ESC 2002: Yoorub’s leaving a Celebration

Logo des Eurovision Song Contest 2002
Das Jahr der alten Hüte

Zwei Jahre vor der offiziellen Osterweiterung der EU fand der Eurovision Song Contest erstmals in einem ehemals hinter dem Eisernen Vorhang liegenden Land statt. Das kleine, aufstrebende Estland begriff die Ausrichtung der Show wohl auch als Visitenkarten für den EU-Beitritt und gab sich erkennbar viel Mühe: die aufwändig produzierten Postkarten zwischen den Songs waren unterhaltsam und oft subversiv beziehungsreich. Dass die Gastgeberin Annely Peebo ihre Moderationen mehr sang als sprach, entzückte genauso wie ihre windschnittige Seitenspoilerfrisur. Den einzigen kleinen Kontrapunkt setzte der gefühlt dreisekündige Auftritt der Vorjahresgewinner Tanel Padar und Dave Benton, zwischen denen Frost zu herrschen schien.

Mit der Auflösung von Take That hatte sich auf dem realen Popmarkt seit 1996 das Thema „Boybands“ praktisch erledigt. Hier gingen gleich vier dieser Gruppen an den Start, wie sie diverser nicht hätten sein können. Den Auftakt gaben One aus Zypern: fünf unterschiedlich attraktive südländische Jungs (darunter der 1996er Zypernschnuckel Constantinos Christoforou) mit einer netten Choreografie und einem schwungvollen Sommerhit namens ‚Gimme‘. Zwar kaufte ihnen wohl niemand ab, dass ihr Liebeswerben tatsächlich einem „Girl“ gelte, aber genau diesem Umstand verdankten sie die vielen Punkte aus der Zielgruppe. Michalis Rakintzis aus Griechenland brachte sich für seine halbgare Depeche-Mode-trifft-U96-Nummer ‚Sagapo‘ ein paar Kumpels mit auf die Bühne. Bizarrerweise steckten sie in Kostümen, die wirkten, als hätten die Aliens Mad Max entführt und ein paar fiese Experimente mit ihm angestellt. In diesen krassen Reptilienpanzern führten Michalis und seine Borgs roboterhaft abgehackte Tanzschritte vor, welche den fremdprogrammierten Eindruck verstärkten. Ein Höhepunkt unfreiwilliger Komik!


Say da matschig Wörd: Michalis Rakintzis & die Ninja Turtles (GR)

Russland schickte gar seinen Prime Minister: vier Jungs in weißen Anzügen, die offenbarten, dass im Osten wohl andere Maßstäbe gelten. Denn normalerweise castet man Boybands doch nach Aussehen, oder? Hier offenbar nicht, und auch nicht nach Stimme oder der Befähigung zur englischen Aussprache. Das interessanteste Boyband-Exemplar stellten jedoch die slowenischen Sestre (Schwestern) dar: drei als glitzernde Flugbegleiterinnen aufgemachte Drag Queens. Miss Marlena, Emperatrizz und Daphne sahen sich nach ihrem umstrittenen Sieg bei der EMA im eigenen Land teilweise heftigen, deutlich homophob eingefärbten Anfeindungen ausgesetzt, die sogar das europäische Menschenrechtskomitee auf den Plan riefen. Dabei wollten sie doch ‚Samo Ljubezen‘ (‚Nur Liebe‘)! Sestre durften schließlich auftreten und ihre bezaubernde Saftschubsen-Choreografie aufführen, landeten aber enttäuschend nur im Mittelfeld. Fairerweise muss man sagen: ihr Song war auch nur so lala.


