ESC 2003: Die Kotzn in da Wiesn

Logo des Eurovision Song Contest 2003
Das Kopf­weh-Jahr

Seit sei­ner Erst­teil­nah­me 1994 war Russ­land vom Ehr­geiz beseelt: mit Alla Pugat­schowa (1997) hat­te man bereits sei­nen größ­ten Star geschickt, mit Alsou (2000) bereits einen zwei­ten Platz erreicht. Der Sieg zwei­er abtrün­ni­ger ehe­ma­li­ger Sowjet­re­pu­bli­ken in Fol­ge bestärk­te die ehe­ma­li­ge, gera­de wie­der erstar­ken­de Welt­macht nun um so mehr, ihren Füh­rungs­an­spruch als größ­tes und ein­woh­ner­stärks­tes Land der EBU auch auf pop­kul­tu­rel­lem Gebiet zu demons­trie­ren. Ein Sieg soll­te her, auch wenn man dazu schwe­res Geschütz auf­fah­ren müss­te. Und das hat­ten die Rus­sen dies­mal, in Form der als Les­ben-Loli­tas ver­mark­te­ten Skan­dal­gö­ren Jele­na Kati­na und Julia Wol­ko­wa, bes­ser bekannt als t.A.T.u., die mit ‘All the Things she said’ im Vor­jahr einen euro­pa­wei­ten Num­mer-Eins-Hit lan­den und sogar die ame­ri­ka­ni­sche Top 20 kna­cken konn­ten.

Mit welt­weit mehr als 10 Mil­lio­nen ver­kauf­ter Ton­trä­ger gehö­ren sie zu den kom­mer­zi­ell poten­tes­ten Euro­vi­si­ons­teil­neh­mern aller Zei­ten und sind in einem Atem­zug mit Cliff Richard (UK 1968, 1973), Abba (SE 1974), Bro­ther­hood of Man (UK 1976), Sil­ver Con­ven­ti­on (DE 1977), Bac­ca­ra (LU 1978) oder Céli­ne Dion (CH 1988) zu nen­nen. Dabei beruh­te ihr Erfolg weni­ger auf der von Tre­vor Horn (Fran­kie goes to Hol­ly­wood) pro­du­zier­ten Musik, son­dern – da hat­te man von der let­ti­schen Vor­jah­res­sie­ge­rin Marie N gelernt – auf dem Spiel mit der Vor­täu­schung weib­li­cher Homo­se­xua­li­tät. Wel­che die Hete­ro-Mehr­heits­ge­sell­schaft, im Gegen­satz zu ihrem männ­li­chen Pen­dant, schein­bar nicht als bedroh­lich, son­dern als sti­mu­lie­rend empfindet1)Wie sowohl die ame­ri­ka­ni­sche Pfar­rers­toch­ter Katy Per­ry (‘I kis­sed a Girl’) als auch die ser­bi­sche Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin von 2007, Mari­ja Šerifo­vić, sicher bestä­ti­gen können.. Vom ers­ten Tag ihrer Kar­rie­re an als Pro­vo­ka­ti­ons­ob­jekt auf­ge­baut, beherrsch­ten t.A.T.u. auch wäh­rend der Euro­vi­si­ons­wo­che in Riga die Schlag­zei­len, und ihr cle­ve­res Manage­ment dach­te sich jeden Tag neue Publi­ci­ty-Gags aus, um im Gespräch zu blei­ben. Bezie­hungs­wei­se, um die in die Prü­de­rie der Fünf­zi­ger­jah­re zurück­ver­fal­len­de EBU aus­zu­trick­sen, wel­che in einem unglaub­li­chen Anfall von homo­pho­ber Dop­pel­mo­ral die harm­lo­sen Küss­chen zwi­schen Julia und Jele­na auf der Büh­ne ernst­haft verboten2)Das hat sich zwi­schen­zeit­lich gebes­sert: als im Jah­re 2013 die fin­ni­sche Teil­neh­me­rin Kris­ta Sieg­frids ihr ‘Mar­ry me’ mit einem Schmat­zer für eine ihre Chor­sän­ge­rin­nen been­de­te, gab es kei­ne Pro­ble­me. Hete­ro­se­xu­el­le Küs­se waren beim Grand Prix übri­gens noch nie unter­sagt – selbst 1957 nicht, als das inni­ge Geknut­sche eines däni­schen Pär­chens für Auf­re­gung unter den Zuschau­ern sorgte.! t.A.T.u. führ­ten in bra­vou­rö­ser Wei­se die Gen­fer Zen­sur­be­hör­den hin­ters Licht, in dem Julia bei den Gene­ral­pro­ben, bei denen ein Ersatz­vi­deo gezo­gen wer­den soll­te, das die EBU am Sams­tag anstel­le ihres Live-Auf­tritts aus­strah­len woll­te, hät­ten sie sich “dane­ben benom­men”, mit einer angeb­li­chen Hals­ent­zün­dung krank­heits­be­dingt fehl­te. Mora­lisch hät­te ihnen also der Sieg zuge­stan­den.


