ESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Logo des Eurovision Song Contest 1975
Das Jahr des dösenden Orchesters

Nach jahrelangen Diskussionen und etlichen Fehlversuchen setzte die EBU 1975 ein komplett neues Wertungsverfahren für den beliebtesten Musikwettbewerb der Welt in Kraft. Ein so erfolgreiches, dass es sich bis heute hält: dass nämlich aus jedem Land die zehn beliebtesten Titel in aufsteigender Reihenfolge Punkte erhalten; die beiden Lieblingslieder sogar noch einen Bonus, um einen möglichst eindeutigen Sieger zu ermitteln. 1-2-3-4-5-6-7-8-10-12, so lautet seither die magische Formel, „Douze Points“ das Maß aller Dinge. Für Deutschland, das entscheidenden Einfluss auf die Initiierung dieses Standards hatte, führte er bei seiner Premiere zu einem höchst verdrießlichen Ergebnis.

12 Points für das neue Wertungsverfahren beim ESC 1975

Mit ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘ schenkten wir Europa das unanfechtbar schönste Lied der gesamten Contestgeschichte; eines, das wie kein zweites den Grundgedanken der Veranstaltung, nämlich die Herbeiführung und Festigung von Einigkeit und Friedfertigkeit durch die edlen Künste beschreibt. Mit 15 von 204 maximal möglichen Punkten wiesen die Juroren dieses Präsent jedoch schroff zurück. Eine Ablehnung, die bis heute schmerzt. Doch um der Wahrheit die Ehre zu geben: wir waren selbst schuld. Mit dem fabelhaften Auftritt der großartigen Joy Fleming (DVE 1986, 2001, 2002) beim deutschen Vorentscheid hatte die beim internationalen Wettbewerb präsentierte Darbietung nicht das Geringste zu tun. Mustergültig lässt sich an diesem Beispiel beschreiben, wie man eine Preziose von Song wirkungsvoll zermörsert. Denn verloren waren wir schon, als in Stockholm – wo es von Seiten der politischen Linken Demonstrationen gegen das kommerzielle Talmi-Tralala gab – der Komponist des Jahrhundertschlagers, Rainer Pietsch, vor das Dirigentenpult trat.

Gerne hätte ich Ihnen hier den Mitschnitt vom deutschen Vorentscheid gezeigt. Doch obwohl dieser, wie jede ARD-Sendung, von unseren Gebühren bereits bezahlt wurde und damit der Öffentlichkeit gehört, ist er aufgrund der Intervention irgendwelcher Rechteinhaber nicht verfügbar. Was mal wieder beweist: Eigentum ist Diebstahl!

In dem so verzweifelten wie wirkungslosen Versuch, dem vergreisten, auf getragene Hochkultur abonnierten SVT-Orchester den für den Titel lebensnotwendigen Soul zu entlocken, stampfte er laut mit dem Fuß auf, den erhofften Rhythmus der Inszenierung vorgebend. Die Musiker grinsten verächtlich – und produzierten denselben bräsigen Soundquark wie bei allen anderen Teilnehmer/innen auch. Im Gegenzug verlieh die schwedische Presse der armen Joy den wenig schmeichelhaften Kosenamen „stampfende Brunhilde“, was sich auch auf ihr Bühnenoutfit bezog. Gegen ihren Willen pressten sie die ARD-Verantwortlichen in ein schreckliches, kotzgrünes, wurstpellenartig anliegendes Kleid und behängten sie pfundweise mit baumelnden Silberketten. Natürlich bewegte sich die stimmlich wie figürlich schwergewichtige Erna Strube auch darin in wilden rhythmischen Zuckungen, was aussah, „als ob zwei Wildschweine unter der Bettdecke miteinander kungeln“, um aus einem meiner Lieblingsfilme, Magnolien aus Stahl, zu zitieren. Erschossen gehörten außerdem die Stylisten: mit eng anliegenden „Schneggelogge“ (Joy) und anscheinend mit dem Kohlestift aufgetragenem Augen-Make-up sah sie aus wie die Urgroßmutter der Addams Family.

