DE 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

Nora Nova, DE 1964
Die GSD-Beam­tin

Kein Jahr ver­lief wie das ande­re beim deut­schen Vor­ent­scheid, jeden­falls in den frü­hen Sech­zi­gern: nach den gla­mou­rö­sen Schla­ger­fest­spie­len (1962), deren dies­jäh­ri­ge Sie­ge­rin Siw Malmkvist (→ SE 1961, DE 1969) mit ihrem Wett­be­werbs­bei­trag ‘Lie­bes­kum­mer lohnt sich nicht’ die deutsch­spra­chi­ge Hit­sin­gle des Jah­res lie­fer­te, und der One-Women-Show mit Hei­di Brühl (→ DE 1963) fand dies­mal in Frank­furt am Main wie­der eine klas­si­sche Vor­ent­schei­dung mit meh­re­ren Interpret/innen statt, erst­mals unter dem dann fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert lang gül­ti­gen Rubrum “Ein Lied für…”, gefolgt vom Namen des Aus­tra­gungs­or­tes (in die­sem Fall also: Ein Lied für Kopen­ha­gen). Das unbe­frie­di­gen­de Abschnei­den der bei­den deut­schen Super­stars Con­ny Fro­boess (→ DE 1962) und Hei­di Brühl hat­te das Image des Con­tests in der deut­schen Pop-Sze­ne aller­dings nach­hal­tig beschä­digt. Eta­blier­te, zeit­ge­mä­ße Namen blei­ben fern, ledig­lich fünf alt­ge­dien­te Schlagersänger/innen, die ihren Zenit schon lan­ge über­schrit­ten hat­ten, lie­ßen sich für die Sen­dung zusam­men­trei­ben. Und eine New­co­me­rin.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht!

Die gebür­ti­ge Bul­ga­rin AhiNora KumaNova, die 1960 nach Deutsch­land gekom­men war und sogleich einen Plat­ten­ver­trag ergat­ter­te, konn­te Ende 1962 mit der fabel­haf­ten Schla­ger­weis­heit ‘Män­ner gibt’s wie Sand am Meer’ ihren ein­zi­gen Hit lan­den und die Top 20 kna­cken. Auch die B-Sei­te der Sin­gle, das lus­ti­ge Hör­spiel ‘Nora (Tele­fon aus St. Tro­pez)’, gehört zu den erle­se­nen Schla­ger­per­len der Wirt­schafts­wun­der­zeit. A pro­pos B-Sei­te: sech­zehn Jah­re nach ihrer Euro­vi­si­ons­teil­nah­me ver­lie­hen die Hel­den der Neu­en Deut­schen Wel­le, Ide­al, Nora Nova den künst­le­ri­schen Cool­ness-Rit­ter­schlag, in dem sie ‘Män­ner gibt’s wie Sand am Meer’ cover­ten und auf die Rück­sei­te ihrer legen­dä­ren Erst­lings­sin­gle ‘Ber­lin’ pack­ten. Und obgleich sich die Nova beim Vor­ent­scheid 1964 selbst nur als Außen­sei­te­rin sah, wie sie spä­ter in einem hr-Spe­cial erzähl­te, und ihrem im “sla­wi­schen Rhyth­mus” gehal­te­nen Song wenig Chan­cen ein­räum­te: gegen ihre hin­rei­ßen­de, was­ser­stoff­per­oxydge­bleich­te Bie­nen­korb­fri­sur und ihre an die Aus­strah­lung einer Domi­na gemah­nen­de “kal­te Vam­p­haf­tig­keit” (Jan Fed­der­sen) ver­moch­ten die älte­ren Her­ren der Kon­kur­renz kei­nen Stich zu lan­den und wur­den ‘Wie vom Wind ver­weht’, wie der als Favo­rit gesetz­te Tenor René Kol­lo ver­wun­dert bilan­zie­ren muss­te. Nach dem fol­gen­den Deba­kel beim inter­na­tio­na­len Wett­be­werb – mit dem zwar durch­aus gou­tier­ba­ren, aber doch etwas fros­tig vor­ge­tra­ge­nen Gemein­platz ‘Man gewöhnt sich so schnell an das Schö­ne’ ers­ang sie das ers­te → Null-Punk­te-Resul­tat für Deutsch­land – ver­schwand Nora Nova umge­hend wie­der in der Ver­sen­kung.

