Isra­el 2007: Kaputt kaboom

Isra­el hat sich für einen Song mit poli­ti­schem Inhalt ent­schie­den. Die EBU wird ihn – ent­ge­gen ers­ter ent­spre­chen­der Pres­se­mel­dun­gen – vor­aus­sicht­lich den­noch nicht dis­qua­li­fi­zie­ren. ‘Push the But­ton’ heißt der Bei­trag, und das klingt ja erst mal nach einer lus­ti­gen Girl­group-Pop­num­mer. Doch weit gefehlt. Weder musi­ka­lisch (die Teapacks machen eine sehr eige­ne Form der Pop­mu­sik, die sich sämt­li­chen gän­gi­gen Ele­men­ten wie wahr­nehm­ba­rem Refrain, Melo­die oder erkenn­ba­rer Song­struk­tur ver­wei­gert; dafür arbei­ten sie mit der Quetsch­kom­mo­de) noch inhalt­lich könn­te das wei­ter ent­fernt sein. Der auf eng­lisch, fran­zö­sisch und hebrä­isch gesun­ge­ne (bzw. gespro­che­ne) Text ist eine kla­re und unmiss­ver­ständ­li­che Ansa­ge gegen den “Ter­ror von Fana­ti­kern”, im spe­zi­el­len gegen die jüngs­ten ira­ni­schen Dro­hun­gen eines Nukle­ar­kriegs gegen das Land.


But nevertheless: schön geht anders (IL)

Der Song beschreibt ziem­lich gut die Gefühls­la­ge der meis­ten Israe­lis, die wie alle ande­ren ger­ne ein­fach ihr Leben genie­ßen möch­ten, aber in stän­di­ger Angst vor Ter­ror­an­schlä­gen leben müs­sen. Beson­ders inter­es­sant wird der Text am Schluss: dort wird die Aus­sa­ge “Die drü­cken den Knopf” (gemeint ist hier wohl in Per­son der ira­ni­sche Pre­mier) in “Ich drü­cke den Knopf” ver­kehrt – die kla­re Ansa­ge, sich gegen (mus­li­mi­schen) Ter­ror auch mit mili­tä­ri­schen Mit­teln weh­ren zu wol­len. Was ja ange­sichts der Lage mensch­lich ver­ständ­lich ist – aber auch nicht gera­de als klas­si­sche Welt­frie­dens­bot­schaft durch­ge­hen dürf­te. Nun besa­gen die von der EBU auf­ge­stell­ten Regeln, dass ein­deu­tig poli­ti­sche Äuße­run­gen beim Euro­vi­si­on Song Con­test nicht zuge­las­sen sind. Ent­spre­chend hat sich bereits ein Mit­glied der EBU Refe­rence Group geäu­ßert, der sag­te: “Es ist klar, dass so eine Aus­sa­ge unpas­send für den Con­test ist.” Was unter ande­rem von der Nach­rich­ten­agen­tur AP bereits als Beleg für eine Dis­qua­li­fi­zie­rung des Bei­trags genom­men wur­de. Kobi Oz, der Haupt­sän­ger der Teapacks, sag­te in einer Stel­lung­nah­me, “wirk­li­che Kunst sorgt nun mal für Kon­tro­ver­sen” und er begrü­ße die Auf­merk­sam­keit für sei­nen Song – solan­ge der nicht am Ende dis­qua­li­fi­ziert wer­de.


Blieb eben­falls unbe­an­stan­det: Bos­ni­ens Kriegs­kla­ge (1993)

Die bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­sei­te dot­eu­ro­vi­si­on hat bei der EBU nach­ge­fragt und erhielt von dort die Aus­sa­ge, dass man über die Kon­tro­ver­se im Bil­de sei, vor dem offi­zi­el­len Annah­me­schluss Mit­te März jedoch kei­ne Ent­schei­dung tref­fen wer­de. Inof­fi­zi­ell habe man, so dot­eu­ro­vi­si­on, jedoch durch­bli­cken las­sen, dass die Chan­cen für die Teapacks gut stün­den, denn der Song kön­ne, je nach Stand­punkt des Betrach­ters, in vie­ler­lei Hin­sicht inter­pre­tiert wer­den. Nun kann man natür­lich auch mut­ma­ßen, dass eine Dis­qua­li­fi­zie­rung des Titels von den Israe­lis als Akt der Brüs­kie­rung und Ent­so­li­da­ri­sie­rung emp­fun­den wer­den dürf­te und daher schon aus poli­ti­schen Grün­den nicht durch­setz­bar ist. Was wie­der­um beweist, dass die Anti-Poli­tik-Regel beim Euro­vi­si­on Song Con­test ein­fach Quatsch ist und wie­der gestri­chen wer­den soll­te. Jeden­falls hat Isra­el so oder so einen Grund, sich unver­stan­den und von aller Welt ver­folgt zu füh­len: wird der Song dis­qua­li­fi­ziert, ohne­hin. Wird er zuge­las­sen, aber auch: denn er ist musi­ka­lisch so grau­en­haft, dass ein Schei­tern in der Vor­run­de bereits jetzt abzu­se­hen ist. Ein Teu­fels­kreis!

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