ESC 1983: Wieder holen ist gestohlen

Logo des Eurovision Song Contest 1983
Das verfluchte Jahr

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene „spontane“ Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun.

Vorsprung durch Technik: die ARD nutzte den ESC 1983 für eine Präsentation der neuesten Großraum-Vertikalheizlüfter

Das ging allerdings komplett in die Hose, da Frau Charell sowohl den Komponisten als auch den Texter, den Dirigenten und den Interpreten einzeln, jeweils dreisprachig, ansagte. Und dies, ohne jede Rücksicht auf die überzogene Sendezeit und die bereits wund geklatschten Hände des Publikums, krampfhaft bis zum bitteren Ende durchzog: „The Conductor / le Chef d’Orchèstre / es dirigiert“, gefolgt von einem hektischen Blick auf den Spickzettel und einem gelegentlich auch mal erfundenen Namen, wenn sie die richtige Textzeile auf die Schnelle nicht fand. Dann bestritt sie auch noch das Pausenprogramm, wo sie zu einem Medley „deutscher Hit-Melodien“ tanzte! Wie anstrengend professionelles Ballett ist, hörte man anhand ihres Schnaufens allerdings auch sehr deutlich bei der sich anschließenden Punktevergabe.

Moderation, Pausenprogramm, Punktevergabe, Blumenarrangements: Marlène machte einfach alles!

Eine hübsche Idee, jeden Starter bei der Ansage mit einem eigenen Blumenarrangement in den Landesfarben zu präsentieren. Die Umsetzung jedoch führte zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen: mal bastelten die beauftragten Floristen mit großem handwerklichen Geschick die Flagge nach, mal gab es einsturzgefährdet aussehende Hängegärten, mal nur popelige Sträuße. Und in Einzelfällen leuchteten auch schon mal rot die Tomaten aus dem Gesteck! Am allerschlimmsten war jedoch der epische Eröffnungsfilm, in dem der ausführende Bayerische Rundfunk gefühlte vier Stunden lang die provinziellsten Winkel unserer Heimat (Schlösser, Seen, Berge) sowie allerliebst geschmückte Kühe (!) und Trachten-Grantler mit prachtvollen Rauschebärten zeigte, um sämtliche Bajuwaren-Klischees auf das Nachhaltigste zu bestätigen. Nachdem man noch die Interpret/innen aller 20 Teilnehmerländer zur gemeinsamen Vorstellung auf der Bühne versammelt hatte, ging es dann um kurz vor Mitternacht auch schon los!

Das ist nicht mein Deutschland: die zehn fremdschamqualvollsten Minuten meines jungen Lebens

Obwohl er im Vorjahr bereits ‚Adieu‘ sagte, kehrte die Nulpoint-Legende Jahn Teigen (NO 1978, 1982) ein letztes Mal zurück. Es lohnte sich: mit einer Lockerungsübung aus dem Musikunterricht, dem Aufsagen der Tonleiter ‚Do-Re-Mi‘, errang er seine beste Platzierung. Erheitert zeigte sich der norwegische „Chef d’Orchèstre“, Sigurd Jansen, als Marlène Charell ihn als „Johannes… Skorgan“ ansagte. Großbritannien schickte einen poppigen Synthie-Schlager namens ‚I’m never giving up‘, der seinem offensichtlichen Vorbild ‚Making your Mind up‘ nicht nur musikalisch wie ein Ei dem anderen glich. Die 1981er Siegesingredenzien – Einweg-Retortengruppe, flotter Rhythmus, tuckige Armbewegungen, viel Bein, aerobikeske Choreografie – ergänzte man sicherheitshalber um das 1982er Siegeselement, den Hocker. Dass die drei Mädels von Sweet Dreams sich beim (kalkulierten) Sturz von selbigem nichts brachen, hätte sie alleine schon für die Spitzenposition qualifiziert. Weniger schön hingegen, dass man – eine britische Spezialität – die Backingsängerin Kit Rolfe (Belle & the Devotions, UK 1984) hinter der Bühne versteckte.

