San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

Er soll­te einen unsterb­li­chen Welt­hit her­vor­brin­gen, die­ser Jahr­gang des San-Remo-Fes­ti­vals (SRF). Der ita­lie­ni­sche Staats­sen­der Rai hat­te die Orga­ni­sa­ti­on des Wett­be­werbs voll­stän­dig in die Hän­de des Tou­ris­mus­bü­ros der ligu­ri­schen Kur­stadt gelegt und beschränk­te sich auf die Über­tra­gung der Show. Inhalt­lich blieb jedoch alles beim Alten: es gab erneut zwei Vor­run­den mit je zehn Lie­dern, die jeweils von zwei meist arri­vier­ten Künstler/innen unter­schied­lich inter­pre­tiert wur­den. Zehn davon schaff­ten es ins Fina­le am Sams­tag. Dar­un­ter auch eine ein­gän­gi­ge, ohr­wurm­haf­te Melo­die namens ‘Nel blu dipin­to di blu’ (‘In blau gemal­tes blau’: nach Anga­ben des Text­dich­ters sol­len im Rah­men des Krea­tiv­pro­zes­ses meh­re­re Liter Wein geflos­sen sein, was die Wort­wahl viel­leicht erklärt). Vor­ge­tra­gen wur­de sie unter ande­rem von John­ny Dorel­li, einem in Nea­pel gebo­re­nen, aber in New York auf­ge­wach­se­nen New­co­mer, der auf­grund sei­ner jugend­li­chen Aus­strah­lung als einer der Favo­ri­ten galt und mit sei­ner leicht sphä­risch-jaz­zi­gen Inter­pre­ta­ti­on des Titels den Wett­be­werb auch gewann.

Ent­rückt im Welt­all: hier kommt John­ny!

Sta­tue von Dome­ni­co Modug­no in Poli­gna­no

Aber natür­lich nicht allei­ne, son­dern gemein­sam mit dem zwei­ten Sän­ger. Bei die­sem han­del­te es sich – ein Novum beim Fes­ti­val – zugleich um den Schöp­fer des heut­zu­ta­ge als ‘Vola­re’ bekann­ten Lie­des, Dome­ni­co Modug­no, der erst­ma­lig dar­auf bestand, sei­ne Kom­po­si­ti­on selbst sin­gen zu dür­fen und der damit die Kate­go­rie des Can­t­au­to­re begrün­de­te. Bekannt­lich schick­te die Rai den heut­zu­ta­ge als natio­na­les Kul­tur­gut ver­ehr­ten Modug­no, dem sei­ne apu­li­sche Hei­mat­ge­mein­de Poli­gna­no al Mare nach des­sen Tod im Jah­re 1994 sogar ein Denk­mal auf­stell­te, mit sei­ner etwas brä­si­ge­ren Fas­sung des Bei­trags zum Euro­vi­si­on Song Con­test nach Hil­ver­sum. Der Rest ist Geschich­te. Auch wenn Modug­no den Welt­erfolg von ‘Vola­re’ nie mehr top­pen konn­te, schloss sich eine lang­an­hal­ten­de Kar­rie­re als Musi­ker, Schau­spie­ler und sogar Poli­ti­ker an: in den Acht­zi­gern fun­gier­te er als Par­tei­vor­sit­zen­der der lin­ken Par­ti­tio Radi­ca­le.

Efeu haben sie schon ein wenig ange­setzt: hier sin­gen meh­re­re hun­dert Jah­re San-Remo-Geschich­te gemein­sam den zweit­plat­zier­ten Song des SRF 1958.

Hin­ter Modug­no und Dorel­li lan­de­te in der Jury­wer­tung die Sie­ge­rin der bei­den ers­ten, noch aus­schließ­lich im Radio über­tra­ge­nen Fes­ti­va­li, die 2011 ver­stor­be­ne Nil­la Piz­zi, mit der ver­hält­nis­mä­ßig klas­si­schen Bal­la­de ‘L’Edera’ (‘Das Efeu’), in der Hei­mat eben­falls ein ziem­li­cher Hit, wie übri­gens etli­che der dies­jäh­ri­gen Bei­trä­ge. Auch der in die­ser Pha­se nach­ge­ra­de unver­meid­li­che Schnul­zen­kö­nig Clau­dio Vil­la befand sich mit gleich vier Titeln im San-Remo-Fina­le, dar­un­ter dem dritt­plat­zier­ten Schmalz­rie­men ‘Cam­pa­na di San­ta Lucía’ und dem in sei­ner Art irgend­wie ganz put­zi­gen ‘Fra­go­le e Cap­pel­li­ni’ (‘Erd­bee­ren und Stroh­hüt­chen’). Hm, Erd­bee­ren mag ich eigent­lich lie­ber mit Schlag­sah­ne, aber bit­te, jeder nach sei­nem Geschmack!

Clau­dio Vil­la (Mit­te) in Beglei­tung von Fra­go­la (links) und Cap­pe­lini (rechts). Wie vie­le Län­der­punk­te Clau­dio an Bei­de ver­gab, ist unbe­kannt.

Vor­ent­scheid IT 1958

Fes­ti­val del­la Can­zo­ne ita­lia­na di San­re­mo. Sams­tag, 1. Febru­ar 1958, aus dem Casinò Muni­ci­pa­le in San Remo. 14 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Gian­ni Agus und Ful­via Colom­bo.
Interpret/inInterpret/inTitelPunk­tePlatz
Dome­ni­co Modug­noJohn­ny Dorel­liNel blu dipin­to di blu6301
Nil­la Piz­ziTon­i­na Tor­ri­el­liL’Edera4102
Gino Latil­laNil­la Piz­ziAma­re un’altra2203
Clau­dio Vil­laGior­gio Con­so­li­niCam­pa­na di San­ta Lucia1804
Clau­dio Vil­laNil­la Piz­ziGiuro d’amarti così1705
Car­lo Boni + Gino Latil­laAure­lio Fier­ro + Glo­ria Chris­ti­anTimi­da Sere­na­ta1506
Clau­dio Vil­laAure­lio Fier­roFra­go­le e Cap­pel­li­ni1307
Nata­li­no OttoCar­lo Boni + Gino Latil­laNon potrai dimen­ti­ca­re0808
Ton­i­na Tor­ri­el­liCris­ti­na JorioMil­le Vol­te0309
John­ny Dorel­liNata­li­no OttoFan­tasti­ca0110

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1 Gedanke zu “San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

  1. Das “Weltall”-Video mit Dorel­li ist mit Trick-Stop-Moti­on wirk­lich eine frü­he ESC-Show-Per­le! Könn­te auch heu­te noch für Büh­nen­ide­en aus­ge­schlach­tet wer­den.

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