ESC Finale 2008: Liebe schmeckt wie Kaviar

Logo des Eurovision Song Contest 2008 (2. Semi)
Das Eiskunstlaufjahr

Zwölf Anläufe hatte der flächengrößte und einwohnerstärkste Teilnehmerstaat des Eurovision Song Contest für seinen ersten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Seinen Führungsanspruch und seine kulturelle Zugehörigkeit zu Europa wollte Russland damit unterstreichen – und vertiefte doch nur die Gräben, denn kaum ein Siegertitel rief im Westen so eine starke Ablehnung hervor wie Dima Bilans musikalisch malades und überanstrengt dargebotenes ‚Believe‘, welches der Sargnagel für das hundertprozentige Zuschauervoting sein sollte. Für den russischen Plattenmillionär, dem bei seinem Erstversuch 2006 mit dem deutlich besseren ‚Never let you go‘ nur die finnischen Monsterrocker Lordi in die Quere kamen, reichte es lediglich für einen schwachen Rang 54 in den deutschen Verkaufscharts.

Wenig subtil gestaltete sich Dimas Auftritt: kolumbianisch aufgeputscht starrte er aus untertassengroßen Pupillen in die Kameras, wälzte sich brunftig auf dem Bühnenboden, kreischte und jodelte sich durch seine lahme Geigenballade und riss sich zum Schluss das Hemd vom Leibe. Nach dem Motto „mehr ist mehr“ schmissen die Russen, die es diesmal wirklich auf Biegen und Brechen wissen wollten, alles in diese drei Minuten, was für Geld zu kriegen war: eine vom ungarischen Streichervirtuosen Edvin Marton gespielte originale Stradivari-Violine von 1697; den Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgeni Pljuschtschenko, der auf einem Fleckchen Ersatzeis aus speziellem Plastik seine Pirouetten um Dima herum drehte, ohne dem barfüßigen Sänger dabei die Quanten abzufahren; sowie die werbewirksam eingekauften Bummsbeats aus dem Hause der US-Produzentenlegende Timbaland – extra laut eingestellt, damit man sie auch wahrnahm. Sechs Millionen Euro habe sich Russland den Auftritt angeblich kosten lassen. Wie man am Ergebnis sieht, kann Geld einen solchen Wettbewerb gewinnen.


Glaub an Dich selbst und es wird gelingen: Dima Bilan (RU)

Nicht ganz so gut lief es für Deutschland. Nach den Berichten von den Proben der No Angels hatte ich in einem Online-Wettbüro Geld auf den letzten Platz für unseren Beitrag ‚Disappear‘ gesetzt. Und behielt auch teilweise Recht: mit der superseichten Schnarchballade, einer völlig uninspirierten Bühnenshow mit kraftlos im mittelstarken Luftstrom der Windmaschine flatternden Chiffonläppchen und einer durchgängig miserablen stimmlichen Leistung teilten wir uns am Ende des Abends die Rote Laterne punktgleich mit Polen und Großbritannien. Allerdings sorgten 12 Punkte aus Bulgarien, wo die dort gebürtige Lucy Diakowska in der Jury der Castingshow Pop Idols saß und ihre Landsleute erfolgreich zum Anruf für Deutschland aufforderte1)Das hatte Lucy bereits bei der deutschen Vorentscheidung öffentlich versprochen, was bei einem hauchdünnen Vorsprung von nur einem Prozentpunkt zu Carolin Fortenbacher durchaus eine ausschlaggebende Rolle für den knappen Sieg der No Angels gespielt haben könnte., dafür, dass wir im inoffiziellen Ranking als Beste der Schlechtesten abschnitten. Und dafür, dass wir uns nie wieder in unserer typischen Selbstgerechtigkeit das Maul über die ach so ungerechten Punkteschummeleien der osteuropäischen Länder beklagen dürfen, wenn wir gleichzeitig unsere eigenen Kandidatinnen so schamlos für ein von der musikalischen Qualität völlig unabhängiges Sympathievoting die Werbetrommel rühren lassen. Wie man an diesem Beispiel sieht, sind wir für nationalistische Vorteilsnahme nämlich genau so anfällig wie alle anderen auch.


Why don’t you disappear? Das dachten wir auch! Die Blamage von Belgrad (DE)

Ein weiteres 12-Punkte-Mysterium, das bei Kommentator Peter Urban für Irritation sorgte, klärt sich schnell auf: die Höchstwertung von Malta für Schweden basiert auf der diesbezüglichen Empfehlung der britischen Schlagerboys in einer maltesischen TV-Show nach dem unverdienten Ausscheiden der großartigen Morena (‚Vodka‘) im zweiten Semi. Zur Erinnerung: im Jahr davor gaben die Malteser ihre Douze Points aus Dankbarkeit für die mentale Unterstützung Olivia Lewis‚ durch die Schlagerboys an Großbritannien, deren ehemaliger Müllkutscher und X-Factor-Zweite Andy Abraham mit dem selbst verfassten ‚Even if‘, einem sehr harmlosen Motownschlager, nun das absolute Schlusslicht bildete. Womit wir beim Thema sind: ja, die Punktevergabe im 2008er Finale war eine einzige Travestie. Und nein, nicht Dima (der aus Deutschland acht Punkte erhielt) hätte gewonnen, hätte nur der Westen abgestimmt, sondern die griechische Helium-Eule Kalomoira (12 deutsche Punkte) – noch unverdienter!


„I’m not easy but I’m true“: gleich zwei Lügen in einem Satz! (GR)

Dass man die Topwertungen aus den einzelnen Ländern (auch aus denen des „alten Europa“) im Schlaf vorherzusagen vermochte, verstärkte beim Zuschauer den Eindruck, dass die Abstimmung ausschließlich nach nationalistischen Gesichtspunkten erfolgte und nicht nach musikalischen. Dass es auch anders ginge, bewiesen die beiden Qualifikationsrunden, wo nur die beteiligten Länder mitstimmen durften und wo prompt tatsächlich die besten Songs gewannen. Hätte man dieses Konzept mal für das Finale übernommen, statt den falschesten Weg zu wählen und die geschmackskorrupten Jurys wieder ins Boot zu holen! Zur Sendung: eine erneut deutlich sapphische Show bot uns Marija Šerifović, die dicke serbische Siegeslesbe vom Vorjahr, zur technoiden Version von ‚Molitva‘. Und gab mit den zweifachen Trickkleidern ihrer Tänzerinnen gleich das Thema vor. Nur ihre Stimme schien die Inhaberin des NanaMouskouri-Brillen-Gedächtnispreises zwischenzeitlich verloren zu haben.


Beratung für die Show-Idee: vermutlich Marie N (LV 2002)?

