Click me with your Mouse: San Marino sucht im Internet

Bis vor Kurzem stand eine weitere Beteiligung des innerhalb Italiens liegenden Mikrostaates San Marino beim Eurovision Song Contest noch völlig in den Sternen: zu verärgert schien man beim dortigen Sender SMTV über das angeblich ungerechte Votingverfahren beim europäischen Wettsingen, und zu ernüchternd fiel die Bilanz für das von Fans angesichts der kompositorischen Dauerpräsenz einer gewissen Münchener Grand-Prix-Legende bereits in „San Siegelino“ umgetaufte Mini-Land aus, das bei bislang insgesamt acht Eurovisionsteilnahmen ganze sieben Mal im Semi scheiterte, zuletzt spektakulär mit nur einem armseligen Midleidspünktchen für Valentina Monettas Disco-Versuch ‚Spirit of the Night‘. Doch heute verkündete SMTV auf einer Pressekonferenz nicht nur, dass die Winzrepublik in Lissabon am Start sein wird, sondern auch eine kleine Revolution: erstmalig wollen die sonst stets intern ihre/n Vertreter/in bestimmenden Sanmarinesen einen öffentlichen Vorentscheid durchführen. Und weil in dem 33.000 Einwohner/innen starken Miniaturstaat so viele potentielle Kandidat/innen nicht residieren, erinnerte man sich an die von San Marinos Haus- und Hof-Repräsentantin bereits 2012 so herrlich besungene magische Kraft des Internets. 1in360 heißt das Format, und noch bis Ende November 2017 kann weltweit ein jeder, der möchte, dort einen Song (selbstverfasst oder Cover) hochladen, den SMTV nach entsprechender Vorprüfung ins Netz stellt. Aus den quälenden Erfahrungen der Schweizer/innen mit einem ähnlichen Verfahren, die mit teils unfassbarem Schrott (aber auch feinsten Perlen) nur so überschwemmt wurden, hat man in San Marino jedoch gelernt: nur wer mindestens 100 Likes zusammenbekommt, den hört sich die sendereigene Jury überhaupt an. Oder aber man zahlt eine Art von Vorab-Schmerzensgeld in Höhe von hierfür allerdings günstigen 4,99 €. Und hilft so der briefmarkengroßen Republik, ihre Eurovisionsteilnahme zu refinanzieren.

Nick erklärt, wie’s geht (und demonstriert ganz nebenbei die unangenehmen Nebenwirkungen übertriebenen Crystal-Meth-Konsums).

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Das Fräuleinwunder vom Amt: kommt unser Star für Lissabon vom Jobcenter?

Wie der Prinz-Blog unter Bezugnahme auf den deutschen Fanclub OGAE berichtet, soll sich der NDR aktuell erneut auf der Suche nach Teilnehmer/innen für den heimischen Vorentscheid 2018 befinden. Und zwar unter Einschaltung der Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit, wie die OGAE aus einer ihr zugespielten E-Mail erfahren haben will. Danach habe der Hamburger Sender eine Musical-Agentur mit dem Finden von Nachwuchstalenten beauftragt, die wiederum den Ausschreibungsservice der staatlichen Fachvermittlung in Anspruch genommen habe. Gesucht werde ein „einzigartiger Künstler, ein Mensch, der sein Ding durchzieht und mit großer Leidenschaft Musik macht“. Erfreulich: heuer scheint der Wettbewerb sogar für Duos und Bands offen zu sein. Und auch musikalisch erweitere der NDR die Bandbreite: laut OGAE dürfen die gesuchten Künstler/innen diesmal aus den „Bereichen Pop, Rock, Schlager und erstmals auch Musical“ stammen. Den Prinzen zufolge zeige der Sender in der Auslobung allerdings kein Interesse an eigenem Liedmaterial der potentiellen Landesvertreter/innen. Was die Spekulation zulässt, dass man in Hamburg am Null-Punkte-Rezept der vergangenen Jahre festhalten will und lediglich leicht formbares Menschenmaterial sucht, das mal wieder die übliche ecken- und kantenlose, beige musikalische B-Ware wegsingen soll. Ob es eine reine Mini-Castingshow gibt wie 2017 oder der Nachwuchs als Teil eines umfassenden Vorentscheids eingeplant ist, bleibt jedoch offen: der NDR selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu seinen Eurovisionsplänen.

