ESC Fina­le 2006: Hard Rock? Hal­le­lu­jah!

Logo des Eurovision Song Contest 2006 (Semifinale)
Das Jahr der Mons­ter­ro­cker

Dass ich das noch erle­ben durf­te: die Fin­nen gewin­nen! Athen warf ein bis dato unum­stöß­li­ches Grand-Prix-Gesetz über den Hau­fen. Was kommt als nächs­tes? Ein Sieg Por­tu­gals? Andor­ra im Fina­le? Eine ost­eu­ro­päi­sche Sän­ge­rin, deren Rock die Scham bedeckt? Man darf gespannt sein! Die meis­tens Fans in der Athe­ner Olym­pia­hal­le reagier­ten geschockt, als der Sieg der Mons­ter­ro­cker sich abzeich­ne­te. Nur weni­ge zeig­ten sich (wie ich) begeis­tert, unter­stütz­ten jede Zwölf-Punk­te-Wer­tung für Lor­di mit einem spon­ta­nen “Lap­po­nia”-Gesang oder rock­ten bei der Sie­ger­re­pri­se auf dem Stuhl ste­hend mit.

Dabei ist ‘Hard Rock Hal­le­lu­jah’ unter der harm­los-alber­nen Mons­ter­mas­kie­rung ein ech­ter Gute-Lau­ne-Schla­ger, zu dem man herr­lich head­ban­gen, her­um­hüp­fen, mit­grö­len und abfei­ern kann. Ein­mal aus vol­lem Her­zen mit ver­zerr­ter Stim­me “Hard! Rock! Hal­le­lu­jah!” gebrüllt: danach sind zwar die Stimm­bän­der hin, aber es befreit! Fan­den wohl auch vie­le Deut­sche, denn bei uns schaff­te es die Sin­gle auf Rang 5 in den Ver­kaufs­charts. Das Bes­te: wie die fach­kun­di­ge tages­zei­tung fest­stell­te, füg­ten Lor­di damit dem Hea­vy Metal “einen Total­scha­den” zu. Und somit einem von ten­den­zi­ell eher into­le­ran­ten Hard­core­fans besetz­ten Gen­re, das bis­her für Homos eben­so eine No-Go-Area dar­stell­te wie das Fuß­ball­sta­di­on. Seit dem Grand-Prix-Sieg, ver­ur­sacht ver­mut­lich von euro­pa­weit anru­fen­den Hard­rock­fans, ist er Teil des “euro­pa­wei­ten Tun­ten­lauf­stegs”. Ist das nicht super?


Die tun doch nix, die wol­len nur spie­len: Lor­di (FI)

Schwer ent­täu­schend hin­ge­gen das Abschnei­den der Ham­bur­ger Coun­try­hel­den Texas Light­ning. Obschon mir Fans aus ganz Euro­pa in Athen unauf­ge­for­dert bestä­tig­ten, dass ‘No no never’ das wohl schöns­te deut­sche Lied seit lan­ger Zeit sei: mehr will ich doch gar nicht! Einem gerech­ten Ergeb­nis im vor­de­ren Tabel­len­drit­tel stand der ungüns­ti­ge Start­platz in der super­drö­gen ers­ten Hälf­te und das unüber­seh­ba­re Block­vo­ting ent­ge­gen. Wie ver­mut­lich auch die Zuschau­er zuhau­se übten wir uns in Athen im Vor­her­sa­gen der Höchst­wer­tun­gen – und lagen immer rich­tig! Han­del­te die EBU also kor­rekt, als sie 2009 die Jurys zurück­hol­te? Abso­lut nicht! Man muss sich nur die Ergeb­nis­se frü­he­rer Jahr­gän­ge anschau­en, um fest­zu­stel­len, dass Jurys alle­samt noch kor­rup­ter ent­schei­den. Mit dem Tele­vo­ting exis­tiert dage­gen ein Ver­bund von Län­dern, die auf­grund ihrer geo­gra­fi­schen oder kul­tu­rel­len Zuge­hö­rig­keit Basis­punk­te sam­meln und das obe­re Mit­tel­feld blo­ckie­ren. Um zu sie­gen, muss man jedoch in allen über 40 Län­dern ankom­men. Alles ande­re lan­det, wenn es gut ist, im unte­ren Mit­tel­feld (wie Deutsch­land in die­sem Jahr) und wenn es schlecht ist, am Ende der Tabel­le. Da hilft nur, einen Bei­trag zu sen­den, der sowohl musi­ka­lisch wie auch als Show durch Ori­gi­na­li­tät und Ein­gän­gig­keit über­zeugt. Dass, ent­ge­gen mei­ner dies­be­züg­li­chen Zwei­fel, selbst Deutsch­land das fer­tig brin­gen kann, bewies die tol­le Lena Mey­er-Land­rut (die übri­gens auch mit rei­nem Tele­vo­ting gewon­nen hät­te) dann im Jah­re 2010.