Auch nach dem bereits erwähnten skandalösen Ausscheiden von Morenas ‚Vodka‘ im zweiten Semi fand subtile Alkoholwerbung ihren Platz bei diesem Wettbewerb: nach einem von den Gastgebern Jovana Janković und Željko Joksimović (RS 2004, der auch gleich den Heimbeitrag ‚Oro‘ geschrieben hatte) zur Begrüßung auf offener Bühne konsumierten Gläschen Sekt eröffnete der rumänische Kitschtenor Vlad Miriţă den ersten Beitrag des Abends ‚Pe-o Margine de Lume‘ mit dem Wort „Vino“. Was zwar im Rumänischen für „komm“ steht, für den mitteleuropäischen Durchschnittsalkoholiker aber nun mal wie die Aufforderung zum Griff nach der Lambruscoflasche klingt. Und zum Alkohol musste man auch greifen, um das schmalzige Gejodel zu überstehen. Vor allem ab der Stelle, wo seine stimmlich deutlich unterlegene Duettpartnerin Nico Matei dazu stieß. Immerhin entschädigte sexy Vlad mit einem schön kuschlig behaarten Ausschnitt: ein Mann für kalte Nächte!


Schöner Song, klasse Sängerin, schlimmes Outfit: Olta Boka (AB)

Erstaunlich selbstsicher performte die erst sechzehnjährige Albanerin Olta Boka. Erstaunlich vor allem wegen ihres grauenhaften, bauchfreien schwarzen Fracks mit entsetzlich hässlichen, aufgestickten Applikationen: modischer Geschmack scheint den Skipetaren ebenso fremd zu sein wie Sinn für Ironie. Hoffentlich holte sie sich im orkanartigen Sturm der Windmaschine keine Nierenbeckenentzündung! Ihr ‚Zemrën e lamë peng‘ (Albanien: am ë sollt ihr es erkennen!) bezauberte mit spröden Ethnoklängen und, eher ungewohnt für dieses Land, harmonischem Gesang. Eine bessere Platzierung wäre Olta zu wünschen gewesen. Nach drei Minuten deutschen Fremdschämens (herrlich subtil bösartig Peter Urban: „Das war ihr größter Moment!“) bewies die armenische Sirusho Harutyunyan, wie man es richtig macht: artistische Tänzer, ein knappes Fransenröckchen, das sie mit neckischen Hüftschwüngen ständig in Bewegung hielt, eine starke Stimme und ein dezent ethno-instrumentalisierter Discostampfer mit einfach zu merkendem, mitsingbaren Refrain (‚Qele qele‘). Schaut her, ihr Engel: so geht Eurovision!


Das Lied der Maurer: Kelle, Kelle (AM)

Oder so, wie es der bosnische Helge Schneider zelebrierte. Vier absichtlich hässlich zurechtgemachte Bräute mit Blumenkohlsträußen, eine Irre mit Cyndi-Lauper-Frisur und apfelbesticktem Kleid und der sich im Wäschekorb versteckende Laka. Dazu krähten sie: „Bleib auf dem Balkon, Laka hat es so gesagt“ und ähnlich sinnbefreite Textzeilen und hängten zwischendurch ihre Wäsche zum Trocknen auf. Völlig durch den Wind (und wie ich zugeben muss, auch von mir anfänglich missverstanden), aber unglaublich charmant und skurril – oder um es in den Worten des befreundeten Eurovisionsexperten Georgios Poursanidis zu sagen: „Ganz große Kunst“! Was die einstige Eurovisionssiegerin Dana International (IS 1998) wohl bewog, die sanfte Ballade ‚The Fire in your Eyes‘ für Boaz Mauda zu schreiben: seine stimmlichen oder seine optischen Vorzüge? Zwar verwirrt es im ersten Moment, ein solches wohlausgestattetes Muskelschränkchen mit einer solchen Kastratenstimme singen zu hören. Doch genau aus diesem Umstand, dass hier Ofra Haza (IL 1983) im Körper Keanu Reeves‘ wiederkehrte, macht den eigentlichen Reiz des für sich genommen doch eher lahmen Liedes aus. Und natürlich diese sexy Spock-Ohren, die perfekt gezupften Augenbrauen, die durchtrainierten Arme (ja, ich weiß, ich bin oberflächlich und sexistisch. Sorry.).


Ganz große Kunst: Laka & die strickenden Bräute (BA)

Das führt uns zum nächsten Beitrag: böse Zunge verbreiteten das Gerücht, die wilden Männer von Teräsbetoni (‚Missä miehet ratsastaa‘‚Wo die wilden Männer reiten‘) hätten sich die Oberkörper geschminkt, um muskulöser zu erscheinen. Egal: ich würde sofort mit ihnen eine Runde mitreiten! Großartig ihre Mischung aus gradlinigem Metal im Stile von Iron Maiden, einem neandertalesken Text und kleinen Anleihen bei Ralph Siegels ‚Dschinghis Khan‘. Leider erfuhren sie mit dem zweiundzwanzigsten Platz eine grotesk ungerechte Bewertung, zumal sie um ein Vielfaches unterhaltsamer waren als die langweiligen türkischen Politrocker Mor ve Ötesi, denen das Diasporavoting ungerechtfertigt über einhundert Punkte mehr bescherte. Katastrophal die Kameraführung bei Kroatien: niemand wollte die irritierende Tänzerin sehen, auf welche sich die Bildregie ständig fokussierte, sondern den lustigen, knotternden Opi 75 Cents, der als Solist die Straßenmusikanten Kraljevi Ulice bei ‚Romanca‘ begleitete. Selbst während seiner Glanzauftritte, als er schimpfend am Bühnenrand skandierte (moserte er über die aufsässige Jugend oder die Brotpreise in Zagreb?) oder am Grammofon den rüstigen Plattenkratzer gab, zeigten die Kameras lieber die rotgewandete Ische, die auf den für den Fall der Fälle vorsorglich bereitgestellten Blutkonserven herumtrommelte.


Erst 2012 als ältester Eurovisionsteilnehmer abgelöst: 75 Cents (†2010) (HR)

Unvergesslich und zwerchfellerschütternd das aufrichtig erschrockene „Huch!“ aus dem Munde meines guten Freundes und Mitschauenden Markus Schubert, als Fridrik Omár von der isländischen Euroband nach einer Minute mitten im Song plötzlich abtauchte und statt seiner unvermittelt die bis dahin nicht präsente Regina Ósk im Bild prangte – zumal sich die Beiden so ähnlich sehen wie Zwillinge und man glauben konnte, Fridrik habe mal eben das Geschlecht gewechselt. Das sind große Eurovisionsmomente! Zur fabelhaften Neunzigerjahre-Eurodance-Hymne ‚This is my Life‘, meinem offiziellen Grand-Prix-Lieblingsbeitrag aller Zeiten, kann ich ohnehin nur sagen: Völker der Erde, schaut auf diesen Song! Ein inspirierter Text (das Jahrtausend-Update zu Gloria Gaynors ‚I am what I am‘), eine mitreißende Melodie, ein hammerharter Housebeat und eine strahlende Darbietung: so und nicht anders muss ein Eurovisionssong sein!


