Moskauer CSD zeitgleich mit dem Grand-Prix-Finale

Cleverer Schachzug: kaum, dass Diktator Regierungschef Wladimir Putin zum Wochenbeginn das Erwartete bestätigte, nämlich dass der Eurovision Song Contest 2009 in Moskau stattfindet, meldete der Organisator des regelmäßig vom Oberbürgermeister der russischen Hauptstadt verbotenen Gay Pride, Nikolai Aleksejew, den nächsten Termin der jährlichen Demo für die Rechte von Schwulen und Lesben für den 16. Mai 2009 an – dem Tag des Grand-Prix-Finales.


Ein Häuflein Aufrechter: die Moskauer Schwulendemo 2008

Als „satanisches Treiben“ bezeichnet der Moskauer Oberbürgermeister Jurij Luschkow die Schwulenparade gerne, die er jedes Jahr verbietet und, wo es geht, behindern lässt. CSD-Teilnehmer leben in Russland (wie im gesamten ehemaligen Ostblock) gefährlich, wie auch Volker Beck schon am eigenen Leib erfahren musste. Von der Kirche unterstützte Schläger dreschen mit Vorliebe alles zusammen, was sich als „Sodomit“ outet – während die Ordnungskräfte tatenlos zusehen und, wenn überhaupt, anstelle der Angreifer lieber die Demonstranten festnehmen. Nun will Nikolai Aleksejew die nächste Parade am Finaltag des in Moskau stattfindenden Eurovision Song Contest 2009 durchführen – und dürfte sich so erhöhter Medienöffentlichkeit sicher sein.


Er hat offiziell eine Freundin: russische Eurovisionssieger sind natürlich *hüstel* hetero!

„Russland muss zeigen, dass es ein Teil der zivilisierten Welt und der toleranten europäischen Familie ist“, sagte der Aktivist gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, wie Eurofire berichtet. Man kann wohl davon ausgehen, dass Putin den Song Contest nutzen möchte, um ein wenig Imagewerbung für sein derzeit nicht sonderlich beliebtes, korruptes, an der Einhaltung von Menschenrechten nicht sonderlich interessiertes Reich zu betreiben. Sonst hätte er wohl kaum so viele Petrodollars in den Sieg von Dima Bilan investiert. Da kämen europaweit transportierte Bilder zusammengeschlagener Schwulenaktivisten vermutlich eher ungelegen. Ein – wie jedes Jahr – zu erwartendes Verbot der Demo dürfte die Organisatoren nicht abhalten. Das könnte also durchaus spannend werden.


Schwule Eurovisionsfans? Nur ein Gerücht!

Aleksejew zählt auch auf die Unterstützung der anreisenden Grand-Prix-Fans: „Wir hoffen, dass die Schwulen und Lesben aus vielen Ländern, die zur Eurovisionsshow kommen, Teil unseres Gay Pride werden“. Da hege ich allerdings so meine Zweifel – dass eine der Eurovisionshuschen, die viel Geld für ihr Finalticket ausgegeben hat, es tatsächlich riskiert, den Abend statt in der Olympiahalle im Polizeigewahrsam oder im Krankenhaus zu verbringen, um die russischen Schwestern im Kampf gegen Hass und Unterdrückung zu unterstützen, halte ich für ebenso wahrscheinlich wie einen Sieg Deutschlands beim Grand Prix in den nächsten Jahren.

UPDATE: Keine Unterstützung von der EBU

Eurovisionschef Svante Stockselius beschied eine entsprechende Bitte Aleksejew abschlägig: „Das von Ihnen erwähnte Projekt hat nichts mit dem Eurovision Song Contest zu tun und ich sehe keine Möglichkeiten, wie wir uns beteiligen sollten.“ In der Manchester Evening News verteidigte er seine feige Absage mit Arbeitsüberlastung und der unterschwelligen Vermutung, den Organisatoren des Moskauer Gay Pride gehe es nur um mediale Aufmerksamkeit. Buh, EBU!

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