Salvador Sobral unterbricht Karriere

Sorge um den diesjährigen Gewinner des Eurovision Song Contest, Salvador Sobral: wie der 27jährige Portugiese, der im Mai 2017 mit seiner verschrobenen, intimen Performance beim europäischen Wettsingen einen ganzen Kontinent verzauberte und den ersten Sieg in der über vierzigjährigen, an Enttäuschungen nicht armen Grand-Prix-Geschichte seines Landes holte, gestern in einem Youtube-Video erklärte, muss er seine Musikkarriere bis auf Weiteres unterbrechen, um sich die Hände der Ärzte zu begeben. Schon bei den Proben in Kiew hatte sich der charmante Hipster-Schlumpf krankheitsbedingt von seiner Schwester Luísa, der Autorin seiner verträumten Jazzballade ‚Amar pelos Dois‘, vertreten lassen. Seinerzeit – und auch aktuell wieder – machten daraufhin Gerüchte um eine lebensbedrohliche Herzschwäche und die dringende Notwendigkeit eines Spenderorgans die Runde, die das Management Sobrals jedoch damals zurückwies. Doch nun scheint der Stress einer ausgedehnten Tournee und zahlreicher Wohltätigkeitsaktionen (wie beispielsweise für die Opfer der Waldbrände im portugiesischen Pedrógão Grande), die seinem Erdrutschsieg beim Eurovision Song Contest 2017 folgten, seinen Tribut zu fordern: bereits letzte Woche sagte der sympathische Sänger die letzten drei Gigs aus gesundheitlichen Gründen ab. Gestern folgte dann die Ankündigung einer längerfristigen Auszeit: „Mein fragiler Gesundheitszustand ist kein Geheimnis mehr,“ so Salvador, der allerdings nicht konkretisierte, an was er nun leidet, sondern diesbezüglich um „Respekt für meine Privatsphäre“ bat und auch nicht an einem Seitenhieb auf die Klatschpresse sparte. „Dort hieß es, ich hätte nur noch drei Monate zu leben. Das habe ich aber schon vor mehr als einem Vierteljahr gelesen,“ spottete der blaublütige Portugiese, bevor es dramatisch wurde: „Leider ist die Zeit gekommen, meinen Körper der Wissenschaft zu überlassen und mich aus der Welt der Musik zu verabschieden“. Gleichzeitig bemühte er sich jedoch, Zuversicht zu verbreiten: „Ich werde bald zurück sein – wie bald, weiß ich nicht,“ so der in der Tat ziemlich zerbrechlich wirkende Sänger, der an diesem Freitag noch ein kostenloses Abschiedskonzert für seine Fans geben will. Bleibt nur, Salvador von ganzem Herzen viel Glück und eine hoffentlich baldige und vollständige Genesung zu wünschen.

Salvadors Videobotschaft (auf Portugiesisch).

