Neue Ver­schwö­rungs­theo­rie: das Euro­vi­si­ons­gen

Die Euro­vi­si­ons­fans in Mos­kau gehen mal wie­der ihrer Lieb­lings­be­schäf­ti­gung nach: dem Ent­wer­fen von absur­den Kon­spi­ra­ti­ons­theo­ri­en. So stell­ten fin­di­ge Fans ges­tern Nacht noch fest, dass alle zehn Län­der, die sich im ers­ten Semi für den Sams­tag qua­li­fi­zier­ten, sich auch schon im Vor­jahr erfolg­reich in der Qua­li schlu­gen. Ein­zi­ge Aus­nah­me: Mal­ta, das 2008 mit ‘Vod­ka’ den Sprung ins Fina­le nicht schaff­te (wohl zu früh dran gewe­sen!) und die­ses Jahr den Slot von Geor­gi­en (‘Piss will come’) über­nahm, das auf­grund der bekann­ten Arsch­krie­che­rei der EBU gegen­über Vla­di­mir Putin dies­mal zu Hau­se blei­ben muss­te. Zufall? Betrug? Oder ver­fü­gen bestimm­te Natio­nen ein­fach über ein Euro­vi­si­ons­gen, das ande­ren fehlt?


War ihr das Fina­le vor­be­stimmt? Male­na ‘Whitey White­man’ Ern­man

Nun ist es ja schon augen­fäl­lig, dass bestimm­te Län­der wie bei­spiels­wei­se Andor­ra seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den regel­mä­ßig in eben die­sen schei­tern. Was aber nach mei­nem Dafür­hal­ten (mit Aus­nah­me der Green-Day-Epi­go­nen von Hel­sin­ki) der gleich­blei­ben­den Drög­heit ihrer Bei­trä­ge in Ver­bin­dung mit stets Bar­ba­ra-Dex-Award-wür­di­gen Büh­nen­kla­mot­ten geschul­det ist. In der gest­ri­gen Vor­run­de konn­ten sich exakt jene zehn Län­der für das Fina­le qua­li­fi­zie­ren, wel­che die bes­ten Songs, die stärks­ten Stim­men oder die über­zeu­gends­ten Per­for­man­ces dar­brach­ten (und das schließt die islän­di­schen Lek­tio­nen in Lan­ge­wei­le aus­drück­lich mit ein!). Und es schei­ter­ten exakt all jene Län­der, die uns mit schie­fen Tönen, lang­wei­li­gen Auf­trit­ten oder Rock­gi­tar­ren quäl­ten. Also ein hun­dert­pro­zen­tig gerech­tes Ergeb­nis, wie es seit der Ein­füh­rung der zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de und der Regel, dass in die­sen auch nur die dar­in teil­neh­men­den Län­der abstim­men dür­fen, mit klei­ne­ren Abstri­chen jedes Mal zu beob­ach­ten ist.


Auch Andor­ras Bes­te waren nicht gut genug

Dass es eini­ge Natio­nen seit­her regel­mä­ßig schaf­fen, ande­re regel­mä­ßig hän­gen blei­ben, scheint die The­se eines Euro­vi­si­ons­gens zu bestä­ti­gen. Was auch nicht wei­ter ver­wun­dert: man­che Staa­ten wie zum Bei­spiel die Ukrai­ne neh­men den Wett­be­werb eben als sol­chen ernst und schi­cken regel­mä­ßig Acts mit Hoch­leis­tungs­cho­reo­gra­fi­en und Hoch­leis­tungs­stim­men. Ande­re Natio­nen wie die Nie­der­lan­de machen das, was sie immer gemacht haben: net­ten, durch­schnitt­li­chen Radio­pop, mit­tel­mä­ßig und etwas ste­ril dar­ge­bo­ten. Das reicht eben heu­te nicht mehr! Mal sehen, was die in die­sem Jahr erfolg­te trot­zi­ge Rück­be­sin­nung auf alte Wer­te (in Form typisch west­eu­ro­päi­schen schwu­len Spit­zen­camps) bringt – wie die Erfah­rung der letz­ten Jah­re lehrt, ver­mut­lich das erneu­te Aus­schei­den. Aber es gibt ja auch Gegen­bei­spie­le: Por­tu­gal, Land der Roten Later­ne, das lan­ge Zeit unaus­weich­lich in den Semis kle­ben blieb, scheint gera­de auf der rich­ti­gen Spur zu sein, wie sich aus der Kom­bi­na­ti­on von Folk­pop, sym­pa­thi­schen dicken Sän­ge­rin­nen und dem Ver­zicht auf all zu depres­si­ve Töne, wie sie das musi­ka­li­sche Ange­bot des Lan­des jahr­zehn­te­lang präg­ten, Honig sau­gen lässt.


