ESC Semi 2005: La Musi­ca Alpi­na

Logo des Eurovision Song Contest 2005 (Semifinale)
Das Jahr des Trom­mel­tan­zes

Bedenkt man, wie spät die Ukrai­ner auf­grund der poli­ti­schen Ereig­nis­se im Land mit den Vor­be­rei­tun­gen anfin­gen, erstaunt, wie rei­bungs­los und pro­fes­sio­nell der Abend im Sport­pa­last zu Kiew über die Büh­ne ging. Zwi­schen dem Euro­vi­si­ons­sieg in Istan­bul und der Orga­ni­sa­ti­on die­ses Con­tests lag eine mani­pu­lier­te Prä­si­dent­schafts­wahl und eine voll­kom­men fried­li­che, aber kraft­vol­le Revo­lu­ti­on, ange­führt unter ande­rem von der Vor­jah­res­sie­ge­rin Rus­la­na. Dem Gejau­le besorg­ter Fans zufol­ge stand schon zu befürch­ten, dass die Kom­bat­tan­ten auf einem eilig mit Teer zuge­kleis­ter­ten Kar­tof­fel­feld wür­den sin­gen müs­sen. Bis auf klei­ne­re tech­ni­sche Pan­nen lief aber alles glatt. Mal abge­se­hen von der gro­ßen Pan­ne: dem Ergeb­nis des Tele­vo­tings.

Öster­reich zeig­te mal wie­der ein Händ­chen für abge­fah­re­ne Skur­ri­li­tä­ten. ‘Y así’ war, wie der Titel ver­mu­ten lässt, ein unwi­der­steh­li­ches Stück Latin-Pop. Das aber – die Spe­zia­li­tät der Global.Kryner – mit Ober­krai­ner Blas­ka­pel­len­sound aufs Vor­treff­lichs­te gemixt. So dass der Musik­re­zi­pi­ent gar nicht wuss­te, ob er zum Latin­sound las­ziv die Hüf­ten schwin­gen oder zum Trom­pe­ten­klang fröh­lich mit­schun­keln soll­te. Das Gei­le an der Sache: es geht bei­des. Und ergänzt sich her­vor­ra­gend! Apro­pos geil: sehr nett anzu­schau­en waren die Jungs um Sän­ge­rin Sabi­ne Stie­ger (auch sie eine Augen­wei­de in ihrem Dirndl) eben­falls. Alli­te­ra­ti­ons­alarm: die litaui­sche Lau­ra und ihre Lovers lie­fer­ten mit ‘Litt­le by litt­le’ luf­tig-leich­te Lala, ahem: schwung­voll-seich­ten, schwe­di­schen Radio­pop, der auf allen Main­stream-Radio­sen­dern sofort hoch und run­ter lie­fe, stamm­te der Titel bei­spiels­wei­se von Roxet­te. Ging gefäl­lig ins Ohr – und sofort zum ande­ren wie­der raus. Lau­ras eher durch­schnitt­lich zu nen­nen­de Büh­nen­show und die schlech­te Live-Per­for­mance taten ihr Übri­ges.


Gei­ler Blä­ser: Sebas­ti­an Fuchs­ber­ger von Global.Kryner (AT)