Streit um Namensrechte: die Türkvizyon auf Tauchstation

Dieser Tage (die genaueren Angaben schwankten zuletzt irgendwo zwischen dem 19. und dem 30. August 2017) sollte in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, eigentlich die vierte Ausgabe der Türkvizyon über die Bühne gehen, des vom Staatsfernsehen TRT nach dem Vorbild des Eurovision Song Contests erstmals 2013 angeschobenen Musikwettbewerbs der Turkvölker, zu dem sich in diesem Jahr nach einer Meldung von Eurovoix über 30 Länder, Teilrepubliken und Volksgruppen angemeldet hatten. Doch daraus wird wohl vorerst nichts: aufgrund einer gerichtlichen Auseinandersetzung um die Namensrechte verschiebt sich die bereits 2016 ausgefallene Show erneut auf unbestimmte Zeit. Wie die Website ESCape News bereits vor zwei Monaten rapportierte, habe der Musiker Furat Emir TRT erstmals im Jahre 2014 wegen der Nutzung seines angeblichen geistigen Eigentums verklagt. Emir behaupte, das Konzept eines von ihm „Turkavision“ genannten Contests entwickelt zu haben. Im Februar 2017 sprach ihm ein Gericht der Website zufolge in erster Instanz die Namensrechte und eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet rund 6.000 € für die bisherige Verwendung zu. Seither befindet sich das türkische Fernsehen – die Verantwortung für die Türkvizyon liegt seit 2014 beim zur TRT-Sendergruppe gehörenden Musikkanal TMB – auf Tauchstation, vermutlich findet hinter den Kulissen ein zähes Geschacher um eine finanzielle Kompensation für die künftigen Nutzungsrechte statt, bei dem beide Seiten offenbar auf Zeit spielen. Auch der Youtube-Kanal des Senders ist von der Auseinandersetzung betroffen. Ob der Wettbewerb, an dem auch Deutschland teilnimmt, überhaupt noch mal stattfindet, bleibt abzuwarten. Die Veranstaltungsreihe scheint seit ihrer Erstausgabe ohnehin nachhaltig vom Unglück verfolgt: erst vor wenigen Tagen erschütterte die Meldung die türkische Öffentlichkeit, dass der Moderator der letzten, in Istanbul abgehaltenen Türkvizyon 2015, Vatan Şaşmaz, von seiner mutmaßlichen Geliebten Filz Aker in einem Hotelzimmer nach einem lautstarken Streit mit mehreren Schüssen getötet wurde. Aker beging anschließend Selbstmord.

Und hier zur Erinnerung an bessere Türkvizyons-Tage einer ihrer kultigsten Beiträge: Trippiger Kehlengesang aus Kemerow.

EBU lanciert asiatischen ESC-Ableger

Die European Broadcasting Union (EBU), Veranstalterin des Eurovision Song Contest, befindet sich offensichtlich auf geradezu zwanghaftem Expansionskurs: neben dem 2003 ins Leben gerufenen und nach anfänglichem Schlingerkurs mittlerweile stabil laufenden Kinderableger, dem Junior-ESC (an welchem sich das deutsche Fernsehen nicht beteiligt), den im jeweiligen zweijährlichen Wechsel stattfindenden und von der Öffentlichkeit wenig beachteten Wettbewerben für junge Tänzer/innen bzw. Musiker/innen sowie dem gerade erst im Juli diesen Jahres vom Stapel gelaufenen Chöre-Wettsingen Eurovision Choir of the Year wollen die Genfer ihr Portfolio nun auch um den etwas stolprig betitelten Eurovision Asia Song Contest erweitern. An dem sollen sich bis zu 20 Länder aus dem asiatisch-pazifischen Raum beteiligen dürfen, wie die heute lancierte offizielle Website informiert. Und die Nachfrage besteht dort durchaus: so meldeten in den vergangenen Jahren bekanntlich sowohl China als auch das bislang bei der Türkvizyon sehr erfolgreiche Kasachstan ihren festen Willen zum Mittun am ESC an, was bekanntlich nicht bei allen westeuropäischen Fans auf Gegenliebe stößt, steht doch eine immer stärkere Verwässerung der identitätsstiftenden Funktion des Musikspektakels für den politisch ohnehin schon bröckelnden Kontinent zu befürchten. Mit der Installierung des Eurovision Asia Song Contests schlägt die EBU zwei Fliegen mit einer Klappe: sie kann diese Länder elegant vom europäischen Wettbewerb fernhalten und verfügt sogleich über potentielle starke Zugpferde (sowie Zuschauer/innen en masse) für die neue Show, an welcher auch Japan und Südkorea Interesse bekundet haben. „Mit seinen brillanten Popstars, seiner glamourösen Mode und der absoluten Leidenschaft für Popmusik sind Asien und die Eurovision wie füreinander geschaffen,“ so schmiert eurovisionasia.tv den Adressaten denn auch gleich Honig uns Maul. Als mögliche Austragungsstädte für die Premiere sind Hongkong, Singapur und Sydney im Gespräch. Weitere Details sind derzeit nicht zu erfahren, man befinde sich noch „in der Entwicklung“ – vor 2018 dürfte der neue Event, der sich inhaltlich und organisatorisch nicht von seinem europäischen Vorbild unterscheiden soll, also kaum über die Bühne gehen. Das einzig Traurige: da Eurofire zufolge der australische Sender SBS bei der Eurovision Asia das Heft in der Hand hält, dürfte uns das seit 2015 regelmäßig auf „Einladung“ der EBU am Eurovision Song Contest teilnehmende Down Under, das mit seinen qualitativ hochwertigen Wettbewerbsbeiträgen die Latte für alle ein wenig höher gelegt hat, vermutlich wieder flöten gehen. Schade! [Nachtrag 24.08.2017]: Wie heute gemeldet wurde, nimmt der australische Sender SBS auch 2018 am Eurovision Song Contest in Lissabon teil.

