ESC 2. Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Logo des Eurovision Song Contest 2009 (Finale)
Das Jahr der Gei­gen

Schi­zo­phren: die unglaub­lich lus­ti­ge Come­dy-Tech­no-Num­mer ‘Tinga­li­in’, mit denen die Schwe­den beim dies­jäh­ri­gen Melo­di­fes­ti­va­len zur Ein­stim­mung auf Mos­kau spa­ßes­hal­ber sämt­li­che Russ­land­kli­schees auf den Arm nah­men, zog eine diplo­ma­ti­sche Kri­se zwi­schen bei­den Län­dern und den offi­zi­el­len Pro­test des dor­ti­gen Bot­schaf­ters nach sich. Als Eröff­nungs­act des zwei­ten Semis prä­sen­tier­ten die Rus­sen dann selbst exakt die glei­chen tan­zen­den Bären, Matrosch­kas und Kalin­ka-Chö­re, über die sie sich zuvor beklagt hat­ten. Nur, dass der Mos­kau­er Act anschei­nend bier­ernst gemeint war. Womit sich erneut zeig­te: wer nicht über sich selbst lachen kann, dem ist auch sonst nicht zu trau­en.

Komo­de­ra­to­rin Nata­lia Vodya­no­va hat­te offen­sicht­lich wäh­rend der letz­ten 48 Stun­den seit dem ers­ten Semi non­stop ihre weni­gen fran­zö­si­schen Zei­len gepaukt. Dar­über, dass sie die­se nun ein µ unfall­frei­er hin bekam, war sie selbst so begeis­tert, dass sie vor Erleich­te­rung quietsch­te. Wie schon am Diens­tag lie­ßen sich die Fina­lis­ten ziem­lich gut vor­her­sa­gen (mei­ne Quo­te lag wie­der bei 80%), und erneut waren die meis­ten davon berech­tigt. Um so bedau­er­li­cher: die bei­den schwu­len Num­mern flo­gen gna­den­los raus. Ließ sich das bei Ungarn noch mit der schlech­ten stimm­li­chen Leis­tung der dar­bie­ten­den Tanz­tri­ne zu ent­schul­di­gen, so konn­te ich das bei den “Flip­pers auf Ecsta­sy” (so der ange­nehm böse deut­sche Kom­men­ta­tor Tim Früh­ling) aus Hol­land und ihrer gran­dio­sen Show nur als kla­re und unver­bräm­te Homo­pho­bie begrei­fen. Auch, wenn ich die­ses Ergeb­nis im Vor­feld befürch­te­te: es hin­ter­lässt doch einen bit­te­ren Nach­ge­schmack.


Ver­ste­hen Sie Spaß? Schwe­dens lus­ti­ger MF-Act

Zumal statt­des­sen so ein lär­mi­ger Müll wie ‘Hora din Mol­d­o­va’ oder die unbe­greif­li­cher­wei­se von der Jury geret­te­te ‘Lijepa Tena’ wei­ter kam. Zum kroa­ti­schen Auf­takt­song hege ich eine beson­ders zwie­späl­ti­ge Bezie­hung: bei der dor­ti­gen Vor­ent­schei­dung DORA  fand ich den der Ästhe­tik der frü­hen Sech­zi­ger­jah­re ver­haf­te­ten Schmacht­fet­zen noch unmög­lich. Zumal der (musi­ka­lisch) als Kreu­zung aus Julio Igle­si­as (ES 1970) und Vico Tor­ria­ni (DVE 1958) daher kom­men­de Schwie­ger­mut­ter­lieb­ling Igor Cukrov ihn dort noch der­ma­ßen ohrenz­er­mür­bend schief dahin knö­del­te, dass ihm die stimm­si­che­re­re Andrea Šušn­ja­ra kaschie­rend zur Sei­te gestellt wer­den muss­te. In Mos­kau dreh­te sich das Ver­hält­nis um: nun kreisch­te Andrea, dass die Milch sau­er wur­de, wäh­rend der optisch äußerst anspre­chen­de Igor mit einer pas­sa­blen San­ges­leis­tung, vor allem aber mit dem wohl ver­klär­tes­ten Schlaf­zim­mer­blick der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te die Hor­mo­ne der Juro­rin­nen und Juro­ren ordent­lich in Wal­lung brach­te. Und mei­ne auch! Plötz­lich fand ich den Schla­ger­schlonz, bei dem es sich übri­gens nicht um einen Wer­be­jing­le für Inkon­ti­nenz­pro­duk­te han­del­te, rich­tig toll!