Brigh­ter than a twin­k­lin’ Star: Jane Comerford & Texas Light­ning. Ihr wart toll! (DE)

Immer­hin für die ers­ten drei Minu­ten des Fina­les herrsch­te hei­le Welt für Grand-Prix-Nost­al­gi­ker alter Prä­gung. Die Schweiz eröff­ne­te mit einem pathe­ti­schen Welt­frie­dens­schla­ger mit Anlei­hen an ‘We are the World’ (USA for Afri­ca), wie nur Ralph Sie­gel ihn kom­po­nie­ren kann. Aller­dings benö­tigt solch ein baro­ckes Kitsch­stück wie ‘If we all give a litt­le’ zwin­gend eine kit­schi­ge Cho­reo­gra­fie und kit­schi­ge Kos­tü­me: bei­des fehl­te. Sie­gels durch­sich­ti­ge Abgreifstra­te­gie (Six4One = sechs Sän­ger aus sechs Län­dern = 6 mal 12 Punk­te für Mr. Grand Prix) ging indes nicht auf. In der Hal­le kam nur Stim­mung auf, wenn Keith Camil­le­ri an der Rei­he war: die ein­zi­gen Pünkt­chen kamen dann auch aus Mal­ta. Wel­che Strafe1)Im Vor­feld kur­sier­ten im Inter­net Gerüch­te, es exis­tie­re von ihm ein Ein­trag auf einer schwu­len SM-Sei­te, wo er als Skla­ve eines ande­ren Mit­glieds von O-Zone prä­sen­tiert wurde. den Mol­da­wi­er Arse­ni­um nach sei­nem desas­trö­sen Abschnei­den wohl zu Hau­se in Ams­ter­dam erwar­tet? Ver­dient hat er jeden­falls eine: für sei­ne Mit­glied­schaft bei O-Zone und sei­ne Betei­lung an ‘Dra­go­s­tea din tei’, der Som­mer­pest von 2004; aber erst recht für die unsäg­li­che Dar­bie­tung von ‘Loca’. Ein rol­len­der Rap­per, ein­falls­lo­ser Billig-Danceschrott2)Bizarrerweise gehör­te ‘Loca’ zu einem Quar­tett nach­träg­lich nomi­nier­ter Titel: im eigent­li­chen Fina­le der mol­da­wi­schen Vor­ent­schei­dung schnit­ten punkt­gleich gleich drei Songs als Sie­ger ab. Da es kein Ver­fah­ren für die­se Situa­ti­on gab, orga­ni­sier­te man einen wei­te­ren Vor­ent­scheid, an dem jedoch nur noch einer der drei ursprüng­li­chen Gewin­ner teil­nahm, der lang­haa­ri­ge Serj Kuzen­coff mit ‘Made in Mol­d­o­va’ näm­lich. Um das Feld auf­zu­fül­len, schob Tele­ra­dio Mol­d­o­va noch vier bis­lang nicht am Vor­ent­scheid betei­lig­te Kon­kur­ren­ten nach, einer davon Arse­ni­um. Der patrio­ti­sche Serj muss­te sich mit Rang 2 begnügen. vom Grab­bel­tisch, ver­pass­te Ein­sät­ze, mise­ra­ble Stim­men: Gott, war das schlecht! Lus­tig nur die Text­zei­le “I’ll give you my Cho­co”: das Fer­kel!


They give Gut­men­schen­tum a bad Name: Six4One (CH)

Lett­lands Cos­mos irri­tier­ten: sechs jugend­li­che Kas­tra­ten schau­kel­ten sich durch eine Acap­pel­la-Num­mer, deren kurio­ser Reiz bereits nach 30 Sekun­den ver­flog und die dann nur noch nerv­te. Was die Ein­la­ge mit dem Metall­männ­chen soll­te? Die Pfle­ger in der geschlos­se­nen Abtei­lung in Riga wer­den es schon wis­sen! Beim nor­we­gi­schen ‘Alve­dan­sen’ kam in der Athe­ner Hal­le zum ers­ten Mal ernst zu neh­men­der Applaus auf. Lei­der: die­sen ewig­gest­ri­gen Kel­ten­klang fand ich 1995 schon uner­träg­lich. Gut, dass sich die­ser Enya-Sound, die Musik der Land­be­völ­ke­rung, im Tele­vo­ting nicht durch­setz­te. Nach der Kopie vom Vor­jahr schick­te TVE dies­mal das Ori­gi­nal: Las Ketch­up, berüch­tigt für den euro­pa­wei­ten 2002er Som­mer­hit ‘Asere­jé’. Durch spon­ta­ne Zell­tei­lung von drei auf vier Schwes­tern ange­wach­sen, prä­sen­tier­ten sie mit der Alko­hol­wer­bung ‘Un Blo­dyma­ry’ die idea­le, ent­spann­te Hin­ter­grund­mu­sik für die blaue Stun­de an einem lau­en Som­mer­abend auf der Veran­da oder in der Cock­tail­bar. Ent­spannt agier­ten auch die ein­heit­lich ibe­risch-rot ange­zo­ge­nen Muñoz-Vier­lin­ge: sie tum­mel­ten sich auf (aller­dings etwas schä­big aus­se­hen­den) Büro­stüh­len. Wie unpas­send: Strand­lie­gen wären “pluscu­am­per­fec­to” gewe­sen! Es reich­te nur für einen Platz im unte­ren Tabel­len­sechs­tel: Spa­ni­en gehört wohl ein­fach zu den am meis­ten miss­ver­stan­de­nen Län­dern beim Grand Prix.


