NL 1963: Die Spiel­do­se steht still, wenn Dein star­ker Arm es will

Null Punk­te beim Euro­vi­si­on Song Con­test von 1962 für die per Vor­ent­scheid aus­ge­wähl­ten Speelbrekers: das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen reagier­te prompt und ver­leg­te sich für 1963 auf eine intern aus­ge­such­te Inter­pre­tin und eine jury­ge­stütz­te Song­aus­wahl. Annie Pal­men begann ihre Kar­rie­re einst als Sän­ge­rin ver­schie­de­ner Tanz­or­ches­ter, die vom Süd­see­schla­ger bis zum Coun­try alle mög­li­chen Sti­le abdeck­ten. 1948 gewann sie einen Talent­wett­be­werb eines hol­län­di­schen Radio­sen­ders, kam dort öfters zum Ein­satz und konn­te in der Fol­ge ers­te Hits erzie­len. 1960 trat sie beim nie­der­län­di­schen Vor­ent­scheid an und sang dort das Sie­ger­lied ‘Wat een Geluk’, wel­ches die Jury aber lie­ber in die Hän­de des zwei­ten Inter­pre­ten Rudi Car­rell (ja, genau der!) leg­te. Dies­mal buch­te der Sen­der NTS sie zur Ent­schä­di­gung fix als Reprä­sen­tan­tin und such­te ihr drei Lie­der aus, die sie eigent­lich in einem bereits für den 23. Janu­ar 1963 im Tivo­li zu Utrecht ter­mi­nier­ten TV-Vor­ent­scheid zu Gehör brin­gen soll­te. Doch dann tra­ten jus­ta­ment zum Natio­naal Song­fes­ti­val die Mit­glie­der des NTS-Rund­funk­or­ches­ters in den Streik, um höhe­re Gehalts­for­de­run­gen durch­zu­set­zen (oder gaben etwa doch geschmack­li­che Grün­de den Aus­schlag für die Arbeits­ver­wei­ge­rung?). Und so fand not­ge­drun­gen auch die Aus­wahl des Bei­trags unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit durch eine sen­der­in­ter­ne Jury statt. ‘Geen ander’ hieß die dort bestimm­te, extrem bedäch­ti­ge Bal­la­de ursprüng­lich, deren Titel man dann aber noch in ‘Een Speel­doos’ ver­schlimm­bes­ser­te. Am 8. Febru­ar 1963 stell­te Annie Pal­men das Lied schließ­lich den mit atem­lo­ser Span­nung war­ten­den TV-Zuschau­er/in­nen vor, und zwar – man kann es sich nicht schö­ner aus­den­ken! – in der Rudi-Car­rell-Show. Da das Orches­ter sich noch immer im Aus­stand befand, muss­te sie hier aller­dings zum Voll­play­back mimen. Auch nach Lon­don zum Euro­vi­si­on Song Con­test reis­te sie dank der Macht der Gewerk­schaf­ten (lebens­äl­te­ren SPD-Wäh­lern unter mei­nen Leser/innen stei­gen jetzt ver­mut­lich nost­al­gi­sche Trä­nen in die Augen!) ohne den damals übli­chen eige­nen Diri­gen­ten an. Liegt hier eine der Ursa­chen für die sich hart­nä­ckig hal­ten­den Gerüch­te, es wäre nicht alles live gewe­sen beim ESC 1963? Wie auch immer sich die Din­ge zutru­gen, eines ist sicher: das neue Ver­fah­ren zahl­te sich für die Nie­der­lan­de nicht aus. Auch Annie Pal­men (†2000) kehr­te mit → Nul Points vom Grand Prix nach Hau­se zurück, und das mit Recht!

Annie Pal­men beim Besuch in der Echo­kam­mer.

Vor­ent­scheid NL 1963

Rudi-Car­rell-Show. Frei­tag, 8. Febru­ar 1963. Eine Teil­neh­me­rin (Lied­vor­stel­lung im Rah­men der Show nach vor­he­ri­ger Jury­aus­wahl).
#Interpret/inTitelPlatz
01Annie Pal­menKijk, daar is de Zon-
02Annie Pal­menGeen ander1
03Annie Pal­menHoor je mij-

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