[Aktualisierung 18:00 Uhr]: Der NDR hat die OGAE-Meldung auf Nachfrage des zweiten deutschen Fanclubs ECG mittlerweile dementiert: „Die Mail mit dem Bewerbungs-Aufruf […] stammt nicht vom NDR und wurde auch nicht vom NDR initiiert,“ so der Sender gegenüber dem ECG. Es werde einen Vorentscheid geben, weitere Details wolle man aber erst später verraten.

Etwas in dieser Preisklasse wird man auch 2018 vermutlich umsonst suchen: Thomas Tulpe, einer der Internetbewerber für den Nachwuchswettbewerb 2014, der allerdings – wie alles Kreative – an den Grauen Herren der Senderjury scheiterte, hier mit seiner neuen Single (Repertoirebeispiel).

Ein Nachwuchskünstler als Deutschlands ESC-Repräsentant?

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Ein Kunstherz für Salvador Sobral?

Es ist nicht ohne eine gewisse, bittere Ironie: in seiner Siegeransprache beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew teilte der sympathisch verschrobene Portugiese Salvador Sobral noch gegen artifizielle „Plastikmusik“ aus – nun muss er sich unter Umständen ein künstliches Herz einpflanzen lassen, wie esctoday am Donnerstag unter Bezug auf einen Artikel des französischen Portals Voici berichtete. Danach habe sich der Zustand des 27jährigen, der zuletzt in der Intensivstation eines Lissabonner Krankenhauses ums Überleben kämpfte, zwar zwischenzeitlich leicht verbessert, sei aber nach wie vor kritisch. Er stehe zwar ganz oben auf der Liste für ein Spenderorgan, das er laut dem Pressebericht dringend benötige, bislang sei ein solches aber noch nicht gefunden worden. Nun könne es sich als notwendig erweisen, die Wartezeit mit einem ventrikulären Unterstützungssystem zu überbrücken. Sobral selbst und seine Familie äußerten sich öffentlich nicht zu den Berichten. Auch in einem diese Woche erst im Zeit Magazin veröffentlichten Interview in der Reihe „Ich habe einen Traum“ sprach Salvador lediglich von seiner „fragilen“ Gesundheit und von „Krankheiten, über die ich nicht reden mag“, welche seine ursprüngliche Wunschkarriere als Fußballspieler beendet hätten. Er erzählte auch von „einem wiederkehrenden Albtraum, in dem ich meine Stimme verliere. Diese Angst ist völlig real, ich hatte sie auch vor dem Finale des Eurovision Song Contest in Kiew“. Zur Teilnahme am Wettbewerb, den er als „surreale Traumblase“ bezeichnete, habe er sich überreden lassen, weil er glaubte, „dass es eine Chance sei, ein größeres Publikum für meine Musik zu finden“. Seine Begegnung mit den Fans scheint der scheue Künstler indes nicht in besonders guter Erinnerung zu haben: „Draußen wollte an jeder Ecke jemand ein Selfie mit mir machen. Seit meinem ESC-Sieg gibt es Menschen, die mich im Restaurant beim Essen filmen. Ich bin doch kein Zootier“! Dass er den Wettbewerb mit einem Lied in portugiesischer Sprache gewann, sei dennoch „ein Traum“ für ihn gewesen: „Ich glaube, man muss diese Sprache gar nicht beherrschen, um zu verstehen, wie emotional aufgeladen dieser Song ist. Hätte ich ihn auf Englisch gesungen, hätte er wahrscheinlich seinen Zauber verloren“. Sehr wahr!

Schon mit diesem ersten Auftritt beim portugiesischen Vorentscheid sang sich Salvador in mein Herz. Viel Glück und alle guten Wünsche für eine baldige Genesung!

Bekommt Mannheim die Joy-Fleming-Brücke?