Bei 1:12 Min passierts: schwupp, weg war er! (IS)

Mit Vânia Fernandes folgte die moralische Gewinnerin dieses Jahrgangs. Geschichte hätte hier geschrieben werden können: der erste Sieg für den Eurovisions-Außenseiter Portugal mit seinem allerersten (und bis heute allereinzigen) wirklich guten Beitrag, komponiert vom Kroaten Andrej Babić. Eine geradezu märchenhafte West-Ost-Versöhnung. Doch damit wollten die Eurovisionsgötter noch ein Jährchen warten: im Semi noch Rang 2, reichte es im Finale dank der stabilen Votingblöcke nur für eine enttäuschenden 13. Platz. Dabei hatte diese Nummer alles: ein aufwühlendes, mitreißendes Klagelied an das Meer, das Vânias Liebsten mit sich nahm (gewissermaßen ‚Der Stern von Mykonos‘ 2008), kompetent dargeboten von einer stimmgewaltigen, korpulenten Domina in einem schwarzen Wallegewand mit im Windmaschinensturm dramatisch wehender Schleppe (sieh und lerne, Joy Fleming [DE 1975]!) und ihrem barfüßigen Chor der armen Fischersleut‘. Am Ende ihres Tränenziehers schickte sie noch einen drohenden, finsteren Blick in die Kamera, der zu sagen schien: „Ruf für mich an oder ich komm und fress Dich auf!“ Für die Chronik: ich war folgsam, Vânia!2)Das Drohende war natürlich nur gespielt: beim Fanclubtreffen des ECG im Herbst 2008 präsentierte sich Vânia dermaßen liebenswürdig und warmherzig, dass ich mich auf der Stelle in sie verliebte.


Mit kleinen inszenatorischen Anleihen an ‚Lejla‘ (BA 2006) und ‚Molitva‘ (RS 2007): die fabelhafte Vânia (PT)

Das nautische Thema beschäftigte auch die Seefahrernation Lettland. Ihre Piratencombo Wolves of the Sea kam, sah und veranstaltete Kinderfasching mit viel „Hi hi hi“ und „ho ho ho“, einer simplen und damit glücklich machenden YMCA-Choreografie (sieh und lerne, DJ Bobo!) und einem lustigen, groben Ballermannschlager. Nach dem siebten Schnaps eine unschlagbare Nummer. Dass sie mehr Punkte bekamen als Vânia ist grotesk, dennoch handelte es sich hierbei um den allerersten erträglichen baltischen Beitrag beim Contest. Ever. Zweimal hintereinander retteten Juroren die schwedische Siegerin von 1999, Charlotte Perrelli, mit dem perfektesten Schwedenschlager aller Zeiten, dem camptastischen ‚Hero‘: zuerst im heimischen Melodifestivalen, wo sie die dürre Blondine gegen den Willen der Zuschauermehrheit zur Vertreterin des Köttbullarlandes kürten, sowie im Semifinale, wo sie Chuckys Braut den zehntplatzierten (und entsprechend erbosten) Mazedoniern vorzogen. Im Finale hingegen war die weibliche Version von Michael Jackson (Stichwort: Chirurgie-Overkill) alleine auf das Wohlwollen der Televoter angewiesen. Mit mageren 47 Punkten landete sie im hinteren Mittelfeld.


Hui, hast Du aber ein großes Schwert! (LV)

Was zwei Dinge beweist: es ist keine gute Idee, eine Sängerin zu schicken, deren Gesicht und Körper dermaßen brutal gestrafft aussieht, dass man unwillkürlich an Jackos ‚Ghosts‘-Video mit seinen tanzenden Skeletten denken muss. Und man kann die breite Masse nicht durch Bevormundung zu gutem Geschmack erziehen. Leider, denn ein Eurovision Song Contest, in dem Songs wie ‚Hero‘ oder auch das isländische ‚This is my Life‘ keine Top-Ten-Platzierungen mehr erreichen können, ist auf Dauer nicht mehr der meine. Dankenswerterweise konnte Eric Saade 2011 mit seinem zweiten Platz für ‚Popular‘ meinen Glauben an die Menschheit vorerst wieder herstellen. Dänemark inkarnierte den jungen Horst Buchholz und ließ ihn einen grausamen, schon eine Million Mal gehörten Bierzeltschlager intonieren. Wie uns Peter Urban informierte, lernte Simon Mathew Polizist, für den Fall, dass es mit seiner Musikkarriere nicht mehr klappen sollte. Okay: festnehmen dürfte er mich jederzeit und auch ‚All Night long‘, ähm: verhören – solange er dabei bloß nicht singt!


Der artifizielle Schwarzweiß-Einstieg wirkte auch eher befremdlich: Charlotte (SE)

Ralph Siegel, der hierzulande Verschmähte, fand wohl diesmal Schlagerasyl in Georgien. Anders erklärt es sich kaum, dass überraschend Corinna May (DE 2002) mit einem Update von Nicoles ‚Ein bisschen Frieden‘ (DE 1982) auftauchte. Trotz sommerlicher Temperaturen in Belgrad startete Diana Gurtskaya (so Corinnas Pseudonym) dick in schwarzes Leder eingepackt. Kurz vor dem Schlußrefrain wedelten ihre Tänzer dann ein großes Bettlaken über sie hinweg und – schwupps – verwandelte sie sich in einen weißen Friedensengel. Gähn. Amüsant allenfalls ihre Aussprache: handelte es sich nun um Bohnen, deren Ankunft sie erwartete (‚Peas will come‘), Fremdurin (‚Piss will come‘) oder gar ejakulierende Ferkelchen (‚Pigs will cum‘)? Eins ist sicher: ‚Peace will come‘, so der eigentliche Songtitel, sang sie definitiv nicht. Das wäre auch zynisch gewesen: im Sommer des gleichen Jahres provozierte Georgien eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem früheren Mütterchen Russland um das abtrünnige Südossetien.


