ESC 1996: Bin fiebrig vor Verlangen

Logo des Eurovision Song Contest 1996
Der Genickbruch der Jurys

Für ein deutlich höheres Interesse als das eigentliche Teilnehmerfeld sorgte in diesem Jahr der Auswahlskandal im Vorfeld des Wettbewerbs. Nach der Erweiterung der EBU gen Osteuropa, wo beinahe stündlich neue Staaten entstanden, wollten heuer 30 Länder mitmachen beim Grand Prix Eurovision. Sollte die Veranstaltung, die laut Reglement erst um 21 Uhr MEZ anfangen darf1)Das entspricht 20 Uhr britischer Zeit, dem Beginn der Primetime bei der BBC, die bei der Festlegung dieser Zeitmarke das Sagen hatte. Weswegen die ARD die Lücke zwischen tagesschau und ESC immer mit dieser schlimmen Grand-Prix-Party überbrücken muss. Schlechter traf es allerdings die nachträglich dazugekommenen Ostländer: in Moskau beginnt die Show um 23 Uhr, in Baku (Aserbaidschan) gar erst um Mitternacht., nicht bis tief in die Nacht ausgedehnt werden, musste man das Teilnehmerfeld begrenzen. Bislang bedeutete das für die schlechtestplatzierten Länder des Vorjahres, jeweils eine Runde auszusetzen, doch diesmal hatte man eine neue Idee.


2012 gefeiert, 1996 noch verhindert: Mazedoniens Kaliopi

23 Lieder legte die EBU als maximal verkraftbare Menge fest, also musste man sieben der bereits in nationalen Vorentscheidungen ausgewählten Titel relegieren (Vorjahressieger Norwegen hatte als Gastgeber natürlich einen sicheren Startplatz). So trafen sich die Jurys aller potenziellen Teilnehmerländer am 21. März 1996 und gaben nach dem Anhören der Songs vom Band ihre Voten ab. Und das Unglaubliche geschah: der deutsche Vertreter Leon flog raus! Vermutlich nicht wegen seines Songs, der war nämlich um Längen besser als fast alles, was sich nachher im Wettbewerb befand2)Was nicht für die besondere Qualität von Hanne Hallers Komposition, sondern gegen die restliche Bestückung des diesjährigen Jahrgangs spricht.. Es ging wohl eher um nachträgliche Rache für die deutschen Ohrenfolterer Stone & Stone vom Vorjahr. Menschlich verständlich zwar, dennoch grob ungerecht gegenüber dem armen Leon, der sich schon so auf Oslo gefreut hatte, denn „da fahren die immer Ski“!


Hier, nur zu Vergleichszwecken, Leons abgelehnter Song (DE)

Der Rausschmiss – zu Hause bleiben mussten auch Martin Loft und Dorthe Andersen (DK) mit ‚Kun med dig‘, Gjon Delhusa (HU) mit ‚Fortuna‘, Galit Bell (IL) mit ‚Shalom olam‘, Kaliopi Buklé (MK 2012) mit ‚Samo ti‘, Monica Anghel (RO 2002) mit ‚Rugă pentru Pacea Lumii‘ und Andrej Kosinski (RU) mit ‚Ja eta ja‘ – hatte Folgen: die Deutschen zeigten sich erbost und in ihrem Nationalstolz getroffen. Und zwar auch jene, die sich sonst für den Grand Prix nicht (mehr) die Bohne interessierten. Der Wertungsskandal fand in den Medien, die in den Jahren zuvor nicht mehr die geringste Notiz vom Eurovision Song Contest nahmen, einen breit diskutierten Widerhall. Dabei gab es kaum Häme gegenüber dem singenden Münchener Friseur, sondern fast ausschließlich große Empörung über das einhellig so empfundene krasse Fehlurteil der internationalen Jurys. Der erste von zwei entscheidenden Fehlern, den die klandestinen Punkteschacherer in diesem Jahr begingen.


Der dänische Songvorschlag überlebte die Vorrunde ebenfalls nicht. Eine englischsprachige Coverversion wurde dann zum Hit in Asien.