Stewardessen der Liebe: Sestre (SI)

Von Australien ausgehend, erschütterte seit der Jahrtausendwende ein brandneues, umstrittenes TV-Phänomen die Welt: die Castingshow! 2001 war beim privaten BBC-Konkurrenten ITV das Format Pop Idol gestartet, hierzulande bekannt als DSDS. Jessica Garlick, eine der Teilnehmerinnen der ersten Staffel, bewarb sich anschließend beim britischen Vorentscheid und konnte sich trotz ihres anrüchigen Namens durchsetzen. Und, wie es der Teufel will: mit ‚Come back‘, einer hübsch im dezenten Motown-Retro-Sound swingenden, vom Begleitchor kompetent gesungenen Midtemponummer, holte die 21jährige für die von drei schockierenden Mittelfeldergebnissen in Folge verunsicherte ehemalige Popkolonialmacht einen überzeugenden vierten Rang. Übrigens punktgleich hinter der Estin Sahlene, die mit dem uptemporären ‚Runaway‘ zwar das deutlich mittelmäßigere Lied sowie die schlechtere Stimme hatte, dafür aber den kürzeren Rock trug, was ihr die höheren Einzelwertungen eintrug.


Anmutig trotz Rupfrock: Jessica & die Garlettes (UK)

Dass bei der EBU die eingereichten Beiträge offenbar niemand überprüft, führte uns Österreich vor. Das schickte ein astreines Plagiat: Manuel Ortega, ein schnittiges Kerlchen mit knackig sitzenden Jeans und spanischen Wurzeln, schmuggelte den Siebzigerjahre-Rockklassiker ‚Alright now‘ von Free auf die Eurovisionsbühne. Die von ihm zur Tarnung in ‚Say a Word‘ umgearbeitete Titelzeile trug er innert seiner drei Minuten gefühlte dreihundert mal vor: das klang dann doch ein bisschen repetitiv. Und ein bisschen repetitiv klang es auch. Nicht zu vergessen, dass es ein bisschen repetitiv klang. Israel versuchte es mit der patentierten Formel: hebräische Strophen, englischer Refrain (‚Light a Candle‘), seichte Weltfriedensbotschaft und Blockchoreografie mit fünf hauteng neben Sarit Hadad sich bewegenden Geigerinnen. Oder handelte es sich um die getarnten Bodyguards der offenbar mit der Heugabel gekämmten Israelin, mit vergifteten Bogenspitzen für den Fall eines islamistischen Angriffs?


Sechs Personen und sieben Ständer: die Österreicher (und das gesuchte Wort heißt natürlich ‚Sagapo‘!)

Wäre Spanien eine Atommacht, das restliche „Yoorub“ wäre seit dem 26. Mai 2002 wohl ausradiert. Das iberische Fernsehen bediente sich ebenfalls einer Castingshow mit dem martialischen Namen Operación Tríunfo, die eine Einschaltquote von gefühlt 270% erreichte und als deren märchengleiche Siegerin die pummelig-schüchterne Bäckerstochter Rosa López die Herzen ihrer Landsleute im Sturm eroberte. Dass die Volksheldin an der Aussprache der englischen Titelzeile scheiterte und Europa sich wunderte, wer denn zum Henker dieser „Juhrub“ sei und warum er von einer Verkaufsveranstaltung türmte („Juhrub’s leaving a Sell-a-bration“: vermutlich einer dieser Touristenabnepp-Heizdeckenmarathone) – geschenkt. Dass die fünf anderen Tríunfistas, die man Rosa als Begleitchor mitgab, sich im Übereifer beinahe gegenseitig von der Bühne schubsten: egal! So lieb hatten die Spanier ihre Rosa, so fest rechneten sie mit ihrem Sieg, dass sie den siebten Platz als tiefe kollektive Demütigung empfinden mussten.  


