Fan-Spe­ku­la­tio­nen über den Jury-Ein­fluß

Seit die EBU ihre unglück­se­li­ge Ent­schei­dung ver­kün­det hat, das Rad der Geschich­te zurück­zu­dre­hen und das unde­mo­kra­ti­sche Bevor­mun­dungs­in­stru­ment Jury wie­der an der Abstim­mung zu betei­li­gen, wüh­len ech­te Fano­raks in den Tie­fen ihrer Sta­tis­ti­ken und errech­nen die abstru­ses­ten inter­es­san­tes­ten Sze­na­ri­en über den Ein­fluss des Kor­rup­ti­ons­gre­mi­ums. So taucht nun auf ESC­na­ti­on eine Sta­tis­tik auf, nach der Ros­chée Zit­zen­froh 2007 nicht auf dem gerech­ten neun­zehn­ten, son­dern auf einem absur­den sechs­ten Rang gelan­det wäre, hät­ten damals die Back-up-Jurys schon mit­stim­men dür­fen. Und ein ande­rer Fan weist im glei­chen Forum den erstaun­li­chen Ein­fluss unter­schied­li­cher Berech­nungs­me­tho­den auf das End­ergeb­nis nach.


Wer steu­ert das Punk­te­boot der Euro­vi­si­on?

Im Fan­fo­rum von ESC­na­ti­on rech­net Andre­as S. vor, dass Deutsch­land von dem neu­en Jury-Tel­e­vo­ting-Mix pro­fi­tiert hät­te, wäre es 2007 bereits zur Anwen­dung gekom­men. Unter Zugrun­de­le­gung der Ergeb­nis­se der Back-up-Jurys von 2007, die für den tech­ni­schen Not­fall (Aus­fall des Tel­e­vo­tings) bereit stan­den, errech­ne­te er das alter­na­ti­ve Ergeb­nis für die­sen Jahr­gang. Legt man einen 50/50-Split zwi­schen Tele­fon­ab­stim­mung und Jurys zugrun­de, hät­te die dicke ser­bi­sche Les­be zwar immer noch gewon­nen. Ein deut­lich bes­se­res Ergeb­nis hät­ten hin­ge­gen die grau­sa­men Super­lang­wei­ler aus Ungarn (das grei­nen­de Mädel von der Bus­hal­te­stel­le, Platz 3 statt 9), Lett­land (die sechs jun­gen Knö­del­te­nö­re, Platz 8 statt 16) und Deutsch­land (Frau­en­ver­ste­her Roger Cice­ro, Platz 6 statt 19) erzielt. Erneut ein her­aus­ra­gen­des Argu­ment gegen eine Jury­be­tei­lung – augen­schein­lich sam­meln sich in die­sen Gre­mi­en, wie schon zu den Zei­ten, als sie noch das Sagen hat­ten, haupt­säch­lich geschmacks­ge­stör­te Haus­frau­en und Euro­vi­si­ons­hu­schen jen­seits des Kli­mak­te­ri­ums.


1996 zie­hen ver­kalk­te Juro­ren die­ses asth­ma­ti­sche Gerö­chel dem Welt­hit ‘Ooh aah – just a litt­le Bit’ vor und machen den Con­test lächer­lich

Der fin­ni­sche Euro­vi­si­ons­fan Timo­teus beschäf­tigt sich mit unter­schied­li­chen Zähl­me­tho­den zur Ergeb­nis­er­mitt­lung bei einem Jury-Tel­e­vo­te-Mix. Sei­ne umfang­rei­che mathe­ma­ti­sche Unter­su­chung (es gibt wirk­lich Men­schen mit zu viel Zeit) schlägt als Alter­na­ti­ve zum tra­di­tio­nel­len Ver­fah­ren, bei dem die jewei­li­ge Top Ten der Tel­e­vo­ter und der Juro­ren zusam­men­ge­zählt wer­den, eine “Bor­da-Wahl” gehei­ße­ne Metho­de vor, bei der sämt­li­che 25 Rän­ge Berück­sich­ti­gung fin­den. Dabei zäh­len nicht die Punk­te der Tel­e­vo­ter oder Jurys, son­dern die Plat­zie­rung im jewei­li­gen Ran­king. Anhand eines erfun­de­nen Bei­spiels errech­net er ein mas­siv unter­schied­li­ches End­ergeb­nis, obwohl bei­de Metho­den von den­sel­ben Zah­len aus­ge­hen. Vor­teil hier­bei: der Ein­fluss des Dia­spor­a­vo­tings, das vor allem aus­wan­de­rungs­star­ke Län­der wie die Tür­kei, Grie­chen­land und Arme­ni­en begüns­tigt, sän­ke beim Bor­da-Ver­fah­ren. Der EBU sei die Beschäf­ti­gung hier­mit anemp­foh­len!