In Stockholm: Joy Fleming und das Horrorkleid (DE)

Die schlimmste Sünde aber beging Joy Fleming selbst, als sie den Schlußvers ihres Beitrags auf Englisch sang, was sowohl den Flow des Liedes zerstörte als auch aufgesetzt und angestrengt wirkte. Auch andere Länder begehen diesen Kardinalfehler immer wieder aufs Neue, obwohl er nachweislich noch nie zum Erfolg führte. Er ist dem Zielkonflikt geschuldet, den Beitrag einerseits in der Landessprache zu präsentieren, um seine Authentizität zu erhöhen, andererseits diejenigen Zuschauer/innen (bzw. Juror/innen) zu erreichen, die des Deutschen (Dänischen, Hebräischen, Kroatischen, …) nicht mächtig sind. Und wie bei jedem Kompromiss verliert man damit auf beiden Ebenen. Bekanntlich entscheiden die ersten zehn Sekunden eines Auftritts über dessen Erfolg oder Misserfolg: wer die Ohren auf Durchzug stellt, weil er die Sprache nicht versteht, hört auch beim letzten Refrain nicht mehr hin. Dafür aber raubt ein (aufgesetzter) Sprachwechsel mitten im Lied der Präsentation jeglichen landestypischen Zauber, zerstört den natürlichen Fluss und stiehlt dem Song die Seele. Kompromisse mögen in der Politik gelegentlich erforderlich sein – in der Kunst können sie ausschließlich Schaden anrichten.

Auch wenn Dein Liebster ging, sing Dong Dong Ding: Teach-in (NL)

Im Jahr Eins nach der schwedischen Pop-Vierfaltigkeit siegte ein schwacher AbbaAufguss aus den Niederlanden. Die vier bärtigen Musiker von Teach-In und die aus Österreich stammende Sängerin Getty Kaspers trugen eine den Schweden nachempfundene (wenn auch weniger spektakuläre) Bühnengarderobe und stimmten eine schwungvolle, optimistische Popnummer mit dem gehaltvollen Titel ‚Ding A Dong‘ an, deren Aussage in der Quintessenz gipfelte: „Even when your Lover has gone, sing Ding Ding Dong“! Damit gelang ihnen, wie im restlichen Europa, auch in Deutschland ein Top-Ten-Hit, anders als Frau Fleming (#36 DE). Mit dem letzten Ton ihres Songs zerschlugen sie als visuellen Gimmick eine Christbaumkugel – so blieben sie im Gedächtnis der Juroren hängen. Zumal es den Holländern als Eröffnungsact des Abends zukam, nach der gefühlt dreistündigen, valiumdurchflort-verstockten Eröffnungsmoderation durch die schwedische Nebelkrähe Karin Falck das komatöse Publikum wieder aufzuwecken. Frau Falck sollte erst später bei der Stimmauszählung für einen unterhaltsamen Moment sorgen, als sie, sich im Sprachgewirr der Punktevergabe verheddernd, den EBU-Schiedsrichter verzweifelt frug: „How much is Seven in French“?

Sahen aus wie eine mormonische Siedlerfamilie: die finnischen Folkbarden (FI)

Womit wir bei schon bei Frankreich sind. Deren Sängerin Nicole Rieu entbot mit weit aufgerissenen, kreisrunden Kuhaugen den süßlichen Gruß ‚Et Bonjour à toi, l’Artiste‘ – wohl wissend, dass sich in den Länderjurys gerne verhinderte Künstler/innen ansammeln, die sich von solcherart selbstreferentiellem Murks natürlich gebauchpinselt fühlen und Punkte dafür raustun. Die Sprache des Abends aber war Englisch. Nicht nur die siegreichen Niederländer und die gastgebenden Schweden, die einen optischen Howard-Carpendale-Verschnitt namens Lars Berghagen mit einem sehr unabbaesken Popschlager (‚Jennie, Jennie‘ – leider ohne den Zusatz ‚Dreams are ten a Penny‘) schickten, bedienten sich ihrer, sondern auch die Finnen. Die entsandten eine Gruppe mit dem unaussprechlichen Namen Pihasoittajat und die possierliche Country-Nummer ‚Old Man Fiddle‘, zu der ein – allerdings blutjunger – Geiger im Stile Alexander Rybaks (NO 2009) fiedelte. Völlig zu Recht erhielten sie zwei Höchstwertungen aus Deutschland und der Schweiz und landeten auf dem siebten Rang. Für finnische Verhältnisse gut, wenn ihnen auch ein besseres Ergebnis zugestanden hätte, wie so oft.

