Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Ein in jeder Hin­sicht merk­wür­di­ger Euro­vi­si­ons­abend, den die ARD ges­tern auf die Bei­ne stell­te, und der es fer­tig brach­te, einer­seits Salz in die von der Coro­na-beding­ten Absa­ge des eigent­li­chen Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam ver­ur­sach­te Wun­de zu streu­en und gleich­zei­tig für lin­dern­des Lab­sal zu sor­gen. Ein wirk­lich gro­ßes Lob jeden­falls muss dem NDR aus­ge­spro­chen wer­den für die so eigen­sin­ni­ge wie rich­ti­ge Ent­schei­dung, aus der Simul­tan­aus­strah­lung des von­sei­ten der EBU orga­ni­sier­ten, zen­tra­len Ersatz­pro­gramms Euro­pe shi­ne a Light aus­zu­sche­ren und statt­des­sen ein eige­nes, deut­sches ESC-Fina­le zu pro­du­zie­ren. Sowie das letz­ten Sams­tag auf dem Spar­ten­sen­der One vor­aus­ge­gan­ge­ne Halb­fi­na­le, bei wel­chem die Zuschauer:innen und die hun­dert­köp­fi­ge NDR-Aus­wahl­ju­ry aus allen 41 Wett­be­werbs­bei­trä­gen (minus dem deut­schen) die zehn Titel für die gest­ri­ge Show bestimm­ten. Die fand nun aus­ge­rech­net in den prunk­vol­len Hal­len der skan­dal­um­wit­ter­ten Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie statt, nach dem Flug­ha­fen BER und Stutt­gart 21 das bekann­tes­te deut­sche Steu­er­geld-Mil­lio­nen­grab die­ses Jahr­hun­derts und somit ein augen­fäl­li­ges Sinn­bild für die Kri­se, in wel­che wir uns durch das per­ma­nen­te Leben über unse­re Ver­hält­nis­se hin­ein­ma­nö­vriert haben und von denen die aktu­el­le Pan­de­mie nur ein klei­ner (und ver­mut­lich noch der harm­lo­ses­te) Teil ist.

Sag ja zu PIN & TAN: das däni­sche Bank­be­am­ten­pär­chen.

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World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Den­nis und Ben­ni Wol­ter © Funk

Ein töd­li­cher Ver­kehrs­un­fall mit zahl­lo­sen Betei­lig­ten, des­sen schau­rig-mor­bi­der Fas­zi­na­ti­on man sich über geschla­ge­ne vier Stun­den nicht zu ent­zie­hen ver­moch­te, so lässt sich das gest­ri­ge deut­sche Euro­vi­si­ons-Halb­fi­na­le 2020 beschrei­ben. Mit wel­chem die ARD ver­such­te, trotz der seu­chen­be­ding­ten Absa­ge des offi­zi­el­len euro­pa­wei­ten Wett­be­werbs wenigs­tens auf natio­na­ler Ebe­ne ein adäqua­tes Ersatz-Event auf die Bei­ne zu stel­len, wofür der Sen­der­ver­bund gar nicht oft genug gelobt wer­den kann. Grund­sätz­lich nicht ver­kehrt auch die Idee zur Zusam­men­ar­beit mit Funk, der haus­ei­ge­nen You­tube-Spiel­wie­se, mit wel­cher die Öffent­lich-Recht­li­chen dar­auf reagie­ren, dass Zuschauer:innen unter 30 mitt­ler­wei­le durch klas­si­sches linea­res Fern­se­hen prak­tisch nicht mehr zu errei­chen sind. Zu Funk gehö­ren inhalt­lich so her­vor­ra­gen­de Kanä­le wie bei­spiels­wei­se die Dat­tel­tä­ter oder das Mai­Lab, die auch für Men­schen außer­halb der wer­be­re­le­van­ten Ziel­grup­pe unter­halt­sam auf­be­rei­te­ten Erkennt­nis­ge­winn bereit­hal­ten. Aller­dings auch eher frag­wür­di­ge Come­dy-For­ma­te wie das World Wide Wohn­zim­mer der Düs­sel­dor­fer Zwil­lin­ge Den­nis und Ben­ni Wol­ter, bereits vor ihrem Wech­sel zu Funk aus­ge­spro­chen erfolg­rei­che You­tube-Stars.

