DE 1975: Jeder Ton ist wie ein Stein

Joy Fleming, DE 1975
Die Beste. Auf ewig.

Nach dem Katastrophenergebnis der hausinternen Auswahl im Abbajahr 1974 (ein geteilter letzter Platz für den deutschen Beitrag von Cindy & Bert) besann sich sich der seinerzeit verantwortliche Hessische Rundfunk darauf, dass er bereits 1970 und (in Zusammenarbeit mit dem Sender Freies Berlin) 1972 glanzvolle öffentliche Vorentscheidungen auf die Beine gestellt hatte – und mit der dort jeweils ausgewählten Künstlerin einen nicht minder glanzvollen Medaillenplatz beim europäischen Wettsingen erzielte. Mit diesem Wissen im Rücken ging es in Frankfurt am Main frisch ans Werk: heraus kam eine der besten Veranstaltungen in der deutschen Grand-Prix-Geschichte! Zunächst einmal verzichtete man (die EBU tat das erst 1999) auf das antiquierte Orchester und griff auf das aus der ZDF-Hitparade bewährte Halbplayback zurück: Musik vom Band, Gesang live. Das eingesparte Geld investierte der hr in eine annehmbare Studiodekoration. Außerdem holte der Sender die Plattenfirmen mit ins Boot. So dass es gelang, neben einigen No-Names hoffnungsvollen Nachwuchstalenten auch zahlreiche Schlagersänger/innen von der aktuellen A-Liste anzulocken. 15 Künstler/innen traten an, darunter Verzichtbares und Füllstoff, aber auch etliche Highlights.

Eine pralle Stunde herausragenden Musikgenusses am Stück: der deutsche Vorentscheid von 1975 in voller Länge.

Wie bereits 1972 moderierte die hochcharmante, hr-eigene deutsche „Lottofee“ Karin Tietze-Ludwig, die heuer allerdings mit einem schrecklichen Haarmopp und einer überraschenden Stocksteifheit verstörte, so als handele es sich bei der deutschen Vorentscheidung um ein juristisches Seminar und nicht um eine Unterhaltungssendung. Bereits bei der ersten von ihr annoncierten Künstlerin wollte man als Zuschauer vor Verzückung tot umfallen: die kommende Schwulenikone Marianne Rosenberg sang tatsächlich hier erstmals im deutschen Fernsehen ihr mittlerweile legendäres ‚Er gehört zu mir‘. Nicht nur der erste Discoschlager aus heimischen Gefilden, nicht nur eine unsterbliche schwule Hymne, sondern auch einer der Partytracks, die selbst volltrunken heute noch ausnahmslos jede/r Deutsche textsicher mitgrölen kann. Also ein Lied, das zweifelsfrei so sehr zum Kulturerbe dieses Landes gehört, dass sein fehlerfreies Nachsingen verbindlicher Bestandteil des Einbürgerungstests werden sollte.

Sie gehört (zu) uns: die große Marianne Rosenberg.

Bei Mariannes Auftritt stimmte schlichtweg alles: grazil schwebte sie im schwarzroten Maxikleid die Studiotreppe hinunter, keck schüttelte sie ihre charakteristische Fönfrisur, kirschrot glänzten ihre sinnlichen Lippen, mit dezentesten Hüftschwüngen wies sie neckisch auf die Tanzbarkeit des Titels hin (was das völlig apathische Studiopublikum jedoch nicht im Geringsten zu interessieren schien) und ihre Stimme war der reinste Schmelz. Dass sie nicht aus dem Stand gewann, wenigstens Zweite wurde (tatsächlich erreichte sie in der Juryabstimmung nur den inakzeptablen zehnten Rang), erscheint aus heutiger Sicht völlig unbegreiflich. Frau Rosenberg, die in ihrer ausgesprochen lesenswerten Autobiografie ‚Kokolores‘ die italienische Grand-Prix-Diva Gigliola Cinquetti (→ IT 1964 und 1974) als ihr Vorbild nennt, bewarb sich im Folgejahr mit dem Titel ‚Cinéma‘ (deutsch: ‚Lieder der Nacht‘) in Luxemburg, wo sie gegen ihren Kollegen Jürgen Marcus (→ Vorentscheid 1974) den Kürzeren zog. Weiteren Versuchen (mit allerdings furchtbaren Liedern) in den Jahren 19781980 und 1982 im Heimatland sollte ebenfalls kein Glück beschieden sein.

