ESC 1982: Meine Lieder, die ändern nicht viel

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Das Jahr des Bruchs

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten – und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten – Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an.

Alberne Ringelreihen vor Neon-Kulisse: der ESC 1982

Den Auftakt machte der wohl flotteste und tanzbarste portugiesische Beitrag der Contestgeschichte. Das lautmalerische ‚Bem Bom‘, von der BBC für die englischsprachigen Zuschauer hilfreich in ‚Bim Bom‘ übersetzt, dient noch heute bei jeder Eurovisionsdisco als unfehlbarer Tanzflächenfüller. Die schlechte Platzierung (#13) ist womöglich der karnevalesken Kostümierung des Damenquartetts Doce (und ihres Dirigenten!) zu verdanken, die wohl beim Ausverkauf im Theaterfundus zuschlugen – nach der Absetzung des Stücks Der gestiefelte Kater. Oder lag es an der vom BBC-Orchester errichteten „gigantischen Mauer aus Käse“ (Tim Moore), gegen welche es sämtliche Teilnehmer/innen dieses Abends schwer hatten, anzusingen? Immerhin: gegenüber 1978, wo die Hälfte der Doce-Mitgliederinnen noch unter dem Namen Gemini (‚Da-li-dou‘) antraten, verbesserte sich das Land um vier Ränge.

Wie lange die BBC wohl an der Titelübersetzung arbeitete? (PT)

Noch im selben Jahr veröffentlichten Doce eine seherische, vorgezogene Hommage an die österreichische ESC-Kaiserin von 2014, Conchita Wurst

Wo wir gerade in 1978 sind: der berüchtigte norwegische Nilpointer Jahn Teigen gab heuer gemeinsam mit Ehefrau Anita Skorgan (ESC 1979) mit ‚Adieu‘ seine Abschiedsvorstellung. Ist geflunkert: Jahn kam im nächsten Jahr nochmal zurück, mit seinem Gespons als Backing. Erst die Bendiks, dann die Teigens: in Norwegen bleibt der Grand Prix in der Familie! Auf nur einen Eurovisionsauftritt für sein Heimatland brachte es hingegen der Türke Neço. Eigentlich schade, denn der Musicalsänger (‚Hair‘) legte hier einen der schwulsten Auftritte der Grand-Prix-Geschichte hin! Auch wenn man sein Outfit, ein weißes Sakko mit aufliegendem goldenen Hüftgürtel, sowie seinen schlimmen Mittelscheitel der damaligen Mode zurechnet: so verräterisch, wie Neço zu seinem besinnungslos billigen Synthie-Stück ‚Hani?‘ (‚Wo?‘) über die Bühne zuckte und tuckte, blieben keine Fragen offen! Schön auch die eins zu eins bei den Vorjahressiegern Bucks Fizz abgeschaute Handography seiner Backgroundsängerinnen.

Eine Zehn auf der Haldor-Lægreid-Skala: Neço (TR)

Das Vereinigte Königreich schickte ein weiteres (deutlich kurzlebigeres) Retortenprojekt unter Mitwirkung von Sally Ann Triplet (Primadonna, UK 1980). Bardo nahmen sich ebenfalls die mit sexuellen Konnotationen aufgeladene Show ihrer Vorgänger zum Vorbild, überboten diese in Sachen Vulgarität aber um ein Vielfaches. Zwar fielen hier keine Röcke, dafür probte das geklont aussehende Mann-Frau-Duo dermaßen viele Dry-Humping-Posen, dass man nur darauf wartete, wann sie endlich übereinander herfielen. ‚One Step further‘ führte uns das in der Tat: an den kulturellen Abgrund! Mit dem kiffenden Finnen Timo Kojo trat ein weiterer singender Pazifist an. Doch seine musikalisch chaotische, flammende Anklage mit dem Titel ‚Nuku Pommiin‘ erwies sich als viel zu politisch und direkt. Dazu noch wirkte der grimmige Finne am Bildschirm eher wie jemand, dem man zutraute, die Bombe zu zünden, anstatt sie wie Nicole mit der reinen Kraft ihres unschuldigen Herzens und ihrer Zaubergitarre wegzusingen.