„Schnauf, schnauf, schnauf – tänk ju!“ Nach dieser Tour de Force aber auch verständlich! (UA)

Ani Lorak (eigentlich Carolina Myroslavivna Kuiek, ihr Künstlerinnenname ist nach eigener Aussage ein Anagramm ihres Vorbildes, der 2006er Vorgängerin Tina Karol) bot die patentierte ukrainische Rezeptur: ein fantastischer Discoschlager mit leicht mitsingbarem Refrain (‚Shady Lady‘), optische Gimmicks wie der beleuchtete IKEA-Schlafzimmerschrank, radschlagende Tänzer und eine starke Stimme trotz dreiminütiger Hochleistungschoreografie. Schade nur, dass das Geld nicht mehr für einen eigenen Bühnenfummel reichte und sie sich Charlottes Lametta-Ensemble leihen musste. Frankreich schickte Reinhold Messner den Yeti Sébastien Tellier. Der zu Hause kommerziell sehr erfolgreiche Elektroguru, der unter anderem schon mit Daft Punk zusammenarbeitete, erbrachte den Beweis, dass (noch so guter!) moderner Elektrofunk live nicht funktioniert. Auch sein mit angeklebten Vollbärten kostümierter, etwas disharmonischer Chor und der Golfbuggy, in dem er lässig einschwebte, konnten die auf Platte durchaus goutierbare Nummer nicht vor der Langeweile retten. Zudem wartete man irgendwie darauf, dass Motten und Fruchtfliegen seiner Mähne entfleuchten: nach Berichten der Blogger sei er die ganzen Probewochen über mit ungewaschenen Zotteln herumgelaufen.


Schade, dass die Backings stimmlich nicht immer ganz harmonierten! (FR)

Trickkleider à go go: das aserbaidschanische Duo Elnur & Samir verkleidete sich als Engelchen und Teufelchen und entbot dasselbe kastratenhaft-disharmonische Kriegsgeschrei (‚Day after Day‘) wie schon im Semi. Nur, dass Samirs Teufelskostüm diesmal im entscheidenden Moment, als er sich – von Elnur weichgesungen – ebenfalls in einen Hüter des Guten verwandeln sollte, klemmte und die Tänzerinnen erhebliche Mühen hatten, ihn aus dem schwarzen Cape herauszupellen. Besser funktionierte das bei der Griechin KalimeroKalodermaKalomoira, deren Trickkleid von einem pinkfarbenen Wäschekorb zusammengehalten wurde. Die Ersatz-Shakira mit der Heliumstimme bediente sich freizügig an Helena Paparizous siegreichem Song von 2005, ‚My Number One‘, vom hoch repetitiven Refrain über die Instrumentierung bis zur Choreografie, und bezeichnete dieses bis zur Unkenntlichkeit ausgewalzte, steinalte Rezept  ironischerweise als ‚My secret Combination‘. Dass sie den dritten Platz belegte (und im Semi gar gewann), kann man nur als Schlag ins Gesicht all derer, die sich Mühe mit ihrem Beitrag gaben, auffassen.


Selbst auf dem CSD seit 10 Jahren passé: der Engelsflügel (AZ)

Rodolfo Chikilicuatre ist so etwas wie der Stefan Raab (DE 2000) Spaniens. Er brachte mit ‚Baila el Chiki Chiki‘ eine für iberische Zuhörer sicherlich originelle, für den europäischen Zuschauer aber eher anstrengende Parodie auf alberne Sommerhit-Choreografien und den im Heimatland sehr beliebten Reggaetón (das am Anfang gebrüllte „¡Perrea!“ ist der Name des zu diesem Musikstil gehörenden, lasziven Tanzes). Sie bei der erstmalig internetbasierten spanischen Vorentscheidung gegen Horden besserer Beiträge durchzudrücken, stellte für ihn als populären Privatfernseh-Showmaster nicht das geringste Problem dar. Zumal seine Landsleute aufgrund der permanenten (und in der Tat skandalös zu nennenden) Missachtung der spanischen Beiträge durch die europäischen Televoter ohnehin auf Krawall gebürstet waren und es uns mit dieser Nummer so richtig heimzahlen wollten. Was, natürlich, nach hinten losging: Platz 16. Nationaler Humor funktioniert im paneuropäischen Kontext in den seltensten Fällen – zumal, wenn Geflügel (‚Chiki‘) darin eine Rolle spielt, wie der im ersten Semi hängen gebliebene Dustin the Turkey aus Irland sicherlich bestätigen kann.


Sehr lustig (und Teil des Acts): der Sturz bei 1:40 Min. (ES)

‚Oro‘, der zweiten Totenklage im Wettbewerb nach ‚Senhora do Mar‘, fehlte ein wenig der Glanz früherer Joksimović-Perlen. Zu sehr klang das nach dem siebten Aufguss, auch wenn Jelena Tomaševic alle Register zog und ich für solche todtraurige balkanische Dramatik eine echte Schwäche habe. Der Songtext rekurriert übrigens auf den kirchlichen Feiertag „Vidovdan“, den Sankt-Veits-Tag, an dem 1389 eine historische Schlacht der Slawen gegen die Osmanen auf dem Amselfeld (heutiges Kosovo) stattfand, die für viele Serben bis heute identitätsstiftende Bedeutung hat. Subtiles Statement gegen die kurz zuvor erfolgte und von Serbien nicht anerkannte Unabhängigkeitserklärung der mittlerweile albanisch dominierten Region – oder purer Zufall? Einen versöhnlichen, runden Abschluss setzte die knuffige Maria Haukaas Storeng aus Norwegen, die mit ihrem careyesken ‚Hold on, be strong‘ die Zuschauer schon mal sanft auf die folgende harte Prüfung der Punktevergabe einstimmte.


Da entgleist ihr zwischendrin aber mal schwer die Stimme: Jelena (RS)

Musikalisch also einer der Spitzenjahrgänge, der nicht nur mit etlichen meiner absoluten Lieblingstiteln aufwarten konnte, sondern auch mit einer durchgängig hohen Qualität der Beiträge überzeugte. Hier gaben sich fast alle ein vorerst letztes Mal erkennbar Mühe, kontemporäre Songs zu schicken, die möglichst auch auf dem regulären Popmarkt bestehen könnten: das sicherste Rezept, die Televoter zum Anrufen zu bewegen. Was leider in den Wehklagen über die vorhersehbaren Punktevergaben und das für die Großen Vier wenig schmeichelhafte, wenngleich gerechtfertigte Ergebnis unterging. Hatte die Katastrophe von Kiew (letzter Platz für Gracia 2005) die Demission von NDR-Mann Jürgen Meier-Beer zur Folge, so schmiss nach der Blamage von Belgrad Thomas Hermanns den Bettel hin. Und der NDR war ratloser als zuvor.

