ESC Semi 2007: Wo ist Andorra?

Logo des Eurovision Song Contest 2007 (Finale)
Das Jahr der Damendarsteller

Natürlich hätte ich auf die Enttäuschung vorbereitet sein müssen. Schließlich bin ich lange genug Fan, um zu wissen, dass die fiesen, geschmacksgestörten Televoter im Semifinale immer die besten Songs aussortieren. Ganze 28 Länder traten in diesem Jahr in der Qualifikationsrunde gegeneinander an, so viele wie noch nie seit der Einführung der Semis. Lediglich zehn Slots für das Finale am Samstag gab es, aber 16 von mir favorisierte Titel, die unbedingt hätten weiterkommen müssen! Selbst unter Zuhilfenahme der Finger konnte ich mir also ausrechnen, dass ein Gutteil meiner Lieblinge auf der Strecke bleiben werden.

Auch wusste ich aus den Vorjahren, dass beim Semi in Westeuropa fast ausschließlich Immigranten zuschauen und abstimmen, weil die Sender – vor allem in den Big-Four-Ländern – es als quotenschwaches Randereignis in die Spartenkanäle abschieben. Und dennoch erwischte es mich kalt, dass von meinen sechzehn Favoriten am Ende gar nur sechs durchkamen. Als ich Donnerstagnacht die Hartwall Areena in Helsinki verließ, hätte ich vor Wut heulen können. Und stimmte angesichts der Tatsache, dass sämtliche zehn Finalisten geografisch von rechts der ehemaligen Zonengrenze stammten, in die allgemeine Wehklage über den gemeinen Ostblock mit ein, der die armen kerneuropäischen Länder rücksichtslos rausdrängte.


Natalia von Babystrich (MD): ist sie Gracia Baurs (DE 2005) verheimlichte Zwillingsschwester?

Das Lustige an der Sache: als das große Geflenne nach dem samstäglichen Finale dann zu Hause einsetzte, hatte ich mich schon längst wieder abgeregt. Und wunderte mich, wo all diese merkwürdigen, nicht nur in der Boulevardpresse („Schummel-Grand-Prix“) breitgetretenen Blockvotingtheorien auf einmal herkamen. Denn mit dem Ergebnis der Abstimmung im Finale war ich – im Gegensatz zum heutigen Semi, das aber in Deutschland niemand sah – ziemlich einverstanden. Es ist nun mal so: der Grand-Prix-Fan sieht einen völlig anderen Wettbewerb als der Durchschnittszuschauer, obwohl es sich um die selbe Show handelt.  Allerdings: gegen die Titel, die es anstelle meiner Lieblinge ins Finale schafften, hege ich noch heute einen tiefsitzenden Groll. Wer also im Semi beispielsweise für Natalia Barbu stimmte anstatt für DQ, sollte das mir gegenüber im persönlichen Gespräch besser nicht erwähnen!


Das war ein Wasser mit viel Kohlensäure: Elitsa & Stojan (BG)

Bulgarien spendierte mit ‚Water‘ den optimalen Opener. Ruslana (UA 2004) trifft Xandee (BE 2004) trifft Sistem (RU 2005). Laut, kraftvoll, peppig; mit dem richtigen Mix aus mitreißendem Percussion-Overkill, spannenden Ethnogesängen und treibenden Technobeats. Auch sehr hübsch: die Kettenkostüme von Elitsa Todorova & Stoyan Yankoulov (BG 2013), eine Mischung aus SM-Outfit und Ritterfestspielen. Nur auf Stojans ‚Din daa daa‘-artige Rapeinlage hätte ich gerne verzichtet. Ebenso übrigens wie auf die aggressive israelische Anklage. Die Teapacks brachten ein mehr als berechtigtes Anliegen vor: nämlich nicht mehr ständig die Zielscheibe für wirre Selbstmordattentäter und islamistische Regierungschefs sein zu wollen und einfach mal in Frieden gelassen zu werden. So weit, so verständlich. Musikalisch jedoch nervte das stakkatohafte Gegröle von ‚Push the Button‘ so sehr, dass ich selbst fast das Bedürfnis verspürte, den besungenen Knopf zu drücken. Was ich natürlich niemals öffentlich niederschreiben würde, denn das wäre politisch unkorrekt, historisch unsensibel (vgl. Dschinghis Khan, DE 1979) und könnte leicht zu Missverständnissen führen!