Auch die ARD zeigte sich beleidigt und weigerte sich, den Wettbewerb live im Ersten auszustrahlen. Stattdessen übertrug man den Grand Prix im dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks. Und da der Wettbewerb somit ohnehin kein offizielles Ereignis mehr darstellte, brach sich bei Jürgen Meier-Beer die Experimentierfreude Bahn: der Unterhaltungschef des NDR ließ mit Ulf Ansorge einen Kommentator ans Mikro, der in dem Spektakel genau das Trashfestival erkannte, das es ist – und wunderbar lustige bis bösartige Pointen absetzte. Das sorgte zwar für wütende Zuschaueranrufe eher traditionalistischer Grand-Prix-Fans, aber der Eurovision Song Contest wurde durch Ansorges großartige, nicht hoch genug zu lobende Kommentatorenleistung endlich ironiefähig! Der aufrechte Eurovisionsfan Ulf Ansorge leistete so die Vorarbeit und bereitete den Boden für den Meister, der 1998 den Grand Prix rettete.


Auch mit Asthma kann man siegen: ein ganzer Eimer Quinn (IE)

Der somit erst- und letztmalig ohne deutsche Beteiligung stattfindende Wettbewerb endete wiederum (gähn!) mit einem Sieg für Irland. Die Sopranistin Eimear Quinn besang ‚The Voice‘, womit sie wohl ihre eigene, unangenehm hohe und ständig von ihren lauten Atemgeräuschen übertönte Stimme meinte. Bescherte ihr gerade dieser Monica-Seles-Effekt den Sieg? Ein anderer Grund (außer der Begeisterung der Juroren für die irische Gastfreundschaft oder pure Gewohnheit) lässt sich nämlich beim besten Willen nicht finden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich unter den 23 Liedern dieses Abends, die allesamt nicht mal in die Nähe der Singlecharts kamen, nicht ein einziges befand, das der Grand-Prix-Krone tatsächlich würdig gewesen wäre. Mit einer entscheidenden Ausnahme: nämlich der für Großbritannien startenden Australierin Gina G. und ihrem im originalgetreuen Sound3)Der Song und das Arrangement stammte vom House-Produzenten Motiv8, der mit Remixen für Acts wie Pulp, Robert Palmer oder die Spice Girls, deren Debutsingle ‚Wannabe‘ er erst den richtigen Schliff verlieh, bekannt wurde. der alles regierenden Eurodancewelle daher kommenden Discohit ‚Ooh aah… just a little bit‘.


You know what I’m looking for: Gina G. (UK)

Der mit sexuellen Konnotationen aufgeladene Popsong notierte zum Zeitpunkt des Contests bereits auf der Spitzenposition der britischen Hitparade und wurde sogar in den USA zum Megaseller (#12 der Billboard Charts, nur #88 in Deutschland). Insgesamt konnte Gina weltweit 2 Millionen Exemplare verkaufen. In einem 5.000 £ teuren Goldmünzen-Kleid von Paco Rabanne sorgte sie für Aufsehen, denn der Designer ging mit den Münzen so sparsam um, dass sie gerade eben reichten, das Nötigste zu bedecken. Als Zeitgeist-Attribut stellte man sogar noch zwei PC-Monitore auf die Bühne, vergaß sie allerdings anzuschließen. Dass sie diesen schicken Auftritt mit dem achten Platz abstraften, sorgte denn auch in England für Wutausbrüche gegenüber den Jurys. Die hatten mit dieser zweiten groben Fehlentscheidung den Bogen überspannt: 1997 stimmten sowohl Deutschland wie auch das Vereinigte Königreich per TED ab. Und nur ein Jahr später schaffte die EBU die geschmacklich hoffnungslos verstaubten Kungelclubs – wenn auch zwanzig Jahre zu spät und leider nur vorübergehend – endlich ab. So schaufelt man sich sein eigenes Grab!


