Unsub­stan­ti­al Blues: BNT nomi­niert Vic­to­ria Geor­gi­e­va für Rot­ter­dam

Die 22jährige Vic­to­ria Geor­gi­e­va wird beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 Bul­ga­ri­en ver­tre­ten, wie der ver­ant­wort­li­che Sen­der BNT heu­te annon­cier­te. Bekannt­heit erlang­te die intern bestimm­te Reprä­sen­tan­tin durch ihre Teil­nah­me an der Cas­ting­show X Fac­tor Bul­ga­ria, wobei sie sich durch Beharr­lich­keit aus­zeich­ne­te: schon bei der Erst­aus­strah­lung des For­mats in ihrem Hei­mat­land im Jah­re 2011 bewarb sie sich, schaff­te es aber – auch auf­grund ihres Alters – nicht in die Sen­dung. Was sie nicht davon abhielt, es so lan­ge immer wie­der zu ver­su­chen, bis sie Ende 2015 in der vier­ten Staf­fel end­lich antre­ten durf­te. Übri­gens unter Juro­ren­schaft von Lucy Dia­kovs­ka von den No Angels und in Kon­kur­renz zu Kris­ti­an Kostov, dem ESC-Ver­tre­ter von 2017. Der beleg­te bei X Fac­tor den zwei­ten Rang, Vic­to­ria hin­ge­gen schied als Sechst­plat­zier­te aus. Trotz­dem gelang es ihr, einen Plat­ten­ver­trag klar zu machen, und ihre Sin­gles zei­gen, war­um: Stim­me hat das Mädel, Aus­strah­lung eben­falls. Hin­zu kommt ein Hang zur deko­ra­ti­ven Düs­ter­keit, wie er sich auch in dem knapp vier­mi­nü­ti­gen, leicht ans Prä­ten­tiö­se gren­zen­den Pro­mo-Clip mani­fes­tiert, mit dem BNT heu­te die Sän­ge­rin vor­stell­te. Vic­to­ri­as Label jeden­falls glaubt an sie, schließ­lich finan­ziert es die kom­plet­ten ESC-Teil­nah­me­kos­ten. Könn­te sich rech­nen: wenn ihr Euro­vi­si­ons­bei­trag, auf wel­chen wir aller­dings noch bis März 2020 war­ten müs­sen (buh!), qua­li­ta­tiv mit ihren bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen mit­hal­ten kann, ste­hen die Chan­cen gut, dass Bul­ga­ri­en erneut ganz vor­ne mit­mischt.

Man fragt sich, was die bei­den “bösen Buben” im LKW aus Vic­to­ria her­aus­prü­geln woll­ten: wel­chen Abdeck­stift sie benutzt? (Reper­toire­bei­spiel)

Offi­zi­ell: 41 Natio­nen star­ten beim ESC 2020

Zwei raus – zwei rein: mit 41 bleibt die Anzahl der von der EBU heu­te bestä­tig­ten Teil­neh­mer­na­tio­nen beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam gegen­über Tel Aviv unver­än­dert hoch. Oder, je nach Sicht­wei­se, nied­rig: den bis­he­ri­gen Rekord von 43 Län­dern, zuletzt ein­ge­stellt in Lis­sa­bon, holt die EBU nicht wie­der ein. Von dem im Vor­jahr betei­lig­ten Natio­nen sag­ten zwei ab: das klei­ne Mon­te­ne­gro aus finan­zi­el­len Grün­den, das unter dem Popu­lis­ten Vik­tor Orbán zuse­hends ins Faschis­ti­sche drif­ten­de Ungarn wohl eher aus kul­tu­rel­len. Dort folgt man dem trau­ri­gen Vor­bild der seit 2013 beim ESC absen­ten Tür­kei und igelt sich kul­tu­rell ein: zwar ist für 2020 eine wei­te­re A Dal geplant, aller­dings nicht wie bis­her in der Funk­ti­on eines Vor­ent­scheids. “Anstel­le einer Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 wol­len wir die wert­vol­len Pro­duk­tio­nen der unga­ri­schen Pop­mu­sik­ta­len­te direkt för­dern,” hieß es in einer Pres­se­aus­sen­dung des zustän­di­gen Sen­ders MTVA. Wer bei A Dal 2020 siegt, soll mit Radio-Pro­mo­ti­on und sen­der­sei­ti­ger “Unter­stüt­zung bei der Ent­wick­lung der Musik­kar­rie­re” wie zum Bei­spiel “der Chan­ce, bei den pres­ti­ge­träch­tigs­ten unga­ri­schen Fes­ti­vals auf­zu­tre­ten,” ent­lohnt wer­den. Ungarn lässt also nicht nur wei­ter­hin kei­nen mehr rein, son­dern auch kei­nen mehr raus, zumin­dest auf der euro­päi­schen Pop-Büh­ne.

