ESC 1992: Why her?

Logo des Eurovision Song Contest 1992
Das Jahr des fehlenden „I“.

Nordisch unterkühlt das schwedische Moderationspaar, belanglos das Gros der vorgetragenen Lieder: wenig blieb hängen vom musikalischen Aufgebot dieses Abends. Auch in den Charts: völlige Fehlanzeige. So waren es mal wieder die optischen Eindrücke, die den Bericht lohnen. Wie beispielsweise der kregle Zeichentrickvogel Song Trush, der die Postkarten einläutete (und heute seine virtuelle Heimat auf der exzellenten Songtexte-Seite Diggiloo gefunden hat). Oder das riesige Wikingerschiff auf der Bühne, das die Zuschauer daran erinnern sollte, wer hier Millionen für flache Unterhaltung ausgab. Und das die Sänger mit Trockeneisrauch aus seinem Drachenkopf am Bug von der Bühne scheuchte, wenn diese ihre drei Minuten zu überziehen drohten.

Augenfällig auch die farbstarken Sakkos der Israelin Dafna Dekel und ihres männlichen Begleitchores, die in ihrem Beitrag das für den Grand Prix (wie eigentlich auch in der sonstigen Popmusikgeschichte) eher ungewöhnliche Thema ‚Ze rak Sport‘ aufgriff. Sie nahm ihren sechsten Platz sportlich: 1999 kehrte sie als Moderatorin auf die Eurovisionsbühne zurück. Griechenland setzte erneut auf die Komplementärfarbkombination ‚Aspro-mavro‘ (schwarz-weiß) – außer im Gesicht von Cleopatra Pantazi, wo ein Stukkateur ganze Arbeit leistete. ‚Olu tu Kosmou i Elpitha‘ erwies sich, trotz eher orientalisch als griechisch anmutender „Ohooooo“s, erwartungsgemäß als hochdramatische Angelegenheit. Dementsprechend zog die Sängerin des Öfteren ein Gesicht, als breche sie vor lauter Weltschmerz gleich zusammen. Vielleicht hatte sie auch nur ihren Vibrator stecken lassen.


Uuh aah, just a little bit: Cleopatra (GR)

Frankreich überraschte mit Karibikklängen. Des anhaltenden Mißerfolges des klassischen französischen Chansons überdrüssig, begann die ehemalige Kolonialmacht in den Neunzigern1)Einen ersten Ausflug hatte La Grande Nation bereits 1981 mit dem gebürtigen Tahitianer Jean Gabilou und seinem ‚Humanahum‘ unternommen. eine musikalische Reise ‚Einmal um die Welt‘. Nach einem Besuch der Maghrebstaaten zum Auftakt im Vorjahr folgte nun ein Abstecher zu den ozeanischen Départements der Grande Nation. Und so verwirrte ein vollbärtiger Kali die Juroren mit Steeldrums, kreolischen Gesängen und sommerlich-leichtem Gitarrensound: ‚Monté la Riviè‘. Großartig! Für das Gastgeberland erkrächzte sich ein heiserer Christer Björkmann mit der Plattitüde ‚I morgen är en annan Dag‘ (eine Weisheit, die er direkt aus dem Text des deutschen Beitrags entnahm) den vorletzten Platz. Trotz dieser ernüchternden Erfahrung blieb der leidenschaftliche Eurovisionsfan dem Wettbewerb in Treue fest verbunden: seit vielen Jahren leitet er das schwedische Auswahlverfahren Melodifestivalen. 2013 zeichnete er gar für die Organisation des nach dem Sieg seiner Landsfrau Loreen (SE 2012) erneut in Malmö, der Stätte seiner Schande, stattfindenden Eurovision Song Contest verantwortlich.


Einmal um die Welt: Kali (FR)

Zypern entsandt erstmalig2)Als Solosängerin. Als Chorsängerin stand sie bereits 1983, 1986 und 1987 für den griechischen Teil der Mittelmeerinsel auf der Grand-Prix-Bühne. die aufregend schöne Evridiki  Theokleous (CY 1994, 2007) die in einem aufregenden roten Kleid mit langärmeligen Handschuhen das aufregende, hochdramatische ‚Teriazoume‘ vortrug, in welchem sie, lyrisch ansprechend verpackt, dennoch recht eindeutig, ihren letzten Beischlaf besang. Der wohl verdammt gut gewesen sein muss: es ging um Explosionen, dem Betteln nach Berührungen und kosmische Verschmelzung. Dazu schickte sie Blicke in die Kamera, dass man sich wunderte, warum nicht der Bildschirm von innen beschlug. Die offensichtlich völlig vertrockneten Juroren bestraften diesen leidenschaftlichen (Eurovisions-)Höhepunkt, ohne Zweifel den sexiesten Auftritt aller Zeiten, mit einem mehr als skandalösen Mittelfeldplatz. Anscheinend stand man mehr auf altbackene Hausfrauenkost, wie der unfassliche, ja verbrecherische dritte Platz für die maltesische Mutter Beimer, Mary Spiteri, mit ihrer Brechreiz erregenden Backe-Backe-Kuchen-Ballade ‚Little Child‘ unter Beweis stellte.