Lan­det dank Dia­spo­ra auch mit Müll in den Top Ten: Arme­ni­en

Und bevor es hier zu bier­ernst wird, darf ich abschlie­ßend noch mei­nen Lieb­lings­blog­ger Ste­fan Nig­ge­mei­er zitie­ren: “Das Schlech­te an der Demo­kra­tie ist, dass die Leu­te, wenn sie wäh­len kön­nen, was sie wol­len, ein­fach wäh­len, was sie wol­len. Die­ses Jahr beim Euro­vi­si­on Song Con­test zum Bei­spiel haben ganz vie­le Leu­te aus dem Osten Euro­pas ein­fach für den rus­si­schen Teil­neh­mer gestimmt, womög­lich weil der in ihrer Hei­mat ein Star ist und ihnen sein Stil gefällt, obwohl sie doch wuss­ten, dass die Län­der im Wes­ten das nicht gut fin­den. Und die Län­der im Wes­ten zah­len schließ­lich für die Ver­an­stal­tung, waren zuerst da und wis­sen ja wohl bes­ser, wie man Demo­kra­tie macht.” Fast noch schö­ner als Ste­fans wei­se Wor­te ist der Kom­men­tar von The_Vanguard (#59), der mit den Wor­ten beginnt: “Deutsch­land, 1944: Im gan­zen Land machen sich Unmut und Ent­täu­schung breit”. Unbe­dingt lesen, ganz gro­ße Kunst!

15 Gedanken zu “Fan-Spe­ku­la­tio­nen über den Jury-Ein­fluß

  1. Hol­la­he! Man­che Leu­te haben wohl echt zu viel Zeit – naja, Fin­nen, was will man da erwar­ten? 😉 Aber ernst­haft, sehr inter­es­san­te Sache, die man der EBU mal vor die Nase knal­len soll­te. Wür­de hel­fen. Was die Nig­ge­mei­er-Sache angeht: Ja, ich weiß, Sati­re, Iro­nie und so wei­ter. Aber den Begriff ‘demo­kra­tisch’ hier­auf anzu­wen­den, fin­de ich etwas selt­sam. Wir reden hier nicht von einer Par­la­ments­wahl, ver­dammt. Ist die Bun­des­kanz­ler­wahl unde­mo­kra­tisch, weil nicht das Volk, son­dern der Bun­des­tag den Kanz­ler wählt? Man ver­ste­he mich hier nicht falsch: ich bin ent­schie­den gegen Jurys. Aber da wir nun­mal damit geschla­gen sind (und es glau­be bit­te nie­mand, Pro­tes­te auf Web­sites, egal wie gut gemacht, wür­den kurz­fris­tig irgend­was dar­an ändern), kann man auch ver­su­chen, die Lösung so sinn­voll wie mög­lich zu gestal­ten. Und wenn man sich dazu mit (irk) mathe­ma­thi­schen Model­len beschäf­ti­gen muss, ist das eben so. Das Popu­la­ri­täts­ar­gu­ment zieht beim ESC schon seit ziem­lich lan­ger Zeit nicht mehr (was macht Mari­ja Serifo­vic noch gleich? Wie gut hat sich die Nach­fol­ge­sin­gle von Lor­di in den deut­schen Charts pla­ziert?). Und von ‘Abschaf­fung der Demo­kra­tie’ zu schwa­dro­nie­ren, weil Jurys wie­der ein­ge­führt wer­den, über deren Gewich­tung wir noch NICHTS wis­sen, und das auch noch nur im Fina­le, grenzt an Dem­ago­gie. So nicht, Herr Nig­ge­mei­er.