Bei 2:45 Min taten sie’s dann doch – sexy war das aber nicht (RU)

Doch da scho­ben die pikier­ten Inqui­si­to­ren der EBU einen Rie­gel vor. Sie räch­ten sich im Ver­bund mit dem let­ti­schen Sen­der LTV mit einer kata­stro­pha­len Kame­ra­füh­rung und dem schlech­test­mög­li­chen Song­aus­schnitt im Schnell­durch­lauf, als es ans Voten ging. Auch in der Skon­to-Hal­le ließ sich die Russ­land­feind­lich­keit mit Hän­den grei­fen. Die Buh­ru­fe bei jeder Zehn- oder Zwölf-Punk­te-Wer­tung für die frü­he­re Besat­zungs­macht waren nicht zu über­hö­ren. Ver­mut­lich hät­ten auf­ge­brach­te Lord­sie­gel­be­wah­rer des Grand-Prix-Fan­club­we­sens die Büh­ne gestürmt und Julia und Jele­na run­ter­ge­prü­gelt, hät­ten sie wirk­lich gewon­nen. Doch zum Sieg fehl­ten ihnen am Ende vier Stim­men, um die sie sich mög­li­cher­wei­se durch die zuvor erfolg­te Absa­ge von Kon­zer­ten in Groß­bri­tan­ni­en selbst brach­ten: aus dem König­reich gab es Nil Points für das Duo. Nach die­ser Erfah­rung ver­öf­fent­lich­ten t.A.T.u. ihren  Euro­vi­si­ons­song nur als B-Sei­te ihrer nächs­ten Sin­gle ‘How soon is now?’, eines Smiths-Covers. Kein gutes Omen für die pop­mu­si­ka­li­sche Glaub­wür­dig­keit des Con­tests, wenn der pro­mi­nen­tes­te und kom­mer­zi­ell erfolg­reichs­te Teil­neh­mer die­ses Jahr­zehnts sei­nen Grand-Prix-Titel vom rea­len Pop­markt fern­hält!


An ihr wird ganz schön rum­ge­zurrt: Sert­ab Ere­ner (TR)

Statt­des­sen behiel­ten die tür­ki­schen Fans Recht. Seit der Nomi­nie­rung der in ihrem Land gott­gleich ver­ehr­ten Sert­ab Ere­ner ver­kün­de­ten sie in allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Euro­vi­si­ons­fo­ren unab­läs­sig, dass ihre Diva gewin­nen wer­de – hat dann ja auch geklappt. Der gelun­ge­ne Ver­such, bei ‘Every Way that I can’ alle aktu­el­len Musik­sti­le (Rap, Pop, Tech­no, Folk­lo­re, Bal­la­de) in nur drei Minu­ten unter­zu­brin­gen, zahl­te sich eben­so aus wie der lus­ti­ge Tanz der sie­ben vier Schlei­er. Den ich übri­gens ger­ne in all sei­ner Schön­heit gese­hen hät­te, was aber die hek­tisch ran und weg zoo­men­den Kame­ra­leu­te und die hirn­los hyper­ak­ti­ve Bild­re­gie, seit dem Mil­le­ni­um lei­der Stan­dard bei der Euro­vi­si­on, gründ­lich ver­un­mög­lich­ten. Jeden­falls wirk­te das alles auf mich ein biss­chen ange­strengt – auch bei Sert­ab selbst befürch­te­te ich jeden Moment, ihre Hals­schlag­ader könn­te plat­zen, so wie sie krisch, statt zu sin­gen. Nichts­des­to­trotz: eine abso­lut ver­dien­te und wür­di­ge Gewin­ne­rin! Schon allei­ne, weil sich die Tür­kei trotz jahr­zehn­te­lan­ger Miss­ach­tung durch die Jurys nie aus der Ruhe brin­gen ließ und mit stoi­scher Gelas­sen­heit dran blieb, um es – nach dem ers­ten Ach­tungs­er­folg mit ‘Din­le’ 1997 – nun mit der rich­ti­gen, aus­ge­wo­ge­nen Mischung aus leicht iden­ti­fi­zier­ba­ren Eth­no-Ele­men­ten und Main­stream-Pop allen zu bewei­sen. Auch kom­mer­zi­ell: # 12 in den deut­schen Charts.


Die Bank­rott­er­klä­rung der eins­ti­gen Pop-Groß­macht: Jem­i­mi (UK)

Am ent­ge­gen­ge­setz­ten Ende der Tabel­le lan­de­te das bri­ti­sche Duo Jemi­ni. Null Punk­te für das Mut­ter­land der Pop­mu­sik: nicht nur für das einst­mals stol­ze König­reich ein Schock. Dabei war ‘Cry Baby’ auf CD ein sehr ein­gän­gi­ges, wenn auch in hohem Maße tra­shi­ges Euro­dance-Stück mit wun­der­bar wum­mern­den Tech­no­bäs­sen. Live geriet das Gan­ze jedoch zum Fias­ko. Lead­sän­ge­rin Gem­ma Abbey, die ihr Dekol­le­té über dem Hin­tern trug, begann ihren Gesangs­vor­trag eine hal­be Okta­ve zu tief. Und schei­ter­te bis zum Schluß auf der ver­zwei­fel­ten Suche nach dem rich­ti­gen Ton. Wie­der und wie­der und wie­der. Ver­wirrt fin­gen auch die Backings an, dis­so­nant zu jau­len: es war ohrenz­er­mür­bend. Nur Chris Crom­bey, der männ­li­che Part, lie­fer­te eine tadel­lo­se Gesangs­leis­tung ab. Wes­we­gen er auch ent­spannt auf der Büh­ne her­um­ham­peln konn­te, wäh­rend die bedau­erns­wer­te Gem­ma sekünd­lich stei­fer wer­dend durch ihre Cho­reo­gra­fie stol­per­te. Ein Kirsch­blü­ten­fest für Fans der Scha­den­freu­de: denn das Desas­ter war der Über­heb­lich­keit und dem Geiz der BBC geschul­det, die glaub­te, an den Kos­ten der In-Ohr-Moni­to­re für ihre bei­den Ver­tre­ter spa­ren zu müs­sen. Wes­we­gen sich Gem­ma nicht selbst hören konn­te und die Kata­stro­phe ihren Lauf nahm.3)Einige eng­li­sche Medi­en, wie auch BBC-Kom­men­ta­tor Ter­ry Wogan, scho­ben in völ­li­ger Ver­blen­dung die ver­dien­te Null-Punk­te-Klat­sche der bri­ti­schen Betei­lung am Irak­krieg zu. Zur Koali­ti­on der Wil­li­gen, die sich an dem unter bewuß­ter Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen und ein­deu­tig völ­ker­rechts­wid­rig geführ­ten Angriffs­krieg die Hän­de schmut­zig mach­ten, zähl­te aber bei­spiels­wei­se auch die Türkei.


