ESC Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kavi­ar

Logo des Eurovision Song Contest 2008 (2. Semi)
Das Eis­kunst­lauf­jahr

Zwölf Anläu­fe hat­te der flä­chen­größ­te und ein­woh­ner­stärks­te Teil­neh­mer­staat des Euro­vi­si­on Song Con­test für sei­nen ers­ten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Sei­nen Füh­rungs­an­spruch und sei­ne kul­tu­rel­le Zuge­hö­rig­keit zu Euro­pa woll­te Russ­land damit unter­strei­chen – und ver­tief­te doch nur die Grä­ben, denn kaum ein Sie­ger­ti­tel rief im Wes­ten so eine star­ke Ableh­nung her­vor wie Dima Bilans musi­ka­lisch mala­des und über­an­strengt dar­ge­bo­te­nes ‘Belie­ve’, wel­ches der Sarg­na­gel für das hun­dert­pro­zen­ti­ge Zuschau­er­vo­ting sein soll­te. Für den rus­si­schen Plat­ten­mil­lio­när, dem bei sei­nem Erst­ver­such 2006 mit dem deut­lich bes­se­ren ‘Never let you go’ nur die fin­ni­schen Mons­ter­ro­cker Lor­di in die Que­re kamen, reich­te es ledig­lich für einen schwa­chen Rang 54 in den deut­schen Ver­kaufs­charts.

Wenig sub­til gestal­te­te sich Dimas Auf­tritt: kolum­bia­nisch auf­ge­putscht starr­te er aus unter­tas­sen­gro­ßen Pupil­len in die Kame­ras, wälz­te sich brunf­tig auf dem Büh­nen­bo­den, kreisch­te und jodel­te sich durch sei­ne lah­me Gei­gen­bal­la­de und riss sich zum Schluss das Hemd vom Lei­be. Nach dem Mot­to “mehr ist mehr” schmis­sen die Rus­sen, die es dies­mal wirk­lich auf Bie­gen und Bre­chen wis­sen woll­ten, alles in die­se drei Minu­ten, was für Geld zu krie­gen war: eine vom unga­ri­schen Strei­cher­vir­tuo­sen Edvin Mar­ton gespiel­te ori­gi­na­le Stra­di­va­ri-Vio­li­ne von 1697; den Eis­kunst­lauf-Olym­pia­sie­ger Jew­ge­ni Pljuscht­schen­ko, der auf einem Fleck­chen Ersatz­eis aus spe­zi­el­lem Plas­tik sei­ne Pirou­et­ten um Dima her­um dreh­te, ohne dem bar­fü­ßi­gen Sän­ger dabei die Quan­ten abzu­fah­ren; sowie die wer­be­wirk­sam ein­ge­kauf­ten Bumms­beats aus dem Hau­se der US-Pro­du­zen­ten­le­gen­de Tim­ba­land – extra laut ein­ge­stellt, damit man sie auch wahr­nahm. Sechs Mil­lio­nen Euro habe sich Russ­land den Auf­tritt angeb­lich kos­ten las­sen. Wie man am Ergeb­nis sieht, kann Geld einen sol­chen Wett­be­werb gewin­nen.


Glaub an Dich selbst und es wird gelin­gen: Dima Bilan (RU)

Nicht ganz so gut lief es für Deutsch­land. Nach den Berich­ten von den Pro­ben der No Angels hat­te ich in einem Online-Wett­bü­ro Geld auf den letz­ten Platz für unse­ren Bei­trag ‘Disap­pe­ar’ gesetzt. Und behielt auch teil­wei­se Recht: mit der supers­eich­ten Schnarch­bal­la­de, einer völ­lig unin­spi­rier­ten Büh­nen­show mit kraft­los im mit­tel­star­ken Luft­strom der Wind­ma­schi­ne flat­tern­den Chif­fon­läpp­chen und einer durch­gän­gig mise­ra­blen stimm­li­chen Leis­tung teil­ten wir uns am Ende des Abends die Rote Later­ne punkt­gleich mit Polen und Groß­bri­tan­ni­en. Aller­dings sorg­ten 12 Punk­te aus Bul­ga­ri­en, wo die dort gebür­ti­ge Lucy Dia­kow­ska in der Jury der Cas­ting­show Pop Idols saß und ihre Lands­leu­te erfolg­reich zum Anruf für Deutsch­land aufforderte1)Das hat­te Lucy bereits bei der deut­schen Vor­ent­schei­dung öffent­lich ver­spro­chen, was bei einem hauch­dün­nen Vor­sprung von nur einem Pro­zent­punkt zu Caro­lin For­ten­ba­cher durch­aus eine aus­schlag­ge­ben­de Rol­le für den knap­pen Sieg der No Angels gespielt haben könnte., dafür, dass wir im inof­fi­zi­el­len Ran­king als Bes­te der Schlech­tes­ten abschnit­ten. Und dafür, dass wir uns nie wie­der in unse­rer typi­schen Selbst­ge­rech­tig­keit das Maul über die ach so unge­rech­ten Punk­te­schum­me­lei­en der ost­eu­ro­päi­schen Län­der bekla­gen dür­fen, wenn wir gleich­zei­tig unse­re eige­nen Kan­di­da­tin­nen so scham­los für ein von der musi­ka­li­schen Qua­li­tät völ­lig unab­hän­gi­ges Sym­pa­thie­vo­ting die Wer­be­trom­mel rüh­ren las­sen. Wie man an die­sem Bei­spiel sieht, sind wir für natio­na­lis­ti­sche Vor­teils­nah­me näm­lich genau so anfäl­lig wie alle ande­ren auch.


Why don’t you disap­pe­ar? Das dach­ten wir auch! Die Bla­ma­ge von Bel­grad (DE)

Ein wei­te­res 12-Punk­te-Mys­te­ri­um, das bei Kom­men­ta­tor Peter Urban für Irri­ta­ti­on sorg­te, klärt sich schnell auf: die Höchst­wer­tung von Mal­ta für Schwe­den basiert auf der dies­be­züg­li­chen Emp­feh­lung der bri­ti­schen Schla­ger­boys in einer mal­te­si­schen TV-Show nach dem unver­dien­ten Aus­schei­den der groß­ar­ti­gen More­na (‘Vod­ka’) im zwei­ten Semi. Zur Erin­ne­rung: im Jahr davor gaben die Mal­te­ser ihre Dou­ze Points aus Dank­bar­keit für die men­ta­le Unter­stüt­zung Oli­via Lewis’ durch die Schla­ger­boys an Groß­bri­tan­ni­en, deren ehe­ma­li­ger Müll­kut­scher und X-Fac­tor-Zwei­te Andy Abra­ham mit dem selbst ver­fass­ten ‘Even if’, einem sehr harm­lo­sen Motown­schla­ger, nun das abso­lu­te Schluss­licht bil­de­te. Womit wir beim The­ma sind: ja, die Punk­te­ver­ga­be im 2008er Fina­le war eine ein­zi­ge Tra­ves­tie. Und nein, nicht Dima (der aus Deutsch­land acht Punk­te erhielt) hät­te gewon­nen, hät­te nur der Wes­ten abge­stimmt, son­dern die grie­chi­sche Heli­um-Eule Kalo­moi­ra (12 deut­sche Punk­te) – noch unver­dien­ter!


“I’m not easy but I’m true”: gleich zwei Lügen in einem Satz! (GR)

Dass man die Top­wer­tun­gen aus den ein­zel­nen Län­dern (auch aus denen des “alten Euro­pa”) im Schlaf vor­her­zu­sa­gen ver­moch­te, ver­stärk­te beim Zuschau­er den Ein­druck, dass die Abstim­mung aus­schließ­lich nach natio­na­lis­ti­schen Gesichts­punk­ten erfolg­te und nicht nach musi­ka­li­schen. Dass es auch anders gin­ge, bewie­sen die bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den, wo nur die betei­lig­ten Län­der mit­stim­men durf­ten und wo prompt tat­säch­lich die bes­ten Songs gewan­nen. Hät­te man die­ses Kon­zept mal für das Fina­le über­nom­men, statt den fal­sches­ten Weg zu wäh­len und die geschmacks­kor­rup­ten Jurys wie­der ins Boot zu holen! Zur Sen­dung: eine erneut deut­lich sap­p­hi­sche Show bot uns Mari­ja Šerifo­vić, die dicke ser­bi­sche Sie­ges­les­be vom Vor­jahr, zur tech­no­iden Ver­si­on von ‘Molit­va’. Und gab mit den zwei­fa­chen Trick­klei­dern ihrer Tän­ze­rin­nen gleich das The­ma vor. Nur ihre Stim­me schien die Inha­be­rin des Nana-Mouskou­ri-Bril­len-Gedächt­nis­prei­ses zwi­schen­zeit­lich ver­lo­ren zu haben.


