ESC 2002: Yoorub’s lea­ving a Cele­bra­ti­on

Logo des Eurovision Song Contest 2002
Das Jahr der alten Hüte

Zwei Jah­re vor der offi­zi­el­len Ost­erwei­te­rung der EU fand der Euro­vi­si­on Song Con­test erst­mals in einem ehe­mals hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang lie­gen­den Land statt. Das klei­ne, auf­stre­ben­de Est­land begriff die Aus­rich­tung der Show wohl auch als Visi­ten­kar­ten für den EU-Bei­tritt und gab sich erkenn­bar viel Mühe: die auf­wän­dig pro­du­zier­ten Post­kar­ten zwi­schen den Songs waren unter­halt­sam und oft sub­ver­siv bezie­hungs­reich. Dass die Gast­ge­be­rin Anne­ly Pee­bo ihre Mode­ra­tio­nen mehr sang als sprach, ent­zück­te genau­so wie ihre wind­schnit­ti­ge Sei­ten­spoi­ler­fri­sur. Den ein­zi­gen klei­nen Kon­tra­punkt setz­te der gefühlt drei­se­kün­di­ge Auf­tritt der Vor­jah­res­ge­win­ner Tanel Padar und Dave Ben­ton, zwi­schen denen Frost zu herr­schen schien.

Mit der Auf­lö­sung von Take That hat­te sich auf dem rea­len Pop­markt seit 1996 das The­ma “Boy­bands” prak­tisch erle­digt. Hier gin­gen gleich vier die­ser Grup­pen an den Start, wie sie diver­ser nicht hät­ten sein kön­nen. Den Auf­takt gaben One aus Zypern: fünf unter­schied­lich attrak­ti­ve süd­län­di­sche Jungs (dar­un­ter der 1996er Zypern­schnu­ckel Con­stan­ti­nos Chris­to­fo­rou) mit einer net­ten Cho­reo­gra­fie und einem schwung­vol­len Som­mer­hit namens ‘Gim­me’. Zwar kauf­te ihnen wohl nie­mand ab, dass ihr Lie­bes­wer­ben tat­säch­lich einem “Girl” gel­te, aber genau die­sem Umstand ver­dank­ten sie die vie­len Punk­te aus der Ziel­grup­pe. Micha­lis Rak­int­zis aus Grie­chen­land brach­te sich für sei­ne halb­ga­re Depe­che-Mode-trifft-U96-Num­mer ‘Saga­po’ ein paar Kum­pels mit auf die Büh­ne. Bizar­r­er­wei­se steck­ten sie in Kos­tü­men, die wirk­ten, als hät­ten die Ali­ens Mad Max ent­führt und ein paar fie­se Expe­ri­men­te mit ihm ange­stellt. In die­sen kras­sen Rep­ti­li­en­pan­zern führ­ten Micha­lis und sei­ne Borgs robo­ter­haft abge­hack­te Tanz­schrit­te vor, wel­che den fremd­pro­gram­mier­ten Ein­druck ver­stärk­ten. Ein Höhe­punkt unfrei­wil­li­ger Komik!


Say da mat­schig Wörd: Micha­lis Rak­int­zis & die Nin­ja Turt­les (GR)