But nevertheless: Geschmacksterror ist beim ESC nichts Neues (IL)

Auch die legendäre Evridiki (CY 1992 und 1994) brachte mit ‚Comme ci, comme ça‘ ein französisch gesungenes Klagelied, wobei Muttersprachlern ob ihrer Aussprache eher die Ohren geblutet haben dürften. Sie zeigte sich deutlich unpolitischer als die Teapacks und beschwerte sich lediglich über ihren vom Alltag (oder dem fordernden Liebesspiel?) ausgelaugten Lover, der ihr nicht mehr genügend Aufmerksamkeit schenkte. Sie sah ein bisschen aus wie Nina Queer auf Speed, ein wenig verlebt aber immer noch extrem hip, was ausgesprochen gut zum Sound ihres Electro-Punk-Liedes passte. Deutlich geschmeidiger wirkte da der weißrussische James Bond. Okay, Gesang und Aussprache boten Raum zur Optimierung („Work your magic Shoe“?). Perfekt hingegen die Choreografie mit verschieb- und besteigbaren Stellwänden, Kolduns bis unter den Bauchnabel aufgeknöpftes Hemd und die kleine Kreuzigungsszene.


Wäre das Mikro ohne den abgesägten Plexiglasständer nicht einfacher zu halten gewesen? (CY)

Apropos Kreuzigung: bringt mir bitte schnell einen Holzpflock und etwas Weihwasser, dann kümmere ich mich um Eiríkur Hauksson (IS 1986, NO 1991), den isländischen Untoten des schlechten heterosexuellen Haarrocks (‚Valentine lost‘). Ich dachte, diese Musikgattung sei gemeinsam mit den Stones ausgestorben. Was, die leben auch noch? Den Holzpflock, schnell! Eine glückliche Fügung brachte mir das große Privileg, das Semi in Helsinki von der ersten Reihe aus begutachten zu können – danke an die freundlichen und kompetenten Helfer in der Halle! Bei Sopho Khalvashi (der ersten in einer seither nicht mehr abreißenden Reihe von Sängerinnen mit dem gleichen Vornamen aus dem hier debütierenden Kaukasusstaat) und ihren georgischen Säbelkämpfern, die auf der Bühne mit ihren Schwerten wild herumwirbelten, wurde mir dabei jedoch ein wenig mulmig. Aber puh, nochmal Glück gehabt: mein Kopf ist noch dran! ‚Visionary Dream‘ jedenfalls entpuppte sich als astreine Björk-trifft-Madonna-auf-dem-Balkan-Nummer: kompetent gesungen, brillant performt, durch und durch großartig!


Works his magic Ei: Koldun, Dima Koldun (BY)

Erstmalig als eigenständiges Land dabei war der kleine, lediglich 600.000 Einwohner starke Küstenstaat Montenegro, der bis 2006 noch einen Staatenbund mit Serbien bildete. Bereits 2005 allerdings hatten separatistische montenegrinische Juroren beim gemeinsamen Vorentscheid beider Landesteile sämtliche serbischen Teilnehmer bewusst ignoriert und stattdessen die eigene Boyband No Name zum Contest gepusht; ein Verfahren, dass sie 2006 exakt so wiederholten, mit denselben Gewinnern. Daraufhin kam es zu Ausschreitungen im Sendestudio und zum politischen Eklat: das serbische Fernsehen erkannte das Ergebnis nicht an; die Montenegriner verweigerten eine neue Abstimmung, so dass es beim Contest in Athen gar keinen Beitrag Kernjugoslawiens gab. Nur einen Tag später löste sich der für Korruption und organisierte Kriminalität berüchtigte Teilstaat per Referendum, das gerade so eben die erforderliche Zustimmungsquote von 55% schaffte, vom einstigen Mutterland. Und all das für Stevan Faddy? So hieß der mehr als lahme Bryan-Adams-Aufguss, mit dem die Schwarzbergler es wagten, Europa zu behelligen. Natürlich blieb ‚Ajde kroči‘ im Semi hängen, wie seither sämtliche Beiträge des Landes.