Rhön­rä­der und Mus­kel­män­ner: die Ukrai­ne klotzt, statt zu kle­ckern

Auf­fäl­lig allen­falls das erneu­te Aus­schei­den Maze­do­ni­ens bei gleich­zei­ti­gem Wei­ter­kom­men von Schwe­den, zumal Male­nas Pol­ter­geist-Per­for­mance (“Geh ins Licht, Caro­le-Ann!”) von ‘La Voix’, obschon mein per­sön­li­cher Lieb­lings­song in die­ser Run­de, nicht gera­de als stark bezeich­net wer­den konn­te. Dass die Jury auch in die­sem Jahr in der Vor­run­de einen Song ret­te­te, ist bereits bekannt – nur noch nicht, wel­cher. Haben die Juro­ren also eine Vor­lie­be für Gru­sel­fil­me mit schwe­di­schen Haupt­dar­stel­le­rin­nen? Wir erfah­ren es erst am Sonn­tag. Mor­gen Abend schon kön­nen wir jedoch die Stich­hal­tig­keit der ein­gangs erwähn­ten Ver­schwö­rungs­theo­rie über­prü­fen: soll­te die­se näm­lich stim­men, müss­ten aus dem zwei­ten Semi Kroa­ti­en, Lett­land, Ser­bi­en, Polen, Nor­we­gen, Däne­mark, Aser­bai­dschan, Grie­chen­land, Alba­ni­en und die Ukrai­ne ins Fina­le ein­zie­hen. Womit ich bei den sechs zuletzt Genann­ten fest rech­ne (und was auch jeweils sehr gerecht­fer­tigt wäre) und im Fal­le Ser­bi­ens eben­falls ver­mu­te. Dem let­ti­schen Punk­ro­cker und den pol­ni­schen und kroa­ti­schen Heul­bo­jen räu­me ich hin­ge­gen kei­ne Chan­ce ein. Las­sen wir uns also über­ra­schen!

5 Gedanken zu “Neue Ver­schwö­rungs­theo­rie: das Euro­vi­si­ons­gen

  1. Por­tu­gal und Arme­ni­en waren für mich die Über­ra­schun­gen des Abends. Dan­ke das waren je 3 Minu­ten Urlaub. Dafür gucke ich ESC

  2. Kor­rekt Ent­schei­dung Ich bin die­ses Jahr auch ein­mal fast voll­stän­dig ein­ver­stan­den mit der Wahl der 10 Fina­lis­ten. Nur Fin­land fin­de ich dane­ben. Da hät­te ich lie­ber den Sie­gel oder Weiss­russ­land gese­hen, dann hät­te Deutsch­land noch die Chan­ce auf den vor­let­zen Platz…

  3. Ich kann nicht wirk­lich ver­ste­hen war­um Rumä­ni­en wei­ter gekom­men ist. Nach­bar­schaft und Dia­spo­ra? Spä­ter Start­platz? Die Num­mer war doch irgend­wie sehr blut­leer, beson­ders im Ver­gleich mit der Tür­kei.

  4. Hoch­leis­tungs­stim­men? Kom­men­tar zu Ukrai­ne: Klar, die neh­men das sehr ernst. Das mit der Hoch­leis­tungs­per­for­mance mag ja stim­men. Aber Hoch­leis­tungs­stim­me ist es die­ses Jahr wohl kaum (es sei denn, man geht nur nach den Phon­wer­ten). Gesang­lich ist der dies­jäh­ri­ge Bei­trag ja wohl unter aller Kano­ne. Des­we­gen soll­te das auch mei­ner mei­nung nach im Halb­fi­na­le raus­flie­gen (was es lei­der selbst­ver­ständ­lich nicht tun wird).

  5. Tja… …soviel zur schö­nen Ver­schwö­rungs­theo­rie. Natür­lich gibt es Län­der, die prak­tisch einen Frei­fahr­schein fürs Fina­le haben (hal­lo, Grie­chen­land!), aber die The­se, dass immer die glei­chen Län­der wei­ter­kom­men, wur­de spä­tes­tens durch das Wei­ter­kom­men von Est­land ziem­lich zer­trüm­mert.

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