Bul­ga­ri­en 2009: Klaus Nomi lebt!

Dra­fi Deut­scher scherz­te einst, dass Modern Tal­king für ihre Stu­dio­auf­nah­men wohl einen “Klö­tis­ten” beschäf­tig­ten, der mit zwei Back­stei­nen in den Hän­den im Ton­stu­dio war­tet und in dem Moment, wo die Stim­me im Refrain in unna­tür­li­che Höhen zu gehen hat, stra­te­gisch zuschlägt. Ob beim bul­ga­ri­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter Kras­si­mir Avra­mov ein sol­cher in Lohn in Brot steht und mit wel­chen Wacker­stei­nen der zuhaut, ist mir nicht bekannt. Jeden­falls kreischt und jodelt der Coun­ter­te­nor die meis­te Zeit in höchs­ter Fal­sett­la­ge. Um den­noch eini­ger­ma­ßen männ­lich zu wir­ken, ver­klei­det er sich bei sei­nem Auf­tritt als Rit­ter – doch wer jetzt an mit­tel­al­ter­li­che Klän­ge denkt, unter­liegt einer ‘Illu­si­on’. Der Bei­trag ist trei­ben­der, rhyth­mus­ori­en­tier­ter Pop mit einer gar nicht so schlech­ten Hook­li­ne. Mitt­ler­wei­le gibt es im Land mäch­tig Ärger um den Song.


Das Video ist für Kin­der unter 12 nicht geeig­net (fin­de ich), aber der Song ist gut!

Der aus­ge­bil­de­te Opern­sän­ger, des­sen Stimm­la­ge vier Okta­ven umfasst, lebt seit 1999 in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo er sich zunächst als Kell­ner durch­schlug. Er war als soge­nann­te Wild­card direkt für das Fina­le nomi­niert und gewann aus dem Stand – die Teil­neh­mer der bul­ga­ri­schen Euro­vi­si­ons­cas­tings­shows mit ihren unge­fähr sie­ben Mil­lio­nen Vor­run­den dürf­ten sich bedan­ken. Und genau das tun sie jetzt auch: ange­sta­chelt von der live dann doch etwas *hüs­tel* abwei­chen­den Gesangs­leis­tung Kras­si­mirs, bei der die Milch sau­er wird, und befeu­ert von Zwei­feln am offi­zi­el­len Ergeb­nis, nach dem der Tenor mehr als 50% der Stim­men erhal­ten habe, sam­meln sie mitt­ler­wei­le Unter­schrif­ten und demons­trie­ren vor dem Gebäu­de des bul­ga­ri­schen Fern­se­hens, da sie eine Schie­bung unter­stel­len.


Live beim Vor­ent­scheid. Erschießt es doch jemand, es quält sich doch nur noch!

Selbst das Staats­fern­se­hen mel­det mitt­ler­wei­le Beden­ken an, ob denn da der Rich­ti­ge an die Spit­ze mani­pu­liert gewählt wur­de: man habe “Zwei­fel an der Qua­li­tät der Live-Per­for­mance”, so jeden­falls äußer­te sich einem Zei­tungs­be­richt zufol­ge der Unter­hal­tungs­chef von BNT, Lyu­ben Kun­chev, im Radio. Nun über­le­ge man, ob man den Bei­trag bzw. die Teil­nah­me Bul­ga­ri­ens am Grand Prix zurück­zie­he. Avra­mov selbst sieht sich als Nei­dop­fer: “Gera­de unter den Kol­le­gen fällt es eini­gen schwer, dem Ande­ren den Erfolg zu gön­nen!”

6 Gedanken zu “Bul­ga­ri­en 2009: Klaus Nomi lebt!

  1. David D’Or rel­oa­ded Stimmt, die Hook­li­ne ist echt nicht übel. Aber die Live-Per­for­mance ist ja furcht­bar! Spä­tes­tens ab 2:17 ver­liert er völ­lig den Faden und macht den Ein­druck, als wol­le er sich mit sei­nem ziel­lo­sen Gegrei­ne selbst in den Schlaf lul­len. Trotz­dem eigent­lich ein ganz hüb­scher Song, und wenn ich dar­an den­ke was in den Vor­run­den für ein audio­vi­su­el­ler Müll gera­de­zu kübel­wei­se über die bemitt­lei­dens­wer­ten bul­ga­ri­schen Zuschau­er geschüt­tet wur­de, wür­de ich sagen: lasst den Kras­si noch etwas üben und dann im Mai in Mos­kau knö­deln.

  2. Also ich hab ja gro­ßes Ver­ständ­nis dafür, dass er im letz­ten Drit­tel nur noch win­selt – so wie er sich zuvor ver­aus­gabt hat, ist das nur natür­lich. Dar­über soll­te man hin­weg­se­hen. Des­halb: Unbe­dingt für Bul­ga­ri­en voten.…oder bes­ser spen­den, damit die den Töl­zer Kna­ben­chor ver­pflich­ten kön­nen.

  3. Ich muss sagen, das istd er ers­te Coun­ter­te­nor beim ESC, den ich nicht nur erträg­lich son­dern sogar ziem­lich gut fin­de. Eigent­lich bin ich ja nicht so für Coun­ter­te­nö­re zu haben aber die­ser Song hat was.

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