Mit dem mundartlich dargebotenen ‚Neckarbrückenblues‘ immortalisierte die gebürtige Pfälzerin Joy Fleming im Jahre 1971 das verbindende Bauwerk zwischen dem südlichen und dem nördlichen Teil Mannheims. Auch, als sie Deutschland vier Jahre später beim Eurovision Song Contest in Stockholm vertrat, blieb sie dem Thema des über trennende Gewässer gespannten Verbindungsweges treu: ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘ fasste wie vielleicht kein zweiter Beitrag den Grundgedanken des Grand Prix als ein die Menschen vereinendes Event mit der Musik als gemeinsamer Sprache zusammen. Nach ihrem viel zu frühen Tod vor wenigen Tagen fordern nun, wie die Süddeutsche heute berichtet, prominente Künstler wie der Comedian Bülent Ceylan oder der Musiker Rolf Stahlhofen von den Söhnen Mannheims die Umbenennung der einst von Joy besungenen Kurpfalzbrücke im Angedenken an die legendäre Tochter Mannheims. Auch die Leser/innen des Mannheimer Morgens sprachen sich in einer – freilich nicht-repräsentativen – Umfragen mehrheitlich für die Joy-Fleming-Brücke aus. Laut SZ finde der Vorschlag auch das Wohlwollen einiger Kommunalpolitiker, die allerdings einwenden, er müsse noch „breiter diskutiert“ werden. Na, dann mal frisch ans Werk: ich sehe nicht, was der Würdigung von Deutschlands bester Eurovisions-Repräsentantin bei gleichzeitiger Schaffung eines tourismusträchtigen Wallfahrtsortes für Grand-Prix-Fans im Wege stehen sollte!

Ein dreckiger Blues vor deprimierend trister Betonkulisse: beim ‚Neckarbrückenblues‘ passt alles zusammen.

Was meinst Du: braucht Mannheim die Joy-Fleming-Brücke?

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BE 2018: Sennek singt kein Shalalie

Die Eurovisionssaison startet diesmal wirklich langsam: beinahe ist es schon Anfang Oktober, und jetzt erst steht die erste Teilnehmerin des Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon fest. Es handelt sich, wie heute Abend in einer TV-Show bekannt gegeben, um die vom flämischen Fernsehen intern ausgewählte und bislang nicht allzu bekannte Belgierin Laura Groeseneken. Die erzählt im Kurzinterview mit eurovision.tv denn sympathischerweise auch gleich mal, dass sie hauptberuflich bei IKEA arbeitet. Und tatsächlich führt der erste Link bei der Google-Suche auf ihr LinkedIn-Profil, das exakt diese Profession angibt, neben ihren Tätigkeiten als Vocal Coach und Komponistin. Über Bühnenerfahrung verfügt die 27jährige dennoch zuhauf: so tourte sie bereits als Begleitung des etablierten belgischen Sängers Piet Goddaer alias Ozark Henry durch Europa, der 2013 mit dem coldplayesken Duett ‚I’m your Sacrifice‘ einen Spitzenreiter im Nachbarland hatte und es damit auch in Italien in die Top Ten schaffte. Derzeit bastelt die klavierspielende Laura an ihrer Solo-Karriere und tritt dabei unter dem Namen Sennek auf. Eine Verwechslungsgefahr mit der holländischen Schlagertante Sienneke Peeters (→ NL 2010) dürfte dabei selbst für Grand-Prix-Fans nicht bestehen, singt Sennek doch keine Drehorgelschlager, sondern selbst geschriebenes, einschläfernd entkoffeiniertes Geplätscher, wie ihr aktueller Titel ‚Kaleidoscope‘ illustriert. Für den Wettbewerb in Portugal will sie ihr Lied selbst komponieren, und auch auf diesem Feld kann sie bereits Meriten vorweisen: so war sie kreativ an dem 2014er Titel ‚Gravity‘ der Band Hooverphonic beteiligt, der als Werbejingle für ein Parfüm Bekanntheit erlangte. Als eurovisionäres Vorbild nennt sie Jamalas düster-artifiziellen 2016er Siegersong ‚1944‘. Und wenn es eines gibt, was sie nicht kann, so verrät sie im eurovision.tv-Interview, dann ist es tanzen. Man kann also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass uns in diesem Jahr aus Belgien kein fröhlicher Uptempobeitrag erwartet. Ein wenig Geduld müssen wir indes aufbringen: Sennek möchte sich zum Komponieren Zeit lassen. Recht so: gut Ding will Weile haben.

Zu diesem Zeitpunkt knapp 400 Abrufe und 25 Likes: Lauras im März 2017 eingestelltes ‚Kaleidoscope‘ (Repertoirebeispiel). Ein richtig großer Star ist Laura also noch nicht…

Und? Erster Eindruck?