Bera­tung für die Show-Idee: ver­mut­lich Marie N (LV 2002)?

Auch nach dem bereits erwähn­ten skan­da­lö­sen Aus­schei­den von More­nas ‘Vod­ka’ im zwei­ten Semi fand sub­ti­le Alko­hol­wer­bung ihren Platz bei die­sem Wett­be­werb: nach einem von den Gast­ge­bern Jova­na Jan­ko­vić und Žel­j­ko Jok­si­mo­vić (RS 2004, der auch gleich den Heim­bei­trag ‘Oro’ geschrie­ben hat­te) zur Begrü­ßung auf offe­ner Büh­ne kon­su­mier­ten Gläs­chen Sekt eröff­ne­te der rumä­ni­sche Kitsch­te­nor Vlad Miriţă den ers­ten Bei­trag des Abends ‘Pe-o Mar­gi­ne de Lume’ mit dem Wort “Vino”. Was zwar im Rumä­ni­schen für “komm” steht, für den mit­tel­eu­ro­päi­schen Durch­schnitts­al­ko­ho­li­ker aber nun mal wie die Auf­for­de­rung zum Griff nach der Lam­brusco­fla­sche klingt. Und zum Alko­hol muss­te man auch grei­fen, um das schmal­zi­ge Gejo­del zu über­ste­hen. Vor allem ab der Stel­le, wo sei­ne stimm­lich deut­lich unter­le­ge­ne Duett­part­ne­rin Nico Matei dazu stieß. Immer­hin ent­schä­dig­te sexy Vlad mit einem schön kusch­lig behaar­ten Aus­schnitt: ein Mann für kal­te Näch­te!


Schö­ner Song, klas­se Sän­ge­rin, schlim­mes Out­fit: Olta Boka (AB)

Erstaun­lich selbst­si­cher per­form­te die erst sech­zehn­jäh­ri­ge Alba­ne­rin Olta Boka. Erstaun­lich vor allem wegen ihres grau­en­haf­ten, bauch­frei­en schwar­zen Fracks mit ent­setz­lich häss­li­chen, auf­ge­stick­ten Appli­ka­tio­nen: modi­scher Geschmack scheint den Ski­pe­ta­ren eben­so fremd zu sein wie Sinn für Iro­nie. Hof­fent­lich hol­te sie sich im orkan­ar­ti­gen Sturm der Wind­ma­schi­ne kei­ne Nie­ren­be­cken­ent­zün­dung! Ihr ‘Zem­rën e lamë peng’ (Alba­ni­en: am ë sollt ihr es erken­nen!) bezau­ber­te mit sprö­den Eth­no­klän­gen und, eher unge­wohnt für die­ses Land, har­mo­ni­schem Gesang. Eine bes­se­re Plat­zie­rung wäre Olta zu wün­schen gewe­sen. Nach drei Minu­ten deut­schen Fremd­schä­mens (herr­lich sub­til bös­ar­tig Peter Urban: “Das war ihr größ­ter Moment!”) bewies die arme­ni­sche Sirus­ho Haru­ty­un­yan, wie man es rich­tig macht: artis­ti­sche Tän­zer, ein knap­pes Fran­sen­röck­chen, das sie mit necki­schen Hüft­schwün­gen stän­dig in Bewe­gung hielt, eine star­ke Stim­me und ein dezent eth­no-instru­men­ta­li­sier­ter Dis­cost­amp­fer mit ein­fach zu mer­ken­dem, mit­singba­ren Refrain (‘Qele qele’). Schaut her, ihr Engel: so geht Euro­vi­si­on!


Das Lied der Mau­rer: Kel­le, Kel­le (AM)

Oder so, wie es der bos­ni­sche Hel­ge Schnei­der zele­brier­te. Vier absicht­lich häss­lich zurecht­ge­mach­te Bräu­te mit Blu­men­kohl­sträu­ßen, eine Irre mit Cyn­di-Lau­per-Fri­sur und apfel­be­stick­tem Kleid und der sich im Wäsche­korb ver­ste­cken­de Laka. Dazu kräh­ten sie: “Bleib auf dem Bal­kon, Laka hat es so gesagt” und ähn­lich sinn­be­frei­te Text­zei­len und häng­ten zwi­schen­durch ihre Wäsche zum Trock­nen auf. Völ­lig durch den Wind (und wie ich zuge­ben muss, auch von mir anfäng­lich miss­ver­stan­den), aber unglaub­lich char­mant und skur­ril – oder um es in den Wor­ten des befreun­de­ten Euro­vi­si­ons­ex­per­ten Geor­gi­os Pour­sa­ni­dis zu sagen: “Ganz gro­ße Kunst”! Was die eins­ti­ge Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin Dana Inter­na­tio­nal (IS 1998) wohl bewog, die sanf­te Bal­la­de ‘The Fire in your Eyes’ für Boaz Mau­da zu schrei­ben: sei­ne stimm­li­chen oder sei­ne opti­schen Vor­zü­ge? Zwar ver­wirrt es im ers­ten Moment, ein sol­ches wohl­aus­ge­stat­te­tes Mus­kel­schränk­chen mit einer sol­chen Kas­tra­ten­stim­me sin­gen zu hören. Doch genau aus die­sem Umstand, dass hier Ofra Haza (IL 1983) im Kör­per Kea­nu Ree­ves’ wie­der­kehr­te, macht den eigent­li­chen Reiz des für sich genom­men doch eher lah­men Lie­des aus. Und natür­lich die­se sexy Spock-Ohren, die per­fekt gezupf­ten Augen­brau­en, die durch­trai­nier­ten Arme (ja, ich weiß, ich bin ober­fläch­lich und sexis­tisch. Sor­ry.).


Ganz gro­ße Kunst: Laka & die stri­cken­den Bräu­te (BA)

Das führt uns zum nächs­ten Bei­trag: böse Zun­ge ver­brei­te­ten das Gerücht, die wil­den Män­ner von Ter­äs­be­to­ni (‘Mis­sä mie­het ratsa­staa’‘Wo die wil­den Män­ner rei­ten’) hät­ten sich die Ober­kör­per geschminkt, um mus­ku­lö­ser zu erschei­nen. Egal: ich wür­de sofort mit ihnen eine Run­de mit­rei­ten! Groß­ar­tig ihre Mischung aus grad­li­ni­gem Metal im Sti­le von Iron Mai­den, einem nean­der­ta­les­ken Text und klei­nen Anlei­hen bei Ralph Sie­gels ‘Dschinghis Khan’. Lei­der erfuh­ren sie mit dem zwei­und­zwan­zigs­ten Platz eine gro­tesk unge­rech­te Bewer­tung, zumal sie um ein Viel­fa­ches unter­halt­sa­mer waren als die lang­wei­li­gen tür­ki­schen Polit­ro­cker Mor ve Öte­si, denen das Dia­spor­a­vo­ting unge­recht­fer­tigt über ein­hun­dert Punk­te mehr bescher­te. Kata­stro­phal die Kame­ra­füh­rung bei Kroa­ti­en: nie­mand woll­te die irri­tie­ren­de Tän­ze­rin sehen, auf wel­che sich die Bild­re­gie stän­dig fokus­sier­te, son­dern den lus­ti­gen, knot­tern­den Opi 75 Cents, der als Solist die Stra­ßen­mu­si­kan­ten Kral­je­vi Uli­ce bei ‘Roman­ca’ beglei­te­te. Selbst wäh­rend sei­ner Glanz­auf­trit­te, als er schimp­fend am Büh­nen­rand skan­dier­te (moser­te er über die auf­säs­si­ge Jugend oder die Brot­prei­se in Zagreb?) oder am Gram­mo­fon den rüs­ti­gen Plat­ten­krat­zer gab, zeig­ten die Kame­ras lie­ber die rot­ge­wan­de­te Ische, die auf den für den Fall der Fäl­le vor­sorg­lich bereit­ge­stell­ten Blut­kon­ser­ven her­um­trom­mel­te.