Russ­land schick­te gar sei­nen Prime Minis­ter: vier Jungs in wei­ßen Anzü­gen, die offen­bar­ten, dass im Osten wohl ande­re Maß­stä­be gel­ten. Denn nor­ma­ler­wei­se cas­tet man Boy­bands doch nach Aus­se­hen, oder? Hier offen­bar nicht, und auch nicht nach Stim­me oder der Befä­hi­gung zur eng­li­schen Aus­spra­che. Das inter­es­san­tes­te Boy­band-Exem­plar stell­ten jedoch die slo­we­ni­schen Sest­re (Schwes­tern) dar: drei als glit­zern­de Flug­be­glei­te­rin­nen auf­ge­mach­te Drag Queens. Miss Mar­le­na, Empe­ra­trizz und Daph­ne sahen sich nach ihrem umstrit­te­nen Sieg bei der EMA im eige­nen Land teil­wei­se hef­ti­gen, deut­lich homo­phob ein­ge­färb­ten Anfein­dun­gen aus­ge­setzt, die sogar das euro­päi­sche Men­schen­rechts­ko­mi­tee auf den Plan rie­fen. Dabei woll­ten sie doch ‘Samo Lju­be­zen’ (‘Nur Lie­be’)! Sest­re durf­ten schließ­lich auf­tre­ten und ihre bezau­bern­de Saft­schub­sen-Cho­reo­gra­fie auf­füh­ren, lan­de­ten aber ent­täu­schend nur im Mit­tel­feld. Fai­rer­wei­se muss man sagen: ihr Song war auch nur so lala.


Ste­war­des­sen der Lie­be: Sest­re (SI)

Von Aus­tra­li­en aus­ge­hend, erschüt­ter­te seit der Jahr­tau­send­wen­de ein brand­neu­es, umstrit­te­nes TV-Phä­no­men die Welt: die Cas­ting­show! 2001 war beim pri­va­ten BBC-Kon­kur­ren­ten ITV das For­mat Pop Idol gestar­tet, hier­zu­lan­de bekannt als DSDS. Jes­si­ca Garlick, eine der Teil­neh­me­rin­nen der ers­ten Staf­fel, bewarb sich anschlie­ßend beim bri­ti­schen Vor­ent­scheid und konn­te sich trotz ihres anrü­chi­gen Namens durch­set­zen. Und, wie es der Teu­fel will: mit ‘Come back’, einer hübsch im dezen­ten Motown-Retro-Sound swin­gen­den, vom Begleit­chor kom­pe­tent gesun­ge­nen Mid­tem­po­num­mer, hol­te die 21jährige für die von drei scho­ckie­ren­den Mit­tel­feld­ergeb­nis­sen in Fol­ge ver­un­si­cher­te ehe­ma­li­ge Pop­ko­lo­ni­al­macht einen über­zeu­gen­den vier­ten Rang. Übri­gens punkt­gleich hin­ter der Estin Sah­le­ne, die mit dem uptem­po­rä­ren ‘Runa­way’ zwar das deut­lich mit­tel­mä­ßi­ge­re Lied sowie die schlech­te­re Stim­me hat­te, dafür aber den kür­ze­ren Rock trug, was ihr die höhe­ren Ein­zel­wer­tun­gen ein­trug.


Anmu­tig trotz Rupf­rock: Jes­si­ca & die Gar­let­tes (UK)

Dass bei der EBU die ein­ge­reich­ten Bei­trä­ge offen­bar nie­mand über­prüft, führ­te uns Öster­reich vor. Das schick­te ein ast­rei­nes Pla­gi­at: Manu­el Orte­ga, ein schnit­ti­ges Kerl­chen mit kna­ckig sit­zen­den Jeans und spa­ni­schen Wur­zeln, schmug­gel­te den Sieb­zi­ger­jah­re-Rock­klas­si­ker ‘Alright now’ von Free auf die Euro­vi­si­ons­büh­ne. Die von ihm zur Tar­nung in ‘Say a Word’ umge­ar­bei­te­te Titel­zei­le trug er innert sei­ner drei Minu­ten gefühl­te drei­hun­dert mal vor: das klang dann doch ein biss­chen repe­ti­tiv. Und ein biss­chen repe­ti­tiv klang es auch. Nicht zu ver­ges­sen, dass es ein biss­chen repe­ti­tiv klang. Isra­el ver­such­te es mit der paten­tier­ten For­mel: hebräi­sche Stro­phen, eng­li­scher Refrain (‘Light a Cand­le’), seich­te Welt­frie­dens­bot­schaft und Block­cho­reo­gra­fie mit fünf haut­eng neben Sarit Hadad sich bewe­gen­den Gei­ge­rin­nen. Oder han­del­te es sich um die getarn­ten Body­guards der offen­bar mit der Heu­ga­bel gekämm­ten Israe­lin, mit ver­gif­te­ten Bogen­spit­zen für den Fall eines isla­mis­ti­schen Angriffs?