Die singende Häkelgardine: Renato (MT)

Auch die nach zwei Jahren Pause zum Wettbewerb zurückkehrenden Malteser erinnerten sich – nach den letzten Plätzen für ihre maltekischen Folklorestücke – ihrer zweiten Landessprache Englisch. ‚Singing this Song‘, ein thematisch eng mit dem Siegertitel dieses Jahres verwandter, fröhlicher Optimismusschlager, landete im Mittelfeld. Dabei hatte sich Renato Micallef extra noch unter Mühen einen avantgardistischen, silberblauen Pulli mit vielen langen Fransen gehäkelt, den er auf der Bühne stolz präsentierte – natürlich die Ärmchen immer schön oben in der Luft! Diese verräterische Geste kostete ihn wohl die Punkte der homophoben Teile der Jurys. Die beleidigten Insulaner zogen sich daraufhin für geschlagene 15 Jahre vom Wettbewerb zurück. Als ähnlich selbstzerstörerisch erwies sich die Show der belgischen Teilnehmerin Ann Christy, die einen arg angespannten Eindruck machte. Zur suggestiven Textzeile „Could it be Happiness / the Feeling I get from you“ faltete sie die Hände zu einem Schamdreieck und markierte damit auf ihrem Körper die Stelle, an der sie das besungene Glücksgefühl empfinden wollte. Zu viel für die sittenstrengen Juroren, die den ursprünglich für eine Jeanswerbung geschriebenen, sanften Schlager auf den elften Platz verbannten. Traurig: die als Christiane Leenaerts geborene Sängerin verstarb 1984 im Alter von nur 38 Jahren an Gebärmutterhalskrebs. Womöglich war es doch keine „Happiness“, die sie dort fühlte!

Bei 3:28 Min: Hier geht’s rein! Ann Christy (BE)

Logischerweise ebenfalls auf Englisch sangen außerdem die irischen Swarbriggs (IE 1977): ‚That’s what Friends are for‘ hatte mit dem gleichnamigen, wunderschönen Kitschstück von Dionne Warwick leider nur den Titel gemein. Dennoch schrieb der Song Geschichte: wie heute bestand für alle teilnehmenden Länder die Verpflichtung, Videos ihrer Beiträge zu produzieren (ein Livemitschnitt von der Vorentscheidung tat es auch), welche die EBU sämtlichen Sendern für die sogenannten Previews zur Verfügung stellte: die Clips mussten (!) seinerzeit in den Wochen vor dem Contest als Werbemaßnahme von allen beteiligten TV-Stationen in ihrem Hauptprogramm ausgestrahlt werden. Das machen einige Anstalten heute auch noch – die ARD versteckt sie dummerweise zwischen den Semis (!) auf Einsfestival. Das vom irischen Sender RTÉ 1975 produzierte, fremdschämpeinliche Vorschauvideo, in dem die beiden eher steifen Brüder erfolglos und sehr unpassend zum Liedinhalt einen auf Jetset machten, diente später als Vorlage für die Parodie ‚My lovely Horse‘, die unter Eurovisionsfans von der Insel bis heute absoluten Kultstatus genießt.

We are the Jet-Set Society: die Swarbriggs machen auf Luxusleben (IE)

Besser als die Vorlage: die britsche Parodie ‚My lovely Horse‘

Die 1996 erstmals ausgestrahlte Eurovisionsfolge der Comedyreihe ‚Father Ted‘ über die Abenteuer zweier fiktiver Priester kennt wohl jeder einzelne Brite und Ire in- und auswendig. 2015 starteten Fans sogar eine Petition an die irische Regierung, ‚My lovely Horse‘ als offiziellen Beitrag der Insel nach Wien zu entsenden (was natürlich nicht ging, da der Song schon vor dem 1. September 2014 veröffentlicht wurde). Die Briten selbst schafften mit den Shadows mal wieder den zweiten Platz. Die vor allem in den Sechzigerjahren sehr erfolgreiche, zeitweilige Begleitband von Cliff Richard (ESC 1968 und 1973, hier stand Shadows-Gitarrist John Farrar als Backing mit auf der Bühne) bot musikalisch eine gefällige Kreuzung aus den Beatles und den Bee Gees. Nicht zuletzt dank der Falsettstimme des Gitarristen Hank Marvin – leider einer der hässlichsten Menschen, die jemals auf einer Eurovisionsbühne standen, weswegen ihn die Lichtregie des schwedischen Senders auch während seiner Gesangsparts gnädig im Halbdunkel ließ. ‚Let me be the One‘ bescherte ihnen einen letzten Top-Twenty-Hit (#12) in Großbritannien.