Die vier singenden Spaltpilze beim Beosong 2006: No Shame Name

Für Serbien hingegen sollte sich die Trennung lohnen. Das schickte eine optisch an eine prototypische Fleischwarenfachverkäuferin erinnernde dicke Lesbe namens Marija Šerifović, begleitet von fünf schlimm ondulierten Hungerhaken, den selbsternannten Beauty Queens. Die hielten sich zunächst vornehm im Hintergrund, während die butche Marija ihr ‚Gebet‘ begann, eilten ihr jedoch in einem Akt frauensolidarischer (und subtil homoerotischer) Zärtlichkeit stützend zur Hilfe, als diese beim Songfinale vor lauter sängerischer Hingabe kurz vor dem Zusammenbruch stand. Im Gegensatz zu Stevan Faddy kam die Serbin ins Finale: der Rest ist Geschichte! Apropos: das mit der Geschichte des Eurovision Song Contest nur wenig vertraute Tschechien, der letzte der vier Neuzugänge, hatte sich vom Sieg der finnischen Monsterrocker im Vorjahr auf die falsche Fährte locken lassen: es schickte die örtlichen Metallica und wurde mit nur einem einzigen Mitleidspünktchen Letzter. Zwar konnten Kabát mit langhaarigen Bombenleger-Kerlen (der Leadsänger sah aus wie der heterosexuelle Bruder von Lars Ulrich) und Rothändle-Stimmen punkten, und für straighten Hardrock war ‚Malá Dáma‘ fast schon erträglich. Dennoch hat diese Musikrichtung, so sie nicht als Kinderfasching daher kommt, beim Grand Prix natürlich nichts verloren.


Mit der Stimme sollte er mir mal was Dreckiges ins Ohr flüstern! (CZ)

Mit DJ Bobo geschah er dann, der von Wenigen antizipierte größte Favoritensturz aller Zeiten beim Eurovision Song Contest. Dabei empfand ich ‚Vampires are alive‘ als wirklich perfekt getanzt, was an den Fernsehschirmen mal wieder komplett unterging. Wann zwingt man TV-Regisseure endlich per Gesetz dazu, stark choreografierte Nummern wie diesen Beitrag des kommerziell erfolgreichsten Schweizer Musikexportes aller Zeiten einfach nur frontal abzufilmen und sich den ganzen Scheiß mit kreiselnden, schwenkenden, zoomenden und schwebenden Kameras für statische Darbietungen aufzuheben? Die albernen Schaufensterpuppen, die Bobo auf die Bühne stellte, um trotz der antiquierten Sechs-Personen-Regel zu seiner üblichen Besetzungsstärke zu kommen, und der grausam schlechte Gesang taten das ihre. Schockierend (neben Bobos Ausscheiden): ein Viertel der Punkte stammte aus dem streng katholischen Malta. Achteten die denn nicht auf die satanischen Botschaften des schweizerischen Antichristen?


Griff ins Klo: der BoBo (CH)

Erinnert sich noch jemand an die SAT.1-Filmreihe Natalie – Endstation Babystrich? Deren fünfter und letzter Teil hieß: Natalie – Babystrich Ostblock. Passt auf Moldawien und seine Vertreterin Natalia Barbu (‚Fight‘). Schön für die vom Schicksal Gebeutelte, dass wenigstens alle ihre Freier für sie anriefen und sie es gerade so ins Finale schaffte. Die Rachegelüste, die mich packen, wenn ich bedenke, dass wegen so was Andorra rausflog! Edsilia Rombley (NL 1998) hat sich ihr schmähliches Ausscheiden dagegen selbst zuzuschreiben: ‚Nooit meer zonder jou‘ (so die niederländische Originalfassung) klang viel schöner und wärmer als das klinisch anglifizierte ‚On Top of the World‘. Wieso eigentlich verschwand das sie auf die Bühne begleitende, strunzgeile Muskeltörtchen sofort nach dem Songauftakt wieder? Hatte er einen Nebenjob als Türsteher in der örtlichen schwulen Disco Hercules? So konnte das natürlich nichts werden, trotz des hübschen ZDF-Hitparade-Gedenktreppchens.


Mit Monica-Seles-Gedächtnisatmung: Edsilia (NL)

