Ave, Cesár: Österreich setzt 2018 auf Erfahrung

Ebenfalls noch nachzureichen ist die mittlerweile leider schone eine Woche alte Meldung (sorry, Winterdepression!) über unser sympathisches kleines Nachbarland Österreich. Das hat es sich im Gegensatz zum NDR in Eurovisionsdingen heuer mal wieder leicht gemacht und seinen Repräsentanten intern bestimmt. Und warum auch nicht? Der vom ORF damit beauftragte Talentescout Eberhard Forcher wählte nämlich offensichtlich klug und entschied sich für den 34jährigen Songschreiber, Produzenten und Sänger Cesár Sampson als Vertreter des Alpenstaates in Lissabon. Und auch, wenn dessen Namen bis dahin sicherlich die wenigsten Österreicher kannten, lag seine Nominierung auf der Hand: kann der großgewachsene, schmuck anzuschauende Bariton, der laut ORF schon Teil des Teams Conchita (→ AT 2014) war, doch einige Grand-Prix-Erfahrung vorweisen und stand er sogar selbst schon auf der Eurovisionsbühne, als Backing nämlich für die fabelhafte Poli Genova (→ BG 2016). Und auch ihren Nachfolger, den Silbermedaillengewinner Kristian Kostov (→ BG 2017) unterstützte er vor Ort als Chorsänger sowie, noch entscheidender, als Stimmlehrer (oder, wie es neudeutsch heißt: Vocal Coach).

Hallo, Cesár! Ich hoffe nur, Du nimmst Dir kein schlechtes Vorbild an dem anderen ESC-Cezar (RO 2013) und rasierst vor dem Auftritt Dein Dekolleté!

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Ein Herz kann man nicht reparier’n: ein Spenderorgan für Salvador Sobral

Seit September bangten Fans um den diesjährigen Gewinner des Eurovision Song Contest, den Portugiesen Salvador Sobral. Seither lag der an einer chronischen Herzinsuffizienz leidende Hippie-Schlumpf, der im Mai 2017 einen ganzen Kontinent mit seiner verträumten Ballade ‚Amar pelos dois‘ verzaubern konnte, auf der Intensivstation eines Lissabonner Krankenhauses. Am vergangenen Freitag transplantierten ihm die Ärzte nun ein Spenderorgan. Nach Mitteilung des Krankenhauses sei „der Eingriff gut verlaufen“, der Patient wohlauf, wie unter anderem das Hamburger Abendblatt meldete. Dennoch ist die kritische Phase noch nicht überwunden: bis zu zwei Wochen nach der Operation können noch Infektionen oder Abstossreaktionen auftreten. Sollte alles gut gehen, stehe zunächst eine „lange Erholungsphase“ an, so der verantwortliche Mediziner. Ob Salvador also im Mai 2018 die Festspiele in seiner Heimatstadt eröffnen kann, muss dahingestellt bleiben. Und auch danach wird er nicht unbedingt, wie die Ärzte behaupten, „wieder ein ganz normales Leben führen können“: eine Organtransplantation funktioniert nur bei anschließender lebenslanger Einnahme von Immunsuppressiva mit erheblichen Nebenwirkungen, die in der öffentlichen Darstellung gerne verschwiegen werden. Bleibt nur, Salvador Sobral zu wünschen, dass er sich hoffentlich schnell und gut erholt und von den unangenehmen Begleiterscheinungen möglichst verschont bleibt. Und das, natürlich, von Herzen!

Mit diesem Auftritt beim portugiesischen Festival da Cançäo gewann Salvador mein Herz. Alles Gute und viel Glück, Großer!