Sechs Per­so­nen und sie­ben Stän­der: die Öster­rei­cher (und das gesuch­te Wort heißt natür­lich ‘Saga­po’!)

Wäre Spa­ni­en eine Atom­macht, das rest­li­che “Yoo­rub” wäre seit dem 26. Mai 2002 wohl aus­ra­diert. Das ibe­ri­sche Fern­se­hen bedien­te sich eben­falls einer Cas­ting­show mit dem mar­tia­li­schen Namen Ope­ra­ción Tríun­fo, die eine Ein­schalt­quo­te von gefühlt 270% erreich­te und als deren mär­chen­glei­che Sie­ge­rin die pum­me­lig-schüch­ter­ne Bäckers­toch­ter Rosa López die Her­zen ihrer Lands­leu­te im Sturm erober­te. Dass die Volks­hel­din an der Aus­spra­che der eng­li­schen Titel­zei­le schei­ter­te und Euro­pa sich wun­der­te, wer denn zum Hen­ker die­ser “Juhrub” sei und war­um er von einer Ver­kaufs­ver­an­stal­tung türm­te (“Juhrub’s lea­ving a Sell-a-bra­ti­on”: ver­mut­lich einer die­ser Tou­ris­ten­ab­nepp-Heiz­de­cken­ma­ra­tho­ne) – geschenkt. Dass die fünf ande­ren Tríun­fis­tas, die man Rosa als Begleit­chor mit­gab, sich im Über­ei­fer bei­na­he gegen­sei­tig von der Büh­ne schubs­ten: egal! So lieb hat­ten die Spa­ni­er ihre Rosa, so fest rech­ne­ten sie mit ihrem Sieg, dass sie den sieb­ten Platz als tie­fe kol­lek­ti­ve Demü­ti­gung emp­fin­den muss­ten.  


Mit im Chor: Gise­la, 2008 für Andor­ra antre­tend (ES)

Wie selbst­zer­stö­re­risch der Hang zum Eng­li­schen sein kann, bewies auch die kroa­ti­sche Ver­tre­te­rin Ves­na Pis­aro­vić. In der DORA noch eine atem­be­rau­ben­de Diva im atem­be­rau­ben­den wei­ßen Kleid mit dem atem­be­rau­bend guten ‘Sas­vim sigur­na’, dege­ne­rier­te das Stück durch die Angli­fi­zie­rung in ‘Every­thing I want’ zur bil­li­gen, char­me­be­frei­ten Ani­ma­ti­ons­num­mer, zu der Ves­nas Hand­peit­sche zwar pass­te, die aber den­noch alles ande­re als einen selbst­si­che­ren Ein­druck hin­ter­ließ. Scha­de! Karo­li­na Goče­va (MK 2007) prä­sen­tier­te mit ihrem für west­li­che Ohren etwas anstren­gen­den, lan­des­sprach­lich gesun­ge­nem Eth­no­stück ‘Od nas zavi­si’ einen Appell für den inne­ren Zusam­men­halt der jun­gen Nati­on. Dazu trug sie einen gold­far­be­nen Kriem­hil­de-Brust­pan­zer und einen blut­ro­ten Reif­rock, unter dem halb Maze­do­ni­en Platz gefun­den hät­te. Hoch­gra­dig unter­halt­sam, für ein Fes­ti­val der leich­ten Muse mög­li­cher­wei­se aber ein biss­chen zu dun­kel gefärbt: Platz 19.


