Vanîa Fernandes: gefeierter Stargast beim ECG-Treffen

Vanîa Fernandes, portugiesische Vertreterin beim Eurovision Song Contest 2008, verfügt über ein Talent, um das sie religiöse Rechte beneiden dürften: sie vermag es, bekennende Schwule zur Heterosexualität zu bekehren. So jedenfalls lautete die – etwas ungelenke, aber von Herzen kommende und vom Saalpublikum uneingeschränkt geteilte – Liebeserklärung des Comedians und Conferenciers Sascha Korf am Samstagabend nach dem umjubelten Auftritt der Siegerin der Herzen beim Fanclubtreffen des EC Germany im Kölner Gloria. Die grundsympathische Grand-Prix-Walküre erntete trotz kleinerer Kämpfe mit ihrer Bühnengarderobe für ihre gänsehauterzeugenden Livedarbietungen diverser Eurovisionsschlager, Musicalsongs, portugiesischer Traditionals und von Marianne Rosenbergs Vorentscheidungsbeitrag von 1975, ‚Er gehört zu mir‘, stehende Ovationen.


Sascha Korf gebärdet einen Eurovisionsklassiker

Der Eurovision Club Germany feierte am Samstag in Köln sein achtes jährliches Fantreffen. Fast dreihundert Gäste kamen ins plüschige Gloria und erlebten das bisher wohl beste Programm des Fanclubs überhaupt. Neben vielen grandiosen, liebevoll handgemachten Persiflagen auf den hinter uns liegenden Grand-Prix-Jahrgang (unter anderem mit einem Dima Bilan, dem ausgerechnet auf seiner Eislauffläche der Plastikbeutel mit dem eingeschmuggelten Koks platzte), Videoeinspielungen, dem Eurovisionsmusical und einer unfassbar lustigen schwulen Gebärdensprache-Version des namensgebenden Grand-Prix-Songs dieser Seite, Mary Roos‚Aufrecht gehn‘ (wenn jemand eine Videoaufzeichnung hat – ich wäre sehr dankbar!), durch den wie immer grandiosen Sascha Korf, sorgten auch die beiden Stargäste des Abends für Begeisterung.

So stellte zunächst der Finne Geir Rönning (2005, ‚Why‘) seine beeindruckende Stimme unter Beweis und zog die Sympathie des Publikums auf seine Seite, als er erzählte, dass sein geplantes Repertoire ein Lied enthalten habe, das auch Vanîa singen wollte. Gentleman, der er ist, verzichtete Geir auf ‚You raised me up‘, das die Portugiesin dann neben heimatlichen Eurovisionsklassikern wie ‚Bem Bom‘ zu Gehör brachte. Spätestens nach den fantastischen Renditionen von ‚No no never‘ und dem fehlerfrei auf Deutsch gesungenen ‚Er gehört zu mir‘ lagen Vanîa die Herzen der anwesenden Fans zu Füßen, die sich in ihrer authentisch niedlichen Art ständig für die „warme und familiäre“ Atmosphäre in Köln bedankte. Was über die geschäftsübliche Publikumseinschleimerei hinaus ging. Hier stand eine auf der Bühne, so mein ganz persönlicher Eindruck, die wirklich mit Leib und Seele bei der Sache ist und nicht für Geld, Plattendeals oder die nationale Ehre singt. Mir ging es da wie Sascha Korf („Vanîa: You turned an old gay Man straight!“): auch ich habe mich am Samstagabend in die tolle Portugiesin verliebt.


Vania & Geir live: You raised me up – ungeprobt!

Den schönsten Augenblick des Abends bot schließlich ein spontan von ECG-Präsident Martin Backhaus eingefädeltes Duett zwischen Vanîa und Geir, die nämlich ‚You raised me up‘ dann als letzte Zugabe nochmals sangen. Gemeinsam – und ohne jede vorherige Probe. Ein emotionaler Höhepunkt, bei dem nicht wenigen Fans das Wasser in den Augen stand. Auch wenn es noch viele andere tolle Momente gab – so wie bei der abschließenden Eurovisionsdisco, als einige Fans zu Lakas ‚Pokusaj‘ auf der Tanzfläche, inspiriert von der bosnischen Bühnenshow, Amok-Nachlauf spielten – die Erinnerung an das finnisch-portugiesische Duett wird für immer in meinem Herzen bleiben. Danke an die Organisatoren dieses Events, auf das ich mich mittlerweile mehr freue als auf den Grand Prix selbst – auch wenn dieser Jahrgang kaum noch zu toppen sein dürfte. Wer nicht da war, hat wirklich etwas verpasst!

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