Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten unab­än­der­lich von allen Wett­bü­ros vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

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2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madon­na wird am Sams­tag im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 auf­tre­ten. Die seit Mona­ten als Gerücht gestreu­te, in den letz­ten Tagen mit einem ent­we­der unnö­ti­gen oder gefak­ten Dra­ma um nicht unter­schrie­be­ne Ver­trä­ge gehyp­te und ges­tern bestä­tig­te Nach­richt, dass die EBU der ame­ri­ka­ni­schen Groß­mutter des Pop, die hier­für sogar noch eine von einem israe­li­schen Indus­tri­el­len finan­zier­te Mil­lio­nen­ga­ge ein­streicht, in der zuschau­er­stärks­ten TV-Show der Welt kos­ten­los die Mög­lich­keit zur Bewer­bung ihres neu­es­ten Albums ein­räumt, nahm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend gefühlt ein Vier­tel der Sen­de­zeit, min­des­tens jedoch der Mode­ra­ti­on ein und degra­dier­te die acht­zehn im Kampf um den Final­ein­zug ange­tre­te­nen Acts zur blo­ßen Staf­fa­ge. Ver­traut die EBU der Strahl­kraft ihrer eige­nen Vor­zei­ge­sen­dung mitt­ler­wei­le so wenig, dass sie glaubt, die­ses erbärm­li­che Spiel mit­ma­chen zu müs­sen? Gut, der musi­ka­li­sche Anspruch des zwei­ten Semi­fi­na­les, in dem sich zwar alle nicht fix fürs Fina­le gesetz­ten Buch­ma­cher-Favo­ri­ten tum­mel­ten, das aber größ­ten­teils durch glatt­po­lier­te, main­strea­m­i­ge Lan­ge­wei­le glänz­te, ließ einen ein Stück weit nach­voll­zie­hen, war­um man sich sei­tens des Sen­ders KAN so auf das Drum­her­um kapri­zier­te.

Die dür­fen das: der Pau­se­nact Shal­va mit einem wun­der­bar herz­er­wär­men­den Kitsch­stück.

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Heu­te Abend: das zwei­te Semi 2019

Unschö­ne Nach­rich­ten aus Tel Aviv: bei den Auf­bau­ar­bei­ten für den Euro­vi­si­on Song Con­test im Expo Con­gress Cen­ter kam es am ver­gan­ge­nen Mon­tag nach einer Mel­dung der Times of Isra­el zu einem töd­li­chen Unfall, bei dem der 66jährige Lie­fer­fah­rer Ful­di Schwarz beim Aus­la­den von Mate­ri­al von einem unge­si­cher­ten Beleuch­tungs­turm getrof­fen wur­de, der auf ihn stürz­te. Schwarz erlag in der Nacht zum Diens­tag im Kran­ken­haus sei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen. Dafür kam heu­te das nerv­tö­ten­de Dra­ma um den Pau­sen­pro­gramm-Auf­tritt von Madon­na zum Ende: wie Euro­voix berich­tet, wur­den die not­wen­di­gen Ver­trä­ge end­lich unter­schrie­ben, die Queen of Pop kann am Sams­tag­abend ihre zwei Songs prä­sen­tie­ren. Heu­te Abend aber erwar­ten uns im zwei­ten Semi ein hei­mi­scher Zau­ber­künst­ler und die aus Men­schen mit Han­di­caps bestehen­de Band Hal­va, die kurz vor dem Fina­le des israe­li­schen Vor­ent­scheids aus­stieg, als ihnen klar wur­de, dass sie im Fal­le eines Sie­ges auch am Schab­bat für den ESC-Auf­tritt pro­ben müss­ten. Ach ja, und 18 Acts aus 18 Natio­nen tre­ten eben­falls gegen­ein­an­der an, dar­un­ter gleich vier der Favo­ri­ten auf den Gesamt­sieg. Den­noch fällt die heu­ti­ge Show vom Trash­fak­tor und dem Unter­hal­tungs­wert gegen­über Diens­tag deut­lich ab. Ein­zig das nor­we­gi­sche Trio Kei­i­no, mit dem Mar­tin Schmidtner ges­tern für queer.de ein lesens­wer­tes Inter­view führ­te, ver­süßt uns den Abend mit cle­ve­rem Grand-Prix-Schla­ger, sonst über­wie­gend die glat­te Mit­tel­mä­ßig­keit.

Ab 21 Uhr: der Live­stream aus Tel Aviv.