Turnen mit Barhockern: Sweet Dreams (UK)

Frankreich, Italien und Griechenland, die im Vorjahr ausgesetzt hatten, kehrten zurück – alle drei allerdings mit vollkommen verzichtbaren Beiträgen. Dafür fehlte Irland: der von Budgetkürzungen gebeutelte Sender RTÉ versuchte, mit der Androhung des Ausstiegs aus dem bei den Zuschauern sehr beliebten Contest eine Gebührenerhöhung zu erpressen, was aber scheiterte. Für Schweden erschien erstmals Ihre Heiligkeit, die hinter der Bühne fleißig in der Bibel lesende Carola Häggkvist (SE 1991, 2006). „Främling, vad döljer du för mig?“ („Fremder, was versteckst Du vor mir?“), die Auftaktzeile ihres schwungvollen Schwedenschlagers, lebt unter Eurovisionsfans bis heute weiter: als Aufreißerspruch, am liebsten auf dem T-Shirt. Zumal der Text mit weiteren interessanten Fundstellen wie „Mach den ersten Schritt und zeig mir heute Nacht den Weg“ aufwartet: ein Schatzkästlein für Connaisseure der schlüpfrigen Doppeldeutigkeit! Trotz ihrer Vorliebe für profane Vergnügungen ging von der aufgeputscht wirkenden Schwedin ein mehr als weltliches Strahlen aus, wie es Eurovisionssiegerinnen öfters auszeichnet. Dass es in diesem Jahr für die blutjunge Christin noch nicht reichte, mag an ihrer etwas unglücklichen und wenig glamourösen Bühnengarderobe gelegen haben.

Mag anscheinend dicke Schwänze (siehe Hose): Carola (SE)

Es folgten zwei der interessantesten, wenn auch nicht zwingend besten Eurovisionsbeiträge aller Zeiten. Die barfüßige, in einen schlimm gestreiften Bademantel gewickelte, spanische Neo-Flamenco-Königin Remedios Amaya stimmte mit ‚¿Quién maneja mi Barca?‘ (‚Wer managt meine Barke?‘) einen enthusiastisch dargebotenen Ethnobeitrag an, der fast ausschließlich aus immer eindringlicher, gar zorniger werdenden Wiederholungen der spirituellen Eingangsfrage bestand; nämlich welcher verfluchte Vollidiot ihr beschissenes Boot denn nun verdammt noch mal steuere? Was auch Remedios‘ wütend-anklagende Mimik und ihr Herumgefuchtel mit erhobenem Zeigefinger erklärt. Grandiose Show! Für nicht an Flamenco gewöhnte Ohren (also die sämtlicher Europäer außerhalb Spaniens) klang das allerdings ziemlich schmerzhaft, ähnlich dem Gesang türkischer Klageweiber.

Ungebrochener Stolz trotz hässlichen Blockstreifenfummels: Nilpointerin Remedios Amaya (ES)

Die Türkei wiederum verirrte sich zu seifigen Fahrstuhlklängen ausgerechnet in die italienische ‚Opera‘, was nicht nur musikalisch ungemein schräg wirkte. Den ohnehin hohen Camp-Faktor dieser Nummer steigerte der Sänger Çetin Alp, der optisch als der uneheliche Sohn von Horst Tappert und Liberace daherkam und eine Show abzog, wie sie die Gäste jedes sechstklassigen amerikanischen Revueschuppens nicht besser hätte zum Verzweiflungssaufen animieren können, geradezu ins Unermessliche. Jurys können grausam sein: sie straften beide Länder mit jeweils null Punkten ab. Was im Fall von Herrn Alp, wie Tim Moore in seinem Buch recherchierte, tragische Folgen hatte: der Sänger bekam in seinem Heimatland keinen Fuß mehr an Deck. Egal, was er versuchte; egal, wie viel Anläufe er unternahm: er blieb stets nur der Mann, der ‚Opera‘ gesungen hatte. Alp zog sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Erst anlässlich der ersten Austragung des Eurovision Song Contests durch die Türkei im Jahre 2004 lud der Sender TRT Çetin Alp zu einer Show mit allen bisherigen türkischen Grand-Prix-Teilnehmern ein – nur, um ihn dort erneut öffentlich für sein blamables Ergebnis von 1983 abzuwatschen. Dieses nachtragende Verhalten seiner Landsleute nahm er sich so zu Herzen, dass er nur drei Tage nach dem Contest von Istanbul siebenundfünzigjährig an einem Infarkt verstarb.

