Jugo­vi­zi­ja 1966: Caset­ta in Canadà

Im groß­zü­gi­gen, 1.600 Zuschauer:innen fas­sen­den Dom Sin­di­ka­ta zu Bel­grad, einem klas­si­schen sozia­lis­ti­schen Prunk­bau mit­ten im Stadt­zen­trum, fand der Vor­ent­scheid zum Euro­vi­si­on Song Con­test 1966, die Jugo­vi­zi­ja, statt. Den Heim­vor­teil bis zum Maxi­mum nut­zend, durf­te der ser­bi­sche Sän­ger Dra­gan Sto­j­nić gleich drei der ins­ge­samt 13 Lie­der bei­steu­ern. Der 2003 ver­stor­be­ne Sto­j­nić hat­te es sich zur Lebens­auf­ga­be gemacht, sei­nen sla­wi­schen Lands­leu­ten das gal­li­sche Chan­son näher zu brin­gen, sei­ne Kar­rie­re begann dem­entspre­chend mit einem Cover des fran­zö­si­schen Euro­vi­si­ons­songs von 1963, ‘Elle était si jolié’ von Alain Bar­riè­re, in sei­ner Fas­sung ‘Bila je tako lijepa’. Auch sein Jugo­vi­zi­ja-Bei­trag ‘Duga je Noć’ (‘Die Nacht ist lang’), neben dem Sie­ger­lied der ein­zi­ge Song die­ses Abends, der sich aktu­ell im Netz fin­det, fiel in die Kate­go­rie der gei­gen­ge­schwän­ger­ten Ballade.

Lang wird die Nacht bei die­sem zuver­läs­sig ein­schlä­fern­den Bal­la­den­rie­men aber nicht: Dra­gan Sto­j­nić macht uns das Sand­männ­chen (Audio).

Gabi Novaks sub­ti­le Win­ke mit dem Zaun­pfahl in Rich­tung Jury mit­tels ihrer Song­ti­tel stie­ßen wei­ter­hin auf geflis­sent­li­che Igno­ranz: nach dem ‘Ers­ten Schnee’ vom ver­gan­ge­nen Jahr besang sie nun den ‘Ers­ten Brief’. Umsonst: die Ers­te in der Jury­wer­tung zu wer­den, woll­te ihr den­noch nicht gelin­gen. Für den maze­do­ni­schen Lan­des­teil ging erst­mals die 2020 in Phil­adel­phia ver­stor­be­ne Nina Spi­ro­va an den Start, die vier Jah­re zuvor das Fes­ti­val von Opa­ti­ja mit dem Schmacht­fet­zen ‘Eden bak­než’ gewon­nen haben soll, einem der größ­ten Ever­greens der spä­te­ren Frü­he­ren Jugo­sla­wi­schen Repu­blik, der im Jah­re 2007 eine erneu­te Ehrung durch den Ein­satz als Film-Sound­track erfuhr. Etwas flot­te­re Töne steu­er­te die eben­falls schon aus frü­he­ren Jugo­vi­zi­jas bekann­te und belieb­te Kroa­tin Zden­ka Vuč­ko­vić mit dem leicht­ge­wich­ti­gen Beat­schla­ger ‘Rezer­vi­ra­no za Lju­bav’ (‘Reser­viert für die Lie­be’) bei. ‘Ohne Wor­te’ kam (natür­lich nicht wirk­lich) der Sie­ger­ti­tel ‘Brez besed’ der im slo­we­nisch-öster­rei­chi­schen Grenz­städt­chen Tržič (Neu­markt) gebo­re­nen Ber­ta Ambrož daher. Die beim Wett­be­werb in Luxem­burg im Mit­tel­feld lan­den­de, sehr getra­ge­ne (lies: ster­bens­öde) Bal­la­de soll­te das bekann­tes­te Lied der 2003 ver­stor­be­nen Sän­ge­rin blei­ben, um wel­ches sich beim eben­falls aus Luxem­burg-Stadt kom­men­den ESC von 1973 eine klei­ne Kon­tro­ver­se ent­spann­te, da eine kur­ze Melo­die­fol­ge sei­nes (spar­sa­men) Refrains eine leich­te Ähn­lich­keit mit dem des sei­ner­zei­ti­gen spa­ni­schen Bei­trags ‘Eres tú’ auf­wies. Jed­we­de Pla­gi­ats­an­schul­di­gun­gen ver­lie­fen jedoch San­de, und dies völ­lig zu Recht. Zumal die strit­ti­gen drei (!) Noten in exakt die­ser Rei­hen­fol­ge auch schon im Elvis-Pres­ley-Hit ‘Can’t help fal­ling in Love’ von 1961 vor­ka­men – und in der kana­di­schen Natio­nal­hym­ne aus dem Jah­re 1880!

Ja, die drei (!) Noten des Song­ti­tels haben die glei­che Ton­fol­ge wie ‘Eres tù’. Was für eine scharf­sin­ni­ge Beob­ach­tung! In den rest­li­chen 2:50 Minu­ten kackt ‘Brez besed’ jedoch ab, wäh­rend ‘Eres tù’ die Hörer:in gefan­gen nimmt. Also beru­higt Euch bit­te wieder.

Vor­ent­scheid YU 1966

Jugo­vi­zi­ja. Sonn­tag, 23. Janu­ar 1966, aus dem Sin­di­ka­ta Dom in Bel­grad (heu­ti­ges Ser­bi­en). Zehn Teilnehmer:innen. Mode­ra­ti­on: Mića Orlović.

#Interpret:inTitelJuryPlatz
01Zden­ka VučkovićRezer­vi­ra­no za Ljubav0110
02Gabi NovakPrvo Pis­mo1004
03Ber­ta AmbrožSan­ja­la sam0110
04Dra­gan StojnićDuga je Noć0209
05Dra­gan StojnićDva novčića0307
06Dra­gan StojnićPriča0406
07Vice VukovOd ova nebo ti Zede del0307
08Nina Spi­ro­vaDevo­j­ka i Pesna1102
09Elda VilerKo si z menoj?0012
10Ber­ta AmbrožBrez besed2401
11Đorđe Mar­ja­no­vićNajle­pši Dan0012
12Lado Lesko­varTvoj osmeh1102
13Nina Spi­ro­vaRazdel­ba0505

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 21.10.20

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