CH 1964: Sag mir quando, sag mir wann?

Sie sind schon ein Haufen chaotischer Leichtfüßer und Hallodris, diese Schweizer/innen, das muss man einmal klar und deutlich so sagen. Ordnung scheint ihnen völlig fremd zu sein, die eigene Geschichte unbedeutend, archivarische Verpflichtungen nichts als eine unnütze Belästigung! Und so ist, was den helvetischen Eurovisionsvorentscheid des Jahres 1964 angeht, noch nicht einmal bekannt, wann dieser stattfand, geschweige denn wo. Nur dass er stattfand, das wissen wir, und dass darinnen sechs Lieder gegeneinander antraten, dargeboten von fünf Künstler/innen. Neben dem in dieser Ära unvermeidlichen Jo Roland spielte somit auch eine gewisse Ulla Rafael eine Rolle, die, wie das Memoryradio recherchierte, Anfang der Sechzigerjahre mal eine Zeitlang bei dem Grand-Prix-Freunden nicht völlig unbekannten Münchener Plattenlabel Jupiter Records unter Vertrag stand, bei welchem damals noch Ralph Maria Siegel, der Senior, das Sagen hatte. Trotz eines TV-Auftrittes und einer Teilnahme am Knokke-Festival wollte Frau Rafael jedoch kein rechter Hit gelingen. Ullas seinerzeitigen eidgenössischen Vorentscheidungsbeitrag, ein (leider verschollenes) Lied mit dem schönen Titel ‚Allround Cha-cha-cha‘, nahm sie allerdings nicht auf Platte auf. Das tat an ihrer Stelle die trotz zahlreicher Label- und Produzentenwechsel ebenfalls Zeit ihrer Schlagerkarriere kommerziell erfolglos bleibende Schweizer Kollegin Liane Covi (Anspieltipp: ‚Zu jung‘), die damit aber auch einen Flop landete. Liane, geboren als Eliane Jacqueline Maria Haus, sollte es dann 1972 mit ‚C’est la Vie‘ beim helvetischen Vorentscheid versuchen, bei dem sie es ebenfalls nicht schaffte. Ihr damaliger Produzent Jack White packte das Lied auf die B-Seite ihrer zweitletzten Single ‚Wo die Sonne scheint‘. White gab dieses Lied jedoch auch an Tina York (→ Vorentscheid DE 1976), welche daraus einen kleinen Hit machte – im Gegensatz zu Liane, die 1974 einen Arzt heiratete und sich aus dem Schlagergeschäft zurückzog. Gleich zwei Lieder bei diesem Vorentscheid durfte die Tessinerin Anita Traversi (→ CH 1960) vortragen – und eines davon, nämlich das verträumt-verschnarchte ‚I miei Pensieri‘ trug den Sieg davon, so dass Traversi ein zweites Mal das Schweizerkreuz vertreten durfte.

Anitas Eurovisionsbeitrag, hier in der deutschen Coverversion – mit ausgesprochen internationaler Titelzeile. Macht es aber auch nicht besser.

Vorentscheid CH 1964

Fünf Teilnehmer/innen.

#Interpret/inTitelErgebnis
01Anita TraversiMandolino--
02Georges PilloudAmore in Ticino--
03Jean-Pierre + NathalieLe Temps d'aimer--
04Ulla RafaelAllround Cha-Cha-Cha--
05Jo RolandRêverie--
06Anita TraversiI miei Pensieri1

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