Der türkische Derrick beim Besuch in der Oper: Nilpointer Çetin Alp

Eine spannungsgeladene, treibende und für finnische Verhältnisse fast schon unskurrile Popnummer präsentierte Ami Aspelund, die Schwester der ‚Lapponia‘-Kultsängerin Monica (FI 1977). Mit Rang 11 sträflich unterbewertet, was allerdings an dem grausamen Oversized-Kleid gelegen haben dürfte, in das man die Interpretin steckte und in dem sie aussah wie eine Playmobil-Figur. Zudem watschelte sie beim Refrain in einem vorauseilenden Anfall von Loreenitis (SE 2012) seltsam seitwärts über die Bühne und ihre Backings schmissen die Köpfe von links nach rechts. Mit Geschwistern versuchten es auch die Deutschen: die Gebrüder Hoffmann & Hoffmann gaben in legerer Alltagskleidung und ohne Begleitshow ihren wunderhübschen, unkitschigen Beziehungsschlager zum Besten, der den guten Rat enthielt, es doch mit mehr ‚Rücksicht‘ aufeinander zu versuchen. Ob sie sich selbst daran hielten, wissen wir nicht. Allerdings zerbrach im Jahr nach dem Contest die Beziehung von Günther Hoffmann (der Gutaussehende mit dem Pornobalken), weswegen er sich traurigerweise in Rio den Janiero das Leben nahm.

Die kleine Schwester: Amy Aspelzund (FI)

Die halslose Bernadette Kraakman aus den Niederlanden zog beim Singen nicht nur ein Gesicht wie bei einer Wurzelbehandlung. Sie ließ die Zuschauer an diesem Vergnügen teilhaben, indem sie ihr ‚Sing me a Song‘ (so der schamlose Versuch, die Sprachenregel zu umgehen) in einer derart schmerzhaft hohen Stimmlage krisch, dass auch die sie begleitende Sandra Reemer (NL 1972, 1976, 1979) nichts mehr ausrichten konnte. An dieser Stelle wünschte man sich Remedios Amaya zurück: die beherrschte ihr Handwerk wenigstens! Zum eindeutigen Saalfavoriten avancierte der Jugoslawe Danijel Popović. Anders als Remedios und Çetin verleugnete er seine kulturelle Herkunft und hatte damit Erfolg: seine ‚Džuli‘ überzeugte als maßstabsgetreuer Abklatsch des aktuellen Rock’n’roll-Revivals, mit dem Shakin‘ Stevens gerade die europäischen Hitlisten aufmischte. Daniel auch: Rang 13 in den deutschen Charts (und damit 50 Plätze besser als der Gewinnertitel) sowie Top Five überall sonst für die englische Fassung ‚Julie‘. Dass der arythmisch arschwackelnde Kroate nicht siegte, quittierten einige Münchener Zuschauer/innen mit Buhrufen und dem vorzeitigen Verlassen der Rudi-Sedlmayer-Halle. Mag aber auch sein, dass sie angesichts der späten Stunde einfach nur die letzte U-Bahn kriegen wollten.