Erst 2012 als ältes­ter Euro­vi­si­ons­teil­neh­mer abge­löst: 75 Cents (†2010) (HR)

Unver­gess­lich und zwerch­fell­er­schüt­ternd das auf­rich­tig erschro­cke­ne “Huch!” aus dem Mun­de mei­nes guten Freun­des und Mit­schau­en­den Mar­kus Schu­bert, als Fri­drik Omár von der islän­di­schen Euro­band nach einer Minu­te mit­ten im Song plötz­lich abtauch­te und statt sei­ner unver­mit­telt die bis dahin nicht prä­sen­te Regi­na Ósk im Bild prang­te – zumal sich die Bei­den so ähn­lich sehen wie Zwil­lin­ge und man glau­ben konn­te, Fri­drik habe mal eben das Geschlecht gewech­selt. Das sind gro­ße Euro­vi­si­ons­mo­men­te! Zur fabel­haf­ten Neun­zi­ger­jah­re-Euro­dance-Hym­ne ‘This is my Life’, mei­nem offi­zi­el­len Grand-Prix-Lieb­lings­bei­trag aller Zei­ten, kann ich ohne­hin nur sagen: Völ­ker der Erde, schaut auf die­sen Song! Ein inspi­rier­ter Text (das Jahr­tau­send-Update zu Glo­ria Gay­nors ‘I am what I am’), eine mit­rei­ßen­de Melo­die, ein ham­mer­har­ter Hou­se­beat und eine strah­len­de Dar­bie­tung: so und nicht anders muss ein Euro­vi­si­ons­song sein!


Bei 1:12 Min pas­sierts: schwupp, weg war er! (IS)

Mit Vânia Fer­nan­des folg­te die mora­li­sche Gewin­ne­rin die­ses Jahr­gangs. Geschich­te hät­te hier geschrie­ben wer­den kön­nen: der ers­te Sieg für den Euro­vi­si­ons-Außen­sei­ter Por­tu­gal mit sei­nem aller­ers­ten (und bis heu­te aller­ein­zi­gen) wirk­lich guten Bei­trag, kom­po­niert vom Kroa­ten Andrej Babić. Eine gera­de­zu mär­chen­haf­te West-Ost-Ver­söh­nung. Doch damit woll­ten die Euro­vi­si­ons­göt­ter noch ein Jähr­chen war­ten: im Semi noch Rang 2, reich­te es im Fina­le dank der sta­bi­len Voting­blö­cke nur für eine ent­täu­schen­den 13. Platz. Dabei hat­te die­se Num­mer alles: ein auf­wüh­len­des, mit­rei­ßen­des Kla­ge­lied an das Meer, das Vâni­as Liebs­ten mit sich nahm (gewis­ser­ma­ßen ‘Der Stern von Myko­nos’ 2008), kom­pe­tent dar­ge­bo­ten von einer stimm­ge­wal­ti­gen, kor­pu­len­ten Domi­na in einem schwar­zen Wal­le­ge­wand mit im Wind­ma­schi­nen­sturm dra­ma­tisch wehen­der Schlep­pe (sieh und ler­ne, Joy Fle­ming [DE 1975]!) und ihrem bar­fü­ßi­gen Chor der armen Fischers­leut’. Am Ende ihres Trä­nen­zie­hers schick­te sie noch einen dro­hen­den, fins­te­ren Blick in die Kame­ra, der zu sagen schien: “Ruf für mich an oder ich komm und fress Dich auf!” Für die Chro­nik: ich war folg­sam, Vânia!2)Das Dro­hen­de war natür­lich nur gespielt: beim Fan­club­tref­fen des ECG im Herbst 2008 prä­sen­tier­te sich Vânia der­ma­ßen lie­bens­wür­dig und warm­her­zig, dass ich mich auf der Stel­le in sie verliebte.


Mit klei­nen insze­na­to­ri­schen Anlei­hen an ‘Lej­la’ (BA 2006) und ‘Molit­va’ (RS 2007): die fabel­haf­te Vânia (PT)

Das nau­ti­sche The­ma beschäf­tig­te auch die See­fah­rer­na­ti­on Lett­land. Ihre Pira­ten­com­bo Wol­ves of the Sea kam, sah und ver­an­stal­te­te Kin­der­fa­sching mit viel “Hi hi hi” und “ho ho ho”, einer simp­len und damit glück­lich machen­den YMCA-Cho­reo­gra­fie (sieh und ler­ne, DJ Bobo!) und einem lus­ti­gen, gro­ben Bal­ler­mann­schla­ger. Nach dem sieb­ten Schnaps eine unschlag­ba­re Num­mer. Dass sie mehr Punk­te beka­men als Vânia ist gro­tesk, den­noch han­del­te es sich hier­bei um den aller­ers­ten erträg­li­chen bal­ti­schen Bei­trag beim Con­test. Ever. Zwei­mal hin­ter­ein­an­der ret­te­ten Juro­ren die schwe­di­sche Sie­ge­rin von 1999, Char­lot­te Per­rel­li, mit dem per­fek­tes­ten Schwe­den­schla­ger aller Zei­ten, dem camp­tas­ti­schen ‘Hero’: zuerst im hei­mi­schen Melo­di­fes­ti­va­len, wo sie die dür­re Blon­di­ne gegen den Wil­len der Zuschau­er­mehr­heit zur Ver­tre­te­rin des Kött­bull­ar­lan­des kür­ten, sowie im Semi­fi­na­le, wo sie Chu­ckys Braut den zehnt­plat­zier­ten (und ent­spre­chend erbos­ten) Maze­do­ni­ern vor­zo­gen. Im Fina­le hin­ge­gen war die weib­li­che Ver­si­on von Micha­el Jack­son (Stich­wort: Chir­ur­gie-Over­kill) allei­ne auf das Wohl­wol­len der Tel­e­vo­ter ange­wie­sen. Mit mage­ren 47 Punk­ten lan­de­te sie im hin­te­ren Mit­tel­feld.


Hui, hast Du aber ein gro­ßes Schwert! (LV)

Was zwei Din­ge beweist: es ist kei­ne gute Idee, eine Sän­ge­rin zu schi­cken, deren Gesicht und Kör­per der­ma­ßen bru­tal gestrafft aus­sieht, dass man unwill­kür­lich an Jackos ‘Ghosts’-Video mit sei­nen tan­zen­den Ske­let­ten den­ken muss. Und man kann die brei­te Mas­se nicht durch Bevor­mun­dung zu gutem Geschmack erzie­hen. Lei­der, denn ein Euro­vi­si­on Song Con­test, in dem Songs wie ‘Hero’ oder auch das islän­di­sche ‘This is my Life’ kei­ne Top-Ten-Plat­zie­run­gen mehr errei­chen kön­nen, ist auf Dau­er nicht mehr der mei­ne. Dan­kens­wer­ter­wei­se konn­te Eric Saa­de 2011 mit sei­nem zwei­ten Platz für ‘Popu­lar’ mei­nen Glau­ben an die Mensch­heit vor­erst wie­der her­stel­len. Däne­mark inkar­nier­te den jun­gen Horst Buch­holz und ließ ihn einen grau­sa­men, schon eine Mil­li­on Mal gehör­ten Bier­zelt­schla­ger into­nie­ren. Wie uns Peter Urban infor­mier­te, lern­te Simon Mathew Poli­zist, für den Fall, dass es mit sei­ner Musik­kar­rie­re nicht mehr klap­pen soll­te. Okay: fest­neh­men dürf­te er mich jeder­zeit und auch ‘All Night long’, ähm: ver­hö­ren – solan­ge er dabei bloß nicht singt!


Der arti­fi­zi­el­le Schwarz­weiß-Ein­stieg wirk­te auch eher befremd­lich: Char­lot­te (SE)

Ralph Sie­gel, der hier­zu­lan­de Ver­schmäh­te, fand wohl dies­mal Schla­ger­asyl in Geor­gi­en. Anders erklärt es sich kaum, dass über­ra­schend Corin­na May (DE 2002) mit einem Update von Nico­les ‘Ein biss­chen Frie­den’ (DE 1982) auf­tauch­te. Trotz som­mer­li­cher Tem­pe­ra­tu­ren in Bel­grad star­te­te Dia­na Gurt­s­ka­ya (so Corin­nas Pseud­onym) dick in schwar­zes Leder ein­ge­packt. Kurz vor dem Schluß­re­frain wedel­ten ihre Tän­zer dann ein gro­ßes Bett­la­ken über sie hin­weg und – schwupps – ver­wan­del­te sie sich in einen wei­ßen Frie­dens­en­gel. Gähn. Amü­sant allen­falls ihre Aus­spra­che: han­del­te es sich nun um Boh­nen, deren Ankunft sie erwar­te­te (‘Peas will come’), Frem­du­rin (‘Piss will come’) oder gar eja­ku­lie­ren­de Fer­kel­chen (‘Pigs will cum’)? Eins ist sicher: ‘Peace will come’, so der eigent­li­che Song­ti­tel, sang sie defi­ni­tiv nicht. Das wäre auch zynisch gewe­sen: im Som­mer des glei­chen Jah­res pro­vo­zier­te Geor­gi­en eine krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem frü­he­ren Müt­ter­chen Russ­land um das abtrün­ni­ge Süd­os­se­ti­en.