  2. Demo­kra­tie und so Da muss ich Dir jetzt doch mal ganz sanft wider­spre­chen und dem Nig­ge­mei­er bei­sprin­gen. Natür­lich ist die Wahl des Bun­des­kanz­lers demo­kra­tisch, denn das Wahl­gre­mi­um (der Bun­des­tag) wur­de ja in frei­en und gehei­men Wah­len vom Volk bestimmt. Hin­ge­gen wäre es mir neu, dass die Zusam­men­set­zung der Euro­vi­si­ons­ju­rys jemals in irgend­ei­ner Form von der Öffent­lich­keit bestimmt wor­den wäre. Natür­lich ist auch das Tele­fon­vo­ting in sei­ner jet­zi­gen Form nicht lupen­rein basis­de­mo­kra­tisch, weil jeder belie­big vie­le Stim­men (=Anru­fe) hat. Den­noch ist es ein deut­lich demo­kra­ti­sche­res Ver­fah­ren als die Jury. Und wenn ein klei­nes Häuf­lein im Hin­ter­zim­mer aus­ge­kün­gel­ter ‘Exper­ten’ in einer Abstim­mung genau so viel Gewicht bekommt (wovon ich bis zur Ver­kün­dung des Gegen­teils aus­ge­he), macht das das Ver­fah­ren unde­mo­kra­tisch, fin­de ich. Natür­lich ist das alles nicht dra­ma­tisch. Der Grand Prix ist schließ­lich nur eine TV-Show. Der Sie­ger wird ja nicht zum König von Euro­pa. Er ver­kauft allen­falls ein paar Plat­ten, wenn er Glück und eine tüch­ti­ge Plat­ten­fir­ma hat, und bür­det sei­nem Land eine mil­lio­nen­teu­re Ver­pflich­tung auf. Aller­dings ist der Grand Prix für sehr vie­le Men­schen ein Stück gefühl­tes Euro­pa. Die gan­zen aktu­el­len ‘Ostmafia’-Diskussionen sagen ja mehr über die Gefühls­la­ge der sich vom wirt­schaft­lich auf­ho­len­den Osten bedroht füh­len­den Alt­eu­ro­pä­er aus als über die tat­säch­li­chen Abstim­mungs­er­geb­nis­se. Um so wich­ti­ger fän­de ich per­sön­lich das Hoch­hal­ten demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en statt die Rück­kehr zur orga­ni­sier­ten Kor­rup­ti­on, wie es die EBU jetzt macht…

  3. Zuge­ge­ben… …ich bin ja auch nicht begeis­tert davon, wie das gere­gelt wird. Aber ich fin­de, dass hier mit etwas zu gro­ßem Kali­ber geschos­sen wur­de. Ich lese Nig­ge­mei­er und Bild­blog selbst sehr gern, aber der Herr neigt zum Pole­mi­sie­ren (das, was er der Bild gern, oft und berech­tigt vor­wirft), und dies­mal ist er mei­nes Erach­tens übers Ziel hin­aus­ge­schos­sen. Genau wie der von dir zitier­te Kom­men­tar aus Nig­ge­mei­ers Blog: liest sich ganz lus­tig, aber mir kam da der Gedan­ke, ob es nicht noch eine Num­mer grö­ßer gegan­gen wäre? Zwei­ter-Welt­kriegs-Ver­glei­che, auch sati­ri­sche, soll­ten eigent­lich nur in ange­mes­se­nen Zusam­men­hän­gen benutzt wer­den (man kann natür­lich lan­ge dar­über strei­ten, was hier ‘ange­mes­sen’ bedeu­tet, aber ich hal­te den ESC für in die­sem Sin­ne nicht bedeu­tend genug). Naja. Wir wer­den sehen, wie die gan­ze Sache sich ent­wi­ckelt. Und ich bin mir ziem­lich sicher: für jeden, der das so sieht wie du und ich, gibt es einen ESC-Fan, der die Rück­kehr der Kor­rup­ti­on beju­belt (sieht man andeu­tungs­wei­se schon in den Kom­men­ta­ren zu ‘Wann wird man je ver­stehn?’). Neben­bei: Leben wir nicht eigent­lich in einem Euro­pa des frei­en Jour­na­lis­mus? (Mal abge­se­hen von Russ­land und ein paar ande­ren Pseu­do­de­mo­kra­ti­en in Ost­eu­ro­pa…) Kor­rup­ti­ons­ge­schich­ten bei den Jurys soll­ten doch eigent­lich nicht geheim­zu­hal­ten sein, oder? Es wäre mir neu, dass die EBU ein Geheim­dienst ist, und im heu­ti­gen Medi­en­zeit­al­ter bleibt nur wenig wirk­lich ver­bor­gen (oder wo sonst haben die Leu­te die gan­zen Jury­da­ten der letz­ten Jah­re her, die die EBU ver­mut­lich nur zu gern unter Ver­schluss gehal­ten hät­te?). 2008/2009 ist eine ganz ande­re Zeit als 1996/1997, was sol­che Din­ge angeht. Ich spie­le da mal den Opti­mis­ten (natür­lich immer bereit, wider­legt zu wer­den, macht ja kei­nen Spaß sonst 😉 ).

