Natio­naal Song­fes­ti­val 1958: Über den Wol­ken

Gegen Cor­ry Brok­ken schien Ende der Fünf­zi­ger­jah­re ein­fach kein Kraut gewach­sen zu sein! Zum drit­ten Mal in Fol­ge trat sie beim nie­der­län­di­schen Natio­naal Song­fes­ti­val an, und zum drit­ten Mal in Fol­ge setz­te sie sich in der Publi­kums­ab­stim­mung mit deut­li­chem Abstand durch. Erneut beleg­te sie sogar gleich die bei­den ers­ten Plät­ze, denn jede/r der dies­mal sechs Teilnehmer/innen durf­te mit zwei Lie­dern antre­ten. Ent­we­der war die 2016 Ver­stor­be­ne, nicht zuletzt auf­grund ihres Siegs beim euro­päi­schen Wett­be­werb in Frank­furt am Main im Vor­jahr, damals tat­säch­lich die belieb­tes­te Sän­ge­rin Hol­lands, oder sie ver­füg­te über einen beson­ders gut orga­ni­sier­ten Fan­club, der flei­ßig Abstim­mungs­post­kar­ten für sie ein­schick­te. Ihre Bal­la­de ‘Heel de Wereld’ (‘Die gan­ze Welt’) brach­te das Kunst­stück fer­tig, gleich­zei­tig unglaub­lich pom­pös und ster­bens­lang­wei­lig zu klin­gen. Kein Wun­der, dass sie beim eben­falls in Hil­ver­sum statt­fin­den­den Grand Prix damit einen Mak­e­makes pull­te und auf dem letz­ten Platz lan­de­te. Wenn auch, anders als die Öster­rei­cher, nicht kom­plett punk­te­los.

Heal the World / make it a bet­ter Place / for you and for me… oh, Ent­schul­di­gung, fal­sches Lied.

Hät­te ihre Kol­le­gin Greet­je Kauf­feld die Grand-Prix-Kro­ne eher ver­tei­di­gen kön­nen? Das ver­mut­lich nicht, auch wenn ihr Lied einer ‘Ste­war­dess’ mit einer kla­ren Punk­te­ab­greifstra­te­gie arbei­te­te: zähl­te es in der zwei­ten Stro­phe doch etli­che euro­päi­sche Haupt­städ­te auf, lenk­te mit poly­glot­ten Text­ein­spreng­seln in fran­zö­sisch, eng­lisch und deutsch geschickt von der unmu­si­ka­li­schen Lan­des­spra­che ab und sorg­te damit zudem für auf­merk­sam­keits­hei­schen­de Hin­hö­rer. Außer­dem wid­me­te es sich mit der sei­ner­zeit nur für beson­ders begü­ter­te Bürger/innen erschwing­li­chen, jet-set-mäßi­gen Flie­ge­rei nicht nur einer Sehn­sucht vie­ler Men­schen, son­dern streif­te damit auch en pas­sant das Kern­the­ma des Euro­vi­son Song Con­test. Denn so, wie das Rei­sen den Hori­zont erwei­tert, brin­gen auch musi­ka­li­sche Grü­ße aus ande­ren euro­päi­schen Län­dern den Viel­völ­ker­kon­ti­nent Euro­pa kul­tu­rell näher zusam­men. Kein Wun­der, dass sich unter den Hard­core-Fans des Con­tests so vie­le Saft­schub­sen bei­der­lei Geschlechts fin­den.

Bit­te anschnal­len und das Rau­chen ein­stel­len:” Greet­je nimmt uns mit auf die Rei­se (hier bei einer Radio­sen­dung zum Hun­dert­jäh­ri­gen des hol­län­di­schen Haupt­stadt-Flug­ha­fens). 

Völ­lig chan­cen­los im Wett­be­werb blie­ben mal wie­der die Män­ner. Dazu zähl­te der Sän­ger, Schau­spie­ler und Fern­seh­mo­de­ra­tor Wil­ly Alber­ti, der Vater der nie­der­län­di­schen Grand-Prix-Reprä­sen­tan­tin Wil­le­ke Alber­ti, der in die­sem Jahr mit der hol­län­di­schen Cover­ver­si­on des ita­lie­ni­schen Euro­vi­si­ons­bei­trags ‘Vola­re’ von Dome­ni­co Modug­no sei­nen ers­ten hei­mi­schen Top-Ten-Sin­gle-Hit lan­den soll­te. Immer­hin noch auf den vier­ten Rang schaff­te es der auch bei uns bekann­te Nie­der­län­der Bruce Low (†1990 in Mün­chen), der Mann mit der mar­kant tie­fen Stim­me, der 1954 mit ‘Das alte Haus von Rocky Docky’ einen von etli­chen veri­ta­blen Hits hat­te und 1978 im Spät­herbst sei­ner Kar­rie­re mit der ein­ge­deutsch­ten Boney-M-‘Legen­de von Baby­lon’ noch mal ein kur­zes Revi­val schaff­te.

Da hat­ten die Geräusch­ef­fek­te­ma­cher alle Hän­de voll zu tun (Reper­toire­bei­spiel).

Vor­ent­scheid NL 1958

Natio­naal Song­fes­ti­val. Diens­tag, 11. Febru­ar 1958, aus dem AVRO-Stu­dio in Hil­ver­sum. Sechs Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Tan­ja Koen.

#Interpret/inTitelPost­kar­tenPlatz
01Greet­je Kauf­feldSte­war­dess373303
02Wil­ly Alber­tiMet elke Lach van jou09
03Rita ReysEen ver­licht Raam11
04Bruce LowWie­ge­lied voor Mar­jo­lein235004
05Cor­ry Brok­kenWeet je403602
06Anne­ke van der GraafLen­te­dag08
07Rita ReysDe Warm­te van je Hart06
08Wil­ly Alber­tiMaar­jan07
09Greet­je Kauf­feldEen Afscheid zon­der meer104905
10Bruce LowNeem dat maar aan van mij10
11Cor­ry Brok­kenHeel de Wereld814801

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