Mit einem Cock­tail in der Hand wär’s glaub­wür­di­ger gewe­sen: Las Ketch­up (ES)

Dass man auch im Seich­ten ersau­fen kann, bewies das 2001er Mon­chi­chi Fabri­zio Fani­el­lo mit sei­nem lah­men Abklatsch von Fames ‘Give me your Love’ (SE 2003 und im Ori­gi­nal schon ster­bens­lang­wei­lig). Lus­tig: Mal­tas Gna­den­punkt aus Alba­ni­en, die kos­mi­sche Wie­der­gut­ma­chung für 19953)1995 gab Mal­ta – als ein­zi­ges Land – einen ein­zi­gen Punkt an Deutsch­land (Stone & Stone, ‘Ver­liebt in Dich’).. Pech für Texas Light­ning, dass der däni­sche Coun­try-‘Twist of Love’ direkt nach uns kam. Zwei­mal klas­si­sche ame­ri­ka­ni­sche Volks­mu­sik am Stück: das wirk­te sich auf bei­de Bei­trä­ge punk­te­min­dernd aus, auf das groß­ar­ti­ge ‘No no never’ lei­der genau so wie auf die öde Musik­lei­che von Sid­sel Ben Sema­ne. Sehr auf­merk­sam dage­gen von Por­no-Bilan, auf der Büh­ne in Athen das glei­che sexy Fern­fah­rer-Unter­hemd zu tra­gen wie schon im Video­clip zu ‘Never let you go’! Amü­san­ter­wei­se num­me­rier­te er sei­ne Unter­wä­sche durch (und ja, er wech­sel­te die Hem­den). Ein biss­chen über­ak­tiv agier­te der rus­si­sche Super­star zwar. Und was die Frau im Kla­vier soll­te, kann sich auch nie­mand erklä­ren. Aber wen inter­es­siert das schon: der Song war klas­se, und Dima einer der weni­gen Män­ner, an denen auch eine klas­si­sche Fuß­bal­ler­fri­sur gut aus­sah! Im Nach­hin­ein scha­de, dass er nicht schon mit die­ser Num­mer gewann, son­dern erst zwei Jah­re spä­ter mit dem furcht­ba­ren ‘Belie­ve’, dann schon vom Dro­gen­dau­er­kon­sum gezeich­net.


10 Inches? Das glaubst Du doch wohl selbst nicht, Dima! (RU)

Wo wir schon bei Her­ren­fri­su­ren sind: wirk­lich schlimm anzu­schau­en waren die Sauer­kraut­lo­cken des stimm­ge­wal­ti­gen Mihai Trăis­ta­riu, der es bei der fünf­ten Teil­nah­me am rumä­ni­schen Vor­ent­scheid end­lich bis zum Euro­vi­si­on Song Con­test gebracht hat­te – dies­mal sogar gegen einen von Die­ter Boh­len (!) geschrie­be­nen Titel: ‘Be my Boy­fri­end’ des Zwil­lings­du­os Indig­go, deren Mut­ter wegen angeb­li­cher Schie­bung einen rie­si­gen Auf­riss ver­an­stal­te­te und wäh­rend einer TV-Dis­kus­si­on aus dem Stu­dio stürm­te. Mihais fabel­haf­ter, in einem Sprach­mix aus eng­li­schen Stro­phen und ita­lie­ni­schem (!) Refrain vor­ge­tra­ge­ner Vocal-House-Hit ‘Tor­nerò’ brach­te die Hal­le zum Aus­ras­ten: Euro­dance von gewohnt hoher rumä­ni­scher Güte, und sogar ohne den Nerv­fak­tor von O-Zone. “Golube, moj Golube” (“Tau­be, mei­ne Tau­be”): was benei­de ich die Bos­ni­er, die unge­straft so herr­lich schwüls­tig-kit­schi­ge Tex­te sin­gen dür­fen! ‘Lej­la’ weckt bei mir sehn­süch­ti­ge Erin­ne­run­gen an die gro­ße Alex­an­dra und ähn­lich wun­der­voll melan­cho­li­sche Oden an die uner­füll­te Lie­be wie ‘Ja lub­lju teb­já’. Zum Ster­ben schön – dan­ke, Hari Mata Hari!


Das Land heißt nicht umsonst ROMâ­nia!

Ein dickes Pfui hin­ge­gen an LT United! Hier tob­te mal wie­der ein Krieg der Kul­tu­ren: ‘We are the Win­ners’ war ein kla­rer Fall von “Die gegen uns” – eine Ver­schwö­rung hete­ro­se­xu­el­ler Fuß­ball­fans und Grand-Prix-Has­ser. Denn nur die­se konn­ten sich einen sol­cher­art sta­di­onop­ti­mier­ten, aus­schließ­lich aus gegröl­tem Refrain bestehen­den Scheiß aus­den­ken – und nur so wel­che konn­ten solch einen Scheiß auch noch ins Fina­le wäh­len! So jeden­falls das ein­mü­ti­ge Emp­fin­den der schwu­len Fans vor Ort nach dem Erfolg der Litau­er im Semi. Das hat­te zur Fol­ge, dass LT United fort­an bei jedem Auf­tritt gna­den­los Pfif­fe kas­sier­ten. Die teil­wei­se durch­aus schmuck anzu­schau­en­den Her­ren nah­men es mit stoi­schem Gleich­mut hin. Gro­tes­ker Höhe­punkt des Homo-Has­ses: bei der Punk­te­ver­ga­be wur­de sogar die litaui­sche TV-Ansa­ge­rin aus­ge­buht – obwohl die gar nichts für den Erfolg der bal­ti­schen Grand-Prix-Par­odie konn­te. An die­ser Stel­le schäm­te ich mich ein wenig für mei­ne Mit­schwes­tern, auch wenn ich ihren ästhe­ti­schen Zorn teil­te.