Die Gefahr, erneut einen talen­tier­ten Rom wie Joci Pápai als Ver­tre­ter Ungarns schi­cken zu müs­sen, will Orbán offen­bar nicht mehr ein­ge­hen. Lie­ber bleibt man gleich unter sich.

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Der eine ESC-Song, den nie­mand mag

Bei Dis­kus­sio­nen mit ande­ren Grand-Prix-Fans oder dem Lesen von Kom­men­ta­ren stellt man immer wie­der erstaunt fest: selbst die scheuß­lichs­ten Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge haben ihre Anhänger*innen. Aber es muss doch in der lan­gen ESC-Geschich­te mit ihren vie­len musi­ka­li­schen Miss­grif­fen wenigs­tens einen ein­zi­gen Song geben, bei dem sich im Hin­blick auf sei­ne feh­len­de Attrak­ti­vi­tät mal aus­nahms­los alle einig sind? Dies her­aus­zu­fin­den, mach­te sich der selbst für eini­ge Rohr­kre­pie­rer wie zum Bei­spiel ‘Et cete­ra’ von Sinéad Mul­vey ver­ant­wort­li­che schwe­di­sche Kom­po­nist Jonas Glad­nik­off mit­hil­fe des inter­na­tio­na­len Fan-Bords auf ESC Nati­on zur Auf­ga­be und ver­an­stal­te­te dort ein Voting mit rund 70 Teilnehmer/innen über den am wenigs­ten gemoch­ten Euro­vi­si­ons­ti­tel von 1956 bis heu­te. Und sie­he da: es gibt tat­säch­lich ein Lied, das mit Nul Points als unfrei­wil­li­ger Sie­ger aus der Abstim­mung her­vor­ging und damit offi­zi­ell als unbe­lieb­tes­ter Grand-Prix-Bei­trag aller Zei­ten gel­ten darf. Die zwei­fel­haf­te Ehre geht an den gebür­ti­gen Grie­chen Jim­my Maku­lis, der im Jah­re 1961 mit der strei­cher­sat­ten Bal­la­de ‘Sehn­sucht’ Öster­reich ver­trat. Die ESCN-Voter*innen sind sich in der Bewer­tung übri­gens einig mit den dama­li­gen Juror*innen, die Maku­lis sei­ner­zeit einen geteil­ten letz­ten Platz zuwie­sen.

Nie­mand ver­spürt ‘Sehn­sucht’ nach die­sem Lied: Jim­my Maku­lis sülzt sich umsonst die See­le aus dem Leib.

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Jury-Tele­vo­ting-Mix: es bleibt alles beim Alten

Es wäre auch zu schön gewe­sen: gab ein Inter­view mit Toñi Prie­to, der spa­ni­schen Dele­ga­ti­ons­lei­te­rin beim ESC, letz­te Woche noch Anlass zur Hoff­nung auf mög­li­che Ände­run­gen im aktu­el­len 50/50-Mix aus Jury und Tele­vo­ting, so begrub Toñis grie­chi­sche Kol­le­gin Maria Koufo­pou­lou die­se ges­tern gegen­über dem hel­le­ni­schen New­s­por­tal Sput­nik­news. Wie Euro­voix aus dem Inter­view zitiert, habe man bei einem Arbeits­tref­fen der Euro­vi­si­ons­de­le­ga­tio­nen im Sep­tem­ber 2019 über die­se Fra­ge debat­tiert. Ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des für die EBU mehr als bla­ma­blen Bela­rus-Gate, aber auch im Hin­blick auf die Schwie­rig­kei­ten, (nicht nur) in klei­ne­ren Natio­nen eine Jury aus “Musik-Exper­t/in­nen” auf­zu­stel­len, deren Mit­glie­der kei­ne bedenk­li­chen Ver­bin­dun­gen zu den Plat­ten­fir­men ihrer Euro­vi­si­ons-Ver­tre­ter/in­nen auf­wei­sen, sei­en meh­re­re Arbeits­grup­pen gebil­det wor­den, die ver­schie­de­ne Vor­schlä­ge für das Voting­ver­fah­ren skiz­zier­ten. Dabei sei­en auch ein rei­nes Tele­vo­ting bzw. eine rei­ne Jury­ab­stim­mung im Gespräch gewe­sen. Die Ergeb­nis­se leg­te man der EBU zur Bewer­tung durch die Mit­glieds­sen­der vor. Hier­auf bezieht sich wohl die Äuße­rung von Frau Prie­to. Aller­dings sprach sich laut Frau Koufo­pou­lou bei einer vor­ab durch­ge­führ­ten Abstim­mung unter den Teilnehmer/innen des Dele­ga­tio­nen­tref­fens eine sat­te Mehr­heit von 80% für die Bei­be­hal­tung des aktu­el­len Jury-Tele­vo­ting-Mixes aus. Damit dürf­te die­ses grund­sätz­lich unan­ge­tas­tet blei­ben, ledig­lich klei­ne­re Ände­run­gen zur bes­se­ren Über­wa­chung der Jurys sind denk­bar und not­wen­dig, um erneu­te Skan­da­le wie 2019 künf­tig zu ver­mei­den.

