Bosnien 2007: River of no Return

Eine Ethno-Ballade aus Bosnien. Wie außergewöhnlich! Marija Šestić ist noch sehr jung, dennoch könnte ihr Beitrag klassischer nicht sein. Eine einzelne, zerbrechlich schöne Frau mit festlich aufgestecktem Haar und bodenlangem Abendkleid ganz alleine auf der Bühne (die Phalanx von Back-up-Sängerinnen für den Refrain bleibt im Hintergrund), wie sie mit sparsamen, aber dramatischen Gesten eine große Ballade vorträgt. Natürlich mit bombastischem Finale. Klingt nach, sagen wir, Frankreich in den Siebzigerjahren?


Niemand leidet so schön wie die Bosnier™

Ja, durchaus. Nur, dass ‘Rijeka bez Imena’, der ‘Fluss ohne Namen’, keine aufwallende Powerballade über Bänke, Bäume und Straßen oder Sonnenkinder ist, sondern eine dezent dramatische Balkanballade im Ethnosound. Ich hab keine Ahnung, wovon der Text handelt, aber der leicht klagende (tadellose) Gesang von Frau Šestić deutet an, dass es wohl weniger um Umweltproblematiken gehen wird – dann hieße das Stück ja auch ‘Fluss ohne Fische’ – sondern um klassisches Herzeleid. Und das kann nun mal niemand in Europa so gut wie Bosnien, das Land des Leidens. Und auch, wenn das vielleicht nicht gerade der progressivste Beitrag des diesjährigen Line-Ups ist, so bin ich den Bosniern doch sehr dankbar, dass nicht auch sie noch sich an Rockmusik versucht haben!

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