Wer hat mein Lied so zer­stört? Ves­na bei der DORA, noch ohne Reit­peit­sche (HR)

Die Schweiz schick­te die Volks­mu­si­kan­tin Fran­ci­ne Jor­di mit dem quä­kig vor­ge­sun­ge­nen Fünf­zi­ger­jah­re-Chan­son ‘Dans le Jar­din de mon Âme’. Die Kreu­zung aus Hal­le Ber­ry (Optik), Lys Assia (CH 1956, Musik) und Michel­le (DE 2001, Stim­me) fiel zu Recht durch. Ent­täuscht wur­den auch die siche­ren Sie­ges­er­war­tun­gen der Schwe­den. Die hat­ten mit dem Trio Afro-Dite eine Wie­der­auf­er­ste­hung von Sil­ver Con­ven­ti­on (DE 1977) ent­sandt, pas­send in eng­an­lie­gen­de Klei­der aus Alu­fo­lie in unter­schied­li­chen Sta­di­en des Zer­falls gewi­ckelt.  Blossom, Gla­dys und Kayo lie­ßen die Spie­gel­ku­gel strah­len und shak­ten sehr enthu­si­as­tisch zu ihrem Dis­co­knal­ler ‘Never let it go’. Das Gezap­pel nahm ihnen die Luft: ihre gesang­li­chen Leis­tun­gen chan­gier­ten zwi­schen brül­len und röcheln, lagen aber meist ‘Mil etter Mil’ neben dem zu tref­fen­den Ton, obwohl ihnen der Chor im Refrain kom­plett die Arbeit abnahm. Im dies­jäh­ri­gen Meer der auf­wän­dig cho­reo­gra­fier­ten musi­ka­li­schen Nich­tig­kei­ten blieb die Ver­beu­gung vor der bes­ten musi­ka­li­schen Ära aller Zei­ten den­noch mein per­sön­li­cher Sie­ger­ti­tel. Allei­ne schon wegen der Ver­wen­dung der zuletzt bei ‘Krøl­ler eller ej’ (DK 1981) zum Ein­satz gekom­me­nen Syn­drum!


12 Punk­te allei­ne schon für die sil­ber­nen Cow­boy­stie­fel! (SE)

Lau­ra Vou­ti­lai­nen aus Finn­land hat­te mit ‘Addic­ted to you’ zwar einen sehr ein­gän­gi­gen und, wie diver­se Club-Remi­xe bewie­sen, auch tanz­hal­len­taug­li­chen Pop­song, mach­te aber mit ihrer Brech­reiz erre­gen­den Brisk-Fri­sur, einer unför­mi­gen blau­en Lap­pen­blu­se und einem Make-up, als bewer­be sie sich für die Haupt­rol­le in der Neu­ver­fil­mung von ‘Caba­ret’, alles zunich­te. Ver­dien­ter zwan­zigs­ter Platz. Noch wei­ter hin­ten lan­de­te Male­ne Mor­ten­sen aus Däne­mark, die wohl nie­mand dar­auf vor­be­rei­tet hat­te, dass sie hier in einer Hal­le vor über 10.000 Men­schen auf­tre­ten muss, so ver­schüch­tert wirk­te sie. Auch ihr ‘Tell me who you are’ litt unter der Angli­fi­zie­rung: als ‘Vis mig, hvem du er’ wirk­te der drö­ge Schla­ger zumin­dest noch ein biss­chen authen­ti­scher. Was der Bel­gi­er Ser­gio und sei­ne Ladies 1)Beim bel­gi­schen Vor­ent­scheid hieß der Act noch Ser­gio @ the Ladies. Bis es einem Euro­vi­si­ons­af­fi­co­na­do auf­fiel, dass “Ser­gio auf dem Damen­klo” viel­leicht doch etwas unglück­li­che Asso­zia­tio­nen her­vor­ru­fen könnte.beim Grand Prix ver­lo­ren hat­ten, will sich mir nicht erschlie­ßen. Für sei­nen grau­sa­men, damp­fend hete­ro­se­xu­el­len Fuß­ball­sta­di­on-Rock (‘Sis­ter’) gibt es wohl pas­sen­de­re Orte: wel­che, an denen ich übli­cher­wei­se nicht ver­keh­re!


