘Zemërimi i një Nate’ von Herciana Matmuja, akkurat in ‘One Night’s Anger’ übersetzt, bekannt. Musikalisch gab es keine all zu großen Änderungen – bis auf eine, allerdings entscheidende: der dreißigsekündige, mit großer Streicherbesetzung und harten Rockgitarren live gespielte Prolog zum eigentlichen, dreiminütigen Lied fällt ersatzlos weg. Und damit leider auch der beste Part des Beitrags, der dem Zuhörer schon mal die Ohren öffnete und die Neugier auf den folgenden Titel weckte. Der plätschert nun anderthalb Minuten unentschieden und strukturlos vor sich hin; bis dann endlich wieder die Rockgitarren hinzukommen und der Song an Fahrt gewinnt, ist es schon zu spät und der Zuhörer eingeschlafen.


Wie schon Bonnie Tyler wandelt auch Hersi nah am Wasser

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Portugal 2014: Dançando Lambada!

Die Finanzkrise steckt Portugal nach wie vor in den Knochen: nach einem Jahr Eurovisionspause macht man heuer zwar wieder mit, entscheid sich aber aus Gründen der Kostenersparnis, einfach den Beitrag von 2007 kurz aufzubügeln und nochmal zu schicken. Vorteil: damit ist das Ausscheiden im Semi garantiert, so dass RTP auch an den Hotelkosten sparen kann. Im der Form halber gestern Nacht abgehaltenen Finale des Festival da Canção setzte sich Susana Guerra, optisch die Zwillingsschwester der ungarischen Teilnehmerin von 2011, Kati Wolf, unter dem hochkomplizierten Künstlerinnennamen Suzy gegen Hauptkonkurrentin Catarina Pereira, bereits beim Festival da Canção 2010 unglückliche Zweite, durch. Und wie schon 2010 verließen etliche Grand-Prix-Fans lauthals buhend im Sturm der Entrüstung den Saal – und starteten umgehend eine Petition zur Annullierung des ihrer Meinung nach nur durch Betrug zustande gekommen sein könnenden Ergebnisses.


Hmmmm, die Brötchen der Tänzer: knackig!

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Moldawien 2014: Wir sind die Roboter

Gäbe es Moldawien nicht, man müsste es erfinden: jedes Jahr unterhält uns die kleine Schwester Rumäniens in ihrer Vorentscheidung mit neuen Unglaublichkeiten. Sei es ein Beitrag, der in seinem Semi nur knappe 50 Anrufe kassieren konnte – oder die Siegerin des O Melodie Pentru Europa, Christina Scarlat. Die verkleidete sich für ihren Finalauftritt als Robowoman: die rechte Körperhälfte bedeckt von einem Metallpanzer, links ein apricotfarbenes, im Windmaschinensturm flatterndes Kleidchen. Was schon mal erfolgreich von ihrem etwas herben Gesicht ablenkte. “What am I? Am I human?” eröffnete sie dann auch noch ihre dramatische Dubstepballade ‘Wild Soul’, in der sie uns kundgibt, dass sie keine Gnade kenne. Glauben wir ihr aufs Wort – und begreifen es mal als Drohung gegenüber den Juroren, falls es keine Punkte geben sollte. In der Heimat funktionierte das bereits: dort gewann Christina mit Hilfe der Jury, die sie gegen den klaren Publikumsfavoriten Boris Covali durchsetzte.


Eitle Selbstbespiegelung: die Frau Scarlat live

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Norwegen 2014: Ruf Teddybär eins-vier

So kurz davor war ich, den Jahrgang 2014 komplett abzuschreiben: voll von Beiträgen, die allesamt nicht wirklich schlecht sind, mich aber größtenteils nicht im geringsten Maße berühren. Und jetzt kommen auf den letzten Metern der Zielgeraden Armenien und Norwegen mit zwei unfassbar starken Gänsehaut-Balladen daher, die mir den Glauben an den Grand Prix wieder zurückgeben. Carl Espen gewann soeben das Goldfinale des norwegischen Melodi Grand Prix: ein Bär von einem Kerl, der im simplen Jeanshemd und mit seinen Unterarmtätowierungen und der Narbe über dem Auge (die von seiner früheren Profession als Türsteher herrührt) aussieht wie ein Sträfling. Und der mit wunderbar zerbrechlicher Stimme eine genial instrumentierte, übrigens von seiner Cousine geschriebene Ballade über die Einsamkeit und die Suche nach Zugehörigkeit singt, sich gewissermaßen schutzlos offenbart. Gott, mir rollen noch immer die Tränen über die Wangen vor Ergriffenheit!


In Ermangelung des Livemitschnittes hier vorerst das Lyric-Video

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