#LandInterpretTitelPunktePlatz
01RONico & VladPe-o Margine de Lume04520
02UKAndy AbrahamEven if01425
03ABOlta BokaZemrën e lamë peng05517
04DENo AngelsDisappear01423
05AMSirusho HarutyunyanQele qele19904
06BALakaPokušaj11010
07ILBoaz MaudaThe Fire in your Eyes12409
08FITeräsbetoniMissä Miehet ratsastaa03522
09HRKraljevi Ulice + 75 CentRomanca04421
10PLIsis GeeFor Life01424
11ISEurobandThis is my Life06414
12TRMor ve ÖtesiDeli13807
13PTVânia FernandesSenhora do Mar06913
14LVPirates of the SeaWolves of the Sea08312
15SECharlotte PerrelliHero04718
16DKSimon MathewAll Night long06015
17GEDiana GurtskayaPeace will come08311
18UAAni LorakShady Lady23002
19FRSébastien TellierDivine04719
20AZElnur Hüseynov + Samir CavadzadəDay after Day13208
21GRKalomira SarantiSecret Combination21803
22ESRodolfo ChikilicuatreBaila el Chiki Chiki05516
23RSJelena TomaševićOro16006
24RUDima BilanBelieve27201
25NOMaria Haukaas StorengHold on be strong18205

<– ESC 2. Semi 2008: Pirate Ladies of the Sea

DVE 2009: Kiss, Fist, Gang-Bang –>

Fußnote(n)   [ + ]

1. Das hatte Lucy bereits bei der deutschen Vorentscheidung öffentlich versprochen, was bei einem hauchdünnen Vorsprung von nur einem Prozentpunkt zu Carolin Fortenbacher durchaus eine ausschlaggebende Rolle für den knappen Sieg der No Angels gespielt haben könnte.
2. Das Drohende war natürlich nur gespielt: beim Fanclubtreffen des ECG im Herbst 2008 präsentierte sich Vânia dermaßen liebenswürdig und warmherzig, dass ich mich auf der Stelle in sie verliebte.

31 Kommentare zu „ESC Finale 2008: Liebe schmeckt wie Kaviar

  1. Merkt Euch die 4 Die Engel werden total unterschätzt. So gut wie in diesem Jahr waren unsere Siegchancen seit Nicole nicht mehr. Und das gerade weil der Song mittelmäßig gut ist und somit durch die gute proffessionelle Performance der 4 überraschen wird. Genau das ist GP. Es gewinnen nicht die Favorits und auch nicht unbedingt die besten Stücke. Die Engel sind keine Girlie-Band mehr, sie sind prof. Künstlerinnen geworden. In drei Minuten kann man sie und die bestens GPgeeignete Performance gar nicht ausreichend wahrnehmen und deshalb möchte man sie nochmal sehen und ruft für sie an. Jede Wette! Ich kenne keinen der anderen Beiträge. Das wird sich bis zum ESC nicht ändern. Aber dieser mittelmäßig gute launige Song hat das Zeug zu gewinnen. Molitva ist eben auch kein Knallersong. Aber dieser ‚kleine dicke Playmobilmann‘ (Pocher-Zitat)hat einfach überrascht. Wir gewinnen! Daumen drücken!

  2. es werden 25 lieder im finale sein. nur eine kleine korrektur :zzz quelle: eurovision.tv und ja, bin ich froh karten für das 2. semifinale zu haben und NICHT für den schund im 1., wo ja leider doch 10 lieder fürs finale zusammen gekratzt werden müssen. viel glück der wahren perle ÍSLAND!! mario

  3. 4 Engel auf verlorenem Posten Au wei, au wei, Engel – Sirusho – Laka, das geht doch niemals gut. Da hat UK ja fast noch die bessere Ausgangsposition. Das einzige, was einen da noch beruhigen kann ist, dass die Franzosen genauso blöd dran sind – wenn die Pyros bei Aserbaidschan losgehen, kräht nach Sebastien kein Hahn mehr.

  4. Germany – no points Richtig – Deutschland gewinnt den ESC! Aber frühestens ins 20 Jahren, wenn der Staat Bayern und Königreich Sachsen für uns anrufen dürfen. Das mit den Engeln wird ganz bestimmt nichts – der Song ist doch Mist. Die haben eindeutig bessere Sachen gesungen (man denke zum Beispiel an ‚I’m still in love with you‘). Zum Glück hat die eilig abgereiste Tante aus Malta ihren Vodkavorrat da gelassen, so wird der Schmerz für uns erträglicher. Hoch die Tassen! :zzz

  5. He, glaubt an die Kraft der Engel ..die machen das schon. Qele Qele kann man beim 2ten hören schon nicht mehr hören, die Performance ist der totale Abklatsch von Helena P. und Laka ist ein schöner Song, poralisiert aber durch die abgedrehte für-den-GP-viel-zu-künstlerische-Performance. Wir gewinnen. 2009 findet der GP in Germany statt. Ganz sicher!

  6. @ Chris: und ich verwette meinen Arsch darauf, dass die Mädels heute abkacken werden. Vielleicht nicht Platz 22, aber auch nicht sehr viel besser. Und denk daran, dass viele Leute ‚Quele, Quele‘ nur einmal hören und dann anrufen. Die meisten der 100 Mio. Zuschauer kennen die Songs nämlich noch nicht.

  7. Realität Du bist einer dieser typischen ‚Wir sind doch eigentlich ganz gut‘ MAnipulierten. Andere Songs noch nicht gehört, aber selber denken das wird was. Nenn mir nur einen Grund warum dieser Song besser sein soll als alle anderen. Deutschland wird mal wieder sich um den Titel bestes Big4 Land streiten. Machen wir uns also auf einen Kampf um Platz 21/22 gefasst.

  8. Gratulation Russland! Ich habe ja schon vor Monaten gesagt, diesmal wird es wieder ein Mann mit einer Ballade!!!! Ich bin gut, so gut, so gut – ähm, ja *g* Ich fand unseren Song schwach, den Auftritt durchschnittlich und freue mich sehr für Russland. Finnland, Norwegen, Türkei und Aserbaidschan hätten mich zwar noch viel mehr gefreut, aber ich mag den Song ‚Believe‘ sehr gerne. Und ich gönne es den Russen, die hatten jetzt schon mehrfach gute Beiträge und sind immer mehr oder weniger knapp gescheitert. Klar, dass es jetzt erstmal wieder Ärger und Stunk gibt und ich bin gespannt ob und wie die EBU und die anderen Verantwortlichen jetzt handeln. Die 2 Semis waren ein erster guter Schritt, aber im Finale hat sich nicht wirklich was geändert. Die Punktvergabe ist einfach nur langweilig geworden. Na ja, vielleicht bis auf den kurzen Zweikampf Griechenland gegen Russland am Anfang. Das fand ich schon spannend weil ich nicht wollte, das Griechenland mit einer ähnlichen Nummer gewinnt wie schon vor drei Jahren. Das wäre mir dann echt zu blöd gewesen. Mal schauen was wird. Und wenn sich nichts am ESC ändert, dann muss sich wenigstens etwas am Vorentscheid ändern. Damit wir nicht wieder Durchschnittsware oder Mist hinschicken müssen. Und ich freue mich auch sehr über den guten Platz für Norwegen. Das war mein zweitliebstes Lied nach Finnland und vor Türkei, Aserbaidschan, Russland und Island. Und das auch ohne Rhythmus, Show und viel Herumgewackel. Der Trend darf gerne etwas anhalten.