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Kein Kosovo in Lissabon – und wohl auch kein Siegel

Wie esctoday heute berichtet, wird – entgegen aller Fan-Spekulationen – das Kosovo 2018 nicht beim Eurovision Song Contest debütieren. Der Sender der abtrünnigen ehemals serbischen Republik, RTK, erfülle nicht die Voraussetzungen einer Voll- oder assoziierten Mitgliedschaft bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und könne daher nicht am gemeinsamen Gesangswettbewerb teilnehmen, wie die Genfer Organisation auf Nachfrage sagte. RTK hatte sich hingegen Hoffnungen gemacht: „Letztes Jahr stellte uns die Reference Group in Aussicht, dass das Kosovo am ESC teilnehmen könne, wenn das Gastgeberland die Unabhängigkeit des Kosovos anerkennt,“ behauptet der Generaldirektor des von den Genfern bei seinem Aufbau technisch und mit Know-How unterstützten Senders, Mentor Shala, gegenüber dem niederländischen Grand-Prix-Nachrichtenportal. Da die Portugiesen dies (wie übrigens auch die deutsche Regierung) – im Gegensatz zur Ukraine – tun, sei man „sicher gewesen“, in Lissabon dabei sein zu dürfen. Um so mehr habe RTK die Absage der EBU auf den entsprechenden Antrag der umstrittenen De-facto-Republik erstaunt, die sich daraus herleite, dass das für etliche Serb/innen emotional untrennbar mit ihrer Geschichte verknüpfte Gebiet kein Mitglied der Vereinten Nationen sei. „Das ist ein absurder Grund, wenn man bedenkt, dass das Kosovo in Weltorganisationen aufgenommen wurde wie die UEFA, die FIFA, den IWF, das IOC, die Weltbank etc.,“ so Shala weiter. Was allerdings fehlt, ist die Mitgliedschaft in der Internationalen Fernmeldeunion ITU, die eben wiederum eine Aufnahme in die Vereinten Nationen oder das Europäische Konzil voraussetzt, und die ihrerseits unabdingbar für die EBU-Membership-Card ist. Shalas verzweifelter Appell „wir wollen doch bloß beim ESC singen!“ könnte aber vielleicht dennoch irgendwann noch Gehör finden: der Eurovisions-Lenkungsausschuss der EBU, die Reference Group, dürfe „im Einzelfall Ausnahmen“ machen, wie die Genfer selbst bestätigen und wie sie es seit drei Jahren mit der „Einladung“ Australiens regelmäßig unter Beweis stellen. Tja, die Büchse der Pandora… Der Aussie-Sender SBS ist allerdings assoziiertes Mitglied der Europäischen Senderunion, die Nation als solche unumstritten. Für 2018 jedenfalls sei die Teilnahme des Kosovo am Eurovision Song Contest definitiv ausgeschlossen, wie die EBU gegenüber esctoday am Nachmittag nochmals klar stellte.

Mit Rona Nishliu nahm 2012 bereits eine im Kosovo geborene Sängerin am Eurovision Song Contest teil – allerdings für Albanien. Die ethnischen Skipetaren stellen heute im Kosovo mit 90% Anteil die Bevölkerungsmehrheit.

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Joy Fleming ist tot

Die Interpretin des besten deutschen Grand-Prix-Liedes aller Zeiten weilt nicht mehr unter uns: wie unter anderem der Spiegel heute unter Bezugnahme auf eine Meldung des SWR berichtet, verstarb die als Erna Raad in der Pfalz geborene Jazz- und Soulsängerin Joy Fleming am gestrigen Mittwoch im Alter von 72 Jahren. Dies bestätigte ihr Management. Fleming vertrat Deutschland beim Eurovision Song Contest von 1975 in Stockholm mit dem sensationellen ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘, das wegen seines grandprixesken (aber nicht kitschigen) Textes und vor allem aufgrund der herausragenden stimmlichen Fähigkeiten der fantastischen Joy in Erinnerung bleibt. Leider belegte sie in Schweden lediglich den drittletzten Platz, was mit den katastrophalen Leistungen des dortigen Orchesters zusammenhing, welches ihren schwungvollen Soul-Knaller zu bräsigem Soundbrei zermatschte, aber auch mit dem schlimmen, kotzgrünen Wurstpellenkleid, in welches der seinerzeit federführende Hessische Rundfunk die germanische Repräsentantin gegen ihren Willen gezwängt hatte. Und mit der Tatsache, dass Joy in der letzten Strophe vom Deutschen ins Englische wechselte, was international klingen sollte, aber tatsächlich ein wenig gewollt wirkte und dem Lied seine Seele raubte.

Joy bei ihrem Eurovisionsauftritt als „stampfende Brunhilde“ (so eine schwedische Tageszeitung) in Stockholm.