Jetzt brauche ich eine Zigarette! Evridiki (CY)

Finnland belegte mal wieder unverdient den letzten Platz – es war ein ‚Yamma-yamma‘! Für die Schweiz3)Eigentlich hatte Geraldine Olivier den Gesamtschweizer Vorentscheid gewonnen. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie ihren Titel ‚Soleil, soleil‘ zunächst im französischsprachigen Teil Helvetiens, auch bekannt als La Suisse, eingereicht hatte und nach der dortigen Ablehnung mit eingedeutschtem Text beim deutschschweizerischen Sender SRF vorlegte, wo er prompt gewann. Seinerzeit war diese Mehrfachstrategie in der sprachlich dreigeteilten Eidgenossenschaft aber strengstens untersagt: der Song wurde disqualifiziert. blamierte sich eine klimakteriumsgeschädigte Schnepfe mit Namen Daisy Duck Auvray bei dem Versuch, den altehrwürdigen Grand Prix in ein billiges Animierlokal zu verwandeln. Jedenfalls deutete das die schleimige Stripschuppen-Saxophonmusik an, zu dem Daisy den ‚Mister Music Man‘ (Discjockey heißt das Wort, das Du suchst!) keilte, ihr eine Engtanznummer aufzulegen. Gott sei Dank konnte sich Frau Auvray im Rahmen ihrer Frustrierte-Hausfrau-spielt-Moulin-Rouge-Show noch soweit zusammenreißen, dass sie wenigstens die Klamotten anbehielt. Alleine schon bei dem Gedanken gingen einem die letzten Reste der von Evridiki zuvor so raffiniert erweckten Libido vollends flöten! Nichts gelernt aus dem Debakel von 1960 hatte Luxemburg, das seine Vertreterin Marion Welter in einer die Augen beleidigenden Patchwork-Jacke und mit einem furchtbaren Lied im zum Singen völlig ungeeigneten lëtzebuergeschen Dialekt (‚Sou fräi‘) antreten ließ.


Wie eine kalte Dusche: Daisy (CH)

Österreich bediente sich erneut einer Komposition Dieter Bohlens. ‚Zusammen gehn‘ sollte Tony Wegas (AT 1993) mit Bohlen nicht all zu lange und eigentlich verdiente der dröge Balladenschlager keine weitere Erwähnung, wenn sich nicht sein Erschaffer elf Jahre später auf der Suche nach Musikfutter für die Fernsehmischpoke von Deutschland sucht das Superschaf an das von Wegas in den medialen Orkus gesungene Lied erinnert und es unter der neuen Überschrift ‚We have a Dream‘ einem kommerziell höchst erfolgreichen Recycling zugeführt hätte. Ungerechte Welt: die RTL-Bande um Quaktasche Daniel Küblböck vermochte 2003 mit dem Eurovisionsflop einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland zu landen. Seinem ursprünglichen Interpreten brachte er dagegen kein Glück: 1997 verurteilte ein Wiener Richter Tony zu fünf Jahren Haft, nachdem dieser zwei Omas ausgeraubt hatte, um seine Drogensucht zu finanzieren. Was man nach so einer traumatisierenden Erfahrung wie einem Grand-Prix-Auftritt mit einem Bohlen-Song irgendwie verstehen kann.


Mit etwas längeren Haaren wäre er eigentlich Dieters Typ: Tony Wegas (AT)

Auch der – was sonst – zweitplatzierte britische Vertreter Michael Ball verbindet mit seiner Eurovisionsteilnahme keine all zu guten Erinnerungen. In einem Interview sagte er, eher würde er sich die „Augäpfel mit rostigen Gabeln ausstechen“, als noch mal zum Grand Prix zu gehen. Beruht auf Gegenseitigkeit: auch ich stäche ihm eher die Augäpfel mit rostigen Gabeln aus, als noch einmal seine blöde Musical-Nummer ‚One Step out of Time‘ ertragen zu müssen. Aus aktuellen politischen Gründen4)Der Jugoslawienkrieg. erfuhr die serbische Vertreterin Extra Nena (Snežana Berić, also nicht mit Frau Kerner verwandt), die offiziell noch für das sich bereits in der Auflösung befindliche Jugoslawien antrat, eine recht unterkühlte Aufnahme in den Kreis ihrer Sangeskollegen. Sie hoffte vergeblich, die Juroren mögen „so schnell wie möglich vergessen“. Taten sie nicht: für die nächsten Jahre hieß es für die Serben erst mal „Wir müssen draußen bleiben“, während die sich vom Staatenbund abspaltenden neuen Länder unisono zur Eurovision drängten.