  9. Congrats to Russia !! Endlich hat Russland gewonnen und das sogar berechtigt. Dima und Co. haben eine tolle Performance abgeliefert, die zu Herzen ging. Natürlich war das alles kalkuliert, Plushenko, die Stradivari, das offene Hemd, die kleine Kerze am Anfang und das beschwöhrende ‚ we believe in you ‚ ! Aber das erwartet man ja auch von jemanden, der wirklich gewinnen will. Andere Acts waren nicht weniger berechnend – dafür hätten sich die No Angels wirklich mehr Mühe geben können. Schon bei der Songauswahl, dann natürlich auch beim Gesang. Unglaublich, wie jedliche Kritik, auch nach dem Ergebnis, an ihnen abzuprallen scheint ! Wenn das auch die Meinung des NDR sein sollte, keine Konsequenzen gezogen werden und man sich in die angenehme ‚keine mag uns‘ – Ecke zurückziehen sollte, wird sich an den schlechten Resultaten auch nichts ändern. Ich freue mich auf St Peterburg 🙂

  10. Es ändert nichts Hallo, erstmal danke für deine wirklich witzigen Kommentare. Klasse! Habe mich auf Deinen Seiten immer wieder sehr verlustiert. Ich habe mir gerade die Mühe gemacht und die Punkte der Länder, die nicht im Finale waren. Leider ändert dass nichts. Zumindest nicht an den ersten Plätzen. Russland würde knapp vor der Ukraine gewinnen, aber Norwegen wäre Dritter und der Nelly Furtado Billig abklatsch aus Kriechenland wären Fünfte. Und ach ja zu Deinem Trost die Euroband Schnuckels würden Plätze gut machen! Sie wären dann 11te. Viele Grüße & weiter Aufrechtgehn! Croco

  11. Es graut. mir. Diaspora- bzw. Nachbarschaftsvoting hin oder her: Seit gestern frage ich mich, ob die mit mir versammelte zusehende ESC-Fangemeinde und ich an Geschmacksverirrung leiden. Selten hat mich ein Voting-Ergebnis derart überrascht. Man mag über den Bewegungslegastheniker Dima Bilan (der zudem eine grausige Atemtechnik besitzt) nach horrendem Aufwand noch streiten, aber wieso das griechische Sternchen Kaloderma so weit vorne liegt, entzieht sich meiner Kenntis. Stimme gleich null, der Song schon hundertmal gehört und zusammengeklaut und eine Ausstrahlung wie die Fleischfachverkäuferin im naheliegenden Toom-Markt. Die größte Schande: Douze Points aus Germany! Zum Glück wurde das Mädel von der Cherry Lady (verwechsele ich da was?) abgefangen. Wo waren die Punkte für Portugal??, für Finnland (ich bin zwar kein Heavy Metal Fan, aber der Song hatte was und wurde wirklich gut performt). Ein Wort zu den Engeln: Herrjeh, da hat Oliver recht – da fehlte jede Mühe. Ein grausamer Auftritt – bei DSDS hätte das nie für ein Recall gereicht.Performance gleich null – es tat einfach in den Ohren weh!). Was Peter Urban und die Engel selbst an diesem Auftritt fanden, bleibt ein Geheimnis. Völlig zu Recht der (fast) letzte Platz. (In meinem Ranking lagen nur die Kindergartenpiraten und Chiki Chiki Balla Balla schlechter). Aber es gab auch für mich einge Volltreffer – vor allem beim Voten! Mit einer nicht zu toppenden Sicherheit wußte ich vorher, wohin die 12 Punkte aus Portugal, Irland, Island, Schweden, Finnland, Ukraine, Mazideonien, Bosnien usw. gingen. Bevor man in 2009 den russischen Größenwahn weiter finanziell unterstützt, sollte Deutschland seine Millionen doch lieber einsparen und aussetzen, bevor nach der Schande von Kiew, der Schmach von Belgrad das Desaster in St. Petersburg folgt. Oder aber man rekrutiert Boris und Steffi, die im Background ein Tennismatch zu den Klängen eines 0815-Trällerchens gestalten. Wo soll das noch hinführen?