Da zuckt der Unterleib ohne Unterlass: Brigitte Bardo (UK)

Der blonde Hüne, der sich während seines Gesangsvortrags mehrfach an den Schädel klopfte und diesen mit einem Schnarchen beendete, erntete null Punkte. Was er aber, wie Tim Moore erleichtert berichten konnte, deutlich gelassener aufnahm als der norwegische Vorjahres-Nilpointer Finn Kalvik. Immerhin wird noch heute in Finnland ein 0:0 bei einem Eishockeyspiel als „Kojo-Kojo“ angesagt: auch ein Weg zum Ruhm! Besser schnitt die Eidgenossin Arlette Zola (ein Name wie ein Hüttenkäse) ab, wobei mir nicht klar ist, warum. An ihrem Kochtopfschnitt kann es nicht gelegen haben, und ihr Lied, das bereits 1979 am Schweizer Vorentscheid teilnehmen sollte (was aber nicht ging, weil dem damaligen Interpreten Alain Morisod kurzfristig die Backings abhanden kamen) und das dann drei Jahre auf Halde lag, war einfach nur sterbensöde. Zum zweiten Mal startete die großartige Anna Vissi (GR 1980, 2006), diesmal allerdings für ihre Heimat Zypern.

Das Kleid ist schwarz-weiß (ach was!): Anna Vissi (CY)

Denn Griechenland zog seinen bereits ausgewählten Beitrag ‚Sarantapente Kopelies‘ auf Weisung seiner damaligen Kultusministerin, der ehemaligen Schauspielerin (‚Sonntags… nie!‘) und Sängerin (‚Ein Schiff wird kommen‘) Melina Mercouri, zurück. Über das Warum gehen die Angaben auseinander: die einen sagen, weil der Titel keine Neuschöpfung, sondern an ein griechisches Volkslied angelehnt sei, andere Quellen sprechen davon, dass Mercouri den Eurovision Song Contest als „schrecklich“ empfunden habe und die Hellenen dort generell nicht mittun sollten. Tatsächlich verzichtete das Land auch 1984 und 1986 auf die Teilnahme. Neben Griechenland glänzten auch Italien und Frankreich mit Abwesenheit – letzteres ganz ohne Toter-Präsident-Ausrede, sondern aus purer Unlust: der Contest sei ein „Monument des Schwachsinns“, so der gallische Eurovisionsverantwortliche. Annas Vissys Hymne an die Liebe, ‚Mono i Agapi‘, mag getrost als (wenn auch etwas spröde) Reverenz an das textlich wie musikalisch ähnliche deutsche ‚Nur die Liebe lässt uns leben‘ von 1972 durchgehen.

What a Mess! (AT)

Körperzellen-Rock für Nichtsängerinnen und -sänger von Michael Scheikl (Mess)

Völlig abstrus hingegen die englische Übersetzung ihres Liedes, ‚Love is a lonely Weekend‘. Liebe ist also wie zwei freie Tage voller Einsamkeit? Wenn Du da eben noch mal drübergehen möchtest, Anna? Unter dem hoch originellen Gruppennamen Chips traten die von Connaisseuren des gepflegten Schwedenschlagers hochverehrten Bettan (Elisabeth Andreassen) & Kikki (Danielsson) an, die beide auch 1985 wieder auf der Grand-Prix-Bühne stehen sollten – Bettan (NO 1994, 1996) dann als Teil des siegreichen norwegischen Duos Bobbysocks. Ihr diesjähriger Rock’n’Roll-Schlager ‚Dag efter Dag‘ wollte zwei Dinge auf einmal sein: abbaesk und bucksfizzig. Und blieb dabei doch schal und farblos, auch wenn Kikki & Bettan in kräftigem Babyblau und Babyrosa performten. Es folgte ein Kultknaller des schlechten Geschmacks: das österreichische Duo Mess (welch sprechender Name, vor allem in Harrogate!), optisch ein weiteres schiefgegangenes Experiment aus dem Klonlabor, tanzte zu seinem besinnungslos billigen Synthieschlager ‚Sonntag‘ eine aerobicinspirierte Hochleistungschoreografie.

