Jugo­vi­zi­ja 1962: Beds are bur­ning

Nur Bruch­stück­haf­tes ist bekannt über den zwei­ten jugo­sla­wi­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid, die Jugo­vi­zi­ja 1962. In Zagreb fand sie statt, so viel weiß man. Mit TV Sara­je­wo reich­te erst­ma­lig auch der bos­ni­sche Lan­des­sen­der Bei­trä­ge zur der Vor­auswahl ein, an wel­cher außer­dem, wie schon im Vor­jahr, die Sen­de­an­stal­ten aus Slo­we­ni­en, Ser­bi­en und Kroa­ti­en teil­nah­men. TV Zagreb hat­te im Dezem­ber 1961 bereits ein eige­nes Semi abge­hal­ten, wo es sechs Lie­der für das ins­ge­samt 18 Titel umfas­sen­de Jugo­vi­zi­ja-Fina­le aus­wähl­te. Eine pari­tä­tisch besetz­te Jury bestimm­te dort den Sie­ger­song ‘Ne pali Svet­la u Sum­rak’ (‘Lass das Licht aus in der Däm­me­rung’) von Lola Nova­ko­vić: eine ver­träum­te klei­ne Bal­la­de, in wel­cher die 2016 ver­stor­be­ne, in den Sech­zi­gern auf dem Bal­kan sehr erfolg­rei­che ser­bi­sche Sän­ge­rin und Schau­spie­le­rin über die nach­koi­ta­len Ziga­ret­ten sin­niert, die sie und ihr Gespons zum Abschluss eines gemäch­li­chen Tages gemein­sam im Däm­mer­licht des aus­klin­gen­den Abends genie­ßen, bevor der süße Schlaf sie bei­de über­mannt. Eine nicht ganz unge­fähr­li­che Pra­xis im Übri­gen, nicht nur wegen des Lun­gen­krebs­ri­si­kos, son­dern – wie ich mich als Sohn eines Feu­er­wehr­man­nes ver­pflich­tet füh­le, anzu­mer­ken – auf­grund der Gefahr einer Feu­ers­brunst: der tra­gi­sche Tod der schwe­di­schen Grand-Prix-Kol­le­gin Moni­ca Zet­ter­lund, die 2005 in Fol­ge eines durch einen Gute-Nacht-Glimms­ten­gel aus­ge­lös­ten Zim­mer­bran­des in ihrem eige­nen Bett ver­kohl­te, soll­te War­nung genug sein!

Wirkt schon ein wenig bene­belt: die Schlaf­zi­ga­ret­ten-Rau­che­rin Lola.

Beim Haupt­wett­be­werb in Luxem­burg konn­te Frau Nova­ko­vić, die im Lau­fe ihrer Kar­rie­re um die 50 Titel ver­öf­fent­lich­te, damit den­noch einen respek­ta­blen vier­ten Platz errin­gen. Anfang der Sech­zi­ger­jah­re galt Rau­chen halt noch nicht als ver­pönt. Ohne­hin dürf­ten die meis­ten euro­päi­schen Juro­ren man­gels ein­schlä­gi­ger Sprach­kennt­nis­se kei­nen blau­en Dunst gehabt haben, was die Gute da sang. Die Sil­ber­me­dail­le bei der Jugo­vi­zi­ja ging an die 2006 ver­stor­be­ne slo­we­ni­sche Jazz- und Folk­sän­ge­rin Maj­da Sepe und ihr ori­en­ta­lisch anmu­ten­des Kla­ge­lied über die alt­tes­ta­men­ta­ri­sche Figur ‘Sula­mit’, die auch in der Todes­fu­ge, der lyri­scher Aus­ein­an­der­set­zung des Dich­ters Paul Celan mit dem Holo­caust, eine zen­tra­le Rol­le ein­nimmt. Zu den wei­te­ren eta­blier­ten Teilnehmer/innen gehör­ten der aus dem Musi­kan­ten­stadl bekann­te Ivo Robić, der eben­so bereits schon 1961 dabei war wie die Kol­le­gin­nen Gabi Novak und Ani­ca Zubo­vić; die kroa­ti­sche Schla­ger­sän­ge­rin Zden­ka Vuč­ko­vić, die im Lan­de haupt­säch­lich mit Cover­ver­sio­nen inter­na­tio­na­ler Hits Erfol­ge fei­er­te; der 2008 ver­stor­be­ne kroa­ti­sche Sän­ger, Poli­ti­ker und zwei­fa­che ESC-Ver­tre­ter Vice Vukov sowie sein bos­ni­scher Kol­le­ge Saba­hu­din Kurt. Von den rest­li­chen zehn Finalist/innen fehlt bis heu­te jede Spur. Womit sich zeigt, dass ein Krieg nicht nur ent­setz­li­ches mensch­li­ches Leid und tau­send­fa­chen Tod mit sich bringt, son­dern auch im Ver­gleich dazu natür­lich voll­kom­men irrele­van­te, für den Grand-Prix-Freund den­noch schmerz­li­che archi­va­ri­sche Lücken rei­ßen kann.

Die Schla­ger­el­fe Zden­ka Vuč­ko­vić mit ihrem Wett­be­werbs­ti­tel ‘Ti si moj Zavičaj (Du bist mein Zuhau­se)’. Klingt erfri­schend nied­lich, wie alle ihre Songs.

Vor­ent­scheid YU 1962

Jugo­vi­zi­ja. Frei­tag, 23. Febru­ar 1962, aus den Fern­stu­di­os in Zagreb (heu­ti­ges Kroa­ti­en). 18 Teilnehmer/innen.

Interpret/inTitelErgeb­nis
Ani­ca Zubo­vić(Titel nicht bekannt)
Gabi Novak(Titel nicht bekannt)
Ivo RobićAli­ja
Lola Nova­ko­vićNe pali Svet­la u Sum­rak1
Maj­da SepeSula­mit2
Saba­hu­din Kurt(Titel nicht bekannt)
Vice VukovDola­zak
Zden­ka Vuč­ko­vićTi si moj Zavičaj

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