“Schnauf, schnauf, schnauf – tänk ju!” Nach die­ser Tour de Force aber auch ver­ständ­lich! (UA)

Ani Lorak (eigent­lich Caro­li­na Myros­la­viv­na Kuiek, ihr Künst­le­rin­nen­na­me ist nach eige­ner Aus­sa­ge ein Ana­gramm ihres Vor­bil­des, der 2006er Vor­gän­ge­rin Tina Karol) bot die paten­tier­te ukrai­ni­sche Rezep­tur: ein fan­tas­ti­scher Dis­co­schla­ger mit leicht mit­singba­rem Refrain (‘Shady Lady’), opti­sche Gim­micks wie der beleuch­te­te IKEA-Schlaf­zim­mer­schrank, rad­schla­gen­de Tän­zer und eine star­ke Stim­me trotz drei­mi­nü­ti­ger Hoch­leis­tungs­cho­reo­gra­fie. Scha­de nur, dass das Geld nicht mehr für einen eige­nen Büh­nen­fum­mel reich­te und sie sich Char­lot­tes Lamet­ta-Ensem­ble lei­hen muss­te. Frank­reich schick­te Rein­hold Mess­ner den Yeti Sébas­ti­en Tel­lier. Der zu Hau­se kom­mer­zi­ell sehr erfolg­rei­che Elek­tro­gu­ru, der unter ande­rem schon mit Daft Punk zusam­men­ar­bei­te­te, erbrach­te den Beweis, dass (noch so guter!) moder­ner Elek­tro­funk live nicht funk­tio­niert. Auch sein mit ange­kleb­ten Voll­bär­ten kos­tü­mier­ter, etwas dis­har­mo­ni­scher Chor und der Golf­bug­gy, in dem er läs­sig ein­schweb­te, konn­ten die auf Plat­te durch­aus gou­tier­ba­re Num­mer nicht vor der Lan­ge­wei­le ret­ten. Zudem war­te­te man irgend­wie dar­auf, dass Mot­ten und Frucht­flie­gen sei­ner Mäh­ne ent­fleuch­ten: nach Berich­ten der Blog­ger sei er die gan­zen Pro­be­wo­chen über mit unge­wa­sche­nen Zot­teln her­um­ge­lau­fen.


Scha­de, dass die Backings stimm­lich nicht immer ganz har­mo­nier­ten! (FR)

Trick­klei­der à go go: das aser­bai­dscha­ni­sche Duo Elnur & Samir ver­klei­de­te sich als Engel­chen und Teu­fel­chen und ent­bot das­sel­be kas­tra­ten­haft-dis­har­mo­ni­sche Kriegs­ge­schrei (‘Day after Day’) wie schon im Semi. Nur, dass Samirs Teu­fels­kos­tüm dies­mal im ent­schei­den­den Moment, als er sich – von Elnur weich­ge­sun­gen – eben­falls in einen Hüter des Guten ver­wan­deln soll­te, klemm­te und die Tän­ze­rin­nen erheb­li­che Mühen hat­ten, ihn aus dem schwar­zen Cape her­aus­zu­pel­len. Bes­ser funk­tio­nier­te das bei der Grie­chin Kali­me­roKalo­der­maKalo­moi­ra, deren Trick­kleid von einem pink­far­be­nen Wäsche­korb zusam­men­ge­hal­ten wur­de. Die Ersatz-Sha­ki­ra mit der Heli­um­stim­me bedien­te sich frei­zü­gig an Hele­na Papa­riz­ous sieg­rei­chem Song von 2005, ‘My Num­ber One’, vom hoch repe­ti­ti­ven Refrain über die Instru­men­tie­rung bis zur Cho­reo­gra­fie, und bezeich­ne­te die­ses bis zur Unkennt­lich­keit aus­ge­walz­te, stein­al­te Rezept  iro­ni­scher­wei­se als ‘My secret Com­bi­na­ti­on’. Dass sie den drit­ten Platz beleg­te (und im Semi gar gewann), kann man nur als Schlag ins Gesicht all derer, die sich Mühe mit ihrem Bei­trag gaben, auf­fas­sen.


Selbst auf dem CSD seit 10 Jah­ren pas­sé: der Engels­flü­gel (AZ)

Rodol­fo Chi­ki­li­cuat­re ist so etwas wie der Ste­fan Raab (DE 2000) Spa­ni­ens. Er brach­te mit ‘Bai­la el Chi­ki Chi­ki’ eine für ibe­ri­sche Zuhö­rer sicher­lich ori­gi­nel­le, für den euro­päi­schen Zuschau­er aber eher anstren­gen­de Par­odie auf alber­ne Som­mer­hit-Cho­reo­gra­fi­en und den im Hei­mat­land sehr belieb­ten Reg­ga­etón (das am Anfang gebrüll­te “¡Per­rea!” ist der Name des zu die­sem Musik­stil gehö­ren­den, las­zi­ven Tan­zes). Sie bei der erst­ma­lig inter­net­ba­sier­ten spa­ni­schen Vor­ent­schei­dung gegen Hor­den bes­se­rer Bei­trä­ge durch­zu­drü­cken, stell­te für ihn als popu­lä­ren Pri­vat­fern­seh-Show­mas­ter nicht das gerings­te Pro­blem dar. Zumal sei­ne Lands­leu­te auf­grund der per­ma­nen­ten (und in der Tat skan­da­lös zu nen­nen­den) Miss­ach­tung der spa­ni­schen Bei­trä­ge durch die euro­päi­schen Tel­e­vo­ter ohne­hin auf Kra­wall gebürs­tet waren und es uns mit die­ser Num­mer so rich­tig heim­zah­len woll­ten. Was, natür­lich, nach hin­ten los­ging: Platz 16. Natio­na­ler Humor funk­tio­niert im pan­eu­ro­päi­schen Kon­text in den sel­tens­ten Fäl­len – zumal, wenn Geflü­gel (‘Chi­ki’) dar­in eine Rol­le spielt, wie der im ers­ten Semi hän­gen geblie­be­ne Dus­tin the Tur­key aus Irland sicher­lich bestä­ti­gen kann.


Sehr lus­tig (und Teil des Acts): der Sturz bei 1:40 Min. (ES)

Oro’, der zwei­ten Toten­kla­ge im Wett­be­werb nach ‘Sen­ho­ra do Mar’, fehl­te ein wenig der Glanz frü­he­rer Jok­si­mo­vić-Per­len. Zu sehr klang das nach dem sieb­ten Auf­guss, auch wenn Jele­na Tomaše­vic alle Regis­ter zog und ich für sol­che tod­trau­ri­ge bal­ka­ni­sche Dra­ma­tik eine ech­te Schwä­che habe. Der Song­text rekur­riert übri­gens auf den kirch­li­chen Fei­er­tag “Vidov­dan”, den Sankt-Veits-Tag, an dem 1389 eine his­to­ri­sche Schlacht der Sla­wen gegen die Osma­nen auf dem Amsel­feld (heu­ti­ges Koso­vo) statt­fand, die für vie­le Ser­ben bis heu­te iden­ti­täts­stif­ten­de Bedeu­tung hat. Sub­ti­les State­ment gegen die kurz zuvor erfolg­te und von Ser­bi­en nicht aner­kann­te Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung der mitt­ler­wei­le alba­nisch domi­nier­ten Regi­on – oder purer Zufall? Einen ver­söhn­li­chen, run­den Abschluss setz­te die knuffi­ge Maria Hau­kaas Storeng aus Nor­we­gen, die mit ihrem careyes­ken ‘Hold on, be strong’ die Zuschau­er schon mal sanft auf die fol­gen­de har­te Prü­fung der Punk­te­ver­ga­be ein­stimm­te.