Noch nicht ein­mal das ent­sen­den­de por­tu­gie­si­sche Fern­se­hen trau­te dem schwach­brüs­ti­gen offen­sicht­lich ‘Amar’ zu, dass der Titel etwas rei­ßen könn­te. So such­ten 2B ihr Heil in einer hek­ti­schen Cho­reo­gra­fie. Nur, um erneut den Beweis zu erbrin­gen, dass gleich­zei­ti­ges Sin­gen und kraft­rau­ben­des Her­um­wir­beln auf der Büh­ne schief gehen muss. Bei all dem Auf­wand für Last-Minu­te-Tanz­trai­ner blieb aller­dings kein Geld mehr für das Haarsty­ling übrig. Ein akus­tisch-opti­sches Gesamt­grau­en, des­sen zwölf Zäh­ler aus Deutsch­land um so mehr erstaun­ten: so vie­le Por­tu­gie­sen leben doch gar nicht bei uns? Erst­mals am Start war Mol­da­wi­en, Fans des Den­ver-Clans bekannt als fik­ti­ves, blu­tig regier­tes euro­päi­sches König­reich, im rea­len Leben jedoch der noch ärme­re Bru­der Rumä­ni­ens. Die­ser schick­te die Folk­ro­cker Zdob şi Zdub, optisch eine Kreu­zung aus den Red Hot Chi­li Pep­pers und der Kel­ly Fami­ly (DVE 2002), mit dem fröh­li­chen ‘Boo­ni­ka bate doba’ (‘Groß­müt­ter­chen schlägt die Trom­mel’). Zur visu­el­len Bekräf­ti­gung die­ses Titels hat­ten die Rocker mit Lidia Beje­na­ru tat­säch­lich eine unglaub­lich knuf­fi­ge, trom­meln­de Omi mit auf der Büh­ne, die der Band kom­plett die Show stahl und die Her­zen der Fans und Zuschau­er im Sturm erober­te.

 
Die Oma rockt: Zdob şi Zdub (MD)

Wie um das letzt­jäh­ri­ge, schnell ver­dräng­te Trau­ma wie­der wach­zu­ru­fen, als das let­ti­sche Duo Fomins & Kleins die Welt mit einer öden Gitar­ren­bal­la­de zu Tode lang­weil­te, schick­te der schur­ki­sche Bal­ten­staat auch dies­mal zwei schreck­li­che, blut­jun­ge Sai­ten­schramm­ler namens Wal­ter & Kazha mit einem Seicht­stück, das nie­mand brauch­te. ‘The War is not over’ san­gen sie und mein­ten damit den Angriff auf unse­re Geschmacks­ner­ven. Nach fünf­und­zwan­zig­jäh­ri­ger Pau­se war – Gerüch­ten zufol­ge auf Drän­gen von Fürst Albert II. – im Vor­jahr Mona­co zum Euro­vi­si­on Song Con­test zurück­ge­kehrt. Nach einem text­lich bemüh­ten Öko­schla­ger (‘Not­re Planè­te’) schaff­te es aller­dings auch der dies­jäh­ri­ge Bei­trag ‘Tout de moi’, ein ver­schwen­de­risch orches­trier­ter, wun­der­schö­ner fran­ko­phi­ler Gefühls­sturm wie aus dem Grand-Prix-Lehr­buch der Sech­zi­ger­jah­re, nicht ins Fina­le. Was auch dar­an gele­gen haben mag, dass put­zi­ge Lise Dar­ly so ver­schreckt drein­schau­te. Nach­dem der haupt­säch­lich vom Glücks­spiel und dem Ver­kla­gen der Yel­low Press leben­de Stadt­staat an der fran­zö­si­schen Rivie­ra sich im Fol­ge­jahr erneut nicht zu qua­li­fi­zie­ren ver­moch­te, been­de­te das einst­mals so erfolgs­ver­wöhn­te Fürs­ten­tum sein erneu­tes Gast­spiel nach nur drei Ver­su­chen. Was eigent­lich scha­de ist, denn so ein biss­chen nost­al­gi­scher Glanz hat doch auch was Schö­nes!


Dass die Kame­ra­leu­te kei­nen Dreh­wurm beka­men: Lise Dar­ley wird ein­ge­kreist (MC)

