Die Vorhersage für das erste Semi

Logo ESC 2012 erstes SemiSo. Nun haben alle 42 Teilnehmer des diesjährigen Eurovision Song Contestes in Baku unter realen Bedingungen geprobt. Dank der unermüdlich fleißigen Arbeit der Schwurnalisten vor Ort (und des offiziellen eurovision.tv-Teams der EBU) konnten auch Zurückgebliebene wie ich – äh, Moment, lassen Sie mich das umformulieren: Menschen, die es vorzogen, nicht selbst nach Baku zu reisen – die Darbietungen mitverfolgen und sich eine Meinung bilden. Und da nichts so sehr Spaß macht, als sich mit einer völlig danebenliegenden Vorhersage für das Finale zu blamieren, kommen nun, unter Berücksichtigung eben dieser Performances in den Proben, meine Einschätzungen für den Dienstag. Auf dass Ihr alle mich auslachen und mit dem Finger auf mich zeigen könnt.

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Good Taste Day in Baku: zweite Proben Big Five + AZ

Bei der heutigen zweiten Probenrunde bestätigten die Big Five dann noch mal, dass sie ihren pekuniär begründeten Sonderstatus in diesem Jahr gar nicht benötigten: so gut sind ihre Songs und Präsentationen, dass sie auch ohne ihn fest im Finale wären. Im Vergleich zur gestrigen ersten Kameraprobe legten die großen Fünf allesamt stimmlich noch mal zu, die meisten präsentierten sich heute auch in Bühnengarderobe – oder zumindest deutlich geschmackvolleren Klamotten. Engelbert Humperdinck erschien in einem schwarzen Hemd mit passender Hose und klang deutlich besser, wenn er auch die letzte, große Schlußnote noch immer nicht ganz schaffte. Aber dafür hat er auch noch drei Generalproben lang Zeit. Anggun entschied sich nicht, wie ich gestern vermutete, für ein weißes Brautkleid, sondern fürs Kleine Schwarze; ihre beeindruckend muskulösen Bodenturner für oberkörperfrei. Sehr aufmerksam! Auch sie klang stimmlich viel besser als gestern – und zeigte sich deutlich angepisst, dass Videos von ihrer ersten Probe im Netz sind. Nicht aufregen, Liebes: es sind nur eine Handvoll Hardcorefans, die das verfolgen – 98% der Voter hören Dich Samstag das erste Mal!


Zickenalarm: Anggun kann mit Druck nicht gut umgehen (FR)

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Bad Taste Day in Baku: 2. Proben BA, LT

Ein cleverer Schachzug: nachdem es der Bosnierin Maya Sar zwischenzeitlich gedämmert sein dürfte, dass sie mit ihrer lendenlahmen Schnarchballade ‘Korake ti znam’ angesicht der massiven Balkanballadenübermacht aus Serbien, Mazedonien und Slowenien nicht den Hauch einer Chance besitzt, ins Finale einzuziehen oder gar den Grand Prix zu gewinnen, verlegte sie ihr Streben flugs auf eine andere, leichter erringbare Trophäe: den Barbara Dex Award. In welcher Crackhölle sie die amerikanische Schneiderin fand, die ihr das geschmacklose Ensemble kreierte, welches Maya das Aussehen einer tragisch veranlagten Sauerierechse verleiht, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist: die Frau muss blind sein. Was uns zu Donny ‘Love is blind’ Montell aus Litauen bringt, der heute im Anzug (und weiterhin mit kunstdiamantenbesetzter Augenbinde) performte und dessen Auftrittsvideo fraglos bei Wikipedia unter dem Lemma “abgeschmackt” verlinkt sein dürfte.


Da sitzt die Schuldige! (BA)

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Gender Bender Day in Baku: 2. Proben EE, SK, NO

Männliche Tänzer in Röcken scheinen dieses Jahr beim Grand Prix ein Thema zu sein (siehe HR und UA), und so ließen sich heute früh weitere Eurovisionskünstler vom Spiel mit den Rollenklischees anstecken. Zunächst beschloß der als erstes probende Este Ott Lepland, dessen mit einem Magen-Darm-Virus daniederliegende Backingsängerin durch seine Stimmtrainerin ersetzt werden musste, seine innere Whitney hervorzukramen und in seinen drei Minuten so viele nervtötende wie überflüssige Stimmmodulationen wie nur irgend geht unterzubringen. Gut, Ott, jetzt hast Du das auch mal ausprobiert: beim Semi aber bitte wieder in der richtigen Fassung, ja? Danke! Ein wenig irritierend auch der Backdrop nach dem Crescendo bei 2:15 Min: was soll uns diese Aufnahme schwebender roter Blutkörperchen sagen?