Albanien schickt in aller Regel drei Sorten von Beiträgen: unangenehm laut schreiende Frauen, bewegungslegasthenische Disco-Girlies oder Männer mit sperrigen, flehenden Klagegesängen, die erst nach dem einhundertsten Hören ihre innere Schönheit offenbaren. Frederic Ndoci, der sich von seiner Frau Aida (nicht verwandt mit der Schifffahrtslinie) begleiten ließ, fällt mit ‚Hear my Plea‘ in letztere Kategorie. Blöd für ihn: die Zuschauer hören den Song beim Grand Prix meist das erste (und letzte) Mal. So blieb er vor allem wegen seines unvorteilhaften Toupets in Erinnerung. Mit Verbitterung erfüllte mich das Ausscheiden der dänischen Dragqueen DQ (die es 2011 erfolglos beim Schweizer Vorentscheid versuchte) mit ‚Drama Queen‘. Null Punkte auch aus Deutschland? Für diesen exzellenten, CSD-tauglichen Schwuppentechno? Mit dreifachem Trickkleid, einer gigantischen Krone als Bühnendeko und sensationellem Kopfputz? Dieser Quintessenz von allem, für was der Grand Prix steht? Und vor allem dem einzigen wirklich hörbaren dänischen Beitrag in diesem Jahrtausend? Ob gar Homophobie dahinter steckte oder nur schlechter Geschmack: hier bin ich von Europas Televotern nachhaltig enttäuscht!


Grand Prix comme il faut: ein wunderbar futtiges Trash-Spektakel (DK)

Wie auch von den in Deutschland lebenden Kroaten und Portugiesen. Denn genau wegen dieser zwei Punkte aus Hamburg für den schrecklichen kroatischen Ostrock der Band Dragonfly habe ich dem nervigen Gejammer über das Diasporavoting nichts mehr entgegenzusetzen. Was sollten die furchtbaren Rockzombies da überhaupt? Ist Tonči Huljić gestorben oder warum schickt mein einstmaliges Grand-Prix-Lieblingsland so einen grottigen Scheiß? Bitte besinnt Euch und gebt uns Doris Dragović zurück – ich möchte Euch doch so gerne wieder lieb haben! Jedes Jahr nach dem Halbfinale wundere ich mich bei der Punkterückschau, wie viele Portugiesen offensichtlich in Deutschland leben. Die müssten mir im Straßenbild doch auffallen, zumal portugiesische Männer meistens gut aussehen. Diejenigen in Helsinki zeigten sich jedenfalls extrem angepisst, dass ihre Sabrina (leider nicht das italienische Busenwunder von ‚Boys‘) rausflog, zumal noch so knapp auf Rang 11! Aber ‚Dança comigo‘ war nun mal ein sauertöpfisch dargebotener koffeinfreier Schunkelschlager für den Tanzabend im Altenheim. Sorry, das war verdient. 


Gute alte Schlagerschule: die tolle Guri (NO)

Es soll Menschen geben, die zwischen eben jenem ‚Dança comigo‘ und ‚Ven a bailar conmigo‘ Parallelen ziehen. Sehe ich nicht, dafür fehlt schon ein „n“. Außerdem verfügte der norwegische Beitrag über doppelte Handklatscher, und ein Song, der die hat, ist automatisch ein guter Song! Guri Schanke gehörte zur großen alten Grand-Prix-Schule. Ein schwedischer Schunkelschlager mit mediterranem Einschlag aus dem Hause G:sson; aufwändig choreografiert; eine vorschriftsmäßige Rückung und eine trotz tänzerischer Höchstleistung tapfer lächelnde, lebenserfahrene Schlagerschachtel. Und das im dreifachen Trickkleid! Was könnte ein Eurovisionsnostalgiker wie ich vom Leben noch mehr verlangen? Oh, genau: so eine Darbietung wie die von Olivia Lewis! Halbnackte muskelbepackte Tänzer, homoerotische Handtuchschlachten, goldene Fächer, Gongs, Windmaschinen: bis auf das fehlende Trickkleid zog Malta wirklich alle Register. Einschließlich einer dramatischen, druckvollen, unterschwellig arabisch klingenden Ethnoballade: wenn es in diesem Semi einen Song gab, der zwingend ins Finale gehört hätte, dann ‚Vertigo‘!


Da hatten die Portugiesen aber die Größeren! Fächer! (MT)

Noch einen halben Zentimeter weniger Stoff bei Karolina Gočeva (MK 2002) und der Contest bekäme eine FSK-18-Einstufung. Bin ich prüde, weil mich das langsam nervt? Und entwickle ich mich zur verbitterten Eurovisionstucke, weil mich die automatische Qualifikation Mazedoniens mit simplen „Nananaj“-Liedchen auch nervt? Zumal in einem Jahr mit so vielen guten Stücken, die es so viel mehr verdient hätten als ‚Mojot Svet‘?1)Ihre beiden „ja“ behalten Sie bitte für sich, danke! Nämlich, beispielsweise, ‚Salvem el Món / Let’s save the World‘: „Where is Andorra?“ konnte man im Finale bei einem Kameraschwenk ins Publikum auf einem Plakat lesen. Eine sehr berechtigte (und keineswegs geografisch gemeinte) Frage! In Helsinki herrschte unter den Fans einhellige Empörung über das Scheitern der Green Days aus dem Winzstaat. Denn live rockten Anonymous (okay, doofer Name) mit ihrem punkigen Ökoschlager die Halle – auch wenn sie im TV flach rüber kamen. Lag es an den braven Justin-Bieber-Frisuren? Der suboptimal gemeisterten Rückung? Der meinungeresken Botschaft? Es war zum Verzweifeln.