Da ent­gleist ihr zwi­schen­drin aber mal schwer die Stim­me: Jele­na (RS)

Musi­ka­lisch also einer der Spit­zen­jahr­gän­ge, der nicht nur mit etli­chen mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­ti­teln auf­war­ten konn­te, son­dern auch mit einer durch­gän­gig hohen Qua­li­tät der Bei­trä­ge über­zeug­te. Hier gaben sich fast alle ein vor­erst letz­tes Mal erkenn­bar Mühe, kon­tem­po­rä­re Songs zu schi­cken, die mög­lichst auch auf dem regu­lä­ren Pop­markt bestehen könn­ten: das sichers­te Rezept, die Tel­e­vo­ter zum Anru­fen zu bewe­gen. Was lei­der in den Weh­kla­gen über die vor­her­seh­ba­ren Punk­te­ver­ga­ben und das für die Gro­ßen Vier wenig schmei­chel­haf­te, wenn­gleich gerecht­fer­tig­te Ergeb­nis unter­ging. Hat­te die Kata­stro­phe von Kiew (letz­ter Platz für Gra­cia 2005) die Demis­si­on von NDR-Mann Jür­gen Mei­er-Beer zur Fol­ge, so schmiss nach der Bla­ma­ge von Bel­grad Tho­mas Her­manns den Bet­tel hin. Und der NDR war rat­lo­ser als zuvor.

#LandInter­pretTitelPunk­tePlatz
01RONico & VladPe-o Mar­gi­ne de Lume04520
02UKAndy Abra­hamEven if01425
03ABOlta BokaZem­rën e lamë peng05517
04DENo AngelsDisap­pe­ar01423
05AMSirus­ho Haru­ty­un­yanQele qele19904
06BALakaPokušaj11010
07ILBoaz Mau­daThe Fire in your Eyes12409
08FITer­äs­be­to­niMis­sä Mie­het ratsa­staa03522
09HRKral­je­vi Uli­ce + 75 CentRoman­ca04421
10PLIsis GeeFor Life01424
11ISEuro­bandThis is my Life06414
12TRMor ve Öte­siDeli13807
13PTVânia Fer­nan­desSen­ho­ra do Mar06913
14LVPira­tes of the SeaWol­ves of the Sea08312
15SEChar­lot­te Per­rel­liHero04718
16DKSimon MathewAll Night long06015
17GEDia­na Gurt­s­ka­yaPeace will come08311
18UAAni LorakShady Lady23002
19FRSébas­ti­en Tel­lierDivi­ne04719
20AZElnur Hüs­ey­n­ov + Samir Cavad­zadəDay after Day13208
21GRKalo­mi­ra Saran­tiSecret Com­bi­na­ti­on21803
22ESRodol­fo Chi­ki­li­cuat­reBai­la el Chi­ki Chi­ki05516
23RSJele­na Tomaše­vićOro16006
24RUDima BilanBelie­ve27201
25NOMaria Hau­kaas StorengHold on be strong18205

<– ESC 2. Semi 2008: Pira­te Ladies of the Sea

DVE 2009: Kiss, Fist, Gang-Bang –>

Fußnote(n)   [ + ]

1. Das hat­te Lucy bereits bei der deut­schen Vor­ent­schei­dung öffent­lich ver­spro­chen, was bei einem hauch­dün­nen Vor­sprung von nur einem Pro­zent­punkt zu Caro­lin For­ten­ba­cher durch­aus eine aus­schlag­ge­ben­de Rol­le für den knap­pen Sieg der No Angels gespielt haben könnte.
2. Das Dro­hen­de war natür­lich nur gespielt: beim Fan­club­tref­fen des ECG im Herbst 2008 prä­sen­tier­te sich Vânia der­ma­ßen lie­bens­wür­dig und warm­her­zig, dass ich mich auf der Stel­le in sie verliebte.

31 Gedanken zu “ESC Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kavi­ar

  1. Merkt Euch die 4 Die Engel wer­den total unter­schätzt. So gut wie in die­sem Jahr waren unse­re Sieg­chan­cen seit Nico­le nicht mehr. Und das gera­de weil der Song mit­tel­mä­ßig gut ist und somit durch die gute prof­fes­sio­nel­le Per­for­mance der 4 über­ra­schen wird. Genau das ist GP. Es gewin­nen nicht die Favo­rits und auch nicht unbe­dingt die bes­ten Stü­cke. Die Engel sind kei­ne Gir­lie-Band mehr, sie sind prof. Künst­le­rin­nen gewor­den. In drei Minu­ten kann man sie und die bes­tens GPge­eig­ne­te Per­for­mance gar nicht aus­rei­chend wahr­neh­men und des­halb möch­te man sie noch­mal sehen und ruft für sie an. Jede Wet­te! Ich ken­ne kei­nen der ande­ren Bei­trä­ge. Das wird sich bis zum ESC nicht ändern. Aber die­ser mit­tel­mä­ßig gute lau­ni­ge Song hat das Zeug zu gewin­nen. Molit­va ist eben auch kein Knal­ler­song. Aber die­ser ‘klei­ne dicke Play­mo­bil­mann’ (Pocher-Zitat)hat ein­fach über­rascht. Wir gewin­nen! Dau­men drü­cken!

  2. es wer­den 25 lie­der im fina­le sein. nur eine klei­ne kor­rek­tur :zzz quel­le: eurovision.tv und ja, bin ich froh kar­ten für das 2. semi­fi­na­le zu haben und NICHT für den schund im 1., wo ja lei­der doch 10 lie­der fürs fina­le zusam­men gekratzt wer­den müs­sen. viel glück der wah­ren per­le ÍSLAND!! mario

  3. 4 Engel auf ver­lo­re­nem Pos­ten Au wei, au wei, Engel – Sirus­ho – Laka, das geht doch nie­mals gut. Da hat UK ja fast noch die bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on. Das ein­zi­ge, was einen da noch beru­hi­gen kann ist, dass die Fran­zo­sen genau­so blöd dran sind – wenn die Pyros bei Aser­bai­dschan los­ge­hen, kräht nach Sebas­ti­en kein Hahn mehr.

  4. Ger­ma­ny – no points Rich­tig – Deutsch­land gewinnt den ESC! Aber frü­hes­tens ins 20 Jah­ren, wenn der Staat Bay­ern und König­reich Sach­sen für uns anru­fen dür­fen. Das mit den Engeln wird ganz bestimmt nichts – der Song ist doch Mist. Die haben ein­deu­tig bes­se­re Sachen gesun­gen (man den­ke zum Bei­spiel an ‘I’m still in love with you’). Zum Glück hat die eilig abge­reis­te Tan­te aus Mal­ta ihren Vod­ka­vor­rat da gelas­sen, so wird der Schmerz für uns erträg­li­cher. Hoch die Tas­sen! :zzz

  5. He, glaubt an die Kraft der Engel ..die machen das schon. Qele Qele kann man beim 2ten hören schon nicht mehr hören, die Per­for­mance ist der tota­le Abklatsch von Hele­na P. und Laka ist ein schö­ner Song, pora­li­siert aber durch die abge­dreh­te für-den-GP-viel-zu-künst­le­ri­sche-Per­for­mance. Wir gewin­nen. 2009 fin­det der GP in Ger­ma­ny statt. Ganz sicher!

  6. @ Chris: und ich ver­wet­te mei­nen Arsch dar­auf, dass die Mädels heu­te abka­cken wer­den. Viel­leicht nicht Platz 22, aber auch nicht sehr viel bes­ser. Und denk dar­an, dass vie­le Leu­te ‘Que­le, Que­le’ nur ein­mal hören und dann anru­fen. Die meis­ten der 100 Mio. Zuschau­er ken­nen die Songs näm­lich noch nicht.

  7. Rea­li­tät Du bist einer die­ser typi­schen ‘Wir sind doch eigent­lich ganz gut’ MAni­pu­lier­ten. Ande­re Songs noch nicht gehört, aber sel­ber den­ken das wird was. Nenn mir nur einen Grund war­um die­ser Song bes­ser sein soll als alle ande­ren. Deutsch­land wird mal wie­der sich um den Titel bes­tes Big4 Land strei­ten. Machen wir uns also auf einen Kampf um Platz 21/22 gefasst.