Mit im Chor: Gisela, 2008 für Andorra antretend (ES)

Wie selbstzerstörerisch der Hang zum Englischen sein kann, bewies auch die kroatische Vertreterin Vesna Pisarović. In der DORA noch eine atemberaubende Diva im atemberaubenden weißen Kleid mit dem atemberaubend guten ‚Sasvim sigurna‘, degenerierte das Stück durch die Anglifizierung in ‚Everything I want‘ zur billigen, charmebefreiten Animationsnummer, zu der Vesnas Handpeitsche zwar passte, die aber dennoch alles andere als einen selbstsicheren Eindruck hinterließ. Schade! Karolina Gočeva (MK 2007) präsentierte mit ihrem für westliche Ohren etwas anstrengenden, landessprachlich gesungenem Ethnostück ‚Od nas zavisi‘ einen Appell für den inneren Zusammenhalt der jungen Nation. Dazu trug sie einen goldfarbenen Kriemhilde-Brustpanzer und einen blutroten Reifrock, unter dem halb Mazedonien Platz gefunden hätte. Hochgradig unterhaltsam, für ein Festival der leichten Muse möglicherweise aber ein bisschen zu dunkel gefärbt: Platz 19.


Wer hat mein Lied so zerstört? Vesna bei der DORA, noch ohne Reitpeitsche (HR)

Die Schweiz schickte die Volksmusikantin Francine Jordi mit dem quäkig vorgesungenen Fünfzigerjahre-Chanson ‚Dans le Jardin de mon Âme‘. Die Kreuzung aus Halle Berry (Optik), Lys Assia (CH 1956, Musik) und Michelle (DE 2001, Stimme) fiel zu Recht durch. Enttäuscht wurden auch die sicheren Siegeserwartungen der Schweden. Die hatten mit dem Trio Afro-Dite eine Wiederauferstehung von Silver Convention (DE 1977) entsandt, passend in enganliegende Kleider aus Alufolie in unterschiedlichen Stadien des Zerfalls gewickelt.  Blossom, Gladys und Kayo ließen die Spiegelkugel strahlen und shakten sehr enthusiastisch zu ihrem Discoknaller ‚Never let it go‘. Das Gezappel nahm ihnen die Luft: ihre gesanglichen Leistungen changierten zwischen brüllen und röcheln, lagen aber meist ‚Mil etter Mil‘ neben dem zu treffenden Ton, obwohl ihnen der Chor im Refrain komplett die Arbeit abnahm. Im diesjährigen Meer der aufwändig choreografierten musikalischen Nichtigkeiten blieb die Verbeugung vor der besten musikalischen Ära aller Zeiten dennoch mein persönlicher Siegertitel. Alleine schon wegen der Verwendung der zuletzt bei ‚Krøller eller ej‘ (DK 1981) zum Einsatz gekommenen Syndrum!


12 Punkte alleine schon für die silbernen Cowboystiefel! (SE)

Laura Voutilainen aus Finnland hatte mit ‚Addicted to you‘ zwar einen sehr eingängigen und, wie diverse Club-Remixe bewiesen, auch tanzhallentauglichen Popsong, machte aber mit ihrer Brechreiz erregenden Brisk-Frisur, einer unförmigen blauen Lappenbluse und einem Make-up, als bewerbe sie sich für die Hauptrolle in der Neuverfilmung von ‚Cabaret‘, alles zunichte. Verdienter zwanzigster Platz. Noch weiter hinten landete Malene Mortensen aus Dänemark, die wohl niemand darauf vorbereitet hatte, dass sie hier in einer Halle vor über 10.000 Menschen auftreten muss, so verschüchtert wirkte sie. Auch ihr ‚Tell me who you are‘ litt unter der Anglifizierung: als ‚Vis mig, hvem du er‘ wirkte der dröge Schlager zumindest noch ein bisschen authentischer. Was der Belgier Sergio und seine Ladies 1)Beim belgischen Vorentscheid hieß der Act noch Sergio @ the Ladies. Bis es einem Eurovisionsafficonado auffiel, dass „Sergio auf dem Damenklo“ vielleicht doch etwas unglückliche Assoziationen hervorrufen könnte.beim Grand Prix verloren hatten, will sich mir nicht erschließen. Für seinen grausamen, dampfend heterosexuellen Fußballstadion-Rock (‚Sister‘) gibt es wohl passendere Orte: welche, an denen ich üblicherweise nicht verkehre!


