ESC 1989: Why do they always get it wrong?

Logo des Eurovision Song Contest 1989
Das Jahr des Super­trashs

Ein Jahr­gang, der mich wie kein zwei­ter gespal­ten hin­ter­lässt: einer­seits unglaub­lich reich an Spit­zen­er­zeug­nis­sen des Trashs und der unfrei­wil­li­gen Komik und damit ein ernst­haf­ter Anwär­ter auf die Top Five mei­ner Lieb­lings­con­tests. Ande­rer­seits rui­niert durch rund­weg skan­da­lö­se Jury­ent­schei­dun­gen und den unge­recht­fer­tigs­ten Sie­ger­ti­tel aller Zei­ten. Doch begin­nen wir mit den amü­san­ten Sei­ten die­ses Con­tests: das eid­ge­nös­si­sche Fern­se­hen unter­hielt die Zuschauer/innen zum Auf­takt und in den Post­kar­ten mit idyl­li­schen Kli­schee­bil­dern über Ber­ge, Kühe, Ber­ge, Käse, Ber­ge, Uhren, Ber­ge, Alp­hör­ner, Ber­ge, das Hei­di und Ber­ge – was man sich eben unter der Schweiz so vor­stellt! Ban­ken­nie­der­las­sun­gen mit dis­kre­ten Kon­ten für das Blut­geld aus den Dik­ta­tu­ren die­ser Welt oder die schwar­zen Kas­sen der CDU spar­te man hin­ge­gen aus.

Was hat er, was ich nicht habe, frag­ten sich bestimmt etli­che zuschau­en­de Hete­ro­män­ner (IT)

Tho­mas Gott­schalk, der für die ARD kom­men­tier­te, mach­te sich mit mil­dem Spott über die Ver­an­stal­tung lus­tig, was illus­trier­te, wie wenig ernst man den Wett­be­werb mitt­ler­wei­le selbst von offi­zi­el­ler Sei­te noch nahm. Als schwei­ze­ri­sches Mode­ra­ti­ons­pär­chen fun­gier­ten ein älte­rer Sport­re­por­ter mit aus­dau­ernd erho­be­nem Zei­ge­fin­ger sowie die dama­li­ge Schön­heits­kö­ni­gin und zeit­wei­li­ge Ehe­frau von Lod­dar­m­ad­dä­us mit dem hüb­schen Namen Loli­ta More­no. Sie bezau­ber­te durch einen atem­be­rau­ben­den Schei­ben­wi­scher-Steh­kra­gen und umfas­sen­de Fremd­spra­chen­kennt­nis­se. Ita­li­en eröff­ne­te den Lie­der­rei­gen gran­di­os mit einer por­no­blon­den Sän­ge­rin nebst Duett­part­ner mit den nicht min­der hüb­schen (und por­no­taug­li­chen) Namen Anna Oxa & Faus­to Lea­li, den aktu­el­len Sie­gern des San-Remo-Fes­ti­vals. Ihr phi­lo­so­phisch-las­zi­ves ‘Avrei volu­to’ (‘Ich hät­te gewollt’ – was wohl nur?) erwies sich als hei­ser gekrächz­tes, sehr anre­gen­des Stück Italo­pop vom Feins­ten und hät­te unbe­dingt eine bes­se­re Plat­zie­rung als den erreich­ten neun­ten Rang ver­dient.

Muss­te mal für klei­ne Köni­ge: der zwölf­jäh­ri­ge Gili (IL)

Rüh­rend erschien der Auf­tritt des sehr auf­ge­reg­ten, erst zwölf­jäh­ri­gen Israe­lis Gili Neta­nel, der sei­ne damals sicher­lich noch nicht ein­mal selbst geahn­te sexu­el­le Ori­en­tie­rung für jeder­mann erkenn­bar im Rah­men sei­ner Büh­nen­show offen­bar­te. So schwul sang und tanz­te nie­mals zuvor oder danach in der Grand-Prix-Geschich­te irgend­je­mand, außer viel­leicht Hal­dor Lægreid (NO 2001). Aus Für­sor­ge­grün­den, und um Gilis durch­drin­gend hohes Organ auf eine für das mensch­li­che Ohr ange­neh­me Ton­la­ge her­un­ter­zu­dämp­fen (in Schla­ger­krei­sen als “der Bert-Effekt” bekannt), stell­te ihm das israe­li­sche Fern­se­hen eine voll­jäh­ri­ge Auf­sichts­per­son namens Galit Burg sin­gend zur Sei­te. Auch sie konn­te nicht ver­hin­dern, dass ihrem Schütz­ling vor lau­ter Auf­re­gung zur Halb­zeit ein win­zi­ges Bäu­er­chen ent­fleuch­te. Was gar nicht wei­ter auf­ge­fal­len wäre, wenn der ansons­ten künst­lich dau­er­grin­sen­de Kna­be nach die­sem klei­nen Miss­ge­schick nicht so erschro­cken-ver­drieß­lich drein­ge­blickt hät­te. Alles in allem eine Dar­bie­tung vol­ler groß­ar­ti­ger, anrüh­ren­der, unfrei­wil­li­ger Komik.