  12. Nun also doch wohl Moskau statt St. Petersburg : wenn man Oikotimes glauben darf. http://www.oikotimes.com/v2/index.php?file=articles&id=3487 Schade, St. Petersburg wäre europäischer und wohl auch etwas billiger – wie auch immer, Dima hat verdient gewonnen. Also einen ESC ohne abgedudelte schwedische MF – Schlager kann ich mir sehr gut vorstellen ! Es wäre ein Traum denn : ‚ Schlager lies ‚ ! Ohnehin besteht der einzig wirkliche Skandal darin, dass Frau Perrea, dank Jury, ihrem verdienten Kate Ryan Schicksal entkommen konnte; und die im Televoting besser plazierten Länder Mazedonien und Bulgarien um ihren Stratplatz betrogen wurden ! ‚Weg mit dem Jurys‘, kann es da nur heissen. Selten so ein unattracktives Lied, dargeboten von einer passened unattracktiven Interpretin gehört. Es geht also doch noch schlimmer, als Carola! Dass Dima als Sieger ‚ nicht geliebt ‚ werden wird, trifft vielleicht auf einige Schlager- Fans zu, aber die übergergroße Mehrheit der Televoter liebte den Song und die gefühlvolle Performance voller Dramatik. Hätten wir mal doch lieber die Fortenbacher geschickt – auch wenn ich sie nicht wirklich sympathisch finde ! Was auch die eher schlechten Platzierung ählicher Songs aus Serbien,Rumänien und Portugal erklärt. Bei so viel Gefühl und Emotion kann es nur einen deutlichen Gewinner geben. Einzig Israel konnte – verdienterweise – dank der einzigartigen Stimme Boaz Ma’udas`, dem etwas entgegensetzten. Das Voting würde ich nicht als ‚ horrible ‚ oder gar ‚ Travestie ‚ bezeichnen ? Wo bitte ist die Travestie ? Waren Russland, die Ukraine und Griechenland – also die Top 3 – nicht verdienterweise erfolgreich ? Da hat doch alles gestimmt, das waren doch zumindest große Performances und gute Interpreten – das muss man neidlos anerkennen. Auch die Bottom 3 ist verdient dort gelandet, wo sie hingehört. UK und Polen klangen zu amerikanisch und konnte nichtmal im Westen Punkten und der Mißerfolg der Engel wird ja im Artikel selbst ausführlich – und zutreffend – begründet. Auch hier gab es aus dem Westen gerade mal 2 Punkte, wobei die Schweizer noch sehr größzügig gewesen sind. Das Gejaule war kaum zu ertragen, aber über Dimas und Kalomoiras Stimmen wurde geläßtert ! Auch hier gaben die Televoter aus gant Europa die richtige Antwort. Die Forderung, nur die am Finale teilnehmenden nationen abstimmen zu lassen, ist alt – zwar besser, als nach einer Jury zu schreien – aber letzendlich auch nur ein Versuch, den eigenen Favs. einen Vorteil zu verschaffen, da sie europaweit nicht punkten können ( wie eben der 08/15 MF Schlager ). Hätten dieses Jahr nur die Finalisten gevotet, würde sich übrigens kaum etwas ändern : Russland hätte trotzdem vor der Ukraine gewonnen und Deutschland hätte zum ersten Mal seit Einführung des Televotes – wie das UK – ein bitteres ‚ Null Punkte ‚ Ergebnis verkraften müssen ! Weiß ja nicht, ob das so eine gute Idee wäre. Freuen wir und also auf einen tollen ESC 2009 – Geld dürfte keine Rolle spielen, was ja auf eine tolle Show hoffen lässt. Der serbische ESC hatte dann doch einige Schwächen : wie den Eröffungs- und Intervallact und die – leider – sehr hölzernen Moderatoren. Dafür waren die Postcards nicht schlecht, zumindest kamen sie einem nicht wie Werbung der Tourismusindustrie vor, wie in den Jahren zuvor. Noch besser wären vielleicht direkte Grüße an die Teilnehmer gewesen, anstatt inhaltlosem Nonsense, der weder etwas mit dem ESC an sich, noch mit den startenden Teilnehmern zu tun hatte. Aber gut, musikalisch war es einer der besten ESCs des neuen Jahrtausends und darauf kommt es ja hauptsächlich an. 8)

  13. Auf in die Duma Tja lieber Chris, deine Prophezeiung ist wohl gescheitert (lach) – kein Contest in Deutschland. Wie schade, wo der Auftritt der 4 Engel doch richtig mies war. Wir gehen also auf den Roten Platz und landen einen neuen Sieg, wie damals Herr Rust mit der Einmotorigen. Was mir nach wie vor völlig unklar ist, dass ein Song wie der Griechische ein so gutes Ergebnis erzielen konnte. Ich bekam nach der ersten Vergabe der Punkte durch London einen Herzkaspar und verzweifelte völlig. Dumme Lolita, vor dem Stimmbruch, greift sich mal eben an die Möpse und das ist 12 Punkte wert? AAAAAAAAAAAAAAARG Portugal hätte ich den Sieg aus vollstem Herzen gegönnt, hat die Gute mir doch Gänsehaut auf die Arme gezaubert und ich fand den Song einfach richtig gut. Die Piraten, kann doch echt nicht wahr sein, dass was noch zieht, die wären am besten mit dem Golf-Caddy-Wagen und dem Franzmann gleich wieder in die Hölle nach Albanien gefahren und hätten das geile Outfit der Guten mitgenommen, immerhin hat sie sich diesmal gegen die Haarspange entschieden, was ich doch begrüßte. Leider ist es richtig, man kann die Punkteverteilung mittlerweile im Schlaf mitsummen und das macht die Abstimmung, die mal das Non-Plus-Ultra war extrem langatmig und langweilig. Hier muss etwas passieren.

  14. Abstimmungstravestie ‚Waren Russland, die Ukraine und Griechenland – also die Top 3 – nicht verdienterweise erfolgreich?‘ Nein, waren sie nicht, zumindest nicht in dieser Reihenfolge. Die Ukraine hätte gewinnen müssen, Russland irgendwo dahinter – und Griechenland war zehn Plätze zu gut gewertet. Was mich aber viel mehr aufregt als das, ist das unverdient miserable Abschneiden Islands und vor allem Portugals. Vânia hätte den Sieg so viel mehr verdient als Dima – ein Platz außerhalb der Top Ten ist daher völlig indiskutabel. Auch wenn zu konstatieren ist, dass sie dasselbe Muster bediente wie Jelena (was natürlich Punkte abzog). Wo aber die Gemeinsamkeit zwischen diesem wunderbar kraftvollen Dramapop und Dimas seichtem, vom Bummsbeat zermörserten Gewinsel liegen sollen, erschließt sich mir nicht.

  15. Nachlese: Also es ist immer bitter, wenn die eigenen Favs. scheitern : ja, Portugal war klasse ! Aber wie schon erwähnt gab es einige Balladen, die der ‚ Senhora ‚ Stimmen gekostet haben, dazu noch der extrem schlechte Startplatz nach der Werbeunterbrechung ( im 2.Semi reichte es mit einem besseren Startplatz und ohne die Konkurrenz aus Russland und Serbien noch für den 2.Platz ! ) und die – leider nicht so populäre – Sprache. Da konnte bei aller Liebe und Sympathie für Portugal, Vania und Babic kein besseres Resultat erfolgen. Ich glaube schon, dass Dima in Konkurrenz zum den anderen Balladen – oder sogen wir mal – ‚ gefühlvollen ‚ Songs stand. So erklärt sich auch das etwas enttäuschende Resultat für Serbien. Gerade am Anfang, Dima allein auf der Bühne, sein „ leidendes „Gesicht und das kleinem Teelicht in der Hand: ich bin mir sehr sicher, dass dieses Bild viele Menschen gerührt hat. Island ist Geschmackssache, der Sound kommt eben nicht überall an – ich fand ihn von den Skandinavischen Beiträgen auch eindeutig am besten ABER Island litt auch an der großen Konkurrenz aus dem eigenen Lager : sprich hauptsächlich Dänemark und noch mehr Norwegen, dass die meisten Skandi-Votes auf sich vereinen konnten und ja auch sonst besser wegkam. Da blieb für Island einfach nicht mehr viel übrig und über Schweden ist ja schon alles gesagt worden. Der Song hat sich abgenutzt und wer immer Charlotte eingeredet hat, sie sähe in grauem Licht besonders gut aus, verfügt über einen zumindest „ exzentrischen „ Geschmack. Das war einfach nicht gut und die Schweden haben sich halt noch schlechter verkauft, als 2007. Sie kochen halt auch nur mit Wasser und das MF ist schon lange nicht mehr die beste VE, sie lebt hauptsächlich vom vergangenen Glanz. Der Osten gibt sich zur Zeit einfach mehr Mühe – jedenfalls meistens, auch da gibt es gute und schlechtere Beiträge. In Punkto Ehrgeiz wurden aber inzwischen alle westlichen Teilnehmer überholt. Ich glaube, dass ist es, was wirklich irritiert und zu gewissen Schlagzeilen führt : man kann immer noch Bilder von Anfang der 90er im Kopf und kann sich nicht vorstellen, dass sich diese Länder weiterentwickelt haben. Wobei allerdings Griechenland, Finnland und die Türkei beweisen haben, dass auch alte ESC- Teilnehmer sehr erfolgreich die Herausforderung annehmen und meistern können.