Ob die schö­ne Tena wohl weiß, dass mit ihr in deut­schen Alten­hei­men Men­schen gewin­delt wer­den? (HR)

Für Irland trat eine nur leid­lich moti­vier­te Pseu­do­punk-Pubband mit dem unori­gi­nel­len Namen Black Dai­sy an, mit einem an Ein­falls­lo­sig­keit kaum zu unter­bie­ten­den Joan-Jett-auf-Kamil­len­tee-Bei­trag namens ‘Et cete­ra’. Was halt so dabei her­aus­kommt, wenn eine Hor­de Euro­vi­si­ons­fans ver­sucht, einen Rock­song zu kom­po­nie­ren. Brr!1)Verfasser des iri­schen Bei­trags war eine pan­eu­ro­päi­sche Cli­que von Euro­vi­si­ons­fans rund um den Schwe­den Jonas Glad­nik­off und die Irin Niall Moo­ney, die sich über das Fan­board ESCnation.com ken­nen­ge­lernt hat­ten und die seit­her jedes Jahr in bes­ter Ralph-Sie­gel-Tra­di­ti­on Bei­trä­ge in Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen quer über den Kon­ti­nent einreichen. Im klas­si­schen, aller­dings stil­si­che­ren Pun­k­out­fit (Jackett, schma­le Leder­kra­wat­te, Anste­cker und “mei­ne Hose tut, als wär’ sie aus Leder”) kam das let­ti­sche Super­bär­chen Intars Busu­lis daher. Grr! Zu sei­nem auf rus­sisch vor­ge­tra­ge­nen, aggres­siv-wir­ren Pro­test­song über den ‘Stau’ sprang er hek­tisch umher, blick­te böse drein und ver­mit­tel­te, auch dank mas­siv ange­schwol­le­ner Hals­schlag­ader, den Ein­druck, als sei er ein unter Über­druck ste­hen­der Schnell­koch­topf kurz vor der Explo­si­on. Zwei Tei­le Jahn Tei­gen (NO 1978) und acht Tei­le geschlos­se­ne Abtei­lung, wie so oft bei den Let­ten. Ein biss­chen Angst mach­te das schon, ledig­lich sei­ne bei­den weib­li­chen Backings sorg­ten mit gele­gent­li­chen wat­te­wölk­chen­wei­chen “Na na na”-Gesän­gen für etwas Mil­de­rung.


Ein Bil­der­buch­let­te und Gewin­ner der 12 Dödel­punk­te: Intars (LV)

Noch mehr lecke­re Bär­chen gab es als Backings beim ser­bi­schen Bei­trag ‘Cipe­la’ zu bewun­dern. Njamm! Auch wenn die Bild­re­gie alles tat, immer gera­de da zu sein, wo sie nicht soll­te. Haupt­act war der deut­sche Bra­chi­al­ko­mi­ker Kon­rad Stö­ckel (unter dem Pseud­onym Mar­ko Kon), der in einer merk­wür­di­gen Ana­lo­gie über sei­ne Schu­he die Kom­mer­zia­li­sie­rung der mensch­li­chen Bezie­hun­gen beklag­te. Wozu er eine stets extrem ein­ge­schnappt wir­ken­de Bal­le­ri­na auf der Büh­ne her­um­schub­sen ließ. Das ver­stand zwar nie­mand, der des Ser­bi­schen nicht mäch­tig war, den­noch war die Dar­bie­tung hoch­gra­dig amü­sant – und ihr knap­pes Schei­tern auf dem zehn­ten Rang an den Jurys, die statt­des­sen lie­ber die schö­ne Tena ins Fina­le mani­pu­lier­te, ein ech­ter Skan­dal. Im Gegen­satz zum Aus­schei­den der Polin Lidia Kopa­nia, die selbst ‘I don’t wan­na live’ jaul­te. Und bei ihrem super­lang­wei­li­gen, qual­voll schie­fen Gegrei­ne ver­lor man auch als Zuschau­er ganz schnell jeg­li­chen Lebens­mut.