Kleidergröße 0: Sebnem Paker (TR)

Als schöne Idee des ausrichtenden NRK erwies es sich, die Interpreten in den Postkarten von den besten Glückwünschen eines offiziellen Repräsentanten ihres Landes begleiten zu lassen. Das reichte vom Delegationsleiter oder Staatssekretär über den Kultusminister bis hin zum Staatspräsidenten, woraus sich auch wunderbar ablesen ließ, welchen Stellenwert der Eurovision Song Contest im jeweiligen Land besaß. Die Türkei eröffnete den Reigen mit dem Bulimie-Werbemodel Şebnem Paker, die trotz des sehr hübschen, elegischen (und mal wieder unterbewerteten) ‚Beşinci Mevsim‘ erst im nächsten Jahr eine wichtige Rolle spielen sollte. Zypern entsandt den extra für seinen Auftritt vom Grundwehrdienst freigestellten Schnuckel Constantinos Christoforou, (CY 2002, 2005) leider mit einem sehr langweiligen Liedchen. Etwas flotter kam die im kurzen Jeansrock wie ein Vorstadtflittchen aufgebrezelte Malteserin Miriam Christine Borg daher. Der beliebig vor sich hin plätschernde Popschlager ‚In a Woman’s Heart‘ punktete mit der frauenfreundlichen Textzeile „I’m down on my Knees“. Für einen höheren als den zehnten Rang fehlte jedoch der Vorspann „Seven Degrees“ sowie eine Handvoll Sternenstaub.


Weiße Gurkerl, yeah: der Nußbaumer Schorsch und seine Possee (AT)

Für Kroatien versuchte sich Maja Blagdan an einer Grand-Prix-Hymne mit einem derartig hoch (und unsauber) gekrischenen Schlusston, dass europaweit die Milch sauer wurde. ‚Sveta Ljubav‘ blieb dennoch farblos. Österreich schickte den blinden Georg Nussbaumer, der einen rundweg fantastischen, hoch optimistischen und mitreißenden Gospelsong über die Freude am Leben darbot – und das auf Vorarlberger Mundart! Während er am Flügel saß, tanzte und sang direkt hinter ihm Bettina Soriat (AT 1997) in höchster Ekstase, was stellenweise bedrohlich wirkte. „Ob’s der gut geht?“ fragte man sich als Zuschauer. Was man angesichts der Zustände von Verwirrtheit für die griechische Vertreterin Mariana Efstratiou (GR 1989) ausschließen konnte. Sie behauptete in ihrem von Costas Bigalis (GR 1994) geschriebenen Song nämlich, auch im Winter den Frühling zu fühlen. Was zumindest erklärte, warum sie außer einem knappen, nur notdürftig zugeknöpften Jäckchen kein Oberteil trug und ihr Tänzer in einem hauchdünnen, durchsichtigen Lurex-Shirt performte, was eher so aussah, als habe er sich eine Mülltüte übergestreift. Dann doch lieber gleich mit richtig freiem Oberkörper! Und bessere Titel hatten die Hellenen auch schon.


Mei, da steckst net drin: Mariana und ihr Schattenmann (GR)

Für Norwegen trat erneut Bettan (SE 1982, NO 1985, 1994) an. Ihr zu meinem blanken Entsetzen zweitplatzierter Titel handelte nicht nur von der ‚Ewigkeit‘, es dauerte auch so lange, bis er endlich vorbei war. Das Panflötengejaule des Songs löst bei mir bereits nach 2 Millisekunden eine so starke ästhetische Allergie aus, dass jeder Geheimdienstler von mir mit dieser Platte in kürzester Zeit sämtliche erwünschten Geständnisse erpressen könnte. Der bedauerlicherweise anhaltende Eurovisionserfolg keltischer Musik (eine weitere geeignete Foltermethode) inspirierte Frankreich, seinen Ethnotitel diesmal nicht in Übersee zu suchen, sondern in der Bretagne. Dan Ar Braz et l’Héritage des Celtes profitierten jedoch nicht vom Trend: Platz 19 für ‚Diwanit Bugale‘. Womöglich irritierte die auf englische Texte geeichten Juroren, dass in dem auf Bretonisch gesungenen und somit völlig unverständlichen Lied im zweiten Vers plötzlich klar vernehmlich das Wort „Tomatoe“ auftauchte.