AU 2018: Mauboy, Mauboy, you can call her Mauboy

Beim Eurovision Song Contest 2014 trat sie als Pausenact im zweiten Semifinale auf und warb damit um die Teilnahme Down Unders an den europäischen Gesangsfestspielen. Und das offensichtlich mit Erfolg: seit 2015 darf Australien jedes Jahr „als Gast“ auf Einladung der EBU starten, das Thema der von den Aussies angestrebten Dauerteilnahme steht laut ESC-Chef Jan Ola Sand aktuell erneut auf der Agenda. Wohl auch, um die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zu unterstreichen, schickt die Mates nun ihre damalige singende Botschafterin nach Lissabon: die wie alle ihre Vorgänger/innen intern bestimmte Jessica Mauboy wird den ozeanischen Kontinent beim Grand Prix 2018 vertreten. Die 26jährige erlangte durch die Castingshow Australian Idol Bekanntschaft, die sie 2006 als Zweitplatzierte abschloss. Seither veröffentlichte sie drei Studioalben und zahlreiche Hitsingles, schwerpunktmäßig aus den Bereichen glattgebügelter Bollerbeat-RnB und autogetunte Bollerbeat-Popballade, wie sie viele jüngere Menschen schätzen und lebenserfahrenere Menschen eher schulterzuckend zurücklassen. Wie Jessicas Eurovisionsbeitrag klingt, bleibt abzuwarten: bislang ist ihr Wettbewerbssong noch nicht bekannt. Wie schon ihre drei Vorgänger/innen stammt auch Mauboy nicht von den auf dem Kontinent vorherrschenden Nachfahren europäischer Einwanderer ab, sondern verfügt über indonesische und Aborigine-Wurzeln. Diese Tradition ist kein Wunder: handelt es sich bei dem für die Eurovisionsteilnahme verantwortlichen öffentlich-rechtlichen Sender SBS doch um das australische Minderheitenprogramm. Ein „yay!“ also für die Vielfalt und ein „mmmhhh“ in Sachen Musik.

Den blonden Surferboy fand ich als Werbefigur ehrlich gesagt überzeugender als die grobstimmige Sirenenquetsche Mauboy. 

Was hältst Du von Frau Mauboy als australische Vertreterin 2018?

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Never mind the Bollocks: singt der Sex-Pistols-Frontmann für Irland?

Schon seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, der ehemalige Frontmann der britischen Punkband The Sex Pistols (‚Anarchy in the UK‘, ‚God save the Queen‘), Johnny Rotten, zeige Interesse, die altehrwürdige Grüne Nachbarinsel beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon zu vertreten. Der irische Ableger des Revolverblattes The Sun konkretisierte das heute: danach habe sich der heimische Komponist Niall Mooney, unter anderem beteiligt an dem Eurovisionsbeitrag ‚It’s for you‘ von Niamh Kavanagh (→ IE 2010), mit einem von ihm verfassten Song namens ‚Pleased to meet you‘ beim Sender RTÉ für den Grand-Prix-Vorentscheid beworben. Mooney beschreibt die Stilrichtung seines Liedes als „Cowpunk“, einen „catchy“ Mix aus Country und Punk. Wie er der Zeitung verriet, habe seine Frau ihn auf die Idee gebracht, den mittlerweile 61jährigen, früheren Punk-Sänger und zwischenzeitlichen Dschungelcamp-Teilnehmer (bürgerlicher Name: John Lydon) als Interpreten anzufragen. Und der sagte gerne zu: „Es wäre mir eine große Ehre, Irland beim Eurovision Song Contest zu vertreten,“ äußerte er sich gegenüber der Sun. Rotten würde den von Mooney geschriebenen Titel mit seiner Formation Public Image Ltd. (Hit aus dem Jahre 1983: ‚This is not a Love Song‘) präsentieren, falls RTÉ ihn für den Vorentscheid auswählt, was bei Weitem noch nicht sicher ist. Die Sun zitiert einen anonym bleibenden Sender-Mitarbeiter mit den entsetzten Worten: „Das könnte für Irland schlimmer werden als Dustin the Turkey. Dessen katastrophal gescheiterter Versuch einer Grand-Prix-Parodie beim ESC von 2008 scheint noch heute als nationales Trauma nachzuwirken. Mooney, der nach eigener Aussage vor Kurzem an einem Eurovisionsworkshop des Senders teilnahm, widerspricht: „RTÉ empfahl uns doch, Sänger zu finden, die es gewohnt sind, vor großem Publikum zu spielen, sowie einen eingängigen Song und vor allem etwas Unerwartetes, das es so beim Contest noch nicht gab“. Auch Johnny Rotten, in London geborener und aufgewachsener Sohn eingewanderter irischer Eltern, der sich laut Wikipedia unlängst im Frühstücksfernsehen als Trump- und Brexit-Supporter outete, hält sich für die richtige Wahl: „Als amerikanisch-englischer Ire bin ich vollumfänglich qualifiziert, weitgereist, voll dabei und bereit“. Na dann!