Tag auf Tag nur Chips, das macht fett! (SE)

Und das, ohne hörbar außer Puste zu geraten! Michael Scheikl, der männliche Teil des Duos, das beim Vorentscheid neben dem gemeinsamen Song auch jeweils mit einem Solo-Titel angetreten war, grinste sogar die ganze Zeit über wie ein Honigkuchenpferd. Und das trotz des textlichen Dünnpfiffs, den er da singen musste. Das debile Grinsen hat er bis heute nicht verlernt: ihm verdanken wir den noch kultigeren Esoterik-Knaller ‚Jede Zelle meines Körpers ist glücklich‘. Mit dem von ihm verfassten Selbstheilungs-Mantra und der dazugehörigen, „energiemobilisierenden“ Mitmach-Choreografie zieht Scheikl dieser Tage durch die Lande und leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche. Meinen Respekt! Die belgische Vertreterin Stella Maessen, mit ihren beiden Schwestern bereits 1970 als holländisches Quartett Hearts of Soul und 1977 als belgische Disco-Combo Dream Express am Start, hatte endlich ihren Soloauftritt und sich dafür eine hübsche Löwenmähne zugelegt, die sie mit einem Sträußchen Schleierkraut noch frisch und fein dekorierte (fieser Kommentar von Terry Wogan: „Das ist der schlimmste Fall von Schuppen, den ich jemals gesehen habe“).

Vom Floristen frisiert: Stella (BE)

Bei ihrem leider fünf Jahre zu spät kommenden, discotastischen ‚Si tu aimes ma Musique‘ bediente sie sich zwar eines eher phonetisch antrainierten Französischs, das jedoch bei weitem nicht so grottig klang wie weiland bei Baccara (LU 1978) mit ihrem eher ironisch betitelten ‚Parlez-vous Français?‘. Trotz des sprachlichen Handicaps trug also Stella ihren possierlichen Discoschlager sehr überzeugend vor. Ihren vierten Rang empfand sie womöglich nicht als angemessene Entlohnung ihrer Mühen, und so lautete die deutsche Fassung ihres Beitrags dann auch ‚Tut mir leid, dass ich weine‘. Och, Armes! Wie schon Portugal versuchten es auch Dänemark (Brixx, ‚Video Video‘) und Jugoslawien (Aska, ‚Halo, halo‘) mit kurzen Gruppennamen, international verständlichen Lautmalereien und Synchrontanz, fügten damit dem Abend aber nichts Substanzielles hinzu. Außer der bangen Frage, ob es sich bei den doch extrem herb wirkenden Serbinnen (eine von ihnen, Izolda Barudžija, vertrat Jugoslawien erneut 1984 mit dem Italoschlager ‚Ciao, Amore‘) gar um Transen handelte?

Die Vorbilder für Sestre (SI 2002): Aska (YU)

Die im Gegensatz hierzu hinreißend schöne Spanierin Lucía tat (in Begleitung eines hinreißend schönen Tänzers) in Harrogate Unerhörtes: sie trat mit einem Tango an, bekanntlich der Nationaltanz Argentiniens, mit dem sich Großbritannien gerade im Krieg um die Falkland-Inseln befand. Geste der Solidarität mit den lateinamerikanischen Brüdern und Schwestern oder gezielte Provokation? ‚Él‘ landete auf Platz 10. Auf den berechtigten zweiten Rang schaffte es hingegen der wie ein singender Buchhalter aussehende Avi Toledano mit der schwungvollen Kibbuz-Disco-Nummer ‚Hora‘, ebenfalls ein Grand-Prix-Klassiker und unfehlbarer Tanzflächenfüller bei der Eurovisionsdisco. Und auch, wenn der Songtitel nicht das bedeutet, was Sie jetzt gerade wieder denken (Sie altes Ferkel!): etwas Anzügliches hatte es schon, wie Avi zum Auftakt erst mal „Hora! Hora! Hora!“ in die Menge schrie. Erstaunlich übrigens, dass man die Stimmen der wirklich extrem enthusiastisch tanzenden Backings im Refrain so gut verstand, obwohl ihre Mikros so weit entfernt am Bühnenrand standen – und sie eines davon auch noch umstießen!

