YU 1965: Immer mehr vom Meer sehn

Es waren in den Sech­zi­ger­jah­ren mehr oder min­der stets die­sel­ben Namen, die auf der Teil­neh­mer­lis­te der jugo­sla­wi­schen Vor­ent­schei­dung auf­tauch­ten. Frü­her oder spä­ter gewann dann auch fast Jede/r von ihnen mal und durf­te den Viel­völ­ker­staat beim Euro­vi­si­on Song Con­test ver­tre­ten. Eine, die das trotz bei­na­he durch­ge­hen­der Prä­senz bei der Jugo­vi­zi­ja nie ganz schaff­te, und das, obwohl sie laut Wiki­pe­dia die erfolg­reichs­te Schla­ger­sän­ge­rin des Bal­kan­staa­tes ist, war Gabi Novak. Klingt ziem­lich ger­ma­nisch, die­ser Vor­na­me, wer­den Sie sich jetzt viel­leicht den­ken, und lie­gen damit völ­lig rich­tig: die gute Gabi kam näm­lich 1936 als Kind eines kroa­ti­schen Vaters und einer deut­schen Mut­ter in Ber­lin zur Welt, von wo die Fami­lie jedoch bei Kriegs­aus­bruch auf die dal­ma­ti­ni­sche Insel Hvar floh. 1965 kam Frau Novak, die im Lau­fe ihrer Jahr­zehn­te umspan­nen­den Kar­rie­re auch in eini­gen Schla­ger­fil­men mit­wirk­te, neben ihrer Brot-Musik aber auch Jazz-Alben ver­öf­fent­lich­te, und die 1973 den Sän­ger­kol­le­gen und Poe­ten Arsen Dedić ehe­lich­te, der für vie­le ihrer Titel kom­po­si­to­risch ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, einem Euro­vi­si­ons­auf­tritt so nahe wie nie: mit dem hüb­schen Schla­ger ‘Prvi Sni­jeg’ (‘Ers­ter Schnee’) gelang ihr der zwei­te Platz bei der Jugo­vi­zi­ja und ein Hit im Hei­mat­land.

Lei­der nur als Audio ver­füg­bar: Gabis Ers­ter Schnee.

Gabi trug beim Vor­ent­scheid nur die­sen einen Titel vor, womit sie im Star­ter­feld zu einer Min­der­heit gehör­te: Lado Lesko­var (→ YU 1967) sang gleich zwei Lie­der, die slo­we­ni­sche Schla­ger­kol­le­gin und punkt­glei­che Vor­jah­res­sie­ge­rin Mar­ja­na Deržaj deren drei und der jugo­sla­wi­sche Ver­tre­ter von 1963, Vice Vukov, sogar gan­ze vier Songs. Mit einem davon, der Sehn­suchts­bal­la­de ‘Čežn­ja’, setz­te er sich im Jury­ent­scheid durch und durf­te damit ein zwei­tes Mal zum euro­päi­schen Wett­sin­gen. Inhalt­lich blieb er sich treu: wie schon bei sei­nem 1963er Titel ‘Bro­do­vi’ (‘Schif­fe’) beweg­te er sich auch hier im mari­ti­men Rah­men und beschmach­te­te das lei­se Flüs­tern der schäu­men­den Wel­len des Mee­res, wel­che den stim­mungs­vol­len Hin­ter­grund zu einer ver­träum­ten Lie­bes­nacht am Strand der kroa­ti­schen Adria­küs­te lie­fer­te. Wobei die Art sei­nes trä­nen­ver­han­ge­nen Vor­tra­ges beim Con­test in Nea­pel den Raum für eine zwei­te Textinter­pre­ta­ti­on öff­ne­te, nach der es sich bei sei­ner Gelieb­ten um kei­ne rea­le Per­son aus Fleisch und Blut, son­dern um das besun­ge­ne Meer han­del­te, in wel­ches er jeden Momen­te in sui­zi­da­ler Absicht zu gehen gedach­te. Mit die­sem gefühls­star­ken Auf­tritt traf Vukov bei den west­eu­ro­päi­schen Grand-Prix-Jurys jedoch auf tau­be Ohren und blin­de Augen: er kehr­te mit nur 2 Punk­ten nach Hau­se zurück. Ach, die Igno­ranz!

Ech­te Emo­ti­on oder schie­re Panik? Vice Vukov und sein gigan­ti­scher Kloß im Hals beim ESC in Nea­pel.

Vor­ent­scheid YU 1965

Jugo­vi­zi­ja. Sams­tag, 6. Febru­ar 1965, aus dem Rad­nicki Dom in Zagreb (heu­ti­ges Kroa­ti­en). Sie­ben Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Zel­j­ka Mar­ko­vic.

#Interpret/inTitelPunk­teErgeb­nis
01Vice VukovCez­nja1601
02Mar­ja­na DeržajSkrat pri Kla­vir­ju
03Đorđe Mar­ja­no­vićPro­let­no Vet­re
04Mara Popo­vic + Trio Iva­no­vicOsje­cam se sam
05Vice VukovPutu­ji Dani i Reke
06Gabi NovakPrvi Sni­jeg
07Mar­ja­na DeržajTo je moj Zla­ti Sin0902
08Đorđe Mar­ja­no­vićSta­ri kraj
09Lado Lesko­varSona­ta
10Lado Lesko­varVetar s Pla­ni­ne
11Vice VukovLeni
12Vice VukovO, Dru­gar moj
13Mar­ja­na DeržajVze­mi moj Nas­meh
14Krs­ta Petro­vicU moro bih Spa­vao

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