Van Halen rie­fen gera­de an und wol­len ihren Song (‘Jump’) zurück! (LT)

Einen neu­en Tief­punkt in sei­ner Grand-Prix-His­to­rie lie­fer­te Groß­bri­tan­ni­en mit dem fremd­schäm­pein­li­chen ‘Teena­ge Life’ ab: der als Pro­du­zent bil­li­ger Cover­ver­sio­nen von Sieb­zi­ger­jah­re-Hits im Euro­dance-Stampfsound bekannt gewor­de­ne Daz Sam­pson ver­such­te sich an Hip-Hop, beglei­tet von Back­ground­sän­ge­rin­nen im Schul­mäd­chenout­fit. Das wirk­te in etwa so authen­tisch wie eine Bear­bei­tung von AC/DCs ‘High­way to Hell’ durch die Trup­pe der US-Serie Glee. Trotz der berech­tig­ten Punkte­klat­sche konn­te er im Hei­mat­land mit der unaus­ge­go­re­nen Num­mer einen Top-Ten-Hit lan­den – ver­steh’ einer die Bri­ten! Oder die Grie­chen: 17.000 Euro soll das Jean-Paul-Gaul­tier-Kleid gekos­tet haben, das die gott­gleich ver­ehr­te Anna Vis­si (GR 1980, CY 1982) trug. Dabei bekommt man ähn­lich furcht­ba­re Folk­lo­rel­ap­pen auch schon für 17 Euro bei Tak­ko! Und anstatt sich, wie noch bei der Kame­ra­pro­be, hoch­dra­ma­tisch in den wabern­den Tro­cken­eis­ne­bel zu wer­fen, der das häss­li­che Tex­til wenigs­tens gnä­dig bedeckt hät­te, lief beim Final­auf­tritt die Wind­ma­schi­ne auf Stu­fe Caro­la 8 und blies den fra­gi­len Sicht­schutz auch noch weg. Beein­dru­ckend die grie­chi­sche Fan-Hys­te­rie: so einen Jubel habe ich noch nicht mal bei Madon­na-Kon­zer­ten erlebt. In Athen rech­ne­te man ernst­haft mit einem Dop­pel­sieg.


“Ever­yffing for you”: die gro­ße Rock­röh­re Anna Vis­si (GR)

Erst hat­te sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu: die 26jährige Fri­seu­rin Vir­gi­nie Pouchain war bei einer Cas­ting­show des fran­zö­si­schen Fern­se­hens aus­ge­sucht wor­den, die Tri­ko­lo­re in Athen zu ver­tre­ten. Lei­der kam sie mit dem bereits im Vor­aus fest­ste­hen­den Song ‘Vous, c’est nous’ über­haupt nicht zurecht, und so schick­te man sie mit einer in letz­ter Sekun­de mit der hei­ßen Nadel gestrick­ten (um so iro­ni­scher der Song­ti­tel ‘Il était Temps’), mage­ren Ersatz­bal­la­de zum Con­test, von wel­cher sich sogar der Kom­po­nist im Vor­feld distan­zier­te. Hier muss­te sie im direk­ten Anschluss an einen Drei­er­block von Top-Favo­ri­ten (Anna Vis­si, Lor­di, Tina Karol – ihre Bespre­chung im Semi) auf die Büh­ne. Nach neun Minu­ten Hoch­leis­tungs-Hoch­en­er­gie-Spek­ta­kel am Stück setz­te die ver­schüch­ter­te, uner­fah­re­ne Fran­zö­sin den musi­ka­li­schen wie per­for­ma­to­ri­schen Kon­tra­punkt und brach­te die bro­deln­de Stim­mung in der Olym­pia­hal­le inner­halb von Sekun­den ganz nach unten. Erstaun­lich nur, dass sie nicht Aller­letz­te wur­de.


Bei 2:00 Min: die Han­do­gra­phy ist doch von Jane Comerford geklaut! (HR)

Und scha­de, dass sie nicht Ers­te wur­de: Seve­r­i­na Vuč­ko­vić. Eine auf­re­gend schö­ne, ver­rucht wir­ken­de Frau mit hyp­no­ti­scher Aus­strah­lung (ob die­se Lip­pen echt waren?) und einer auf­re­gen­den, leicht ver­rauch­ten Stim­me. ‘Moja Štick­la’ hat­te alles: eine schrä­ge, eth­no­las­ti­ge Instru­men­tie­rung. Einen sofort mit­sing­ba­ren Refrain. Unglaub­li­che Text­spreng­sel wie “Risi Bisi, einen grö­ße­ren Topf / Rote Bete, Rote Bete / Afri­ka Papri­ka”. Ein Song­the­ma, das die Drag-Queen in uns allen anspricht: es ging um ihre Stö­ckel­schu­he! Kul­ti­ger Bal­kan-Zau­ber, auch wenn die Teil­nah­me von “Seve Nacio­na­le” am Grand Prix in Kroa­ti­en durch­aus umstrit­ten war. Zähl­te die Sän­ge­rin doch zu den Ver­tre­te­rin­nen des wenig ange­se­he­nen jugo­sla­wi­schen Tur­bo-Folk, einer oft­mals mit plat­ten por­no­gra­fi­schen Tex­ten und Vide­os auf­fal­len­den Stil­rich­tung, die Volks­mu­sik und Schla­ger mit moder­nem Dance und Hip-Hop misch­te. Und die für mei­nen Geschmack ger­ne öfters beim Euro­vi­si­on Song Con­test ver­tre­ten sein dürf­te!