So sieht eine Press­we­he aus: Jus­ti­ne gebiert einen Ton (NL)

Die Nie­der­län­de­rin Jus­ti­ne Pel­me­lay, im Vor­jahr noch Chor­sän­ge­rin von Gerald Joling, trug zwar eine der fan­tas­tischs­ten Acht­zi­ger­jah­re-Fri­su­ren der, öhm, Acht­zi­ger­jah­re, litt aber unter dem Tina-Tur­ner-Syn­drom: dem stimm­li­chen Nicht­lie­fern­kön­nen, wenn es drauf ankommt (vgl. den Schluss­ton von ‘Gol­de­neye’). Jus­ti­ne ver­krächz­te das Fina­le ihrer auf­wal­len­den, voll­stän­dig auf die gro­ße, hohe Schluss­no­te hin­zu­lau­fen­den Bal­la­de, auf die man die gan­zen drei Minu­ten gewar­tet hat­te, kläg­lich. Beim Grand Prix ging sie so unter; im spä­te­ren rea­len Leben hat­te sie mehr Glück: 2012 gehör­te sie zu den geret­te­ten Pas­sa­gie­ren des hava­rier­ten Kreuz­fahrt­schif­fes Cos­ta Con­cordia. Die Tür­kei über­rasch­te das ver­dutz­te Euro­pa mit einem tanz­ba­ren, ja gera­de­zu hör­ba­ren Pop­stück namens ‘Bana Bana’. Lei­der unter­grub die Grup­pe Pan (bestehend aus der Kom­po­nis­ten­toch­ter sowie der Ver­tre­te­rin von 1995, Arzu Ece, plus zwei männ­li­chen Auf­pas­sern) ihren fan­tas­ti­schen, sei­ner Zeit vor­aus­ei­len­den Eth­no-Dis­co-Klop­fer mit ihrer züch­ti­gen, strik­ten Geschlech­ter­tren­nung und den eigen­wil­li­gen Kos­tü­men.

We are Fami­ly: Vater am Diri­gen­ten­stab, Toch­ter auf der Büh­ne (TR)

Um so lus­ti­ger die hys­te­ri­sche Per­for­mance des Kom­po­nis­ten und Diri­gen­ten Timur Selçuk. Die osma­ni­sche Hin­wen­dung zur Moder­ni­tät wur­de von den offen­sicht­lich gehirn­am­pu­tier­ten Jurys mit dem 21. Platz abge­straft, eine schlicht­weg kri­mi­nel­le Ent­schei­dung! Ein Skan­dal auch das Ergeb­nis für die tap­fe­re flä­mi­sche Haus­frau Inge­borg Ser­geant, die sich, wie schon zwei Jah­re zuvor ihre (etwas gla­mou­rö­se­re) hol­län­di­sche Kol­le­gin Mar­cha Bult, dem auf dem Flach­land anschei­nend beson­ders oft in Orkan­stär­ke wehen­den Wind trot­zig ent­ge­gen stell­te. Was sich optisch an einer stör­ri­schen Haar­sträh­ne mani­fes­tier­te, die hart­nä­ckig wie eine Mini­an­ten­ne von Inge­borgs pos­sier­lich fri­sier­tem Bubi­köpf­chen abstand. Den­noch war ‘Door de Wind’ vol­ler sanf­ter Anmut. Anders der iri­sche Bei­trag ‘The real me’ von Kiev Col­l­o­ny & the Mis­sing Pas­sen­gers (wer denkt sich sol­che Band­na­men aus?), der sehr ent­fernt klang wie ein Alb­um­füll­ti­tel für Rick Ast­ley – und damit zumin­dest theo­re­tisch noch eini­ger­ma­ßen nahe am aktu­el­len Pop­ge­sche­hen, wo S/A/W die euro­päi­schen Sin­glecharts im drit­ten Jahr in Fol­ge domi­nier­ten. Gol­de­ne Zei­ten für das bri­ti­sche Musik­busi­ness!