Bei die­sem Out­fit muss man ja zu Dro­gen grei­fen: Lau­ra (FI)

Il faut de Temps’ hieß der fran­zö­si­sche Bei­trag von Sand­ri­ne François. Iro­ni­scher­wei­se, denn für den Con­test muss­te sie den im Ori­gi­nal vier­ein­halb Minu­ten dau­ern­den, klas­si­schen fran­ko­phi­len Gefühls­sturm auf drei Minu­ten kür­zen. Was dem von Sand­ri­ne so tadel­los wie schein­bar mühe­los vor­ge­tra­ge­nen, lei­der den­noch etwas lah­mem Stück aber gut tat. Ralph Sie­gel hat­te kurz vor dem Fina­le ver­spro­chen, dies sei sei­ne letz­te Teil­nah­me. Ein Ver­spre­chen, dass er, wie zu erwar­ten, wie­der brach. Ver­mut­lich wird er noch aus dem Grab her­aus Bei­trä­ge zu den diver­ses­ten natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen ein­rei­chen. Er kann halt nicht anders – ‘I can’t live wit­hout Music’ ist inso­fern selbst­er­klä­rend. Dass Corin­na May, die Mit­fa­vo­ri­tin der Buch­ma­cher, auf­grund ihrer offen­sicht­li­chen Ner­vo­si­tät sang wie eine Säge: geschenkt. Mit die­ser für sie ganz und gar unpas­sen­den Bra­chi­al­num­mer hat­te sie ohne­hin nie­mals auch nur den Hauch einer Chan­ce. In einer Zei­tung stand am Mon­tag nach dem Con­test zu lesen: “Wenn er es an die­sem Sams­tag nicht gemerkt hat, wird er es nie mer­ken. Dies­mal hat ihm die gesam­te euro­päi­sche Fern­seh­ge­mein­de mit­ge­teilt, dass die Zeit sei­ner bis zur Unkennt­lich­keit auf Sieg getrimm­ten Pro­duk­te vor­bei ist.” Wie wir wis­sen, ver­moch­te die Bot­schaft den Rea­li­täts­fil­ter in Sie­gels Gehirn nicht zu über­win­den.


(2:45 Min.): Hui, Ster­nen­staub! (MT)

Spit­ze Schreie des Ent­zü­ckens beim Live-Publi­kum in Tal­lin wie auch bei etli­chen Schwu­len im Frank­fur­ter Switch­board, wo ich den Con­test schau­te, als Ira Losco in ihr halb­durch­sich­ti­ges, sunil­wei­ßes Häkel­kleid griff, eine Hand­voll Glit­zer­staub her­vor­hol­te und in die Kame­ra blies. Man­che Men­schen sind halt sehr leicht zu unter­hal­ten. Aber auch die Hete­ro­män­ner lie­ßen sich, wie der zwei­te Platz belegt, von der mal­te­si­schen Vero­na Feld­busch blen­den. So fiel wohl nie­man­dem auf, wie schlecht die klei­ne Ira sang und wie uner­träg­lich bil­lig und nerv­tö­tend ihr Lied­chen mit der mitt­ler­wei­le legen­dä­ren Zei­le “Seven Degrees, I’m down on my Kne­es” daher­kam. Wäre ‘Seventh Won­der’ im Mit­tel­feld gelan­det – wo es hin­ge­hör­te – hät­te ich es schnell ver­ges­sen. So has­se ich es. Abgrund­tief und für alle Zei­ten. Schön dage­gen das rumä­ni­sche Duett, auch wenn man um den klei­nen Mar­cel Pavel ange­sichts der bedroh­lich krei­schen­den Wal­kü­re Moni­ca Anghel neben ihm immer ein wenig Angst hat­te. ‘Tell me why’ erwies sich als klas­si­scher dra­ma­ti­scher Euro­vi­si­ons­kitsch in Tech­ni­co­lor, mit Lei­den­schaft vor­ge­tra­gen – so soll es sein!