  8. Gra­tu­la­ti­on Russ­land! Ich habe ja schon vor Mona­ten gesagt, dies­mal wird es wie­der ein Mann mit einer Bal­la­de!!!! Ich bin gut, so gut, so gut – ähm, ja *g* Ich fand unse­ren Song schwach, den Auf­tritt durch­schnitt­lich und freue mich sehr für Russ­land. Finn­land, Nor­we­gen, Tür­kei und Aser­bai­dschan hät­ten mich zwar noch viel mehr gefreut, aber ich mag den Song ‘Belie­ve’ sehr ger­ne. Und ich gön­ne es den Rus­sen, die hat­ten jetzt schon mehr­fach gute Bei­trä­ge und sind immer mehr oder weni­ger knapp geschei­tert. Klar, dass es jetzt erst­mal wie­der Ärger und Stunk gibt und ich bin gespannt ob und wie die EBU und die ande­ren Ver­ant­wort­li­chen jetzt han­deln. Die 2 Semis waren ein ers­ter guter Schritt, aber im Fina­le hat sich nicht wirk­lich was geän­dert. Die Punkt­ver­ga­be ist ein­fach nur lang­wei­lig gewor­den. Na ja, viel­leicht bis auf den kur­zen Zwei­kampf Grie­chen­land gegen Russ­land am Anfang. Das fand ich schon span­nend weil ich nicht woll­te, das Grie­chen­land mit einer ähn­li­chen Num­mer gewinnt wie schon vor drei Jah­ren. Das wäre mir dann echt zu blöd gewe­sen. Mal schau­en was wird. Und wenn sich nichts am ESC ändert, dann muss sich wenigs­tens etwas am Vor­ent­scheid ändern. Damit wir nicht wie­der Durch­schnitts­wa­re oder Mist hin­schi­cken müs­sen. Und ich freue mich auch sehr über den guten Platz für Nor­we­gen. Das war mein zweit­liebs­tes Lied nach Finn­land und vor Tür­kei, Aser­bai­dschan, Russ­land und Island. Und das auch ohne Rhyth­mus, Show und viel Her­um­ge­wa­ckel. Der Trend darf ger­ne etwas anhal­ten.

  9. Congrats to Rus­sia !! End­lich hat Russ­land gewon­nen und das sogar berech­tigt. Dima und Co. haben eine tol­le Per­for­mance abge­lie­fert, die zu Her­zen ging. Natür­lich war das alles kal­ku­liert, Plus­hen­ko, die Stra­di­va­ri, das offe­ne Hemd, die klei­ne Ker­ze am Anfang und das beschwöh­ren­de ’ we belie­ve in you ’ ! Aber das erwar­tet man ja auch von jeman­den, der wirk­lich gewin­nen will. Ande­re Acts waren nicht weni­ger berech­nend – dafür hät­ten sich die No Angels wirk­lich mehr Mühe geben kön­nen. Schon bei der Song­aus­wahl, dann natür­lich auch beim Gesang. Unglaub­lich, wie jed­li­che Kri­tik, auch nach dem Ergeb­nis, an ihnen abzu­pral­len scheint ! Wenn das auch die Mei­nung des NDR sein soll­te, kei­ne Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den und man sich in die ange­neh­me ‘kei­ne mag uns’ – Ecke zurück­zie­hen soll­te, wird sich an den schlech­ten Resul­ta­ten auch nichts ändern. Ich freue mich auf St Peter­burg 🙂

  10. Es ändert nichts Hal­lo, erst­mal dan­ke für dei­ne wirk­lich wit­zi­gen Kom­men­ta­re. Klas­se! Habe mich auf Dei­nen Sei­ten immer wie­der sehr ver­lus­tiert. Ich habe mir gera­de die Mühe gemacht und die Punk­te der Län­der, die nicht im Fina­le waren. Lei­der ändert dass nichts. Zumin­dest nicht an den ers­ten Plät­zen. Russ­land wür­de knapp vor der Ukrai­ne gewin­nen, aber Nor­we­gen wäre Drit­ter und der Nel­ly Furta­do Bil­lig abklatsch aus Krie­chen­land wären Fünf­te. Und ach ja zu Dei­nem Trost die Euro­band Schnu­ckels wür­den Plät­ze gut machen! Sie wären dann 11te. Vie­le Grü­ße & wei­ter Auf­recht­gehn! Cro­co

  11. Es graut. mir. Dia­spo­ra- bzw. Nach­bar­schafts­vo­ting hin oder her: Seit ges­tern fra­ge ich mich, ob die mit mir ver­sam­mel­te zuse­hen­de ESC-Fan­ge­mein­de und ich an Geschmacks­ver­ir­rung lei­den. Sel­ten hat mich ein Voting-Ergeb­nis der­art über­rascht. Man mag über den Bewe­gungs­le­g­asthe­ni­ker Dima Bilan (der zudem eine grau­si­ge Atem­tech­nik besitzt) nach hor­ren­dem Auf­wand noch strei­ten, aber wie­so das grie­chi­sche Stern­chen Kalo­der­ma so weit vor­ne liegt, ent­zieht sich mei­ner Kenn­tis. Stim­me gleich null, der Song schon hun­dert­mal gehört und zusam­men­ge­klaut und eine Aus­strah­lung wie die Fleisch­fach­ver­käu­fe­rin im nahe­lie­gen­den Toom-Markt. Die größ­te Schan­de: Dou­ze Points aus Ger­ma­ny! Zum Glück wur­de das Mädel von der Cher­ry Lady (ver­wech­se­le ich da was?) abge­fan­gen. Wo waren die Punk­te für Por­tu­gal??, für Finn­land (ich bin zwar kein Hea­vy Metal Fan, aber der Song hat­te was und wur­de wirk­lich gut per­formt). Ein Wort zu den Engeln: Herr­jeh, da hat Oli­ver recht – da fehl­te jede Mühe. Ein grau­sa­mer Auf­tritt – bei DSDS hät­te das nie für ein Recall gereicht.Performance gleich null – es tat ein­fach in den Ohren weh!). Was Peter Urban und die Engel selbst an die­sem Auf­tritt fan­den, bleibt ein Geheim­nis. Völ­lig zu Recht der (fast) letz­te Platz. (In mei­nem Ran­king lagen nur die Kin­der­gar­ten­pi­ra­ten und Chi­ki Chi­ki Bal­la Bal­la schlech­ter). Aber es gab auch für mich ein­ge Voll­tref­fer – vor allem beim Voten! Mit einer nicht zu top­pen­den Sicher­heit wuß­te ich vor­her, wohin die 12 Punk­te aus Por­tu­gal, Irland, Island, Schwe­den, Finn­land, Ukrai­ne, Mazi­deo­ni­en, Bos­ni­en usw. gin­gen. Bevor man in 2009 den rus­si­schen Grö­ßen­wahn wei­ter finan­zi­ell unter­stützt, soll­te Deutsch­land sei­ne Mil­lio­nen doch lie­ber ein­spa­ren und aus­set­zen, bevor nach der Schan­de von Kiew, der Schmach von Bel­grad das Desas­ter in St. Peters­burg folgt. Oder aber man rekru­tiert Boris und Stef­fi, die im Back­ground ein Ten­nis­match zu den Klän­gen eines 0815-Träl­ler­chens gestal­ten. Wo soll das noch hin­füh­ren?