Kom­po­nist und Backing Stef Bos hat­te anschei­nend noch was zu erle­di­gen und erschien daher erst zur Song­mit­te (BE)

Nicht so beim ESC: hier frag­te sich Ray Caru­na, der Front­mann von Live Report (ein schlech­te­rer Band­na­me ging wohl nicht mehr?) ‘Why do I always get it wrong’? Unklar blieb, ob sich das auf sei­nen Mode­ge­schmack – eine ver­stö­ren­de Kom­bi­na­ti­on geschmack­li­cher Tod­sün­den wie Halb­glat­ze und Pfer­de­schwänz­chen sowie Bund­fal­ten­ho­se und Ledersak­ko – oder die erbärm­li­che musi­ka­li­sche Qua­li­tät sei­nes Titels bezog. Zu sei­ner eige­nen Empö­rung kam er nur auf den anschei­nend für das König­reich fest reser­vier­ten zwei­ten Platz. Empö­rend in der Tat: Rang 22 wäre ange­mes­se­ner gewe­sen. In den Charts reich­te es hin­ge­gen nur für Platz #73, und das auch nur auf der Insel. 1994 ver­such­te es der gebür­ti­ge Mal­te­ser Ray beim dor­ti­gen Song for Euro­pe, Gott sei Dank ver­geb­lich. Die für Luxem­burg antre­ten­de Sän­ge­rin von Park Café (okay, ein noch schlech­te­rer Band­na­me geht anschei­nend doch!) erlitt schein­bar nur weni­ge Minu­ten vor ihrem Auf­tritt einen fol­gen­schwe­ren Zusam­men­stoß mit einer Brenn­sche­re: eine grau­sa­mer ver­stüm­mel­te Fri­sur sah man auf einer Euro­vi­si­ons­büh­ne wohl nie wie­der.

Din­ge, von denen ich gar nichts wis­sen will: Daníel Ágúst (IS)

Unglück­li­cher­wei­se taten weder die baro­cken Gold­ohr­rin­ge noch der drö­ge Song ‘Mon­sieur’ irgend­et­was, um von dem Haar­de­sas­ter abzu­len­ken. Lus­ti­ges Detail: Rai­ner Kind, bes­ser bekannt unter dem Name Elu­te als Teil von Guil­do Horns (DE 1998) Ortho­pä­di­schen Strümp­fen, saß beim die­sem Auf­tritt als Drum­mer und zur stimm­li­chen Unter­stüt­zung auf der Büh­ne. Island schick­te einen blut­jun­gen, jedoch schein­bar unter Blut­ar­mut lei­den­den, so autis­tisch wie andro­gyn wir­ken­den Sän­ger namens Daníel Ágúst Haralds­son, der sich in sei­ner schlim­men Hüft­ho­se im Ram­pen­licht ver­ständ­li­cher­wei­se unwohl fühl­te. Ange­strengt ver­mied er jeg­li­chen Kame­ra­kon­takt – wenn er es doch mal tat, schau­te er so ver­stö­rend drein wie ein Seri­en­tä­ter. Bei Text­zei­len wie “Beleuch­te mei­nen Pfad, lüs­ter­ner alter Mond” und “Jeder begehrt etwas, das er für sich behal­ten will” auch kein Wun­der. Trotz völ­lig berech­tig­ten Null-Punk­te-Ergeb­nis­ses mach­te Dani­el Kar­rie­re: als Grün­dungs­mit­glied und Lead­sän­ger der inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen Elec­tro­ni­ca-Pio­nie­re Gus­Gus (‘David’).