Eine klei­ne OP, und er wäre eine Les­be mit Gitar­re: Bri­an Ken­ne­dy (IE)

Irgend­wie pas­send: ein beken­nend bise­xu­el­ler Nord­ire sang den ein­tau­sends­ten Bei­trag beim Euro­vi­si­on Song Con­test: das selbst ver­fass­te, etwas win­se­li­ge ‘Every Song is a Cry for Love’. Bri­an Ken­ne­dy hat­te in den Neun­zi­gern im Hei­mat­land und Groß­bri­tan­ni­en bereits ein paar Hits. Vor sei­nem Kurz­zeit­come­back war er als Musi­cal­dar­stel­ler (natür­lich: ‘River­dance’) und Back­ground­sän­ger tätig. Neben dem sta­tis­ti­schen Ereig­nis bleibt er für sei­nen schlim­men Mit­tel­schei­tel in Erin­ne­rung. Anders als die umstrit­te­ne, Grand-Prix-Fans in zwei Lager teilende4)Für die einen ist sie wegen ihrer Mit­glied­schaft in einer homo­pho­ben christ­li­chen Sek­te ein Feind­bild, ande­re emp­fin­den sie und ihre drei klas­si­schen Schwe­den­schla­ger als die Quint­essenz des Grand Prix. Schwe­din Caro­la Hägg­kvist (SE 1983, 1991). In Athen prä­sen­tier­te sie sich als das per­so­ni­fi­zier­te Nichts, die fleisch­ge­wor­de­ne Inhalts­lee­re; vor­treff­lich visua­li­siert durch den Auf­marsch ihrer Chor­gar­de, die unbe­druck­te Glanz­stoff­fah­nen schwang. Kei­ne Nati­on, kei­ne Par­tei, kei­ne Idee ließ sich da mehr zuord­nen – nur der unbe­ding­te Wil­le zum deko­ra­ti­ven Dabei­sein. Und selbst die­se Idee ist geklaut: Dead or Ali­ve schwan­gen schon 1983 zu ‘You spin me ‘round’ pas­tell­far­be­ne Stoff­bah­nen. Den Rest ihrer Show stahl die Schwe­din bei sich selbst: in einem blau-silb­ri­gen Flat­ter­lap­pen stand sie im mas­si­ven Sturm­wind der schon seit ‘Fångad av en Storm­vind’ (1991) woh­ler­prob­ten Wind­ma­schi­ne und nöl­te mit hei­se­rer Stim­me ihren seich­ten Schwe­den­schla­ger. Gähn.


Viel Wind um Nichts: Caro­la (SE)

Was bleibt noch von Athen? Eine spek­ta­ku­lä­re Eröff­nungs­show mit flie­gen­den Ath­le­ten und wun­der­schö­nen The­men­bal­let­ten; eine unter­ir­di­sche Mode­ra­ti­on durch Grie­chen­gott Sakis Rou­vas (dem den­noch sicher nicht nur der hol­län­di­sche Punk­te­spre­cher Paul de Leu­uw ger­ne sei­ne Tele­fon­num­mer auf­ge­drängt hät­te!) und die Erkennt­nis, dass das Schlach­ten von Hei­lig­tü­mern wie der Punktevergabe5)Erstmals in die­sem Jahr wur­den bei der Punk­te­ver­ga­be die Zäh­ler von 1 bis 7 in Form einer Lis­te kurz gezeigt und nur noch die Punk­te 8, 10 und 12 ein­zeln ver­le­sen, was vie­le Fans als Ver­rat am Herz­stück der Sen­dung kritisierten. nicht zwangs­läu­fig der Tod der Show sein muss. Ich gebe es ungern zu, aber ich wäre vor Lan­ge­wei­le gestor­ben, hät­ten alle 39 Natio­nen ihre Wer­tun­gen kom­plett von 1 bis 12 ver­le­sen. Sowie die pene­trant natio­na­lis­ti­sche Art, in der die grie­chi­schen Medi­en sämt­li­che Teil­neh­mer und Gäs­te aus­schließ­lich nach ihrer Mei­nung zu Anna Vis­si befrag­ten und in der aus­schließ­lich die Ant­wort “Anna Vis­si ist groß­ar­tig und sie wird gewin­nen” als zuläs­sig galt.


“You look like Will & Grace”: Paul de Leu­uw ist groß­ar­tig!