Dank einer schwe­di­schen Juro­rin, die ihre Wer­tung in der fal­schen Rei­hen­fol­ge abgab, wur­de ihnen der Ein­zug ins Fina­le ver­wehrt: das pol­ni­sche Quar­tett Tulia.

Kei­ne Jurys mehr? EBU holt Stim­mungs­bild ein

Ist end­lich das Ende der unsäg­li­chen Jury beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Sicht? Anlass zu lei­ser Hoff­nung gibt eine Mel­dung von Wiwi­bloggs von ges­tern, die aus einem Inter­view der Unter­hal­tungs­chefin des spa­ni­schen Sen­ders RTVE, Toñi Prie­to, mit dem hei­mi­schen Nach­rich­ten­por­tal ver­te­le! zitiert. Nach ihrer Aus­sa­ge habe die EBU ver­schie­de­ne Euro­vi­si­ons­de­le­ga­tio­nen kon­tak­tiert, um deren Mei­nung zum der­zei­ti­gen Voting­ver­fah­ren bzw. mög­li­chen Ände­run­gen dar­an ein­zu­ho­len. Genf wol­le “wis­sen, wie wir das sehen. Ob man eine Jury haben muss, ob aus­schließ­lich per Jury oder nur durch das Publi­kum” abge­stimmt wer­den sol­le, so Prie­to. Das aktu­el­le 50/50-Ver­fah­ren geriet zuletzt wie­der beim dies­jäh­ri­gen Wett­be­werb in Kri­tik. Nicht nur, dass – nicht zum ers­ten Mal seit der Wie­der­ein­füh­rung der Jury im Jah­re 2009 – dem kla­ren Sie­ger im Tele­vo­ting, dem nor­we­gi­schen Trio Kei­i­no, auf­grund einer mas­si­ven Abwer­tung durch die “Pro­fis” die Kro­ne vor­ent­hal­ten blieb: auch die Jury­fa­vo­ri­tin Tama­ra Todevs­ka aus Nord­ma­ze­do­ni­en konn­te sich in der Gesamt­wer­tung nicht durch­set­zen, so dass mit Dun­can Lau­rence aus den Nie­der­lan­den ein Teil­neh­mer gewann, der weder beim Publi­kum noch bei den Jurys führ­te.

Was für ein Arsch: der anmu­ti­ge Dun­can war trotz vol­len Kör­per­ein­sat­zes am Ende nur Ver­le­gen­heits­sie­ger.

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Vid­bir 2020 mit Krim-Klau­sel