Tick, Trick & Track oder Humphrey, Carlo & Ben (NL)

Konnten Wind (DE 1985, 1987) in den Achtzigern noch regelmäßig zweite Plätze für Deutschland eintüten, so reichte es für die schon mehrfach umbesetzte Kapelle und ihr entsetzlich trostloses ‚Träume sind für alle da‘ diesmal gerade für Rang 16. Und das auch nur deswegen, weil sich für eine noch niedrigere Platzierung die Konkurrenz schlichtweg als zu schwach erwies. Die bestand beispielsweise aus einer schwarzen Version der Daltons (eigentlich: Humphrey Campbell und seinen Brüdern), die sich von Holland aus zur vergeblichen Suche nach der Siegerstraße aufmachten: ‚Wijs me de Weg‘ baten sie noch die Juroren. Die angesichts der flotten und tanzbaren Nummer, von allen 23 Beiträgen mit Ausnahme Österreichs derjenige, der regulärem Hitparadenpop noch am nähesten stand (oder präziser: die wenigsten Lichtjahre davon entfernt war), wie nicht anders zu erwarten, ratlos mit den Schultern zuckten. Vielleicht lag’s auch am Akkordeon, beim Grand Prix stets ein riskantes Instrument, wie auch Extra Nena (oder, Jahre später, Kuunkuiskaajat) erfahren mussten.


Rechts ging der Stoff wohl aus: Linda Martin (IE)

Offenbar mehr dem altbackenen und eingestaubten Geschmack der geriatrischen Jury entsprach dagegen der Siegertitel: ‚Why me?‘ frug sich die nicht mehr unbedingt taufrische, mit einem eher an eine fehlproduzierte Telefonabdeckhaube erinnernden, altertümlichen Brokatungetüm bekleidete Linda Martin angesichts der Wartezeiten an der Passkontrolle auf dem ‚Terminal 3‘ des Dubliner Flughafens genervt. „Why not?“ dachten wohl die meisten Juroren und krönten sie zur Königin des Abends. Nun ist ihre wenigstens noch klassisch aufgebaute und lediglich mittellahme, mittellangweilige Eurovisionsschnulze aus der Feder von Johnny Logan (IE 1980, 1987) von allen irischen Gewinnertiteln der Neunziger – und derer sollten noch etliche folgen – noch die mit weitem Abstand erträglichste. Oder, präziser formuliert: die einzige erträgliche. „Why her?“ dürfte sich dennoch nicht nur Mia Martini gefragt haben, die für den eigentlich verdienten Sieg offenbar schlichtweg ein „I“ zuviel im Nachnamen trug.


Ihr Zahnfleisch ist in Ordnung: Mia Martini (IT)

Die Grand-Prix-Teilnehmerin von 1977 (‚Libera‘) begeisterte mit dem besten italienischen Beitrag aller Zeiten: der ergreifenden ‚Rapsodia‘, einem tieftraurigen Lied über das Älterwerden, leidenschaftlich vorgetragen mit tiefgerauchter, gänsehauterzeugender Reibeisenstimme. Das hatte seltenen inhaltlichen Anspruch, blieb völlig kitschfrei und ging tief unter die Haut. Eine grobe und groteske, himmelschreiende Ungerechtigkeit ihr vierter Platz! Womit sich der Kreis zu dem hinderlichen „I“ aus Martinis Nachnamen schließt: dem Autokennzeichen ihrer Heimat Italien. Gut möglich, dennoch nicht weniger ungerecht, dass Mia den noch nicht verrauchten Zorn der Juroren ob des letztjährigen Moderationsfiaskos in Rom ausbaden musste. So oder so: das Mittelmeerland verlor ob der ständigen Mißachtung durch die Jurys bald darauf für fast zwei Jahrzehnte die Lust an weiteren Teilnahmen.5)Erst 2011 konnte die EBU Italien nach end- und würdeloser Bettelei zur gnädigen Rückkehr bewegen – natürlich als fixer Finalist. Vorsichtshalber schanzten die Jurys dem Land gleich mal den zweiten Platz zu, obwohl der Beitrag ‚Madness of Love‘ grauenhaft war. Selbst wenn man, wie ich, Italopop per se nicht besonders mag: vom Qualitätsstandpunkt her musste man das als Verlust für den Eurovision Song Contest betrachten. Wie natürlich auch das der Geißel Krebs geschuldete, viel zu frühe Ableben Mia Martinis nur zwei Jahre später.