Bewegungslegastheniker Daniel und seine Schicksen (YU)

Die patentierte englische Mischung aus billigen Discoschlagern, kribbelbunten Klamotten im aktuellen Aerobic-Look und absurden Schautänzen präsentierten auch Dänemark (die schluckaufartig hüpfende Gry Johansen mit ‚Kloden Drejer‘), Belgien (das besonders auf dem Kopf wie von Ratten angenagt aussehende, barfüßige Mädchen-Duo Pas de Deux und ihr anstrengend-experimentelles ‚Rendezvous‘, für das sie nach dem Sieg beim flämischen Vorentscheid ausgebuht wurden) sowie Österreich. Deren Beitrag, Westends flauen ‚Hurricane‘, darf man wohl mit Fug und Recht als erlesene Trashperle und Spitzenbeispiel für unfreiwillige Komik bezeichnen. Vier völlig synchron tanzende Jungs (darunter der bei der dortigen Vorentscheidung auch solo angetretene Gary Lux [AT 1985, 1987]) mit entrückten Gesichtern, angetan mit schreiend bunten Pullis mit identischen grafischen Motiven: damit das Ganze weniger schwul aussähe, stellte man ihnen noch eine Tänzerin davor, die nicht mitsingen durfte. Dschinghis Khan (DE 1979) unter umgekehrten Vorzeichen, quasi. Ganz große Eurovisionskunst!

Bei den Klamotten kein Wunder: „Die Einsamkeit von morgen / macht mir schon heute Sorgen!“ (AT)

Als nach Çetin Alp und Günther Hoffmann drittes Todesopfer dieses Unglücksjahrgangs ist die Israelin Ofra Haza zu beklagen. Die in den späten Achtzigern im Rahmen der kurzlebigen Weltmusik-Welle mit dem zunächst von Eric B. & Rakim auf der Hitsingle ‚Paid in Full‘ prominent gesampelten und daraufhin als Remixversion neu veröffentlichten ‚Im nin’alu‘ (‚Ich leb von Alimente‘) zu internationalen Hitehren (#1 DE, #15 UK) gekommene, hochtalentierte Sängerin starb im Februar 2000 an den Folgen von Aids. Ihr vom Vorjahresvertreter Avi Toledano komponiertes, dezent ethno-angehauchtes, dennoch sofort ins Ohr gehendes und beschwingtes ‚Hi‘ (dessen das Leben feiernder Text mir im Angesicht ihres späteren Schicksals das Blut in den Adern gefrieren lässt), das zudem mit einer weiteren mustergültigen israelischen Engtanzchoreografie aufwartete, wäre ohne jede Frage der berechtigte Siegertitel gewesen. Doch die Jurys erwiesen sich erneut als stockkonservativ.

Es gibt rund achtzigtausend Schreibweisen für den Songtitel, aber nur eine Ofra Haza (IL)

Zwar presste die für Luxemburg singende Französin Corinne Hermès, die letzte Interpretin des Abends, ihr ‚Si la Vie est Cadeau‘ (sollte ihre im Deutschen als „Geschenkt und wieder holen ist gestohlen“ bekannte Redewendung „Cadeau donné, Cadeau repris, Cadeu volé“ ein [vergeblicher] Appell an die Adresse Günther Hoffmanns gewesen sein, das Geschenk des Lebens nicht wegzuwerfen?) eher aus ihren zarten Lungen hervor, als es zu singen. Doch darf der Titel als Musterbeispiel für die Gattung des beim Grand Prix seit jeher hoch bewerteten frankophilen Gefühlssturms gelten. Endlich wohlvertraute Klänge für die Menschen über Sechzig also, nach all diesem modernen Bummbumm und der schreienden Spanierin! Auch dem bayerischen Sonnenkönig Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, in der ersten Reihe sitzend und von den Kameras des ausstrahlenden Bayerischen Rundfunks oft und gerne eingefangen, habe das Lied konveniert, wie die Presse eilfertig zu berichten wusste.

Haare wie im Windkanal gefönt: Corinne Hermès (LU)

Dankbar schaufelten die wohl mehrheitlich der älteren Generation zugehörigen Juroren Frau Hermès die Punkte zu, auch wenn ihr Sieg mit nur sechs Punkten Abstand zu Ofra Haza deutlich knapper ausfallen sollte als der von Nicole im Vorjahr. Nur: in den Charts floppte der Titel ziemlich (Rang #67 in Deutschland), aus der von der jungen Frau mit dem teuren Namen und den dramatisch nach hinten gefönten Haaren erträumten internationalen Karriere wurde nichts. Der bislang sehr verkaufsfördernde Hinweis „Sieger beim Grand Prix“ begann, seine Strahlkraft einzubüßen. Kein Wunder, wenn man sich zu weit vom aktuellen Popgeschehen entfernt!