Rockt wie Sau: Come­dy­gott Poier & die anbe­tungs­wür­di­gen Alfet­tes (AT)

Mit ‘Open your Heart’ eröff­ne­te Bir­git­ta Hauk­dal den Con­test – mein Herz ver­schloß sich da gleich wie­der. Auf Islän­disch ver­fügt die­ser Durch­schnitts­song noch über ein biss­chen Charme – in der angli­sier­ten Ver­si­on lang­weil­te es schlicht­weg. Stimm­lich dün­ner Radio­pop, den die zuschau­en­den Heten auf­grund der opti­schen Qua­li­tä­ten Bir­git­tas nach vor­ne wähl­ten. Dafür bot Öster­reichs Bei­trag ‘Weil der Mensch zählt’ könig­li­ches Amü­se­ment: ein musi­ka­lisch viel­fäl­ti­ger Schla­ger von anar­chisch-poe­ti­scher Schön­heit, der Kin­der­lied­haf­tes und Hard­rock aufs Vor­treff­lichs­te mit­ein­an­der ver­meng­te; Alf Poiers sen­sa­tio­nel­le Rock­star-Show; die hin­rei­ßend komi­schen Chor­la­dies Manue­la Pan und Tama­ra Stad­ni­kow und der miß­ver­ständ­li­che stei­ri­sche Dia­lekt – es war fabel­haft! “Die Kotzn in da Wiesn” über­setz­te ich anfäng­lich mit “die über­ge­ben sich auf die Rasen­flä­che” – dass es um Kat­zen ging, erschloß sich mir erst spä­ter. Unfass­bar auch hier die ver­klemm­te Spie­ßig­keit der EBU, die dem öster­rei­chi­schen Come­dy-Gott ernst­lich unter­sag­te, sich wie bei der Vor­ent­schei­dung in den Schritt zu fas­sen. Was seit Micha­el Jack­son ein alter Hut ist und sicher­lich nie­man­den unter 98 Jah­ren mehr stört, außer Sarah Yuen. Toll, dass Euro­pa mit 101 Punk­ten für Öster­reichs bes­ten Bei­trag seit den Schmet­ter­lin­gen (1977) die rich­ti­ge Ant­wort gab!


Am Strand von Split trägt frau Fuß­ball­bi­ki­nis (HR)

Und es geschah noch mehr Gerech­tig­keit! Hät­te Mal­ta letz­tes Jahr mit einem uner­träg­lich schlech­ten Lied, dar­ge­bo­ten von einer leicht geschürz­ten Vero­na Feld­busch, bei­na­he gewon­nen, so gab es dies­mal das ver­dien­te Resul­tat für den ster­bens­lang­wei­li­gen Kukident-Pop­song ‘To dream again’ von Lynn Chir­cop. Beson­ders freu­te mich, dass der von den Mal­te­sern pom­pös als “Über­ra­schungs­ef­fekt” ange­kün­dig­te Plas­tik­blu­men­weit­wurf so gran­di­os dane­ben ging. ‘Ne bri­ni’ von Mija Mar­ti­na gehör­te im Vor­feld zu mei­nen Favo­ri­ten: ein druck­vol­ler Bal­kan­schla­ger, dar­ge­bo­ten von einer nett anzu­schau­en­den Blon­di­ne und zwei noch net­ter anzu­schau­en­den ober­kör­per­frei­en Mus­kel­schnit­ten. War­um in Riga statt­des­sen Clau­dia Roth, ein­ge­wi­ckelt in ein paar Gar­di­nen­kor­deln, den bos­ni­schen Song zum Bes­ten gab und dann auch noch nach der Hälf­te auf Eng­lisch umschal­te­te, wo es sich nur noch bil­lig anhör­te, bleibt mir ein Rät­sel. Ihr gleich tat es die Kroa­tin Clau­dia Beni: deren Itsy Bit­sy Tee­nie Wee­nie Black­white Pol­ka Dot Biki­ni sicher­te ihr zwar einen Platz in der Euro­vi­si­ons­ga­le­rie der schreck­lichs­ten Büh­nen­fum­mel, gab aber ihren Bei­trag ‘Više nisam tvo­ja’, einen wei­te­ren schwung­voll-aggres­si­ven Bal­kan­schla­ger, der Lächer­lich­keit preis. Eben­so wie die cam­pe Cho­reo­gra­fie mit Trick­klei­der­ab­wür­fen. Wobei sie im Gegen­satz zu Mija wenigs­tens ein paar gut aus­se­hen­de männ­li­che Tän­zer mit­brach­te, was ihr wohl den bes­se­ren Platz sicher­te.


