Tsche­chi­en 2009: Die Pferd­chen so zot­tig

Zwei Mal ver­such­ten sie es schon beim tsche­chi­schen Vor­ent­scheid, zwei Mal zogen sie gegen Acts den Kür­ze­ren, die beim Grand Prix dann die ganz hin­te­ren Plät­ze beleg­ten. Dies­mal ging der Staats­sen­der auf Num­mer sicher und nomi­nier­te die Roma-Rap­per Gypsy.cz (was ist das eigent­lich in letz­ter Zeit für eine Unart mit dem an den Band­na­men ange­häng­ten Inter­net-Län­der­code? Hier geht’s um Musik, nicht um einen Blog!) direkt. Front­mann Radoslav Ban­ga legt, so rappt er, Wert auf sei­ne kul­tu­rel­len Wur­zeln: „Ich will, dass jeder weiß, dass ich genau­so wie mei­ne Kapel­le Roma bin. Lass Dich in unse­ren Rhyth­mus fal­len und Du gehörst dazu.” Von den zwei Songs, unter denen die Tsche­chen ihren Bei­trag für Mos­kau wäh­len konn­ten, ent­schie­den sie sich nun für ‘Aven roma­le’. Damit ste­hen alle Bei­trä­ge für Mos­kau fest.


Der ist ja Super, Man

Das Quar­tett mit den Roma-Wur­zeln (neben Sän­ger und Hip­hop­per Radoslav noch die Brü­der Peter [Gitar­re] und Jan [Kon­tra­baß] Sur­maj sowie Gei­ger Voj­ta Lavicka) exis­tiert seit 2006, ihr Debüt­al­bum ‘Roma­no Hip Hop’ erreich­te Gold­sta­tus. Die bei­den Anfang März vor­ge­stell­ten Video­clips zäh­len zum Ori­gi­nells­ten, was ich jemals zu sehen das Ver­gnü­gen hat­te. Gera­de ‘Aven Roma­le’ offen­bart eine Befä­hi­gung zur Selbst­iro­nie, die ange­sichts der Dis­kri­mi­nie­rung und den Vor­ur­tei­len, unter denen Roma auch heu­te noch zu lei­den haben, bei­na­he schon etwas Bewun­derns­wer­tes hat – und die vie­len Euro­vi­si­onst­un­ten (wovon ich mich gar nicht aus­neh­me) mal ganz gut täte.


Geht ab wie’n Zäpf­chen: Roma­no Hip Hop

Auch der Mix aus Hip-Hop-Beats und har­tem Sprech­ge­sang mit sehn­süch­ti­gen Zigang­ei­gen ist bra­vou­rös eigen­stän­dig und auf­re­gend. Lei­der lei­den bei­de Num­mern, von denen ‘Do you wan­na’ die Ein­gän­gi­ge­re ist, deut­lich unter der ost­ty­pisch mise­ra­blen Aus­spra­che des Eng­li­schen, was bei simp­lem Pop­num­mern vom Schla­ge ‘Love me ton­ight’ eher unpro­ble­ma­tisch ist, bei text­ba­sier­tem Hip Hop aber schon. Den­noch: ich ver­nei­ge mich in tie­fer Bewun­de­rung vor dem Mut, der Ori­gi­na­li­tät und dem Humor der Tsche­chen.

4 Gedanken zu “Tsche­chi­en 2009: Die Pferd­chen so zot­tig

  1. Super, eine.… .…gute Wahl, was immer sie auch für einen Song aus­wäh­len wer­den, es kann nur bes­ser sein, als alles, was wir bis jetzt aus Tsche­chi­en hören ( und 2007 auch sehen ) muss­ten :con­fu­sed:

  2. Wegen mir hät­ten sie 2008 schon zum ESC fah­ren dür­fen. Mal gucken was für einen Song sie die­ses Jahr im Gepäck haben.

  3. Ich find ja bei­de Songs schwä­cher als ihr letzt­jäh­ri­ges Ben­ga Bea­ting. Aber auch das ist ja nichts Neu­es. Das ging mir letz­tes Jahr mit Kral­je­vi Uli­ce schon so, dass ich ihre frü­he­ren DORA-Bei­trä­ge etwas bes­ser fand als das Lied mit dem sie schlu­ßend­lich beim ESC waren. Aven Roma­le fin­de ich jeden­falls ein biß­chen zu camp und Do you wan­na ein biß­chen zu ein­tö­nig. Kann man die bei­den Lie­der nicht irgend­wie mischen? 😆 Aber auf alle Fäl­le sind bei­de Songs eine Stei­ge­rung im Ver­gleich zum letz­ten Jahr.

  4. Da dach­ten wir gera­de, es wäre nach den heu­ti­gen Moda­li­tä­ten nicht mehr mög­lich, mit der Höchst­stra­fe heim­ge­schickt zu wer­den, und dann bewei­sen uns Gypsy.cz das Gegen­teil. Bedau­er­lich – der Bel­gi­er hät­te das gro­ße O deut­lich eher ver­dient gehabt.

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