  4. Schlech­ter Stil Ich fnde es einen abso­lu­ten mie­sen Stil von dir, das du Leu­te die dem neu­en Voting­sys­tem was gutes abge­win­nen kön­nen als Hir­nis bezeich­net. Für mich als deut­scher Fan ist es erst ein­mal wich­tig wie Deutsch­land abschnei­det, und wenn durch das neue Sys­tem die Chan­ce grö­ßer wird das wir wie­der akt­zep­ta­ble Ergeb­nis­se errei­chen dann nur her damit. Ich könn­te auf das Tel­e­vo­ting sogar ganz ver­zich­ten. Und Roger Cice­ro hät­te sehr wohl einen Top 10 Platz ver­dient gehabt, aber das wur­de ihm ja durch die Ost­block­ma­fia ver­wehrt. HOf­fent­lich ist dadurch die Domi­nanz der Ost­block­län­der end­lich gebro­chen. Man konn­te sich den ESC durch die­se Ost­block­ver­seu­chung ja kaum noch angu­cken.

  5. Gro­ßes Kali­ber Dit­te stümpt: der Nig­ge­mei­er pole­mi­siert ger­ne. Des­we­gen les ich ihn auch ger­ne. Ich find Pole­mi­ken höchst unter­halt­sam, des­we­gen sind sie im Umfeld einer Unter­hal­tungs­sen­dung auch abso­lut ange­bracht. Und den Welt­kriegs­ver­gleich in den Kom­men­ta­ren fand ich vor allem des­we­gen amü­sant, weil er sich in wun­der­bar erfri­schen­der Wei­se über das deut­sche Gejam­me­re von der Ost­ro­vi­si­on lus­tig macht – eigent­lich gera­de des­we­gen, weil sein Kon­text ja damit spielt, dass es beim Song Con­test eben um nichts ‘Kriegs­ent­schei­den­des’ geht, man das also bit­te alles nicht so ernst neh­men soll. Daher fin­de ich die­sen Ver­gleich abso­lut ange­mes­sen – eben, weil er so unan­ge­mes­sen ist. Der JMB hat­te ja selbst in der Fed­der­sen-Bibel schon mal von einem mal­te­si­schen Bestechungs­ver­such anno 1997 berich­tet. Den­noch stan­den die Jurys in der Ver­gan­gen­heit weder unter irgend­ei­ner öffent­li­chen Kon­trol­le noch hat sich die Pres­se son­der­lich für ihre Zusam­men­set­zung oder mög­li­che Bestech­lich­keit inter­es­siert. Ich glaub auch nicht, dass sich das ändert, da bin ich eher Rea­list als Opti­mist. Aber schau­en wir mal, was die Zukunft bringt. Mei­ne Befürch­tung ist nur, dass 2009 wie­der ein Ost­land gewinnt (weil die Jury natür­lich nix groß ändert und die Ost­songs ja in der Regel auch bes­ser sind als unse­ren müden Ver­su­che) und der Wes­ten dar­auf kom­plett aus­steigt… Ich hof­fe sehr, ich behal­te Unrecht.