Merethe Trøan lacht Dich aus (NO)

Nachträgliche Würdigung als Internetmeme erfuhr die norwegische Teilnehmerin Merethe Trøan. Die hatte es während der Proben öfters nicht geschafft, zur richtigen Zeit in die richtige Kamera zu schauen. Als ihr das in der Livesendung dann fehlerfrei gelang, war sie selbst so überrascht, dass ihr ein jauchzendes Lachen entfuhr – mitten im Song! Ein findiger Eurovisionsfan bastelte sich aus diesem Mißgeschick eine unter der Überschrift „Merethe Trøan is mocking you“ („Merethe Trøan lacht Dich aus“) bei Youtube eingestellte Vorlage, die er in Diskussionsrunden auf ESCnation immer dann einstreute, wenn jemand etwas Albernes sagte. So dass unter netzaffinen, eingeschworenen Grand-Prix-Fans der Begriff „Trøan“ mittlerweile der offizielle Nachfolger des überstrapazierten LOL ist. Auch ein Weg zur Unsterblichkeit!

Eurovision Song Contest 1992

Eurovision Song Contest. Samstag, 9. Mai 1992, aus dem Malmömässan in Malmö, Schweden. 23 Teilnehmerländer, Moderation: Lydia Capolicchio und Harald Treutiger.
#LandInterpretTitelPunktePlatz
01ESSerafín ZubiriTodo esto es la Música03714
02BEMorganeNous, on veut des Violons01120
03ILDafna DekelZe rak Sport08506
04TRAylin VatankoşYaz bitti01719
05GRCleopatra PantaziOlu tu Kosmou i Elpitha09405
06FRKaliMonté la Riviè07308
07SE Christer BjörkmanI Morgon är en annan Dag00922
08PTDina VelosoAmor d'Água fresca02617
09CYEvridiki TheokleousTeriazoume05711
10MTMary SpiteriLittle Child12303
11ISHeart 2 HeartNei eða já08007
12FIPave MaijanenYamma-yamma00423
13CHDaisy AuvrayMister Music Man03215
14LUMarion WelterSou fräi01021
15ATTony WegasZusammen gehn06310
16UKMichael BallOne Step out of Time13902
17IELinda MartinWhy me?15501
18DKKenny Lübcke & Lotte NilssonAlt det som ingen ser04712
19ITMia MartiniRapsodia11104
20YUExtra NenaLjubim te Pesmama04413
21NOMerethe TrøanVisjoner02318
22DEWindTräume sind für alle da02716
23NLHumphrey CampbellWijs me de Weg06709

Fußnote(n)   [ + ]

1. Einen ersten Ausflug hatte La Grande Nation bereits 1981 mit dem gebürtigen Tahitianer Jean Gabilou und seinem ‚Humanahum‘ unternommen.
2. Als Solosängerin. Als Chorsängerin stand sie bereits 1983, 1986 und 1987 für den griechischen Teil der Mittelmeerinsel auf der Grand-Prix-Bühne.
3. Eigentlich hatte Geraldine Olivier den Gesamtschweizer Vorentscheid gewonnen. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie ihren Titel ‚Soleil, soleil‘ zunächst im französischsprachigen Teil Helvetiens, auch bekannt als La Suisse, eingereicht hatte und nach der dortigen Ablehnung mit eingedeutschtem Text beim deutschschweizerischen Sender SRF vorlegte, wo er prompt gewann. Seinerzeit war diese Mehrfachstrategie in der sprachlich dreigeteilten Eidgenossenschaft aber strengstens untersagt: der Song wurde disqualifiziert.
4. Der Jugoslawienkrieg.
5. Erst 2011 konnte die EBU Italien nach end- und würdeloser Bettelei zur gnädigen Rückkehr bewegen – natürlich als fixer Finalist. Vorsichtshalber schanzten die Jurys dem Land gleich mal den zweiten Platz zu, obwohl der Beitrag ‚Madness of Love‘ grauenhaft war.