Klingt auf Grie­chisch viel schö­ner als in schlech­tem Eng­lisch: ‘Fee­ling ali­ve’ (CY)

Rita Guer­ra aus Por­tu­gal ent­wi­ckel­te sich wäh­rend der Pro­ben­wo­che von der Außen­sei­te­rin zum Fan­lieb­ling. Sie war schön, strah­lend, stimm­si­cher und ihr Kleid ein Traum. War­um dann die­ses desas­trö­se Ergeb­nis für ‘Deix­ha me son­har’? Nun, ihre Qua­li­täts­bal­la­de erwies sich lei­der als typisch por­tu­gie­sisch, also von sehr sprö­der Schön­heit – und die trieb sie ihr mit dem Wech­sel auf Eng­lisch im letz­ten Teil end­gül­tig aus. Auch Du, mei­ne Toch­ter! Ste­li­os Con­stan­tas, ein offen­sicht­lich gut aus­ge­stat­te­ter Rent­ne­rin­nen­traum im glit­zer­wei­ßen Tra­vol­ta-Gedächt­nis­an­zug, gab für Zypern mit ‘Fee­ling ali­ve’ einen medi­ter­ra­nen Feri­en­club-Ani­ma­ti­ons­schla­ger für den abend­li­chen Dis­co­fox­ma­ra­thon zum Bes­ten. Dazu tan­zen zwei Schick­sen der­ma­ßen über­trie­ben las­ziv, als habe man sie für einen Video­clip von Jay-Z enga­giert. Nur beim Grand Prix! Als leben­de War­nung vor den Risi­ken und Neben­wir­kun­gen des Botox-Ein­sat­zes reis­te unse­re Lou nach Riga: sie mach­te zum besin­nungs­los fröh­li­chen und hoff­nungs­los alt­mo­di­schen ‘Let’s get hap­py’ ein Gesicht zum Eier­ab­schre­cken. Not­ge­drun­gen, ein ande­res stand ihr dank der toxin­ver­ur­sach­ten Gesichts­läh­mung nicht zur Ver­fü­gung. Ihre Begleit­ka­pel­le hüpf­te dazu in schrei­end bun­ten Fet­zen vom Grab­bel­tisch durch die Land­schaft (reich­ten Sie­gels Bar­mit­tel nicht mehr für eine anstän­di­ge Büh­nen­gar­de­ro­be?). Eine ein­zi­ge audio­vi­su­el­le Gesamt­ka­ta­stro­phe! Ich schäm­te mich mal wie­der, Deut­scher zu sein. Und das, obwohl ich die­se Schei­ße man­gels Alter­na­ti­ven selbst gewählt hat­te.


Anre­gen­des Hüft­krei­sen: Beths Backings habens drauf! (ES)

Spa­ni­en griff zur Ermitt­lung sei­ner Ver­tre­te­rin erneut auf die Cas­ting­show Ope­ra­ción Triùn­fo zurück. Die jun­ge Beth trat mit ‘Dime’ an, einem schwung­vol­len Pop­song im trei­ben­den Tech­no­beat, mit homöo­pa­thisch ein­ge­setz­ten Fla­men­co­gi­tar­ren und groß­zü­gig gestreu­ten, sehr gei­len, che­res­ken Vocoder­stim­men. Hier wur­de im Gegen­satz zum deut­schen Bei­trag die gute Lau­ne nicht mit Gewalt erzwun­gen, sie stell­te sich beim Hören von selbst ein, auch auf­grund der ohne Unter­laß krei­sen­den Hüf­ten ihrer männ­li­chen Tän­zer. Lior Nar­kis’ Auf­tritt in Riga gestal­te­te sich weni­ger tra­gisch, als es das Bewer­bungs­vi­deo mit einem her­um­tu­cken­den Sän­ger zunächst befürch­ten ließ. So sorg­te vor allem die typisch israe­li­sche Body­guard-Eng­tanz­cho­reo­gra­fie und die von Bebi Dol (YU 1991) abge­kup­fer­te Kla­mot­ten­be­schrif­tung für den Trash-Fak­tor. Oh, natür­lich abge­se­hen vom Lied: so hoff­nungs­los alt­mo­disch, dass dage­gen selbst Lou pro­gres­siv wirk­te. Die Nie­der­län­de­rin Esther Hart kam als Christ­baum­ku­gel ver­klei­det auf die Büh­ne, was mög­li­cher­wei­se eine bes­se­re Plat­zie­rung ver­hin­der­te. Denn ‘One more Night’ ist klas­si­sche Dudel­funk­mu­sik, die leicht schmeckt und nicht belas­tet; so wie sie die Euro­pä­er im rich­ti­gen Leben übli­cher­wei­se mögen. Doch es blieb stim­mig: mit musi­ka­li­scher Mit­tel­mä­ßig­keit und einem Start­platz im Mit­tel­feld lässt sich wohl auch nur ein mitt­le­res Ergeb­nis erwar­ten.


Schon mal was von “Über­kom­pen­sa­ti­on” gehört, Lior? (IL)

Gleich bei der Euro­vi­si­ons­pre­mie­re demons­trier­te die Ukrai­ne, was wir künf­tig von ihr zu erwar­ten hät­ten: maue Lied­chen und gigan­ti­sche Büh­nen­shows. Olex­an­dr Pono­ma­riov trat mit einem vom Israe­li Svi­ka Pick, Kom­po­nist des 1998 sieg­rei­chen ‘Diva’, geschrie­be­nen Song namens ‘Has­ta la Vis­ta’ an, von dem man aller­dings kaum etwas mit­be­kam, weil die spek­ta­ku­lä­re Show einer Schlan­gen­frau völ­lig davon ablenk­te. Man­do aus Grie­chen­land prä­sen­tier­te sich optisch als Kreu­zung aus Cher (Mimik) und Dol­ly Par­ton (Vor­bau), steck­te in einem prall geschnür­ten Dol­ly-Bus­ter-Out­fit und knö­del­te mit Mariah-Carey-Stimma­kro­ba­tik einen Ödnis­schla­ger namens ‘Never let you go’. Dar­in zähl­te sie auf, was sie alles für ihren Liebs­ten zu tun geden­ke: “I would cry for you / I would lie for you / I would die for you / unzip my Fly for you / eat Shepherd’s Pie for you” und so wei­ter und so fort. Jostein Has­sel­gård hin­ge­gen gab die Inkar­na­ti­on von Udo Jür­gens (AT 1964, 1965, 1966). Nach anfäng­li­cher Reser­viert­heit spiel­te sich sei­ne kit­schi­ge Kla­vier­bal­la­de ‘I’m not afraid to move on’ mir doch noch ins Herz, und wäh­rend des Auf­tritts des sym­pa­thi­schen Nor­we­gers, als haupt­be­ruf­li­cher Kin­der­gärt­ner Pre­mi­um-Hei­rats­ma­te­ri­al für hete­ro­se­xu­el­le weib­li­che Fans, dach­te ich immer­fort: “Der wird gewin­nen”! Na ja, fast: Platz 4. Aber, Klostein Jostein: die­se Fri­sur! Stand da der Vile­da-Meis­ter­schrub­ber Pate?