  6. Schlech­ter Stil Stimmt, das ist schlech­ter Stil, sor­ry. Mir ist nur kei­ne ande­re Bezeich­nung als die­ses bil­li­ge Wort­spiel für die­se gren­zen­lo­se Nai­vi­tät derer ein­ge­fal­len, die ein­fach vor der Ergeb­nis­sen des Jury­vo­tings der letz­ten 40 Jah­re vor der Umstel­lung auf Tel­e­vo­ting mut­wil­lig die Augen ver­schlie­ßen. Aber ich fin­de es gut, dass Du Dei­ne Moti­va­ti­on fürs Jury­vo­ting so klar offen legst: es geht ja gar nicht um Gerech­tig­keit, Haupt­sa­che, Deutsch­land schnei­det wie­der gut ab, egal was für einen Mist wir schi­cken! Okay, das ist ein veri­ta­bles Argu­ment. Ich fin­de aber, wenn wir ran­zi­gen 50jah­re-Macho-Quark wie ‘…und dann kaufst Du ‘n Ring und ‘n Nerz’ schi­cken, soll­ten wir auch die gerech­te Beur­tei­lung erfah­ren – ich hät­te Roger auf den letz­ten Platz gesetzt! Aber egal, wie man das beur­teilt (da geht’s ja immer nur um per­sön­li­chen Geschmack) – die Jurys wer­den eben gera­de nicht die ‘Ost­block­ver­seu­chung’ bre­chen! Für wel­ches Land wird eine vom weiß­rus­si­schen Dik­ta­tor Luka­schen­ko per­sön­lich aus­ge­such­te Jury wohl stim­men, na? Für Deutsch­land? Träum wei­ter, Hase! 🙂

  7. Bor­da-Wahl… …klingt gut. Da wäre ich dafür. Falls es über­haupt eine 50–50-Gewichtung gibt und nicht so etwas ähn­li­ches wie beim Dance Con­test mit Bonus­punk­ten für die Top-Ten der Jury. Aller­dings das Rechen­bei­spiel mit dem 6. Platz für Deutsch­land wirft für mich die inter­es­san­te Fra­ge auf: Hät­ten wir bei rei­nem Jury­vo­ting viel­leicht sogar gewon­nen? Oder wären immer­hin Top 3 gewor­den? Von 19 auf 6 ist immer­hin wirk­lich schon ein gro­ßer Schritt.

  8. Gerech­tig­keit Also das mit der Gerech­tig­keit ist so eine Sache. Wenn es wirk­lich gerecht zuge­gan­gen wäre, dann wäre so ein Mist wie Ukrai­ne 2007 nie und nim­mer auf Platz 2 gelan­det. Jeden­falls nicht mit Jury­vo­ting. Noch ein bei­spiel wenn du mir jetzt noch erklä­ren wo der gesang­li­che Unter­schied zu No Angels und der Grie­chi­schen Gogo­Tän­ze­rin war oder dem Play­boy aus Russ­land, dann wäre ich mal froh. Die Tel­e­vo­ting­ge­rech­tig­keit sieht doch im Moment so aus, wären die No Angels für Russ­land gestar­tet, hät­ten sie bestimmt weit­aus­bes­ser abge­schnit­ten und der Bilan umge­kehrt für Deutsch­land, hät­te nicht gewon­nen. Beim Tel­e­vo­ting der letz­ten Jah­re kam es gar nicht mehr auf die Songs an, son­dern nur dar­auf woher man kommt. Und das ist mit Jury­vo­ting etwas abge­schwächt. Wenn man jetzt noch ein­ge­führt hät­te, das nur die Län­der im Fina­le voten kön­nen, die sich dafür auch qua­li­fi­ziert haben, wäre ich rund­um zufrie­den. Na wenigs­tens behal­ten wir den Final­platz.