„Denn wer sich liebt, hat auch ein Glied“: dieses mir damals schändlicherweise unbekannte Lied musste ich mal bei einer schwulen Revue im Frankfurter Gallus-Theater auf der Bühne als Karaoke singen. Dafür entschuldige ich mich noch heute bei allen damaligen Zuschauer/innen. Und bei Frau Rosenberg. 

So um das Jahr 2003 herum nahmen die Medien und die breite Öffentlichkeit Notiz vom Musikphänomen Bastard-Pop, dem Zusammenmixen zweier stilistisch völlig gegensätzlicher Musikstücke, dessen Wurzeln Wikipedia in der Mitte der Neunzigerjahre vermutet. Dabei erfand Ralph Siegel diese Technik bereits 1975! ‚Alles geht vorüber‘ täuschte in der Strophe mittels Discogeigen und flotter Beats zunächst eine Seelenverwandtschaft zu Mariannes Phillysound vor – nur, um im Refrain in eine Dixieland-artige (eher: Dixi-Klo-artige) Mitklatschnummer mit Furztrompeten umzukippen. So, als habe Siegel das Stück aus zwei einzelnen Restposten, die noch in der Klangwerkstatt des Komponisten herumlagen, zusammengedengelt. Angehörs des von ihr zu singenden Refrains „Tandara ti, tandara tei“ kräuselten sich selbst der sturmerprobten Peggy March (‚Hey!‘, → Vorentscheid 1969) die Haare. Was sie jedoch nicht daran hinderte, mit vollem Körpereinsatz und behelfs eines weißen Cowboyfransenkleides die Jurys zu hypnotisieren, um von dieser musikalischen Gräueltat abzulenken. Dazu flirtete sie schamlos mit der Kamera, was dem Auftritt jedoch ein sehr stimmiges Flair verlieh: es war halt von vorne bis hinten billig.

Chart-Watch: der deutschsprachige Top-Hit des Jahres 1975 war der fantastische Migrationsschlager ‚Griechischer Wein‘ des österreichischen Grand-Prix-Siegers von 1966, Udo Jürgens – süffig produziert von, jawohl, Ralph Siegel.

A propos Österreich: auch Peter „Kaufhof“ Horton (→ AT 1967) nahm erneut teil, mit der selben Atze-Schröder-Brille und -frisur wie schon 1972, immer noch irgendwie unsympathisch in der Ausstrahlung, und dazu noch mit einem ätzend langweiligen Lied. ‚Am Fuß der Leiter‘: genau da hätte Horton bleiben sollen. Vorausgesetzt, die Leiter steht in den abgelegensten Winkeln der Kanalisation und führt nicht hinauf ins helle Scheinwerferlicht des hr-Sendestudios! Die nächsten beiden Beiträge waren nicht der Rede wert: ein weiterer verdächtig nach Siegel klingender Baukastensong, vorgetragen von ein paar Schiffsschaukelbremsern namens Jokers, sowie Séverines (→ MC 1971) so überflüssiger wie vergeblicher Comebackversuch als singender Kullerpfirsisch. Joy Fleming, die Unvergleichliche, wippte sich in einem figurschmeichelnden schwarzen Kleid mit lustiger bunter Zauberdrachenschleppe (hätte sie das mal anstelle der kotzgrünen Wurstpelle in Stockholm getragen!) ekstatisch durch ihren sensationellen Soulknaller ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘. Dass es die Zuschauer bei der mitreißenden Nummer und dieser fantastischen Stimme nicht auf die Stühle trieb vor Begeisterung, vermag ich mir nur mit äußerst großzügigen Gaben von Valium durch den hr erklären!

Joy Fleming bei einem Comedy-Auftritt (mit Rex Gildo). Das Video des Originalauftrittes ist wegen irgendwelcher elender Contentwichser nicht verfügbar. Obwohl dieser Vorentscheid, wie jedes ARD-Programm, von unseren Gebühren bezahlt wurde und damit der Öffentlichkeit gehört!