Tja, wer mit Akkor­de­ons spielt, ver­brennt sich die Punk­te (RS)

Alex­an­der Rybak ging als ein­deu­ti­ger Favo­rit der Buch­ma­cher ins Ren­nen und gewann bereits das Semi mit über­deut­li­chem Vor­sprung. Man konn­te sich des schalk­haf­ten Charmes des knuf­fi­gen nor­we­gi­schen Gei­gen­t­rolls, der erkenn­bar so viel glü­hen­den Sie­ges­wil­len aus­strahl­te, als hät­ten Séveri­ne (MC 1971), Vicky Lean­dros (LU 1972), Anne-Marie David (LU 1973) und Rus­la­na (UA 2004) gleich­zei­tig von ihm Besitz ergrif­fen, auch nur schwer­lich ent­zie­hen. Den letz­ten Aus­schlag gaben dann sei­ne bei­den in der Tra­di­ti­on der ‘Mana­ma­na’-Sin­gers aus der Mup­pet-Show auf­tre­ten­den, fabel­haf­ten Chor­sän­ge­rin­nen. Sehr süß das erleich­ter­te “Thank you” der von ihrer Fami­lie (ihr Bru­der kom­po­nier­te das schwach­brüs­ti­ge ‘Fire­fly’) sehr deut­lich gegen ihren Wil­len auf die Euro­vi­si­ons­büh­ne gezwun­ge­nen Zyp­re­rin Chris­ti­na Meta­xa am Ende ihres Auf­tritts. Ihr fiel erkenn­bar nicht nur ein Stein, son­dern ein gan­zes Hoch­ge­bir­ge vom Her­zen, dass trotz ihres stel­len­wei­se mar­kerschüt­tern­den Gejau­les auf­grund des Wel­pen­schut­zes kei­ne fau­len Toma­ten in ihre Rich­tung geflo­gen waren. Und sie es nun ein für alle mal hin­ter sich hat­te.


Fin­den Sie die Gemein­sam­kei­ten: die nor­we­gi­schen Rybet­tes (ab 2:00 Min)


Und die Snouths aus der Mup­pet­show!

Was in aller Welt hat­te Kamil Miku­lčík der bedau­erns­wer­ten Nela Pocis­ko­vá nur ange­tan? Die­ses ängst­li­che Ver­mei­den jeg­li­chen Blick­kon­tak­tes, die­ses krampf­haf­te Kampf­sin­gen gegen­ein­an­der! Jedes­mal, wenn das slo­wa­ki­sche Pär­chen auf­ein­an­der zuging, fürch­te­te ich, nun gleich Augen­zeu­ge einer häss­li­chen Sze­ne häus­li­cher Gewalt zu wer­den. Auch Nelas Geschrei klang eher nach Wut­ver­ar­bei­tung als nach Pop­mu­sik. Ein sehr düs­te­rer, unschö­ner und fol­ge­rich­tig mit dem vor­letz­ten Platz ent­lohn­ter Auf­takt für die Euro­vi­si­ons­rück­kehr des sla­wi­schen Lan­des nach zehn Jah­ren Pau­se, wel­ches in Sachen Erfolg­lo­sig­keit die Sta­fet­te vom Bru­der­staat Tsche­chi­en über­nahm. Ein zusätz­li­cher Wer­be­block wur­de nötig, da es die rus­si­schen Büh­nen­ar­bei­ter nicht schaff­ten, inner­halb der regu­lä­ren Umbau­pau­se von 30 Sekun­den die fünf Schäm­wän­de der Slo­we­nen rich­tig zu posi­tio­nie­ren. Hin­ter (bzw. nach kur­zer Zeit vor) die­sen agier­ten vier hin­rei­ßend gut aus­se­hen­de Gei­ger (Quar­tis­si­mo), die zum auf­ge­pepp­ten Backing­track von ‘It’s rai­ning Men’ hin­ge­bungs­voll fie­del­ten. Oder viel­mehr so taten, als fie­del­ten sie, denn Instru­men­te dür­fen beim Grand Prix ja nicht mehr live gespielt wer­den. Dazu stieß, lei­der, die Blon­di­ne Mar­ti­na Maje­r­le, wel­che die gar nicht mal so üble ‘Love Sym­pho­ny’ durch ihr lau­tes Geschrei zer­stör­te.