Nur weni­ge Tage nach Aus­strah­lung hat die ARD das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020 auf You­tube wie­der depu­bli­ziert. War­um zur Höl­le nur schlägt mir der Sen­der immer wie­der alle Argu­men­te zur Ver­tei­di­gung der Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht mut­wil­lig aus den Hän­den? Ist die ARD tat­säch­lich so sui­zi­dal ver­an­lagt?

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Tanz den Horn: der NDR ret­tet erneut den Grand Prix

Knap­pe sie­ben Wochen ist es nun her, dass die EBU den Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie absa­gen muss­te. Genau so lan­ge herrsch­te hier auf dem Blog nun Funk­stil­le. Das hat­te haupt­säch­lich zu tun mit zwei maß­geb­li­chen Ent­schei­dun­gen der Gen­fer in die­sem Zusam­men­hang, die dem Haus­her­ren jeg­li­che Lust auf die wei­te­re Beschäf­ti­gung mit dem Jahr­gang nach­hal­tig ver­trie­ben. Denn – aus­ge­rech­net der NDR macht dies nun vor – natür­lich hät­te man, ent­spre­chen­den Wil­len vor­aus­ge­setzt, einen vir­tu­el­len Wett­be­werb mit allen 41 Bei­trä­gen unter Ein­satz von Live­au­f­zeich­nun­gen oder Video­clips und mit Publi­kums­ab­stim­mung orga­ni­sie­ren kön­nen. Das von der EBU statt­des­sen kon­zi­pier­te Ersat­ze­vent Euro­pe shi­ne a Light, das nun am 16. Mai euro­pa­weit über die Bild­schir­me flim­mern soll (in der ARD ab 22:00 Uhr), ver­zich­tet aber gera­de auf das essen­ti­el­le Kern­ele­ment des Song Con­tests, näm­lich die Abstim­mung, und ist damit kom­plett wert­los. Ledig­lich Aus­schnit­te (!) aus den Video­clips der 41 Lie­der will man dort zei­gen, ein­ge­bet­tet in ein Rah­men­pro­gramm. Mit ande­ren Wor­ten: eine Schnip­sel­show. Ein net­ter TV-Hap­pen, aber natür­lich kein adäqua­ter Ersatz für den Wett­be­werb.

Nach­zu­lie­fern gilt es noch die letz­ten bei­den für Rot­ter­dam aus­ge­wähl­ten und hier noch nicht bespro­che­nen ESC-Bei­trä­ge. Wie der aus Mal­ta, zu dem mir aller­dings nur ein ein­zi­ges Wort ein­fällt: meh.

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Wegen Coro­na-Kri­se: ESC 2020 abge­sagt

Für hart­ge­sot­te­ne Fans wie mich fühlt sich genau so die Apo­ka­lyp­se an: 64 Mal fand seit 1956 der Euro­vi­si­on Song Con­test in unun­ter­bro­che­ner Fol­ge jähr­lich statt. Noch nicht ein­mal die Krie­ge im ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wi­en oder in der Ukrai­ne konn­ten den euro­päi­schen Fest­spie­len der leich­ten Muse etwas anha­ben. Ein unsicht­ba­res Virus brach unser aller Lieb­lings­event nun das Genick: wie es ange­sichts der sich täg­lich ver­schär­fen­den Nach­rich­ten­la­ge schon zu befürch­ten stand, sag­te die EBU heu­te Nach­mit­tag die Aus­tra­gung des Wett­be­werbs im Mai 2020 in Rot­ter­dam ab. Auf­grund der auch in den Nie­der­lan­den aktu­ell ver­füg­ten Ver­an­stal­tungs­ver­bo­te, und da der­zeit nicht abzu­se­hen ist, wie lan­ge die­se bestehen blei­ben, habe die Show weder ver­legt noch als Geis­ter­ver­an­stal­tung vor lee­ren Rän­gen orga­ni­siert wer­den kön­nen, so Jan Ola Sand in einem Video. Von den Fans bereits gekauf­te Kar­ten sol­len vor­aus­sicht­lich ihre Gül­tig­keit behal­ten, da man vor­ha­be, den 65. Jahr­gang des Euro­vi­si­on Song Con­test statt­des­sen 2021 im Ahoy statt­fin­den zu las­sen. Wel­che Aus­wir­kun­gen die­se Ent­schei­dun­gen für die 41 aus­ge­wähl­ten Songs und Künstler:innen nach sich zie­hen, steht der­zeit noch nicht fest. Und auch, wenn die­se Ent­schei­dung im Hin­blick auf die Gesund­heit der Teilnehmer:innen und Fans wohl unum­gäng­lich war (und noch zu den am wenigs­ten dra­ma­ti­schen Maß­nah­men die­ser Tage zählt), nimmt sie mir gera­de ziem­lich das Licht am Ende des Tun­nels, in den wir gera­de für die nächs­ten Wochen und Mona­te ein­fah­ren. Bleibt nur, all mei­nen Leser:innen zu wün­schen, dass Ihr heil da durch kommt.

Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Das Land des Feu­ers scheint beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 eine Art Res­te­ver­wer­tung zu betrei­ben. Zunächst ver­kün­de­te der zustän­di­ge Sen­der Icti­mai Ende Febru­ar 2020, dass die 28jährige ehe­ma­li­ge The Voice-Teil­neh­me­rin Sami­ra Efen­di, die sich zuvor schon vier­mal erfolg­los um die Grand-Prix-Reprä­sen­tanz bewor­ben hat­te, heu­er Aser­bai­dschan ver­tre­ten dür­fe, nach­dem sie sich in einer inter­nen Jury­wahl gegen vier Kon­kur­ren­ten durch­set­zen konn­te. Heu­te ver­öf­fent­lich­te der Sen­der ihren Bei­trag ‘Cleo­pa­tra’, ein ziem­lich cam­pes, ori­en­ta­lisch aro­ma­ti­sier­tes Uptem­po-Mach­werk, zu dem ich vor mei­nem geis­ti­gen Auge bereits Hor­den von Fans aller­lei Geschlechts im Euro­club den Tanz der sie­ben Schlei­er auf­füh­ren sehe und das fast so viel die­bi­sches Ver­gnü­gen berei­tet wie Lore­na Bućans ‘Tower of Baby­lon’ aus der letzt­jäh­ri­gen Dora. Die ‘Cleo­pa­tra’ muss zuvor wohl bereits eini­ge Run­den durch Euro­pas TV-Sta­tio­nen gedreht haben: auch die san­ma­ri­ne­si­sche Ver­tre­te­rin Sen­hit nahm pro­be­hal­ber eine Ver­si­on davon auf, ent­schied sich dann aber gegen den Song.

Die­se Nase (Asterix-Leser:innen wis­sen, was ich mei­ne!): Sami­ra Efen­di.

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San Mari­no 2020: In the Dis­co

Es scheint grund­sätz­lich nur zwei Arten von Men­schen erlaubt zu sein, das klei­ne San Mari­no beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu ver­tre­ten, und die hei­ßen ent­we­der Valen­ti­na Monet­ta oder S**h*t. Der sexy Dis­co-Dad­dy Ser­hat war bereits letz­tes Jahr an der Rei­he, daher hol­te SMTV heu­er Sen­hit Zadik Zadik aus der Ver­sen­kung. Die lang­weil­te uns 2011 in Düs­sel­dorf mit dem super­sprö­den ‘Stand by’ zu Tode, da noch unter dem Namen Senit, und schied zu Recht im Semi aus. Für Rot­ter­dam lern­te sie zumin­dest aus ihren Feh­lern und ver­sucht es heu­er mit dem­sel­ben Rezept wie ihr erfolg­rei­cher Vor­gän­ger: mit der guten, alten Dis­co! Yay! Um etwas künst­li­chen Hype zu erzeu­gen, ver­an­stal­te­te die im ita­lie­ni­schen Bolo­gna auf­ge­wach­se­ne Sän­ge­rin auf ihrer Inter­net­sei­te gar noch einen klei­nen Instant-Vor­ent­scheid, bei dem sich inter­es­sier­te Fans einen Tag lang zwi­schen zwei Bei­trä­gen ent­schei­den konn­ten: dem ver­gleichs­wei­se lah­men Mid­tem­po­ti­tel ‘Obses­sed’ und dem glück­li­cher­wei­se sieg­rei­chen, herr­lich bil­li­gen Dis­co-Ban­ger ‘Fre­aky’. Manch­mal kommt das Bes­te halt tat­säch­lich zum Schluss!

Den täto­wier­ten Tän­zer aus dem Clip bit­te unbe­dingt nach Rot­ter­dam mit­neh­men, Sen­hit!

Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goo­de

In der Abend­aus­ga­be sei­ner TV-Nach­rich­ten stell­te der nord­ma­ze­do­ni­sche Sen­der MRT vor weni­gen Minu­ten den Video­clip zu sei­nem Euro­vi­si­ons­bei­trag 2020 vor. Der heißt sehr sim­pel ‘You’ und wird gesun­gen von Vasil Gar­v­an­liev, der bereits letz­tes Jahr in Tel Aviv als Chor­kna­be für die Jury­sie­ge­rin Tama­ra Todevs­ka im Ein­satz war. Der in Maze­do­ni­en gebo­re­ne Vasil wuchs haupt­säch­lich in den USA auf, seit sei­ner Rück­kehr in die frü­he­re jugo­sla­wi­sche Repu­blik konn­te er dort meh­re­re Hits plat­zie­ren. Sein Euro­vi­si­ons­bei­trag, der gegen die­sen Kata­log natür­lich deut­lich abfällt, mün­det nach einem ein­mi­nü­ti­gen, von spar­sam ein­ge­setz­ten Akkor­de­on­klän­gen und einer fast ori­en­ta­lisch anmu­ten­den Gesangs­füh­rung beglei­te­ten Vor­spiel in einem boun­cen­den Refrain, der bei­na­he aus­schließ­lich aus der man­tra­ar­ti­gen Wie­der­ho­lung der Hook­li­ne “I just wan­na dance with you” besteht. Ja, liebe:r Leser:in, Sie hören rich­tig: es ist ein eska­pis­ti­scher, hart kicken­der Tanz­flä­chen­stamp­fer, den uns Maze­do­ni­en hier ser­viert. Kei­ne Sor­gen wer­den beweint, kei­ne Pro­ble­me har­ren ihrer Lösung: Vasil will ein­fach nur ein biss­chen unver­bind­li­chen Spaß. Und man möch­te vor Freu­de und Erleich­te­rung wei­nend auf die Knie fal­len, ihn lob­prei­sen und gebe­ne­dei­hen, dass er dem dürs­ten­den Volk end­lich den lan­ge ersehn­ten Upper mit­ge­bracht hat. ‘You’ erfin­det trotz sei­ner wun­der­schön deko­ra­tiv mäan­dern­den Melo­die­li­ni­en das Rad nicht neu, aber das muss er auch nicht. Ich nehm’s auch so, mit Hand­kuss.

Den tie­fen Blick, den Vasil am Anfang des Vide­os dem Bar­kee­per zuwirft, emp­fin­de ich per­sön­lich als glaub­wür­di­ger. Aber da mag der Wunsch Vater des Gedan­ken sein.

Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Das Zweit­bes­te ist immer das Erst­schlech­tes­te. Die­se Lek­ti­on lehr­te uns (mal wie­der) das gest­ri­ge Fina­le des Fes­ti­val da Can­ção, bei dem sich in der Abstim­mung Publi­kum und Jurys nicht eini­gen konn­ten und in Fol­ge des­sen sich die in bei­den Votings ledig­lich Zweit­plat­zier­te Eli­sa Sil­va durch­set­zen konn­te. Mit einer für mei­ne Ohren graus­lich gesun­ge­nen, stein­schwe­ren Bal­la­de namens ‘Medo de Sen­tir’ (‘Angst vor dem Gefühl’), mit denen sich das Urlaubs­land mal wie­der als aus­sichts­rei­cher Bewer­ber für den letz­ten Platz im ESC-Semi­fi­na­le in Stel­lung bringt. Nicht nur, dass das kaum zu ertra­gen­de, depres­si­ve Geflen­ne der aus Madei­ra stam­men­den Künst­le­rin im dies­jäh­ri­gen, sich gera­de zum ein­schlä­fernds­ten Euro­vi­si­ons­jahr­gang seit 1961 ent­wi­ckeln­den Oze­an der Jam­mer­bal­la­den voll­kom­men unter­geht. Im FdC-Fina­le belei­dig­te Eli­sa zudem mit einem Büh­nen­fum­mel aus der Abtei­lung “Fest­li­che Abend­ro­be für die Dame ab Hun­dert”, bestehend aus einer über alle Maßen puf­fi­gen, bei­gen Blu­se und einem boden­lan­gen Rock aus dem­sel­ben auber­gi­ne­far­be­nen Glit­zer­stoff, aus dem auch das Kleid der sie beglei­ten­den Pia­nis­tin genäht war, die Augen des mode­be­wuss­ten Publi­kums. Ohren- und Augen­krebs in nur einem Auf­wasch, ergänzt von dem drin­gen­den Wunsch, sich das Leben neh­men wol­len ange­sichts des gan­zen Elen­des, das muss Por­tu­gal erst mal jemand nach­ma­chen.

