FR 1958: Schlafes Bruder

Frankreich, in der Gründerzeit des Grand Prix Eurovision eines der häufigsten Siegerländer und im Hinblick auf die damalige durchgängige Bestückung des Wettbewerbs mit möglichst frankophil klingenden Chansons stilistisch tonangebend, versuchte es bei seinem Vorentscheid mit stetig wechselnden Verfahren. Ist über die gallische Vorauswahl bei der Premiere von 1956 nicht das Geringste bekannt, so zog man das Verfahren im Jahr darauf sehr groß auf, nämlich mit insgesamt sechs Vorrunden zu je fünf Liedern, interpretiert jeweils von zwei verschiedenen Künstler/innen. Allerdings verzichtete man bizarrerweise auf den Hauptact, das Vorentscheidungsfinale. Stattdessen bestimmte der Sender aus den sieben Vorrundengewinner/innen (im letzten Semi gab es zwei erste Plätze) das Chanson ‚La belle Amour‘ zum französischen Beitrag, ließ es in Frankfurt am Main allerdings, warum auch immer, anstatt von der Originalinterpretin Josette Privat (ein Name wie ein schlechter Pornofilm!) von Paule Desjardins singen. 1958 nun stand der Vertreter des Landes von vorneherein fest: André Claveau, ein zu jener Zeit sehr erfolgreicher Pariser Schnulzensänger und Schlagerfilm-Mitwirkender. Fünf Titel standen für ihn zur Auswahl, die der im Jahre 2003 verstorbene Chansonnier beim Vorentscheid allerdings noch nicht mal selbst singen mussten: die Autor/innen der Lieder erledigten das für ihn. Warum auch immer. Eine Jury bestimmte daraus das sanft einlullende Wiegenlied ‚Dors, mon Amour‘ (‚Schlaf, meine Geliebte‘) – und machte damit den goldenen Griff: Claveau gewann, warum auch immer, gegen starke Konkurrenz den Hauptwettbewerb in Hilversum.

Zur Siegerreprise des Titels beim Vorentscheid bequemt sich André dann doch mal und sang den Text vom Blatt vor.

Vorentscheid FR 1958

Freitag, 7. Februar 1958, aus Paris. Fünf Teilnehmer/innen

#Interpret/inTitelErgebnis
01Charles DumontParigi Roma--
02René DenoncinHéléna02
03Jocelyne JocyaMusique magique--
04Hubert GiraudDors, mon Amour01
05André RichinTape dans tes Mains--

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