Wie esc­to­day heu­te unter Bezug­nah­me auf den ukrai­ni­schen Staats­sen­der UA:PBC mit­teilt, imple­men­tiert die­ser in die Teil­nah­me­be­din­gun­gen für sei­nen natio­na­len Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Vid­bir eine Aus­schluss­re­gel für Künstler*innen, die mit dem ver­fein­de­ten Russ­land kol­la­bo­rie­ren. An der Vid­bir teil­neh­men darf nur noch, wer seit 2014 nicht im Gebiet der Föde­ra­ti­on auf­ge­tre­ten ist oder dort auf­zu­tre­ten beab­sich­tigt. Auch eine Rei­se auf die Halb­in­sel Krim seit ihrer Anne­xi­on durch Russ­land stellt ein Aus­schluss­kri­te­ri­um dar. UA:PBC reagiert damit auf das Deba­kel um den dies­jäh­ri­gen Vor­ent­scheid, das zu einem Rück­zug des Lan­des vom Wett­be­werb in Tel Aviv führ­te, nach­dem die Sie­ge­rin Maruv sich wei­ger­te, im Nach­gang zu ihrer Akkla­ma­ti­on einen Ver­trag zu unter­schrei­ben, der ihr künf­ti­ge Auf­trit­te in Russ­land unter­sag­te. Vor­aus­ge­gan­gen waren hef­ti­ge Angrif­fe der Juro­rin und ESC-Sie­ge­rin von 2016, Jama­la, die Maruv in der Live-Sen­dung auf­grund ver­gan­ge­ner und geplan­ter Kon­zer­te auf dem Gebiet der Föde­ra­ti­on, für vie­le ukrai­ni­sche Künstler*innen eine essen­ti­el­le Ein­nah­me­quel­le, man­geln­de Vater­land­streue vor­warf. Der Sen­der­ver­ant­wort­li­che Zurab Ala­sa­nia begrün­de­te die nun ver­ab­schie­de­te Regel damit, dass der oder die “Repräsentant:in der Ukrai­ne nicht nur ein:e talentierte:r, tolle:r Künstler:in” sein müs­se, son­dern sich auch sei­ner bzw. ihrer “Ver­ant­wor­tung bewusst sein” und die “Wer­te der Ukrai­ne” ver­tre­ten müs­se. Es bleibt abzu­war­ten, wie sehr sich die Ein­schrän­kung auf das Teil­neh­mer­feld des Vor­ent­scheids und auf das dort übli­che Dra­ma-Level aus­wirkt. Die drei­tei­li­ge Vid­bir fin­det erneut in Zusam­men­ar­beit mit dem Pri­vat­sen­der STB statt, das Fina­le ist für den 22. Febru­ar 2020 ange­setzt.

Geld oder Vater­lands­lie­be? Maruv ent­scheid sich für Ers­te­res, ein her­ber Ver­lust für den ESC.

How looks the Trum­pet: RTVE nomi­niert Blas Can­tó für Rot­ter­dam

Sein Vor­na­me bringt in mir unwei­ger­lich den prä­pu­ber­tä­ren Zehn­jäh­ri­gen zum Kichern: ges­tern gab das spa­ni­sche Fern­se­hen bekannt, dass der 27jährige Blas (hihihi) Can­tó More­no beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 die ibe­ri­sche Halb­in­sel ver­tre­ten wird. Der schmu­cke jun­ge Mann ver­sucht bereits seit 15 Jah­ren ver­ge­bens, sein Land zu reprä­sen­tie­ren: 2004 bewarb er sich zum ers­ten Mal, damals noch für den Juni­or-ESC, schei­ter­te aber im Vor­ent­scheid. Das­sel­be Schick­sal ereil­te ihn 2011, wo er es als Teil der popu­lä­ren Boy­band Auryn zwar ins Super­fi­na­le der Desti­no Euro­vi­sión schaff­te, dort aber den Kür­ze­ren gegen Lucía Pérez zog. Dies­mal ver­zich­te­te der Sen­der RTVE vor­sichts­hal­ber gleich ganz auf ein öffent­li­ches Vor­auswahl­ver­fah­ren und nomi­nier­te Blas (hihihi) direkt. Der aus einem Tau­send-See­len-Dorf in der süd­spa­ni­schen Pro­vinz stam­men­de Künst­ler ver­öf­fent­lich­te nach der Auf­lö­sung von Auryn im Jah­re 2018 sein ers­tes Solo­al­bum ‘Com­pli­ca­do’ mit som­mer­lich-luf­ti­gem Radio­pop, das in der Hei­mat die Album­charts topp­te und aus dem bereits meh­re­re Hit­sin­gles her­vor­gin­gen. Beglei­tet übri­gens von Video­clips, in denen der nur 1 Meter 70 gro­ße Sän­ger einen auf­fäl­li­gen Hang zum Tra­gen über­aus fut­ti­ger Jacken zeig­te. Auf sein Lied für Rot­ter­dam wer­den wir wohl noch eini­ge Zeit war­ten müs­sen; der­zeit sich­ten Blas (hihihi) und RTVE geeig­ne­tes Song-Mate­ri­al, mit dem das beim euro­päi­schen Musik­wett­be­werb chro­nisch unter­be­wer­te­te Land hofft, end­lich das Tal der Trä­nen hin­ter sich las­sen zu kön­nen.

