Sechster Supersamstag: Eine Bloody Mary, bitte! (HR, LT)

So langsam geht’s auf die Zielgeraden: das früher einmal glanzvolle Eurovisionsland Kroatien hat sich für schlimmen Softrock entscheiden, Litauen folgt dem spanischen Pfad des Easy Listening.


Die Zeitansage ist spannender als das… (HR)

Okay, fangen wir der Fairness halber mal mit dem Positiven an. Dado Topic, geschätzte 105, sieht nicht nur aus wie der kroatische Keith Richards, er hat auch eine wirklich beeindruckende Reibeisenstimme. So, als gurgle er jeden Tag mehrfach mit 40 rostigen Nägeln und mehreren Flaschen Jack Daniels. Was auch das Aussehen erklären würde. Die Sängerin der Band Dragonfly sieht aus wie ein aus den Achtzigern übriggebliebenes Rockchick mit roter Damenkrawatte (das war da mal für fünf Minuten aktuell). Das passt alles hervorragend zu dem dargebotenen Softrocksong ‘Vjerujem u ljubav’, der ebenfalls knackfrisch aus den tiefsten Achtzigern stammt. Und solche Musik hasste ich damals schon inbrünstig. Rockmusik, die nicht rockt, empfinde ich persönlich in etwa genau so angenehm wie eine Komödie, die nicht lustig ist. Wie zum Beispiel die letzten Filme von Eddy Murphy. Aber eher würde ich mir ‘Big Mamas Haus’ anschauen, als mir noch einmal dieses Lied anhören zu müssen. Die neue Nummer Eins meiner Hassliederliste. Und das aus meinem ehemaligen Grand-Prix-Lieblingsland *seufz*.


Wir empfehlen hierzu einen Tall Double Shot Latte. (LT)

Der Baltenstaat beweist Tollkühnheit und entsendet erstklassiges Easy Listening. Das ging letztes Jahr für Spanien nicht besonders gut, aber anscheinend lässt man sich im Baltikum von solchen Beispielen nicht abschrecken – immerhin hat man ja auch die exrussischen Bruderstaaten als Punktereserve, so dass es schon kein letzter Platz werden wird. 4Fun verlegen die akustische Szenerie für ‘Love or leave’ von der sommerlichen Strandbar in die Wilnasche Filiale von Starbucks und liefern entspannendes Kaffeehaus-Hintergrundgedudel. Dezent gezupfte Akustik-Gitarren, sanft gestreichelte Congas, eine zurückhaltende Frauenstimme – das ist Musik, die leicht schmeckt und nicht belastet. Lustig auch: der Refrain kommt nicht, wie bei Popsongs üblich, in der ersten Minute, sondern erst nach zwei Minuten dreißig – und wird dann bis zum Schluß ohne Unterlass wiederholt. So dass wenigstens ein kleiner Spannungsbogen aufgebaut wird. Sehr schönes und völlig Contest-untaugliches Stück.

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