Bis vier zählen können sie schon mal! (AD)

Das galt auch für das außerordentlich gute Abschneiden Magdi Rúszas. Eine barfüssige, greinende Ungarin an der Bushaltestelle? Und während ich mich geschlagene drei Minuten und gefühlte drei Stunden ob der akustischen Folter auf dem Stuhl wand und betete, der verdammte Bus möge schnell kommen und die Heulboje endlich überfahren, damit die Schmerzen aufhören (ihre wie meine), wählt ganz Europa das ins Finale? Dann doch lieber das anmutige slowenische Trash-Spektakel! Ich will unbedingt ebenfalls so einen schicken Schwarzlicht-Spermaspuren-Scanner für den Handbetrieb wie Alenka Gotar! Den braucht frau bei einem aus Klorollen zusammengenähten Kleid aber auch. Sich in so etwas freiwillig auf die Bühne zu stellen und lautstark gegen die Windmaschine anzujodeln: höchsten Respekt für die schräge Diva! Allerdings: dass ‚Cvet z Juga‘ (‚Blume des Südens‘) als einziger camper Beitrag durchkam, erhärtete nur die These, dass die Zuschauer nicht für die Songs, sondern für die Entsenderländer anriefen.


Bei 1:21 Min: so groß war er? Das erklärt den entrückten Gesichtsausdruck! (SI)

Mit ‚Shake it up, Shekerim‘ kam die Türkei multikulturell. Enrique Iglesias trifft Justin Timberlake trifft Tarkan. Miserabel gesungen zwar, dafür aber tanzbar, poppig und sexy. Die beste Club-Aldiana-Disconummer seit, nun ja, ‚Shake it‘ (GR 2004). Okay, den goldenen Duschvorhang hätte es jetzt nicht zwingend gebraucht. Sollte Kenan Doğulu noch die versprochenen „lots of Candy“ bei mir abliefern, stimme ich für den EU-Beitritt der Türkei. For real! Apropos: get a Life, Eric Papilaya. Das österreichische Fernsehen hatte ebenfalls mitbekommen, dass sich die Eurovisionsfanclubs zu 95% aus schwulen Männern zusammensetzen. Sie schickten daher den Song des diesjährigen Life Ball, einer Wiener Aids-Benefiz-Gala, gesungen von einem hübsch anzuschauenden Latino, den sie zielgruppenaffin mit Glitzerjäckchen, Swarovski-Steinen und einer gigantischen Aidsschleife ausstatteten. Dumm nur: die abstimmenden Zuschauer sind größtenteils hetero – und der Song war einfach grauenhaft.


Ich höre ständig nur „Blowjob“? Naschten die schwedischen Kommentatoren etwa von den türkischen Früchten?

An eine zahlenmäßig stärkere Zielgruppe wandten sich die italienisch knödelnden Sechs Jungen Tumore Tenöre bonaparti.lv aus Lettland. Nämlich an die geschmacksgestörte europäische Hausfrau, die glaubt, klassisch trainierte Stimmen und seichteste Schlagermusik gingen zusammen. Gehen sie natürlich nicht, aber das wissen die nicht. Und für so was fliegt dann DQ raus: können wir nicht irgendwie die Heteros von der Stimmabgabe ausschließen, bitte? Jedenfalls: eine Qualifikationsrunde, bei der fast doppelt so viele Länder rausfliegen wie drin bleiben – das musste für Unfrieden sorgen. Österreich, das bereits im Vorjahr ausgesetzt hatte, stieg beleidigt aus und kehrte erst vier Jahre später wieder zurück. Auch die verbliebenen, scheinbar nicht mehr qualifikationsfähigen Beneluxländer drohten, verloren zu gehen. Die EBU reagierte und führte im Folgejahr ein neues Vorrundensystem mit zwei Semis ein.