Die bedauernswerte Maggie Mae mühte sich im Anschluß, durch unkoordinierte Hyperaktivität von ihrer markerschütternden Kieksstimme und ihrem unterirdischen, „total verrückten“ Stimmungsschlager abzulenken, gegen den selbst Tina Yorks Spießerhymne ‚Wir lassen uns das Stinken Singen nicht verbieten‘ noch intellektuell wirkt. Natürlich war sie an dieser Stelle verloren, ebenso wie der lediglich als Musikproduzent erfolgreiche Werner Becker mit seinem selbst getexteten Simpelschlager über seine geistige Einfalt (‚Heut bin ich arm‘). „Eine Liebe ist wie ein Lied, (…) manchmal vergessen, wenn es verklungen ist“ sang die rundgebürstete Mary Roos (→ DE 1972, 1984). Sie erwies sich damit in eigener Sache als prophetisch, denn so sehr ich Mary schätze: diese lahme Nummer aus der Feder von Hans Blum vergaß man bereits wieder, während sie noch sang. Im Gegensatz zu ihrem Kleid, dessen Dessin sich nicht so recht zwischen Geschenkpapier von Woolworth und einem Sofabezug für die Generation 80plus entscheiden konnte und das ob seiner Scheußlichkeit bis heute seines Gleichen sucht.

Hatte wohl denselben Haarstylisten wie ihre Kollegin Marianne Rosenberg: Mary Roos, hier mit einem leider nur so mittelguten Schlager.

Für Heiterkeit beim Publikum sorgte ein dreißigsekündiger Stromausfall im Studio (Karin Tietze-Ludwig: „Bitte, meine Damen und Herren, haben Sie etwas Verständnis für unsere Situation!“) sowie direkt darauffolgend ein nervositätsbedingter, totaler Stimmausfall bei der zehnten Künstlerin des Abends, Ricci Hohlt, die sang, als ob gerade ein Schwein abgestochen würde (dieses schöne Sprachbild verdanke ich meiner Mutter, die das früher immer über mich sagte, wenn ich zu Madonnas ‚Material Girl‘ inbrünstig mitträllerte. Danke, Mama!). Von Ricci zu Ricky (Gordon) sind es nur zwei Buchstaben und zwei Zentimeter, und auch dieser in Belgien gebürtige Rummelplatztravolta konnte folgerichtig überhaupt nicht singen, zum Amüsement des Publikums aber auch überhaupt nicht tanzen. Dafür trug er einen halben Meter überstehende, rasiermesserspitze Hemdkragen. Was meine Valiumthese erhärtet, sonst hätten die Zuschauer/innen ringsum nämlich reihenweise panisch in Deckung gehen müssen.

Ricci Hohlt kam in den Siebzigern als Chorsängerin bei einigen Disco-Produktionen von Rainer Pietsch, der auch ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘ schrieb, zum Einsatz. Daneben arbeitet sie als Boulevardschauspielerin.

Singen konnte dagegen Jürgen Marcus (→ LU 1976), und das sogar sehr gut. Mein Glied Ein Lied zieht hinaus in die Welt‘, nämlich gen Stockholm und von dort aus durch ganz Europa. So der Plan. Und das hätte wohl auch geklappt – in jedem anderen Jahr, in dem nicht Joy Fleming jegliche, auch gute, Konkurrenz gegen die Wand sang. Kosmischen Ausgleich erfuhr der sehr zur großen Geste und zum verräterischen gebrochenen Handgelenk neigende ehemalige Musicalstar auf kommerzieller Ebene: dort zog sein dick auftragendes Lied nämlich tatsächlich hinaus in die Welt (naja, ein bisschen) und verkaufte sich in den Niederlanden (#17), der Schweiz (#4) und Österreich (#15). Zu Hause belegte es als erfolgreichster Titel dieses Vorentscheids gar Rang 3 der Charts, während Mariannes Single immerhin noch #7 schaffte. Unfasslicherweise kam die 2017 verstorbene Joy Fleming nicht über Platz 32 hinaus: Geschmacksbehinderung scheint in Deutschland eine Volkskrankheit zu sein.

Jürgen Marcus bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade. Das Video des Originalauftrittes ist, wie Sie sich denken können, wegen irgendwelcher elender Contentwichser leider gesperrt. Obwohl dieser Vorentscheid (erwähnte ich es bereits?), wie jedes ARD-Programm, von unseren Gebühren bezahlt wurde und damit der Öffentlichkeit gehört!