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ARD-Chef Herres will den ESC nicht gewinnen

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: die ARD zielt (wie so viele andere europäische TV-Stationen auch) beim Eurovision Song Contest nicht auf einen Sieg ab. Dies bestätigte Volker Herres, der unlängst für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigte Programmdirektor des Senderverbundes gerade erst: „Ganz ehrlich gesagt will ich in meiner Amtszeit gar nicht so unbedingt noch mal gewinnen, denn dann ist man im nächsten Jahr Gastgeber, und das ist teuer,“ sagte er nach einer Meldung des Medienmagazins DWDL diese Woche der Süddeutschen Zeitung. Laut DWDL sei die Äußerung im (kostenpflichtigen) SZ-Interview mit einem „Augenzwinkern“ gefallen, wobei die deutsche Grand-Prix-Bilanz der letzten Jahre doch eher für die Annahme spricht, dass Herres kleiner Scherz so ironisch nicht gemeint war. Die Verantwortung für das miserable Abschneiden seines Senders beim europäischen Wettsingen sieht der Programmchef in guter alter ARD-Tradition natürlich nicht bei der TV-Station, den unnötig komplizierten und teils chaotischen Vorentscheidungsverfahren oder der notorisch falschen Songauswahlstrategie mit ihrer halsstarrigen Fokussierung auf seichten Radiopop, der niemandem wehtut und niemanden zum Anrufen verleitet, sondern im Bereich Human Resources: es sei „offenbar schwer geworden, Künstler zu finden, die europäisch überzeugen,“ so Herres gegenüber der SZ. Kein Wunder, möchte man da rufen, angesichts des Umgangs der Hamburger mit dem Sangespersonal – erinnert sei nur an die mediale Kreuzigung des intern ausgewählten Xavier Naidoo, an der NDR-Mitarbeiter/innen einen erheblichen Anteil hatten, oder an die Klage von Ann-Sophie Dürmeyer, sie sei vom Sender nach ihren → Nul Points in Wien fallen gelassen worden wie eine heiße Kartoffel. Auch die letzte Vertreterin Levina Lueen schickte die ARD mit einem schwachen Song sehenden Auges ins Verderben. Dass da etablierte Stars mit internationalem Appeal nicht unbedingt vor dem Hamburger Funkhaus Schlange stehen, um die heimische Flagge verteidigen zu dürfen, leuchtet ein. Und dass ein Sender, der öffentlich bekennt, zu einem Wettbewerb anzutreten, ohne diesen gewinnen zu wollen, nicht gerade Siegertypen anzieht, auch. Wehmütig denkt man da zurück an lange vergangene Zeiten, als ein Stefan Raab (→ DE 2000) von der Findung des deutschen Repräsentanten als eine „Aufgabe von nationaler Tragweite“ sprach – und mit Lena Meyer-Landrut (→ DE 2010, 2011) prompt die noch immer auf dem heimischen Grand-Prix-Thron residierende Königin fand. Es muss sich aus ARD-Sicht hierbei wohl um ein einmaligen Ausrutscher gehandelt haben, der sich nie mehr wiederholen darf…

Nein, ich will den Raab nicht zurück beim deutschen Vorentscheid. Aber ein bisschen mehr von seiner „fast schon erotischen“ Leidenschaft für den Wettbewerb seitens der ARD würde ich mir schon wünschen.

Wie denkst Du über die Äußerung von Volker Herres, er wolle des ESC nicht gewinnen?

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Salvador Sobral unterbricht Karriere

