DVE 2008: It won’t get bet­ter

No Angels, DE 2008
Die Tan­ten­haf­ten

Bereits zum drit­ten Mal in Fol­ge begrüß­te Deutsch­lands erschre­ckends­tes Pfer­de­ge­biss, Tho­mas Her­manns, die über­wie­gend schwu­le Fan­ge­mein­de im plü­schi­gen Ham­bur­ger Schau­spiel­haus und vor den Fern­seh­ge­rä­ten zu einem gla­mou­rö­sen Gala­abend. Nach den schlech­ten Ergeb­nis­sen der letz­ten bei­den deut­schen Grand-Prix-Ver­tre­ter nahm man sanf­te Ver­än­de­run­gen vor, die sich im Wesent­li­chen in einem von drei auf fünf Has­beens und Never­be­ens auf­ge­stock­ten Teil­neh­mer­feld und einer mode­ra­ten Hin­wen­dung an das aktu­el­le Pop­ge­sche­hen mani­fes­tier­ten.

Den­noch blieb die Show vor allem was für’s Fan-Herz. Sofa-Gast Kat­ja Ebstein (DE 1970, 1971, 1980) erhielt bei der Auf­wärm­mo­de­ra­ti­on vor Beginn der Live­über­tra­gung für ihre Ver­diens­te spon­tan ste­hen­de Ova­tio­nen aus dem Saal – ein eben­so unver­gess­li­cher Moment wie die gesang­li­che Ver­ge­wal­ti­gung Wür­di­gung ihrer drei Grand-Prix-Songs durch die ande­ren Talk­gäs­te. Den Auf­takt gaben Mar­quess, eine für die­se Sen­dung irgend­wie exem­pla­ri­sche Mogel­pa­ckung. Mit ‘Vay­a­mos Com­pañe­ros’, einem San­gri­a­song im bei den Deut­schen so belieb­ten schaum­ge­brems­ten Lati­no-Schla­ger­sound, hat­ten die bereits den Som­mer­hit 2007 abge­lie­fert. Auch ‘La His­te­ria’ kam im sel­ben Erst­kläss­ler­spa­nisch (“Die Seño­ri­ta ist wie ein Bon­bon”) daher. Kein Wun­der, stam­men die Jungs doch aus Han­no­ver und haben mit dem Land der knat­tern­den Kas­ta­gnet­ten soviel zu tun wie Ralph Sie­gel mit zeit­ge­mä­ßer Pop­mu­sik. Und obschon der schnu­cke­li­ge Front­mann Sascha Pier­ro (der Rest der Band – ist halt der Rest der Band) bereits über Grand-Prix-Erfah­rung ver­füg­te (DVE 2003), geriet ihr Auf­tritt zwar prä­zi­se, aber irgend­wie unspek­ta­ku­lär.


Authen­ti­zi­täts­alarm: Mar­quess und ihre ‘Azzuro’-Aufbereitung

Der Auf­tritt von Tom­my Ree­ve, Deutsch­lands unver­langt ein­ge­sand­te Ant­wort auf das uner­träg­li­che Weich­ei James Blunt, sorg­te bei mir nicht nur wegen des schlei­mi­gen Mono­ga­mie­ge­sül­zes ‘Just one Woman’ für Übel­keits­at­ta­cken: die im Fern­se­hen weni­ger prä­sen­ten, in der Hal­le aber um so sicht­ba­re­ren Hin­ter­grund­ein­blen­dun­gen, die den Schmu­se­bar­den in einem drei­mi­nü­ti­gen Pot­pour­ri sei­ner schlimms­ten Schlaf­zim­mer­blick-Posen zeig­ten, bewie­sen eine der­ma­ßen eit­le Selbst­ver­liebt­heit, dass dage­gen Kate Moss beschei­den wirkt. Tho­mas Her­manns spon­tan adop­tier­te “Kin­der”, Cine­ma Bizar­re, waren trotz eini­ger leich­te­rer (*hüs­tel*) stimm­li­cher Schwä­chen in der ers­ten Abstim­mungs­run­de mei­ne Wahl – ein­fach wegen des tol­len Bei­trags ‘Fore­ver or never’, übri­gens vom glei­chen däni­schen Song­schrei­ber­team wie der Sie­ger­song der No Angels: eine hübsch elek­tro­nisch fie­pen­de Remi­nis­zenz an die guten alten New-Wave-Zei­ten. Doch die als Tokio Hotel für Arme gebuch­ten Kajal­kin­der schei­ter­ten an ihrer Fan­ba­sis, die ver­mut­lich das Ers­te gar nicht erst auf der Fern­be­die­nung fan­den.