Bei 1:45 Minuten: bitte keine Tomaten werfen! (FR)

A propos Tomaten: die Niederlande schickten den hünenhaften singenden Polizisten Franklin Brown und sein halb so großes Standgebläse mit dem ironischen Namen Maxine. Bei ihrem Schunkelschlager ‚De eerste Keer‘ handelte es sich jedoch nicht, wie der Titel vermuten ließe, um das Motivationslied der holländischen Straßenfeger: der Song beschrieb das schöne Thema „Sex mit dem Ex“. Ärger damit bekam Franklin, den später eine Kollegin wegen angeblicher sexueller Belästigung verklagte4)Im Nachhinein stellte sich die Unschuld Browns heraus: abgewiesene Verehrerinnen hatten ihn in eine Falle gelockt. – dabei hätte ich ihm dafür doch jederzeit zur Verfügung gestanden! Für die belgischen Nachbarn ging die heute in Volksmusiksendungen auftretende Lisa del Bo an den Start. Ihr billiger Synthieschlager ‚Liefde is een Kaartspel‘ 5)Sehr niedlich die deutsche Fassung, die zur Kirmesmusik mit unglaublichen, aber originalgetreu übersetzten Textzeilen wie „Willst Du mich verschlingen?“ und „Bin fiebrig vor Verlangen“ glänzt! sollte den fünften Platz belegen – allerdings erst viele Jahre später, dann unter der neuen Überschrift ‚Listen to your Heartbeat‘ und dargeboten von den diebischen Friends (SE 2001).


So macho: Franklin Brown (NL)

Wo wir gerade bei betrügerischen Schweden sind: die schickten zwei Frauen mit fetten Hannelore-Elsner-Perücken. Was bei der Melodifestivalen-Legende Nanne Grönvall optisch noch durchging, Maria Rådsten allerdings aussehen ließ wie Peggy Bundy. Sie hatten einen am Enya-Sound (eine dankenswerterweise nur für eine sehr kurze Periode erfolgreiche Pest des Äthers) geschulten, vordergründig mystischen Ethnobeitrag über ‚Den Vilda‘ am Start. Bei dem es sich in Wahrheit jedoch um eine besonders perfide Form der Schleichwerbung handelte: nämlich für den umstrittenen schwedischen Atomstromgiganten Vattenfall, dessen Name das Duo One More Time werbewirksam gleich acht Mal nannte. Pfui! Islands Anna Mjöll Ólafsdóttir umging die vertrackte Sprachregelung mit dem Titel ‚Sjúbidú‘ und der hierzu erwartbaren Auflistung toter amerikanischer Jazzsänger. Lebendiger machte das ihren Song aber auch nicht.


Eine schrecklich nette Schwedin

Zum Fanfavoriten avancierte der hochdramatische und erwartungsgemäß mit vielen hoch gekrischenen Tönen aufwartende polnische Schmachtfetzen. Bedauerlich, dass der Songtitel fast ausschließlich aus Konsonanten bestand und für einen Nichtpolen so noch nicht mal aussprechbar war. Und dass die Sängerin Kasia Kowalska optisch ein wenig an die erwachsene Wednesday Addams erinnerte. So reichte es für die doch etwas zähe Nummer nur für den vierzehnten Platz. Eine noch ungerechtere Behandlung erfuhren mal wieder die Finnen, die mit ‚Nin kaunis on Taivas‘ (auch bekannt als ‚Ich kauf nix in Taiwan‘) eine echt hübsche, schwungvolle Countrynummer ablieferten, an der sich selbst ‚No no never‘ (DE 2006) noch eine Scheibe abschneiden kann. Leider war Tatjana Anette Valentin alias Jasmine so nervös, dass sie sich kurz vor dem letzten Refrain versang. Lustigerweise fiel direkt nach diesem Schnitzer alle Anspannung von der schneckenlockigen Sängerin ab und sie drehte zum Schluss noch mal richtig auf. Im Gegensatz zum aufmunternd klatschenden Publikum hatten die verstockten Juroren kein Mitleid: letzter Platz. Buh!