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1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zwei­fach erfuhr die fabel­haf­te Dana Inter­na­tio­nal, die 1998 beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Bir­ming­ham den mit wei­tem Abstand bedeut­sams­ten Sieg in der über sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Grand Prix errang, die ihr gebüh­ren­de Ehrung im gest­ri­gen ers­ten Semi­fi­na­le 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Inter­val Act auf­trat. Der für sei­ne 40 Len­ze erstaun­lich jung aus­se­hen­de Assi Azar, einer der über­flüs­si­ger­wei­se erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benann­te die offen­sicht­lich in den sel­ben Jung­brun­nen gefal­le­ne LGBTQI*-Ikone in sei­ner Anmo­de­ra­ti­on als sein per­sön­li­ches Idol. War es doch ihr sei­ner­zei­ti­ger Sieg, der dem damals Zwan­zig­jäh­ri­gen aus dem Ver­steck half und ihm die Kraft zum Com­ing Out gab. Zehn Jah­re spä­ter lis­te­te das US-ame­ri­ka­ni­sche Maga­zin OUT den Show­mas­ter, Fil­me­ma­cher und Akti­vis­ten als einen der “100 welt­weit ein­fluss­reichs­ten Schwu­len”. Doch auch für die tol­le letzt­jäh­ri­ge Euro­vi­si­ons­ge­win­ne­rin Net­ta Bar­zi­lai, wel­che den Rei­gen mit einem Remix von ‘Toy’ eröff­ne­te, war Dana laut Ein­spie­ler der Aus­gangs­punkt für ihre trotz aller Wid­rig­kei­ten als nicht den gän­gi­gen Schön­heits­idea­len ent­spre­chen­de Frau ver­folg­te Gesangs­kar­rie­re. Die ‘Diva’ selbst demons­trier­te mit einer Bear­bei­tung von ‘Just the Way you are’, dass sich selbst Bru­no-Mars-Songs ohne all zu gro­ßen Wür­ge­reiz anhö­ren las­sen, wenn eine Künst­le­rin ihres For­mats sie über­nimmt.

Quee­re Vor­bil­der sind so immens wich­tig. Ob vor zwan­zig Jah­ren, heu­te oder in der Zukunft. Dan­ke für alles, Dana Inter­na­tio­nal. Du bist und bleibst für immer eine Inspi­ra­ti­on.

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Heu­te abend: das ers­te Semi 2019

Ste­hen die Geträn­ke und Knab­be­rei­en schon bereit? In knapp zwei Stun­den geht in Tel Aviv das ers­te Semi­fi­na­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 über die Büh­ne. Mit 17 teil­neh­men­den Län­dern ist es gegen­über der zwei­ten Run­de am Don­ners­tag das etwas leich­ter zu über­ste­hen­de – und mit bizar­ren Klang­col­la­gen, dys­to­pi­schem Indus­tri­al-Getö­se, frei­schwe­ben­den Pope­ra-Diven, tür­kisch­stäm­mi­gen Dis­co-Rasplern und krei­schen­den Stoi­ke­rin­nen frag­los das mit dem höhe­ren Unter­hal­tungs­wert. Das Rah­men­pro­gramm bestrei­ten die bei­den israe­li­schen Vor­bild­frau­en Net­ta Bar­zi­lai und Dana Inter­na­tio­nal, deren Auf­trit­te im Gegen­satz zu dem mei­ner drit­ten gro­ßen Pop-Hel­din sicher sind: wie Jan Ola Sand bei einer Pres­se­kon­fe­renz am heu­ti­gen Nach­mit­tag bekräf­tig­te, hat Madon­na, die seit Mona­ten in den Medi­en als Inter­val Act für das Fina­le gehan­delt wird, noch immer kei­ne Ver­ein­ba­rung mit der EBU unter­schrie­ben: “Wir sind noch in Ver­hand­lun­gen, aber ohne gegen­ge­zeich­ne­ten Ver­trag wird es nicht pas­sie­ren”. Unmut herrscht auch dar­über, dass der Live­stream in diver­sen ame­ri­ka­ni­schen Län­dern geblockt ist. Ursa­che hier­für sind mal wie­der die ver­ma­le­dei­ten Copy­right-Scher­gen: da You­tube in die­sen Staa­ten nichts an die ört­li­chen Rech­te­ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten abdrückt, geben die betei­lig­ten Plat­ten­fir­men die Aus­strah­lung dort nicht frei.

In Deutsch­land zu sehen: der Live­stream des ers­ten Semis. Im TV läuft die Show auf dem Spar­ten­sen­der One.

