Das Finale 2009 – die Übersicht

Logo des Eurovision Song Contest 2009 (Finale)
Logo Eurovision Song Contest 2009
(C) EBU

So, nun stehen alle Beiträge für Moskau und die Startreihenfolge fest. Anlass genug für einen Schnellüberblick mit Kurzkommentar, Aufrechtgehn.de-Wertung und einer ersten Einschätzung hinsichtlich der Endplatzierung. Wie immer sind die Big Four (DE, ES, FR, UK) direkt für das Finale am 16. Mai gesetzt, gemeinsam mit dem Gastgeber Russland (die restlichen 20 Starter kommen später aus den beiden Qualis). Und im Gegensatz zu den letzten Jahren, wo die Big Four meist auch geschlossen die Last Four bildeten, könnten diesmal zwei Länder nach oben ausbrechen – nämlich Frankreich, das seinen Weltstar Patricia Kaas schickt, sowie Spanien, das endlich wieder einen mitreißenden, orientalisch angehauchten mediterranen Tanzflächenfüller liefert. Für Deutschland sehe ich mittlerweile schwarz – so lange dieser Zuhältertyp da am Klavier sitzt und Oscar die Kamera nicht findet!

3. Frankreich: Patricia KaasS’il fallait le faire
Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 Punkte ◊ Tipp für die Endplatzierung: 3

Mademoiselle chante le Blues. Und den mag ich ja üblicherweise gar nicht. Doch hier schafft es Fräulein Kaas, mich mit ihrer bittersüßen Melancholie zu umfangen und in ihr düsteres Reich zu ziehen. Der eurovisionskonform gekürzte Drei-Minuten-Mix verfügt über noch mehr Drama und Drive, ohne die fragile Verletzlichkeit des Liedes preiszugeben. Großes Herzeleid, große Sängerin, große Gänsehaut! In Moskau dürfte Mademoiselle Fromage auch von den Jurys und ihrer Bekanntheit in Russland profitieren. Überhaupt: Frankreich schickt seine Nationalheilige! Mehr geht nun wirklich nicht!

10. Russland: Anastasia PrihodkoMamo
Aufrechtgehn.de-Wertung: 6 Punkte ◊ Tipp für die Endplatzierung: 11

Eine echte Skandalnudel, die Anastasia. Erst klagte sie gegen das ukrainische Fernsehen, das diese Nummer im dortigen Vorentscheid (in ihrem Heimatland) disqualifizierte, dann ging sie in letzter Sekunde beim Gastgeber fremd – und gewann! Jetzt wird sie in Russland angefeindet, weil sie den Refrain auf Ukrainisch singt. So dramatisch wie die Ereignisse um das rockige Mammografie-Werbelied ist auch ihre Performance – samt dimabilaneskem Mikrofonwedeln und annavissihaftem Bodenturnen.

17. Deutschland: Alex swings, Oscar singsMiss Kiss Kiss Bang
Aufrechtgehn.de-Wertung: 7 Punkte ◊ Tipp für die Endplatzierung: 24

Man nehme Shirley Basseys zurückgewiesenes James-Bond-Titellied ‚Mister Kiss Bang Bang‘ von 1965 als Grundgerüst, mische zu gleichen Teilen Ricky Martins ‚Livin‘ la Vida loca‘ und Lou Begas Remix von ‚Mambo No. 5‘ unter, lasse eine kalifornische Musicalschwuppe dazu ein paar eurovisionskonforme Lautmalereien singen – und fertig ist der deutsche Grand-Prix-Beitrag 2009! Hält in fast allen Polls den letzten Platz. Kein Wunder: Swing, selbst rhythmisch aufgemotzter, geht außerhalb Deutschlands einfach gar nicht. Auch wenn der NDR das nicht wahrhaben möchte.

23. Großbritannien: Jade EwenMy Time
Aufrechtgehn.de-Wertung: 8 Punkte ◊ Tipp für die Endplatzierung: 18

Einmal wie immer: das ehemalige Mutterland des Pop versucht es erneut mit den musikalischen Rezepten der Vergangenheit (wobei diese, zugegebenermaßen wunderbar schmalzige Andrew-Lloydd-Webber-Nummer schon in den Achtzigern altmodisch geklungen hätte) und schickt eine Anfängerin zum härtesten Musikwettbewerb der Welt. Da nutzt es auch nichts, den Komponisten mit ans Klavier zu setzen (wie wir das ebenfalls tun) – halb Europa wird sich fragen, was der Opi da macht. Immerhin sind die Briten in Punkto Promotion weiter als wir, daher ein paar Plätze plus.

25. Spanien: Soraya Arnelas RubialesLa Noche es para mi
Aufrechtgehn.de-Wertung: 10 Punkte ◊ Tipp für die Endplatzierung: 8

Genau so muss ein Eurovisionssong klingen! Schöner, anspruchsloser, extrem eingängiger Discopop mit wunderbarer orientalischer Würzung. Dazu spanische Strophen (klingt einfach geil) und englischer Billigrefrain (‚Take me, shake me, bake me‘ – das lässt sich auch nach dem zehnten Sangría noch mitgrölen). Endlich liefert Spanien wieder!

4 Gedanken zu “Das Finale 2009 – die Übersicht

  1. Ich bin immer noch skeptisch, ob eins der Big Four Länder es tatsächlich ins obere Drittel schafft, denn dass Diaspora-Voting wird weiterhin stark vertreten sein. Hofentlich werde ich bald eines Besseren belernt.

  2. Lorielle Sag mal, ist das da eigentlich Lorielle London, die da für UK singt? Das ist ja mal eine Überraschung. Dann können wir Ihr ja die Daumen drücken!

  3. Dakor Frankreich und Spanien ja. Aber der Deutsche Beitrag kann froh sein, wenn er 7 Punkte insgesamt im Finale erhält.

  4. Die Big Four und Russland. Frankreich geht beim ersten Hören (und das gilt nunmal im Finale) garnicht ins Ohr, sehr chansonlastig, Francoise Hardy hätte ähnliches in den 60er singen können. Russland belanglos, Großbritannien klingt wie die klassische Held-Positionierungsballade im Disneyfilm und Spanien mit der üblichen Disco-Schlampe (allerdings in unschön). Deutschland gefällt mir überraschenderweise, der Auftritt ist aber viel zu brav, das Lied viel zu viel Swing (da brauchts mehr disco) und Oscar leider nicht camp genug.

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