Ein Liebeslied wird Johnnys irischer Vorentscheidungsbeitrag ‚Pleased to meet you‘ sicher auch nicht (Repertoirebeispiel).

Johnny Rotten für Irland? Das wäre...

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„Jung, partyaffin und tolerant“: der NDR auf ESC-Roadshow

Seit anderthalb Wochen kennen wir erste Details über den deutschen Vorentscheid 2018, und seit diesem Dienstag zieht der deutsche Eurovisionsverantwortliche Thomas Schreiber vom NDR gemeinsam mit dem neuen Delegationsleiter Christoph Pellander sowie den für den aufwändigen statistisch-technischen Part des neuen Vorauswahlverfahrens Zuständigen Daniel Korany (Simon-Kucher & Partners) und Werner Klötsch (digame) durch die Lande, um interessierten Eurovisionistas das recht komplizierte Verfahren zu erläutern, vor allem aber um die zuletzt auch unter den einheimischen Fans ziemlich schlechte Stimmung umzudrehen. Und so standen beim gestrigen Termin im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus (LSKH) zu Frankfurt am Main – in welches die Roadshow auswich, weil beim Hessischen Rundfunk aufgrund mehrerer Aufzeichnungen und Veranstaltungen alle geeigneten Räume bereits belegt waren – zwar zunächst die detaillierten Ausführungen zur Ermittlung und Zusammensetzung des Europa-Panels und der internationalen Jury im Vordergrund. Doch sie spielten gar nicht die entscheidende Rolle, zumal man ohnehin inhaltlich nichts maßgeblich Neues gegenüber den bereits bekannten Fakten erfuhr. Als viel interessanter erwies sich der Dialog mit den anwesenden Grand-Prix-Fans und der dabei gewonnene Eindruck, dass der NDR nach einer längeren Phase ziellosen Gestolperes in Sachen Vorentscheid und teilweise selbstverschuldeter (Naidoogate), aber auch fremdverursachter Krisen (Kümmertgate) einen wirklichen Neuanfang versucht. Im Hinblick auf die vielen ähnlich lautenden Versprechen der Vergangenheit war vielen zwischenzeitlich ja der Glaube daran abhanden gekommen, insofern sollte die Roadshow wohl auch ein bisschen Seelenmassage für die Fans sein, ohne die, das räumte Schreiber selbst ein, der Grand Prix „nicht kann“. Was allerdings umgekehrt auch gilt: eine klassische Co-Abhängigkeit.

Der legendäre Schockmoment beim Vorentscheid 2015: Andreas kümmert seine Wahl nicht.

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Die Niederlande schicken den waschaversen Waylon