Isra­el ging dies­mal auf Num­mer sicher: der welt­be­kann­te US-Super­star Mariah Carey prä­sen­tier­te unter dem faden­schei­ni­gen Pseud­onym Schie­rer Mam­mon Shiri May­mon eine stimm­ge­wal­ti­ge, wenn auch sehr zähe Bal­la­de. Zum Ärger vie­ler Sprach­pu­ris­ten, aber zum Vor­teil des Lie­des sang sie das meis­te davon auf eng­lisch. Zudem kam ihr der Char­lot­te-Nils­son-Fak­tor zugu­te: der Fakt, dass es für das frei­zü­gi­ge Her­zei­gen üppi­ger Dop­pel­pol­ler von den hete­ro­se­xu­el­len männ­li­chen Zuschau­ern reich­lich Punk­te gibt. Ange­li­ca Agur­bash (Anke Jonkscher vom ECG: “Aggro­bitch”), die weiß­rus­si­sche Sän­ge­rin Ver­tre­te­rin, kam hin­ge­gen mit einem per­fekt auf die homo­se­xu­el­le Ziel­grup­pe zuge­schnit­te­nen Act. ‘Love me ton­ight’, eine deut­li­che Auf­for­de­rung zum bei den Schwu­len so belieb­ten One-Night-Stand (schöns­te Text­stel­le: “Take your Chan­ce and fill me”), ent­pupp­te sich als musi­ka­lisch see­len­lo­ser, glat­ter Discopop. Und die Show! Sich aus ihrem Umhang schä­len­de Tanz­hu­schen, ein gleich drei­fa­cher Kos­tüm­wech­sel (da schaut ihr, Kroa­ten!), ein Prin­zes­sin­nen­dia­dem und ein Mär­chen­kleid wie von einem homo­phi­len Walt-Dis­ney-Desi­gner ent­wor­fen: da hat sich jemand Gedan­ken gemacht! Scha­de, dass ihr schwer­rei­cher Gat­te (die Anga­ben über den in Ange­li­ca inves­tier­ten Betrag schwank­ten zwi­schen einer und drei Mil­lio­nen Euro) nicht auch ein paar Krö­ten für Gesangs­un­ter­richt aus­gab: mit einer Stim­me wie eine kran­ke Berg­zie­ge ist halt kein Blu­men­topf zu gewin­nen!


Prin­zes­sin Tau­send­schön: die Aggro­bitch (BY)

Unge­recht: wäh­rend Mariah Carey für Isra­el ins Fina­le kam, ging Toni Braxt­on ali­as Glen­nis Grace für die Nie­der­lan­de leer aus. Dabei war ihr Bei­trag nicht unori­gi­nel­ler als das israe­li­sche Lied und gäbe den per­fek­ten Sound­track zu jedem belie­bi­gen Dis­ney-Movie ab. Dumm für Glen­nis, dass sie nach der Wer­be­pau­se auf­tre­ten muss­te, dem neu­en Todes­s­lot beim Grand Prix. Das kos­te­te sie eben­so Punk­te wie ihr über­trie­be­ner Arm­ein­satz (bestand ihr ‘unmög­li­cher Traum’ im Hub­schrau­ber­flie­gen?). Die islän­di­sche Pop-Elfe Sel­ma Björns­dót­tir,  die sich 1999 hin­ter dem schwe­di­schen Busen­wun­der Char­lot­te Nils­son mit dem zwei­ten Platz zufrie­den geben muss­te, schaff­te es dies­mal erst gar nicht ins Fina­le. Mit dem Out­fit aber auch kein Wun­der: ver­packt in einen unvor­teil­haf­ten rot-gol­de­nen Hosen­an­zug, sah sie aus wie vom Weih­nachts­wühl­tisch übrig geblie­ben. Und erst die­se merk­wür­di­ge gol­de­ne Krus­te auf der Stirn! Ein Schup­pen­pro­blem? Mit ‘If I had your Love’ lehn­te sie sich vom Song­ti­tel her, wenn auch lei­der nicht von der musi­ka­li­schen Qua­li­tät, eben­so bei J-Lo an wie die est­ni­sche Girl­group Sun­tri­be mit ‘Let’s get loud’. Zumin­dest weiß man jetzt, wie die Spi­ce Girls in der Vari­an­te für Lidl-Kun­den aus­se­hen und klin­gen.


