Schweiz 2007: Tanz der Toten

Der Schweizer DJ Copycat Bobo bedient sich für seinen Eurovisionsbeitrag bei Michael Jacksons ‚Thriller‘ und macht daraus eine lustige Musical-Nummer. ‚Vampires are alive‘ heißt das Stück, und wie alles von René Baumann ist es ein Popzitat – in diesem Fall eben aus dem Fundus des King of Pop – aus dem Bobo wie immer harmlosen Kinderfasching macht. Im SonntagsBlick verriet DJ BoBo vorab sein Geheimrezept: „Unser Song tönt genau so, wie es im Balkan gut ankommt. Keine Romantik, nichts Herzerwärmendes, nur wuchtige Beats, stampfender Disco-Pop – das kommt in Russland, Polen und Ungarn sehr gut an.“ Und da mittlerweile drei Viertel der abstimmungsberechtigten Teilnehmerländer dort liegen, wo man im deutschsprachigen Raum den Osten verortet (die Balkanbewohner selbst begreifen sich ja eher als Mitteleuropäer, aber diese Illusion teilen sie mit den Ostdeutschen), kalkuliert der in den angesprochenen Ländern durchaus kommerziell erfolgreich gewesene schweizerische „DJ“ entsprechend.


Der schweizerische Fürst der Finsternis: DJ Bobo

Wobei, hier von bewusster Kalkulation zu sprechen, tut ihm zu viel der Ehre an: was anderes als billige Stampfbeats kann er ja ohnehin nicht. Und die kommen zwar durchaus gut an im Ostblock, werden beim Grand Prix allerdings üblicherweise von knappst geschürzten drallen Blondinen vorgetanzt – und nicht von zwergenwüchsigen, abgelutschten Tanzpiraten. Oder ist das Lied gar selbstrezitativ? Vampire leben ja bekanntlich davon, anderen das Blut auszusaugen. So wie „DJ“ Bobo anderen Künstlern (seien es Danceacts wie 2Unlimited, Mambokönige wie Perez Prado oder eben Michael Jackson) die kreativen Ideen aus den Adern saugt und in verdünnter, verharmloster Form widergibt. Kennt irgendjemand jemanden, der älter ist als neun und DJ-Bobo-Fan?

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