Les­ben­schick der Prä-Tatu-Ära, mit aller­dings lecke­ren männ­li­chen Tän­zern: Marie N (LV)

Marie N (Mari­ja Naum­o­va) aus Lett­land hat­te sich alle Ingre­di­en­zen für ihre Caba­ret­num­mer im Lati­no­sound zusam­men­ge­klaut. Den Song bei Ricky Mar­tin (‘She bangs’ – war­um David Cive­ra im Vor­jahr mit einer mil­lio­nen­fach bes­se­ren Num­mer aus dem sel­ben musi­ka­li­schen Seg­ment nicht gewann, wer­de ich in einer Mil­li­on Jah­ren nicht ver­ste­hen!) und die den Sieg brin­gen­de Büh­nen­show mit zwei­fa­chem Trick­kleid bei der Drag-Komö­die ‘Victor/Victoria’. Sub­til les­bi­sche Ero­tik (Lau­ras tie­fer Blick in die Augen ihrer Tän­ze­rin) scheint beim brei­ten Hete­ro­pu­bli­kum anzu­kom­men – da wird mir Frau Šerif­o­vić (RS 2007) sicher zustim­men! Auch der nach ihr auf­tre­ten­de sin­gen­de Topf­lap­pen Aiva­ras aus Litau­en stell­te kei­ne Gefahr mehr dar. Erstaun­li­cher­wei­se blieb die von Frau N. anti­zi­pier­te Welt­kar­rie­re aber eben­so aus wie der Ver­kaufs­er­folg ihrer Sin­gle.

Euro­vi­si­on Song Con­test 2002

Euro­vi­si­on Song Con­test. Sams­tag, 25. Mai 2002, aus der Saku Suur­hall in Tal­lin, Est­land. 24 Teil­neh­mer­län­der, Mode­ra­ti­on: Anne­ly Pee­bo & Mar­ko Mat­ve­re.
#LandTeil­neh­merTitelPunk­tePlatz
01CYOneGim­me08506
02UKJes­si­ca GarlickCome back11104
03ATManu­el Orte­gaSay a Word02618
04GRMicha­lis Rak­int­zisSaga­po02717
05ESRosa María López Cor­tés Europe’s living a Cele­bra­ti­on08107
06HRVes­na Pis­aro­vićEvery­thing I want04411
07RUPrime Minis­terNot­hern Girl05510
08EESah­le­neRuna­way11103
09MKKaro­li­na Goče­vaOd nas zavi­si02519
10ILSarit HadidLight a Cand­le03712
11CHFran­ci­ne Jor­diDans le jar­din de mon âme01522
12SEAfro-DiteNever let it go07208
13FILau­ra Vou­ti­lai­nen Addic­ted to you02420
14DKMale­ne Win­ther Mor­ten­senTell me who you are00724
15BAMaja TatićFai­ry­ta­les about Love 03315
16BESer­gio & the LadiesSis­ter03313
17FRSand­ri­ne FrançoisIl faut du Temps10405
18DECorin­na MayI can’t live wit­hout Music01721
19TRBuket Ben­gi­su + Sap­phi­reLey­laklar sol­du kal­bin­de02916
20MTIra Losco7th Won­der16402
21ROMoni­ca Anghel + Mar­cel PavelTell me why07109
22SISest­reSamo Lju­be­zen03314
23LVMarie NI wan­na17601
24LTAiva­ras Ste­puko­nisHap­py you01223

Fußnote(n)   [ + ]

1. Beim bel­gi­schen Vor­ent­scheid hieß der Act noch Ser­gio @ the Ladies. Bis es einem Euro­vi­si­ons­af­fi­co­na­do auf­fiel, dass “Ser­gio auf dem Damen­klo” viel­leicht doch etwas unglück­li­che Asso­zia­tio­nen her­vor­ru­fen könnte.