Wer wür­de ihn da schon raus­wer­fen wol­len: Blas (hihihi) mit sei­ner Solo-Debüt-Sin­gle ‘In your Bed’ (Reper­toire­bei­spiel). Doch auch, wenn er Eng­lisch für einen Spa­ni­er erstaun­lich gut beherrscht: in sei­ner Mut­ter­spra­che klingt er sexier.

Gott ist tot

Der tsche­chi­sche Schla­ger­sän­ger Karel Gott, zu sei­nen Glanz­zei­ten in der ZDF-Hit­pa­ra­de von Die­ter Tho­mas Heck stets als “die gol­de­ne Stim­me aus Prag” ange­sagt, starb ges­tern Nacht im Alter von 80 Jah­ren an Leuk­ämie. Der Plat­ten­mil­lio­när, der in sei­ner Hei­mat 42 Mal hin­ter­ein­an­der zum “Sän­ger des Jah­res” gekürt wur­de, lan­de­te 1967 sei­nen ers­ten Top-Ten-Hit in Deutsch­land mit ‘Weißt du wohin?’, einer Ein­deut­schung der Titel­me­lo­die des Kino­epos ‘Dok­tor Schi­wa­go’. Bereits im Jahr dar­auf ver­trat der inter­na­tio­nal täti­ge Künst­ler beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu Lon­don Öster­reich mit dem von Udo Jür­gens geschrie­be­nen Ein­sam-in-der-Groß­stadt-Schmacht­fet­zen ‘Tau­send Fens­ter’, mit der er aller­dings weder die Jurys über­zeu­gen noch einen kom­mer­zi­el­len Erfolg zu gene­rie­ren ver­moch­te. Den hat­te er dann anschlie­ßend: bis weit in die Acht­zi­ger­jah­re hin­ein war er Stamm­gast in der ZDF-Hit­pa­ra­de, zu sei­nen bekann­tes­ten Hits zäh­len Ever­greens wie ‘Ein­mal um die gan­ze Welt’, ‘Fang das Licht’, der gran­dio­se Trä­nen­zie­her ‘Babič­ka’ mit der legen­dä­ren Text­zei­le “Pfer­de schä­len, Äpfel steh­len und erzäh­len, das war Baaa­bitsch­kaaa” und natür­lich die von ihm ein­ge­sun­ge­ne Titel­me­lo­die der Zei­chen­trick­se­rie ‘Die Bie­ne Maja’. Sein Kult­sta­tus im deutsch­spra­chi­gen Raum basier­te dabei neben sei­ner wirk­lich her­vor­ra­gen­den Tenor­stim­me auch immer auf dem von ihm kul­ti­vier­ten, leich­ten Akzent.

1968 gab es halt noch kei­ne Inter­net-Sin­gle­bör­sen: der Gott streift durch die nächt­li­chen Stra­ßen Wiens und schaut durch die Fens­ter.

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Schon wie­der Ers­ter: Één nomi­niert Hoo­ver­pho­nic für Rot­ter­dam