Bei­spiel? Am Sonn­tag nach dem Fina­le bat man im Athe­ner Früh­stücks­fern­se­hen eine sicht­lich geknick­te Sibel Tüzün (TR) um einen Kom­men­tar zum Ergeb­nis. In der selbst­ver­ständ­li­chen Annah­me, es gehe um ihren eige­nen unglück­li­chen elf­ten Platz, woll­te sie ihrer Ent­täu­schung Aus­druck ver­lei­hen, es nicht in die Top Ten geschafft und damit der Tür­kei einen Final­platz für 2007 gesi­chert zu haben. Wor­auf­hin sie der Mode­ra­tor rüde anblaff­te: “Nein, nicht Ihr Ergeb­nis, das von ANNA!” Man stel­le sich die diplo­ma­ti­schen Kon­se­quen­zen vor, wenn ein deut­scher TV-Gast­ge­ber sich Ver­gleich­ba­res erlaub­te!

Euro­vi­si­on Song Con­test 2006

Euro­vi­si­on Song Con­test Fina­le. Sams­tag, 20. Mai 2006, aus der Olym­pic Indoor Hal­le in Athen, Grie­chen­land. 24 Teil­neh­mer­län­der. Mode­ra­ti­on: Sakis Rou­vas und Maria Menou­nos.
#LandInter­pretTitelPunk­tePlatz
01CHSix4OneIf we all give a litt­le03017
02MDArse­ni­um + Nata­lia Gor­di­en­ko + Con­nect-RLoca02220
03ILEddie But­lerTog­e­ther we are One00423
04LVCos­mosI hear your Heart03016
05NOChris­ti­ne Guld­brand­senAlve­dan­sen03614
06ESLas Ketch­upUn Blo­dyma­ry01821
07MTFabri­zio Fani­el­loI do00124
08DETexas Light­ningNo no never03615
09DKSid­sel Ben Sem­ma­neTwist of Love02618
10RUDima BilanNever let you go24802
11MKEle­na Ris­tes­kaNin­ana­j­na05612
12ROMihai Trăis­ta­riuTor­nerò17204
13BAHari Mata HariLej­la22903
14LTLT UnitedWe are the Win­ners16206
15UKDaz Sam­psonTeena­ge Life02519
16GRAnna Vis­siEvery­thing12809
17FILor­diHard Rock Hal­le­lu­jah29201
18UATina KarolShow me your Love14507
19FRVir­gi­nie PouchainIl était Temps00522
20HRSeve­r­i­na Vuč­ko­vićMoja štik­la05613
21IEBryan Ken­ne­dyEvery Song is a Cry for Love09310
22SECaro­la Hägg­kvistInvin­ci­ble17005
23TRSibel TüzünSüper Star09111
24AMAndré Hov­nan­yanWit­hout you12908

ESC Semi 2006: I’ll fuck­ing win

DVE 2007: Du machst Dich lächer­lich →

Fußnote(n)   [ + ]

1. Im Vor­feld kur­sier­ten im Inter­net Gerüch­te, es exis­tie­re von ihm ein Ein­trag auf einer schwu­len SM-Sei­te, wo er als Skla­ve eines ande­ren Mit­glieds von O-Zone prä­sen­tiert wurde.
2. Bizarrerweise gehör­te ‘Loca’ zu einem Quar­tett nach­träg­lich nomi­nier­ter Titel: im eigent­li­chen Fina­le der mol­da­wi­schen Vor­ent­schei­dung schnit­ten punkt­gleich gleich drei Songs als Sie­ger ab. Da es kein Ver­fah­ren für die­se Situa­ti­on gab, orga­ni­sier­te man einen wei­te­ren Vor­ent­scheid, an dem jedoch nur noch einer der drei ursprüng­li­chen Gewin­ner teil­nahm, der lang­haa­ri­ge Serj Kuzen­coff mit ‘Made in Mol­d­o­va’ näm­lich. Um das Feld auf­zu­fül­len, schob Tele­ra­dio Mol­d­o­va noch vier bis­lang nicht am Vor­ent­scheid betei­lig­te Kon­kur­ren­ten nach, einer davon Arse­ni­um. Der patrio­ti­sche Serj muss­te sich mit Rang 2 begnügen.
3. 1995 gab Mal­ta – als ein­zi­ges Land – einen ein­zi­gen Punkt an Deutsch­land (Stone & Stone, ‘Ver­liebt in Dich’).
4. Für die einen ist sie wegen ihrer Mit­glied­schaft in einer homo­pho­ben christ­li­chen Sek­te ein Feind­bild, ande­re emp­fin­den sie und ihre drei klas­si­schen Schwe­den­schla­ger als die Quint­essenz des Grand Prix.
5. Erstmals in die­sem Jahr wur­den bei der Punk­te­ver­ga­be die Zäh­ler von 1 bis 7 in Form einer Lis­te kurz gezeigt und nur noch die Punk­te 8, 10 und 12 ein­zeln ver­le­sen, was vie­le Fans als Ver­rat am Herz­stück der Sen­dung kritisierten.

28 Gedanken zu “<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2006: Hard Rock? Hal­le­lu­jah!”

  1. LT United und Texas Light­ning / Go, go, Finn­land! Ich glau­be, die waren ernst­haft froh, dass sie Mas­ken anhat­ten – so konn­te kei­ner die ungläu­big-dum­men Gesich­ter dar­un­ter sehen 🙂 LT United: Ja nee, is klar – es ist natür­lich nicht erlaubt, sich über den ESC lus­tig zu machen, was? Die Klin­ge ‘Humor­lo­sig­keit’ ist offen­bar zwei­schnei­dig. Zuge­ge­ben, son­der­lich inspi­riert war das nicht, aber ich für mei­nen Teil fand das lus­tig. So. Man stei­ni­ge mich jetzt. Und Texas Light­nings Pla­zie­rung bedarf kaum eines Kom­men­tars. Das Lied soll schlech­ter gewe­sen sein als ‘Nin­ana­j­na’ und ‘Süper­star’? Ich glau­be nicht, Tim. Dan­ke an Lor­di übri­gens, dass Dima 2006 noch erfolg­reich ver­hin­dert wur­de. Zwei Jah­re spä­ter war das lei­der nicht mehr mög­lich.