Mit einem auf dem sendereigenen Youtube-Kanal eingestellten Teaservideo streute das niederländische Fernsehen heute früh Hinweise auf den erneut intern bestimmten Vertreter des Landes beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Der aus der Ich-Perspektive gefilmte Clip verfolgt einen tätowierten Mann, der nach einer offensichtlich rauschenden Partynacht langsam zu sich kommt und sich seinen Weg durch einen wüsten Haufen noch immer weggetretener, hauptsächlich weiblicher Schönheiten und leerer Schnapsflaschen in Richtung Toilette und Küche bahnt. Dabei schafft es der anonym bleibende Hauptdarsteller, sich innerhalb von nur zwei Minuten gleich dreifach auf unverzeihliche Weise unsympathisch darzustellen: erst wäscht er nach dem Kacken nicht die Hände, dann benutzt er umweltschädliche Kaffeekapseln, und schließlich schmiert er sich ein Erdnussbutterbrötchen – ohne Butter darunter! Würg! Das Video endet mit der Anbetung eines Hutes, wie wir ihn in dieser Form schon einmal beim Eurovision Song Contest 2014 auf dem Kopf eines Teilnehmers gesehen haben. Und richtig: heute Mittag bestätigte eurovision.tv, dass der holländische Country-Sänger Willem Bijkerk alias Waylon als Repräsentant seines Landes auf die Grand-Prix-Bühne zurückkehren wird. Auf Ilse de Lange, mit welcher er damals das zweitplatzierte und nicht all zu lange nach dem Contest aufgrund persönlicher und künstlerischer Differenzen wieder aufgelöste Duo Common Linnets formte, und gegen die er im Clip mit einer fingierten Handy-Message einen Seitenhieb austeilte, müssen wir allerdings verzichten. Die hätte neben Waylons aufgeblasenem Ego wohl auch mittlerweile einfach keinen Platz mehr auf der Bühne. Zum niederländischen Song äußerte sich der Sender noch nicht.

Verbreitet gerade seine Fäkalbakterien auf der Tastatur: der niederländische Vertreter Waylon.

Waylon für die Niederlande. Das ist...

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Aserbaidschan avisiert die anmutige Ambient-Aisel

Wie der Prinz-Blog heute Mittag unter Bezug auf eine äußerst dürre Pressemitteilung des aserbaidschanischen Senders Ictimai rapportierte, wird die 28jährige Jazzinterpretin Aisel das Land des Feuers in Lissabon vertreten. Und nein, es handelt sich hierbei nicht etwa um die Wiederkehr von Aysel Teymurzadə, die im Jahre 2009 als eine Hälfte des aserbaidschanischen Alliterations-Duos AySel & Arash mit dem Titel ‚Always‘ nach A-Benotungen fischte. Mitnichten! Die diesjährige Aysel (augenscheinlich am Kaspischen Meer ein ebenso häufig vorkommender Frauenname wie Sopho in Georgien) hört auf den Nachnamen Məmmədovadır und führt, um alle etwaigen Verwechslungen auszuschließen, im Künstlernamen das „I“ anstelle des „Y“. Ist also doch ganz einfach, oder? Dem von den Prinzen aufgestöberten Youtube-Kanal der bislang fast ausschließlich auf Jazz-Festivals Aufgetretenen nach zu urteilen, verfügt die ebenfalls als Komponistin Tätige außerdem über ein exzellentes Händchen für Ambient, so dass hinsichtlich des aserbaidschanischen Lieds für Lissabon durchaus mit etwas experimentelleren Sounds gerechnet werden darf. Außer natürlich, Ictimai TV kauft wieder in Schweden irgendwas von der Stange und lässt es Aisel singen. Wäre aber schade um das offensichtliche Talent. Wann und in welcher Form Aisels Beitrag ausgewählt wird, darüber schwieg sich die Meldung indes aus.

Aisel mit einer selbst komponierten Plinker-Plonker-Ballade. Beachtlich hierbei die exzellente Aussprache des Englischen, der eurovisionäre Einsatz der Windmaschine und der dekorative Gitarrist (Repertoirebeispiel).