22 Gedanken zu “<span class="caps">ESC</span> 2002: Yoorub’s lea­ving a Cele­bra­ti­on”

  1. Lett­land? Mei­ne Damen und Her­ren, hier ist er: Mein per­sön­li­cher Hass-Sie­ger! Dis­har­mo­ni­scher als ‘Every­bo­dy’, plat­ter als ‘Rock me’, lang­wei­li­ger als ‘What’s ano­t­her year’, ‘Hold me now’ und ‘Hal­le­lu­jah’ zusam­men. Marie N: ‘I Wan­na’! Furcht­bar. Bei der Cho­reo­gra­fie fiel mir nur ein Kom­men­tar ein: ‘Wie­vie­le Stro­phen kom­men noch? Viel­leicht wird die­se mit­tel­mä­ßi­ge Strip­show doch noch inter­es­sant’. Dabei bin ich hete­ro­se­xu­ell und männ­lich, also eigent­lich die wohl inten­dier­te Ziel­grup­pe. Aber bei die­ser unwür­di­gen Kopie so ziem­lich aller ESC-Sie­ge­rin­nen hilft das nicht. (Also: Nicht alle Heten las­sen sich von sol­chem Kram beein­dru­cken! 😉 Auch wenn es viel zu vie­le waren.) Ein wirk­lich ent­setz­li­ches Jahr. Auch die zwei­ten, drit­ten, vier­ten und fünf­ten Plät­ze machen es nicht viel bes­ser. Ich glau­be, das ist der ein­zi­ge ESC (außer den ganz frü­hen), von dem es nicht ein Lied in mei­ne Play­list geschafft hat.

  2. Lett­land! Ich kann mich zwar nicht dar­an erin­nern ob und für wen ich ind em Jahr gevo­tet habe, daber I wan­na zählt immer noch zu mei­nen Lieb­lings­ge­win­ner­songs. Ich fin­de Marie N sym­pa­tisch und höre das Lied auch heu­te noch sehr ger­ne. Hat mich für Lett­land gefreut. Geht im Gegen­satz zu Est­lands Sieg im Vor­jahr voll­kom­men in Ord­nung. Außer­dem: Wer soll denn in die­sem Jahr­gang groß­ar­tig bes­ser gewe­sen sein? Vie­le net­te Stü­cke, aber kein wirk­li­cher Über­flie­ger dabei.

  3. My point exac­t­ly Auf die Fra­ge am Ende: Nie­mand. Genau das war 2002 das Pro­blem – ein All­round­jahr­gang mit ohne alles.

  4. Schlimm Es gab kei­nen ein­zi­gen Song, für den ich mich wirk­lich erwär­men konn­te. Dadurch fühl­te ich mich glatt 10 Jah­re zurück­ver­setzt. Wenn dann ein Jahr spä­ter auch noch das drit­te Land des Bal­ti­kums gewon­nen hät­te, wären die Ver­schwö­rung­theo­ri­en in den Him­mel geschos­sen.