Ein Comedy-Highlight: der versemmelte Schlußton (EE)

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Over the Hump: 1. Probe Großbritannien

Den heutigen Probetag beschloß der mit Spannung erwartete, 76jährige britische Schnulzenheini Engelbert Humperdinck, der seinen Probenstartplatz zuvor mit Roman Lob tauschte, da er heute erst in Baku eintraf und vor der anstrengenden Probe noch schnell ein kleines Nickerchen machen wollte. Zum bisherigen Setting (Engelbert, sein wallendes Haupthaar und ein Gitarrist auf einem Hocker) gesellen sich in Baku noch die jugendlichen Nachfahren des aus den deutschen Vorentscheidungen der Sechziger bekannten Ehepaares Trautz, die mit lateinamerikanischen Tänzen für etwas optische Ablenkung von Ye Olde Knitterface sorgen. The Hump, leger in T-Shirt und Jeans, spart derweil seine schon etwas brüchige Stimme clevererweise für das Finale auf, weswegen es heute stellenweise entsetzlich klang. Wird es, wenn es drauf ankommt, aber nicht. Der Kitsch-o-rama-Hintergrund mit wabernden Wolken und einem hiroshimaroten Sonnenaufgang rundet die Nummer perfekt ab. Top 3.


Dank aufgedruckter Flecken ein bisschen verschwitzt wirkend: Humpies T-Shirt (UK)

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Unter uns Pastora-Töchtern: 1. Proben Spanien

Im Gegensatz zu ihrer italienischen Konkurrentin erschien die spanische Diva Pastora Soler ordentlich mattiert und mit frisch gewaschenen, zu einem strengen Dominazopf gebundenen Haaren zu ihrer Probe. Nur das etwas farblose Kleid aus der “Mode für die betuchte Dame ab 50″-Kollektion sollte sie noch mal überdenken. Wobei: irgendwie passt es zu ihrer zwar großen und stimmlich perfekt gemeisterten, aber dennoch etwas unterkühlt wirkenden Ballade ‘Quédate conmigo’, die ich mir zwar bereits vor der spanischen Vorentscheidung notgedrungen schöngehört hatte, weil bei all der Fan-Hysterie klar war, dass dieser Titel gewinnt. Von der ich aber, je näher der alles entscheidende Tag rückt, um so überzeugter bin, dass sie die falsche Wahl war und die Spanierin mit der CSD-Hymne ‘Tu Vida es tu Vida’ besser bedient gewesen wäre. Sei’s drum: Pastora performt zuerst scheinbar völlig alleine; erst in dem Moment, da man denkt, dieses Stimmvolumen kann sie doch gar nicht alleine meistern, erscheinen aus dem Bühnenhintergrund fünf Backings, die sich für den letzten, großen Refrain nach der Rückung zu ihr gesellen. Hat was, dennoch glaube ich, dass Nina Zilli ihr die Stimmen stiehlt und wir Pastora auf der Punktetafel noch hinter Roman Lob wiederfinden werden.


Scheinbar all die richtigen Zutaten, dennoch geht das Rezept nicht auf (ES)

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Sabina Bibo-Yeva lässt mich kalt, kalt, kalt (1. Probe AZ)

Und nun zum Heimbeitrag. Die aus der endlos quälenden aserbaidschanischen Vorentscheidung schon als Sirenenquetsche bekannte Sabina Babayeva erschien in einem üppigen gelben Kleid mit reicher Straß- und Federverzierung. Ein bisschen sah sie darin aus wie die Transenversion von Bibo aus der Sesamstraße. Rechts von ihr stehen, im tiefen Dunkel der Bühne von einzelnen Spots spärlich beleuchtet, drei weiß gewandete Chorsängerinnen. Und links von ihr thront ein staatlicher Aufpasser auf einem Podest, der wohl überwacht, dass der Chansonette kein regimekritisches Wort entfleucht. Sonst scheint er für die Bühnenshow keine erkennbare Funktion zu haben. Sabinas tiefes Brummen in der ersten Liedzeile klingt markerschütternd, die Zusammenarbeit mit den Babayettes disharmonisch. Eine eher traurige Darbietung. Aber einmal Baku reicht ja auch.