  9. Igitt, igitt .….also beson­ders der Erfolg der Let­ten mit den gru­se­li­gen Fake – Tenors spricht gegen die Jurys. Wenn die Jury noch wenigs­tens Alen­ka unter­stützt hät­te, die wirk­te auf der Büh­ne zwar eher wie man sich Caro­la so pri­vat vor­stellt, hat­te aber einen Song mit Sub­stanz. Dass Cice­ro bei den Tel­e­vo­tern nicht gut ankom­men wür­de, war klar, das ist ein­fach Nischen­mu­sik und nichts für die brei­te Masse.…mit der Rück­kehr der Jury könn­te sich der NDR lei­der dazu ver­lei­ten las­sen, 2009 erneut etwas ähn­li­ches zu pro­bie­ren. Die Ungarn fand ich hin­ge­gen 2007 nicht wirk­lich schlimm, die­se Magdi wirk­te authen­tisch, was wohl ihren Erfolg erklärt.…der Song allein war es bestimmt nicht.

  10. Anruf­zahl begren­zen! Dei­ne Argu­men­ta­ti­on beruht haupt­säch­lich dar­auf, dass (zumin­dest nach der Berech­nung die­ses Typen auf esc­na­ti­on) Lie­der wei­ter vorn gelan­det wären, die du nicht magst (‘Unsub­stan­ti­al blues’; ‘Frau­en regier’n die Welt’; ‘Ques­ta not­te’). Das kann aber kein Argu­ment gegen die Wie­der­ein­füh­rung der Juries sein.… nur weil dann Lie­der vorn gelan­det wären, die man sel­ber nicht mag?? Was ist das für eine Dis­kus­si­ons­ebe­ne?!? Klar ist: Auf Dau­er ist die Sen­dung lang­wei­lig, wenn schon um 21 Uhr weiß, dass Deutsch­land der Tür­kei oder Grie­chen­land 12 Punk­te geben wird. Oder dass die Schweiz ihre 12 Punk­te auf dem Bal­kan lässt (wie jedes Jahr… Ser­bi­en oder Bos­ni­en). Oder dass Arme­ni­en aus Bel­gi­en 12 Punk­te kriegt. Und das kann irgend­wo nicht sein. Beson­ders extrem bei so Bei­spie­len wie 1999 – ‘Dön artik’ bekam so gut wie kei­ne Punk­te, aber 12 aus Deutsch­land. Da stimmt doch irgend­was nicht. Grund­sätz­lich wäre mir eine ande­re Rege­lung auch lie­ber gewe­sen – näm­lich die Begren­zung der Anru­fe: Nur noch 1 Anruf je Anschluss. Das wäre fair. So hat jeder Zuschau­er eine Stim­me, die er ver­ge­ben kann. Statt­des­sen kann jeder, wenn er will, 50 Mal für die sin­gen­de Min­nie Maus aus Grie­chen­land anru­fen oder eben 50 Mal für ‘Dön artik’. Und dass Immi­gran­ten mit einer gewis­sen Hei­mat-Ver­bun­den­heit natür­lich häu­fi­ger zum Tele­fon grei­fen, um für ‘ihr’ Land anzu­ru­fen, als ‘nor­ma­le’ Deut­sche, die ein­fach ihr Lieb­lings­lied bewer­ten (sei es Schwe­den, Mal­ta, Ukrai­ne oder Maze­do­ni­en), ist irgend­wie auch nach­voll­zieh­bar. Das ver­zerrt aber das Tel­e­vo­ting. Des­halb wäre es am logischs­ten, die­se Mas­sen­an­ru­fe zu unter­bin­den. Aber da steht die EBU ver­mut­lich unter dem Pan­tof­fel der Tele­kom-Kon­zer­ne…

