Iri­scher Vor­ent­scheid 1966: From Hero to Zero

Ein Jahr nach sei­ner kom­pe­ten­ten Pre­mie­ren­per­for­mance als ers­ter iri­scher Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter nahm But­ch Moo­re 1966 erneut an der zwei­ten Vor­ent­schei­dung der Grü­nen Insel teil – und lan­de­te dabei mit ‘I see your Face’ mit null Punk­ten auf dem letz­ten Platz. Das nen­ne ich mal einen schnel­len Abstieg! Noch här­ter traf es den im Lan­de popu­lä­ren Son­ny Know­les, der mit gleich zwei Bei­trä­gen (jede:r der ins­ge­samt fünf Teilnehmer:innen hat­te zwei oder drei Titel am Start) leer aus­ging, dar­un­ter dem auf Gälisch gesun­ge­nen ‘Chuai­gh mé suas don chluiche mór’. Für einen zwei­ten Platz und eine klei­ne­re Hit­pa­ra­den­no­tie­rung reich­te es hin­ge­gen für das Folk­trio The Lud­lows. Nein, kei­ne Ver­wand­ten der aus dem Fern­se­hen bekann­ten kul­ti­gen rhein­land-pfäl­zi­schen Schrott­händ­ler­fa­mi­lie: der Band­na­me bezieht sich auf die US-ame­ri­ka­ni­sche Koh­len­grä­ber­ge­mein­de Lud­low und ein dor­ti­ges Gru­ben­un­glück, wel­ches ihr Vor­bild Woo­dy Guthrie zu einem Song verarbeitete.

Das viel­leicht schlech­tes­te You­tube-Audio-only-Video: The Ludlows.

Das melan­cho­li­sche, supersanft plin­kern­de und wun­der­schön har­mo­nisch gesun­ge­ne ‘The Wind trough the Raf­ters’ lie­ße sich sinn­ge­mäß wohl mit ‘Es stürmt durchs Gebälk’ über­set­zen: eher ein Titel für den Herbst als für den im Früh­ling statt­fin­den­den Wett­be­werb. Den gewann – per Post­kar­ten­ent­scheid – mit Dickie Rock (exzel­len­ter Name für einen Por­no­dar­stel­ler!) der damals belieb­tes­te iri­sche Band­lea­der, dem sei­ne här­tes­ten Fans bei sei­nen Auf­trit­ten ger­ne mal ein “Spit on me, Dickie!” ent­ge­gen schrien, wie David Bla­ke Knox in sei­nem Buch Ire­land and the Euro­vi­si­on kol­por­tiert. Ich kann nur hof­fen, dass die­ser Brauch im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie 2020 zu Gra­be getra­gen wur­de. Auch Herr Rock, der hier ohne sei­ne ihn sonst stets beglei­ten­de Tanz­ka­pel­le antrat, ent­bot für Euro­pa kei­nen sei­ner übli­chen Rock’n’Roll-Songs, son­dern eine extrem kon­ven­tio­nel­le Bal­la­de, mit der er einen sechs­ten Platz im Luxem­burg und eine Num­mer 1 in den iri­schen Charts erziel­te. Mit näm­li­cher Kom­bo, der Miami Show­band, war er bis 1972 Dau­er­gast in der hei­mi­schen Hit­pa­ra­de und erklomm sie­ben Mal die Spit­zen­po­si­ti­on. Danach trenn­ten sich die Wege, zwei Miami-Mit­glie­der fie­len 1975 einem ter­ro­ris­ti­schen Angriff der unio­nis­ti­schen Uls­ter Vol­un­teer For­ce zum Opfer.

Alfred E. Neu­mann hat ange­ru­fen und will sein Gesicht zurück: Dickie Rock.

Vor­ent­scheid IE 1966

Sams­tag, 22. Janu­ar 1966, im RTÉ-Fern­seh­stu­dio in Dub­lin. Fünf Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Bren­dan O’Reilly.
#Interpret/inTitelPunk­tePlatz
01Deird­re WynneThere’s no Sen­se in being a Fool0405
02Dickie RockCome back to stay2001
03The Lud­lowsA Sailor will sail0308
04But­ch MooreI see your Face0010
05Son­ny KnowlesThe Menace from Ennis0010
06Deird­re WynneWhy don’t you say it’s so0803
07Dickie RockCan’t make up my Mind0405
08But­ch MooreWhy don’t I belie­ve in her0704
09Son­ny KnowlesChuai­gh mé suas don chluiche mór0010
10The Lud­lowsThe Wind thro’ the Rafters0902
11Dickie RockOh why0109
12Deird­re WynneHaven’t you0405

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