  12. Nun also doch wohl Mos­kau statt St. Peters­burg : wenn man Oiko­t­i­mes glau­ben darf. http://www.oikotimes.com/v2/index.php?file=articles&id=3487 Scha­de, St. Peters­burg wäre euro­päi­scher und wohl auch etwas bil­li­ger – wie auch immer, Dima hat ver­dient gewon­nen. Also einen ESC ohne abge­du­del­te schwe­di­sche MF – Schla­ger kann ich mir sehr gut vor­stel­len ! Es wäre ein Traum denn : ’ Schla­ger lies ’ ! Ohne­hin besteht der ein­zig wirk­li­che Skan­dal dar­in, dass Frau Per­rea, dank Jury, ihrem ver­dien­ten Kate Ryan Schick­sal ent­kom­men konn­te; und die im Tel­e­vo­ting bes­ser pla­zier­ten Län­der Maze­do­ni­en und Bul­ga­ri­en um ihren Strat­platz betro­gen wur­den ! ‘Weg mit dem Jurys’, kann es da nur heis­sen. Sel­ten so ein unat­track­ti­ves Lied, dar­ge­bo­ten von einer pas­se­ned unat­track­ti­ven Inter­pre­tin gehört. Es geht also doch noch schlim­mer, als Caro­la! Dass Dima als Sie­ger ’ nicht geliebt ’ wer­den wird, trifft viel­leicht auf eini­ge Schla­ger- Fans zu, aber die über­ger­gro­ße Mehr­heit der Tel­e­vo­ter lieb­te den Song und die gefühl­vol­le Per­for­mance vol­ler Dra­ma­tik. Hät­ten wir mal doch lie­ber die For­ten­ba­cher geschickt – auch wenn ich sie nicht wirk­lich sym­pa­thisch fin­de ! Was auch die eher schlech­ten Plat­zie­rung ähli­cher Songs aus Serbien,Rumänien und Por­tu­gal erklärt. Bei so viel Gefühl und Emo­ti­on kann es nur einen deut­li­chen Gewin­ner geben. Ein­zig Isra­el konn­te – ver­dien­ter­wei­se – dank der ein­zig­ar­ti­gen Stim­me Boaz Ma’udas‘, dem etwas ent­ge­gen­setz­ten. Das Voting wür­de ich nicht als ’ hor­ri­ble ’ oder gar ’ Tra­ves­tie ’ bezeich­nen ? Wo bit­te ist die Tra­ves­tie ? Waren Russ­land, die Ukrai­ne und Grie­chen­land – also die Top 3 – nicht ver­dien­ter­wei­se erfolg­reich ? Da hat doch alles gestimmt, das waren doch zumin­dest gro­ße Per­for­man­ces und gute Inter­pre­ten – das muss man neid­los aner­ken­nen. Auch die Bot­tom 3 ist ver­dient dort gelan­det, wo sie hin­ge­hört. UK und Polen klan­gen zu ame­ri­ka­nisch und konn­te nicht­mal im Wes­ten Punk­ten und der Mißer­folg der Engel wird ja im Arti­kel selbst aus­führ­lich – und zutref­fend – begrün­det. Auch hier gab es aus dem Wes­ten gera­de mal 2 Punk­te, wobei die Schwei­zer noch sehr größ­zü­gig gewe­sen sind. Das Gejau­le war kaum zu ertra­gen, aber über Dimas und Kalo­moi­ras Stim­men wur­de geläß­tert ! Auch hier gaben die Tel­e­vo­ter aus gant Euro­pa die rich­ti­ge Ant­wort. Die For­de­rung, nur die am Fina­le teil­neh­men­den natio­nen abstim­men zu las­sen, ist alt – zwar bes­ser, als nach einer Jury zu schrei­en – aber let­zend­lich auch nur ein Ver­such, den eige­nen Favs. einen Vor­teil zu ver­schaf­fen, da sie euro­pa­weit nicht punk­ten kön­nen ( wie eben der 08/15 MF Schla­ger ). Hät­ten die­ses Jahr nur die Fina­lis­ten gevo­tet, wür­de sich übri­gens kaum etwas ändern : Russ­land hät­te trotz­dem vor der Ukrai­ne gewon­nen und Deutsch­land hät­te zum ers­ten Mal seit Ein­füh­rung des Tel­e­vo­tes – wie das UK – ein bit­te­res ’ Null Punk­te ’ Ergeb­nis ver­kraf­ten müs­sen ! Weiß ja nicht, ob das so eine gute Idee wäre. Freu­en wir und also auf einen tol­len ESC 2009 – Geld dürf­te kei­ne Rol­le spie­len, was ja auf eine tol­le Show hof­fen lässt. Der ser­bi­sche ESC hat­te dann doch eini­ge Schwä­chen : wie den Eröf­fungs- und Inter­val­lact und die – lei­der – sehr höl­zer­nen Mode­ra­to­ren. Dafür waren die Post­cards nicht schlecht, zumin­dest kamen sie einem nicht wie Wer­bung der Tou­ris­mus­in­dus­trie vor, wie in den Jah­ren zuvor. Noch bes­ser wären viel­leicht direk­te Grü­ße an die Teil­neh­mer gewe­sen, anstatt inhalt­lo­sem Non­sen­se, der weder etwas mit dem ESC an sich, noch mit den star­ten­den Teil­neh­mern zu tun hat­te. Aber gut, musi­ka­lisch war es einer der bes­ten ESCs des neu­en Jahr­tau­sends und dar­auf kommt es ja haupt­säch­lich an. 8)

  13. Auf in die Duma Tja lie­ber Chris, dei­ne Pro­phe­zei­ung ist wohl geschei­tert (lach) – kein Con­test in Deutsch­land. Wie scha­de, wo der Auf­tritt der 4 Engel doch rich­tig mies war. Wir gehen also auf den Roten Platz und lan­den einen neu­en Sieg, wie damals Herr Rust mit der Ein­mo­to­ri­gen. Was mir nach wie vor völ­lig unklar ist, dass ein Song wie der Grie­chi­sche ein so gutes Ergeb­nis erzie­len konn­te. Ich bekam nach der ers­ten Ver­ga­be der Punk­te durch Lon­don einen Herz­kas­par und ver­zwei­fel­te völ­lig. Dum­me Loli­ta, vor dem Stimm­bruch, greift sich mal eben an die Möp­se und das ist 12 Punk­te wert? AAAAAAAAAAAAAAARG Por­tu­gal hät­te ich den Sieg aus volls­tem Her­zen gegönnt, hat die Gute mir doch Gän­se­haut auf die Arme gezau­bert und ich fand den Song ein­fach rich­tig gut. Die Pira­ten, kann doch echt nicht wahr sein, dass was noch zieht, die wären am bes­ten mit dem Golf-Cad­dy-Wagen und dem Franz­mann gleich wie­der in die Höl­le nach Alba­ni­en gefah­ren und hät­ten das gei­le Out­fit der Guten mit­ge­nom­men, immer­hin hat sie sich dies­mal gegen die Haar­span­ge ent­schie­den, was ich doch begrüß­te. Lei­der ist es rich­tig, man kann die Punk­te­ver­tei­lung mitt­ler­wei­le im Schlaf mit­sum­men und das macht die Abstim­mung, die mal das Non-Plus-Ultra war extrem lang­at­mig und lang­wei­lig. Hier muss etwas pas­sie­ren.

  14. Abstim­mungs­tra­ves­tie ‘Waren Russ­land, die Ukrai­ne und Grie­chen­land – also die Top 3 – nicht ver­dien­ter­wei­se erfolg­reich?’ Nein, waren sie nicht, zumin­dest nicht in die­ser Rei­hen­fol­ge. Die Ukrai­ne hät­te gewin­nen müs­sen, Russ­land irgend­wo dahin­ter – und Grie­chen­land war zehn Plät­ze zu gut gewer­tet. Was mich aber viel mehr auf­regt als das, ist das unver­dient mise­ra­ble Abschnei­den Islands und vor allem Por­tu­gals. Vânia hät­te den Sieg so viel mehr ver­dient als Dima – ein Platz außer­halb der Top Ten ist daher völ­lig indis­ku­ta­bel. Auch wenn zu kon­sta­tie­ren ist, dass sie das­sel­be Mus­ter bedien­te wie Jele­na (was natür­lich Punk­te abzog). Wo aber die Gemein­sam­keit zwi­schen die­sem wun­der­bar kraft­vol­len Dram­a­pop und Dimas seich­tem, vom Bumms­beat zer­mör­ser­ten Gewin­sel lie­gen sol­len, erschließt sich mir nicht.

  15. Nach­le­se: Also es ist immer bit­ter, wenn die eige­nen Favs. schei­tern : ja, Por­tu­gal war klas­se ! Aber wie schon erwähnt gab es eini­ge Bal­la­den, die der ’ Sen­ho­ra ’ Stim­men gekos­tet haben, dazu noch der extrem schlech­te Start­platz nach der Wer­be­un­ter­bre­chung ( im 2.Semi reich­te es mit einem bes­se­ren Start­platz und ohne die Kon­kur­renz aus Russ­land und Ser­bi­en noch für den 2.Platz ! ) und die – lei­der nicht so popu­lä­re – Spra­che. Da konn­te bei aller Lie­be und Sym­pa­thie für Por­tu­gal, Vania und Babic kein bes­se­res Resul­tat erfol­gen. Ich glau­be schon, dass Dima in Kon­kur­renz zum den ande­ren Bal­la­den – oder sogen wir mal – ’ gefühl­vol­len ’ Songs stand. So erklärt sich auch das etwas ent­täu­schen­de Resul­tat für Ser­bi­en. Gera­de am Anfang, Dima allein auf der Büh­ne, sein „ lei­den­des „Gesicht und das klei­nem Tee­licht in der Hand: ich bin mir sehr sicher, dass die­ses Bild vie­le Men­schen gerührt hat. Island ist Geschmacks­sa­che, der Sound kommt eben nicht über­all an – ich fand ihn von den Skan­di­na­vi­schen Bei­trä­gen auch ein­deu­tig am bes­ten ABER Island litt auch an der gro­ßen Kon­kur­renz aus dem eige­nen Lager : sprich haupt­säch­lich Däne­mark und noch mehr Nor­we­gen, dass die meis­ten Skan­di-Votes auf sich ver­ei­nen konn­ten und ja auch sonst bes­ser weg­kam. Da blieb für Island ein­fach nicht mehr viel übrig und über Schwe­den ist ja schon alles gesagt wor­den. Der Song hat sich abge­nutzt und wer immer Char­lot­te ein­ge­re­det hat, sie sähe in grau­em Licht beson­ders gut aus, ver­fügt über einen zumin­dest „ exzen­tri­schen „ Geschmack. Das war ein­fach nicht gut und die Schwe­den haben sich halt noch schlech­ter ver­kauft, als 2007. Sie kochen halt auch nur mit Was­ser und das MF ist schon lan­ge nicht mehr die bes­te VE, sie lebt haupt­säch­lich vom ver­gan­ge­nen Glanz. Der Osten gibt sich zur Zeit ein­fach mehr Mühe – jeden­falls meis­tens, auch da gibt es gute und schlech­te­re Bei­trä­ge. In Punk­to Ehr­geiz wur­den aber inzwi­schen alle west­li­chen Teil­neh­mer über­holt. Ich glau­be, dass ist es, was wirk­lich irri­tiert und zu gewis­sen Schlag­zei­len führt : man kann immer noch Bil­der von Anfang der 90er im Kopf und kann sich nicht vor­stel­len, dass sich die­se Län­der wei­ter­ent­wi­ckelt haben. Wobei aller­dings Grie­chen­land, Finn­land und die Tür­kei bewei­sen haben, dass auch alte ESC- Teil­neh­mer sehr erfolg­reich die Her­aus­for­de­rung anneh­men und meis­tern kön­nen.