  16. Herrjemine, die zweite: Was bitte sollte denn diese Vorstellung? Ich habe mich selten bei einem ESC dermaßen gelangweilt. Grausam. Und die Inkonsequenz der EBU machte es nicht besser – sich durch 42 Länder langweilen zu müssen, ist ja an sich schon kein Spaß (danke an das Genie, das die Idee hatte, nur noch die besten drei Wertungen einzeln anzusagen!), aber mit einer derartig berechenbaren Wertung gerät das zum heulenden Elend. Oder zu einem Trinkspiel (leider bin ich Abstinenzler). Man kann von den Letten, dem Franzosen und dem Spanier halten, was man will, aber die haben wenigstens Abwechslung reingebracht. Ansonsten war das auf Sieg berechnetes Plastikgesülze der übelsten Art. Der Geist von 2002 lauert. Es war ja noch nicht mal was dabei, das zum Ablachen schlecht gewesen wäre (für andere Leute mag Spanien diese Rolle erfüllt haben, für mich nicht, denn so falsch war das nicht). Andererseits: ich habe mich damals über 2001 und 2002 auch aufgeregt, und darauf folgte dann einer der stärksten Jahrgänge überhaupt. Hoffen auf Moskau, denn das Beste an Belgrad waren die Trailer vor den Liedern (die waren richtig klasse). Und wer ernsthaft geglaubt hat, die No Angels hätten Chancen, musste sich beim Auftritt ganz schön vergackeiert vorkommen. Die Bordsteinschwalben im Windkanal (O-Ton einer Freundin von mir) waren schlicht unerträglich. Hinweis: Es kommt nicht auf den Beat an, sondern auf den Gesang, zumindest sollte das so sein. Wenn man unter dem Beat den Gesang überhaupt nicht hören kann, ist was falsch eingestellt! (Hätte das nicht bei Dervish oder Jemini passieren können?!)

  17. Welche Contests hat der OP gesehen? ‚Einer der musikalisch stärksten ESCs des neuen Jahrtausends‘? Gut, ein Körnchen Wahrheit steckt schon drin, weil wir in den letzten Jahren einige der übelsten ESCs aller Zeiten hatten (2001? 2002?!). Aber im Vergleich mit 2003 oder 2006 war 2008 furchtbar. Vor allem furchtbar langweilig. Die Portugiesin war skandalös unterbewertet. Die Griechin kam VIEL zu gut weg, ebenso die Ukrainerin. Und zu Dima ‚wir haben das ganze Geld für die Show und den Produzenten ausgegeben‘ Bilan sage ich lieber gar nichts. Das Lied von 2006 war (Überraschung!) um Längen besser. Da hätte ich lieber noch die Esten im Finale gesehen. Von wegen es gibt heutzutage keine Nulpointer mehr beim ESC – das hätte es verdient gehabt. Und wenn man potentiellen Nulpointern eins nicht nachsagen kann, ist es mangelnder Unterhaltungswert (es sei denn, sie kommen aus Österreich :p ).

  18. Island? Ohje. Meine Ohren sind wohl zu weiblich heterosexuell, um die Faszination für Islands extrem abgelutschten 90er Eurotrash-Schlager zu begreifen. Wollen wir wirklich wieder zurück in die Tage von sinnbefreiten ‚Uzz-Uzz‘-Rumgehüpfe, zu Jahrgängen von 2001/2002, wo jedes zweite Lied gleich furchtbar klang? Dann schon lieber der Sieg der ultimativen Show aus Russland, damit wir es um Himmels willen endlich hinter uns haben und nicht weiter mit auf Biegen und Brechen zum Sieg gepuschten Liedern gequält werden. Über die gefallenen Engel lege man am besten den Mantel des betretenen Schweigens, der Jemini/Dervish-Award geht 2008 an Sandy.

  19. Nanu? Ich könnte schwören, hier waren schon mal mehr Kommentare! Ich wollte eigentlich nur die Anmerkung von wegen ‚erster erträglicher baltischer Beitrag kommentieren‘, und zwar mit zwei Worten: Keelatud maa (EE 1997). Eine meiner persönlichen Lieblingsballaden des ESC überhaupt. Estland gehört nun mal zum Baltikum.

  20. Hmm, da sind dem Hausherrn bei den aktuellen Ergänzungen wohl Wunsch und Wirklichkeit durcheinander geraten. Eric Saade wurde 2011 Dritter, nicht Zweiter. Ausblenden unerwünschter, von den Jurys gepushter Ergebnisse, anyone? 🙂

  21. Genau so ist es! Selbstverständlich beziehe ich mich da oben im Text alleine auf das Televoting-Ergebnis. Denn das ist in meinen Augen das einzig gültige. Und nicht, weil es jetzt um Eric Saade geht (ich steh ja nicht so auf Twinks), sondern weil die Jurys, so wie früher auch, so entsetzlich groteske Fehlurteile fällen. Und weil sie undemokratisch sind. Deshalb gilt für mich: Eric Saade wurde 2011 Zweiter, Blue wurden Fünfte, der Rafael Gualazzi oder wie er hieß wurde Elfter.

  22. Beim ukrainischen Anagram trügt dich deine Erinnerung. Ani Lorak ist das Namensvorbild von Tina Karol und nicht umgekehrt. Ani ist länger im Musikgeschäft als Tina und legte sich den Künstlernamen zu, um nicht mit einer anderen Karolina in einem Musikwettbewerb verwechselt zu werden. Das war 1995 als Tina gerade mal 10 Jahre alt war.

Oder was denkst Du?