Proben der Big Four für das Finale 2008

Neben dem zweiten Durchgang für einen Teil der Semifinalisten probten heute erstmals auch die direkt fürs Finale gesetzten Big Four, darunter natürlich auch die deutschen Vertreterinnen No Angels. Mh, sagen wir mal so: 1964 ließ sich Deutschland schon mal von einer gebürtigen Bulgarin vertreten. Das Ergebnis dürfte dieses Jahr dasselbe sein. ESCnation zitierte als Kommentar zu der in Belgrad gezeigten Probe lediglich eine Zeile aus dem Song: „And it won’t get better – why don’t you dissapear?“. Gute Frage! Dafür steht zu befürchten, dass der spanische Elvisimitator gut abschneidet.


Lucy in the Sky with Diamonds

Zwischenzeitlich verdrängte man es ja gerne, aber leider verwandelte sich der in höchster Weise vergessenswürdige lahme Radiopop der Engel dann doch nicht wie durch ein Wunder über Nacht in einen wettbewerbsfähigen Beitrag. Noch immer mangelt es an Tempo (der Song müsste wenigstens 30-50% schneller laufen) und vor allem Power. Bei der heutigen, allerersten Probe sangen die Mädels zudem stellenweise wie Katzen, die gerade jemand im Teich ersäuft. Alle vier beginnen die Show in einem blauen bzw. lila Chiffonflatterläppchen, den sie aber bald ablegen. Bis auf Lucy – ob bei ihr der Haken klemmte oder sie ihn absichtlich anbehielt, erschließt sich mir nicht so ganz. Ausgerechnet auf die ausfahrbare Bühne aus dem Vorentscheid, die das Ganze wenigstens optisch noch etwas anhob, verzichtet die deutsche Delegation! Und die Windmaschinen laufen auch nur auf halber Kraft. Das immerhin passt wenigstens zum saft- und kraftlosen Vortrag der No Angels. Machen wir uns schon mal auf den verdienten letzten Platz gefasst.


Lustig ist das schon, leider

Weitaus härter als das vorhersehbare deutsche Desaster trifft mich die Tatsache, dass mein persönlicher Hasstitel dieses Wettbewerbs den Spaniern voraussichtlich ihr bestes Eurovisionsergebnis dieser Dekade bescheren dürfte. Auch wenn ich ‚Bailar el ChikiChiki‘ weiterhin mit der selben religiösen Inbrunst verabscheue wie zuletzt den estnischen Siegersong von 2001, muss ich zugeben, dass die heute präsentierte, neue Choreografie in höchstem Maße effektiv wie unterhaltsam daherkommt. Gerade weil er Ballermannhits mit fragwürdigen Mittanzchoreografien wie den ‚Macarena‘ mit ironischem Augenzwinkern parodiert, empfiehlt sich Rudolfo ‚Raab‘ Chikiluatres Ententanz-Update als Sommerhit der Saison. Sollte das gewinnen, was nicht auszuschließen ist, werde ich mir die Pulsadern aufschneiden bis Oktober nicht mehr mit dem Weinen aufhören!


Fehlt nur noch eine Kuhglocke um den Hals!

Andy Abraham soll dem Vernehmen nach heterosexuell und verheiratet sein. Nach der heutigen, überenthusiastischen Performance seines hübschen Soul-Schlagers ‚Even if‘ und dem mehr als brüderlichen Schulterschluß mit seinem Backingsänger hege ich da gewisse Zweifel. Das irische Huhn disste ihn vor einigen Tagen in seiner Pressekonferenz unter Anspielung auf Andys früheren Job als Müllmann mit den Worten: „Früher trug er den Müll weg, heute singt er ihn!“. Da muss ich aber widersprechen: ich mag den Song und glaube, dass der knuffige Brite alleine schon für das offensichtliche Engagement, dass er in sein Lied legt, Punkte kassieren wird. Er wirkt besonders authentisch, weil er genau das verkörpert, was er ist: ein rundweg symphatischer Underdog, der die Chance seines Lebens nutzt, sich im Rampenlicht zu beweisen. Das kommt an – bei mir auf jeden Fall! Sebastién Tellier hingegen sieht immer noch aus wie Reinhold Messner nach vier Monaten Himalaya-Expedition ohne Dusche. Er kommt im Golfwägelchen auf die Bühne gerollt, was noch das Spektakulärste an seiner Darbietung bleibt. Es dürfte ihm nicht gelingen, Frankreichs Punkteschnitt der letzten Jahre deutlich anzuheben.

Finale 2008: der Nachbericht

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