Tschüss, Dami Im (AU 2016): Dein Auftrittsrahmen dürfte wohl künftig beim Asia-Ableger liegen.

Österreich will keine großen Töchter: Conchita Wurst ausgebuht

Wie das Gratisblatt heute berichtet, musste sich die Siegerin des Eurovision Song Contest 2014, Conchita Wurst, bei einem Auftritt im Rahmenprogramm der Beachvolleyball-WM auf der Wiener Donauinsel am vergangenen Samstag neben Applaus auch deutliche Buhrufe gefallen lassen, als sie die Nationalhymne des Alpenstaates in der seit fünf Jahren gültigen, gendergerechten Fassung sang: einstmals ausschließlich die „Heimat großer Söhne“, finden in der seit dem 1. Januar 2012 offiziell verabschiedeten aktuellen Version nun auch die „Töchter“ des Landes Erwähnung, was viele Traditionalisten auch heute noch immer in Wallung zu bringen scheint. Und obwohl selbst der bislang eher durch eine extrem konservative Weltsicht aufgefallene Volksmusik-Kotzbrocken Andreas Gabalier, der in der Vergangenheit seine Fans noch aufgefordert hatte, die Hymne stets in der alten Fassung zu singen, seit den derzeitigen Erfolgen der österreichischen Fußballfrauen bei der EM konzediert: „Heimat seid’s ihr großer Töchter. Des muass ma jetzt wirklich amol sogn,“ lehne nach einer von heute passend zum Vorfall zitierten aktuellen Meinungsumfrage eine Mehrheit von 55% der Alpenländler/innen das Gendern in der Sprache ab – acht Prozentpunkte mehr als noch 2014. Selbst unter den repräsentativ befragten Frauen wollen 47% im Sprachgebrauch lieber unsichtbar bleiben. Man kann sich schon des Eindrucks nicht erwehren, dass die heimischen Alpen – so landschaftlich reizvoll sie auch sein mögen – ihren Bewohner/innen auch den geistigen Horizont verstellen…

Die heldinnenhafte Conchita.