Oben fest­lich, unten spor­tiv: Sel­ma (IS)

An die schlimms­ten Aus­wüch­se des Acht­zi­ger­jah­re-Glam­rocks von Poser­bands wie Euro­pe, Bon Jovi, Twisted Sis­ter oder Poi­son mit all den ent­setz­li­chen Glit­zer­kos­tü­men, geschmink­ten Gesich­tern, lan­gen Haa­ren und der uner­träg­li­chen Musik erin­ner­ten die Nor­we­ger Wig Wam mit ‘In my Dreams’. Natür­lich mein­ten die das alles iro­nisch, was man schon an ihrem hüb­schen Wahl­spruch “Rock is the new Schla­ger” erken­nen konn­te. Ein Tra­ves­tie­act der Extra­klas­se und Weg­be­rei­ter für Lor­di (FI 2006). Lumi­ni­ta Anghels drum­las­ti­ge Dance-Num­mer ‘Let me try’, das an bel­gi­sche Pro­duk­tio­nen wie Syl­ver erin­ner­te – nur weni­ger see­len­los – war vom Start weg eines mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­stü­cke. Zudem fünf der gött­lichs­ten jun­gen Män­ner, die jemals Euro­vi­si­ons­bo­den betra­ten, die trei­ben­den Beats lie­fer­ten: die rumä­ni­sche Rhyth­mus­grup­pe Sis­tem, die auf alten Ölfäs­sern her­um­trom­mel­te, dass die Fun­ken flo­gen. Anbe­tungs­wür­dig und der ver­dien­te Sie­ger des Halb­fi­na­les! Rus­la­na mit Sub­stanz oder unga­ri­scher River­dance: das Kon­zept von Nox lehn­te sich stark an das der Vor­jah­res­sie­ge­rin an, ver­füg­te aber über mehr Klas­se. Scha­de, dass der Gesang beim in Lan­des­spra­che gesun­ge­nen, gei­gen­las­ti­gen Eth­no­stück ‘Forogj, Világ!’ öfters in den Ohren schmerz­te. Es hat schon sei­nen Grund, war­um Bal­lett­tän­zer übli­cher­wei­se nicht auch noch sin­gen.


Die Hete­ro­tran­se: Glam von Wig Wam (NO)

Finn­land lie­fer­te mit ‘Why’ eine dra­ma­ti­sche, wenn­gleich etwas sper­ri­ge Schick­sals­bal­la­de ab. Der Trau­er­kloß Geir Rön­ning 1)Beim ECG-Fan­club­tref­fen 2008, wo er als Star­gast gela­den war, ent­pupp­te er sich aller­dings als Charmebolzen. guck­te denn auch ganz lei­dend, so als wüss­te er bereits, dass er trotz allen gesang­li­chen Talents nicht über die Vor­run­de her­aus­kom­men wer­de. Im Gegen­satz zu Mar­tin Vučić, wor­über ich kot­zen könn­te. Des­sen Mut­ter war irgend­ein hohes Tier beim maze­do­ni­schen Fern­se­hen, wes­we­gen der ziem­lich nach­läs­sig geklei­de­te Jung­spund das exju­go­sla­wi­sche Land ver­tre­ten durf­te. Sei­nem hunds­or­di­nä­ren, drum­com­pu­ter­ge­ne­rier­ten Pop­stück mit euro­vi­si­ons­op­ti­mier­ter Gesangs­struk­tur (ein paar “ley ley ley”s und der klas­si­sche Halb­ton höher im letz­ten Refrain) füg­te er hand­ge­spiel­te Extra­per­cus­sions und Fie­deln bei, sang den eng­li­schen Text lei­ernd und nusche­lig und sam­mel­te die Punk­te aus den Nach­bar­län­dern nur so ein. Wofür bloß? Fol­gen­de Vor­ur­tei­le ver­fes­tig­te Mar­tins Show bei mir:

1. Das Bügel­eisen ist in Maze­do­ni­en unbe­kannt.
2. Maze­do­ni­sche Män­ner kön­nen oder wol­len nicht tan­zen.
3. Damen­un­ter­wä­sche (die Tän­ze­rin­nen!) ist in dem Land nicht erhält­lich.
4. Dafür fei­ert der Chau­vi­nis­mus dort fröh­li­che Urständ. ‘Make my Day’. Ich könn­te kot­zen.


