Drafi Deutscher: Und Eisen bricht

Am 9. Juni 2006 verstarb Drafi Deutscher im Alter von 60 Jahren in der Frankfurter Uniklinik. Deutscher gehörte zu den größten Schlagersängern und Komponisten Deutschlands. Mit dem unsterblichen Evergreen ‚Marmor, Stein und Eisen bricht‘ schrieb er sich in das kollektive Gedächtnis der Nation ein. Neben zahlreichen weiteren eigenen Hits wie ‚Nimm mich so wie ich bin‘ schrieb er auch etliche, unterschiedlich erfolgreiche Titel für andere Künstler. Darunter zwei deutsche Vorentscheidungsbeiträge: ‚Pierre der Clochard‘ für die Norwegerin Kirsti Sparboe (1970) und ‚Melodie d’Amour‘ für seine Kurzzeitehefrau Isabell Varell (1990). Beide scheiterten in der Vorauswahl.


Wenn man für Liebe bezahlen muss: bei Nino doch gerne!

Erfolgreicher war der gegen Ende der strengen Sechzigerjahre wegen eines Sittenskandals (angeblich soll er sich nackt am Fenster gezeigt haben) in die mediale Ächtung verbannte Sänger mit unter Pseudonym geschriebenen und gesungenen Titeln. 1983 schaffte er unter dem passenden Projektnamen Masquerade mit ‚Guardian Angel‘ einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland, während die von Nino de Angelo gesungene deutsche Fassung ‚Jenseits von Eden‘ Platz Zwei belegte. Auch so bekannte Hits wie Binos ‚Mama Leone‘ und ‚Belfast‘ von Boney M entstammen seiner Feder. Neben seinen Songs wird mir Drafis Sinn für Humor in guter Erinnerung bleiben. Unvergesslich ein Auftritt in der ARD-Clipshow Formel Eins, in der er über Modern Talking dergestalt ablästerte, dass die Band wohl einen „Klötisten“ beschäftige, der an den hohen Stellen mit zwei Backsteinen in der Hand an strategischer Stelle zuschlage.


You need it so badly: Drafi & C.C. Catch (mit Damenbart)

In nämlicher Sendung präsentierte Drafi übrigens seinen meiner Meinung nach besten Hit, den zusammen mit Oliver Simon als Mixed Emotions gesungenen Schundschlager ‚You want Love (Maria Maria)‘. Das süßliche musikalische Grauen im Discofoxtakt – eines der absoluten Lieblingslieder meiner (des Englischen nicht mächtigen) Mutter – wartet mit solch süffisanten Textzeilen auf wie „Hey, I can see it your Eyes, I can see it your Smile: you want Love, Babe. You need it so badly, and I need it to“. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Deutscher genau wußte, was er da textet und sich bei der Vorstellung, wie ahnungslose Hausfrauen zu solch verderbten Zeilen verzückt mitschunkeln, königlich amüsierte.

Oder was denkst Du?