Wärst Du hin­term Para­vent geblie­ben, oh Mar­ti­na (SI)

Deen (BA 2004), Anžej Dežan (SI 2006), Zóli Ádok: die von mir heiß­ge­lieb­te Tra­di­ti­on der stock­schwu­len Kitsch­dis­co­num­mer führ­ten in die­sem Jahr die Ungarn fort. Die in einer haut­eng anlie­gen­den Wurst­pel­le von erle­se­ner Häss­lich­keit ein­ge­schweiß­te Mus­kel­queen Zóli beging jedoch, anders als der erneut ange­tre­te­ne Grie­chen­gott Sakis Rou­vas (GR 2004), den gro­ben Feh­ler, trotz schweiß­trei­ben­der Hoch­leis­tungs­cho­reo­gra­fie mit Flick­flack die Lead­vo­cals selbst sin­gen zu wol­len und sie nicht (wie Sakis) einem unauf­fäl­lig im Büh­nen­hin­ter­grund ver­steck­ten Backing zu über­las­sen. Das klang beim Ungarn grau­en­haft kurz­at­mig, wäh­rend Sakis mit einem unglaub­li­chen Gim­mick-Over­load und OTT-Tanz­akro­ba­tik über­zeu­gen konn­te. Dazwi­schen lie­fer­te das Litt­le-Four-Land Aser­bai­dschan eine leicht über­am­bi­tio­nier­te, aber extrem ein­gän­gi­ge Alli­te­ra­ti­on (AySel + Arash: ‘Always’) ab: ein per­fekt pro­du­zier­tes Amal­gam schwe­di­schen Euro­vi­si­ons­pops mit hüb­schen ori­en­ta­li­schen Ver­zie­run­gen. Da stör­te es auch kaum, dass der tap­si­ge Mit­kom­po­nist Arash optisch wie stimm­lich zwei Ligen unter­halb der aser­bai­dscha­ni­schen Sha­ki­ra AySel spiel­te.


War­um nur sind die offen­sicht­lichs­ten Dosen immer am bes­ten aus­ge­stat­tet? (HU)