Wälz­te die gro­ßen Fra­gen: Geir Rön­ning (FI)

Ein klu­ger Schach­zug, dass die andor­ra­ni­sche Dele­ga­ti­on zum Aus­gleich für das grau­sa­me Kleid und das schlim­me ‘La Mira­da inte­rior’ wenigs­tens halb­nack­te Mus­kel­schnit­ten sowie die gott­glei­che Ana­bel Con­de, mora­li­sche Sie­ge­rin des 1995er Con­tests, als Back­ground­sän­ge­rin mit­brach­ten. Da konn­te man sich die Zeit damit ver­trei­ben, die Spa­nie­rin in dem Gewu­sel auf der Büh­ne zu suchen, wäh­rend sich die gebür­ti­ge Nie­der­län­de­rin und andor­ra­ni­sche Hotel­be­sit­ze­rin Mari­an van der Wal mit ihren drö­gen ori­en­ta­li­schen Kla­ge­ge­sän­gen abmüh­te. Jeden­falls so lan­ge, bis Ana­bel rich­tig los­leg­te. Bit­te, gebt ihr bald wie­der ein eige­nes Lied! Der schwei­ze­ri­sche Bei­trag wirk­te wie ein Mix aus Gra­cia Baur und Sun­tri­be. Kein Wun­der: die finan­zi­ell gut gepols­ter­ten, pop­kul­tu­rell indes eher unter­ent­wi­ckel­ten Eid­ge­nos­sen hat­ten sich dar­an erin­nert, dass sie immer dann am erfolg­reichs­ten sind, wenn sie ihre Reprä­sen­tan­ten impor­tie­ren (Esther Ofa­rim 1963, Céli­ne Dion 1988). So kauf­ten sie  die bereits über das Bal­ti­kum hin­aus sehr erfolg­rei­chen est­ni­schen Bil­lig­lohnsän­ge­rin­nen Vanil­la Nin­ja ein, die mit einem von Gra­ci­as Pro­du­zen­ten David Bran­des kom­po­nier­ten Stück ver­such­ten, das Anse­hen Joan Jetts zu beschmut­zen. Die Stra­te­gie ging auf: ihre ‘Cool Vibes’ dran­gen pro­blem­los ins Fina­le vor.


Die span­dor­ra­ni­sche Freund­schaft steht: Mari­an & Ana­bel (AD)

Wei­ter kam auch der Haus­frau­en­schwarm Boris Nov­ko­vić aus Kroa­ti­en mit dem mar­tia­lisch beti­tel­ten Abschieds­lied ‘Wöl­fe ster­ben ein­sam’. Das eth­no­las­ti­ge Rühr­stück wur­de unter­stützt von drei folk­lo­ris­tisch auf­ge­mach­ten, enga­giert krei­schen­den Backing­sän­ge­rin­nen, sowie durch Wee Man von MTV Jack­ass an der (in die­sem Jahr­gang unver­meid­li­chen) Trom­mel, der zum Schluss noch einen alber­nen Hand­stand­tanz hin­leg­te. Wenig über­ra­schend das Aus­schei­den der ent­kof­fe­inier­ten bul­ga­ri­schen Boy­band Kaf­fe und ihrer in kata­stro­phal schlech­tem Eng­lisch gesun­ge­nen ‘Lor­rai­ne’, einem len­den­lah­men Pop­stück­chen, das es hier­zu­lan­de noch nicht mal als Alb­um­füll­ti­tel auf eine Caught-in-the-Act-CD geschafft hät­te. Auch sämt­li­chen spä­te­ren Ver­su­chen des in die­sem Jahr erst­ma­lig antre­ten­den Bal­kan­lan­des mit immer ein wenig absei­ti­gen Pop-Varia­to­nen blieb der Qua­li­fi­ka­ti­on mit einer ein­zi­gen Aus­nah­me durch­gän­gig ver­sagt. Dafür unter­hielt der Bal­kan­staat mit Kor­rup­ti­ons­skan­da­len bei der Vor­ent­schei­dung: das kon­kur­rie­ren­de Duo Sla­vi Trifo­nov und Sofi Mari­no­va (BG 2012) beschul­dig­te Kaf­fe, mit dem Ver­tei­len von kos­ten­lo­sen Gut­ha­ben­kar­ten Stim­men erkauft zu haben und wei­ger­te sich aus Pro­test, im Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le auf­zu­tre­ten; kam aber den­noch auf den zwei­ten Platz, wäh­rend die Boy­group mit ver­däch­ti­gen mehr als 50% der SMS-Stim­men sieg­te.