Hübsch: der Jostein und sei­ne Kla­vier­bal­la­de (NO)

Erst­ma­lig mach­te sich der Fluch der Big Four bemerk­bar: neben den Bri­ten schnit­ten auch die Fran­zo­sen ent­täu­schend schlecht ab. Und das zu Unrecht, denn sie schick­ten wie immer Qua­li­tät, und Loui­sa Baïle­ches Auf­tritt mit anmu­tig wehen­dem Haar strahl­te Wür­de aus. Lei­der klang sie stimm­lich etwas ver­stopft, und ins­ge­samt erwies sich die lei­se vor sich hin plät­schern­de Bal­la­de ‘Monts et Mer­veil­les’ als zu unspek­ta­ku­lär, um punk­ten zu kön­nen. Den­noch: Platz 18 – das war bit­ter! Ver­söhn­li­cher stimmt das Schick­sal des pol­ni­schen Bei­trags. Mich­ał Wiś­niew­ski erwies sich als männ­li­che Inkar­na­ti­on von Mia Mar­ti­ni (IT 1977 und 1992): sei­ne Bour­bon-gegerb­te Reib­ei­sen­stim­me liebt oder hasst man. Sie trug viel bei zum magi­schen Zau­ber von ‘Kei­ne Gren­zen / Żad­nych gra­nic’, pathe­ti­schem Welt­frie­dens­kitsch der Extra­klas­se. Ich Tro­je, die mit ‘Lie­be macht Spaß’ auch in der deut­schen Vor­ent­schei­dung mit­ge­mischt hat­ten, scheu­ten sich weder vor über­la­de­nen Engels­kos­tü­men noch vor der Dar­stel­lung gro­ßer Gefüh­le. Beson­ders rüh­rend: die zärt­lich-scheue Lieb­ko­sung am Ende des Songs, als Mich­ał sich sei­ner Duett­part­ne­rin Jus­ty­na Maj­kow­ska zu Füßen warf. Hei­ßen Sie mich ruhig eine alte Kit­schel­se: hier stand mir das Pip­pi in den Augen! Die Drei­spra­chig­keit des Titels in pol­nisch, rus­sisch und deutsch ver­lieh der Frie­dens­bot­schaft des inhalt­lich lose an Bet­te Mid­lers ‘From a Distan­ce’ ange­leg­ten Schla­gers zusätz­li­che Glaub­wür­dig­keit. Mei­ne per­sön­li­chen Dou­ze Points – um so erfreu­li­cher, dass die Polen auch tat­säch­lich zwölf Punk­te aus Deutsch­land beka­men. Ein ganz neu­es Erleb­nis, mal Teil der Mehr­heit zu sein!


Zwei Barocken­gel­chen: Ich & Tro­je (PL)

Gro­ße Rät­sel gaben das Abschnei­den der bei­den nächs­ten Bei­trä­ge auf, wenn auch in unter­schied­li­che Rich­tun­gen. FLY lie­fer­ten für das Gast­ge­ber­land mit ‘Hel­lo from Mars’ einen anspruchs­los-pep­pi­gen Song und was fürs Auge. Also genau die Kom­bi­na­ti­on, die in den letz­ten Jah­ren stets gewann. Und dann gab’s nur fünf Punk­te vom direk­ten Nach­barn? Was war da los, woher kam der plötz­li­che gute Geschmack der Zuschau­er? Was die Bel­gi­er von Urban Trad und ihr in einer Fan­ta­sie­spra­che gesun­ge­nes ‘Sano­mi’ angeht, spe­ku­lier­ten Fans im Vor­feld bereits auf ein ‘Noc­turne’-Ergeb­nis, aber so rich­tig glaub­te nie­mand dran. “Singt die auf Grie­chisch?” frug sich sicher­lich nicht nur Hape Ker­ke­ling (im N3-Euro­vi­si­ons­spe­cial) ver­wirrt. Zur Ver­wir­rung trug auch die vor­ge­führ­te (ange­sichts der Fan­ta­sie­spra­che völ­lig sinn­lo­se) Taub­stum­men-Cho­reo­gra­fie bei. Vor allem han­del­te es sich bei dem mit Quetsch­kom­mo­de und (!) Dudel­sack (!!) auf­war­ten­den ‘Sano­mi’ um ein kel­tisch inspi­rier­tes Stück. Also etwas, das in den Hit­pa­ra­den zu Recht nicht vor­kommt und das ich mit dem vor­läu­fi­gen Ende der Euro­vi­si­ons­ju­rys als aus­ge­stor­ben erach­te­te. Wes­we­gen mich der Bei­na­he­sieg Bel­gi­ens baß erstaun­te.