Will­kom­men, bien­ve­nu, wel­co­me – beim Caba­ret, au Caba­ret, at Caba­ret! (DK)

Zur Erho­lung von die­ser Düs­ter­nis brauch­te es schon einen Dop­pel­pack skan­di­na­vi­scher Lebens­freu­de: Däne­mark ent­bot das in hei­mi­schen Fan­krei­sen noch heu­te viel­ge­lieb­te Schla­ger­schlach­troß Bir­t­he Kjær, die im pas­sen­den roten Kleid, ganz im Sti­le alter Musik­re­vu­en der fünf­zi­ger Jah­re und beglei­tet von quiet­schend schie­fen Trom­pe­ten­klän­gen, die ‘Stadt rot anma­len’ woll­te. Dass sie da mal nicht von der Anti-Graf­fi­ti-Soko erwischt wird! In die glei­che Kate­go­rie Camp-Klas­si­ker fällt die fabel­haf­te Anne­li Saa­ris­to aus Finn­land, die live zu erle­ben ich in Hel­sin­ki das Ver­gnü­gen hat­te. Die in einem eben­falls roten Zelt­kleid mit quer lie­gen­der Blu­men­schär­pe antre­ten­de Anne­li sang eine fröh­li­che, opti­mis­ti­sche Wei­se über ‘La dol­ce Vita’, wie es für die stets lebens­be­ja­hen­den und sin­nen­fro­hen Fin­nen, unstrit­tig die Ita­lie­ner Skan­di­na­vi­ens, nicht typi­scher sein könn­te. Um die Ver­wir­rung zu ver­grö­ßern: musi­ka­lisch umrahmt und ange­trie­ben wur­de das Gan­ze von feu­ri­gen spa­ni­schen Fla­men­co­gi­tar­ren, die in amü­san­ter Wei­se zu den süß­li­chen Klang­wäl­len aus Gei­gen kon­tras­tier­ten, mit den das Orches­ter ver­such­te, die Num­mer zu erdros­seln.

Dio, come ti amo: Anne­li Saa­ris­to (FI)

Doch nicht mit Frau Saa­ris­to: die lächel­te tap­fer und setz­te sich in ado­rie­rens­wer­ter Wei­se durch. Bra­vo, Anne­li! Frank­reich schick­te einen aus Bel­gi­en impor­tier­ten, ener­vie­ren­den zwölf­jäh­ri­gen Pip­pi-Lang­strumpf-Ver­schnitt namens Natha­lie Pâque, die behaup­te­te, das ‘Leben gestoh­len’ zu haben. Erst der rülp­sen­de Israe­li, dann die die­bi­sche Fran­zö­sin – damit war das Maß voll: im Fol­ge­jahr erließ die EBU eine bis heu­te gül­ti­ge Alters­gren­ze von 16 Jah­ren für die Euro­vi­si­ons­teil­nah­me. Dan­ke sehr! Es folg­te die hin­rei­ßend schö­ne Spa­nie­rin Anna María Agus­tí Flo­res ali­as Nina. Sie inter­pre­tier­te das lei­den­schaft­li­che und hoch dra­ma­ti­sche ‘Naci­da para Amar’ vol­ler Hin­ga­be und mit gro­ßer Stim­me und lie­fer­te einen der bes­ten spa­ni­schen Bei­trä­ge aller Zei­ten. Sowie, ohne jede Fra­ge, die gran­dio­ses­te Per­for­mance die­ses Abends. So stark leg­te sie sich beim Schluss­vers ins Zeug, dass ihr die sorg­sam auf die Stirn dra­pier­te ein­zel­ne Haar­sträh­ne ihres anmu­ti­gen Locken­köpf­chens ins Gesicht stürz­te. Das war rüh­rend komisch und hät­te zwin­gend mit dem Sieg belohnt wer­den müs­sen.

Gebo­ren, um Lie­be zu geben: die fabel­haf­te Nina (ES)

Doch, wie in die­sem Jahr beson­ders deut­lich erkenn­bar, ver­stopf­ten sich die Juro­ren mal wie­der mut­wil­lig Augen und Ohren und stimm­ten mut­maß­lich nach der Dicke des Bestechungs­geld­bün­dels ab. Denn anders als mit Geld­ver­schie­bun­gen auf Schwei­zer Num­mern­kon­ten lässt sich der Sieg der jugo­sla­wi­schen Band Riva nicht erklä­ren. Ihr ver­bre­che­risch “schlich­ter Som­mer­beat” (Jan Fed­der­sen) ‘Rock me’, bestehend aus ein paar Bro­cken Kroa­tisch und end­lo­sen Wie­der­ho­lun­gen der eng­li­schen Titel­zei­le, erwies sich als der­ge­stalt uner­träg­lich bil­lig, dass ihn anschlie­ßend die euro­päi­schen Plat­ten­käu­fer nicht mal für geschenkt haben woll­ten. Gerüch­ten zufol­ge soll spä­ter die US-Regie­rung die Kom­plett­auf­la­ge der Sin­gle auf­ge­kauft haben, um durch das Abspie­len der Plat­te im Fol­ter­ge­fäng­nis in Guan­ta­na­mo Bay schnel­le Geständ­nis­se zu erpres­sen. Die Zuschau­er in Lau­sanne jeden­falls wand­ten sich schon wäh­rend der Sie­ger­re­pri­se ab und gin­gen. Ob aus Pro­test gegen die sehr offen­sicht­li­che Schie­bung oder weil sie die schreck­li­che Num­mer ein­fach nicht noch mal hören woll­ten, bleibt Spe­ku­la­ti­on.