  16. Herr­je­mi­ne, die zwei­te: Was bit­te soll­te denn die­se Vor­stel­lung? Ich habe mich sel­ten bei einem ESC der­ma­ßen gelang­weilt. Grau­sam. Und die Inkon­se­quenz der EBU mach­te es nicht bes­ser – sich durch 42 Län­der lang­wei­len zu müs­sen, ist ja an sich schon kein Spaß (dan­ke an das Genie, das die Idee hat­te, nur noch die bes­ten drei Wer­tun­gen ein­zeln anzu­sa­gen!), aber mit einer der­ar­tig bere­chen­ba­ren Wer­tung gerät das zum heu­len­den Elend. Oder zu einem Trink­spiel (lei­der bin ich Absti­nenz­ler). Man kann von den Let­ten, dem Fran­zo­sen und dem Spa­ni­er hal­ten, was man will, aber die haben wenigs­tens Abwechs­lung rein­ge­bracht. Ansons­ten war das auf Sieg berech­ne­tes Plas­tik­ge­sül­ze der übels­ten Art. Der Geist von 2002 lau­ert. Es war ja noch nicht mal was dabei, das zum Abla­chen schlecht gewe­sen wäre (für ande­re Leu­te mag Spa­ni­en die­se Rol­le erfüllt haben, für mich nicht, denn so falsch war das nicht). Ande­rer­seits: ich habe mich damals über 2001 und 2002 auch auf­ge­regt, und dar­auf folg­te dann einer der stärks­ten Jahr­gän­ge über­haupt. Hof­fen auf Mos­kau, denn das Bes­te an Bel­grad waren die Trai­ler vor den Lie­dern (die waren rich­tig klas­se). Und wer ernst­haft geglaubt hat, die No Angels hät­ten Chan­cen, muss­te sich beim Auf­tritt ganz schön ver­gack­ei­ert vor­kom­men. Die Bord­stein­schwal­ben im Wind­ka­nal (O-Ton einer Freun­din von mir) waren schlicht uner­träg­lich. Hin­weis: Es kommt nicht auf den Beat an, son­dern auf den Gesang, zumin­dest soll­te das so sein. Wenn man unter dem Beat den Gesang über­haupt nicht hören kann, ist was falsch ein­ge­stellt! (Hät­te das nicht bei Der­vish oder Jemi­ni pas­sie­ren kön­nen?!)

  17. Wel­che Con­tests hat der OP gese­hen? ‘Einer der musi­ka­lisch stärks­ten ESCs des neu­en Jahr­tau­sends’? Gut, ein Körn­chen Wahr­heit steckt schon drin, weil wir in den letz­ten Jah­ren eini­ge der übels­ten ESCs aller Zei­ten hat­ten (2001? 2002?!). Aber im Ver­gleich mit 2003 oder 2006 war 2008 furcht­bar. Vor allem furcht­bar lang­wei­lig. Die Por­tu­gie­sin war skan­da­lös unter­be­wer­tet. Die Grie­chin kam VIEL zu gut weg, eben­so die Ukrai­ne­rin. Und zu Dima ‘wir haben das gan­ze Geld für die Show und den Pro­du­zen­ten aus­ge­ge­ben’ Bilan sage ich lie­ber gar nichts. Das Lied von 2006 war (Über­ra­schung!) um Län­gen bes­ser. Da hät­te ich lie­ber noch die Esten im Fina­le gese­hen. Von wegen es gibt heut­zu­ta­ge kei­ne Nul­poin­ter mehr beim ESC – das hät­te es ver­dient gehabt. Und wenn man poten­ti­el­len Nul­poin­tern eins nicht nach­sa­gen kann, ist es man­geln­der Unter­hal­tungs­wert (es sei denn, sie kom­men aus Öster­reich :p ).

  18. Island? Ohje. Mei­ne Ohren sind wohl zu weib­lich hete­ro­se­xu­ell, um die Fas­zi­na­ti­on für Islands extrem abge­lutsch­ten 90er Euro­trash-Schla­ger zu begrei­fen. Wol­len wir wirk­lich wie­der zurück in die Tage von sinn­be­frei­ten ‘Uzz-Uzz’-Rumgehüpfe, zu Jahr­gän­gen von 2001/2002, wo jedes zwei­te Lied gleich furcht­bar klang? Dann schon lie­ber der Sieg der ulti­ma­ti­ven Show aus Russ­land, damit wir es um Him­mels wil­len end­lich hin­ter uns haben und nicht wei­ter mit auf Bie­gen und Bre­chen zum Sieg gepusch­ten Lie­dern gequält wer­den. Über die gefal­le­nen Engel lege man am bes­ten den Man­tel des betre­te­nen Schwei­gens, der Jemi­ni/­Der­vish-Award geht 2008 an San­dy.

  19. Nanu? Ich könn­te schwö­ren, hier waren schon mal mehr Kom­men­ta­re! Ich woll­te eigent­lich nur die Anmer­kung von wegen ‘ers­ter erträg­li­cher bal­ti­scher Bei­trag kom­men­tie­ren’, und zwar mit zwei Wor­ten: Kee­latud maa (EE 1997). Eine mei­ner per­sön­li­chen Lieb­lings­bal­la­den des ESC über­haupt. Est­land gehört nun mal zum Bal­ti­kum.

  20. Hmm, da sind dem Haus­herrn bei den aktu­el­len Ergän­zun­gen wohl Wunsch und Wirk­lich­keit durch­ein­an­der gera­ten. Eric Saa­de wur­de 2011 Drit­ter, nicht Zwei­ter. Aus­blen­den uner­wünsch­ter, von den Jurys gepush­ter Ergeb­nis­se, anyo­ne? 🙂

  21. Genau so ist es! Selbst­ver­ständ­lich bezie­he ich mich da oben im Text allei­ne auf das Tel­e­vo­ting-Ergeb­nis. Denn das ist in mei­nen Augen das ein­zig gül­ti­ge. Und nicht, weil es jetzt um Eric Saa­de geht (ich steh ja nicht so auf Twinks), son­dern weil die Jurys, so wie frü­her auch, so ent­setz­lich gro­tes­ke Fehl­ur­tei­le fäl­len. Und weil sie unde­mo­kra­tisch sind. Des­halb gilt für mich: Eric Saa­de wur­de 2011 Zwei­ter, Blue wur­den Fünf­te, der Rafa­el Gualaz­zi oder wie er hieß wur­de Elf­ter.

  22. Beim ukrai­ni­schen Ana­gram trügt dich dei­ne Erin­ne­rung. Ani Lorak ist das Namens­vor­bild von Tina Karol und nicht umge­kehrt. Ani ist län­ger im Musik­ge­schäft als Tina und leg­te sich den Künst­ler­na­men zu, um nicht mit einer ande­ren Karo­li­na in einem Musik­wett­be­werb ver­wech­selt zu wer­den. Das war 1995 als Tina gera­de mal 10 Jah­re alt war.

Oder was denkst Du?