Not good to be back: Ukraine ermittelt gegen Scooter

Die deutschen Techno-Veteranen Scooter (→ Vorentscheid DE 2004) sind nach einem Auftritt auf der Krim in das Visier der ukrainischen Ermittlungsbehörden geraten. Die Band spielte, wie bereits im Juni diesen Jahres angekündigt, am vergangenen Freitag beim ZB-Festival in der Nähe von Sewastopol vor begeisterten Fans, was in der Ukraine auf wenig Gegenliebe stieß. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, bezeichnete der Botschafter des Landes, Andrej Melnyk, die aus Sicht des Landes „illegale“ Einreise auf die seit 2014 von Russland annektierte Krim als „Verbrechen mit schwerwiegenden rechtlichen Folgen: Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gravierende Straftat, die weltweit geahndet wird“. Man wolle daher die deutschen Behörden im Wege der Amtshilfe bitten, Frontmann H.P. Baxxter zu dem Vorfall zu vernehmen. Es drohten, wie schon bei der russischen Vertreterin beim diesjährigen Eurovision Song Contest, Julia Samoylova, ein Einreiseverbot in die Ukraine sowie – bei einem Verstoß der Band hiergegen – bis zu acht Jahren Haft. Zudem habe Melnyk (und hier wird es irgendwie putzig) die Macher der RTL-Show Deutschland sucht den Superstar gebeten, Baxxter aus der Jury zu entfernen, weil er vorsätzlich gegen die Gesetze eines anderen Landes verstoßen habe. Die sich selbst als „unpolitisch“ verstehende ‚Harder! Faster! Louder!‘-Kapelle hatte trotz vorheriger Warnungen seitens der Ukraine im Vorfeld an ihrem Gig festgehalten: „Wir sehen das als rein musikalischen Event, wir spielen für unsere Fans,“ sagten sie bereits im Juni diesen Jahres auf entsprechende Kritik.

Dürften nach den neuesten Regeländerungen nun nicht mehr beim ESC antreten, falls dieser mal wieder in der Ukraine stattfände: Scooter mit ihrem damaligen Vorentscheidungsbeitrag.

EBU erlässt eine Lex Samoylova

Wie Dr. Eurovision, Irving Wolther, heute auf eurovision.de meldet, hat die European Broadcasting Union (EBU) in Reaktion auf Juliagate Anpassungen in den offiziellen Regeln für die Ausrichtung des und die Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) vorgenommen. So müssen die einzelnen nationalen Sendeanstalten künftig eigenverantwortlich sicherstellen, dass die von ihnen ausgewählten Repräsentant/innen und Delegationsmitglieder „den Behörden des Gastgeberlandes“ keinen „Anlass dafür geben, aufgrund nationaler Gesetze ein Einreiseverbot gegen diese zu verhängen.“ Genau dieses war beim ESC 2017 in Kiew geschehen: der ukrainische Geheimdienst belegte die von Russland nominierte 28jährige Sängerin Julia Samoylova mit einer Einreisesperre, weil diese zuvor auf der annektierten Krim aufgetreten war. Was zu einem unschönen (von Moskau vermutlich gezielt herbeigeführten) Propagandakrieg und für die EBU zu unangenehmen Schlagzeilen führte. Nochmal will man sich in Genf verständlicherweise nicht vor den Karren spannen lassen und schiebt dieser Form der Kriegsführung damit einen Riegel vor.

Die Posterfrau der Krim-Krise: die EBU bestätigt mit ihrer neuesten Regeländerung im Nachhinein den Ausschluss von Julia Samoylova vom ESC 2017. 

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Grüße aus dem Sommerloch: Tony Marshall will zum ESC