High on a hap­py Vibe: Joe scheint etwas über­per­for­ma­tiv

Auch die schrä­ge iri­sche Num­mer schei­ter­te. Wenn die geschmacks­mus­ter­ge­schütz­te kel­ti­sche Bal­la­de beim Grand Prix nicht mehr punk­tet, so das Kal­kül in Dub­lin, kopiert man halt statt­des­sen irgend­wie den Sie­ger­ti­tel vom Vor­jahr. Wie man aber ein pep­pi­ges Lied­chen über die ‘Lie­be’ von einem Geschwis­ter­paar sin­gen las­sen konn­te, das aus­sah, als habe deren Mut­ter nie abge­stillt, bleibt ein Rät­sel: ist Inzest auf der Insel denn erlaubt? Nach­dem die Iren im Vor­feld merk­ten, dass der Bei­trag mit einer sta­ti­schen Per­for­mance ver­lo­ren ist, quetsch­te man auf die Schnel­le noch eine halb­her­zi­ge Cho­reo­gra­fie mit River­dance-Ele­men­ten hin­ein. Immer­hin hat­te der hyper­ak­ti­ve Joseph McCaul in Kiew – auch auf der Büh­ne – wohl sehr viel Spaß. Sei­ne Schwes­ter Don­na oute­te sich spä­ter als Les­be. ‘Er hat sein Lied so zer­stört, Mann!’ kann ich beim nächs­ten Song nur kla­gen. Im Bewer­bungs­vi­deo hat­te er noch alles noch rich­tig gemacht: Omar Naber zeig­te dort nicht nur sei­ne lecker behaar­te Brust und den sexies­ten Bauch dies­seits von Rob­bie Wil­liams, er lie­fer­te mit ‘Stop’ auch eine hoch­dra­ma­ti­sche Power­bal­la­de mit musi­ka­li­scher Klas­se und unver­mu­te­ten, har­ten Rock­riffs im Refrain. Und das noch auf slo­we­nisch gesun­gen! Die­se fabel­haf­te Pop­per­le mach­te er in Kiew lei­der mit einem sta­ti­schen, ver­peil­ten und unse­xy Auf­tritt zunich­te. Scha­de!


Erwähn­te ich schon, dass er den sexies­ten Bauch hat? Omar Naber (SI)

Däne­marks Jakob Sveis­trup konn­te dage­gen live bei mir zule­gen. Zum einen, weil er so sym­pa­thisch-ver­schmitzt in die Kame­ra guck­te. Vor allem aber wegen der zwei net­ten Back­ground­bär­chen, die er mit auf die Büh­ne brach­te. Den­noch fiel sein ‘Tal­king to you’ genau in jene “Tra­di­ti­on des däni­schen Sunshi­ne Reg­gae” (Peter Urban), bei der sich mir die Fuß­nä­gel auf­rol­len. Natür­lich kam die­ser Mist ins Fina­le wei­ter. Über­haupt ver­sag­ten die euro­päi­schen Zuschau­er bei der Aus­wahl der Fina­lis­ten auf gan­zer Linie. Die gran­dio­sen Öster­rei­cher drau­ßen, aber das furcht­ba­re Gejau­le aus Lett­land, dar­ge­bo­ten von zwei lobo­to­mier­ten Kas­tra­ten auf Nico­le-Gedächt­nis­ho­ckern, wei­ter? Ich war so sau­er! Gott sei Dank konn­te mich das Fina­le dann wie­der ver­söh­nen.

