Russland: gay ist nicht okay

So langsam nehmen die homophoben Ausfälle des Moskauer Bürgermeisters Jurij Luschko unerträgliche Ausmaße an. Die offizielle Stafettenübergabe aus Belgrad vor einigen Tagen nahm der auffällig eifrige Homo-Gegner zum Anlass, die anreisenden Fans noch mal eindringlich zu warnen: die Zurschaustellung von Homosexualität werde auf „den Straßen, Plätzen, bei Märschen und Demonstrationen“ (gemeint ist der geplante und von ihm bereits verbotene CSD, der am Finaltag des Grand Prix stattfinden soll) in Moskau nicht geduldet. Zwar sei Homosexualität in Russland seit 1993 straffrei, wie er einräumen musste, jedoch bis heute in der Gesellschaft nicht akzeptiert. Doch auch Westeuropa ist vor unterschwelliger Homophobie nicht gefeit: ausgerechnet die BBC versucht derzeit, die Zahl der schwulen Fans bei der Vorentscheidung zu dezimieren.


Eat this, Luschko!

Wie die britischen Schlagerboys berichten, bewirbt die BBC die markig ‚Your Country needs you‘ betitelte Vorentscheidung gerade mit dem Zusatz, dass ausgeloste Eintrittskarten doch bitte „in möglichst gleichem Anteil unter den Geschlechtern aufgeteilt“ werden mögen, um zu einem ausgewogenen Verhältnis von Männern und Frauen beim Studiopublikum zu kommen. Die Schlagerboys kommentieren das treffend böse mit „Could the Gays stay at home, please?“. Was wir übrigens meiner Meinung nach auch bei der Finalveranstaltung in Moskau tun sollten. Ich fühle mich angesichts der schon aggressiven Schwulenfeindlichkeit der russischen Organisatoren jedenfalls darin bestätigt, nicht nach Moskau zu fahren. Einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema verfasste übrigens auch taz-Autor Elmar Kraushaar in seiner Kolumne Der homosexuelle Mann, in der er auch mit Kritik an seinem taz-Kollegen und NDR-Blogger Jan Feddersen nicht spart.


2003 schickte Russland noch gerne angebliche Lesben

Schön wäre es auch, wenn der NDR (und die anderen westeuropäischen Sendeanstalten) diesbezüglich Flagge zeigten – und zwar im wörtlichen Sinne. Entweder die entsandten Künstler oder aber die nationalen Punkteansager mit großen Regenbogenflaggen ausstatten, die während der Performance oder Verlesung der Länderwertung in die Kamera gehalten werden können. So stelle ich mir eine angemessene Antwort auf die schockierende Homofeindlichkeit und Rückständigkeit Moskaus vor. Doch ich fürchte, hier müssen wir uns wieder den üblichen dummen Quatsch vom Grand Prix als „unpolitisches“ Event anhören. Eine etwas subtilere Maßnahme könnte immerhin noch darin bestehen, die organisierten Korruptionselemente Jurys, deren Stimmen nun übrigens doch zu 50% zählen, ausschließlich mit Schwulen und Lesben zu besetzen. Als schöner Nebeneffekt ergäbe sich dabei auch eine tatsächliche Verbesserung der musikalischen Kompetenz dieses Bevormundungsinstrumentes.

Jedenfalls hab ich jetzt schon keine Lust mehr auf den Grand Prix 2009!

5 Gedanken zu “Russland: gay ist nicht okay

  1. Herrjemine… Moskau, fremd und geheimnisvoll? Ja. Wenn man sich ansieht, wer da Bürgermeister spielen darf, schon. Grummel… Wahrscheinlich ist dieses Individuum sogar noch stolz auf seine Toleranz, weil in Moskau Schwule nicht mehr offiziell gejagt werden dürfen. Naja…ich kann mir sowieso Besseres vorstellen, als da hin zu fahren. Vielleicht übernächstes Mal in – wo auch immer. (Sollte es Minsk werden, kann sich die schwule Gemeinschaft jedenfalls auf ein richtig großes Ziel einschießen. Oder ist Weißrussland toleranter als Russland?)

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