SE 1961: Darauf sei gepfiffen!

So frühlingshaft aprilfrisch ging es zu beim schwedischen Melodifestivalen von 1961, das man meinen konnte, die Show sei von Lenor gesponsert. Der Sender SVT experimentierte weiterhin fleißig mit dem noch jungen Format und strich in diesem Jahr die bisherigen acht Radiovorrunden. Stattdessen wählte eine Jury aus rund 550 eingereichten Beiträgen fünf Songs für das erneut im Rahmen der Nordvision auch in Dänemark, Finnland und Norwegen ausgestrahlte TV-Finale aus, die wiederum in jeweils zwei verschieden stark orchestrierten Fassungen von unterschiedlichen Sänger/innen interpretiert wurden. Zwei dieser fünf Stücke trugen das Wort ‚Frühling‘ (‚Vår‘) direkt im Titel, ein weiteres besang den Monat ‚April‘, und das vierte hieß ‚Spela på Regnbågen‘, ein Wetterphänomen, das man besonders häufig im Lenz erblickt. Der von den Temperaturen her meist noch unbeständige Frühling ist aber auch die Zeit der Erkältungen: einen Tag vor der Sendung musste die ursprünglich eingeplante Inger Berggren (→ Vorentscheid 1960, SE 1962) aufgrund einer Mandelentzündung die Segel streichen und wurde kurzfristig durch Lily Berglund ersetzt. Trotz der sehr knappen Vorbereitungszeit behielt diese jedoch ihren Text ziemlich gut, im Gegensatz zur eigentlichen Gewinnerin des Abends, Siw Malmkvist (→ SE 1960, DE 1969), die während der Siegerreprise des fröhlichen ‚April April‘ einen Blackout erlitt und dies mit heiterem Gickeln und zusätzlichem Pfeifen zu überspielen suchte.

Kannst Du pfeifen, Johanna? Siw konnte es, jedenfalls besser, als sich den Text zu behalten.

Eine solcherart alberne junge Dame konnte man natürlich nicht zum großen Wettbewerb nach Cannes entsenden! Wie schon 1959 entband der Sender Siw daher von ihrer Repräsentationsaufgabe und legte diese stattdessen in die Hände der Kollegin Lill-Babs. Die als Barbro Margareta Svensson geborene Sängerin bekam ihren Künstlerinnennamen, „die kleine Babs“, im zarten Alter von 15 Jahren verpasst, wo sie ihre ersten Auftritte und mit ‚Min Mammas Boogie‘ bereits den ersten von etlichen noch folgenden Hits im Heimatland hatte. Nach ihrer Eurovisionsteilnahme versuchte man, sie ebenfalls in Deutschland zu vermarkten, wo es ihr trotz etlicher Auftritte in Fernsehshows und auf Tourneen jedoch nicht gelang, einen kommerziellen Durchbruch zu erzielen. Bekanntheit erlangte sie eher durch ihre kurzzeitige Beziehung mit dem deutschen Backfisch-Schwarm Peter Kraus, mit dem sie ein paar Singles aufnahm. Für das schwedische Fernsehen lohnte sich der Interpretinnen-Wechsel übrigens kein bisschen: in Cannes setzte Babs, die sich des Pfeifens bei weitem nicht so mächtig zeigte wie Siw, das Lied dann ziemlich in den Sand und landete recht weit hinten.

Kannst Du pfeifen, Johanna? Gewiss kann ich’s nicht: Lill-Babs.

Vorentscheid SE 1961

Melodifestivalen. Montag, 6. Februar 1961, aus dem Cirkus in Stockholm. Fünf Teilnehmer/innen. Moderation: Jeannette von Heidenstam.
#Interpret/inInterpret/inTitelPunktePlatz
01Lars LönndahlLily BerglundSpela på Regnbågen712
02Lily BerglundLill-BabsStockholm575
03Lill-BabsLars LönndahlVårvinter712
04Siw MalmkvistGunnar WicklundApril April781
05Gunnar WicklundSiw MalmkvistVår i Hjärtat584

Oder was denkst Du?