Was die Gehör­lo­sen wohl ver­stan­den? Urban Trad (BE)

Wie­so Ruf­fus glaub­ten, die angeb­lich bevor­ste­hen­de Rück­kehr der glor­rei­chen Acht­zi­ger (‘Eigh­ties com­ing back’) mit schreck­li­chem Neun­zi­ger­jah­re-Brit­pop­sound wür­di­gen zu müs­sen, bleibt das Geheim­nis der Esten. Und ob man dort tat­säch­lich auf die Rück­kehr der sowje­ti­schen Besat­zung (wie eben in den Acht­zi­gern) war­tet, wage ich auch zu bezwei­feln. Scha­de um die rumä­ni­sche Dance-Num­mer ‘Don’t break my Heart’, neben ‘Ne ver, ne boj­sia’ das moderns­te Stück im Pro­gramm. Aber mit die­ser Show und den knall­bun­ten Papp-CDs ver­spiel­te Nico­la Alex­an­dru jeden Glaub­wür­dig­keits­kre­dit. Zu laut, zu schnell, zu viel, zu dick auf­ge­tra­gen: an die­ser Stel­le des Abends sehn­te ich mich nach einem Grand Prix aus den Sech­zi­gern zurück. In schwarz­weiß, zum Aus­gleich die­ser Über­bunt­heit. Die auch von der über­la­de­nen Show­tech­nik her­rühr­te: in den glä­ser­nen Büh­nen­bo­den waren Moni­to­re ein­ge­las­sen, auf denen stän­dig irgend­wel­che knall­bun­ten Ani­ma­ti­ons­bil­der lie­fen. In Ver­bin­dung mit den schon wei­ter oben gerüg­ten hek­ti­schen Kame­ra­fahr­ten und Bild­schnit­ten sorg­te das bei mir für visu­el­le Reiz­über­flu­tung – und Kopf­schmer­zen.


In Rumä­ni­en wird Musik noch auf Papp­tä­fel­chen gepresst statt auf CD-Roh­lin­ge

Kopf­schmer­zen ver­ur­sach­te mir auch der unver­dien­te fünf­te Platz für Fame und ‘Give me your Love’: wie­so nur muss­ten die IKE­As mit die­sen lang­wei­li­gen Mager­milch­blond­chen und ihrem ätzen­den Durch­schnitts­pop wie­der so gut abschnei­den? So ler­nen es die Schwe­den doch nie, aus dem Über­an­ge­bot an groß­ar­ti­gen, abwechs­lungs­rei­chen Songs beim Melo­di­fes­ti­va­len zur Abwechs­lung mal nicht die größ­te Instant­schei­ße her­aus­zu­pi­cken! Das mit Abstand bil­ligs­te Stück des Abends (nein, nicht die Slo­we­nin Kar­men Stavec: ihr Song!) konn­te dage­gen beim Publi­kum nicht reüs­sie­ren. Wobei natür­lich gegen ‘Nana­na’ selbst der spa­ni­sche Sie­ger­ti­tel von 1968 noch anspruchs­voll wirkt. Und dann die­ses süß­stoff­ro­sa Out­fit mit der Joy-Fle­ming-Schul­ter­gir­lan­de: wo ist die Mode­po­li­zei, wenn man sie mal braucht? Ein Lob an die aus­rich­ten­den Let­ten für die bahn­bre­chen­de Idee, den Green Room direkt hin­ter der Büh­ne zu plat­zie­ren und die Punk­te­ver­ga­be in Front der teil­neh­men­den Sän­ger durch­zu­füh­ren, sowie für das über­sicht­li­che Scoreboard. Und die Mode­ra­to­ren: so locker und char­mant wie der unglaub­lich knuffi­ge Renārs Kau­pers (LV 2000) und Marie N führ­te zuletzt Lil Lind­fors (SE 1966) durch den Abend. Schön auch die an Komik nicht arme Punk­te­ver­ga­be; vor allem der hart­nä­cki­ge Ver­such Bos­ni­ens, auf Bie­gen und Bre­chen neun Punk­te ver­ge­ben zu wol­len! Und nicht zu ver­ges­sen der äußerst lecke­re slo­we­ni­sche Punk­te­an­sa­ger Peter Poles, der die höchst will­kom­me­ne Kate­go­rie der Scoreboard-Stan­dup-Come­dy begrün­de­te.


Der slo­we­ni­sche Die­ter Nuhr: “You’re awai­ting the Results, so here I go. Bye!”

Euro­vi­si­on Song Con­test 2003

Euro­vi­si­on Song Con­test. Sams­tag, 24. Mai 2003, aus der Skon­to Hal­le in Riga, Lett­land. 26 Teil­neh­mer­län­der, Mode­ra­ti­on: Mari­ja Nau­m­o­va und Reinars Kau­pers
#LandInter­pretTitelPunk­tePlatz
01ISBir­git­ta Hauk­dal Bryn­jars­dót­tirOpen your Heart08109
02ATAlf PoierWeil der Mensch zählt10106
03IEMickey Har­teWe’ve got the World ton­ight05311
04TRSert­ab Ere­nerEver­y­way that I can16701
05MTLynn Chir­copTo dream again00425
06BAMija Mar­ti­na Bar­ba­rićNe bri­ni02716
07PTRita Guer­raDeixa-me son­har (só mais uma vez)01322
08HRClau­dia BeniViše nisam tvo­ja02915
09CYSte­li­os Con­stan­tasFee­ling ali­ve01520
10DELou Hoff­nerLet’s get hap­py05312
11RUt.A.T.u.Nje vjer, nje boj­sa16403
12ESBeth Roder­gasDime08108
13ILLior Nar­kisWord for Love01719
14NLEsther HartOne more Night04513
15UKJemi­niCry Baby00026
16UAOlex­an­dr Pono­ma­riovHas­ta la Vis­ta03014
17GRMan­doNever let you go02517
18NOJostein Has­sel­gårdI’m not afraid to move on12304
19FRLoui­sa Baïle­cheMonts et Mer­veil­les01918
20PLIch Tro­jeKei­ne Gren­zen-Żad­nych gra­nic09007
21LVF.L.Y.Hel­lo from Mars00524
22BEUrban TradSano­mi16502
23EERuf­fusEigh­ties com­ing back01421
24RONico­la Alex­an­druDon’t break my Heart07310
25SEFameGive me your Love10705
26SIKar­men StavecNana­na00723