‚Hör wieder Radio‘: mit diesem äußerst eingängig vorgetragenen Imperativ versuchte es die Love Generation, ein Me-too-Produkt im Fahrwasser der überaus erfolgreichen Les Humphries Singers (→ DE 1976, auch da trat die Love Generation nochmals beim Vorentscheid an). Mit dabei: der mit dem Kirmesschlager ‚It’s a real good Feeling‘ (1980 eine Nummer Eins in Deutschland) solo sehr erfolgreiche Peter Kent, der mit der charakteristischen, gefärbten Locke. Sowie die uns 1981 nochmals als Teil der Hornettes (‚Mannequin‘) begegnende, 2014 verstorbene Gitta Walther – die Füllige mit der großen Stimme, die auch auf dem 1975er Disco-Welthit ‚Fly Robin Fly‘ von Silver Convention (→ DE 1977) zu hören ist und im gleichen Jahr den markanten Schrei zu Penny McLeans Nummer-Eins-Hit ‚Lady Bump‘ beisteuerte. Die stümperhaften Kostüme und Choreografie verrieten die Liebesgeneration, die es in den von ständigen Umbesetzungen geprägten neun Jahren des Bestehens dieser Band nie zu nennenswertem kommerziellen Erfolg brachte, als Contest-untaugliche B-Ware. Dafür lief ihr Werbesong für Oldiewellen natürlich öfters im Radio.

Ich halte es da mit den Reynolds Girls: Golden Oldies, Rolling Stones, we don’t want them back / I’d rather jack, than Fleetwood Mac!

Für Katja Ebsteins Breitwandschmachtfetzen ‚Ich liebe Dich‘ sei es nach späterer Aussage der Künstlerin nur vier Jahre nach ihrer Doppelrepräsentation beim Grand Prix „noch zu früh“ gewesen. Angesichts des Niveauverlustes im Vergleich zu ihren damaligen Songs bin ich eher geneigt, zu sagen: zu spät. Das mit ‚Wunder gibt es immer wieder‘ (1970) und ‚Diese Welt‘ (1971) von der als sozialkritisch positionierten Schlagertante vorgegebene, sehr hohe künstlerische Niveau konnte die Gute trotz weiterer Politschlagerperlen wie dem ‚Indiojungen aus Peru‘ natürlich nicht all zu lange halten. Mit dem doch sehr volkstümlich anmutenden ‚Es war einmal ein Jäger‘ landete sie bereits im Vorjahr unsanft in den Niederungen des deutschen Schlagermarktes. Ihr diesjähriger Grand-Prix-Versuch ‚Ich liebe Dich‘, musikalisch eine Art geronnener Sülze, bot daraus ebenso wenig Befreiung wie ihr dritter Eurovisionsbeitrag im Jahre 1980, das von Ralph Siegel verantwortete, tingeltangelhafte ‚Theater‘.

Im Gegensatz zur Kollegin Mary Roos bewies Katja Ebstein wenigstens beim Outfit Geschmack.

Als echtes Eurovisionsschmankerl für Trashgourmets erwies sich die letzte Nummer in diesem Concours: Shuki & Aviva, ein singendes israelisches Duo, bestehend aus einer Doppelgängerin der US-amerikanischen Schauspielerin Lili Tomlin (Zwei mal Zwei) und – tja, für ihn fallen mir keine Vergleiche ein, das muss man mit eigenen Augen gesehen haben! Yetifrisur, Vollbart, hautenger (!) schwarzer Catsuit mit einem fast bis zum Bauchnabel reichenden Rundausschnitt (sein Dekolleté reichte deutlich tiefer als ihres), so dass das üppige Brusthaar voll zur Geltung kam. Dazu ein Anhänger, von dem ich mir nicht sicher bin, ob er einen Säbelzahntigersäbelzahn oder eine konservierte Chilischote darstellte. Beide natürlich in meterhohen Plateauschuhen, ihre am Bein als Dominastiefel endend. Eine Tanzchoreografie wie in einem Amsterdamer Animierschuppen (meinen allerhöchsten Respekt, dass sie bei diesen Klumpschuhen überhaupt die Hufe hochbekamen!): schlichtweg eine Sen-sa-tion!