Eurovision Song Contest 1983

Eurovision Song Contest. Samstag, 23. April 1983, aus der Rudi-Sedlmayer-Halle in München, Deutschland. 20 Teilnehmerländer, Moderation: Marlène Charell.
#LandInterpretTitelPunktePlatz
01FRGuy BonnetVivre05608
02NOJahn TeigenDo-Re-Mi05310
03UKSweet DreamsI'm never giving up07906
04SECarola HäggkvistFrämling12603
05ITRicardo FogliPer Lucia04111
06TRÇetin Alp & the Short WaveOpera00019
07ESRemedios Amaya¿Quién maneja mi Barca?00019
08CHMariella FarréIo così non ci sto02815
09FIAmi AspelundFantasiaa04111
10GRChristie StasinopolouMou les03214
11NLBernadette KraakmanSing me a Song06607
12YUDanijel PopovićDzulie12504
13CYStavros & DinaI Agapi ahoma zi02616
14DEHoffmann & HoffmannRücksicht09405
15DKGry JohansenKloden drejer01617
16ILOfra HazaHi13602
17PTArmando GamaEsta Balada que te dou03313
18ATWestendHurricane05309
19BEPas de DeuxRendez-vous01318
20LUCorinne HermèsSi la Vie est Cadeau14201

9 thoughts on “ESC 1983: Wieder holen ist gestohlen

  1. Wendepunkt des Grand Prix Meiner Meinung hat der ’83er Contest in München den Niedergang des Grand Prix begründet – anders lässt es sich nicht erklären, dass es in diesem Jahr massig großartige Beiträge gab (allen voran Ofra Hazas fantastisches ‚Hi‘, aber auch Daniels flotte ‚Dzulie‘, Ami Aspelunds ‚Fantasiaa‘, Gry Johansens fröhliches ‚Kloden drejer‘ und auch die zwei Nullpunkter aus der Türkei und Spanien, die die interessantesten des Abends waren und eine bessere Position verdient hätten), im Folgejahr darauf plötzlich ausnahmslos nur noch Instant-Schrott und Wegwerf-Songs (Diggi-Loo Diggi-Ley!) ? Vielleicht lag es an der Fehlentscheidung der Jury? An der schlechten Moderation? Dem grausamen Bühnenbild (so wie die Bühne schaut unser eingeschalteter Toaster evon Innen aus)? Jedenfalls war 1983 das letzte gute Eurovisions-Jahr, danach kam bis Ende der Neunziger eine lange Durststrecke.

  2. Geschmacklose Juries Ich muss da meinem Vorredner zustimmen. Wie diese Plastikballade ‚Si la vie est cadeau‘ sich gegen ‚Khay‘, ‚Främling‘, ‚Dzuli‘ etc. durchsetzen konnte, ist ein ewiges Rätsel. Mal wieder der letzte Startplatz. Und das ausgerechnet, wo Israel den Sieg (im Gegensatz zu 78/79) wirklich verdient gehabt hätte. Eine Merkwürdigkeit dieses Contests: Offenbar können sich die Leute nicht einigen, in welcher Reihenfolge Cetin Alp und Remedios Amaya aufgetreten sind. Laut Scoreboard, und auch laut Tim Moores ‚Nul Points‘, kam die Türkei nämlich zuerst. Weiß das jemand?