Patentierter israelischer Formationstanz™ at its best! (IL)

Und dann kam sie. Als letzte Teilnehmerin des Abends (wie schon beim Vorentscheid in München) setzte Nicole einen optischen wie musikalischen Kontrapunkt zu all dem vorangegangenen Flitter, den pastellfarbenen Aerobic-Klamotten (selbst die britische Moderatorin Jan Leeming trug ein Glitzerstirnband!), Synchrontänzen und plastikartigen Synthie-Melodien. Als „blockflötenhaft“ und „katholisch“ beschrieb die Presse ihren Auftritt, und das ist wahr. Bombenfest auf dem Barhocker installiert, fast hinter ihrer gigantischen, unschuldsweißen Lagerfeuergitarre verschwindend, piepste sie ihr naiv unpolitisches, gerade deswegen aber von der schweigenden Mehrheit uneingeschränkt geteiltes Gebet für ‚Ein bisschen Frieden‘ heraus. Weniger als vierzig Jahre nach dem Ende des von Deutschland angezettelten barbarischen Vernichtungskrieges, der in ganz Europa rund 60 Millionen Menschenleben forderte, signalisierte unser braver saarländischer Friedensengel augenscheinlich glaubhaft, dass von den Deutschen keine Gefahr mehr ausginge. Und eroberte so die Herzen der Zuschauer/innen (und, wichtiger noch, der Juroren) im Sturm.

Veränderte die Wahrnehmung Deutschlands in Europa: Nicole (DE)

Die Douze-Points-Wertungen flogen nur so herein – weswegen es um so negativer auffiel, dass wir aus Österreich nur einen einzigen Zähler erhielten. Ein historischer Umstand, den eiserne Grand-Prix-Fans den Schluchtenkackern bis heute nicht verziehen haben. Doch egal, Nicole gewann letztendlich mit dem bis dahin größten Punktevorsprung – ein Rekord, den erst Alexander Rybak 2009 einstellen konnte. Nicht unbedingt ein Wunder angesichts der mehr als dürftigen Konkurrenz – dennoch: ein überwältigender Erfolg. Dass sie bei der Siegerreprise ihr Lied auch noch (angeblich „spontan“) strophenweise in Holländisch, Englisch und Französisch sang, trug ihr anerkennenden Szenenapplaus ein und erweiterte den neuen Sympathiebonus für die Deutschen von friedvoll auf polyglott. Zudem erwies sich dieser Kniff für den Abverkauf der bereits produzierten fremdsprachigen Fassungen ihrer Single, die es sogar – sonst für Deutsche undenkbar! – bis an die Spitze der britischen Hitparade schaffte, nicht gerade als hinderlich.

Spontaner Einfall oder cleveres Marketing? Nicole bei der Siegerreprise

Sie erreichte die #1 ebenfalls in Österreich, der Schweiz, Irland, den Niederlanden, Schweden und Norwegen. Insgesamt verkaufte sie über 5 Millionen Einheiten und lieferte damit einen der erfolgreichsten Eurovisionstitel aller Zeiten ab. Auch zu Hause in Deutschland blockierte die Saarländerin wochenlang gewaltfrei die Nummer Eins der Charts. ‚Ein bisschen Frieden‘, in seiner Außenwirkung ein kaum zu unterschätzender kultureller Meilenstein für unser Land und der unbestreitbar größte künstlerische Erfolg des Grand-Prix-Abhängigen Ralph Siegel, markiert zugleich dessen schöpferischen Zenit. Sowie den nicht mehr zu kittenden Bruch der Generationen bei Europas größtem Musikfestival: freuten sich die älteren und konservativeren Deutschen uneingeschränkt über den überragenden Triumph, so ergoss sich aus den Reihen der progressiveren Jugend Häme und Ablehnung über Nicoles Lied, welches als gezielte Provokation der linksalternativen Friedensbewegung begriffen wurde. Damit stellte sich der Grand Prix bei den Jüngeren endgültig ins gesellschaftliche Abseits. Wollte man nicht als gestrig gelten, durfte man ihn für die nächsten 15 Jahre nur noch heimlich schauen.