Bei diesem Outfit muss man ja zu Drogen greifen: Laura (FI)

‚Il faut de Temps‘ hieß der französische Beitrag von Sandrine François. Ironischerweise, denn für den Contest musste sie den im Original viereinhalb Minuten dauernden, klassischen frankophilen Gefühlssturm auf drei Minuten kürzen. Was dem von Sandrine so tadellos wie scheinbar mühelos vorgetragenen, leider dennoch etwas lahmem Stück aber gut tat. Ralph Siegel hatte kurz vor dem Finale versprochen, dies sei seine letzte Teilnahme. Ein Versprechen, dass er, wie zu erwarten, wieder brach. Vermutlich wird er noch aus dem Grab heraus Beiträge zu den diversesten nationalen Vorentscheidungen einreichen. Er kann halt nicht anders – ‚I can’t live without Music‘ ist insofern selbsterklärend. Dass Corinna May, die Mitfavoritin der Buchmacher, aufgrund ihrer offensichtlichen Nervosität sang wie eine Säge: geschenkt. Mit dieser für sie ganz und gar unpassenden Brachialnummer hatte sie ohnehin niemals auch nur den Hauch einer Chance. In einer Zeitung stand am Montag nach dem Contest zu lesen: „Wenn er es an diesem Samstag nicht gemerkt hat, wird er es nie merken. Diesmal hat ihm die gesamte europäische Fernsehgemeinde mitgeteilt, dass die Zeit seiner bis zur Unkenntlichkeit auf Sieg getrimmten Produkte vorbei ist.“ Wie wir wissen, vermochte die Botschaft den Realitätsfilter in Siegels Gehirn nicht zu überwinden.


(2:45 Min.): Hui, Sternenstaub! (MT)

Spitze Schreie des Entzückens beim Live-Publikum in Tallin wie auch bei etlichen Schwulen im Frankfurter Switchboard, wo ich den Contest schaute, als Ira Losco in ihr halbdurchsichtiges, sunilweißes Häkelkleid griff, eine Handvoll Glitzerstaub hervorholte und in die Kamera blies. Manche Menschen sind halt sehr leicht zu unterhalten. Aber auch die Heteromänner ließen sich, wie der zweite Platz belegt, von der maltesischen Verona Feldbusch blenden. So fiel wohl niemandem auf, wie schlecht die kleine Ira sang und wie unerträglich billig und nervtötend ihr Liedchen mit der mittlerweile legendären Zeile „Seven Degrees, I’m down on my Knees“ daherkam. Wäre ‚Seventh Wonder‘ im Mittelfeld gelandet – wo es hingehörte – hätte ich es schnell vergessen. So hasse ich es. Abgrundtief und für alle Zeiten. Schön dagegen das rumänische Duett, auch wenn man um den kleinen Marcel Pavel angesichts der bedrohlich kreischenden Walküre Monica Anghel neben ihm immer ein wenig Angst hatte. ‚Tell me why‘ erwies sich als klassischer dramatischer Eurovisionskitsch in Technicolor, mit Leidenschaft vorgetragen – so soll es sein!


Lesbenschick der Prä-Tatu-Ära, mit allerdings leckeren männlichen Tänzern: Marie N (LV)

Marie N (Marija Naumova) aus Lettland hatte sich alle Ingredienzen für ihre Cabaretnummer im Latinosound zusammengeklaut. Den Song bei Ricky Martin (‚She bangs‘ – warum David Civera im Vorjahr mit einer millionenfach besseren Nummer aus dem selben musikalischen Segment nicht gewann, werde ich in einer Million Jahren nicht verstehen!) und die den Sieg bringende Bühnenshow mit zweifachem Trickkleid bei der Drag-Komödie ‚Victor/Victoria‘. Subtil lesbische Erotik (Lauras tiefer Blick in die Augen ihrer Tänzerin) scheint beim breiten Heteropublikum anzukommen – da wird mir Frau Šerifović (RS 2007) sicher zustimmen! Auch der nach ihr auftretende singende Topflappen Aivaras aus Litauen stellte keine Gefahr mehr dar. Erstaunlicherweise blieb die von Frau N. antizipierte Weltkarriere aber ebenso aus wie der Verkaufserfolg ihrer Single.