Lei­der nur im Stand­bild: die Super-Nova.

Einen Ver­kaufs­er­folg konn­te sie mit dem durch sein Ergeb­nis in Kopen­ha­gen toxisch belas­te­ten Titel nicht erzie­len, und so hei­ra­te­te sie statt­des­sen im glei­chen Jahr einen Nacht­club­be­sit­zer und führ­te eine Rei­he von Knei­pen im Ruhr­ge­biet. Eine Zeit lang, so geht die Sage, betrieb sie noch eine Her­ren­bou­tique in Wup­per­tal Mode­bou­tique in Mün­chen, dann ver­schluck­te sie offen­bar der Erd­bo­den. Und behielt sie auch lan­ge Zeit: 1989 nach Bul­ga­ri­en zurück­ge­kehrt, wand­te sie sich, wie Wiki­pe­dia weiß, der Poli­tik zu und fun­gier­te 2001 als eine der Mitbegründer/innen der libe­ral-mon­ar­chis­ti­schen Natio­na­len Bewe­gung Sime­on der Zwei­te, die bei den dama­li­gen Par­la­ments­wah­len die Hälf­te der Man­da­te erreich­te, zwei Legis­la­tur­pe­ri­oden spä­ter aber an der 4%-Hürde schei­tern soll­te. Im Okto­ber 2007, mitt­ler­wei­le etwas fül­li­ger um die Hüf­ten, tauch­te sie dann völ­lig über­ra­schend als Talk­gast bei der drit­ten bul­ga­ri­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung auf, wo sie sich von ihren ahnungs­lo­sen Lands­leu­ten fei­ern ließ, als habe sie 1964 die gan­ze Cho­se gewon­nen! Doch es sei ihr von Her­zen gegönnt. Immer­hin kann Nora Nova für sich den längs­ten Grand-Prix-Song­ti­tel aller Zei­ten und den ori­gi­nells­ten deut­schen Künst­ler­na­men in Anspruch neh­men. Eine Rol­le in der Sech­zi­ger­jah­re-Kult­se­rie Raum­pa­trouil­le (zum Bei­spiel als böse Stief­schwes­ter von Tama­ra Jagell­ovsk) hät­te ihr eigent­lich zum Dank gebührt!

Chart-Watch 1964: Die erfolg­reichs­te deutsch­spra­chi­ge Hit-Sin­gle 1964, hier in der schwe­di­schen Ver­si­on. Und für den ganz vor­ne rechts näh­me ich etwas Kärleks­trub­bel ger­ne in Kauf!

Vor­ent­scheid DE 1964

Ein Lied für Kopen­ha­gen. Sams­tag, 11. Janu­ar 1964, aus dem Gro­ßen Sen­de­saal des Hes­si­schen Rund­funks in Frank­furt am Main. Mode­ra­ti­on: Hil­de Nocker. Sechs Teil­neh­mer.
#Inter­pretTitelPunk­tePlatzCharts
01Fred Ber­tel­mannDas macht Dein Lächeln, Mona Lisa1903-
02Peter Kirs­tenRegen­bo­gen, Regen­bo­gen ---
03René Kol­loWie vom Wind ver­weht---
04Git­ta LindEin Chan­son in der Nacht2702-
05Nora NovaMan gewöhnt sich so schnell an das Schö­ne3001-
06Ger­hard Wend­landWohin ist der Som­mer---

2 Gedanken zu “DE 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

  1. Für mich eines der bes­ten deut­schen Lie­der. Ich mag den Rhyth­mus des Songs. Mit 0 Punk­ten sträf­lich unter­be­wer­tet!

  2. euro­vi­si­on 1964 Das ist am bes­ten deut­sche lied bei euro­vi­si­on ich ver­ste­he nicht war­um war sie die let­ze sie soll min­des­ten in top 5 sein ich weiss was ich schrei­be ich habe alle lied von ihre euro­vi­son (1964)gehóren sie hat glei­stad mit ita­li­en Deutsch­land rock !!

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