Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mud­der

Was steckt bloß hin­ter die­ser merk­wür­di­gen Mut­ter­fi­xie­rung der Belgier/innen? Denn nicht nur, dass das unbe­streit­bar größ­te musi­ka­li­sche Mut­ter­söhn­chen aller Zei­ten, der gebür­ti­ge Nie­der­län­der Heint­je (‘Mama’), seit jeher in Flan­dern lebt: das Land, das 1969 mit Jean-Jac­ques Ber­to­lai (‘Maman, Maman’) eine blas­se Heint­je-Kopie zum Euro­vi­si­on Song Con­test schick­te, setz­te 2014 mit dem tra­gisch ver­an­lag­ten Wal­lo­nen Axel Hir­soux und sei­nem lied­ge­wor­de­nen Ödi­pus­kom­plex ‘Mother’ der musi­ka­li­schen Müt­ter­ver­eh­rung die Nor­man-Bates-Gru­sel­ge­dächt­nis­kro­ne auf. Doch das The­ma hat im Land eine lan­ge Tra­di­ti­on: schon 1957 zeich­ne­te Bob­be­ja­an Schoepen im bel­gi­schen Vor­ent­scheid das ‘Bild mei­ner Mut­ter’, und auch heu­er, also 1961, ver­such­te der sei­ner­zeit eben­falls im deutsch­spra­chi­gen Raum bekann­te und spä­ter als Teil des Duos Sand­ler & Young sogar in den USA erfolg­rei­che bel­gi­sche Schla­ger­sän­ger Luci­en Joseph San­te­lé ali­as Tony Sand­ler, sei­ner ‘Moeder’ ein sän­ge­ri­sches Denk­mal zu set­zen. Was ihm aller­dings (erstaun­li­cher­wei­se) den letz­ten Platz ein­trug.

Umschwärm­te bereits lan­ge vor Bart­haar Illic die berüch­tig­te “Micka-Ela”: Tony Sand­ler, hier in einem alber­nen deut­schen Schla­ger­film (Reper­toire­bei­spiel).

Erfolg­rei­cher schlu­gen sich die Wie­der­keh­re­rin Jo Lee­mans oder der laut Wiki­pe­dia im Jah­re 1955 bei einer Cas­ting­show (!) ent­deck­te Jac­ques Ray­mond. Die meis­ten Jury­punk­te konn­te jedoch, wie schon beim letz­ten flä­mi­schen Vor­ent­scheid zwei Jah­re zuvor, der Knö­del­te­nor Bob Ben­ny auf sich ver­ei­ni­gen. Mit die­ser Ent­schei­dung blieb man der Tra­di­ti­on ver­haf­tet: gera­de im ers­ten Grand-Prix-Jahr­zehnt schick­ten die bei­den Lan­des­sen­der Bel­gi­ens prak­tisch immer wie­der die­sel­ben Ver­tre­ter zum Wett­be­werb. Was sich aller­dings nicht als eine beson­ders cle­ve­re Stra­te­gie her­aus­stell­te: in Can­nes, wohin es für Ben­ny bereits zum zwei­ten Mal ging, erhielt sein über die Maßen dick auf­tra­gen­des, rund­her­aus ent­setz­li­ches ‘Sep­tem­ber, gou­den Roos’ (deut­sche Fas­sung: ‘Rosen im Sep­tem­ber’), das als Bal­la­de schon 1929 alt­mo­disch gewe­sen wäre, ledig­lich ein ein­zi­ges Gna­den­pünkt­chen. Den­noch konn­te er in den fol­gen­den Jah­ren in der Hei­mat noch ein paar Hits lan­den. Spä­ter wand­te sich der wie Axel Hir­soux eben­falls dem eige­nen Geschlecht zuge­neig­te Bob dem Musci­al zu und trat lan­ge Jah­re auch in bei­den Tei­len Ber­lins auf. Ben­ny ver­starb 2011.

Lie­der, die die Welt nicht braucht: Bob Ben­ny in Can­nes.

Vor­ent­scheid BE 1961

Fina­le van de bel­gi­sche Bij­dra­ge tot het Song­fes­ti­val. Sonn­tag, 29. Janu­ar 1961. Sechs Teilnehmer/innen.

#Inter­pretTitelPunk­tePlatz
01Tony Sand­lerMoeder086
02Jac­ques Ray­mondAls je weent, als je lacht402
03Jo Lee­mansAf en toe333
04Bob Ben­nySep­tem­ber, gou­den Roos601
05Luc van Hoe­seltBon­jour214
06Enny Deni­taMaan­den­krans der Lief­de145

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