Erhielt das Accent aigu nur für diesen Auftritt: Géraldine (LU)

Aus Irland stammte auch die luxemburgische Vertreterin, Géraldine Branagan. Die hatte es, wie Wikipedia weiß, 1973 vergeblich beim heimischen Vorentscheid versucht. Diesmal durfte sie für das Großherzogtum ran – vermutlich, weil der mit ihr zart verbandelte Komponist Phil Coulter ihren Beitrag ‚Toi‘ verfasst hatte. Bill Martin, der mit ihm zusammen die erfolgreichen britischen Grand-Prix-Lieder ‚Puppet on a String‘ (1967) und ‚Congratulations‘ (1968) schrieb und auch bei dem arg lahmen ‚Toi‘ als Mitautor firmierte, erinnert sich gegenüber Gordon Roxburgh: „Wir haben viel Geld dafür ausgegeben, und sie konnte nicht singen. Ich half noch nicht mal bei der Promotion, mir bedeutete es nichts“. Dennoch reiste auch Martin als Teil der luxemburgischen Delegation nach Stockholm an, denn „ich war mit den Shadows befreundet und ich liebte die Atmosphäre“. Géraldine versuchte mit ihrem weißen Fledermausärmelkleid vergeblich, von der Dürftigkeit ihrer Stimme und ihrer grauenhaften französischen Aussprache abzulenken, erreichte aber dennoch einen fünften Platz.

Extra vorher noch in eine Zitrone gebissen: die Frau Drexel (CH)

Immerhin zur Chartposition #2 in ihrem Heimatland, der Schweiz (wenn auch leider nirgends sonst) reichte es für die in der Wertung einen Rang niedriger abschneidende Simone Drexel, die mit einer selbst geschriebenen, philosophischen Betrachtung des Geschicklichkeitsspiels ‚Mikado‘ (jawohl, das mit dem Hölzchen anfassen) ein schönes Exemplar der hierzulande von Juliane Werding und Katja Ebstein (DE 1970, 1971, 1980, DVE 1975) abgedeckten Musikrichtung des angetäuscht sozialkritischen Chansons mit Rumms-Bumms-Hammerrefrain ablieferte. Die besungene Ernsthaftigkeit („zeig niemals ein Gefühl“) transportiere Frau Drexel geschickt, indem sie dabei ein Gesicht zog wie bei einer Wurzelbehandlung. Einen deutlich zeitgemäßeren Sound bot der Israeli Shlomo Artzi, Sohn von Überlebenden des Holocaust, dessen ‚At ve‘ ani‘ als erstes Discostück der Contestgeschichte gelten kann – und eines der besseren noch dazu.

Als Model hätte ich mich gegen so einen gräßlichen Folklore-Fummel aber mit Händen und Füßen gewehrt! (TR)

In diesem Jahr debütierte die Türkei beim Song Contest, was zur Folge hatte, dass Griechenland fernblieb. Man stritt sich um die Vorherrschaft auf der noch immer zweigeteilten Mittelmeerinsel Zypern, von der nur der griechische Süden beim Grand Prix mitmacht (was die stets zwischen Athen und Nikosia hin und her geschobenen Douze Points erklärt), während die Nordhälfte mittlerweile an der Türkvizyon teilnimmt. Die Türkei jedenfalls teilte das deutsche Schicksal: ihr wunderschöner, verspielter Ethnosong ‚Seninle bir dakika‘ von Semiha Yankı, einer der besten Eurovisionsbeiträge des Landes, wurde vom Orchester hingemetzelt und blieb unverstanden. Lediglich drei Gnadenpunkte aus Monte Carlo gab es. Und selbst die wollte die elektronische Punktetafel zunächst ums Verrecken nicht anzeigen! Frau Yankı verdankte es übrigens dem Losglück, dass sie nach Stockholm durfte: beim heimischen Vorentscheid gab es einen Punktegleichstand zwischen ihr und einem populären Kindertrio mit dem für deutsche Ohren sehr pikanten Namen Cici Kızlar (Delisin).

Wollte anscheinend direkt nach dem Auftritt zu Bett: Estíbaliz (ES). Sergio entschlief 2015

Für Portugal trat mit Duarte Mendes ein ehemaliger Marineoffizier und echter optischer Hingucker an. Sein Beitrag ‚Madrugada‘, musikalisch leider von ausgesuchter (und für die Portugiesen so typischer) Ödnis, handelte von der Nelkenrevolution, mit der sich das Land im Vorjahr verhältnismäßig unblutig aus der Diktatur befreien konnte und an welcher der Künstler selbst mitgewirkt hatte. Mendes trug ein Jackett mit weiß leuchtendem Innenfutter: keine gute Idee bei einem zur großen Geste neigenden Sänger! Zwei unterschiedliche Pärchenkonzepte präsentierten uns die südeuropäischen Länder: während die Spanier mit dem Ehepaar Sergio & Estíbaliz (beide Gründungsmitglieder der Mocedades [ES 1973]) einen singenden Schlafwagenschaffner und seine heidibezopfte, gewandtechnisch bereits bettfertige junge Gattin schickten, um uns mit harmoniesatter Fahrstuhlmusik (‚Tú volverás‘) in eine watteweiche Trance zu lullen, setzte das gemischtrassige amerikanisch-italienische Duo Wess (†2009) und Dori Ghezzi mit dem anregenden ‚Era‘ einen optisch wie musikalisch erquicklichen Schlusspunkt. Ihr Lohn: Rang 3 bei den Juroren und ein Top-Ten-Hit in der Schweiz und Norwegen.