Bei 3:30 Min.: Mist, versungen! (FI)

Ohne die finanzielle Beteiligung der ARD erwies sich das millionenteure Festival als kaum noch bezahlbar. Jürgen Meier-Beer: „Dass Deutschland beim Grand Prix gebraucht wurde, merkte ich mir“. So entstand die berüchtigte und mittlerweile heftig umstrittene Big-Four-Regelung, nach der die großen Einzahlerländer Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland (sowie seit 2011 auch wieder Italien) niemals mehr rausfliegen sollten, egal, wie schlecht ihr Lied abschnitte. Das wir bald schon auf diese Regelung angewiesen sein sollten, ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand!

Eurovision Song Contest 1996

EuroSong. Samstag, 18. Mai 1996, aus dem Spektrum in Oslo, Norwegen. 23 Teilnehmerländer, Moderation: Invild Bryn und Morten Harket.
#LandInterpretTitelPunktePlatz
01TRŞebnem PakerBeşinci mevsim05712
02UKGina GOoh aah... just a little bit07708
03ESAntonio Carbonell¡Ay, qué Deseo!01720
04PTLúcia MonizO meu Coração não tem Cor09206
05CYConstantinos ChristoforouMono yia mas07209
06MTMiriam Christine BorgIn a Woman's Heart06811
07HRMaja BlagdanSveta Ljubav09804
08ATGeorge NussbaumerWeil's dr guat got06810
09CHKathy LeanderMon Cœur l'aime02217
10GRMariana EfstratiouEmis forame to himona anixiatika03614
11EEMaarja-Liis Ilus + Ivo LinnaKaelakee Hääl09405
12NOElisabeth AndreassenI Evighet11402
13FRDan Ar Braz & L'Héritage des CeltesDiwanit Bugale01819
14SIRegina KogojDan Najlepših sanj01621
15NLMaxine + Franklin BrownDe eerste Keer07807
16BELisa del BoLiefde is een Kaartspel02216
17IEEimear QuinnThe Voice16201
18FIJasmineNiin kaunis on taivas00923
19ISAnna Mjöll ÓlafsdóttirSjúbídú05113
20PLKasia KowalskaChcę znać swój Grzech03115
21BAAmila GlamočakZa našu Ljubav01322
22SKMarcel PalonderKým nás máš01918
23SEOne more TimeDen Vilda10003

Fußnote(n)   [ + ]

1. Das entspricht 20 Uhr britischer Zeit, dem Beginn der Primetime bei der BBC, die bei der Festlegung dieser Zeitmarke das Sagen hatte. Weswegen die ARD die Lücke zwischen tagesschau und ESC immer mit dieser schlimmen Grand-Prix-Party überbrücken muss. Schlechter traf es allerdings die nachträglich dazugekommenen Ostländer: in Moskau beginnt die Show um 23 Uhr, in Baku (Aserbaidschan) gar erst um Mitternacht.
2. Was nicht für die besondere Qualität von Hanne Hallers Komposition, sondern gegen die restliche Bestückung des diesjährigen Jahrgangs spricht.
3. Der Song und das Arrangement stammte vom House-Produzenten Motiv8, der mit Remixen für Acts wie Pulp, Robert Palmer oder die Spice Girls, deren Debutsingle ‚Wannabe‘ er erst den richtigen Schliff verlieh, bekannt wurde.
4. Im Nachhinein stellte sich die Unschuld Browns heraus: abgewiesene Verehrerinnen hatten ihn in eine Falle gelockt.
5. Sehr niedlich die deutsche Fassung, die zur Kirmesmusik mit unglaublichen, aber originalgetreu übersetzten Textzeilen wie „Willst Du mich verschlingen?“ und „Bin fiebrig vor Verlangen“ glänzt!

5 Gedanken zu “ESC 1996: Bin fiebrig vor Verlangen

  1. Seltsamer Contest Zu 96 fällt mir nur eins ein: Laaaaaaaangweilig. Wenn die drei Erstplazierten wie geklont klingen, stimmt doch was nicht. Allerdings muss ich hier mal eine Lanze für Eimear Quinn brechen: von den irischen Siegertiteln kommt allenfalls noch Dana (1970) an die gute Frau Quinn heran. Wenn man am Abend des Contests schwer erkältet ist, hört man das dummerweise! Und die Finnin wurde skandalös unterbewertet. Gina G-Punkt (sorry!) hat hingegen genau das bekommen, was sie verdiente. Wie belanglos wird es noch? (Rhetorische Frage!)