  2. Na end­lich! Es wur­de auch wirk­lich höchs­te Zeit, dass den Dis­co-Schnitt­chen ein Ende gesetzt wur­de. Aller­dings waren die Top 5 wohl zukunfts­wei­send für den ESC. Dima hat es 2008 geschafft, die tief­trau­ri­ge Bal­kan-Bal­la­de 2007. Müs­sen wir also bald mit einem altern­den Diva-Dra­ma oder rum­brül­len­den Rumä­nen rech­nen?

  3. Geschmack Aus­ge­hend vom Text zu LT United und den Pfif­fen in der Hal­le muß ich also anneh­men, daß im Publi­kum nur humor­lo­se Schwu­le saßen? Kann ich mir eigent­lich nicht vor­stel­len. Ich fand den Song klas­se, ein lus­ti­ger Text einer gestan­de­nen Boy­band, deren Mit­glie­der sogar sin­gen konn­ten (nicht so wie Kreis­ra­dio 2008). Die Band hat ja auch im Vor­feld immer wie­der betont, es sei ein Spaß­song für alle Teil­neh­mer, egal wer gewinnt. Auch beim Auf­tritt war von Arro­ganz kei­ne Spur, des­halb ver­ste­he ich die Pfif­fe bis heu­te nicht. Seve­r­i­na Vuck­ovic fand ich vor allem wegen der Ori­gi­nal­spra­che spit­zen­mä­ßig, end­lich mal kein mise­ra­bles Eng­lisch. Und was ihr ‘Pri­vat­vi­deo’ angeht, ähn­li­ches wür­de ich mir von eini­gen ande­ren Teil­neh­me­rin­nen auch wün­schen, die sicher bes­ser stöh­nen als sin­gen kön­nen. Wie z.B. die mol­da­wi­sche Strand­nut­te Nata­lia Gor­di­en­ko oder Vir­gi­nie Pouchain, sie traf kaum einen Ton. Eine abso­lu­te Schan­de für Frank­reich. Anna Vis­si dage­gen konn­te sin­gen, aber der Song war ein­fach öde. Der von Sibel Tüzün war bes­ser. Für die Fin­nen habe ich mich am Ende sehr gefreut, auch wenn ich sie nicht gewählt habe. Sie hat­ten es trotz­dem ver­dient.

  4. (Six4One = sechs Sän­ger aus sechs Län­dern = 6 mal 12 Punk­te für Mr. Grand Prix)

    Naja, der Mar­co Mati­as, der mit dabei war, ist ein in Deutsch­land leben­der Por­tu­gie­se. Daher waren streng genom­men sie­ben Natio­nen ver­tre­ten. Wobei aber eine der Auf­ge­tre­te­nen, die Sän­ge­rin Clau­dia D’Addio, Schwei­ze­rin war. Viel­leicht woll­te man da noch so etwas wie einen Schweiz-Bezug erhal­ten.

    Die Nicht-Schwei­zer kamen aus Schwe­den, Bos­ni­en, Mal­ta, Deutsch­land und Isra­el, wobei der Sän­ger aus Deutsch­land wie erwähnt sei­ne Wur­zeln in Por­tu­gal hat.
    Von den sechs Län­dern ver­ga­ben vier – Bos­ni­en, Mal­ta, Isra­el und Por­tu­gal – Punk­te an die Schweiz.
    Nur Mal­ta gab 12 Punk­te. Bos­ni­en und Isra­el ver­ga­ben jeweils vier Punk­te; aus Por­tu­gal kam nur ein Zäh­ler. Schön, dass Sie­gels Rech­nung nicht auf­ging.

    Dar­über hin­aus gab es noch drei Punk­te aus Zypern und sechs Punk­te aus Mona­co. Macht ins­ge­samt 30 Punk­te für Sie­gel und Platz 16.
    Die Leu­te stan­den halt eher auf “Hard Rock Hal­le­lu­jah”.

  5. War schon etwas ganz beson­de­res, der Sieg von Lor­di. Da kann man von Glück reden dass es damals kei­ne Juries gab, die hät­ten das womög­lich zu ver­hin­dern gewusst!
    Aber ich mei­ne auch Lor­dis Sieg – der ja schein­bar durch eine flei­ßi­ge Fan­ge­mein­de in ganz Euro­pa (und deren Ver­net­zung im Inter­net) erst mög­lich wur­de – hat der Rock­mu­sik beim ESC nicht ent­schei­dend wei­ter­ge­hol­fen. Die Bilanz der Rock­ti­tel in den Jah­ren danach (soweit ich mich ent­sin­nen kann, daher kein Anspruch auf Voll­stän­dig­keit):