In Lau­sanne hat­te Die­ter sein Pul­ver schon ander­wei­tig ver­schos­sen (DE)

Rock me’ hält seit­her unge­bro­chen die Num­mer Eins mei­ner per­sön­li­chen Hass­lie­der­lis­te, direkt gefolgt von den ‘Rock’n’Roll Kids’ (IE 1994). ‘Rock’-Songs haben halt auch beim Grand Prix schlicht­weg nichts ver­lo­ren! Eine Bruch­lan­dung erleb­te hin­ge­gen Nino de Ange­los (DVE 2002‘Flie­ger’. Dum­mer­wei­se schrieb Boh­len näm­lich, sei­nem heim­li­chen Vor­bild Ralph Sie­gel fol­gend, auch gleich den dies­jäh­ri­gen Bei­trag Öster­reichs. Und der kam im Star­ter­feld als ers­ter dran. Da konn­te der sich selbst sehr grund­los sehr toll fin­den­de Tho­mas Forst­ner (AT 1991) noch so schei­ße aus­se­hen mit sei­ner Vokuhi­la-Fri­sur und sei­nem pas­tell­far­be­nen Eis­läu­fe­rout­fit, da konn­te er das bal­la­des­ke ‘Nur ein Lied’ noch so sehr ver­gei­gen. Nino, obschon um Län­gen bes­ser, nah­men die meis­ten Juro­ren nur noch als Wie­der­ho­lung wahr (einen Boh­len erkennt man halt so sicher wie einen Sie­gel) und bestraf­ten den Ver­rat sei­nes Kom­po­nis­ten mit dem vier­zehn­ten Rang. Zu Recht schäum­ten und tob­ten die deut­schen Zuschau­er und über zwei Mil­lio­nen von ihnen wand­ten sich für immer ent­täuscht vom Song Con­test ab. Toll gemacht, Die­ter!

No more Bole­ro-Jäck­chen: Tho­mas Forst­ner (AT)

Die Gast­ge­ber nutz­ten sin­ni­ger­wei­se die Gele­gen­heit, die Welt mit der am wenigs­ten ver­brei­te­ten ihrer vier Lan­des­spra­chen bekannt zu machen, dem Räto­ro­ma­ni­schen (‘Viver sen­za tei’ von Fur­baz). Was sich für mein unge­üb­tes Ohr offen gestan­den anhör­te, als wenn ein Fin­ne mit dem Wör­ter­buch in der Hand ver­sucht, sich auf Ita­lie­nisch zu ver­stän­di­gen. Auch im Rah­men­pro­gramm schos­sen sich die Eid­ge­nos­sen sprich­wört­lich selbst ins Knie: die für die hel­ve­ti­sche Kon­fö­de­ra­ti­on iden­ti­täts­stif­ten­de Wil­helm-Tell-Saga auf­grei­fend, über­brück­te ein extrem selbst­ver­lieb­ter Bogen­schüt­ze mit aller­lei affek­tiert zele­brier­ten Kunst­stück­chen die Aus­zäh­lungs­pau­se. Aus­ge­rech­net der (live!) akri­bisch stun­den­lang vor­be­rei­te­te Haupt­act, bei dem sich Guy Tell selbst den sagen­um­wo­be­nen Apfel von der Bir­ne schie­ßen woll­te, ging jedoch pein­li­cher­wei­se schief: der über Ban­de gespiel­te Pfeil ver­fehl­te sein Ziel um meh­re­re Zen­ti­me­ter. “Den Kopf des Schüt­zen aber lei­der auch,” wie Ter­ry Wogan süf­fi­sant anmerk­te.