  5. The Bre­akth­rough Für mich per­sön­lich mög­li­cher­wei­se das wich­tigs­te Jahr in mei­nem Euro­vi­si­ons-Fan-Dasein. Mei­nen ers­ten Con­test habe ich zwar schon 1998 gese­hen (die Guil­do-Hys­te­rie, natür­lich), aber erst der 2002er-Jahr­gang hat aus mir mit mei­nen damals 12 Jah­ren einen rich­ti­gen Hard­core-Fan gemacht. Zen­tra­le Per­sön­lich­keit dabei: Karo­li­na aus Maze­do­ni­en. Hin und Weg war ich damals allein schon von ihrer Erschei­nung im gol­de­nen Ama­zo­nen-Brust­pan­zer und im rie­si­gen roten Tüll. Und ‘Od Nas Zavi­si’, naja, ist natür­lich durch­aus ‘anstren­gend’ zu hören, war aber in sei­ner kom­ple­xen, frem­den Eth­no­las­tig­keit für jeman­den wie mich, der bis dato musi­ka­lisch aus­schließ­lich mit dem west­eu­ro­pä­isch-win­del­wei­chen Voco­der-Pop von Cher (ihr Come­back damals mit ‘Belie­ve’, you know) groß­ge­wor­den ist, unge­mein span­nend und schlich­weg eine Offen­ba­rung. Wegen jenem ‘Od Nas Zavi­si’ bin ich dann auch mit dem Fahr­rad damals stun­den­lang durch unse­re Klein­stadt gefah­ren um irgend­wie an die Euro­vi­si­ons-CD zu kom­men. Seit­dem ist der ESC mein Hob­by Num­mer 1 – und Karo­li­na wird für mich immer die gött­lichs­te ESC-Göt­tin von allen blei­ben – danach konn­te auch ihr eher sub­op­ti­ma­le­rer zwei­ter Auf­tritt 2007 nichts ändern! (Sor­ry Evri­di­ki, Male­na und Hele­na!)

  6. Zustim­mung! Mir tut’s ein biss­chen Leid wie Marie N von den Fans im nach­hin­ein immer gebasht wird. Natür­lich sind Song sel­ber und die Cho­reo-Idee nicht mehr ganz tau­frisch, aber der Auf­tritt war frech und sym­pa­thisch und Marie N hat eine schö­ne Büh­nen­aus­strah­lung.
    In sei­ner Locker­heit also durch­aus ein ver­dien­ter Sieg, vor allem wenn man sieht wie ver­krampft die här­tes­te Kon­kur­renz (Spa­ni­en, Schwe­den, Deutsch­land) auf Bie­gen und Bre­chen den Sieg woll­te.

  7. Habs mir heu­te Abend bei You­Tube ange­se­hen.
    Wie konn­te man nur Lett­land wäh­len??? Es war doch sonst alles per­fekt an der Show! Allein schon die­se Film­chen! (http://www.youtube.com/watch?v=_G5Gj6m6N98)

    Und die­se Idee, vor dem däni­schen Bei­trag eine “Litt­le Mermaid”-Postkarte zu brin­gen, nach­dem einer der Mode­ra­to­ren in Kopen­ha­gen von Ter­ry Wogan die­sen Namen ver­passt bekam.

    Der bes­te Song des Abends kam wirk­lich aus Spa­ni­en! Trotz “Yoo­rub” – immer noch bes­ser als Lett­land.
    Schwe­den war auch sehr gut.
    Und Öster­reich hat natür­lich ein ast­rei­nes Pla­gi­at gebracht.
    Ter­ry Wogan hat gesagt, dass der est­ni­sche Bei­trag Ähn­lich­kei­ten mit “I Belie­ve I Can Fly” hat­te. War mir zunächst gar nicht so auf­ge­fal­len, aber er hat recht!

    Trotz­dem: Est­land hat eine tol­le­re Show gebracht wie manch ande­re, viel grö­ße­re Län­der davor und danach (allen vor­an Aser­bai­dschan). Dafür kann man den Esten ger­ne den schreck­li­chen Sie­ger­ti­tel ver­zei­hen, des­sen Inter­pre­ten sich schon sechs, sie­ben Wochen nach dem Sieg nichts mehr zu sagen hat­ten. Im Juni 2001 trenn­ten sich Tanel und Dave, weil sie sich nicht auf einen Plat­ten­ver­trag eini­gen konn­ten. (http://www.berliner-kurier.de/archiv/aus-mit-dem-duo,8259702,8096474.html).

  8. Pingback: ESC Finale 2009: It comes as no Surprise

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