Österreich auch 2009 nicht beim ESC

Zwar sagt man den Deutschen gerne einen Hang zum Jammern auf hohem Niveau nach – doch in Punkto wehleidiges Waschlappentum kommt wohl niemand an den Österreichern vorbei. Vor wenigen Minuten bestätigte ORF-Senderchef Edgar Böhm einen Bericht der Kleinen Zeitung, wonach das Alpenländle auch 2009 in der Schmollecke sitzen bleibt. Immerhin: ein Ausstieg für immer soll es nicht sein, der Sender überträgt das samstägliche Finale (allerdings nicht die Vorrunden, deren Reglement Böhm nach wie vor zu erzürnen scheint). Man wolle aber erst wieder mitmachen, wenn beim Wettbewerb wieder „das Musikalische im Vordergrund stehe“.


Der einzige Erfolgstitel Österreichs

Besonders amüsant liest sich die Verteidigungsrede Böhms: „Ich möchte nicht wehleidig sein. Wenn man verliert, verliert man, aber es muss nachvollziehbar und transparent sein“, so der Unterhaltungschef gegenüber der Presseagentur APA. „Solange die Europäische Rundfunk-Union das Reglement nicht ändert, wollen wir keine österreichischen Künstler in eine Geschichte hetzen, die ihnen dann zum Nachteil gereicht.“ Auch die Rückkehr zur Jury konnte den bockigen Ösi nicht zum Umdenken bewegen, ist es doch die Sortiermethode, nach denen die Teilnehmerländer einer der beiden Qualifikationsrunden zugewiesen werden, die der Senderchef bis heute nicht kapiert und die ihn zur Obstination bewegt. Als Beispiel für die von ihm beklagte Ungerechtigkeit führt er das Ausscheiden der Global.Kryner im Semi von 2005 an, das für ihn „nicht nachvollziehbar“ sei. Stimmt – dennoch lässt sich das kleinkindliche Trotzverhalten Böhms nicht anders als eben „wehleidig“ bezeichnen. Schade!

5 Gedanken zu “Österreich auch 2009 nicht beim ESC

  1. Na fantastisch Super. Es gibt also tatsächlich noch Leute in Europa, die den Deutschen (insbesondere der Tilt-Zeitung) den Platz in der Jammerecke streitig machen? Erinnert mich an diesen schönen alten Satz: Die Deutschen wollen die Welt verbessern. Die Österreicher begnügen sich damit, sie mies zu finden. Negativer Gedanke: Kein Alf Poier. Positiv: Kein zweiter Wilfried (oh Herr, lass diesen – stimmgestörten – Elch an uns vorübergehen…). Finde ich zwar schade, aber vielleicht hat die EBU jetzt noch mehr Anreiz, möglichst schnell den Fernsehsender aus Liechtenstein aufzunehmen. Wir brauchen mehr Debütanten! 🙂 Slowakei, Italien, Luxemburg? Aufruf an alle Mitglieder der EBU: Mitmachen! Es kann doch wohl nicht sein, dass nur Deutschland, Österreich und Großbritannien sich über die ‚Mafia‘ aufregen. Meinetwegen auch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen (dann haben wir wenigstens noch eine zweite Jury von Diktators Gnaden, und die Weißrussen sind nicht so allein), Ägypten, Jordanien und der Libanon! Tja. Vielleicht vergisst Italien ja auch mal wieder, sich rechtzeitig abzumelden, wie anno 1997. Dabei kam einer meiner Lieblings-ESC-Songs überhaupt raus (go, Jalisse!). Ich finde es ja schon großartig von den Ländern, die seit Einführung des Semis ständig nur auf die Fresse bekommen haben (Estland, Tschechien, Andorra), überhaupt noch zu kommen. DAS ist die richtige Einstellung – bei den Weißrussen hat es auch etwas gedauert. Von der Engelsgeduld der Finnen und Portugiesen gar nicht zu reden…

  2. …über Leberwürste und Co KG Reisende soll man nicht aufhalten…und mal ehrlich, bei über 40 Teilnehmern glaube ich kaum, dass jemanden das Fehlen Österreichs überhaupt aufgefallen ist geschweige denn, dass es sonderlich gestört hat. Die letzten Beiträge waren eben schlecht oder zumindest ESC ungeeignet. Sich im Jahre 2009 noch über das Scheitern des Jahres 2005 aufzuregen, ist doch lächerlich. Wie oft sind andere Länder gescheitert, etwa Portugal, ohne aufzugeben, sich einfach mehr Mühe zu geben und dafür dann auch belohnt zu werden !? Wer sich nur in die Schmollecke zurückzieht, ändert schonmal gar nichts. Wenn der ORF wirklich erst dann über eine Rückkehr nachdenken will,wenn ‚das Musikalische im Vordergrund steht‘, wird es wohl ein Abschied für immer werden. Und wieder wird es niemanden wirklich stören….so schmerzhaft kann die Realität sein.

  3. Von Österreich lernen Ich finde es nur konsequent das die Österreich auch dieses Jahr nicht mitmachen. Schade das kein anderes westliche Land so eine Zivilcourage wie die Österreicher. Daher mein Respekt an die Österreicher. Sie hätten ja eh keine Chance gehabt das Finale zu erreichen. Egal was sie geschickt hätten. 2007 hatten sie einen wirklich guten Beitrag und der ist dank Ostblockvoting total untergegangen. 2005 hat mir auch gut gefallen und da sind sie auch total unterbewertet worden. Der ORF hat recht, wenn er sich das Geld spart. Die ARD sollte das gleiche tun. Sollen doch diejenigen für den Mist aufkommen, die davon ständig profitieren.

  4. Zivilcourage? Äh…das ist jetzt nicht der Ausdruck, der mir dazu spontan einfiele. Mag sein, dass einige denken, Österreich sei 2005 unterbewertet worden (Platz 21 im Semi spricht allerdings meines Erachtens eine deutliche Sprache); ich fand das Teil nur grausig, und offenbar haben eine Menge Leute meine Meinung geteilt. 2007 war fast noch schlimmer (2005 war wenigstens eine interessante Idee, auch wenn ich dem ORF seine Manipulationen, um ein zweites Mal Alf Poier zu verhindern, immer noch nachtrage), und beide haben entsprechende Ergebnisse eingefahren. Andorra und Tschechien 2007 haben auch feste drauf gekriegt, aber das war für die kein Grund, nicht wiederzukommen. (Nebenbei kann sich Österreich bei Tschechien bedanken, im Semi 2007 nicht Letzter geworden zu sein. Vier Punkte sprechen eine ziemlich deutliche Sprache.)

Oder was denkst Du?