Offiziell: 42 Länder sind 2018 an Bord, Mazedonien ist raus

In einer Pressemitteilung stellte die EBU heute Nachmittag das offizielle Contest-Logo für den Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon vor, das aus einer stilisierten Muschel besteht, ergänzt um 11 weitere maritime Motive, die vom nährenden Plankton bis zur bissigen Qualle alles abbilden, was im Meer so vorkommt (schwimmender Plastikmüll gehört allerdings nicht dazu). Für das Motto ließ man sich offensichtlich vom Neunzigerjahre-Megahit ‚Last Train to Transcentral‘ des britischen Musikprojekts The KLF inspirieren: es lautet ‚All abord‘ (‚Alle an Bord‘). Es soll laut EBU-Prosa für „Kernbotschaften wie Diversität, Respekt und Toleranz“ stehen. Der Kreativ-Chef des gastgebenden portugiesischen Senders, Gonçalo Madaíl, äußert sich ergänzend zum geschickt gewählten maritimen Thema des Logos: „Über Jahrhunderte erforschte Portugal die Welt über das Meer. Heute ist Lissabon mehr denn je die Stadt aller Farben, ein Hafen verschiedener Kulturen und Klänge, die Euch alle einlädt, an Bord zu kommen“. Letzteres gilt allerdings nicht für Mazedonien: entgegen hoffnungsfroher Verlautbarungen des Senders MRT über angeblich gütlich verlaufende Verhandlungen mit der EBU hält diese am Ausschluss der früheren jugoslawischen Republik aufgrund offener Forderungen in erklecklicher Höhe fest. Russland ist nach dem Juliagate-bedingten Aussetzer 2017 hingegen, um das Motto noch einmal zu bemühen, wieder mit an Bord. Auch Australien hat eine erneute Einladung erhalten. Insgesamt 42 Nationen gehen daher am 8., 10. und 12. Mai 2018 in der Lissabonner Arena an den Start, genau so viele wie 2017 und eine weniger als der bisherige Rekord. Der Ticketverkauf soll Ende November 2017 starten, einen genauen Termin gibt es aber noch nicht.

Aus dem Meer kam alles Leben und im Meer wird es auch bald wieder verschwinden, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen.

Nun also amtlich: Mazedonien bleibt wegen unbezahlter Rechnungen 2018 draußen.

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Saara Aalto fix für Finnland

Wie das finnische Fernsehen YLE heute überraschend bekanntgab, ist die dreißigjährige Sängerin und Songschreiberin Saara Aalto als Repräsentantin ihres Landes beim Eurovision Song Contest 2017 in Lissabon gesetzt. Das skandinavische Land, das bislang seine/n Vertreter/in stets über einen öffentlichen Vorentscheid bestimmte, bricht damit mit seiner Tradition. Nur für Saaras Beitrag bleibt es bei der Publikumsbeteiligung: am 3. März 2018 sollen die Zuschauer/innen bei der zur reinen Liedauswahl reduzierten Uuden Musiikin Kilpailu (UMK) entscheiden, mit welchen von drei speziell für sie komponierten Songs sie ihre Heimat vertritt. Die, wie die Prinzen vermerken, offen lesbische Doppel-Aa-Sängerin versuchte es bereits dreimal ohne Erfolg beim finnischen Vorentscheid, zuletzt 2016, wo sie mit dem zweiten Platz hinter Sandhja (→ FI 2016) ein für sie typisches Ergebnis erzielte: auch bei den Castingshows The Voice (Finnland) und X Factor (Großbritannien), mit welcher sie eine breite Bekanntheit und einen Plattenvertrag im Vereinigten Königreich ergatterte, schaffte sie jeweils die Silbermedaille. Zuletzt spekulierten britische Boulevardblätter, dass die BBC ihr eine Teilnahme am Vorentscheid der europaabtrünnigen Insel angetragen habe, was sich nach der heutigen Verkündigung indes wohl erledigt haben dürfte. Oder nutzte das kluge Kind das X-Factor-Momentum und angebliche britische Angebot gar, um ihrem Heimatsender YLE die Pistole auf die Brust zu setzen? Eurofire zufolge bezeichnete sie sich in der heutigen Pressekonferenz jedenfalls als „das glücklichste Mädchen überhaupt“, zumal sie den Song Contest „schon immer geliebt“ habe. Und welches Ziel verfolgt Saara in Lissabon? Gegenüber eurovision.tv sagte sie selbstironisch: „Natürlich trete ich mit der Einstellung an, dass ich den Eurovision Song Contest gewinnen kann – oder wenigstens Zweite werde! Darin bin ich zweifellos sehr gut“. Ha – ich mag das Mädel!