  11. Gerech­tig­keit und so Beim ers­ten Punkt geb ich Dir Recht – wäre es gerecht zuge­gan­gen, hät­te die dicke Tran­se aus der Ukrai­ne gewin­nen müs­sen! ‘Lasha Tum­bai’ war ein­fach nur geil! (Die dicke Les­be aus Ser­bi­en war aber auch toll, von daher gehen die­se bei­den Plät­ze voll in Ord­nung.) Okay, ich fand die Heli­um­stim­me von Kalo­der­ma auch nicht toll und bin über ihr gutes Abschnei­den erzürnt – aber gegen die dis­har­mo­ni­schen Kat­zen­ge­sän­ge von den No Angels war sie mil­lio­nen Mal bes­ser! Immer­hin war ihr Auf­tritt pro­fes­sio­nell, so wie auch der von Dima! Ja, der hat auch gejo­delt, dass sich einem die Fuß­nä­gel auf­roll­ten, und die Show war der Über­kitsch – aber wenigs­tens hat­te er eine, im Gegen­satz zu unse­ren drö­gen Tan­ten. Gegen deren Auf­tritt war ja Gra­cia noch gut! Dima ist auch nicht mein Sie­ger, aber ich kann nach­voll­zie­hen, war­um er gewann. Und die Rus­sen hät­ten die No Angels erst gar nicht nach Bel­grad gelas­sen. Kuck Dir mal den Auf­tritt von Serebro vom letz­ten Jahr an – so sehen bei denen Girl­groups aus! Kein Wun­der, dass die gut abschnei­den!

  12. Die Frau von der Hal­te­stel­le Stimmt, was Du sagst – authen­tisch war sie, die Magdi. Authen­tisch lang­wei­lig. 😉 Nein, im Ernst: das Argu­ment stimmt und erklärt auch ihren Erfolg. Auch wenn mir dabei trotz­dem die Füße ein­schla­fen. Und die Alen­ka war natür­lich gött­lich! 🙂

  13. Die Dis­kus­si­ons­ebe­ne Wel­che ande­re Dis­kus­si­ons­ebe­ne kann es beim Grand Prix denn geben? Natür­lich geht es ein­zig und allei­ne dar­um, dass die Lie­der vor­ne lan­den sol­len, die mir gefal­len – denn das sind ja die ein­deu­tig die guten! 😉 Es kann bei Musik nun mal kei­nen objek­ti­ven Maß­stab geben – die Bewer­tung von Songs wie beim Grand Prix, ob durch Tel­e­vo­ting oder Jury, ist ohne­hin kom­plett albern, weil es dabei stets und aus­schließ­lich immer nur um Fra­gen des per­sön­li­chen Geschmacks geht. Die­se Absur­di­tät des gesam­ten Wer­tungs­ver­fah­rens macht ja gera­de den gro­ßen Reiz beim Con­test aus. Des­halb geht es bei allen Dis­kus­sio­nen um die Wer­tungs­re­geln, egal wer die führt, letzt­lich immer nur um die Fra­ge: wie kann man’s hin­dre­hen, dass die Songs gewin­nen, die einem selbst gefal­len? Zu den Absät­zen 2 und 3 vol­le Zustim­mung!

  14. So schlecht war der Auf­tritt nicht. Alwo mal ganz ehr­lich, so schlecht fand ich den Auf­tritt der No Angels wirk­lich nicht. Apro­pos Kat­zen­ge­sang, der Pira­ten­mist aus Lett­land war ziem­lich schlecht oder viel schlech­ter gesun­gen, trotz­dem lan­de­ten sie noch auf Platz 12, sogar vor der wirk­lich tol­len Sän­ge­rin aus Por­tu­gal. Und das alles nur weil die halt aus Lett­land sind. Ich glau­be wenn es Jury­vo­ting gege­ben hät­te, wären die Let­ten letz­ter gewor­den und eben nicht UK. Auch das war höchst unge­recht.

  15. We’re rob­bin’ you blind… Bei den Pira­ten liegt die Sache wie­der anders: klar haben die grau­sam schlecht gesun­gen. Aber da das ein Bal­ler­mann­schla­ger war, ein Spaß­bei­trag zum Mitgröh­len, kam es hier auf den Gesang nicht an. Bei dem Auf­tritt war wich­tig, dass er bunt und lus­tig war und Spaß trans­por­tier­te, und das tat er. Dass sie bes­ser abschnit­ten als die Sie­ge­rin der Her­zen aus Por­tu­gal war aber in der Tat ein ech­ter Skan­dal, da stim­me ich Dir unein­ge­schränkt zu. Und ich sage ja auch nicht, dass es kein Block­vo­ting gibt – ich hal­te nur die Jurys für das unge­eig­ne­te Sym­s­tem, das zu durch­bre­chen. Aber wir wer­den es im Mai sehen.

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