Por­tu­gal 2009: The Streets of Lis­boa

Knapp elf Mil­lio­nen Ein­woh­ner hat Por­tu­gal, und jeweils fünf von ihnen bil­de­ten eine (ein­zeln abstim­mungs­be­rech­tig­te) regio­na­le Jury beim Fes­ti­val da Cançao an die­sem Sams­tag­abend Sams­tag­nacht Sonn­tag­mor­gen Wochen­en­de. Weni­ger als eine Stun­de dau­er­te die Vor­stel­lung der teil­neh­men­den Songs, dann wur­de bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den abge­stimmt. Wie von Anfang an erwar­tet, setz­ten sich ziem­lich schnell die Folk­bar­den Flor de Lis mit ihrer blu­men­kin­der­haf­ten Ode an die ‘Stra­ßen der Lie­be’ durch. Eine für por­tu­gie­si­sche Ver­hält­nis­se bei­na­he schon fröh­lich zu nen­nen­de Num­mer, obschon gewis­se Anlei­hen an ‚De Trou­ba­dour’, den nie­der­län­di­schen Euro­vi­si­ons­ge­win­ner von 1969, nicht abzu­strei­ten sind.


Be sure to wear some Flowers in your Hair

Auch das abwei­chen­de Ergeb­nis des Tele­vo­tings konn­te auf­grund des erdrü­cken­den Vor­sprungs der sin­gen­den Neu­acht­und­sech­zi­ger im Jury­vo­ting nichts mehr aus­rich­ten. Die Zuschau­er prä­fe­rier­ten Lucia­na Abreu, die weib­li­che Hälf­te des wohl unta­len­tier­tes­ten Duos der Con­test­ge­schich­te, 2B (PT 2005). Sie wur­de jedoch von den Juro­ren auf den drit­ten Platz ver­wie­sen. Ange­sichts der bis dato unter­ir­di­schen Kon­kur­renz soll­te es für das anschei­nend aus sei­ner Euro­vi­si­ons­de­pres­si­on erwach­te Por­tu­gal kein Pro­blem sein, mit ihrer dies­jäh­ri­gen dicken Frau erneut ins Fina­le zu segeln.

10 Gedanken zu “Por­tu­gal 2009: The Streets of Lis­boa

  1. Und? War die por­tu­gie­si­sche Jury genau­so böse wie die kroa­ti­sche? Hät­test du Lucia­na vor­ge­zo­gen? Oder haben wir hier die Aus­nah­me der Böse-böse-Jury-Regel? 😉

  2. Kei­ne Ahnung Als ich nach Por­tu­gal geschal­tet habe, lief dort schon die Aus­zäh­lung, ich ken­ne den Bei­trag von Lucia­na also nicht. Ich will ihn auch nicht ken­nen. Die Tus­si hat mir damals drei der schreck­lichs­ten Minu­ten mei­nes Lebens beschert, da bin ich nach­tra­gend. Natür­lich ist das Ergeb­nis den­noch unde­mo­kra­tisch und sind Jurys wei­ter­hin das insti­tu­tio­na­li­sier­te Böse!

  3. Hol­la! Por­tu­gal schafft es doch tat­säch­lich ab und zu noch, mich zu über­ra­schen. Nach der (stei­nigt mich) graus­lich lang­wei­li­gen Sen­ho­ra do Mar (super vor­ge­tra­gen, aber ein furcht­ba­res Lied, sor­ry) ist das hier dann doch um eini­ges erträg­li­cher. More power to the fat women! 😉

  4. Obacht! Noch [b]ein[/b] Wort gegen Sen­ho­ra do Mar, und es setzt was! 😛 [quote]More power to the fat women![/quote] Das aller­dings unter­schreib ich!

  5. Also hier muß man der Jury mal dan­ke schön sagen. Ich fin­de das die­ser Song neben Nor­we­gen der schöns­te ist. Und mal ne wohl­tu­en­de Abwechs­lung neben all den ide­en­lo­sen Dan­ce­songs und 08/15-Bal­la­den. Fürch­te aber das Por­tu­gal mal wie­der im Halb­fi­na­le hän­gen bleibt.