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Rank & File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sig­ra

Ein die Fans glei­cher­ma­ßen in Lie­ben­de wie Has­sen­de spal­ten­der Mar­mi­te-Song eröff­ne­te vor knapp sechs Wochen die­se Arti­kel­se­rie, und ein eben­sol­cher beschließt sie heu­te.

Platz 1: Island – Hata­ri: Hat­rið mun sig­ra (Der Hass wird sie­gen)

Als hät­ten die Jungs von Lai­bach, Ramm­stein, Depe­che Mode und Bron­ski Beat einen gemein­sa­men Bas­tard gezeugt, so klin­gen Hata­ri. Bra­chia­ler Indus­tri­al-Lärm mit einer schmerz­haft ver­zerrt dahin­ge­rotz­ten Stro­phe, auf­ge­fan­gen von einem wat­te­wei­chen Syn­thie-Pop-Refrain und engels­glei­chem Kas­tra­ten­ge­sang, und das alles auch noch auf islän­disch: Hata­ri ver­stö­ren nicht nur musi­ka­lisch. Das sich als sati­risch und anti­ka­pi­ta­lis­tisch ver­ste­hen­de Art-Kol­lek­tiv, das auf spie­le­ri­sche Wei­se in Bonda­ge-Gear auf­tritt, ver­packt dar­in eine bit­te­re, dys­to­pi­sche Bot­schaft. Näm­lich die vom bal­di­gen Zusam­men­bre­chens Euro­pas, vom Ende des zügel­lo­sen Bac­chanals, das uns so lan­ge not­dürf­tig zusam­men­schweiß­te, wie es (auf Kos­ten wei­ter Tei­le der rest­li­chen Welt) jedes Jahr mehr zu ver­tei­len gab. Vom Obsie­gen des Has­ses. Und im Ange­sicht des Bre­xits, des euro­pa­wei­ten Wie­der­erstar­kens der Natio­nal­kon­ser­va­ti­ven, des bewusst taten­lo­sen Zuse­hens, wie im Mit­tel­meer von Krieg und Armut ver­folg­te Mit­men­schen ertrin­ken und dem Schwei­gen dar­über sowie von immer faschis­toi­de­ren Poli­zei­er­mäch­ti­gungs- und Inter­net­zen­sur­ge­set­zen muss man fürch­ten, dass sie lei­der Recht haben und es sich viel­leicht sogar eher um eine akku­ra­te Beschrei­bung der Gegen­wart han­delt als eine düs­te­re Zukunfts­fan­ta­sie.

Gleich die Eröff­nungs­se­quenz des Musik­vi­de­os zitiert Depe­che Mode.

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Rank & File 2019: Platz 2 – Sol­di

Clap Clap! Ein Song mit dop­pel­ten Hand­klat­schern ist in mei­nem Buch ja auto­ma­tisch ein guter. Doch im Fal­le Mah­moods kom­men noch wei­te­re Qua­li­tä­ten hin­zu.

Platz 2: Ita­li­en – Mah­mood: Sol­di (Geld)

Der jun­ge, bild­schö­ne Ales­san­dro Mahmoud steu­ert mit ‘Sol­di’ einen wei­te­ren Väter­song zum Gesche­hen bei. Das ist schon mal eine gute Idee, denn Lie­der, die eine per­sön­li­che Geschich­te erzäh­len, wir­ken auf natür­li­che Wei­se authen­tisch. Und Authen­ti­zi­tät ist nicht nur beim Song Con­test stets ein gesuch­tes Gut. Es ist eine bit­te­re, wüten­de Ankla­ge, die Mah­mood mit dunk­ler, zwi­schen Zorn, Stolz und Ver­letz­lich­keit chan­gie­ren­der Stim­me und ange­mes­sen ver­är­ger­tem Gesichts­aus­druck vor uns ver­liest; eine von Ver­las­sen­sein, Gier und Ver­rat. Dass er sei­nen Unbill in druck­vol­le Hip-Hop-Beats und einen pop­pi­gen, auch von nicht des Ita­lie­ni­schen Mäch­ti­gen leicht mit­sing­ba­ren, weil repe­ti­ti­ven Refrain ver­packt, trägt ent­schei­dend mit bei zum Instant Appeal sei­nes Bei­trags, der zu Recht zu den Mit­fa­vo­ri­ten um den Sieg in Tel Aviv zählt und bei­spiels­wei­se beim Voting des EC Ger­ma­ny am ver­gan­ge­nen Frei­tag in Frank­furt am Main mit gro­ßem Abstand vor­ne lag. Dass sich der jun­ge Mai­län­der auf­grund der Ver­wen­dung einer im Kon­text sinn­stif­ten­den ara­bi­schen Rede­wen­dung in sei­nem exqui­si­ten Song­text und sei­nes der Jury zu ver­dan­ken­den Siegs beim tra­di­ti­ons­rei­chen San-Remo-Fes­ti­val zu Hau­se xeno­pho­ber Anfein­dun­gen von höchs­ter poli­ti­scher Stel­le aus­ge­setzt sah, bringt ihm – ähn­lich wie Bil­al Hassa­ni – auto­ma­tisch einen Soli­da­ri­täts­bo­nus ein. Den er gar nicht braucht: ‘Sol­di’ ist auch so der bes­te ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag seit der Rück­kehr des Stie­fel­lan­des zum ESC.