Die Bel­gi­er sind mal wie­der die Ers­ten: vor weni­gen Minu­ten prä­sen­tier­te der flä­mi­sche Sen­der Één die (intern aus­ge­wähl­ten) Repräsentant/innen des kul­tu­rell und sprach­lich geteil­ten Frit­ten­lan­des. Das Trio Hoo­ver­pho­nic wird für Bel­gi­en im Mai 2020 die nicht all zu lan­ge Rei­se in die benach­bar­ten Nie­der­lan­de antre­ten. Die Trip-Hop-For­ma­ti­on exis­tiert in wech­seln­den Beset­zun­gen bereits seit 1996 und fei­ert seit­her bestän­di­ge Erfol­ge. Und auch, wenn sich ihre bis dato ver­öf­fent­lich­ten zehn Stu­dio­al­ben außer­halb der eige­nen Lan­des­gren­zen unge­rech­ter­wei­se kaum ver­kauf­ten, dürf­ten etli­che ihrer oft­mals sym­pho­nisch daher­kom­men­den Melo­di­en vie­len Kinobesucher*innen bekannt sein, fan­den ihre Stü­cke doch bereits als Sound­track in etli­chen Block­bus­tern Ver­wen­dung. Ihr letz­tes Album ‘Loo­king for Stars’, das in Bel­gi­en Gold­sta­tus erreich­te, erschien 2018. Da stieß auch die aktu­el­le, erst 18jährige Front­frau Luka Cruys­berghs, ihres Zei­chens (natür­lich!) The-Voice-Sie­ge­rin, zur Hoo­ver­pho­nic. Sie ist bereits die drit­te Voka­lis­tin in der fast schon ein Vier­tel­jahr­hun­dert wäh­ren­den Band­ge­schich­te. Der deut­lich älte­re Mas­ter­mind des Tri­os, der Pro­du­zent und Kom­po­nist Alex Cal­li­er, ist erklär­ter Euro­vi­si­ons­fan und schrieb an Sen­neks ‘A Mat­ter of Time’ mit. Am bel­gi­schen Bei­trag für Rot­ter­dam arbei­tet er gera­de, ein Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum steht noch nicht fest. Ledig­lich, dass er – wie alle bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen der Band – auf Eng­lisch gesun­gen wird, wis­sen wir. Der Sen­der jeden­falls freut sich wie Bol­le, einen solch dicken Fisch an Land gezo­gen zu haben: “Wir träu­men seit Jah­ren davon, dass Hoo­ver­pho­nic die bel­gi­schen Far­ben ver­tei­di­gen. Toll, dass es jetzt geklappt hat! Für Één ist es eine unbe­schreib­li­che Ehre, die Bes­ten der Bes­ten zum Euro­vi­si­on Song Con­test schi­cken zu kön­nen,” zitiert Wiwi­bloggs den Pres­se­spre­cher. Gro­ße Wor­te – jetzt fehlt nur noch ein gro­ßer Song!

Mein per­sön­li­ches Lieb­lings­stück der Bel­gi­er: das abso­lut bril­lan­te ‘Some­ti­mes’ aus dem Album ‘Hoo­ver­pho­nic pres­ents Jackie Cane’ von 2002 (Reper­toire­bei­spiel), da noch mit ande­rer Front­frau. Wenn ihr ESC-Bei­trag auch nur halb so gut aus­fällt, kön­nen wir uns auf Rot­ter­dam freu­en.

ESC-Sai­son­start 2020: It’s Rot­ter­dam (not any­whe­re)

Die euro­vi­sio­nä­re Som­mer­pau­se hat ein Ende: pünkt­lich zum Geburts­tag des Blog­be­trei­bers gab das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen NPO (Neder­land­se Publie­ke Omro­ep, das hol­län­di­sche Äqui­va­lent zur ARD) heu­te Mit­tag bekannt, dass der nächs­te Euro­vi­si­on Song Con­test am 12., 14. und 16. Mai 2020 in Rot­ter­dam statt­fin­det. Die mul­ti­kul­tu­rel­le Hafen­stadt setz­te sich damit erwar­tungs­ge­mäß im Ren­nen gegen den ein­zi­gen noch ver­blie­be­nen Kon­kur­ren­ten Maas­tricht durch, ver­mut­lich auch auf­grund der bes­se­ren Hal­len­si­tua­ti­on: als Aus­tra­gungs­ort dient der Ver­an­stal­tungs­kom­plex Ahoy, der neben der bis zu 16.000 Zuschauer*innen umfas­sen­den Ahoy Are­na noch fünf wei­te­re Hal­len umfasst, die Platz bei­spiels­wei­se für das Pres­se­zen­trum bie­ten. Mit der am direkt anschlie­ßen­den Ein­kaufs­zen­trum Hart van Zuid lie­gen­den Metro­sta­ti­on Zuid­plan ist das Ahoy sehr ein­fach erreich­bar. Von dort aus ist es nur eine Hal­te­stel­le (Maas­ha­ven) bis zum Euro­club, für den die Par­ty­lo­ca­ti­on Maas­Si­lo gebucht wur­de. In dem dürf­te die Musik­rich­tung, wel­che Rot­ter­dam in den Neun­zi­gern pop­kul­tu­rell welt­weit bekannt mach­te, wohl nicht lau­fen: die fröh­lich-mini­ma­lis­ti­sche Tech­no-Spiel­art Gab­ber fand merk­wür­di­ger­wei­se nie­mals Ein­zug in den Musik­kos­mos des Euro­vi­si­on Song Con­test.

Eine nicht all zu schmei­chel­haf­te Reve­renz erwies die bri­ti­sche Band The Beau­ti­ful South 1996 der nie­der­län­di­schen Groß­stadt.

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