Saara mit dem einigermaßen erträglichen Dance-Remix ihrer leider todlangweiligen UMK-Ballade ‚No Fear‘.

Saara Aalto fix für Finnland. Was sagst Du dazu?

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Vorentscheid 2018: das „Europa-Panel“ wird deutsch

Der NDR rudert in Sachen internationaler Mitbestimmung bei der Künstlerauswahl für die deutsche Eurovisions-Vorentscheidung 2018 ein Stückchen zurück: nachdem eine Pressemeldung am Freitag, wonach ein hundertköpfiges, über die sozialen Medien rekrutiertes Fan-Panel mit der ersten Vorauswahl potentieller Grand-Prix-Vertreter/innen beauftragt werden soll, für fehlgeleitete Schlagzeilen wie „Die ARD traut den Deutschen nicht mehr“ sorgte, präzisierte der NDR-Unterhaltungschef und deutsche Eurovisionsverantwortliche Thomas Schreiber in einem umfangreichen Exklusiv-Interview mit den Kollegen vom Prinz-Blog heute, dass das sogenannte „Europa-Panel“ ausschließlich aus einheimischen Zuschauer/innen gebildet werde. Schreiber: „Wenn man das Abstimmungsverhalten der Fernsehzuschauer in allen teilnehmenden Ländern in den letzten Jahren analysiert, kommt man zu einem überraschenden Schluss: in den letzten vier Jahren haben die Deutschen mit ihren Stimmen beim Televoting am nächsten am jeweiligen Endergebnis gelegen“. Diese durch Datenauswertungen gewonnene Erkenntnis bedeute, „dass wir das Europa-Panel aus Deutschland besetzen können und nicht international“. Warum sich das Gremium dann mit dem Namen „Europa“ schmückt, was ja eine internationale Zusammensetzung suggeriert, bleibt indes offen. Das „Europa-Panel“ soll sich auch nicht durch alle potentiellen Bewerber/innen durchquälen müssen, von denen der NDR an die tausend erwartet – darunter 200 bis 300 aus dem offenen Verfahren, der Rest aus eigener Recherche bzw. aufgrund von Vorschlägen sendereigener oder befreundeter Musikredakteure. Vielmehr soll ein „Team aus erfahrenen Musikprofis und Experten“ eine Vorauswahl von 200 potentiellen Repräsentant/innen treffen, aus denen das heimische Zuschauer-Panel wiederum 20 ausfiltert. Erst dann kommt die – nunmehr tatsächlich international zusammengesetzte – Jury ins Spiel, die hieraus gemeinsam mit dem „Europa-Panel“ die finalen Fünf für den Vorentscheid herauspickt.

Der Inas-Nacht-Musikredakteur Matthias Wallerang habe laut Schreiber bereits „eine lange Vorschlagsliste mit jungen Talenten erarbeitet“. Ob auch Alligatoah darauf steht?

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„Ein radikaler Neuanfang“: der NDR generalüberholt den Vorentscheid