  6. Es gibt ja nicht weni­ge ESC-Fans, die am liebs­ten beim Lied des jewei­li­gen Lan­des die kul­tu­rel­len Wur­zeln hören wol­len. Durch die gefühl­ten 367 Bal­kan­län­der wer­den sie mitt­ler­wei­le bes­tens bedient. Somit ist aus dem ESC der fröh­li­che Folk­lo­re­sta­del gewor­den. Eigent­lich war­te ich noch dar­auf, dass Deutsch­land mit einer Blon­di­ne mit zwei dicken Zöp­fen und einer Schuh­platt­ler­trup­pe auf­tritt, dann hät­ten wir Eth­no­freaks bes­tens bedient. Die dürf­ten immer­hin mit dem bäu­er­lich-länd­lich gepräg­ten Bei­trag Por­tu­gals zufrie­den sein, der sie voll­auf befrie­di­gen müss­te. Aber eins muss man den Por­tu­gie­sen schon mal sagen: Gebt der Frau am Mikro end­lich was zu essen, gegen­über der letzt­jäh­ri­gen jun­gen Mut­ter Bei­mer sieht die ja ver­hun­gert aus. Sen­ho­ra do Mar soll­te eigent­lich Por­tu­gals Maß­stab gewor­den sein.

  7. Wir Öster­rei­cher haben ähn­li­ches ja mit Glo­bal Kry­ner und [i]Y Asi[/i] ver­sucht, hat aber nicht ein­mal für’s fina­le gereicht, dabei war das einer der weni­gen öster­rei­chi­schen bei­trä­ge die mir gefal­len haben.

  8. Es ist ja auch nicht so, dass ich es gene­rell ableh­ne, wenn man lan­des­ty­pi­sches Eth­no mit Pop/Rock mischt, das kann je nach­dem wie’s gemacht ist, sehr geil klin­gen. Aber wenn ich bei Grie­chen­land bei­spiels­wei­se eh weiß, da wer­den schon wie­der grie­chi­sche Ele­men­te mit ver­wurs­tet, bin ich dem Bei­trag von vor­ne­her­ein skep­tisch ein­ge­stellt, weil immer die­sel­be Schie­ne, mal als Bal­la­de, mal als Dis­co­ti­tel, lang­weilt.

  9. Öhm…was bit­te sol­len sie sonst ein­brin­gen? Bei rei­nem Pop, Rock oder sonst­was schrei­en doch daheim wie­der alle Leu­te auf. Abge­se­hen davon hat man im Tele­vo­ting (so vor­han­den, dan­ke, NDR) bes­se­re Chan­cen, wenn man den Geschmack der Men­schen trifft, und sol­che Ele­men­te tun das offen­bar. Ist ja nicht so, dass ande­re Künst­ler mit ande­ren Lie­dern kate­go­risch von den Vor­ent­schei­den aus­ge­schlos­sen wer­den…

  10. Was sie sonst ein­brin­gen kön­nen, Ospe­ro? Du gibst schon die Ant­wort: Pop, Rock oder sonst­was. Von mir aus auch Blues, Soul, Punk, Speed Metal.…es gibt ja so vie­les, wes­halb ich es scha­de fin­de, dass man sich auf folk­lo­ris­tisch Ange­hauch­tes beschränkt. Nichts ist öder als Vor­her­seh­ba­res. Sie dürfen’s ja machen, hab nix dage­gen. Wenn’s der Bevöl­ke­rung so gefällt, sie es wünscht, bit­te. Wäre halt kon­se­quen­ter, man mach­te ein Musik­fes­ti­val rein natio­nal, dann trifft man auf jeden Fall den Geschmack und ‘beläs­tigt’ (ist natür­lich zu hart aus­ge­drückt) den Rest der Welt nicht damit. Wobei es durch­aus Lie­der gibt, wo sol­che kul­tu­rel­len Ele­men­te ent­hal­ten sind, die mir gefal­len. Die sind beim ESC aber in der Min­der­heit. Ist mir schon klar, dass das mei­ne per­sön­li­che Mei­nung ist und für mich muss kei­ner was anders machen – es wäre halt wün­schens­wert, wenn sich man­che Län­der nicht Jahr für Jahr den­sel­ben Stie­fel anzie­hen wür­den.

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