Nichts ist spannender als Kontraste: Wess & Dori Ghezzi (IT)

In der deutschen Pressenachschau fand das katastrophale Abschneiden Joy Flemings und der Sieg eines anspruchslosen Ding-Dong-Liedchens zornigen Nachhall. Leider zog man genau die falschen Schlüsse: man dürfe die deutsche Vorentscheidung nicht, wie geschehen, den Plattenfirmen überlassen (was ja erst zu einem beachtlichen Aufgebot bekannter Schlagerstars und kredibler Songs führte), sondern solle Jazz-Komponisten wie Peter Herbholzheimer beauftragen. Der habe schließlich schon Wettbewerbe gewonnen! Wenn natürlich auch welche, für die sich allenfalls eine Handvoll Menschen interessieren. Doch selbst das schwedische Fernsehen, Gastgeber dieses Jahres, gab kurze Zeit nach der Veranstaltung bekannt, aus dem Grand Prix auszusteigen: die hier gezeigte Musik sei „minderwertig“. Es blieb allerdings bei einer nur einjährigen Pause.

Eurovision Song Contest 1975

Eurovision Song Contest. Samstag, der 22. März 1975, aus der St. Eriks Mässan Älsjö in Stockholm, Schweden. 19 Teilnehmerländer. Moderation: Karin Falck.
#LandInterpretTitelPunktePlatz
01NLTeach-InDing A Dong15201
02IESwarbriggsThat's what Friends are for06809
03FRNicole RieuEt Bonjour à toi, l'Artiste09104
04DEJoy FlemingEin Lied kann eine Brücke sein01517
05LUGéraldine BranaganToi08405
06NOEllen NikolaysenTouch my Life with Summer01118
08YUPepel i KriDan Ljubezni02213
09UKShadowsLet me be the One13802
07CHSimone DrexelMikado07706
10MTRenato MicallefSinging this Song03212
11BEAnn ChristyGelukkig zijn01715
12ILShlomo ArtziAt ve 'ani04011
13TRSemiha YankiSeninle bir dakika00319
14MCSophie HecquetUn Chanson, c'est une Lettre02213
15FIPihasoittajatOld Man Fiddle07407
16PTDuarte MendesMadrugada01616
17ESSergio & EstebalizTú volverás05310
18SELars BerghagenJennie, Jennie07208
19ITWess & Dori GhezziEra11503

2 Kommentare zu „ESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

  1. Käse aus Holland – oder nicht? Interessanterweise hat ‚Ding-a-dong‘ ein ähnliches ‚Schicksal‘ erlitten wie ‚Après toi‘. Wer sich mal den niederländischen Text ansieht, merkt sehr schnell, dass das Thema um 180° gedreht wurde. Wirklich faszinierend. ich wüsste zu gern, was zuerst da war.

  2. Ein Lied kann (muss aber nicht) eine Brücke sein! Aus welchem Grund überall behauptet wird, daß Joy Flemings Lied das beste aller Zeiten ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe 1975 die Vorentscheidung und auch das Finale gesehen, und das Lied war für mich überhaupt kein Ohrwurm oder sowas in der Richtung. Bei der VE war das Lied überhaupt nicht positiv aufgefallen-links rein, rechts raus. Und vor dem Finale in Stockholm gab es eine ganz starke Stimmung gegen Joy Fleming in Deutschland. Und dann hat Sie sich Ihren Auftritt selber versemmelt. Für den Dirigenten, die Beleuchtung und das Orchester konnte sie nichts; aber das Kleid, das Make-Up, und das Rumgehopse , und das Geschrei gehen ja wohl auf Ihre Rechnung, und sie machte auch einen etwas primitiven Eindruck. Dieser Auftritt in Stockholm ist für mich der schlechteste der Eurovisiongeschichte mit einem durchschnittlichen Lied. Jürgen Marcus und Ein Lied zieht hinaus in die Welt wäre definitiv der bessere Vertreter für Deutschland gewesen.

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