DK 1961: Jet Airliner

Die fünfte Ausgabe der dänischen Eurovisionsvorentscheidung Melodi Grand Prix (MGP) erwies sich als eine Art von Veteranentreffen: sämtliche (!) bisherigen Grand-Prix-Repräsentant/innen des Landes versuchten es erneut. Dabei gingen Gustav Winckler (→ DK 1957), Raquel Rastenni (→ DK 1958) und Katy Bødtger (→ DK 1960) komplett leer aus: sie erhielten von der zehnköpfigen Jury, von der jedes Mitglied allerdings nur jeweils drei Punkte zu verteilen hatte, allesamt nichts. Besser schlug sich da schon der MGP-Wiederkehrer Otto Brandenburg (→ MGP 1960), der zumindest drei Zähler kassieren konnte, sowie der in Portugal geborene, aber schon früh mit seinen Eltern nach Dänemark gezogene damalige Jazz-Musiker Pedro Biker, der anschließend eine Karriere als Radio- und TV-Moderator hinlegte und 1970 einen Hit und heimatlichen Evergreen mit der dänischen Coverversion von Burt Bacharachs ‚Raindrops keep falling on my Head‘ landete, allerdings nur drei Jahre später das Zeitliche segnete. Hier, bei seinem ersten TV-Auftritt, konnte Pedro, der kein bisschen aussah wie ein Biker, mit ‚Min Guitar og jeg‘ (vgl. ‚Me and my Guitar‘, BE 2010) einen dritten Rang landen. A propos landen: die Silbermedaille holte sich Birthe Wilke (→ DK 1957, 1959) mit der Titelmelodie aus dem Film Jetpiloter, einer frühen skandinavischen Variante des US-amerikanischen Militärverherrlichungsstreifens Top Gun, in dem sie ebenfalls mitspielte und der im September 1961 in die dänischen Kinos kam.

Wer raucht und fliegende Tötungsmaschinen steuert, also weder das eigene Leben achtet noch das von anderen, dem werfen sich die Damen an den Hals, so die subtile Propagandaaussage von Birthes Filmauftritt.

Doch auch Birthe konnte nur halb so viele Punkte auf sich vereinen wie der klare Sieger des Abends, der MGP-Neuling Dario Campeotto. Klingt italienisch? Kein Wunder: Darios Vater kam laut Wikipedia aus Turin, zog aber 1928 nach Dänemark, wo er als technischer Direktor der dortigen Fiat-Niederlassung arbeitete. Die Familie verfügt jedoch über skandinavische Wurzeln: Darios Urgroßeltern stammten aus Schweden, emigrierten aber nach Italien, wo sie acht Felder (otto Campi) Land besaßen. Woraus sich der neue, italisierte Familiennamen ableitete. Und tatsächlich interpretierte Dario seine schmalztriefende Liebesballade ‚Angelique‘ mit südländischem Pathos und der Stimme und Hingabe im Ausdruck, auch wenn er sich nicht ganz so hemmungslos gehen ließ wie beispielsweise ein Domenico Modugno (→ IT 1958, 1959, 1966). Er gab gewissermaßen die schaumgebremste, heißdampfgereinigte Variante eines Barden, was ihm beim Wettbewerb in Cannes einen akzeptablen fünften Platz bescherte – übrigens punktgleich mit Italien. Allerdings erhielt er zwei Drittel seiner Punkte aus dem skandinavischen Nachbarland Norwegen. Einen Top-Ten-Hit konnte er mit ‚Angelique‘ im Heimatland dennoch generieren, und im Anschluss noch einige Rollen in Filmen und Musicals ergattern.

Eine mehrsprachige Balladenmelange mit subtilen Noten aus ‚Schöner Gigolo, armer Gigolo‘, ‚Dors, mon Amour‘ (FR 1958) und ‚Piove‘ (IT 1959): Darios ‚Angelique‘.

Vorentscheid DK 1961

Dansk Melodi Grand Prix. Sonntag, 19. Februar 1961, aus dem Frederecia Theater in Kopenhagen. Sieben Teilnehmer/innen. Moderation: Sejr Volmer-Sørensen.
#Interpret/inTitelPunktePlatz
01Pedro BikerMin Guitar og jeg63
02Katy BødtgerHamlet05
03Gustav WincklerVi lever kun en enkelt gang05
04Birthe WilckeJet Pilot72
05Otto BrandenburgGodnat lille du34
06Raquel Rastenni + Grethe SønckHjemme hos os05
07Dario CampeottoAngelique141

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