Geschickt: der hier als Sinn­bild für die Abstam­mung vom Vater ver­wen­de­te Akt des Täto­wie­rens gibt Mah­mood zudem die Gele­gen­heit, sich ober­kör­per­frei zu prä­sen­tie­ren.

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Rank & File 2019: Platz 3 – Say na na na

Nach einem kra­chend schief gegan­ge­nen Ver­such mit einer exter­na­li­sier­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung im Vor­jahr kehr­te das klei­ne San Mari­no heu­er zum Bewähr­ten zurück und nomi­nier­te einen sei­ner bei­den Stammrepräsentant/innen. Klu­ge Wahl!

Platz 3: San Mari­no – Ser­hat Hacıpaşalıoğlu: Say na na na (Sag na na na)

Und ja, es ist mir bewusst, dass ich mich mit die­sem Ran­king als geschmack­lich hoff­nungs­los ver­al­te­ter Schla­ger­fan oute. Das aber dürf­te für Stammleser/innen mei­nes Blogs kei­ne neue Nach­richt sein. Der tür­ki­sche Ex-Game­show-Mode­ra­tor in den Diens­ten der Minia­tur­re­pu­blik schrieb den Titel, wie er selbst zugab, inner­halb weni­ger Minu­ten. So, wie in der Pop-Geschich­te übri­gens vie­le gro­ße Hits ent­stan­den, denn gele­gent­lich ist stumpf halt Trumpf. Ser­hat lie­fert genau das ab, was ich beim Grand Prix haben möch­te: eine fluffi­ge Ohr­wurm­me­lo­die; Dis­co-Beats, zu denen sich geschmei­dig mit­wip­pen lässt; ein sofort mit­sing­ba­rer Refrain; eine uplif­ten­de Bot­schaft und ein hüb­scher Chor. Der san­ma­ri­ne­si­sche Bei­trag schwelgt damit in nost­al­gi­schen Erin­ne­run­gen an simp­le­re Zei­ten, in denen man mit so einer Num­mer noch gewin­nen konn­te. Im Gegen­satz zu gut 80% der dies­jäh­ri­gen Kon­kur­renz­ti­tel, die ich ver­ges­se, wäh­rend sie noch lau­fen, bleibt mir die­se klei­ne Trash-Per­le nach­hal­tig im Ohr. Hin­zu kommt der Inter­pret: Sehrhot ist womög­lich der sexies­te Dad­dy, der beim ESC jemals mit­mach­te. Sei­ne ras­pel­tie­fe Sprech­ge­sangs­stim­me und sei­ne süßen Trost­ver­spre­chun­gen locken mich wie Honig­tau, und nur zu ger­ne las­se ich mir sei­nen Nek­tar ein­flö­ßen. Der darf ger­ne wie­der­kom­men, viel­leicht beim nächs­ten Mal im Duett mit Valen­ti­na Monet­ta?

Star­qua­li­tät, Sexy­ness, Selbst­iro­nie und Cha­ris­ma: Ser­hat strahlt all das aus und mehr.

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Rank & File 2019: Platz 4 – Roi

Wie bereits erwähnt, ent­stand die­ses Ran­king bewusst schon vor etli­chen Wochen, als die Vor­ent­schei­dungs­sai­son gera­de erst vor­über war, um so viel wie mög­lich von der Fri­sche des ers­ten Ein­drucks ein­zu­fan­gen. Mitt­ler­wei­le hät­te er ein biss­chen Federn gelas­sen, mein

Platz 4: Frank­reich – Bil­al Hassa­ni: Roy (König)

