Russ­land 2009: Du sollst doch nicht um Dei­nen Jun­gen wei­nen

Sie kam, sang und sieg­te: erst zwei Tage vor dem gest­ri­gen Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le vom Sen­der noch ganz schnell ins Par­ti­zi­pan­ten­feld gemo­gelt, über­zeug­te die durch ihren Sieg in der rus­si­schen Cas­ting­show Star Fac­to­ry bekann­te 21jährige ukrai­ni­sche Sän­ge­rin Ana­sta­sia Prihod­ko sowohl die Tele­vo­ter, die sie mit 26% der Stim­men an die Spit­ze setz­ten, als auch die Fach­ju­ry, die anschlie­ßend noch mal unter den drei Höchst­plat­zier­ten aus­wähl­te (auch bekannt als das weiß­rus­si­sche Ver­fah­ren). Ihr dra­ma­ti­scher Rock­song ‘Mama’ war zuvor von der ukrai­ni­schen Vor­ent­schei­dung aus­ge­schlos­sen wor­den – eine Ent­schei­dung, gegen die das Manage­ment der Sän­ge­rin laut einem Bericht von escK­az Rechts­mit­tel anstreng­te. Nun darf sie also in Mos­kau für Mos­kau röh­ren.


Dass die Ukrai­ne­rin­nen immer so schrei­en müs­sen!

Pro­tes­ten der unter­le­ge­nen Fina­lis­ten mit Ver­weis auf Ana­sta­si­as Natio­na­li­tät begeg­ne­te ihr Pro­du­zent mit einem Hin­weis auf die Völ­ker­ver­stän­di­gung, die dem Bei­trag inne­woh­ne: “Das ist ein inter­na­tio­na­ler Song. Geschrie­ben von einem Geor­gi­er, gesun­gen von einer Ukrai­ne­rin – und der Text stammt zur Hälf­te von einem Esten.” Wenn das nicht schon mal die ers­ten 36 Punk­te sichert! ‘Mama’ ist ein hoch repe­ti­ti­ver, aber kraft­voll inter­pre­tier­ter Rock­song, zu dem die jun­ge Sän­ge­rin eine an Anna Vis­sis Athe­ner Per­for­mance erin­nern­de, dra­ma­ti­sche Vor­stel­lung mit Boden­kon­takt ablie­fert. Vom Vor­jah­res­sie­ger Dima Bilan schau­te sie sich das über­trie­be­ne Her­um­ge­we­del mit dem Mikro­fon bei den lang­ge­zo­ge­nen Tönen ab (die mir aller­dings ent­we­der vom Band oder aus der Echo­ma­schi­ne zu stam­men schei­nen).


Die Zweit­plat­zier­te mit einem Song über Zwangs­pro­sti­tu­ti­on. Nee, dann lie­ber die Mama!

Ein irgend­wie für Russ­land typi­scher Bei­trag: unbe­dingt wett­be­werbs­fä­hig und sicher für einen berech­tig­ten vor­de­ren Platz gut, hand­werk­lich hoch­wer­tig pro­du­ziert, aber doch irgend­wie – jeden­falls für mei­nen Geschmack – kalt und see­len­los. So wie 95% der aktu­el­len Pop­mu­sik aus den welt­wei­ten Charts. Man kann den Rus­sen jeden­falls kei­ne Rück­schritt­lich­keit vor­wer­fen.

7 Gedanken zu “Russ­land 2009: Du sollst doch nicht um Dei­nen Jun­gen wei­nen

  1. Wir ler­nen: Ost­eu­ro­pä­er + Rock­chick­mo­dus = for­mi­da­ble Dra­ma-Queens Wer braucht da noch fran­ko­phi­le Gefühls­stür­me für dra­ma­ti­sche Auf­trit­te? Auch da scheint der Con­test sich wei­ter ent­wi­ckelt zu haben, wie uns Anna Vis­si, Han­na Paka­rin­nen, Jeroni­mas Mili­us und die­ses Jahr Petr Elfi­mov und Ana­sta­sia Prihod­ko zei­gen. Zu anfangs fand ich den Song ja noch lang­wei­lig. Aber je öfter ich ihn höre, des­to bes­ser gefällt er mir. ‘Hoch­wer­tig pro­du­ziert’ eben und mit rus­si­schem Ein­schlag.

  2. Was ist bit­te­schön an die­sem Lied soooooo toll? Mama­mia, das ist sehr lang­wei­lig. Und schreit sie am Schluß, als ob sie gera­de ihre Tage hät­te. Wenn ich die Mut­ter von der klei­nen wäre, ich wür­de ihr für den 16.05. Haus­ar­rest geben. Viel­leicht hat­te sie auch Schmer­zen, man weiß ja nie. Grau­en­voll. Dage­gen ist Dima Bilan ein Meis­ter­sän­ger.

  3. an die­sem Lied ist alles toll Wenn Ihr den Text nicht ver­steht, heißt es noch lan­ge nicht das der lang­wei­lig ist. Und Ehr­lich Leu­te es gibt auch schlim­me­re Sachen als Ments­trua­ti­on, an der man zusam­men­bre­chen kann und vor Schmer­zen schrei­en. Mei­ner Mei­nung nach, super Musik, tol­le Dar­bie­tung, tol­le stim­me – super Lied. Lei­der zum Teil rus­sisch, zum Teil Ukrai­nisch – kön­nen ja die lie­ben West­eu­ro­pä­er gar nicht ver­ste­hen.

  4. Dage­gen ist der Dima Bilan – arm­se­li­ger klei­ner Jun­ge, der alles schön raus­pipst wat man ihm sagt. Mit immer schön drauf­ge­mal­ten Lächel. Letz­tes Jahr kam er durch, weil man genau wuss­te auf wel­che Art Lie­der der Rest der Euro­pa steht. Die leich­ten, durch­sich­ti­gen Lie­bes­lied­chen. Und unbe­dingt in Eng­lisch muss es ja sein, auch wenn der kein Eng­lisch kann.

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