  2. Eimear Quinn’s ‚The Voice‘ gehört immer noch zu meinen All-Time Favorite Songs, auch außerhalb des ESC. 😀 Mit Irish Folk bin ich sowieso immer zu begeistern, so auch für Secret Garden’s ‚Nocturne‘ aus dem Jahr davor.

  3. Seconded. Der Wettbewerb mag nicht sonderlich unterhaltsam gewesen sein, aber er hat einige meiner Lieblingslieder hervorgebracht. Ja, 1996. Ich bin eben ein bisschen komisch. Eimear Quinn hat (ihre Performance am Abend mit den Monica-Seles-Gedächtnis-Atemgeräuschen mal außen vor gelassen) ein schönes Lied gesungen. Schön, es wurde ein bisschen zu hoch bewertet, aber Gina G scheint der Fluch des zweiten Startplatzes voll erwischt zu haben. Hitpotenzial und Erfolg beim ESC sind zwei verschiedene Dinge. Ich muss dazu auch noch anmerken, dass ich den Österreicher gerne weiter vorn gesehen hätte.

  4. Oioioi. Seltsamer Jahrgang, so ganz ohne Dschörmenie. Schade, der Leon war wirklich um vieles besser als so einiges andere, was in Oslo singen durfte! Aber es zeigte sich ja später, dass Oslo vielleicht doch nicht das allerschlechteste Pflaster für einen deutschen Beitrag sein muss.

    Den Song von Eimear mag ich sehr, aber ich schließe mich dem Hausherren an: Gina G. hätte ZWINGEND gewinnen müssen! Und ich denke, hätte es damals schon Televoting gegeben, hätte sie auch gewonnen. Und auch der Nussbaumer Schorsch hätte viiiiiel weiter nach vorne gehört. Außerdem toll: Frankreich (jawohl, ich liebe diesen Sound!), allerdings nur in der Studioversion. Live und auf drei Minuten gekürzt war der Song leider langweilig. Estland war hübsch, Slowakei und Zypern (jawohl!) haben mir auch gefallen.  Finnland („Ich kauf nix in Taiwan“ 😉 ) natürlich krass unterbewertet.

    Bettan, so sehr ich sie ansonsten schätze, hatte einen wirklich entsetzlichen Tränenzieher am Start. Man haut doch auf die Tränendrüsen nicht mit dem Holzhammer drauf, sondern kitzelt sie nur zart! Zum WEGlaufen und neben Spanien mein absoluter Hassbeitrag in dem Jahr.

    Lustig übrigens die Moderation, so schlecht, wie Morten und Ingvild überall gemacht wird, fand ich sie gar nicht. Und ob Ingvilds Stimmbänder sich DAVON jemals wieder erholt haben?!

  5. Ich bezweifle mal ganz offen, dass bei Televoting ein Lied von Startplatz 2 bessere Chancen gehabt hätte. Gina G wäre vielleicht weiter vorne gelandet, aber gewonnen hätte sie wahrscheinlich nicht. Eher hätte dann Schweden die Stimmen der Ethnoballaden-Fans abgegriffen. Aber das ist eine müßige Debatte, die man gerne und immer wieder führen kann. 😉 Außerdem ist kaum zu leugnen, dass „Ooh Aah“ nicht gut gealtert ist – was bei einem Song aus einem so zeitgebundenen Genre auch überhaupt nicht verwundert. „The Voice“ mag kein verdienter Sieger gewesen sein, aber es hält sich deutlich besser. (Zustimmung zu „I evighet“, nebenbei. Wie hat diese Sülze es geschafft, besser dazustehen als „Den vilda“? Und gibt es einen anderen ESC, bei dem die Top 3 sich so ähneln?)

    Nachdem ich mich mal durch die sieben Ausgeschlossenen gehört habe: Vieles davon war wirklich nicht gut, aber neben Deutschland sticht ein zweites Lied heraus, das ich viel lieber in Oslo gesehen hätte als zum Beispiel Spanien, Island oder die Slowakei: „Fortuna“ aus Ungarn.

Oder was denkst Du?