Pao­la hat ange­ru­fen und will ihren Kla­mot­ten­ge­schmack zurück: Eli­sa Sil­va.

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DMGP 2020: Run­ning sca­red

Vor kom­plett lee­ren Rän­gen fand das däni­sche Melo­di Grand Prix 2020 statt. Nicht etwa, weil die Zuschauer:innen end­gül­tig genug gehabt hät­ten von dem faden Musik­brei, denen ihnen der ver­ant­wort­li­che Sen­der DR Jahr für Jahr dort kre­denzt, und den Vor­ent­scheid boy­kot­tiert hät­ten. Viel­mehr ent­schied die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche däni­sche Minis­ter­prä­si­den­tin Met­te Fre­de­rik­sen nur einen Tag vor der Show, im Zuge der gras­sie­ren­den Coro­no­vi­rus-Hys­te­rie alle öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen mit mehr als tau­send Zuschauer:innen zu unter­sa­gen. Nun hat­te der Sen­der die das rund Zehn­fa­che fas­sen­de Roy­al Are­na in Kopen­ha­gen bereits gebucht, die Pro­ben schon durch­ge­führt. Eine Ver­le­gung der Sen­dung schied aus ter­min­li­chen Grün­den aus, und so ent­schied man sich für eine Geis­ter­show in einer lee­ren Hal­le. Was einen beson­ders iro­ni­schen Biss dadurch erhält, dass die zehn aus­ge­wähl­ten Wett­be­werbs­ti­tel sich – wie für das Land üblich – als musi­ka­lisch der­ar­tig ste­ril erwie­sen, dass kein noch so bös­ar­ti­ges Virus dage­gen eine Chan­ce beses­sen hät­te. Tra­di­tio­nell sor­tier­te ein ers­tes 50/50-Voting alle Bei­trä­ge weg, die auch nur in Spu­ren­ele­men­ten Leben besa­ßen. Unter den fürs Gold­fi­na­le ver­blie­be­nen Drei stimm­ten die dort allei­ne ent­schei­dungs­be­rech­tig­ten Dän:innen dann wenig über­ra­schend für das hete­ro­se­xu­el­le Pär­chen und das Seich­tes­te aller DMGP-Lie­der.

Ell & Nik­ki rel­oa­ded: Ben & Tan sagen ‘Yes’ zuein­an­der. 

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Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein ein­zi­ges gott­ver­damm­tes Pünkt­chen trenn­te am Ende einer ner­ven­auf­rei­ben­den Abstim­mung beim dies­jäh­ri­gen Melo­di­fes­ti­va­len die Sie­ge­rin­nen von der Fan-Favo­ri­tin. Immer­hin war es hier nicht die Schuld der inter­na­tio­na­len Jury: die zeig­te sich näm­lich genau so gespal­ten wie das Publi­kum und bedach­te bei­de Betei­lig­ten mit der exakt glei­chen Stim­men­zahl. So, dass es allei­ne den schwe­di­schen Televoter:innen oblag, für Klar­heit zu sor­gen. Und die ent­schie­den sich mit einem wirk­lich nur hauch­dün­nen Vor­sprung von 0,1% der abge­ge­be­nen Stim­men für The Mamas, den Begleit­chor des Vor­jah­res­ver­tre­ters John Lundvik, die heu­er, geschrumpft vom Quar­tett zum Trio, selbst ange­tre­ten waren im Kampf um die Fahr­kar­te nach Rot­ter­dam. Sel­bi­ge ergat­ter­ten die drei schwar­zen, stimm- wie figur­ge­wal­ti­gen Diven Lou­lou Lamot­te (wenn das kein fabel­haf­ter Drag-Name ist!), Ash­ley Hay­nes und Dinah Yonas Man­na mit ihrem uplif­ten­den Gos­pel-Pop­song ‘Move’ und einer simp­len, aber vor schie­rer Ener­gie und posi­ti­ver Aus­strah­lung nur so bers­ten­den Büh­nen­show. Und spä­tes­tens, als nach der Tro­phä­en­über­ga­be durch Lundvik bei der Sie­ger­re­pri­se bei einer der Drei­en die Freu­den­trä­nen flos­sen und ihr vor Gerührt­heit kurz die Stim­me ver­sag­te, muss­te jedem, der ein Herz besitzt, die­ses augen­blick­lich dahin schmel­zen.

Three Tons of Fun: die abso­lut ado­rablen Mamas.

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