Ein selbst­ver­schul­de­tes Opfer des Angli­fi­zie­rungs­wahns wur­de der litaui­sche Jus­tin Tim­ber­la­ke, Dmitry Shav­rov. Sein selbst kom­po­nier­tes ‘Pas­ik­ly­dęs žmo­gus’ war in der Ori­gi­nal­fas­sung eine wun­der­schö­ne, herz­er­grei­fen­de Schmer­zens­bal­la­de. Lei­der sang er sie, unter dem Künst­ler­na­men Sasha Son, in Mos­kau für die West­eu­ro­pä­er zur Hälf­te in einer eng­li­schen Ver­si­on (‘Love’). In der zwei­ten Hälf­te wech­sel­te er dann, um auch Punk­te aus dem Osten abzu­grei­fen, auf rus­sisch. Doch die Kal­ku­la­ti­on ging nicht auf: Saschas Eng­lisch war so grau­en­haft schlecht und genu­schelt, dass einem als Zuhö­rer der Sprach­wech­sel gar nicht auf­fiel. Und sein Song büß­te durch die Mätz­chen jeg­li­chen Zau­ber und Charme ein. Dass er am Schluss noch eine Flam­me in sei­ner Hand ent­zün­de­te, was sehr beein­dru­ckend aus­sah, ret­te­te ihn zwar zunächst ins Fina­le. Dort aber soll­te er abka­cken. Ein biss­chen bes­ser erging es der put­zi­gen, blut­jun­gen Alba­ne­rin Kej­si Tola. Zwar sang auch sie ihren fabel­haf­ten Dis­co­schla­ger ‘Më merr në ëndërr’ in einer angli­fi­zier­ten Ver­si­on als ‘Car­ry me in your Dreams’. Doch sie beherrsch­te die­se Spra­che und ließ sich in ihrem über­zeu­gen­den Vokal­vor­trag auch nicht durch die alber­nen Cho­reo­gra­fie­pflich­ten ablen­ken, die man ihr auf­nö­tig­te. Obwohl ihr Auf­tritt im alba­ni­schen Fina­le und ihr Vor­schau-Video sie noch als ech­te Rhyth­mus-Leg­asthe­ni­ke­rin aus­ge­wie­sen hat­ten.


Ein schwu­ler Pail­let­ten-Spi­der­man, head­spin­nen­de Pan­to­mi­men­gno­me und FSK-18-Tüll­mi­nis: so etwas sieht man nur beim Grand Prix, der tolls­ten Show der Welt! (AB)

Beim Auf­tritt bei den frü­he­ren Besat­zern, von denen sich die Ukrai­ne fünf Jah­re zuvor unter gro­ßen Mühen eman­zi­piert hat­te, warf das innen­po­li­tisch in Russ­land­treue und West­ori­en­tier­te tief gespal­te­ne Land alles in die Waag­scha­le, was es auf­bie­ten konn­te: einen lau­ten, hek­ti­schen Dance­kra­cher mit pseu­do-aktu­el­len Text­be­zü­gen (‘Anti-Cri­sis Girl’); gigan­ti­sche, stäh­ler­ne Rhön­rä­der, die eine wei­te­re extra lan­ge Umbau­pau­se erzwan­gen; mus­kel­ge­stähl­te Tän­zer mit Gla­dia­to­ren-Kopf­schmuck und knapps­tem Len­den­schurz; ein fahr­ba­res Drum­kit und eine Blon­di­ne im – ich muss es lei­der so direkt sagen – roten Nut­ten­dress. Svet­la­na Lobo­da hat­te dann auch ganz schnell den Bei­na­men “Slut­la­na” weg. Das wirk­te alles äußerst aggres­siv und auf­dring­lich, war aber wohl auch eher als Demons­tra­ti­on der Stär­ke denn als Euro­vi­si­ons­bei­trag gedacht: man woll­te sich ein­fach von den Rus­sen in Sachen Protz nicht über­tref­fen las­sen! Das zumin­dest gelang.


Ob die römi­schen Gla­dia­to­ren auch schon Unter­ho­sen tru­gen? (UA)