ESC Semi­fi­na­le 2005

Euro­vi­si­on Song Con­test – Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de. Don­ners­tag, 19. Mai 2005, aus dem Pala­tsu Spor­tu in Kiew, Ukrai­ne. 25 Teil­neh­mer­län­der. Mode­ra­ti­on: Maria Efro­si­ni­na und Pav­lo Shyl­ko (Masha & Pasha).
#LandInter­pretTitelPunk­tePlatzQual.
01ATGlobal.KrynerY así03021nein
02LTLau­ra & the LoversLitt­le by litt­le01725nein
03PT2bAmar05117nein
04MDZdob şi ZdubBoo­ni­ka bate Doba20702ja
05LVWal­ters & KazhaThe War is not over08510ja
06MCLise Dar­lyTout de moi02224nein
07ILShiri Mai­monHash­e­ket shenish’ar15807ja
08BYAnge­li­ca Agur­bashLove me ton­ight06713nein
09NLGlen­nis GraceMy impos­si­ble Dream05315nein
10ISSel­ma Björns­dót­tirIf I had your Love05216nein
11BENuno Resen­deLe grand Soir02922nein
12EESun­tri­beLet’s get loud03120nein
13NOWig WamIn my Dreams16406ja
14ROLumi­ni­ta Anghel + Sis­temLet me try23501ja
15HUNoxForogj, világ!16705ja
16FIGeir Rön­ningWhy05018nein
17MKMar­tin VučićMake my Day09709ja
18ADMari­an van de WalLa Mira­da inte­rior02723nein
19CHVanil­la Nin­jaCool Vibes11408ja
20HRBoris Nov­ko­vić + LadoVuko­vi umi­ru sami16904ja
21BGKaf­feLor­rai­ne04919nein
22IEDon­na & Joe McCaulLove?05314nein
23SIOmar NaberStop06912nein
24DKJacob Sveis­trupTal­king to you18503ja
25PLIvan & Del­finCzar­na dziew­c­zy­no08111nein

Fußnote(n)   [ + ]

1. Beim ECG-Fan­club­tref­fen 2008, wo er als Star­gast gela­den war, ent­pupp­te er sich aller­dings als Charmebolzen.

11 Gedanken zu “<span class="caps">ESC</span> Semi 2005: La Musi­ca Alpi­na”

  1. maze­do­ni­en ist bes­ser als deutsch­land!!! ejj du gros­maul ich könn­te bei dei­nem arti­kel kot­zen natür­lich ken­nen wir maze­do­ner ein bügel iesen natür­lich tra­gen wir damen auch alle ande­ren unter­wä­sche man bist du gestört make my day war kei­ne gute pefor­mance geb ich zu aber auch kei­ne schlech­te sieh es ein maze­do­ni­en ist bes­ser als duet­sch­land wollt ihr alle nur nicht zuge­ben ge?? oh man nap­red make­do­ni­ja!!!

  2. Na, na, freund­lich blei­ben: FYROM ist offen­bar auf Platz 10 des Halb­fi­na­les abon­niert. Und das kann nicht an der Qua­li­tät der Lie­der lie­gen (das ein­zi­ge halb­wegs hör­ba­re Lied von denen kam 2000, lan­ge vor den Halb­fi­nals). Go, go, Dia­spo­ra! Und man­che Leu­te brau­chen offen­bar nicht nur eine Recht­schreib-, son­dern auch eine Stil­prü­fung.

  3. Es ist zum Wei­nen Das so ein krea­ti­ves, tol­les Lied wie Y asi von der voten­den Mas­se völ­lig igno­riert wird, dafür aber ein maze­do­ni­sches Mamasöhn­chen mit einem abso­lut bil­li­gem 08/15-Stück­chen gera­de noch so in die Top 10 rutscht, das schmerzt doch schon sehr. Glück­li­cher­wei­se hat das Fina­le gezeigt, wie unnö­tig Herr Vukic und sein belang­lo­ses Macho-Stück wirk­lich war.

  4. Die Öster­rei­cher sen­den meist nur Schrott zum ESC. Hier hat­ten sie end­lich mal einen ham­mer­mä­ßi­gen Song und durf­ten nicht ins Fina­le, aber Mamas Tank­stel­len­boy durf­te. So grau­sam kann der Wett­be­werb sein. Wenigs­tens ist auch die weiß­rus­si­sche Mil­lio­närs­gat­tin raus­ge­flo­gen, da jault mei­ne Kat­ze schö­ner.

  5. ^^ Zuerst Deutsch ler­nen dann auf­müp­fig wer­den. Make my da war der letz­te Schrott vllt. soll­test du das ein­se­hen?

Oder was denkst Du?