Eurovi­isukar­sin­ta 1962: Tipi Tii Bim­bo Tom

Mari­on Rung, fin­ni­sche Ver­tre­te­rin 1962 und 1973.

Es wird gele­gent­lich dar­über geklagt, dass die Skandinavier:innen bei der Punk­te­ver­ga­be beim Euro­vi­si­on Song Con­test ganz ger­ne zusam­men­hal­ten, was aber ange­sichts der gemein­sa­men kul­tu­rel­len Wur­zeln nicht ver­wun­dert. Zu deren Ver­tie­fung auch die Euro­vi­si­on mit bei­trug: in den Sech­zi­gern näm­lich wur­den die natio­na­len Grand-Prix-Vor­ent­schei­dun­gen der nor­di­schen Län­der per Nord­vi­si­on in der gesam­ten Regi­on aus­ge­strahlt. Und so schau­te und lern­te man vom Nach­barn. Mit dem lus­ti­gen Ergeb­nis, dass es bei der zwei­ten Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta zwar vier Interpret:innen und vier Lie­der gab, aber acht Auf­trit­te: wie in Schwe­den und Nor­we­gen schwenk­te auch das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE auf das weit ver­brei­te­te Ein-Song-zwei-Ver­sio­nen-For­mat um.

Weder Mat­ti Hei­ni­vaho noch Vie­no Kek­ko­nen woll­ten die von ihnen prä­sen­tier­te, sanft dahin­plät­schern­de, dritt­plat­zier­te Bal­la­de ‘Sat­ei­nen Yö’ (‘Reg­ne­ri­sche Nacht’) auf Plat­te auf­neh­men. Und man kann es ver­ste­hen.

Was den Juro­ren die Gele­gen­heit geben soll­te, vor allem das Lied auf sich wir­ken zu las­sen und weni­ger auf den Sän­ger zu ach­ten. Ganz kon­se­quent zog man das jedoch nicht durch: im rund einen Monat zuvor aus­ge­tra­ge­nen Semi­fi­na­le mit sei­nen acht Bei­trä­gen war es jeweils nur ein:e Interpret:in pro Lied. Hier blieb bei­spiels­wei­se die fin­ni­sche Pre­mie­ren­ver­tre­te­rin Lai­la Kinn­u­nen mit ihrem Song über die Schnee­prin­zes­sin ‘Lumin­ei­to’ auf der Stre­cke, genau so wie ein (lei­der ver­schol­le­ner) Titel mit dem viel ver­spre­chen­den Namen ‘Tiketi tik­ke tak’ (lasst mich raten: es hat etwas mit einer Uhr zu tun?) von May­nie Sirén. Wei­ter kam hin­ge­gen ein Sän­ger namens Kai Lind mit einer wirk­lich drol­li­gen Wei­se über die ‘Pik­ku Rahasta­ja’, die von allen Jungs umschwärm­te ‘Klei­ne Schaff­ne­rin’, die Sams­tags­abends im Bus mit stren­ger Mie­ne die Fahr­schei­ne kon­trol­liert, wäh­rend die Jugend zum Tanz­ver­gnü­gen in die Stadt fährt. Ein, wenn man ihn mal auf sich wir­ken lässt, herr­li­cher Text, der auf so lako­ni­sche wie unter­halt­sa­me Wei­se phi­lo­so­phi­sche Fra­gen erör­tert.

Eine ech­te Vor­ent­schei­dungper­le: die ‘Klei­ne Schaff­ne­rin’, hier gesun­gen von Mari­on Rung (lei­der nur Audio).

Im Fina­le inter­pre­tier­te neben Lind auch eine kom­men­de, heut­zu­ta­ge unter Grand-Prix-Fans zu Recht gott­gleich ver­ehr­te fin­ni­sche Schla­ger­le­gen­de den Song: die jun­ge Mari­on Rung näm­lich, die 1961 ihren ers­ten Hit mit der fin­ni­schen Ver­si­on des Lob­prei­sungs­schla­gers über die fran­zö­si­sche Fil­mi­ko­ne ‘Bri­git­te Bar­dot’ lan­de­te und eine über meh­re­re Jahr­zehn­te andau­ern­de, euro­pa­wei­te Kar­rie­re mit Erfolgs­ti­teln wie ‘El Bim­bo’ anschlie­ßen konn­te. Rung sang dane­ben aber auch den ein­deu­ti­gen Sie­ger­song die­ses Abends, das eben­so put­zi­ge und heu­te Kult­sta­tus besit­zen­de ‘Tipi-Tii’, in dem sie laut­ma­le­risch das Zwit­schern eines bal­zen­den Vög­leins im gera­de anbre­chen­den Früh­ling imi­tier­te und das the­ma­tisch ins glei­che Horn stieß wie das zweit­plat­zier­te ‘Pik­ku Rahasta­ja’: eine gera­de­zu hem­mung­lo­se Zele­bra­ti­on der Lebens­lust näm­lich, wel­che die ehe­ma­li­ge Fris­ö­se dann beim Con­test in Luxem­burg in über­zeu­gend char­man­ter Unbe­küm­mert­heit dar­bot und damit den sieb­ten Rang hol­te. Was für die nächs­ten elf Jah­re, bis näm­lich Rung selbst (lus­ti­ger­wei­se erneut in Luxem­burg) das Ergeb­nis mit dem Mit­klatsch­schla­ger ‘Tom Tom Tom’ um eine Posi­ti­on ver­bes­ser­te, die bes­te Plat­zie­rung des chro­nisch ver­kann­ten Euro­vi­si­ons­lan­des dar­stel­len soll­te. 2007, als die fin­ni­sche Post nach dem Sieg von Lor­di anläss­lich der Durch­füh­rung des ESC in Hel­sin­ki einen Satz Grand-Prix-Son­der­mar­ken her­aus­gab, ehr­te man – völ­lig zu Recht – auch Rung für ihre Ver­diens­te ums hei­mi­sche Euro­vi­si­ons­we­sen mit einem eige­nen Post­wert­zei­chen.

Der Flö­ten­schlumpf fängt an: Mari­on beim ESC.

Vor­ent­scheid FI 1962

Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta. Don­ners­tag, 15. Febru­ar 1962, aus den YLE-Fern­seh­stu­di­os in Hel­sin­ki. Vier Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Aar­no Wal­li.
#Interpret/inInterpret/inTitelPunk­tePlatz
01Kai LindMari­on RungTipi-tii2341
02Mat­ti Hei­ni­vahoVie­no Kek­ko­nenSat­ei­nen Yö1273
03Mat­ti Hei­ni­vahoVie­no Kek­ko­nenOn Kes­ki­yö1104
04Kai LindMari­on RungPik­ku Rahasta­ja1292

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