ESC Semifinale 2007

Eurovision Song Contest - Qualifikationsrunde. Donnerstag, 10. Mai 2007, aus der Hartwall Areena in Helsinki, Finnland. 28 Teilnehmerländer. Moderation: Jaana Pelkonen & Mikko Leppilampi.
#LandInterpretTitelPunktePlatzQual.
01BGElitsa Todorova + Stoyan YankoulovWater14606ja
02ILTeapacksPush the Button01724nein
03CYEvridikiComme ci comme ça06515nein
04BYDima KoldunWork your Magic17604ja
05ISEiríkur HaukssonValentine lost07713nein
06GESopho KhalvashiVisionary Dream12308ja
07MEStevan Faddy'Ajde kroči03323nein
08CHDJ BoboVampires are alive04020nein
09MDNatalia BarbuFight09110ja
10NLEdsilia RombleyOn Top of the World03821nein
11ABFrederik NdociHear my Plea04917nein
12DKDQDrama Queen04519nein
13HRDragonfly + Dado TopićVjerujem u Ljubav05416nein
14PLJet SetTime to party07514nein
15RSMarija ŠerifovićMolitva29801ja
16CZKabátMalá Dáma00128nein
17PTSabrina Villa-LobosDança comigo (Vem ser feliz)08811nein
18MKKarolina GočevaMojot Svet09709ja
19NOGuri SchankeVen a bailar conmigo04818nein
20MTOlivia LewisVertigo01525nein
21ADAnonymousSalvem el Món08012nein
22HUMagdi RúszaUnsubstantial Blues22402ja
23EEGerli PadarPartners in Crime03322nein
24BEKGMsLovePower01426nein
25SIAlenka GotarCvet z juga14007ja
26TRKenan DoğuluShake it up Shekerim19703ja
27ATEric PapilayaGet a Life - get alive00427nein
28LVBonaparti.lvQuesta Notte16805ja

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Fußnote(n)   [ + ]

1. Ihre beiden „ja“ behalten Sie bitte für sich, danke!

15 Gedanken zu “ESC Semi 2007: Wo ist Andorra?

  1. Das war wohl nix: Halbfinale, die Hassgefühle auslösen. Die auf Platz 10 offenbar festbetonierten FYROMier wären ja noch hinzunehmen, wenn aber ganz Europa meint, das sehr spaßige Stück aus Andorra aussperren zu müssen, ist das schlicht unfair. (Gut, nicht ganz Europa. Aber ohne den obligatorischen Zwölfer aus Spanien und die sechs Punkte aus Portugal hätte das richtig böse ausgesehen.) Und die Bewertung von Tschechien: ich würde gerne behaupten, sie spotte jeder Beschreibung, aber beim ESC war das mit dieser Art Musik leider zu befürchten. Es nennt sich nur Hardrock, ist aber eigentlich Fasching mit lustiger Melodie? Klar, 292 Punkte. Es IST Hardrock, noch dazu mit einer echten Reibeisenstimme und in einer so gar nicht massenkompatiblen Sprache? 1 Punkt aus Estland. Danke, nächster. Aber so haben die Nullpunkter auf meiner ESC-Playlist wenigstens etwas Gesellschaft 😉

  2. Wenn schon billig, dann bitte auch richtig. Aber nein, da kommt das langweilige mazedonische Mädel weiter und nicht das richtig billige Disco-Schnittchen aus Polen. Mit einem Lied, an das man sich auch noch erinnern könnte, im Gegensatz zu Karolina, wo einem nur das häßliche Grün des Kleides im gedächtnis bleibt. Nicht zu verstehen ist der viel zu hohe Platz des dicklichen Shake it-Türken (der sich im Finale dann genauso anhörte und aussah wie der Grieche). Dafür musste zb. Dänemark draussen bleiben? Tschechiens Abschneiden tut mir nur aus optischen Gründen leid, sehe ich doch auch so gerne langhaarige Rocker-Typen. Das Lied selbst bleibt auch nach dem zehnten Mal hören nicht mal ansatzweise im Ohr.

  3. DQ Ich leide zwar nicht an Homophobie, fand den Song aber einfach langweilig. Daher habe ich den Beitrag im Finale nicht vermißt, dafür aber die von mir gewählte Evridiki. Wieso soll das Kleid von Karolina eigentlich zu kurz gewesen sein? Andere (Claudia Beni)traten schon im Bikini auf.

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