Alljährlich kommen sie zur nachrichtenarmen Zeit unter ihren Steinen hervorgekrochen, die Untoten des Schlagergeschäfts, denen sich sonst kaum noch eine Bühne bietet, und geben eine so aussichtslose wie öffentliche Bewerbung für den Eurovision Song Contest ab. Nun reiht sich auch Tony Marshall in diese Armee der Verzweifelten ein und bringt sich in Deutschlands widerlichstem Schundblatt, der Bild, in Position: „In den vergangenen Jahren haben wir uns nur blamiert. Zwölf Punkte kennen wir gar nicht mehr. Beim ESC geht es um das Lied. Darauf sollten wir uns besinnen,“ so vertraut er der Springer-Gazette sein Geheimrezept für einen Grand-Prix-Erfolg an. Als Referenz muss seine Teilnahme am deutschen Eurovisionsvorentscheid von 1976 herhalten, wo er mit dem tatsächlich herausragenden, selbstbezüglichen Chanson ‚Der Star‘, dem einzigen erträglichen Song seines umfangreichen Portfolios, die Postkartenabstimmung haushoch gewann – um dann schnöde besiegelt zu werden: nach einem *hüstel* anonymen Hinweis aus dem Konkurrentenkreis, dass sein Lied bereits vor der offiziellen Vorentscheidung von einer Tingeltangelsängerin in einem bayerischen Bierzelt vor Publikum gesungen wurde, musste die ARD den Beitrag disqualifizieren, es rückten die Les Humphries Singers mit dem ersten aus einer langen Reihe von deutschen Grand-Prix-Schlagern aus der Feder von Ralph Siegel nach. Ein Erlebnis, das Marshalls Kollegin Corinna May fast ein Vierteljahrhundert später exakt so ebenfalls durchleiden musste und das den Stimmungssänger (‚Schöne Maid‘) anscheinend nachhaltig verbitterte: „Das war für mich eine Riesen-Enttäuschung,“ klagt er noch mehr als vierzig Jahre später. Mit Riesen-Enttäuschungen dürfte sich der ausgebildete Opernsänger, der seit Anbeginn seiner Schlagerkarriere stets mit dem selben räudigen Minipli auftritt, gut auskennen: zuletzt lamentierte er im Mai diesen Jahres darüber, dass er seine neueste Single nicht im ZDF-Fernsehgarten vorstellen durfte. Was der Mainzer Sender offiziell damit begründete, seine „Musikfarbe“ passe nicht in das *hüstel* „internationale und poppige“ Format der sommersonntäglichen Rentner/innensedierung – fadenscheiniger kann man das „wir wollen Dich nicht“ wohl kaum bemänteln. Von Seiten des NDR gab es auf die jüngste Eurovisionsbewerbung bislang noch keine Reaktion. Und dabei dürfte es wohl auch bleiben…

Wir waren mal Stars / die Karriere ist vorbei: Tony Marshall mit seinem Vorentscheidungsbeitrag von 1976.

„Zu wissen, ich hab den Song Contest überlebt“: Wilfried Scheutz ist tot

Als der „große alte Mann des Austropop“ sagte ihn der Moderator Pat Kenny beim Eurovision Song Contest 1988 in Irland an, bei dem Wilfried Scheutz mit, man muss es leider so sagen, einem der schlechtesten Eurovisionsbeiträge aller Zeiten den letzten Platz und die gefürchteten → Nul Points holte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Urgestein der Neuen Österreichischen Volksmusik bereits eine bewegte Karriere hinter sich: mit rockigen Neuinterpretationen bekannter Volkslieder wie ‚Ziwui, Ziwui‘ oder dem ‚Kufsteinlied‘ und mit genial-skurrilen Popsongs wie ‚Highdelbeeren‘ (begleitet von einem der legendärsten Videoclips aller Zeiten) feierte er in den Siebzigern und Achtzigern große Erfolge und schrieb sich ins kollektive Musikgedächtnis der Alpenrepublik ein. Er wirkte zudem auf dem Premierenalbum der Ersten Allgemeinen Verunsicherung mit, wobei er seine Frau Marina Tatic kennenlernte. Seine Teilnahme am Grand Prix bezeichnete er im Rückblick als „Blödsinn“. Über den folgenden, herben Karriereknick sagte er im Mai diesen Jahres in einem sehr bewegenden Interview mit dem Magazin News: „Nach dem Song Contest hab ich Theater gespielt, weil ganz Österreich gewusst hat: ‚Der größte Trottel ist der Wilfried‘. Vorher wurde geschrieben ‚Das ist ein Genie‘. Die öffentliche Meinung ändert sich so schnell, wie eine Tür zufällt“. Auch Freunde hätten sich in dieser schmerzvollen Phase von ihm abgewendet. Dennoch stehe er zu seiner damaligen Entscheidung: „Das sind Dinge, die mich durchs Leben bringen: Zu wissen, ich hab den Song Contest überlebt“. 1996 gründete er die Acapella-Gruppe 4Xang, die mit einer Mischung aus Kabarett und Austropop erfolgreich durch die Lande zog und bei der er mit ehemaligen EAV-Kollegen zusammenarbeitete. Gemeinsam mit seinem Sohn Hanibal, der auch sein letztes, 2017 erschienenes Album ‚Gut Lack‘ produzierte, gründete er 2009 zudem die Jazzformation Fathers’n’Sons. Daneben war er als Schauspieler tätig. Erst vor wenigen Monaten machte er bei den Austrian Music Awards seine Krebsdiagnose öffentlich. Wilfried dazu im News-Interview: „Es gibt Zitate in Liedern, die damit zu tun haben, dass ich mir meiner Endlichkeit bewusst bin. Die Krankheit hat mir Sachen eröffnet, über die ich mir vorher keine Gedanken gemacht habe. Wie glücklich mich die unerwartete Zuwendung der Leute machen kann, zum Beispiel“. Wilfried erlag gestern im Krankenhaus von Lilienfeld im Alter von 67 Jahren der tückischen Krankheit.