Sorge um den diesjährigen Gewinner des Eurovision Song Contest, Salvador Sobral: wie der 27jährige Portugiese, der im Mai 2017 mit seiner verschrobenen, intimen Performance beim europäischen Wettsingen einen ganzen Kontinent verzauberte und den ersten Sieg in der über vierzigjährigen, an Enttäuschungen nicht armen Grand-Prix-Geschichte seines Landes holte, gestern in einem Youtube-Video erklärte, muss er seine Musikkarriere bis auf Weiteres unterbrechen, um sich die Hände der Ärzte zu begeben. Schon bei den Proben in Kiew hatte sich der charmante Hipster-Schlumpf krankheitsbedingt von seiner Schwester Luísa, der Autorin seiner verträumten Jazzballade ‚Amar pelos Dois‘, vertreten lassen. Seinerzeit – und auch aktuell wieder – machten daraufhin Gerüchte um eine lebensbedrohliche Herzschwäche und die dringende Notwendigkeit eines Spenderorgans die Runde, die das Management Sobrals jedoch damals zurückwies. Doch nun scheint der Stress einer ausgedehnten Tournee und zahlreicher Wohltätigkeitsaktionen (wie beispielsweise für die Opfer der Waldbrände im portugiesischen Pedrógão Grande), die seinem Erdrutschsieg beim Eurovision Song Contest 2017 folgten, seinen Tribut zu fordern: bereits letzte Woche sagte der sympathische Sänger die letzten drei Gigs aus gesundheitlichen Gründen ab. Gestern folgte dann die Ankündigung einer längerfristigen Auszeit: „Mein fragiler Gesundheitszustand ist kein Geheimnis mehr,“ so Salvador, der allerdings nicht konkretisierte, an was er nun leidet, sondern diesbezüglich um „Respekt für meine Privatsphäre“ bat und auch nicht an einem Seitenhieb auf die Klatschpresse sparte. „Dort hieß es, ich hätte nur noch drei Monate zu leben. Das habe ich aber schon vor mehr als einem Vierteljahr gelesen,“ spottete der blaublütige Portugiese, bevor es dramatisch wurde: „Leider ist die Zeit gekommen, meinen Körper der Wissenschaft zu überlassen und mich aus der Welt der Musik zu verabschieden“. Gleichzeitig bemühte er sich jedoch, Zuversicht zu verbreiten: „Ich werde bald zurück sein – wie bald, weiß ich nicht,“ so der in der Tat ziemlich zerbrechlich wirkende Sänger, der an diesem Freitag noch ein kostenloses Abschiedskonzert für seine Fans geben will. Bleibt nur, Salvador von ganzem Herzen viel Glück und eine hoffentlich baldige und vollständige Genesung zu wünschen.

Salvadors Videobotschaft (auf Portugiesisch).

Streit um Namensrechte: die Türkvizyon auf Tauchstation

Dieser Tage (die genaueren Angaben schwankten zuletzt irgendwo zwischen dem 19. und dem 30. August 2017) sollte in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, eigentlich die vierte Ausgabe der Türkvizyon über die Bühne gehen, des vom Staatsfernsehen TRT nach dem Vorbild des Eurovision Song Contests erstmals 2013 angeschobenen Musikwettbewerbs der Turkvölker, zu dem sich in diesem Jahr nach einer Meldung von Eurovoix über 30 Länder, Teilrepubliken und Volksgruppen angemeldet hatten. Doch daraus wird wohl vorerst nichts: aufgrund einer gerichtlichen Auseinandersetzung um die Namensrechte verschiebt sich die bereits 2016 ausgefallene Show erneut auf unbestimmte Zeit. Wie die Website ESCape News bereits vor zwei Monaten rapportierte, habe der Musiker Furat Emir TRT erstmals im Jahre 2014 wegen der Nutzung seines angeblichen geistigen Eigentums verklagt. Emir behaupte, das Konzept eines von ihm „Turkavision“ genannten Contests entwickelt zu haben. Im Februar 2017 sprach ihm ein Gericht der Website zufolge in erster Instanz die Namensrechte und eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet rund 6.000 € für die bisherige Verwendung zu. Seither befindet sich das türkische Fernsehen – die Verantwortung für die Türkvizyon liegt seit 2014 beim zur TRT-Sendergruppe gehörenden Musikkanal TMB – auf Tauchstation, vermutlich findet hinter den Kulissen ein zähes Geschacher um eine finanzielle Kompensation für die künftigen Nutzungsrechte statt, bei dem beide Seiten offenbar auf Zeit spielen. Auch der Youtube-Kanal des Senders ist von der Auseinandersetzung betroffen. Ob der Wettbewerb, an dem auch Deutschland teilnimmt, überhaupt noch mal stattfindet, bleibt abzuwarten. Die Veranstaltungsreihe scheint seit ihrer Erstausgabe ohnehin nachhaltig vom Unglück verfolgt: erst vor wenigen Tagen erschütterte die Meldung die türkische Öffentlichkeit, dass der Moderator der letzten, in Istanbul abgehaltenen Türkvizyon 2015, Vatan Şaşmaz, von seiner mutmaßlichen Geliebten Filz Aker in einem Hotelzimmer nach einem lautstarken Streit mit mehreren Schüssen getötet wurde. Aker beging anschließend Selbstmord.

Und hier zur Erinnerung an bessere Türkvizyons-Tage einer ihrer kultigsten Beiträge: Trippiger Kehlengesang aus Kemerow.