Fußnote(n)   [ + ]

1. Wie sowohl die ame­ri­ka­ni­sche Pfar­rers­toch­ter Katy Per­ry (‘I kis­sed a Girl’) als auch die ser­bi­sche Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin von 2007, Mari­ja Šerifo­vić, sicher bestä­ti­gen können.
2. Das hat sich zwi­schen­zeit­lich gebes­sert: als im Jah­re 2013 die fin­ni­sche Teil­neh­me­rin Kris­ta Sieg­frids ihr ‘Mar­ry me’ mit einem Schmat­zer für eine ihre Chor­sän­ge­rin­nen been­de­te, gab es kei­ne Pro­ble­me. Hete­ro­se­xu­el­le Küs­se waren beim Grand Prix übri­gens noch nie unter­sagt – selbst 1957 nicht, als das inni­ge Geknut­sche eines däni­schen Pär­chens für Auf­re­gung unter den Zuschau­ern sorgte.
3. Einige eng­li­sche Medi­en, wie auch BBC-Kom­men­ta­tor Ter­ry Wogan, scho­ben in völ­li­ger Ver­blen­dung die ver­dien­te Null-Punk­te-Klat­sche der bri­ti­schen Betei­lung am Irak­krieg zu. Zur Koali­ti­on der Wil­li­gen, die sich an dem unter bewuß­ter Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen und ein­deu­tig völ­ker­rechts­wid­rig geführ­ten Angriffs­krieg die Hän­de schmut­zig mach­ten, zähl­te aber bei­spiels­wei­se auch die Türkei.

24 Gedanken zu “ESC 2003: Die Kotzn in da Wiesn

  1. Groß­ar­tig! Nach 1997 das zweit­bes­te ESC-Jahr über­haupt. Abge­se­hen vom tot­ge­hyp­ten rus­si­schen Bei­trag (ich zöge­re, das ein Lied zu nen­nen) ein unglaub­lich star­kes Star­ter­feld. Gute Plät­ze für Öster­reich und Bel­gi­en? Ham­mer! Das war nach 2002 ein drin­gend nöti­ges Gegen­gift! Hier gab es alles: abstür­zen­de Gast­ge­ber (ist Euro­pa kol­lek­tiv auf­ge­wacht und wur­de sich bewusst, wie schlecht ‘I Wan­na’ war?), null Punk­te für Groß­bri­tan­ni­en (völ­lig berech­tigt, nach die­ser ers­ten Minu­te), ein akzep­ta­bles deut­sches Ergeb­nis (ja, es war Ralph Sie­gel. Aber mit einer Zei­le wie ‘Let’s get hap­py and let’s be gay’ kann man das Lied nicht has­sen) und ein wür­di­ger Sie­ger (go, Tur­key! Und dass ich selbst ein hal­ber Osma­ne bin, hat damit gar nichts zu tun! 😉 ). Ich hät­te trotz­dem lie­ber Bel­gi­en oben gese­hen. ‘Sano­mi’ ist unter den über 1100 Lie­dern des ESC mein Favo­rit. Trei­ze points! (This one goes to thir­te­en!) Und noch­mal: Go, go, Alf Poier!

  2. Höhen und Tie­fen Im Vor­feld war UK mein Favo­rit. Nicht wegen Trash oder ähn­li­chem, wir gefällt wirk­lich der Song und ich höre ihn immer noch gern. Doch Gem­ma ver­sag­te wohl aus Scham über ihr Nut­ten­kleid die Stim­me. Da war nichts mehr zu ret­ten. Auch die lecke­re Clau­dia Beni hät­te viel­leicht durch etwas weni­ger Haut mehr Punk­te sam­meln kön­nen. So wähl­te ich Bel­gi­en, die es auch nach oben schaff­ten, aber nicht sieg­ten. Trotz­dem gönn­te ich der Tür­kei und Sert­ab den Sieg von gan­zem Her­zen. Alf Poier hat ESC-Geschich­te geschrie­ben. Mit so einer schrä­gen, aber intel­li­gen­ten Num­mer so hoch zu kom­men, daß ist außer­ge­wöhn­lich. Daß die Zuschau­er in der Hal­le tAtu aus­pfif­fen und buh­ten, war ein­fach nur wider­lich. Was kön­nen denn die­se jun­gen Mäd­chen für die rus­si­sche Ver­gan­gen­heit? So wur­de der ESC wie­der mal als poli­ti­sche Demo miß­braucht, wärend der Israe­li mit einem locke­ren Lie­bes­lied rüber­kam. Nico­la aus Rumä­ni­en war wie­der das bes­te Bei­spiel dafür, war­um mir die meis­ten Büh­nen­shows auf die Ner­ven gegen. Zwar schön bunt aber däm­lich. Im Gegen­satz zur Mode­ra­ti­on, die war echt klas­se. So wie der Auf­tritt von Ich Tro­je, der sich ver­dient gut plat­zier­te. Die 12 Punk­te aus Deutsch­land wun­dern mich bis heu­te. Da muß eine ähn­li­che Akti­on gelau­fen sein wie 2006 bei Lor­di, um die Tür­ken zu über­stim­men.