Oder ist das links Bibos Bodyguard, der sie vor den bösen Armeniern beschützen soll? (AZ)

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Nina hat den ESC im Sack (1. Probe Italien)

Rom 2013. Da führt wohl kein Weg mehr dran vorbei. Zu ihrer ersten Probe erschien die italienische Vertreterin Nina Zilli heute mit fettig glänzendem Gesicht, achtlos zusammengebundenem Haar und in einer Art gegürtetem Leinensack. Und auch ihre drei Backings, die Zillettis, kamen äußerst casual. So, als wollten sie demonstrieren: “Pfff, uns doch egal”. Dennoch strahlte ihre motowneske, von einem schwarz-weißen LED-Bühnenhintergrund aufs Vortrefflichste unterstützte Darbietung von ‘Out of Love’ dermaßen viel Grazie und musikalische Klasse aus, dass das Ergebnis mit den richtigen Outfits umwerfend sein muss. Der Sieg im Juryvoting ist sicher, und auch die Zuschauer dürften sich der italienischen Amazone willig unterwerfen. Die RAI sollte in den Cinecittà-Studios schon mal mit dem Aufräumen anfangen…


Leider geil: Nina Zilli (IT)

Rom 2013?

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Anggun und die Meisterschaften im Bodenturnen (1. Probe FR)

Wer glaubte, bei der heutigen ersten Probe Frankreichs die Antwort auf die Frage zu erfahren, ob Anggun ihren Titel live denn nun meistern kann oder nicht, sah sich enttäuscht. Ganz der Profi, der sie ist, schonte die Indonesischstämmige ihr kleines bisschen Stimme für das Finale und flüsterte sich eher durch ihren chartkompatiblen Elektropopsong, als dass sie ihn wirklich sang. Übrigens keinesfalls aufgefangen durch ihren zweiköpfigen, gemischtgeschlechtlichen Begleitchor, der wohl die strikte Anweisung erhalten hatte, sich zurückzuhalten, um den Star nicht zu übertönen. Drei männlich-virile Bodenturner zogen um Anggun herum eine sportliche Show ab. Und die 38jährige gelegentlich an ihren drei losen Brautschleiern, die vermuten lassen, das zu dem Ensemble noch ein weißes Brautkleid (auch eins der modischen Themen der diesjährigen Eurovision) gehört, das wir heute allerdings noch nicht zu Gesicht bekamen. Mh. Das riecht für mich alles ein wenig nach Ortal: modern und professionell, aber doch nicht richtig zündend.


Sertab Erener hat angerufen und will ihre Choreografie zurück (FR)

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Roman Lob: Babybärs erste Probe in Baku

Vor etwa zwei Stunden ging sie in Baku zuende, die erste Kameraprobe des deutschen Vertreters Roman Lob. Er steht, umrundet von einer überflüssigen, aber nicht weiter störenden vierköpfigen Begleitband, auf der Bühne und singt mit honigsüßer Jungbärchenstimme seinen leider sterbenslangweiligen Albumfülltitel ‘Standing still’. Auf der LED-Wand im Bühnenhintergrund tut sich außer ein paar Lichteffekten nichts: die ganze Performance ist erkennbar daraufhin ausgelegt, einen krediblen Rockschuppenauftritt zu simulieren. Für Roman, der vor seiner Abreise nach Baku noch dem deutschen Schwulenmagazin Männer ein Interview gab, in dem er sagte, das Schmusebär-Image werde ihm “teilweise zu Recht angehängt” und er habe in Köln und Koblenz schon Gay-Kneipen besucht und den Eindruck gewonnen, daß “Schwule sehr friedlich feiern”, spricht, dass er anders als Max Mutzke seinen Auftritt mit offenen Knopfaugen absolviert. Und auch gelegentlich die Kameras findet. Bei der heutigen Probe verzichtete er auf das charakteristische Holzfällerhemd, trug aber Mütze. So oder so: er ist unglaublich süß, sein Lied leider langweilig und zwischen Platz 5 und 20 ist alles drin – abhängig davon, wie viele Juroren- und Zuschauerherzen der 21jähige entflammen lässt.


Ich hab die Liebe gesehn, beim ersten Blick in Deine Augen (DE)

Nach der heutigen Probe, wie stehen Romans Chancen?

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