Eurovision Song Contest 2002

Eurovision Song Contest. Samstag, 25. Mai 2002, aus der Saku Suurhall in Tallin, Estland. 24 Teilnehmerländer, Moderation: Annely Peebo & Marko Matvere.
#LandTeilnehmerTitelPunktePlatz
01CYOneGimme08506
02UKJessica GarlickCome back11104
03ATManuel OrtegaSay a Word02618
04GRMichalis RakintzisSagapo02717
05ESRosa María López Cortés Europe's living a Celebration08107
06HRVesna PisarovićEverything I want04411
07RUPrime MinisterNothern Girl05510
08EESahleneRunaway11103
09MKKarolina GočevaOd nas zavisi02519
10ILSarit HadidLight a Candle03712
11CHFrancine JordiDans le jardin de mon âme01522
12SEAfro-DiteNever let it go07208
13FILaura Voutilainen Addicted to you02420
14DKMalene Winther MortensenTell me who you are00724
15BAMaja TatićFairytales about Love 03315
16BESergio & the LadiesSister03313
17FRSandrine FrançoisIl faut du Temps10405
18DECorinna MayI can't live without Music01721
19TRBuket Bengisu + SapphireLeylaklar soldu kalbinde02916
20MTIra Losco7th Wonder16402
21ROMonica Anghel + Marcel PavelTell me why07109
22SISestreSamo Ljubezen03314
23LVMarie NI wanna17601
24LTAivaras StepukonisHappy you01223

Fußnote(n)   [ + ]

1. Beim belgischen Vorentscheid hieß der Act noch Sergio @ the Ladies. Bis es einem Eurovisionsafficonado auffiel, dass „Sergio auf dem Damenklo“ vielleicht doch etwas unglückliche Assoziationen hervorrufen könnte.

22 Gedanken zu “ESC 2002: Yoorub’s leaving a Celebration

  1. Lettland? Meine Damen und Herren, hier ist er: Mein persönlicher Hass-Sieger! Disharmonischer als ‚Everybody‘, platter als ‚Rock me‘, langweiliger als ‚What’s another year‘, ‚Hold me now‘ und ‚Hallelujah‘ zusammen. Marie N: ‚I Wanna‘! Furchtbar. Bei der Choreografie fiel mir nur ein Kommentar ein: ‚Wieviele Strophen kommen noch? Vielleicht wird diese mittelmäßige Stripshow doch noch interessant‘. Dabei bin ich heterosexuell und männlich, also eigentlich die wohl intendierte Zielgruppe. Aber bei dieser unwürdigen Kopie so ziemlich aller ESC-Siegerinnen hilft das nicht. (Also: Nicht alle Heten lassen sich von solchem Kram beeindrucken! 😉 Auch wenn es viel zu viele waren.) Ein wirklich entsetzliches Jahr. Auch die zweiten, dritten, vierten und fünften Plätze machen es nicht viel besser. Ich glaube, das ist der einzige ESC (außer den ganz frühen), von dem es nicht ein Lied in meine Playlist geschafft hat.

  2. Lettland! Ich kann mich zwar nicht daran erinnern ob und für wen ich ind em Jahr gevotet habe, daber I wanna zählt immer noch zu meinen Lieblingsgewinnersongs. Ich finde Marie N sympatisch und höre das Lied auch heute noch sehr gerne. Hat mich für Lettland gefreut. Geht im Gegensatz zu Estlands Sieg im Vorjahr vollkommen in Ordnung. Außerdem: Wer soll denn in diesem Jahrgang großartig besser gewesen sein? Viele nette Stücke, aber kein wirklicher Überflieger dabei.

  3. My point exactly Auf die Frage am Ende: Niemand. Genau das war 2002 das Problem – ein Allroundjahrgang mit ohne alles.