  3. Was für ein Jahrgang! Ich hätte mindestens 13 Songs davon in meinen Top Ten und mindestens 4 Songs hätten meiner Meinung nach den Sieg verdient: Spanien, Israel, Finnland, Schweden. Vielleicht auch noch Jugoslawien obwohl etwas zu retro. Die Siegerballade gefällt mir zwar ebenfalls (Titulierung von einigen als Plastikballade hin oder her), ist aber im Vergleich zu dem Teilnehmerfeld dieses Jahrgangs wirklich nur zweite Wahl. Wenn man geht, dann mit einem Knall. Ich wünschte fast, die hätten sich etwas von der musikalischen Qualität (oder auch einfach nur der Eingängigkeit und Gute-Laune-Gefühls oder – im Falle der Türkei – des Camps, wobei da Anfang der 90er ja Jugoslawien groß drin wird) aufgespart für die kommenden Jahre. Besonders Ende der 80er war es ja dann ganz schlimm. In den 90ern ging es dann langsam wieder aufwärts.

  4. Alpamaya Doch, das stimmt auch: Cetin Alp trat vor Remedios Amaya auf. Ich hab’s nur wegen des Textflusses umgedreht – ich handele die Songs generell nicht zwingend in der Startreihenfolge ab.

  5. Langweilig Gewonnen hat das für mich langweiligste Siegerlied der damaligen ESC-Geschichte. Hier hätte Israel haushoch gewinnen müssen. Ich saß an diesem Abend fassungslos vor dem Fernseher und fragte mich, wer so einen Sch. wählt. Diese Frage sollte ich mir später noch öfter stellen.

  6. Mein Informatiklehrer sieht genauso aus wie Günther Hoffmann und dieser Lehrer kam ein oder zwei Jahre nach dem Tod Günther Hoffmanns zur Welt :O

  7. Was für ein spannendes Jahr!! Und haufenweise richtig gute Beiträge oder wenigstens richtig lustiger Schrott. Mein absoluter Liebling dieses Jahr kam ausnahmsweise mal von uns selber, aber auch Israel und Jugoslawien waren richtig klasse, Schweden und Finnland ebenfalls gut. Und dann gewinnt dieser Breitwandschlonz aus Luxemburg?!? Wenn ich meine persönliche Sympathie für den Beitrag der Hoffmänner mal beiseite lasse (der allerdings ebenfalls wesentlich weiter nach oben gehört hätte), dann hätte Israel ZWINGEND gewinnen müssen! 

    Ein Wort noch zu den Nullpointern: Beide gehörten sicherlich, wie Du oben schon geschrieben hast, zu den spannendsten Beiträgen aller Zeiten. Und ich denke, dass zumindest Remedios Amaya, wenn sie heute mit diesem Beitrag antreten und so auftreten würde, klar in der Top Ten wäre. OK, der Blockstreifenfummel geht gar nicht, aber meine Güte, was hatte denn Rona Nishliu an?! Dem damals noch deutlich weniger zynischen Terry Wogan hat es ja offensichtlich gefallen. Und die Türkei hat mit „Opera“ ja nun wirklich das abgefahrenste Gesamtkunstwerk der Eurovisionsgeschichte abgeliefert, das sich meiner Meinung nach auch heute noch jeder Bewertung entziehen würde. Oder um nochmal auf Terry W. zurückzukommen: „The magic of the Eurovision. Where else were you going to get something like this?“

    Über den Rest der Münchener Veranstaltung breiten wir mal gnädig den Mantel des Schweigens.

  8. Was war das? Eine völlig verunglückte Moderation und ein billiger Sieger.
    Dabei waren viele Juroren keine Wichser und gaben Punkte an Schweden, Israel und Jugoslawien. Aber man war dann doch unverbesserlich.

    Und dann die niederländische Abstimmung: Erst Häme über den einen Punkt für Luxemburg (etwas, dass sich zwanzig Jahre später in Riga wiederholte, als die schwer verhassten t.A.T.u. – Pseudolesben zur lettischen Schadenfreude nur einen Punkt aus Holland bekamen) und sofort drauf die zwei Punkte für Frankreich, die von Frau Charell als „France, douze points“ betitelt wurden. Sie bemerkte aber schnell ihren Fehler und sagte: „Frankreich natürlich nur zwei Punkte“.
    Dat war nix!

  9. Moderation und Siegertitel und alles: schlimm! Doch mein all time favourite stammt und ist aus diesem Jahr: „Rendez-Vous“!

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