  3. re: Höhen und Tie­fen Nur hat es 2006 nicht geklappt. Da gin­gen 10 von uns an Finn­land und 12 in die Tür­kei. 😉

  4. In Tim Moo­res ‘Nul points’ kommt von Sei­ten der Band selbst die Behaup­tung, die bri­ti­sche Dele­ga­ti­on hät­te so geschlampt, dass Jemi­ni kei­ne Ohr­mo­ni­to­re hat­ten und sich des­halb nicht hören konn­ten. Wie unpro­fes­sio­nell ist das denn?

  5. Besteht nicht die Mög­lich­keit, die­sen 20-fachen Blöd­sinn da oben weg­zu­ma­chen?

  6. Die­ser Jahr­gang ent­fach­te die ESC-Begeis­te­rung bei mir, nach­dem ich in den Jah­ren zuvor jeweils nur die deut­schen Bei­trä­ge (Guil­do Horn, Ste­fan Raab, Michel­le) so rich­tig  mit­er­lebt hat­te. Dass ich 2003 zum Fan wur­de lag mit Sicher­heit an der hohen Qua­li­tät der Ver­an­stal­tung (die VHS-Kas­set­te mit der Auf­nah­me von damals hal­te ich nach wie vor ihn Ehren und schaue sie immer wie­der ger­ne an), ein ech­ter Total­aus­fall war abge­se­hen von den glück­lo­sen Bri­ten nicht dabei, auch wenn sich der Ire vor­wer­fen las­sen muss­te, bei den Olsen Bro­thers abge­schrie­ben zu haben. Dafür befand ich selbst die wei­ter hin­ten plat­zier­ten Bei­trä­ge aus Kroa­ti­en, Bos­ni­en und Isra­el als sehr hör­bar, was wie­der­um für die­sen Jahr­gang spricht.
    Der Sieg für Sert­ab Ere­ner war hoch­ver­dient und dem­entspre­chend trotz der hohen Qua­li­tät im Star­ter­feld eigent­lich zu knapp aus­ge­fal­len – eine mit­rei­ßen­de Num­mer, die tra­di­tio­nel­le und moder­ne Ele­men­te mit einer tol­len Cho­reo­gra­phie ver­eint! Kommt live um eini­ges bes­ser an als von CD (zumal dort noch Elek­tro­klän­ge ein­ge­fügt wur­den, die das Lied mei­nes Erach­tens von CD fast unhör­bar machen). Bel­gi­en etwas über­ra­schend und nicht so mein Fall, aber ange­sichts der dama­li­gen “Herr der Ringe”-Aktualität nach­voll­zieh­bar auf Platz zwei gelan­det. Russ­land war selbst wohl ent­täuscht, aber Platz 3 nur 3 Punk­te hin­ter dem Sie­ger war doch auch aller Ehren wert. Die zwei inter­es­san­tes­ten Bei­trä­ge für die man als Deut­scher stim­men konn­te waren sicher­lich Polen mit einem tol­len mehr­spra­chi­gen Frie­dens­lied – die zwölf Punk­te aus Deutsch­land waren eine schö­ne Ges­te der Aner­ken­nung – und der groß­ar­ti­ge Alf Poier. Deutsch­land mit Lou auf Platz 11 war letz­ten Endes ein Ergeb­nis mit dem man leben konn­te.
    Sehr posi­tiv blie­ben auch mir die ange­nehm locke­re Mode­ra­ti­on und die Knet­op­tik in Erin­ne­rung. Hat­te alles noch etwas fami­liä­res, das man inzwi­schen manch­mal etwas ver­misst. Alles in allem ein groß­ar­ti­ger ESC-Jahr­gang den ich wohl nie ver­ges­sen wer­de! 🙂

  7. Zwei rus­si­sche Frau­en wol­len sich küs­sen! Ach Gott, wie schlimm !!! 😀

    t.A.T.u., die Sire­nen aus Russ­land (ihre Stim­men hören sich wirk­lich an wie Sire­nen): Wenn Sert­ab Ere­ner nicht gewe­sen wäre, dann hät­ten die zwei Rus­sin­nen den Sieg ver­dient gehabt. Allei­ne schon wegen der Show, die sie da abge­zo­gen haben. Und ganz beson­ders wegen dem let­ti­schen Publi­kum, das die Bei­den aus­buh­te und Scha­den­freu­de zeig­te, als Russ­land von den Nie­der­lan­den nur einen Punkt bekam.

    Der deut­sche Bei­trag ging. Ralph Sie­gel hät­te vom Rück­tritt nicht zurück­tre­ten müs­sen! Man kann Ste­fan Raab kri­ti­sie­ren, wie man will. Aber man soll­te trotz­dem nicht ver­ges­sen, dass Ralph Sie­gel mög­li­cher­wei­se heu­te noch sei­ne Lied­chen für Deutsch­land antre­ten lie­ße, wenn Ste­fan Raab nicht ein Jahr spä­ter mit Max und 2010 mit sei­ner Cas­ting-Show gekom­men wäre, die der Anfang von Lenas Tri­umph war. Mög­li­cher­wei­se hät­te der Sie­gel noch Desi­ree Nick enga­giert.

    Zum Glück war Deutsch­land danach trotz eini­ger Kata­stro­phen wie Gra­cia nie mehr so weit vom Pop­ge­sche­hen ent­fernt wie 2003.

  8. Heut­zu­ta­ge ist das schlimm. Ich bin schon gespannt, wann die ers­te öffent­li­che Ver­bren­nung von alten t.A.T.u.-Videos in Russ­land statt­fin­det.

Oder was denkst Du?