Dieses Jackett! Wilfried beim Eurovisions-Auftritt.

Die Schweiz melodifestivalisiert ihren Vorentscheid

Es stand zu erwarten: nachdem das Schweizer Fernsehen sich im Juni 2017 als Reaktion auf die fast durchgehend schlechten Ergebnisse der Eidgenossenschaft beim europäischen Wettbewerb in den letzten Jahren einem Eurovisions-Workshop mit den schwedischen ESC-Produzenten Christer Björkman (→ SE 1992) und Martin Österdahl unterzog, präsentierte der SRF heute die wenig überraschenden Ergebnisse des gemeinsamen Brainstormings, welche unter anderem die Einführung einer internationalen Jury beinhalten, wie sie beim von Björkman verantworteten Melodifestivalen schon seit Jahren zum Einsatz kommt. Auch will man, dem deutschen Beispiel folgend, den Fokus bei der Beitragssuche stärker auf das Lied legen und zunächst mit Hilfe einer sowohl mit Musikschaffenden als auch mit Eurovisionsfans besetzten, rund zwanzigköpfigen Auswahljury voraussichtlich sechs möglichst wettbewerbsfähige Titel für die Entscheidungsshow am 4. Februar 2018 finden.

Der schweizerische Bibo von 2017 musste im Semifinale Federn lassen.

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Cry no more: Mutter der O’gene-Schwestern gestorben

Isolde Vol-Malee, die Mutter der drei diesjährigen niederländischen Eurovisionsvertreterinnen Lisa, Amy und Shelley Vol, ist heute im Kreise ihrer Familie gestorben, wie O’gene vor etwa einer Stunde bekannt gaben. ‚Lights and Shadows‘, der von ihrem Vater mitverfasste Beitrag der drei Schwestern für Kiew, war ihrer Mutter und ihrem jahrelang Kampf gegen eine seltene Art von Knochenkrebs gewidmet, den sie nun verlor. O’gene posteten auf Facebook: „Wir vertrauen darauf, dass ihre Kampfbereitschaft, ihre positive Einstellung, ihre Ausdauer und ihr ewiges Lachen uns die Kraft geben, um weiter zu machen. Jetzt ist große Trauer angesagt. Wir hoffen, dass alle unsere Privatsphäre respektieren und uns die Ruhe und den hierfür Raum geben“. Isolde Vol-Malee, die trotz ihrer Erkrankung zum Finale nach Kiew angereist war, hatte vor drei Wochen die aggressive Strahlentherapie einstellen lassen, weil die Nebenwirkungen zu stark wurden. Sie wurde nur 48 Jahre alt.

„What’s with the Universe, why you“: O’gene mit ihrer Hommage in Kiew.