Denn dass der blut­jun­ge, gen­der­flui­de und quee­re Fran­zo­se nicht zu den aller­stärks­ten Sän­gern der Gran­de Nati­on zählt und sei­ne spie­le­ri­sche Selbst­be­haup­tungs­hym­ne kom­po­si­to­risch nicht unbe­dingt das am stärks­ten glit­zern­de Juwel des aktu­el­len Jahr­gangs dar­stellt, dar­über herrsch­te wohl bereits nach sei­ner durch das von sei­nen You­tube- und Ins­ta-Fol­lo­wer/in­nen geka­per­te Tele­vo­ting beim fran­zö­si­schen Vor­ent­scheid Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on her­bei­ge­führ­ten Akkla­ma­ti­on ziem­li­che Einig­keit, auch hier beim Haus­her­ren. Doch zu prä­sent zeig­te sich da noch der Ein­fluss sei­ner Hin­ter­grund­ge­schich­te: bekannt­ge­wor­den durch die Cas­ting­show The Voice Kids, wo er bra­vou­rös den Sie­ger­song ‘Rise like a Phoe­nix’ sei­nes Idols Con­chi­ta Wurst cover­te, seit sei­nem Com­ing-Out im Jah­re 2017, aber erst recht nach sei­nem Sieg im Vor­ent­scheid schlim­mer­wei­se ver­folgt von Hass und Todes­dro­hun­gen (nicht nur) in den sozia­len Netz­wer­ken, weck­te er in mir umge­hend sämt­li­che Soli­da­ri­täts- und Beschüt­zer­in­stink­te, die mich sei­nen Bei­trag gewis­ser­ma­ßen auto­ma­tisch gut fin­den las­sen muss­ten. Und Sym­pa­thi­en wecken er und sein Lied bei mir nach wie vor, auch wenn ich ihn nach heu­ti­gem, etwas objek­ti­ve­ren Stand viel­leicht mit Tama­ra Todevs­ka den Platz im Ran­king tau­schen las­sen wür­de.

Erhebt sich über sei­ne Unter­drü­cker: mein Herz schlägt nach wie vor für Bil­al und sei­ne Mes­sa­ge.

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Rank & File 2019: Platz 5 – Az én Apám

Sal­va­dor Sobral, der Sie­ger von 2017, ant­wor­te­te erst unlängst auf eine (ziem­lich über­flüs­si­ge) Inter­view­fra­ge, dass er nicht zwin­gend noch­mal am ESC teil­neh­men möch­te. Ande­re Künstler/innen zieht es hin­ge­gen immer wie­der zurück auf die gro­ße euro­päi­sche Büh­ne, die­ses Jahr allei­ne sind es sechs Wiederkehrer/innen. Zu ihnen zählt auch mein

Platz 5: Ungarn – Joci Pápai – An én Apám (Mein Vater)

Der schö­ne Joschi steu­er­te im Jahr des Sobral-Siegs die hoch­gra­dig ergrei­fen­de Schmer­zens­bal­la­de ‘Ori­go’ zum Gesche­hen bei und erreich­te damit eine der weni­gen Top-Ten-Plat­zie­run­gen des Lan­des. Sein aktu­el­ler Bei­trag folgt einem Trend der bei­den letz­ten Jah­re, ist es doch ein Lied über sei­nen Vater. Aller­dings han­delt es sich nicht um eine bit­te­re Abrech­nung wie bei sei­nen Nach­fol­gern, der unga­ri­schen Rock­band AWS, oder beim dies­jäh­ri­gen ita­lie­ni­schen Kon­kur­ren­ten Mah­mood, son­dern um eine zärt­li­che Elo­ge, eine lie­be­vol­le Erin­ne­rung an sei­nen ver­stor­be­nen Seni­or und die schö­nen, sorg­lo­sen Zei­ten der Kind­heit, die er mit sei­nem Song wie­der zum Leben erweckt. Das klän­ge bei­na­he ein biss­chen kit­schig, wäre das – musi­ka­lisch ver­gleichs­wei­se simp­le und fröh­li­che Lied­chen – nicht durch­zo­gen von einer lei­sen, unauf­dring­li­chen, aber dadurch um so prä­sen­te­ren Melan­cho­lie. Erneut stellt Pápai unter Beweis, das man die Spra­che nicht ver­ste­hen muss, um die Inten­ti­on des Künst­lers zu ver­ste­hen; dass Musik direkt das Herz berüh­ren kann. Den Auf­tritt beim natio­na­len Vor­ent­scheid A Dal, wo er sich unter ande­rem gegen den eben­falls vom ESC bekann­ten András Kál­lay-Saun­ders durch­setz­te, bestritt Joci wie wei­land San­die Shaw bar­fuß und ohne Begleit­tän­ze­rin, was die Inti­mi­tät sei­nes Bei­trags noch ver­stärk­te.

Schlicht, aber stim­mungs­voll: Joci bei A Dal.

wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 5 – Az én Apám