Ange­nehm beru­hi­gend und zivi­li­siert wirk­te das est­ni­sche Noc­turne-Update nach dem ukrai­ni­schen Groß­an­griff auf die Geschmacks­ner­ven. San­dra Nurm­sa­lu, die Frau mit den dicks­ten Schlauch­boot­lip­pen jen­seits von Chia­ra Oho­ven, und ihre Begleit­crew Urban Sym­pho­ny prä­sen­tier­ten mit ‘Rän­da­jad’ ein hüb­sches, ruhig flie­ßen­des Gei­gen­stück, dass sich dank der est­ni­schen Ori­gi­nal­spra­che gran­di­os anhör­te. Den krö­nen­den Abschluss die­ses Semis bil­de­te ein lus­ti­ger Aus­flug in die guten alten Acht­zi­ger­jah­re. Sieg­fried, Roy und Libe­r­ace in ultra­cam­pen Glit­zer­an­zü­gen; wie ihre groß­ar­ti­gen, als Hoch­zeits­tor­ten ver­klei­de­ten Chor­sän­ge­rin­nen (die im Refrain die Num­mer allei­ne tru­gen) mit einer simp­le­ren Ver­si­on der slo­we­ni­schen Sper­ma­spu­ren-Hand­scan­ner von 2007 aus­ge­stat­tet; ein wun­der­bar fut­ti­ger Ret­tet-die-Erde-mit-der-Kraft-der-Musik-Schla­ger (‘Shi­ne’) und eine simp­le und somit glück­lich machen­de Bil­der­buch­cho­reo­gra­fie wie von den Her­reys (SE 1984) abge­schaut. Für so etwas schaue ich den Grand Prix!


Divi­ne am trag­ba­ren Plat­ten­pult, die Wea­ther Girls im Back­ground und drei dick­li­che Tun­ten im Glit­zer­ja­ckett: da explo­diert die Nadel auf dem Camp-o-Meter! (NL)

Ange­sichts der Aus­ein­an­der­set­zun­gen um den zeit­gleich zum Grand-Prix-Fina­le ter­mi­nier­ten und von den Ord­nungs­mäch­ten unter­sag­ten Mos­kau­er CSD kün­dig­ten die offen schwu­len Top­pers bereits im Vor­feld an, das Fina­le zu boy­kot­tie­ren, soll­te Putin den Gay Pri­de zusam­men­knüp­peln las­sen. Das muss­ten sie dann nicht: zwar mach­te der rus­si­sche Des­pot genau das: er ließ den Sla­vic Pri­de durch die als Schlä­ger­trupp berüch­tig­te Poli­zei­ein­heit Omoh auf­lö­sen – aber die Nie­der­län­der kamen ohne­hin nicht in die End­run­de. Schan­de über Dich, Vla­di­mir und Schan­de über Euch, euro­päi­sche Tele­vo­ter!

ESC 2. Semi­fi­na­le 2009

Euro­vi­si­on Song Con­test – Zwei­tes Semi­fi­na­le. Don­ners­tag, 14. Mai 2009, aus der Olym­pia­hal­le in Mos­kau, Russ­land. 19 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Nata­lia Vod­ja­no­wa und Andrej Mala­kow.
#LandInter­pretTitelPunk­tePlatzQual.
01HRIgor Cukrov + Andrea Šušn­ja­raLijepa Tena03313ja (Jury)
02IESinéad Mul­vey + Black Dai­syEt cete­ra05211nein
03LVIntars Busu­lisProb­ka00719nein
04RSMar­ko Kon + Mila­anCipe­la06010nein
05PLLidia Kopa­niaI don’t wan­na lea­ve04312nein
06NOAlex­an­der RybakFai­ry­ta­le20101ja
07CYChris­ti­na Meta­xaFire­fly03214nein
08SKKamil Miku­lčík + Nela Pocis­ko­váLeť tmou00818nein
09DKBrinckBelie­ve again06908ja
10SIQuar­tis­si­mo + Mar­ti­na Maje­r­leLove Sym­pho­ny01416nein
11HUZoli ÁdokDance with me01615nein
12AZAysel & ArashAlways18002ja
13GRSakis Rou­vasThis is our Night11004ja
14LTSasha SonLove06609ja
15MDNel­ly Cio­ba­nuHora din Mol­d­o­va10605ja
16ABKej­si TolaCar­ry me in your Dreams07307ja
17UASvet­la­na Lobo­daBe my Valen­ti­ne (Anti-Cri­sis Girl)08006ja
18EEUrban Sym­pho­nyRän­da­jad11503ja
19NLTop­persShi­ne01117nein