Wohl Fan der roten Spiel­art (“Ver­mißt Du mei­nen Arm?”): die Mut­zen­ba­cher

Für mei­ne bis­he­ri­gen Läs­te­rei­en über Caro­lin For­ten­ba­cher muss ich Abbit­te leis­ten. Die Frau über­zeug­te bei ihrem Auf­tritt durch Stimm­ge­walt, Prä­zi­si­on, Dra­ma­tik und im Inter­view mit Tho­mas Her­manns durch Schlag­fer­tig­keit und Humor. Und live gesun­gen klang der absur­de Fern­be­zie­hungs­schla­ger ‘Hin­term Oze­an’ gar nicht mal so drö­ge wie auf Plat­te. Den­noch stimm­te ich im Super­fi­na­le selbst­ver­ständ­lich für den inter­na­tio­nal erfolg­ver­spre­chen­de­ren Act (im Rück­blick gebe ich zu: da habe ich mich womög­lich geirrt). Und war dem­entspre­chend erleich­tert über den – wenn auch mit 50,5 zu 49,5% denk­bar knap­pen – Sieg der No Angels über die Musi­cal­tan­te. Lucy und ihre drei aus­tausch­ba­ren Begleit­sän­ge­rin­nen lie­fer­ten das vol­le Pro­gramm: einen luf­tig-leich­ten Pop­song, eine pas­sa­ble Per­for­mance, hüb­sche Klei­der mit lus­ti­gen Schlep­pen und vier (!) Wind­ma­schi­nen. Was will man als Fan mehr?


Stim­men im Wind, die sie rufen, wenn der Abend beginnt: die No Angels

Nun ja: viel­leicht einen Sie­ger­ti­tel, den man nicht schon wäh­rend des Hörens wie­der ver­gisst. Und Inter­pre­tin­nen, die sich nicht allei­ne auf die Punk­te­un­ter­stüt­zung aus der bul­ga­ri­schen Hei­mat ver­las­sen, son­dern den Live­auf­tritt auch mal üben. Also die No Angels mit einem Song der musi­ka­li­schen Güte­klas­se von ‘Fore­ver or never’ und dem Pfef­fer von ‘La His­te­ria’, dar­ge­bo­ten mit der Lei­den­schaft, Ver­ve und Stimm­kraft von Caro­lin For­ten­ba­cher. Oder so. Toll jeden­falls die After­show­par­ty der Euro­vi­si­ons­fan­clubs in der Ham­bur­ger Wun­der­bar: nicht nur ein Fami­li­en­tref­fen mit all mei­nen teils lan­ge ver­miss­ten Lie­ben, son­dern auch eine unglaub­lich lus­ti­ge Par­ty mit wie immer von DJ Ohr­meis­ter groß­ar­tig aus­ge­such­ten Grand-Prix-Tanz­hits. Und Pro­mi­nenz schau­te auch noch her­ein: in Form der Uecker­schen, der Her­mann­schen (ich in der sel­ben Polo­nä­se mit mei­nem Enter­tain­ment-Idol! Das ich das mal erle­ben wür­de!) und der tol­len Lucy! Und dafür dan­ke, Ham­burg!

Deut­sche Vor­ent­schei­dung 2008

Grand Prix Vor­ent­scheid. Don­ners­tag, 6. März 2008, aus dem Deut­schen Schau­spiel­haus in Ham­burg. Fünf Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Tho­mas Her­manns.
#Inter­pretTitel%PlatzCharts
01Mar­quessLa His­te­ria*-15
02Tom­my Ree­veJust one Woman*-88
03Cine­ma Bizar­reFore­ver or never*-44
04Caro­li­ne For­ten­ba­cherHin­term Oze­an49,50244
05No AngelsDisap­pe­ar50,50104

*Hin­weis zur Tabel­le: der NDR ver­öf­fent­lich­te nur das Ergeb­nis der zwei­ten Abstim­mungs­run­de zwi­schen den bei­den Erst­plat­zier­ten.

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ESC 1. Semi 2008: Frag nach Samen –>

5 Gedanken zu “DVE 2008: It won’t get bet­ter

  1. hi Caro­lin war mein fave!!! Sie hat das so geil gesun­gen!!! Aber im nachin­ein fin­de ich cine­ma biz­za­re immer bes­ser aber die no angels fadn ich gar net toll!!!! Ich den­ke mit jedem ande­ren auss­ser tom­my Ree­ve hät­ten wir bes­ser abge­schnit­ten;) naja mit mar­quees vllt auch nicht aber mit caro­lin und cine­ma biz­za­re auf­je­den­fall;) mfg pasi

  2. (‘Die Seño­ri­ta ist wie ein Bon­bon’)

    Mar­quess müs­sen wohl hell­se­he­risch über Ishtar gesun­den haben in ihrem Cam­pi­no-Kleid. 😆

  3. Pingback: DVE 2006: Nordisch by Nature

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