Echo für Ralph Siegel

Deutschlands Eurovisionsvertreter Roger Cicero und Grand-Prix-Legende Ralph Siegel wurden beim Echo 2007 ausgezeichnet. Nun erhält man ja den „Preis für das Lebenswerk“ üblicherweise dann, wenn die eigene produktive Hochphase definitiv vorbei ist (was bei Deutschlands größtem Eurovisionskomponisten schon seit zehn Jahren zutrifft) – oder, wenn zu befürchten steht, dass der Ausgezeichnete bald das Zeitliche segnen könnte. Hoffen wir mal sehr, dass Letzteres nicht zutrifft!


Aus gegebenem Anlass: unser Onkel Ralph auch mal als Sänger!

Passenderweise erhielt der Dschinghis-Khan-Erfinder gestern abend die Auszeichnung der Phonographischen Wirtschaft Deutschlands aus der Hand Nicoles, die für ihn seinen wohl wichtigsten Hit sang, ‚Ein bisschen Frieden‘, den ersten von gerade zwei Grand-Prix-Siegertiteln, die unser Land vorweisen kann. Immerhin – in der N24-Besprechung der Sendung wird Siegel „der größte Star des Abends – sorry Bono“ genannt: Siegel sei „so jemand, den erstmal viele peinlich finden, der aber tatsächlich niemand Geringeres ist als ein Grundpfeiler der deutschen Nachkriegs-Musikgeschichte“. Und das ist wahr gesprochen!


Darf natürlich hier nicht fehlen: der Fantribut an den großen Meister!

Aber auch der aktuelle Eurovisionsvertreter, Roger Cicero, erhielt einen Echo als „Bester Künstler national“ in der Kategorie Pop/Rock. Womit beim Echo naturgemäß kein Qualitätsurteil verbunden ist, sondern lediglich eine Aussage über die Verkaufszahlen. Denn darauf basiert der mit großem Pomp gefeierte Preis: es ist die jährliche Leistungsschau der kommerziell erfolgreichsten Sangeskünstler. Und so sehr man es als weiteres gutes Omen für Helsinki werten möchte, dass Herr Zitzenfroh diesen Preis vorher noch abräumte – angesichts des sukzessiven, selbstverschuldeten Niedergangs der Musikindustrie und der ständig schwindenden Verkaufszahlen des überholten Tonträgers CD mag man sich durchaus Gedanken um die Relevanz dieser Auszeichnung machen.


Nerze zu kaufen ist natürlich entschieden abzulehnen!

Gerade der Grand Prix ist für mich ein Musterbeispiel für die These, dass die Krise der Plattenfirmen selbst verschuldet ist. Als Grand-Prix-Fan will man natürlich die aktuellen Eurovisionstitel sofort haben, nachdem die jeweilige nationale Vorentscheidung durch ist (am besten schon vorher). Doch im Plattenladen – Fehlanzeige. Im Internet hingegen bekommt man die zum gewünschten Zeitpunkt – als kostenlose MP3. Wenn dann geschlagene vier Wochen nach dem letzten nationalen Finale endlich der offizielle CD-Sampler erscheint, hat man die Titel also alle schon. Der Anreiz, die CD zu kaufen, ist entsprechend gering (als aufrechter Fan macht man das natürlich trotzdem, gelle Kinder!?!). Und da sage ich: selbst schuld – wenn die Plattenfirmen nicht in der Lage sind, zeitnah legale Downloads zur Verfügung zu stellen, haben sie ihre Umsatzausfälle selbst zu verantworten. Gerade Eurovisionsfans sind ein dankbares Publikum. Wer diese Potenziale aus Verschnarchtheit nicht ausschöpft, hat den baldigen Konkurs verdient!

Oder was denkst Du?