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ESC Fina­le 2009: It comes as no Sur­pri­se –>

Fußnote(n)   [ + ]

1. Verfasser des iri­schen Bei­trags war eine pan­eu­ro­päi­sche Cli­que von Euro­vi­si­ons­fans rund um den Schwe­den Jonas Glad­nik­off und die Irin Niall Moo­ney, die sich über das Fan­board ESCnation.com ken­nen­ge­lernt hat­ten und die seit­her jedes Jahr in bes­ter Ralph-Sie­gel-Tra­di­ti­on Bei­trä­ge in Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen quer über den Kon­ti­nent einreichen

5 Gedanken zu “ESC 2. Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

  1. im prin­zip bin ich mit dem ergeb­nis des zwei­ten semi recht zufrie­den. nur die ukrai­ne wür­de ich ger­ne gege ser­bi­en tau­schen. da ich fan von sakis rou­vas bin war es span­nend (eigent­lich ner­ven­auf­rei­bend) bis zum schluss. in der online aus­ga­be des ber­li­ner kuriers habe ich einen total unnö­ti­gen ver­riss über den esc gele­sen. die­se stän­di­ge nega­tiv-bericht­erstat­tung in den dt. medi­en treibt mir die trä­nen in die augen. zum glück gibt es sei­ten wie die­se, denen der esc am her­zen liegt. dan­ke!

  2. Das ers­te Semi war von den Lie­dern, die wei­ter­ka­men, per­fekt. Die­ses nicht. So gar nicht. Arbei­tet Irland eigent­lich immer noch das gan­ze Kar­ma aus den Neun­zi­gern ab, oder wie kann die­ses Lied hän­gen­blei­ben? Das soll schlech­ter sein als Cipe­la oder Hora din Mol­d­o­va? So nicht, Euro­pa. Sor­ry, ich bin wahr­schein­lich der ein­zi­ge Mensch auf der Welt, dem das gefal­len hat, aber mir ist schlei­er­haft, war­um so was aus­schei­det. Was für den Sei­ten­be­trei­ber DQ war, sind die Mädels für mich. Naja, mehr Fut­ter für mei­ne Unver­dient-aus­ge­schie­den-Lis­te, zusam­men mit Anony­mous und Kabat (noti­ce a pat­tern here?). ‘Dank’ auch noch mal an die Jurys, die die­ses Geknö­del aus Kroa­ti­en ins Fina­le manö­vrie­ren muss­ten. Argh. Neben­bei: glaubt eigent­lich jemand an einen Zufall, dass in bei­den Semis der (wie sich dann spä­ter her­aus­stell­te) Sie­ger als Letz­tes bekannt­ge­ge­ben wur­de? Aber ich habe es Sakis Rou­vas gegönnt, Blut und Was­ser zu schwit­zen (und den schwar­zen Gän­se­blüm­chen bis zuletzt die Dau­men gedrückt. Go Éire!).

  3.  Es ist lei­der auch drei Jah­re spä­ter noch so, dass Sakis Rou­vas nicht ein­mal sein Semi gewon­nen hat. Und Island ist seit­dem IMMER als letz­ter ins Fina­le gekom­men, ob sie nun 1. (2009), 3. (2010) oder 4. (2011) waren. So wird es sicher auch Gre­tá Saló­me & Jón­si “erge­hen”.

  4. Sakis Rou­vas hat “lei­der” sein Semi nicht gewon­nen?

    Aber stimmt schon, das ist mir im Nach­hin­ein auch auf­ge­fal­len – die­ses Semi hat natür­lich Nor­we­gen gewon­nen und nicht Grie­chen­land.

    Das mit den Islän­dern ist mir noch gar nicht auf­ge­fal­len. Inter­es­san­te Sache. Offen­bar hat der Zufalls­zah­len­gott sie irgend­wie auf dem Kie­ker. Aus­glei­chen­des Kar­ma für Mon­te­ne­gros stän­di­ge ers­te Start­plät­ze?

Oder was denkst Du?