Als Star­gast durf­te Vor­jah­res­sie­ge­rin Céli­ne Dion – mit deut­lich volu­mi­nö­se­rer Dau­er­wel­le, aber immer noch mit schreck­li­chen Kla­mot­ten – ihre neue Sin­gle vor­stel­len beim ESC 1989

Euro­vi­si­on Song Con­test 1989

Con­cours Euro­vi­si­on de la Chan­son. Sams­tag, 6. Mai 1989, aus dem Palais de Beau­lieu in Lau­sanne, Schweiz. 22 Teil­neh­mer­län­der, Mode­ra­ti­on: Loli­ta More­na und Jac­ques Deschen­aux.
#LandInter­pretTitelPunk­tePlatz
01ITAnna Oxa + Faus­to Lea­liAvrei volu­to05609
02ILGili & GalitDerech Hamel­ech05012
03IEKiev Col­l­o­ny & the Mis­sing Pas­sen­gersThe real me02118
04NLJus­ti­ne Pel­me­layBli­jf zoals je bent04515
05TRPanBana bana00521
06BEInge­borg Ser­geantDoor de Wind01319
07UKLive ReportWhy do I always get it wrong?13002
08NOBritt Syn­nø­ve Johan­senVen­ners nær­het03017
09PTDa Vin­ciCon­quis­ta­dor03916
10SETom­my Nils­sonEn Dag11004
11LUPark CaféMon­sieur00820
12DKBir­t­he KjærVi maler Byen rød11103
13ATTho­mas Forst­nerNur ein Lied09205
14FIAnne­li Saa­ris­toLa dol­ce Vita07607
15FRNatha­lie PâqueJ’ai volé la Vie06008
16ESNinaNaci­da para Amar08806
17CYFan­ny Poly­me­ri + Yan­nis Savi­da­kisApop­se as vret­ho­u­me05111
18CHFur­bazViver sen­za tei04713
19GRMaria­na Efstra­tiouTo dik­ou sou Aste­ri 05610
20ISDaníel Ágúst Haralds­sonÞað sem enginn sér00022
21DENino de Ange­loFlie­ger04614
22YURivaRock me13701

4 Gedanken zu “ESC 1989: Why do they always get it wrong?

  1. BLARGH! Sor­ry, aber wie anders soll man denn die­sen Jahr­gang und vor allem DIE­SEN SIE­GER kom­men­tie­ren? Was mich per­sön­lich aber so rich­tig, rich­tig, RICH­TIG erbost hat, war das Abschnei­den der Ita­lie­ner. Die haben sich näm­lich mit die­ser Per­le in mei­nen ganz per­sön­li­chen Euro­vi­si­ons­him­mel kata­pul­tiert, und dann krie­gen sie erst bei der 9. Wer­tung ihre ers­ten Punk­te und bei der 14. das zwei­te Mal wel­che? Und dafür gewinnt die­ses, die­ses, die­ses DING da aus Jugo­land? GAAAAH!

    Dabei wärs doch so ein­fach gewe­sen, man hät­te näm­lich nur tau­schen müs­sen! 1989 gewinnt Ita­li­en, 1990 Jugo­sla­wi­en, dann hät­te alles genau gepasst! Und die frag­wür­di­ge “Mode­ra­ti­on” vom Duo Infer­na­le (Giglio­la und Toto) wär uns oben­drein erspart geblie­ben!

  2. Na, ob Faus­to Lea­li so viel bes­ser gewe­sen wäre als Toto Cutug­no? (Zuge­ge­ben, viel schlech­ter wäre kaum gegan­gen).

  3. Kein Kom­men­tar zum iri­schen Bei­trag? Nicht, dass ihn so über­ra­gend fin­de, aber er klingt doch als ein­zi­ger nach der vor­herr­schen­den Pop­mu­sik der Spät-80er und nicht kom­plett am Zeit­geist vor­bei, oder? Ich weiß nicht, wie kom­mer­zi­ell erfolg­reich er war, aber er klingt für mich so, als hät­te er auch außer­halb des ESC über­le­ben kön­nen.

  4. Stimmt, klingt ganz ent­fernt wie etwas aus dem Müll­ei­mer der S/A/W-Hit­fa­brik (auch wenn es kom­plet­ter kom­mer­zi­el­ler Flop war). Aber das nimmt man kaum wahr, weil man von die­sem schlecht sin­gen­den Arsch mit Ohren auf so ent­setz­li­che Wei­se gefes­selt ist und sich stän­dig fragt, was der sei­nem Haarsty­lis­ten ange­tan haben muss, dass der ihn so ent­stellt.

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