  4. Schlimm Es gab keinen einzigen Song, für den ich mich wirklich erwärmen konnte. Dadurch fühlte ich mich glatt 10 Jahre zurückversetzt. Wenn dann ein Jahr später auch noch das dritte Land des Baltikums gewonnen hätte, wären die Verschwörungtheorien in den Himmel geschossen.

  5. The Breakthrough Für mich persönlich möglicherweise das wichtigste Jahr in meinem Eurovisions-Fan-Dasein. Meinen ersten Contest habe ich zwar schon 1998 gesehen (die Guildo-Hysterie, natürlich), aber erst der 2002er-Jahrgang hat aus mir mit meinen damals 12 Jahren einen richtigen Hardcore-Fan gemacht. Zentrale Persönlichkeit dabei: Karolina aus Mazedonien. Hin und Weg war ich damals allein schon von ihrer Erscheinung im goldenen Amazonen-Brustpanzer und im riesigen roten Tüll. Und ‚Od Nas Zavisi‘, naja, ist natürlich durchaus ‚anstrengend‘ zu hören, war aber in seiner komplexen, fremden Ethnolastigkeit für jemanden wie mich, der bis dato musikalisch ausschließlich mit dem westeuropäisch-windelweichen Vocoder-Pop von Cher (ihr Comeback damals mit ‚Believe‘, you know) großgeworden ist, ungemein spannend und schlichweg eine Offenbarung. Wegen jenem ‚Od Nas Zavisi‘ bin ich dann auch mit dem Fahrrad damals stundenlang durch unsere Kleinstadt gefahren um irgendwie an die Eurovisions-CD zu kommen. Seitdem ist der ESC mein Hobby Nummer 1 – und Karolina wird für mich immer die göttlichste ESC-Göttin von allen bleiben – danach konnte auch ihr eher suboptimalerer zweiter Auftritt 2007 nichts ändern! (Sorry Evridiki, Malena und Helena!)

  6. Zustimmung! Mir tut’s ein bisschen Leid wie Marie N von den Fans im nachhinein immer gebasht wird. Natürlich sind Song selber und die Choreo-Idee nicht mehr ganz taufrisch, aber der Auftritt war frech und sympathisch und Marie N hat eine schöne Bühnenausstrahlung.
    In seiner Lockerheit also durchaus ein verdienter Sieg, vor allem wenn man sieht wie verkrampft die härteste Konkurrenz (Spanien, Schweden, Deutschland) auf Biegen und Brechen den Sieg wollte.

  7. Habs mir heute Abend bei YouTube angesehen.
    Wie konnte man nur Lettland wählen??? Es war doch sonst alles perfekt an der Show! Allein schon diese Filmchen! (http://www.youtube.com/watch?v=_G5Gj6m6N98)

    Und diese Idee, vor dem dänischen Beitrag eine „Little Mermaid“-Postkarte zu bringen, nachdem einer der Moderatoren in Kopenhagen von Terry Wogan diesen Namen verpasst bekam.

    Der beste Song des Abends kam wirklich aus Spanien! Trotz „Yoorub“ – immer noch besser als Lettland.
    Schweden war auch sehr gut.
    Und Österreich hat natürlich ein astreines Plagiat gebracht.
    Terry Wogan hat gesagt, dass der estnische Beitrag Ähnlichkeiten mit „I Believe I Can Fly“ hatte. War mir zunächst gar nicht so aufgefallen, aber er hat recht!

    Trotzdem: Estland hat eine tollere Show gebracht wie manch andere, viel größere Länder davor und danach (allen voran Aserbaidschan). Dafür kann man den Esten gerne den schrecklichen Siegertitel verzeihen, dessen Interpreten sich schon sechs, sieben Wochen nach dem Sieg nichts mehr zu sagen hatten. Im Juni 2001 trennten sich Tanel und Dave, weil sie sich nicht auf einen Plattenvertrag einigen konnten. (http://www.berliner-kurier.de/archiv/aus-mit-dem-duo,8259702,8096474.html).

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