Wer war die würdigere deutsche Siegerin? Dennis & Jesko batteln es aus

Eurovision Song Contest 1982

Eurovision Song Contest. Samstag, 24. April 1982 aus dem Conference Center in Harrogate, Großbritannien. 18 Teilnehmerländer, Moderation: Jan Leeming.
#LandInterpretTitelPunktePlatz
01PTDoceBem Bom03213
02LUSvetlanaCours après le Temps07806
03NOJahn Teigen + Anita SkorganAdieu04012
04UKBardoOne Step further07607
05TRNeçoHani?02015
06FIKojoNuku pommiin00018
07CHArlette ZolaAmour on t'aime09703
08CYAnna VissiMono i Agapi08505
09SEChipsDag efter Dag06708
10ATMessSonntag05709
11BEStella MaessenSi tu aimes ma Musique09604
12ESLucíaÉl05210
13DKBrixxVideo Video00517
14YUAskaHalo, halo02114
15ILAvi ToledanoHora10002
16NLBill van DijkJij en ik00816
17IEDuskeysHere today, gone tomorrow04911
18DENicole HohlochEin bisschen Frieden16101

4 thoughts on “ESC 1982: Meine Lieder, die ändern nicht viel

  1. Warum nur, warum? Warum haben eigentlich diesen Contest gewonnen? Die Perlen aus Spanien, Zypern und Israel hätten es tausend mal mehr verdient gehabt. Und wir hätten eigentlich 1981 mit Johnny Blue schon gewinnen sollen. Aber warum sollte sich der Contest auch jemals nach meinem Geschmack richten? Ansonsten ein ganz netter Jahrgang, aber nicht der Beste der Achtziger, doch um weiten hochklassiger als alles was ab 1984 kommen sollte.

  2. Ein bisschen Wiedergutmachung Nach den knappen zweiten Plätzen 80 und 81 (wer hat für Johnny Logan gestimmt? Umbringen wäre noch zu freundlich!) hatten wohl die meisten Juroren das Gefühl, die Deutschen dürften sich auch mal als Ausrichter lächerlich machen (das hat ja auch geklappt). Und ein Lied, das auf dermaßen schamlose Weise Klischees bediente, hat es selbst beim Contest nur selten gegeben. Trotzdem empfinde ich Nicole als eine verdiente Siegerin – mit dem zweithöchsten Vorsprung aller Zeiten (in absoluten Zahlen) und dem legendären EINEN PUNKT aus Österreich (nebenbei beruht das ‚warum geben die uns keine Punkte?‘ auf Gegenseitigkeit, wie ich in diversen Youtube-Videos von Punktevergaben mit österreichischem Kommentar erfahren durfte). Israel war sehr gut, Zypern auch. Aber das war 1982 – Falklandkrieg, Nachrüstung, der Kalte Krieg auf seinem letzten Höhepunkt (oder Tiefststand?) – und dann kommt da ein deutsches (!) Mädchen daher und klampft sich was ab von wegen Frieden! Wie bitte hätte das nicht klappen können? Okay, wie man mit einem friedensbewegten Song scheitert, und zwar erbarmungslos, hat man an Finnlands Beitrag aus dem gleichen Jahr sehr schön sehen können. Aber was für eine coole Sau war denn das? Ich rate jedem, der mal gut lachen will, sich die Punktevergabe von 1982 anzusehen und auf das Bild von Kojo aus dem Green Room zu achten (der rote Anzug ist nicht zu übersehen). Hihihi.

  3. Es wird immer wieder vergessen, dass Nicole aus Österreich immerhin einen Punkt mehr bekam als aus Luxemburg. Sogar auf dieser herausragenden ESC-Website kein Wort darüber – das wundert mich wirklich!

  4. Luxembourg? Qui est-ce? Das war in meiner Grand-Prix-Wahrnehmung immer Frankreich II (so, wie Monaco Frankreich III ist). Und von den Franzosen erwarte ich nicht unbedingt Punkte. Österreich und die Schweiz zähle ich aber zum deutsch(sprachig)en Kulturkreis – da schmerzt die Ablehnung. Auch wenn die rein der dummen Jury geschuldet war.

Oder was denkst Du?