    2007: Anony­mous (Punk­band aus Andor­ra) – im Halb­fi­na­le aus­ge­schie­den

    2009: Sinéad Mul­vey & Black Dai­sy (Pop-Rock-Sän­ge­rin aus Irland) – im Halb­fi­na­le aus­ge­schie­den

    2010: MaN­ga (Alter­na­ti­ve-Rock­band aus der Tür­kei) – Zwei­ter

    2011: Yük­sek Sada­kat (Rock­band aus der Tür­kei) – im Halb­fi­na­le aus­ge­schie­den

    2011: Zdob si Zdub (Ska­band aus Mol­da­wi­en) – Zwölf­ter

    2012: Max Jason Mai (Rock­sän­ger aus der Slo­wa­kei) – sang- und klang­los im Halb­fi­na­le aus­ge­schie­den

    2012: Com­pact Dis­co (Pop-Rock­band aus Ungarn) – dritt­letz­ter Platz

    Dar­aus lässt sich – was Rock­mu­sik beim ESC angeht – für mich fol­gen­de For­mel auf­stel­len: um mit einem Rock­ti­tel gut abzu­schnei­den, muss man ent­we­der Ska mit ost­eu­ro­päi­schem Sound machen (sie­he Athena 2004 oder Zdob si Zdub 2005), oder eine brei­te Fan­ba­sis in mög­lichst ganz Euro­pa haben (sie­he Lor­di 2006 oder MaN­ga 2010).
    Die ande­ren Rock­ac­ts waren bei­lei­be nicht übel und hat­ten ja gewis­ser­ma­ßen ein Allein­stel­lungs­merk­mal im Teil­neh­mer­feld. Das spricht dafür dass sie es gegen die Ver­tre­ter klas­si­schen ESC-Gen­res Pop/Eurodance grund­sätz­lich schwer haben.

  6. Man könn­te hier noch Ter­äs­be­to­ni (FI 2008) und Kabát (CZ 2007) nen­nen – nicht, dass die die Bilanz ver­bes­sern wür­den, eher im Gegen­teil.

    Aus dem Jahr 2009 wären viel­leicht noch Petr Elfi­mov (BY) und Copy­cat (BE) zu nen­nen, aber die bei­den sind voll­kom­men ver­dient abge­raucht, eben­so wie die Lie­bes­kä­fer aus der Schweiz und die maze­do­ni­schen Rocker.

    2010 war nicht viel mehr, außer den erneut im Semi geschei­ter­ten Maze­do­ni­ern.

    2011 hat­ten wir aller­dings einen Act, der die The­se von wegen Ost­eu­ro­pa-Ska oder brei­te Fan­ba­sis wider­legt: Eld­ri­ne aus Geor­gi­en, aller­dings mit einem her­vor­ra­gen­den Start­platz und recht ein­sei­ti­gen Punk­te­quel­len – 7 Punk­ten aus San Mari­no und 2 aus Isra­el ste­hen 101 aus ost­eu­ro­päi­schen Län­dern ent­ge­gen (wenn man nicht die alten Euro­vi­si­ons­ve­te­ra­nen Grie­chen­land und Tür­kei dem “West­block” zuschlägt, dann wer­den es 16 mehr aus West­eu­ro­pa).

    2012: wie­der zurück zur “Nor­ma­li­tät” für Rock; Sin­plus (CH) im Semi zer­legt, wenn auch knapp, eben­so die Glam-Wie­der­gän­ger von Izabo (IL). Das Eva­ne­scence-Gedächt­nis­stück aus Island kam zwar ins Fina­le, ging dann dort aber unter, und auch die maze­do­ni­sche Rock­bal­la­de wur­de ein wenig unter Wert ver­kauft.

  7. Jetzt hab ich doch glatt die geor­gi­schen Lin­kin Park ver­ges­sen! Eld­ri­ne waren damals ne ech­te Über­ra­schung. Dan­ke Ospe­ro für die gan­zen Ergän­zun­gen, noch dazu gleich sehr gut ana­ly­siert! 🙂 Jetzt sind mir noch The Ark (Schwe­den) und Han­na (Finn­land) von 2007 ein­ge­fal­len, um die Lis­te wei­ter­zu­füh­ren.
    Eigent­lich muss man fast schon zwi­schen radio­taug­li­chem Pop der Mar­ke Sin­plus (und wenn man so will auch der dies­jäh­ri­gen Taka­sa) und den rich­tig rocki­gen Num­mern mit Ecken und Kan­ten unter­schei­den. Die radio­taug­li­chen Sachen schaf­fen es zeit­wei­len zumin­dest mal ins Fina­le, sie­he Com­pact Dis­co 2012. Andern­falls ent­spricht das halt zu wenig dem Main­stream, und damit auch nicht dem Geschmack das Durch­schnitts-Euro­vi­si­ons-Zuschau­ers.

  8. Grund­sätz­lich rich­tig, aber das erklärt nicht, wie Ter­äs­be­to­ni 2008 immer­hin ihr Semi über­ste­hen konn­ten. Mei­ne Theo­rie dazu ist, dass die Show zumin­dest teil­wei­se die “Feh­ler” (aus Sicht des Zuschau­ers) eines Songs aus­glei­chen kann. Teil­wei­se – nicht voll­stän­dig.

  9. Pingback: La Musica Alpina (ESC Semi 2005)
  10. Pingback: Liebe schmeckt wie Kaviar (ESC Finale 2008)

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