Ein audiovisuelles Gesamtspektakel, das seines Gleichen sucht: Shuki & Aviva.

Shuki Levi komponierte übrigens später nicht nur den israelischen Eurovisionsbeitrag von 1981, sondern auch die Musik für die Zeichentrickserie Power Rangers, führte dort Regie und managte den Medienkonzern von Haim Saban, dem zeitweilig die ProSieben SAT.1 Media AG gehörte. Er dürfte finanziell wohl ausgesorgt haben. Als weniger sensationell bleibt das das Auszählungsverfahren in Erinnerung: es gab eine Jury mit je vier Mitgliedern pro Landesrundfunkanstalt, darunter – in einer Art doppelter Minderheitenquote – auch je eine „junge Dame“. Das Erste zeigte jedoch die Stimmaddition nicht live, sondern es unterbrach die Show für eine Stunde und ließ anschließend nur das Gesamtergebnis verlesen. Und auch wenn Frau Tietze-Ludwig nicht müde wurde, zu betonen, das Ganze habe unter notarieller Begleitung stattgefunden (man wartete förmlich darauf, dass sie sagt: „Der Aufsichtsbeamte hat sich vor dieser Sendung von dem ordnungsgemäßen Zustand der Jurymitglieder und der 15 Lieder überzeugt“): als vertrauensbildende Maßnahme erwies sich das nicht.

Chart-Watch: Gertrude Wirschinger alias Penny McLean mit dem von Gitta Walther (Love Generation) geliehenen Schrei bei ‚Lady Bump‘, einem Nummer-Eins-Hit im Jahre 1975.

Lustiges Detail: da es insgesamt 36 Abstimmungsberechtigte gab, die für jedes Lied mindestens einen Punkt vergeben mussten (maximal fünf), summierte sich die zu erreichende niedrigste Zahl auf (Sie rechnen mit? Richtig): 36. Ricky Gordon erhielt gerade mal 37 Punkte, was ja nichts anderes heißt, als dass lediglich ein einziger Juror die Ansicht vertrat, sein Beitrag sei nicht völlig indiskutabel, sondern einfach nur grottenschlecht. Dass Herr Gordon zumindest beim Kopfrechnen über eine gewisse Begabung verfügte, wenn schon nicht beim Singen, konnte man in seinem Gesicht ablesen. Joy hingegen durfte ihren Titel abschließend noch mal singen, beim Schlussvers dekorativ umrahmt von ihren Konkurrent/innen, die sich erkennbar Mühe gaben, ihre Mordgedanken zu unterdrücken und den fairen Verlierer zu spielen. Joy focht das nicht an: sie schwenkte enthusiastisch den etwas welken Siegerinnenblumenstrauß und freute sich einen Ast. Noch.

Chart-Watch: Einen Nummer-2-Hit in Deutschland landeten 1975 die ehemaligen französischen Eurovisionsteilnehmer Alain Barrière (1963) und Noëlle Cordier (1967). Die deutsche Version ‚Du gehst fort‘ sangen Adam & Eve (→ Vorentscheid 1980).

Deutsche Vorentscheidung 1975

Ein Lied für Stockholm. Samstag, 3. Februar 1975, aus dem Sendestudio des Hessischen Rundfunks in Frankfurt. 15 Teilnehmer. Moderation: Karin Tietze-Ludwig.
#InterpretTitelPunktePlatzCharts
01Marianne RosenbergEr gehört zu mir0861007
02Peggy MarchAlles geht vorüber12802-
03Peter HortonAm Fuß der Leiter07911-
04JokersSan Francisco Symphony05712-
05SéverineDreh Dich im Kreisel der Zeit09407-
06Joy FlemingEin Lied kann eine Brücke sein1340132
07Maggie MaeDie total verrückte Zeit09407-
08Werner BeckerHeut bin ich arm, heut bin ich reich05413-
09Mary RoosEine Liebe ist wie ein Lied1150350
10Ricci HohltDu03814-
11Ricky GordonSonja03715-
12Jürgen MarcusEin Lied zieht hinaus in die Welt0900903
13Love GenerationHör wieder Radio11503-
14Katja EbsteinIch liebe Dich11005-
15Shuki & AvivaDu und ich und zwei Träume10806-

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