8 Gedanken zu “ESC 1992: Why her?

  1. Von da an ging`s bergab ! Was sich Ende der 80er Jahre angedeutet hatte, beschleunigte sich spätestens jetzt : kein halbwegs „ zeitgemässer „ Titel beim ESC 92. Dafür ein grosses Wikingerschiff und viel Carola, die es sichtlich genoss, im Mittelpunkt zu stehen. Auf die immer weniger werdenden Zuschauer wurde endgültig keine Rücksicht mehr genommen, was zählte war den vermuteten Geschmack der internationalen Jury zu treffen. Was Malta mit „ Little Child „ oder auch der Gewinnerin Linda Martin glückte.

  2. Von da da ging`s bergab II Man muss diesem Jahrgang zugute halten, dass es einige Länder : wie z.B. Griechenland, Italien oder Zypern, wenigstens mit Qualität versuchten, während sich Israel und Island zumindest an etwas schnelleren Titeln versuchten und Frankreich mal wieder für ein wenig Exotik sorgte. Aber die übrigen Beiträge waren eigentlich nicht der Rede wert. Natürlich hätte Italien den Sieg eher verdient, aber der chaotische ESC 91 wirkte wohl noch nach. Linda Martin hatte wenigstens noch eine sympathische Ausstrahlung, in den folgenden Jahren sollte es noch viel schlimmer kommen.

  3. Starke Frauen für den Contest! Nur einer Frau hätte in diesem Jahr der Sieg zugestanden: Evridiki! Normalerweise benutze ich dieses Wort eher nicht, aber: war das geil!! Betörend sah sie aus, verführerisch – optisch lagen zwischen dieser mediteranen Göttin und anderen spießig aufgedonnerten Puppenmuttis (Daisy Auvray (CH), Mary Spiteri (MT), Linda Martin (IE)) Welten! Wunderbar in Szene gesetzt auch ihr Song: spannungsgeladen, an den richtigen Stellen mit kleinen orchestralen Details versehen und ein schlichtweg orgasmischer Schluss. Sinnlich, erotisch, zum anbeten schön! Ähh, ja: bevor ich hier mit meiner Evridiki-Gutfinderei total ausschweife – was gab’s denn sonst noch? Mia Martini! Gänsehaut! Eine Stimme, die wirklich unter die Haut geht – mir sind beim Hören von ‚Rapsodia‘ schon des Öfteren die Tränen über die Wangen gelaufen, und das obwohl ich als Teenie mit dem Thema ‚Älterwerden‘ noch nicht so viel am Hut habe. Allein diese zwei alles überstrahlenden Übersongs, mit den Plätzen 4 und 11 brutal ungerecht bewertet (eigentlich sollten es die Plätze 1 und 1 sein!), werfen ein positives Licht auf den ’92er-Contest, obwohl es sonst wenig interessantes gab, oh, Israel war ganz in Ordnung, sympathische Interpretin, flotter Song mit ungewöhnlichem Thema, hat sich Platz 6 verdient.

  4. Evridiki Ja, die Göttin Aphrodite hätte gewinnen müssen, aber die Jury war zu dämlich. Daher freute ich mich sehr, als sie 2007 nochmals mit einem tollen Song antrat. Doch sie überstand das Semifinale nicht, weil die Zuschauer zu dämlich waren. Da hat sie also zweimal so richtig Pech gehabt.

  5. Evridiki zum 2. Sorry, habe gerade gelesen, daß Evridiki bereits 1994 zum zweiten Mal antrat. Da ich diese Veranstaltung aus beruflichen Gründen verpaßt habe, war es mir nicht bewußt. Sie hat also dreimal Pech gehabt.

  6. Jurys! Sind! W******! Wo sah man das besser als in diesem Jahr?! Die Top 3 ist grotesk, und sorry, ich kann auch mit Italien nix anfangen. Dafür umso mehr mit Griechenland, Zypern und Frankreich, alle drei krass unterbewertet. Und sowas wie die maltesische Platzierung ist bestens dazu geeignet, aus grundsoliden, anständigen Leuten irre Amokläufer zu machen!
    Den Sieg Irlands kann man nur dadurch erklären, dass die Jurys an Linda ihr Versagen (also das Versagen der Jurys, nicht das von Linda) von 1984 wieder gut machen wollten – der Name Johnny Logan dürfte auch gezogen haben. Und außerdem weiß man ja, dass auf der grünen Insel erschwingliches Guinness in Strömen fließt. So gesehen kann ich das ja verstehen, aber Herrgottnochmal, Ouzo oder französischen Rotwein kann man durchaus auch trinken!

Oder was denkst Du?