Erster Supersamstag 2008: Fatal Attraction (CH, CY)

Die Zyperngriechen entschieden sich am Samstagabend mit deutlicher Mehrheit für den einzigen griechischsprachigen Song im Finale, der lustigerweise einen französischen Titel trägt: ‚Femme Fatal‘ von Evdokia Kadi. Mit dem frankophilen Songtitel und den ersten beiden Buchstaben im Vornamen der Interpretin enden dann auch schon die Gemeinsamkeiten mit dem Vorjahresbeitrag ‚Comme ci, comme ça‘: Evdokias Song ist von herbem griechischen Charme, so wie Leberflecke oder zusammengewachsene Augenbrauen. Immerhin besticht die Sängerin mit einer guten Show. Die Jury bevorzugte übrigens Marlain Aggelidou (CY 1999), konnte sich aber gegen die breite Mehrheit der Televoter nicht durchsetzen.


Der Bühnenhintergrund stammt doch original vom ESC 1984! (CY 2008)

Ob die Juroren meine Befürchtung teilten, dass nämlich das eher herbe Ethno-Flair von ‚Femme Fatal‘, das mit eigenwilliger Instrumentierung, Klagegesängen und Tempiwechseln arbeitet, außerhalb des griechischen Kulturkreises auf ziemlich taube Ohren stoßen könnte? Zur optischen Linderung bietet Evdokia Kadi immerhin eine gute Show: neben vier äußerst ansehnlichen Tänzern (weiß jemand, für was das riesige, mit Goldfaden aufgestickte „DM“ auf ihren T-Shirts stand? „Doofe Männer“? „Derbe Muschis“? „Dicke Möpse“? „Dämliche Musik“?) arbeitet sie mit Danijelas (HR 1999) Cape-über-Minikleid-Trick und steigt im Verlauf ihrer Bühnenpräsentation auf einen bereitgestellten Tisch, um darauf zu tanzen. Ob das den eher zähen Beitrag retten wird? Mal schauen.


Paolo zu Gast im „Babylon“ (CH 2008)

Paolo Meneguzzi präsentierte am Samstag zum ersten Mal den Schweizer Beitrag im Fernsehen. Hier konnte man sich offenbar nicht entscheiden, ob man lieber eine große Ballade oder eine aufwändig choreografierte Popnummer nach Belgrad schicken soll – also würgte man für ‚Era stupendo‘ beides zusammen. Und so beginnt der Song als aufwallender, beinahe schon frankophiler Gefühlssturm, um nach dem ersten Vers in einen mittelschnellen, sinnlos mit wüst wirbelnden Tänzern garnierten, superseichten Radiopopsong abzugleiten. Für Freunde entkoffeinierter Dudelwellenschonkost genau das Richtige – für mich drei Minuten immerhin stimmstark gesungener Langeweile.

Darüber hinaus gab es Vorrunden in Litauen, Dänemark und (die siebenhundertvierte) in Island. Mit diesen Ländern befasse ich mich jedoch frühestens beim jeweiligen Vorentscheidungsfinale – zuviel des Grauens ertrage ich in meinem fortgeschrittenen Alter nicht mehr.

1 Gedanke zu “Erster Supersamstag 2008: Fatal Attraction (CH, CY)

  1. Meine Meinung Zypern: Was soll ich sagen? Wunderbar! Mein bisheriger Favorit unter den bekannten Liedern. Ich hab gestern einen Teil des Webstreams gesehen und für dieses Lied gehofft. Ist ein bißchen so als hätte ein zypriotisches Genlabor Evridiki und Dana international zusammengemischt und Evdokia war das Ergebnis. Und wehe der Song bleibt nicht auf Griechisch! Ich liebe ja die ESC-Lieder mit diesem ‚herbem griechischen Charme‘. Und das endlich auch mal eines in meiner aktiven Fanzeit (begann 2004) kommt wurde auch Zeit! Schweiz: Den stilvollen, klassisch balladesken Anfang liebe ich ja, nachdem es aber ins Poppige kippt wirkt es auf mich auch nicht mehr viel besser als andere typische ESC-Songs. Da stimme ich mit dem Webmaster doch mal voll und ganz überein.

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