„Die ARD traut den Deutschen nicht mehr“: so herrlich pointiert wie sachlich falsch betitelt der (von mir sonst sehr geschätzte) Mediendienst DWDL seine Meldung über die heute Nachmittag frisch verkündete Neuausrichtung des heimischen Vorentscheidungsverfahrens, mit welcher der NDR nach den durchgängig hinteren und hintersten Plätzen der letzten Jahre beim europäischen Wettsingen das Ruder herumreißen möchte. Wahr ist: der für den deutschen Eurovisionsbeitrag verantwortliche Sender holt sich endlich externen Sachverstand mit an Boot und folgt damit ein Stück weit den Ratschlägen heimischer Eurovisionsblogs. Bei der Auswahl der Kandidat/innen für den Vorentscheid und bei unserem Lied für Lissabon entscheidet künftig ein einhundertköpfiges sogenanntes „Europa-Panel“ mit, das den Geschmack derjenigen Menschen möglichst genau abbilden soll, die im Mai 2018 schlussendlich für unseren Beitrag anrufen und ihm so zu Punkten verhelfen sollen: die europäischen Zuschauer/innen (also diejenigen außerhalb Deutschlands) nämlich. „Mindestens 10.000 Menschen“ will der NDR dazu gemeinsam mit der Big-Data-Firma Simon Kucher & Partners über die sozialen Netzwerke ansprechen, in einem mehrstufigen Verfahren sollen mit Hilfe von „vielen Musikfragen und Bewertungen“, so Thomas Schreiber in der Wolfsburger Allgemeinen, aus ihnen diejenigen herausgefiltert werden, die uns ein verlässliches Bild davon liefern mögen, was bei unseren Freunden und Nachbarn in Europa ankommen könnte. Damit führt der Hamburger Sender die beim diesjährigen Format Unser Song 2017 mit der (rein informellen) Einbindung der Eurovisions-App erstmals zur Anwendung gekommene Idee, stärker auf die entscheidende internationale Zielgruppe für das deutsche Lied zu hören, konsequent fort, vermeidet aber gleichzeitig, dass die Abstimmung durch die hierfür denkbar schlechteste Gruppe gekapert wird: die Hardcore-ESC-Fans mit ihrem bekanntermaßen völlig nichtrepräsentativen, um nicht zu sagen horriblen Musikgeschmack nämlich. „Eine Bewerbung für das Panel ist nicht möglich,“ heißt es daher auch in der NDR-Pressemeldung. Kluge Entscheidung!

Aus den eher zufälligen „Eurovision Vibes“ mit reinem Empfehlungscharakter wird das statistisch relevante „Europa-Panel“ mit echtem Einfluss.

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Wegen Schulden: pullt Mazedonien einen Ovidiu?

So langsam scheint es zur unverzichtbaren Folklore zu gehören, dass uns jedes Jahr kurz vor der offiziellen Verkündung der Teilnehmerliste für den Eurovision Song Contest durch die EBU noch ein Land verloren geht: nach der Aussperrung Rumäniens 2016 wegen offener Forderungen in Millionenhöhe und dem strategisch herbeigeführten Ausschluss Russlands infolge geschickt inszenierter Verstöße gegen ukrainische Gesetze in diesem Jahr droht die EBU nun dem mazedonischen Fernsehen MKRTV aufgrund unbezahlter Rechnungen mit schmerzhaften Sanktionen: „Leider hat das mazedonische Fernsehen keinen Zugriff auf unsere Dienste, bis die Schulden bezahlt worden sind,“ so zitieren escxtra und eurofire die EBU-Pressesprecherin Claire Rainford. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll ein Betrag von rund einer halben Million Euro im Raum stehen. In dem krisengeschüttelten Balkanland ist nach einer langanhaltenden innenpolitischen Krise seit dem Sommer 2017 eine neue Regierung im Amt, im September diesen Jahres strich diese die Rundfunkgebühren und ersetzte sie durch Direktzahlungen aus der Staatsschatulle. In der sieht es allerdings mau aus, nachdem der abgewählte Regierungschef in den vergangenen Jahren rund 700 Millionen Euro in dem größenwahnsinnigen Protzprojekt Skopje 2014 versenkte, einem architektonischen Zuckerbäckerwerk zur Glorifizierung der mazedonischen Geschichte (wobei man fairerweise zugeben muss: im Gegensatz zum Flughafen Berlin-Brandenburg stehen hier wenigstens benutzbare Gebäude). Jedenfalls: kann der Sender die Schulden bei der EBU nicht rechtzeitig begleichen, darf er den Eurovision Song Contest 2018 nicht ausstrahlen – und damit auch nicht an ihm teilnehmen.

Spielt größtenteils in der absurd teuren Protzkulisse: der zurückgezogene mazedonische Beitrag von 2013.

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