DE 1967: Musst nicht weinen

Inge Brück, DE 1967
Die Christliche

Auch in meinem Geburtsjahr wollte sich kein erfolgreicher deutscher Schlagerstar mit einer Grand-Prix-Teilnahme die Karriere zugrunde richten, und so trug Hans-Otto Grünefeldt, der Grand-Prix-Verantwortliche der ARD, der TV-Sängerin Inge Brück (schon der Künstlername: Glamour pur!) auf, unseren Beitrag zu Gehör zu bringen. Hans Blum, einer der fleißigsten Schlagerkomponisten der Bundesrepublik, der später als Henri Valentino (‚Im Wagen vor mir‘) selbst eine kleine Hitparaden-Karriere machte und der auch schon Alexandras Superhit ‚Zigeunerjunge‘ verfasste, schrieb ihr mit ‚Anouschka‘ einen Tröstungsschlager erster Güte, der auch den strengen Qualitätsanforderungen der hr-Jury genügte; denn es fand mal wieder keine offene Vorentscheidung statt, sondern eine hausinterne Auswahl. Zu jener Zeit wussten eben die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Anstalten besser, was gut fürs unmündige Volk war.

Die Frisur: zu wissen, es ist Beton!

Frau Brück, die bereits 1957 mit dem kessen Schlager ‚Peter, komm heut Abend zum Hafen‘ und so großartigen Textzeilen wie „Denn im Grünen Kakadu / da singen Mädchen und Matrosen / eine Melodie, die jeder kennt / vom Küssen und von Kosen“ einen Top-Ten-Hit landen konnte und 1966 mit ‚Frag den Wind‘ gar das Internationale Songfestival in Rio de Janeiro gewann, wie Jan Feddersen zu berichten weiß, zog sich nach ihrem Präsentationsauftritt in Heinz Schenks (→ Moderation Vorentscheid 1961) notorischer TV-Äpplerkaschemme und dem demoralisierenden Ergebnis beim Grand Prix in Wien in die trostlosen Höhen des Westerwaldes zurück, wo sie sich dem von der Öffentlichkeit zu Recht wenig beachteten Genre des christlichen Erweckungsschlagers (und, deutlich erfolgreicher, der Schauspielerei) zuwandt.


Und so hätte es klingen sollen (in der Fassung von Alexandra)!

Wie ihre Eurovisionskollegin Dana (→ IE 1970) positionierte sie sich politisch als strikte Abtreibungsgegnerin und sang mit dem ‚Wiegenlied für ein Ungeborenes‘ sogar ein wirklich abscheuliches Agitationslied, in dem sie ihren Geschlechtsgenossinnen jegliches Recht auf Selbstbestimmung absprach und die von der Frauenbewegung mühsam erkämpfte Indikationsregelung als unverantwortliches Einfallstor für gewissenlose, kaltherzige Monster denunzierte. Was für eine furchtbare Frau! In die Verkaufs-Hitparade sollte es 1967 übrigens nur der Grand-Prix-Siegertitel ‚Puppet on a String‘ von Sandie Shaw schaffen, das aber gleich auf Rang 2 der Jahrescharts. Inge Brücks Single hingegen floppte komplett.

Chart-Watch 1967: Der österreichische Vorjahressieger landete mit dem Lied der Fernsehlotterie 1967 einen Top-Hit in Deutschland

Deutsche Vorentscheidung 1967
Zum Blauen Bock. Samstag, 11. März 1967, aus dem Sendestudio des Hessischen Rundfunks, Frankfurt am Main. Eine Teilnehmerin, Moderation: Heinz Schenk (Songpräsentation im Rahmen der TV-Show).

1 Gedanke zu “DE 1967: Musst nicht weinen

  1. Nichts gegen Inge Brück, eine gute Sängerin ist sie auch, aber tatsächlich gibt erst Alexandras dunkle, melancholische Stimme dem Lied das gewisse Etwas. Bei Frau Brück wirkt es irgendwie platter. Schade.

Oder was denkst Du?